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14.04.2014 08:00 Malerei

Ausstellung in Bochum: Caroline Streck „oberflach“ - macht das Alltägliche zum Besonderen

Caroline Streck ausstellung

Eine Auswahl von großformatigen Bildern sowie minutiös angefertigten Arbeiten auf Papier; (c) Caroline Streck

Caroline Streck bochumCaroline Streck kunstraum untenCaroline Streck malerei
Von: GFDK - Kunstraum-unten

Ein Balkongeländer, ein halb heruntergelassener Rollladen vor einem Fenster mit einem Blumenkasten aus Plastik, seriell gefertigte Dinge unserer alltäglichen Umwelt sind die Bildmotive, die Caroline Streck mit Öl- oder Acrylfarbe auf ihre  Leinwände überträgt.

Ausstellung in Bochum

Es sind ganz gewöhnliche und vermeintlich banale Elemente unserer alltäglichen Umwelt, die bei ihr zu reizvollen und bedeutsamen Motiven werden und über zeittypische Phänomene unserer Konsumgesellschaft berichten. Ansichten des Alltags verdichten sich in Strecks Gemälden zu einer Bestandsaufnahme gegenwärtiger Erscheinungen von Architektur und Städtebau, Lebensraum und -kultur.

Ein bisschen fühlt man sich an das in der Barockzeit so beliebte trompe l’oeil erinnert, die Augentäuschung, motivisch in die heutige Zeit verlagert oder den Fotorealismus. Es ist eine Malerei auf Leinwand, die akribisch genau auch die Schmutzspuren und Verfärbungen der Dinge aufzeigt. »Malen ist für mich immer Illusionserzeugung«, sagt sie auf Nachfragen, »doch soll das Bild als Bild immer erkennbar bleiben.

Caroline Strecks Kunst basiert zu allererst auf unvoreingenommener und genauer Beobachtung ihrer Umgebung und deren Erscheinungen. Minutiös untersucht sie die Dinge in ihrer Form, Gestalt und Struktur. Dann isoliert sie die meist industriell gefertigten Gegenstände von ihrem Umfeld und damit aus ihren einst zugedachten alltäglichen Funktionszusammenhängen. Diese Befreiung vom Zweck macht sie zur Kunst. Ein erheblicher Verfremdungseffekt entsteht. Die Gemälde stellen die Sehgewohnheiten des Betrachters auf das Banale auf die Probe. Sie bilden einen Gegensatz zur normalen Welt, denn die banalen Dinge werden ästhetisiert und erfahren eine Versachlichung, da keine Emotionen sichtbar sind. Die von ihrer Alltagswirklichkeit befreiten Motive bekommen eine völlig neue Natur.

Freunde der Kunst

In der Regel malt Caroline Streck Bilder im Verhältnis 1:1 zur Größe des Objekts, das sie jeweils darstellt, wodurch teilweise extreme Formate entstehen. So übernimmt sie für das mit Acryl auf Leinwand gemalte grüne Balkongeländer die Maße eines realen Balkons von 100 cm x 300 cm und für ihr Fensterbild VII die Standartfenstergröße von 170cm x 120cm. Form, Farbe und Konstruktion, sowie die parallelen Schrägen der Verstrebungen werden als Gestaltungselemente auf die Leinwand übernommen, werden zu einem komponierten Bild.

Ding-Konstruktion und Bild-Komposition sind identisch. Die Räumlichkeit reduziert sie auf ein Minimum und richtet so das Augenmerk auf die Beschaffenheit und die Struktur der flächigen Erscheinungsformen. Der Betrachter kann in den Bildern vorwiegend Gleichmaß, Stetigkeit oder ruhige Rhythmik empfinden, obwohl der Gegenstand in der Bildstruktur mit identischen Merkmalen präsent und wiedererkennbar ist. Caroline Streck will keine pure Illusion von Wirklichkeit erzeugen. Sie malt Bilder, aber irgendwie auch Gegenstände, die der Betrachter wiedererkennt. Er begegnet in den doppelt lesbaren Bild-Dingen Gemälde, die mit ihren maßvollen Koordinaten still, verfeinert und eindringlich zu ihm sprechen. In Caroline Strecks Arbeiten wird das Alltägliche bildkünstlerisches Ereignis. Gleichsam entmaterialisiert werden sie zu Zeichen, grafischen Mustern, zu Bildern, die Denkanstöße geben und viele Deutungen zulassen.

In der Ausstellung „oberflach“ im Kunstraum-Unten in der Bochumer U-Bahnstation Schauspielhaus zeigt die aus Saarbrücken kommende Künstlerin Caroline Streck ihren konzeptuelle Malereiansatz  vom 11.April2014 bis zum 23. Mai 2014 in einer Auswahl von großformatigen Bildern sowie minutiös angefertigten Arbeiten auf Papier.

Die heute 27-Jährige Künstlerin wurde 1986 am Niederrhein in Kempen (NRW) geboren. 2006-2011 studierte sie Freie Kunst bei Prof. Gabriele Langendorf an der HbK Saar, die sie auch zur Meisterschülerin ernannte. 2011 schloss sie ihr Hochschulstudium mit dem Diplom ab. Sie erhielt 2012 ein Förderstipendium der Stadt Saarbrücken, 2013 ein Stipendium der Werkstatt Plettenberg. Aktuell lebt und arbeitet Sie im Rahmen eines Stipendiums als freischaffende Künstlerin für drei Monate im Künstlerhaus Schloss Balmoral in Bad Ems, eine Einrichtung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur zur Förderung bildender Künstler.

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