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Aktuelles aus Medien, Kulturpolitik und Marketing

Aktuelles - Reden ist Silber

  • Vernunft ist ein Fremdwort für Linke und Gruene, sie sind zu sehr von Hass zerfressen, mit ihnen kann man auch nicht mehr sachlich diskutieren meint Carsten Linnemann
    ist Carsten Linnemann ein Rechter Brandstifter
    Babylonische Sprachverwirrung an deutschen Grundschulen

    Da sagt einer mal das Richtige, und schon bekommt er es vom Orden der politisch Korrekten in Politik und Medien aufs Maul. Die Realitätsverweigerer haben die Oberhand auf allen Ebenen gewonnen, so wie es aussieht. Und der Empörungsreflex hat voll zugeschlagen.

    Der CDU-Politiker Carsten Linnemann hatte in der „Rheinischen Post“ unter Hinweis auf „neue Parallelgesellschaften“ erklärt: „Um es auf den Punkt zu bringen:

    Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“ Für die betroffenen Kinder schlug er eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden.

    Hintergrund dieser Anregung ist die dramatische Veränderung des deutschen Schulalltages. In vielen Grundschulen ist ein ordnungsgemäßer Lehrbetrieb nicht mehr möglich.

    Anmerkung der GFDK Redaktion: Nun ist es so, ich bin mit einer Grundschul-Lehrerin befreundet. Sie erzählte mir, in ihrer Klasse sind gerade mal zwei Kinder ohne Migrationshintergrund. Die meisten, sind sau frech, stroh dumm, und sprechen kein Deutsch.

    Aber Linnemanns Aussage wurde in den Schlagzeilen völlig entstellt und unter größtmöglicher Empörung in die Tonne getreten. Und was ist das Ziel, man will aus Carsten Linnemann einen "Rechten" machen.

    Gabor Steingart hat in seinem Morning Briefing mal die Fakten zusammengetragen.

    In Deutschland leben rund 13,4 Millionen Kinder, davon besitzen 4,9 Millionen – das sind mehr als ein Drittel – einen Migrationshintergrund.

    Laut einer Pisa-Sonderauswertung weisen fast die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund „sehr schwache Leistungen“ in der Schule auf, was vor allem in geringer Sprachkompetenz begründet ist.

    Laut derselben Studie sprechen rund 80 Prozent der Kinder aus der ersten Migranten-Generation in der Familie eine andere Sprache als Deutsch. Bei in Deutschland geborenen Migranten zweiter Generation liegt der Anteil noch bei rund 50 Prozent.

    In den Großstädten herrschen chaotische Zustände, weil das Lehrpersonal nicht verstanden wird. Laut einer Erhebung des Hamburger Senats sind an den 191 Hamburger Grundschulen Kinder mit Migrationshintergrund erstmals in der Mehrheit. An 65 Hamburger Schulen liegt der Anteil bei mehr als 70 Prozent.

    Der Aufschrei war groß

    Der Orden der politisch Korrekten in Politik und Medien schlug erbarmungslos zu, wie Gabor Steingart feststellte.

    Linken-Chefin Katja Kipping warf Linnemann „Stimmenfang im rechten Sumpf“ vor.

    SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers sagte, die Aussagen Linnemanns seien „wirklich zum fremdschämen“.

    Die schleswig-holsteinische CDU-Bildungsministerin Karin Prien empörte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ über „populistischen Unfug“.

    Die Zeitung sekundierte artig: „Der CDU-Politiker nutzt eine Rhetorik der Ausgrenzung“.

    Die „dpa“ spitzte weiter zu und setzte eine Meldung in Umlauf mit der Überschrift: „CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können“.

    „Linnemann für Schulverbot bei mangelnden Deutschkenntnissen“, titelte etwa Zeit Online, aber auch die Welt und viele andere Medien machten mit. Er gipfelte darin, dass sich Carsten Linnemann als „Dumpfbacke“ oder Populist oder rechter Brandstifter beschimpfen lassen musste.

    Und das ist die Realität

    Heinz-Peter Meidinger Präsident des Deutschen Lehrerverbands meinte dazu. „Wir müssen uns endlich ideologiefrei dem Problem widmen, dass inzwischen ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler nur schlecht oder gar kein Deutsch kann“, sagte er WELT-Online.

    Berlin – Auch wenn Carsten Linnemann die Übeltäter, also die Linken und Grünen, nicht explizit benennt, wissen wir alle wer gemeint ist: Der stellvertretende Unions-Fraktionschef hat die Art, wie in Deutschland über seine Vorschläge zur Verbesserung von Deutschkenntnissen von Kindern mit Migrationshintergrund geführt wurde, kritisiert.

    „Um unsere Debattenkultur ist es nicht gut bestellt. Wenn wir hier nicht schnell umsteuern, droht unsere Gesellschaft weiter gespalten und polarisiert zu werden“, sagte Linnemann gegenüber „Cicero“.

    Die Zustände an manchen Schulen seien sogar noch dramatischer als befürchtet. Und die Gesellschaft schon so sehr gespalten und polarisiert, dass wichtige Themen kaum noch sachlich und differenziert diskutieren werden können, so Linnemann.

    Seine Forderung nach einer Vorschulpflicht für Kinder, die kaum Deutsch können, habe eine Welle emotionaler Reaktionen ausgelöst, wie er sie bisher selten erlebt habe.

    Vernunft ist ein Fremdwort für Linke und Grüne, sie sind zu sehr von Hass zerfressen, mit ihnen kann man auch nicht mehr sachlich diskutieren. Die Zeiten sind vorbei, weil sie dann zugeben müssten, dass sie versagt haben. (Quelle: dts)

    Was sagen die Fachleute?

    Viele Schulabgänger können sich kaum adäquat artikulieren schreibt die WELT am 11. August 2019, und titelt: Das Deutsch vieler Azubis lässt Ausbilder schaudern. Der Präsident der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée beobachtet mit Sorge, wie das Rechtschreib- und Sprachniveau der Lehrstellenbewerber seit Jahren abnimmt.

    „Deutsche Sprachkenntnisse sind unabdingbar, um hierzulande eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren – das sagen mehr als 90 Prozent der ausbildenden Unternehmen“, betont DIHK-Experte Dercks.

    Gabor Steingart (Jahrgang 1962) ist ein deutscher Journalist, Autor und Medienmanager. Sein kostenloses Morning Briefing finden Sie hier: www.gaborsteingart.com

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  • Carola Rackte ist weder eine Heldin noch eine Heilige und auch die Seenotrettung von Fluechtenden sollte man hinterfragen
    Den Heiligenschein poliert
    Wahrnehmung und Wirklichkeit - was Sie über Hilfswerke wissen sollten

    Immer wenn wir uns mit dramatischen Geschichten aus der sogenannten Dritten Welt befassen, mitfiebern, aufgewühlt sind, zornig oder traurig, dann kommt sie irgendwann, die Frage:

    Wie soll sich das alles ändern? Was läuft alles falsch, woran liegt es, das millionenfache Elend? Und warum haben eigentlich 50 Jahre Entwicklungshilfe so wenig gebracht?

    In ihrem provokanten Sachbuch „Das NGO-Spiel“ stellt die US-amerikanische Autorin und Politikwissenschschaftlerin Patrice C. McMahon die These auf, dass NGOs, also Hilfswerke oder Nichtregierungsorganisationen, nicht so sehr eine Hilfe bei der Schaffung dauerhaften Friedens und Wohlstands sind, sondern vielmehr Teil der anhaltenden Probleme in Gesellschaften, die aus Konfliktsituationen kommen.

    Die Idee zu diesem Buch, das jetzt auf Deutsch im Verlag Hamburger Edition erschienen ist und 35 Euro kostet, entstand Ende 2000, als die Autorin zum ersten Mal Bosnien besuchte und über Jahre recherchierte, wie NGOs auch in der internationalen Politik eine steile Karriere gemacht haben und von unbedeutenden Spielfiguren zu maßgeblichen Kräften in der Friedenskonsolidierung wurden.

    So ist McMahon der Überzeugung, dass wir, die Öffentlichkeit, die Spender, nicht viel über diese Akteure wüßten und es an der Zeit sei, sich mit der Realität von NGOs, die zum Teil mehr für Hilfsleistungen ausgeben, als viele europäische Staaten, näher zu befassen.

    Denn mit Geld kommt Macht und mit Macht Einfluß auf die Politik, ob auf dem Balkan oder in Afrika, was ich nur unterschreiben kann, da ich selbst sechs Jahre für eines weltweit größten Hilfswerke international in der Kommunikation tätig war.

    Meine Meinung: Weg mit der Unterstellung, Entwicklungshilfe könne die Welt retten. Gier, Hass und Korruption werden durch NGOs nicht verschwinden.

    Unfaire Handelssysteme übrigens auch nicht, und auch nicht der heute so beliebte Landraub, der aus dem Kontinent Afrika mal wieder eine weltweit knapp gewordene Ressource herauspresst, um den Energie- und Fleischhunger Europas und Asiens zu befriedigen.

    Für das Beseitigen dieser Ungerechtigkeiten ist nicht Entwicklungshilfe notwendig, sondern politischer Mut, Weitblick und Empathie, weil globaler Hunger und globales Elend schon längst bei uns angekommen sind.

    Ich sage immer Menschen, die insbesondere gerne zur Weihnachtszeit spenden: Misstrauen Sie dem Entwicklungshelfer, der nur noch Brunnen bohrt. Fragen Sie ihn, wie er sicherstellt, dass dies der letzte Brunnen ist, der dort jemals mit ausländischer Hilfe gebohrt werden muss.

    Auf 309 Seiten untersucht McMahon den ehemals großen NGO-Boom, der mehr und mehr zu verblassen scheint, auch wenn Hilfswerke in absehbarer Zeit nicht verschwinden werden.

    Immer öfter werden internationale wie lokale NGOs kritisiert, die Öffentlichkeit verlangt nach mehr Transparenz, Rechenschaftslücken aufgedeckt, ihre scheinbare Immunität in Frage gestellt.

    NGOs und der Mythos, dass Geld an solche Organisationen zu geben automatisch bedeute, Gutes zu tun, können in die Irre führen, schreibt McMahon. Mit schlimmen Folgen, wie auch ich meine.

    Das NGO-Spiel“ ist wie gesagt ein Sachbuch und eine in der Tat wissenschaftliche Abarbeitung; doch spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Apropos:

    Leider findet sich in der Sekundärliteratur dieses Buches kaum ein deutscher Autor wieder, der sich diesem Thema gewidmet hat. Schade, gehört doch gerade Deutschland mit zu den größten Geberländern mit den großzügigsten Spendern. 

    Sönke C. Weiss

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  • Steve McQueen, Fotografie by Barbara McQueen 1979
Barbara McQueen schildert, wie der groesste Filmstar seiner Zeit wirklich war
    Mein McQueen und Die Frau, die nein sagt
    Unser Autor Sönke C. Weiss stellt zwei beeindruckende Biografien vor, die eigentlich keine sind

    Dass der Ankerherz-Verlag in Hollenstedt, das ist irgendwo in Niedersachsen, an die Kraft einer guten Geschichte glaubt, haben mir jüngst zwei seiner Bücher bewiesen, obwohl ich kein großer Fan von Biografien bin, da diese doch meist geschönt sind.

    Schluß mit absurden Mordgerüchten

    Nicht so „Mein McQueen“, in dem Barbara McQueen, die dritte und letzte Ehefrau des legendären Schauspielers Steve McQueen, zum ersten Mal schildert, wie der größte Filmstar seiner Zeit wirklich war und - bemerkenswerter noch - wirklich starb und somit auch endlich mit absurden Mordgerüchten aufräumt, die sich über die zurückliegenden 30 Jahre hartnäckig gehalten haben.

     „Mein McQueen“ ist eine Art intimes Tagebuch über die letzten gemeinsamen Jahre eines Paares, keine Biografie im klassischen Sinne, sondern eine atemberaubende wie rohe Liebesgeschichte, spannend und kenntnisreich aufgeschrieben vom ehemaligen Stern-Chef Christian Krug und dem Biografen Marshall Terrill, die Barbara McQueen immer wieder besucht haben.

    „Die Frau, die nein sagt“

    Die 188 Seiten - mit vielen privaten Fotografien - sind ihre 29,90 Euro auf jeden Fall wert. Auf 186 Seiten und zehn Euro günstiger schreibt die Rebellin, Muse und Malerin Françoise Gilot über ihr Leben mit und ohne Picasso.

    (Apropos: Sie war die einzige Frau, die den Weltstar-Maler je verließ.) Für ihr Buch, übrigens auch nicht die übliche Biografie, sondern eher eine Reise ins Innere der Kunst, öffnete Madame Gilot, sie ist die Mutter von Paloma Picasso, dem Stern-Reporter Malte Herwig, die Türen zu ihrer Vergangenheit wie Gegenwart.

    Es geht um Glück und Zufriedenheit, um eben die Kunst eines erfüllten Lebens und überhaupt über ein Leben, das von Kunst bestimmt war und ist. „Wenn du etwas riskierst, erlebst du auch schlimme Dinge, aber du lebst und verstehst immer mehr.

    Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig werden“, sagt „Die Frau, die nein sagt“, so auch der Titel des Buches, das auf jeden Fall eines nicht ist: langweilig. Beide Bücher gibt es sicher in den Buchhandlungen Ihres Vertrauens oder direkt bei www.ankerherz.de

    Sönke C. Weiss

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Aktuelles - Exklusiv Interviews

  • Michael Horbach und Michaela Boland
Michaela Boland und Michael Horbach Interview
Michael Horbach in der Galerie
Michael Horbach und Michaela Boland im Gespraech
Michael Horbach der Kunstsammler
Michaela Boland und Michael Horbach in Koeln
Michael Horbach Interview GFDK
    Keiner braucht drei Ferraris, auch kein Künstler
    Michael Horbach will mit der Kunst der Schickeria und den Superreichen nichts zu tun haben

    Das Gespräch haben wir 2013 mit Herrn Horbach geführt. Fast wie im Märchen: Er hat bereits in jungen Jahren Millionen gemacht. Nicht umsonst bemühte sich Veronica Ferres-Freund, Carsten Maschmeyer, einige Zeit intensiv darum, ihm sein lukratives Business mit Erfolg abzukaufen. Die Rede ist von Michael Horbach. Die Erfolgsstory des Aacheners begann schon 1983

    Als 23-jähriger Student, kurz nach dem Studium, der Volkswirtschaftslehre nämlich wurde der Sohn eines Pflasterers von seiner damaligen Freundin, einer Medizinstudentin, dazu angehalten, ihr für die Zukunft Tipps bei allen Vorsorge-und Versicherungsfragen zu geben.

    Gesagt, getan. Nachdem die Beratung sich schnell in barer Münze auszahlte, ward der Entschluss, aus dem Talent eine Profession zu machen, flink gefaßt. Und so trug es sich zu, dass schon bald Heerscharen potenzieller und gegenwärtiger Gutverdiener ihn umgaben, um seinen Rat einzuholen.

    Mit 50 aber machte der smarte Geschäftsmann dann jedoch planungsgemäß Schluß mit der Arbeit und widmete sich seinem eigentlich ebenfalls arbeitsreichen Vergnügen, der Kunst, ganz und gar.

    Im Jahre 2000 investierte der langjährige Wahlkölner einen großen Teil des Vermögens in seine Stiftung, die nicht nur Künstler und vor allem Künstlerinnen fördert, sondern auch sozial schwachen Menschen tatkräftig unter die Arme greift.

    Im Rahmen seiner Ausstellung mit dem Titel "Mein Cuba" demonstrierte Horbach, dass er sich auch höchst selbst auf die Kunst des Fotografierens versteht.

    Heute zeigt mir der Vater eines 38-jährigen Sohnes seine schönen Ausstellungsräume in der Kölner Südstadt und spricht ohne Vorbehalt, Strich und Komma wie ein Mensch von Angesicht zu Angesicht. Von den üblichen Plattitüden von Managern, Moderatoren und Politikern ist der sympathische „Wahlkölner“ weit weg.

    Michaela Boland:

    Herr Horbach, ihr aktuellstes Kunstprojekt  ist neben  der Verleihung des Fotopreises, welcher in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten gegangen ist, auch die Ausstellung "5 Räume - 5 Ausstellungen", die noch bis zum 20. August 2013 in ihren Kölner Räumlichkeiten zu bewundern ist. Was genau erwartet das kunstinteressierte Publikum hierbei?

    Michael Horbach:

    Das übergeordnete Thema lautet "Wunden". Zum einen werden wunderschöne Fotografien aus Afghanistan  von Professor Jaro Poncar zu sehen sein. Bei diesen Arbeiten sieht man keine Wunden,  es sind insoweit also keine Kriegsbilder, aber jeder hat diese Bilder bei dem Thema Afghanistan nun mal im Kopf.

    Heiner Schmitz präsentiert Fotos aus Palästina. Ihm war es wichtig, bei den Portraitarbeiten an der Mauer, die seit 2004 zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten gebaut wird, Aussagen von betroffenen Menschen in seine fotografische Arbeit einzubinden.

    Außerdem stellt Pari Moradi, die erste Stipendiantin der Michael Horbach Stiftung, die 2007 als Autodidaktin mit der Malerei begann,  Zeichnungen aus. Darüber hinaus sehen wir Marcos Zimmermanns Fotos aus Argentinien, sowie die Fotos des diesjährigen Fotopreisträgers, Thomas Karsten, aus Uganda, auf denen Mütter mit ihren behinderten Kindern zu sehen sind.

    Michaela Boland:

    In den 80-er Jahren haben sie die Kunstgalerie des renommierten Galeristen Hans-Jürgen Müller in  Köln übernommen.

    Dort haben sie Künstler wie Blalla W. Hallman unter Vertrag ausgestellt, der kurz vor seinem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt alle ihm verfügbaren eigenen Arbeiten zerstört haben soll und u.a. an der University of California in San Francisco sowie der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelehrt hat.

    Sein Werk hat sich vor allem in blasphemischer und obszöner Weise mit existenziellen Grundfragen wie Religion oder Sexualität beschäftigt. Muss es für ihren Geschmack denn immer ein wenig exzessiver sein?

    Michael Horbach:

    Ich bin in meinem Leben schon immer gegen den Strom geschwommen. Blalla Hallman habe ich damals zunächst übernommen. Er war zu dem Zeitpunkt bereits Künstler der Galerie Hans-Jürgen Müller. Ich hatte zu der Zeit noch meine Firma und habe das Ganze damals noch mehr als Hobby betrieben. So habe ich zuerst einmal einfach sämtliche Künstler übernommen.

    Michaela Boland:

    Betraf das ebenfalls die bekannte belgische Fotografin und Videokünstlerin Marie Jo Lafontaine, der ihr internationaler Durchbruch 1987 auf der Documenta 8 mit einer Videoinstallation in Kassel gelang?

    Michael Horbach:

    Nein, die war nicht bei Hans-Jürgen Müller. Sie hatte ich zuvor akquiriert und ausgestellt.

    Michaela Boland:

    Für die damalige Zeit schon recht außergewöhnlich, nicht wahr?

    Michael Horbach:

    Ja, das kann man sagen. Ich wollte sie jetzt noch mal ausstellen und habe Kontakt mit ihrem Galeristen aufgenommen. Der hat dann aber gesagt, "Oje, Herr Horbach, die ist inzwischen sehr bekannt und dementsprechend auch anstrengend". Dann hat er mir so ein paar Fakten genannt und dann habe ich gesagt, " Nein, danke, das möchte ich nicht."

    Michaela Boland:

    Obwohl man sich bereits kennt und einen persönlichen Bezug zueinander hatte?

    Michael Horbach:

    Ja, aber das ist dann einfach zu anstrengend. Ich habe das lediglich gehört, aber sie soll beispielsweise darauf bestehen, dass jemand ihre Arbeiten aufhängt, der am Tag tausend Euro dafür kassiert.

    Die Kisten für ihre Kunstwerke sollen ein Vermögen kosten. Da möchte ich das Geld doch lieber den jüngeren Künstlern zukommen lassen. Außerdem mache ich das ja alles privat, dieses Geld zahle ich nicht aus meiner Stiftung.

    Michaela Boland:

    Klingt beinahe wie das, was man hin und wieder von exzentrischen Popdiven zu hören bekommt.

    Michael Horbach:

    Ja, da gibt es Sachen. Jetzt habe ich gehört, dass Andreas Gursky angeblich drei Ferrari fährt. Das ist so eine Geschichte die ich nicht besonders gut finde.

    Michaela Boland:

    Soweit er es vermag, alle gleichzeitig zu fahren, wäre es doch cool.

    Michael Horbach:

    (lacht)  Ja, gut.

    Michaela Boland:

    Der von ihrer Stiftung alle zwei Jahre ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis geht in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten. Worum geht es in dem von ihm dokumentierten Projekt?

    Michael Horbach:

    Dieses Projekt heißt "Räder für Uganda". Da haben wir 60 Fahrräder gestiftet und Thomas Karsten hat diese vor Ort verteilt. Er hat dort einen Transporter gemietet und ist anschließend durch die Dörfer gefahren und hat die Räder an arme Familien verteilt.

    Am Anfang wollten wir das ganze über eine Stiftung organisieren, daher hat er zunächst zwei Fahrräder jener Stiftung übergeben, jedoch hat er schnell gemerkt, dass am Ende doch wieder nur solche Menschen mit den Rädern fuhren, die eigentlich gar nicht so arm waren.

    Das sah man dann beispielsweise an solchen Dingen wie Armbanduhren. Insoweit haben solche Projekte nur Sinn, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Die zweite Arbeit, für welche Thomas Karsten den Fotopreis erhält, ist die Ausstellung, die zur Zeit in unseren Ausstellungsräumen hängt. Es geht um Frauen aus Uganda mit ihren behinderten Kindern.

    Michaela Boland:

    Nicht gerade eine Schön-Wetter-Thematik.

    Michael Horbach:

    Manchmal muss man durchaus zwei oder dreimal hinsehen, um es überhaupt zu bemerken. Ich finde, die Menschen auf den Fotos präsentieren sich voller Stolz und Selbstbewußtsein. Zwar durchaus zurückhaltend, aber dennoch merkt man, da ist Stolz. Ich halte das für eine gelungene Arbeit.

    Michaela Boland:

    Ist es grundsätzlich einfacher als Künstler Aufmerksamkeit innerhalb der Öffentlichkeit zu generieren, wenn man sich schlichtweg mit gesellschaftskritischen, sozialen oder unästhetischen Themen befaßt?

    Michael Horbach:

    Eher nicht. Wenn man Mainstream machen will und einen Galeriebetrieb hat, dann auf keinen Fall. Das hier ist ja keine Galerie, ich verkaufe ja nicht. Die Künstler können in ihrem Namen verkaufen.

    Ich gebe nur Geld aus und tue das gerne und bekomme das alles auf irgendeine Art und Weise zurück. Mich interessiert sozialkritische Fotografie am meisten und der mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis sieht das auch als Kriterium.

    Michaela Boland:

    Man könnte ihren Fotopreis mit rein ästhetisch-schöner Fotografie also eher nicht erhalten?

    Michael Horbach:

    Auf keinen Fall. Also, ich bin sehr offen für sogenannte schöne und ästhetische Fotografie, habe im ersten Jahr 2011 in diesem Raum eine Ausstellung zum Thema Erotik ausgestellt und da waren sehr schöne ästhetische Fotografien dabei. Insoweit habe ich da überhaupt nichts gegen.

    Allerdings empfinde ich die normale Schönheit, die uns immer präsentiert wird, langweilig. Wenn ich also sehe, was uns durch bestimmte Models als Schönheit verkauft wird, dann kann ich nur traurig sein.

    Michaela Boland:

    Warum wird der Fotopreis nicht jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre vergeben?

    Michael Horbach:

    Ich wollte hierfür eine bestimmte Summe ausschreiben und 10.000 Euro sind für einen Fotopreis schon ganz kräftig. Jedes Jahr wäre das ein bisschen viel gewesen. Das kommt ja aus meiner Stiftung. Da habe ich eine größere Summe hineingesteckt als ich meine Firma verkauft habe.

    Davon lebt die Stiftung hauptsächlich. Es ist nicht so, dass ich viel akquiriere und sage, "bitte spendet", denn da habe ich zu sehr die Angst, dass der eine oder andere sagt, "du hast Geld genug, mach du das mal".

    Michaela Boland:

    Heißt das, es gibt einen Topf, aus dem sich bedient wird?

    Michael Horbach:

    Ja, da ist ein Topf und von Zinsen wird die Arbeit finanziert (Anmerkung Redaktion: Das ist das deutsche Stiftungsgesetz). Darüber hinaus gibt es noch andere Gelegenheiten, bei denen ich dann sage, "o.k., du kannst deine Wohnung mit meiner Kunst ausstatten und dafür spendest du etwas".

    Oder, wenn mich Freunde, die es sich leisten können, auf Mallorca besuchen, dann zahlen auch die in die Stiftung ein. Drei-Gewinnerprinzip nenne ich das.

    Michaela Boland:

    Welche Art von Kunst hängt denn so privat bei ihnen?

    Michael Horbach:

    Früher, als ich jung war, Blalla Hallmann. Aber das geht heute nicht mehr. Ich möchte heute schon Kunst um mich haben, die positiv wirkt. Ich habe zum Beispiel fünf wunderschöne schwarzweisse Fotografien des kubanischen Fotografen Korda, der einst das berühmte und meistverbreitete Foto der Welt gemacht hat, nämlich das von Che Guevara.

    Neben diesem Foto hängt ein wunderschönes beeindruckendes Foto eines Mädchens, das einen Holzscheit als Puppenersatz an die Brust drückt. Korda hat ja immer gesagt, dass er kein Kommunist sei und rein gar nichts mit Kommunismus am Hut habe, aber, dass er Fidelist sei.

    Fidel habe alles richtig gemacht und zu diesem Foto hat er speziell gesagt, "ich werde so lange für die Revolution kämpfen bis jedes kubanische Mädchen eine richtige Puppe hat".

    Genau das habe ich auch in Kuba erlebt, dass junge Mütter, mit denen ich ins Gespräch kam, zu mir sagten, "wenn du noch mal kommst, kannst du meiner Tochter bitte eine Puppe mitbringen". Außerdem mag ich den italienischen Künstler Salvo oder auch die Kölner Künstler Heinz Zolper und Michael Buthe. Von den jungen Künstlern gefällt mir die Iranerin Pari Moradi

    Michaela Boland:

    Was tun sie eigentlich in ihrer Freizeit oder sind sie gar rund um die Uhr mit der Stiftungsarbeit beschäftigt?

    Michael Horbach:

    Ich versuche eine Harmonie zwischen Verantwortung und Vergnügen zu schaffen. Wobei Vergnügen ist, sich mit Kunst zu beschäftigen, viel zu reisen und zu fotografieren. Darum habe ich ja auch meine Firma mit 50 verkauft, weil ich frei sein wollte.

    Es gibt so viele schöne interessante Sachen, die ich im Leben kennenlernen möchte. Ich mache zudem auch etwas für meinen Körper und mache Sport.

    Michaela Boland:

    Was für einen Sport treiben sie?

    Michael Horbach:

    Ich habe einen Trainer, der zwei Mal die Woche kommt, dann werde ich so richtig gequält.

    Michaela Boland:

    Einen Personaltrainer?

    Michael Horbach:

    Ja, denn ich habe einfach Angst, dass ich zu viele Fehler mache, wenn ich allein oder in einer Gruppe Sport treibe. Das kann ich mir nämlich nicht mehr leisten, weil dann meine Knochen noch mehr schmerzen würden.

    Michaela Boland:

    Mit ihren eigenen Fotos von Kuba, die teilweise augenblicklich noch in ihren Ausstellungsräumen zu bewundern sind, haben sie für große Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischenzeitlich ist sogar ein eigener Bildband ihrer Arbeiten erschienen. Wann haben sie selbst damit begonnen, die Kamera zu zücken und zu fotografieren?

    Michael Horbach:

    Ich habe immer schon geknipst und Urlaubsfotos gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich einen ganz guten Blick habe. Mit der Technik habe ich es nicht so, da kenne ich wirklich nur das Notwendigste.

    Allerdings habe ich jetzt auch immer wieder in Fachbüchern gelesen, dass das gar nicht sein muss, wenn man Fotografie künstlerisch betreiben will, wobei ich den Anspruch noch immer nicht erhebe ein Künstler zu sein.

    Ich war vor ungefähr sieben Jahren zwei Jahre hintereinander in Argentinien, Buenos Aires, in Patagonien, da habe ich angefangen, intensiver zu fotografieren. Dabei hatte ich immer im Kopf, meiner Umgebung ein anderes Gesicht von Schönheit zu zeigen.

    Michaela Boland:

    Wie sollte das aussehen?

    Michael Horbach:

    Gesichter sollten einfach natürlich sein, möglichst ungeschminkt. Gesichter, die auch Spuren aufweisen, da wo nichts bearbeitet wird, wo Augen sind, die einen einfach umhauen. Dafür sterbe ich, dafür lebe ich. Das kann man bei kleinen Kindern bekommen, bei alten Männern oft und bei Frauen natürlich.

    Da habe ich schon sehr viele Portraits fotografiert. Ich nehme mir dann Amateure aus der Umgebung, spreche junge Frauen auf der Straße an und sage sofort, "es geht nur um Portraitfotografie, um interessante Gesichter“

    Michaela Boland:

    Und die sagen dann immer sofort, "ja"?

    Michael Horbach:

    In der Regel ja, nicht alle, aber der überwiegende Teil schon.

    Michaela Boland:

    Gab es eine bestimmte Motivation, ausgerechnet kubanische Gesichter für ihre Fotografie zu wählen?

    Michael Horbach:

    Ich habe Kuba durch mehrere Besuche sehr schätzen gelernt, vor allen Dingen die Menschen, die Lebensweise, die Landschaft und die Natur.

    Michaela Boland:

    Was zeichnet die Menschen dort ihrer Meinung nach aus?

    Michael Horbach:

    Dass sie einfach erstens Zeit haben und zweitens in der Regel immer gut drauf sind. Sie sind noch befreit vom Wettbewerb, also dem, was unser System natürlich ganz stark fördert. Außerdem habe ich das Gefühl, die Menschen dort haben noch soziale Bindung.

    Die sind zwar materiell arm, aber von denen könnten wir sehr viel lernen. Die sind auf ihre Art auch reich. Beispielsweise vom Charakter her, einfach von der Weise her, wie diese Menschen leben. Und das ist das, was ich zeigen wollte.

    Das Negative kennen wir durch unsere Presse zur Genüge. Das ist ja eine Diktatur, die sind ja alle arm und das ist natürlich alles der Kommunismus schuld usw.

    Ich wollte da einfach einen Gegenpol bilden und den Menschen, seine Schönheit, seine Heiterkeit und den Reichtum Kubas durch meine Fotografie zeigen und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Die meisten kommen, staunen und sagen: "Ja, die lachen ja alle. Hast du die dazu aufgefordert?" Das habe ich kein einziges Mal gemacht.

    Michaela Boland:

    Insofern ist die Lebensfreude der Menschen offenbar eine ganz andere als hier bei uns. Woran, glauben sie, liegt das?

    Michael Horbach:

    Jetzt kann man sagen, das ist das Wetter, das ist die Karibik, o.k. In jedem Fall kann man aber sagen, durch das System wird das nicht zerstört. Dazu kommt, dass auch viele Halbwahrheiten oder Unwahrheiten in unserer Presse stehen.

    Es ist ein anderes System und da muss offenbar aus Sicht unserer bürgerlichen Presse immer alles schlecht sein. Ich wäre daher froh, wenn wir so ein Selbstbewußtsein hätten, dass wir zwar auf die Fehler hinweisen, aber vor allen Dingen auch zeigen, wo wir von dem anderen System etwas lernen könnten. Soweit müssten wir eigentlich sein.

    Michaela Boland:

    Fotografieren sie die Menschen auch schon mal hier in unseren heimischen Gefilden oder gehen sie dafür dann regelmäßig in andere südliche Länder?

    Michael Horbach:

    Ich habe das schon hier in der Galerie, auch auf Mallorca gemacht, aber sehr oft mit meinem Lieblingsmodel und das ist die Iranerin Pari Moradi.

    Michaela Boland:

    Die nicht nur Stipendiantin ihrer Stiftung, sondern jetzt auch ihre Lebensgefährtin ist.

    Michael Horbach:

    Ja (lacht), es macht einfach Spaß, weil sie natürlich ist. Ich brauche im Grunde gar nichts zu sagen (beim shooting), sondern nur abzuwarten und dann zu fotografieren.

    Michaela Boland:

    Wie alt ist sie?

    Michael Horbach:

    36.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Liebesgeschichte zwischen ihnen beiden entwickelt?

    Michael Horbach

    Das war eigentlich beim ersten Treffen klar. Manchmal geht das so. Außerdem wollte ich nur eine Marokkanerin oder eine Iranerin als Partnerin haben. Männer haben ja manchmal so einen Spleen. Ich war acht Jahre mit einer Marokkanerin zusammen, aber das ging aus religiösen Gründen nicht mehr, das war alles ein wenig kompliziert.

    Pari ist Iranerin, hat aber mit Religion "nichts am Hut", wie man  so schön sagt. Aber der sogenannte Unreligiöse kann religiöser sein als der, der jeden Tag in die Kirche geht. Es kommt immer darauf an, was man tut.

    Michaela Boland:

    Sie fördern insbesondere KünstlerInnen. Unter anderem auch durch einen mehrmonatigen gesponserten Aufenthalt hier bei ihnen vor Ort. Wie sieht das konkret aus?

    Michael Horbach:

    Ich habe hier auch ein Atelier, das ich jungen Künstlerinnen aus dem Ausland für drei bis sechs Monate zur Verfügung stelle. Sie erhalten ein kleines Stipendium, das mit einer monatlichen Zahlung von 300.- bis 600,- Euro verbunden ist. Sie können hier arbeiten und wohnen. In der Regel mache ich auch anschließend eine Ausstellung.

    Michaela Boland:

    Welche besonderen Vorteile hat das für die Künstlerinnen? Geht es für Nicht-Europäerinnen in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen?

    Michael Horbach:

    Ja, natürlich. Meine Vorliebe ist Südamerika und wenn es sich ergibt, sage ich eben, "ja, o.k."

    Michaela Boland:

    Che Guevara ist übrigens in ihren Ausstellungsräumen, wie ich gerade sehe, auch recht präsent.

    Michael Horbach:

    Eine Sache, bei der ich emotional immer sehr berührt bin, ist, wenn versucht wird, ihm irgend etwas vorzuwerfen. Che ist ein Mensch, der bestimmt viele Fehler gemacht hat, aber es war Krieg, Revolution. Was soll man da mehr zu sagen? Für mich ist sein Lebensweg einfach etwas besonderes.

    Dass er als Medizinstudent in Südamerika diese unglaubliche Armut kennengelernt und sich deshalb verpflichtet hat, in Lepra-Stationen ärztlich tätig zu werden.

    Wer macht das? Das sagt doch alles. Es wird ihm vorgeworfen, dass er „während der Revolution Verräter hingerichtet habe. Diese hatten drei, vier Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und hunderte Menschen wurden dabei getötet.

    Dass man im Kriegszustand das nicht einfach hinnimmt und selbst irrationale Entscheidungen trifft, das hat die Geschichte in den letzten 2.000 Jahren hundertmal bewiesen.

    Heutzutage wird ihm ja auch vorgeworfen, er hätte selbst Leute erschossen. Ob das stimmt, weiß man nicht. Aber, was ist heute? Heute läuft alles vom Schreibtisch aus. Wenn man überlegt, was Amerika so alles in 50 Jahren verursacht hat, aber das sind die feinen Herren hinter den Schreibtischen, die gab es zu allen Zeiten in allen Ländern.

    Michaela Boland:

    Kommen wir einmal zu ihrer früheren sehr erfolgreichen Karriere als Anlageberater. Sie haben in kurzer Zeit ein Vermögen gemacht. Ist ihnen das leicht gefallen?

    Michael Horbach:

    Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde dazu gekommen, Unternehmer zu werden. Ich habe das mit Begeisterung gemacht und ich denke, ich habe es auch gut gemacht. Gerade in dieser verrufenen Branche habe ich ein Beispiel dafür abgegeben, dass man es auch ganz anders machen kann und dass es dafür auch einen riesigen Bedarf gibt.

    Denn jeder Deutsche braucht in finanziellen Bereichen Beratung. Ob das Finanzierungen und Versicherungen sind oder Existenzgründungen betrifft.

    Jeder wünscht sich einen Berater, dem er vertrauen kann und das ist sehr wichtig. Dies wird von Banken und den meisten Finanzdienstleister in der Regel nicht abgedeckt. Wenn man es dann mal anders macht, dann kann man einen Riesenerfolg haben.

    Michaela Boland:

    Wie schafft man denn dieses Vertrauen?

    Michael Horbach:

    Nach meinem Studium war es mein Ziel 2000,- DM im Monat zu verdienen. Ich hatte es nicht im Sinn, dass ich Millionär werden muss. Aber wenn man das macht, wozu man super geeignet ist und das auch noch vernünftig macht, dann kommt das Geld von allein.

    Ob man vertrauenswürdig ist oder nicht, hängt natürlich auch vom Charakter ab. Da kann man zum Teil gar nichts für, das hat man geerbt. Viele sagen immer zu mir, "dein Vater war genauso". Man kann sehr ehrgeizig sein, man darf arbeiten wie verrückt, aber man sollte ehrlich arbeiten.

    Mich hat die fünfte Stelle nach dem Komma auch nicht mehr interessiert, aber mein Prinzip war stets: Ich empfehle dem Kunden immer das, was ich an seiner Stelle auch machen würde.

    Das ist eigentlich das eine Geheimnis. Und das zweite Geheimnis ist, dass ich wohl eine Selbstverständlichkeit ausgestrahlt habe. Für mich war immer klar, das hatte ich in mir, "dem anderen kann nichts Besseres passieren als in meine Finger zu geraten".

    Michaela Boland:

    Klingt recht selbstbewußt.

    Michael Horbach:

    Ja, in dem Bereich. Ich habe auch Bereiche, in denen ich mit Sicherheit nicht so selbstbewußt bin, wie es immer scheint.

    Michaela Boland:

    Welche wären das?

    Michael Horbach:

    Das hat man als Aachener oder Kölner allein durch die Sprache (lacht).  Egal, wo man auftaucht in der Welt, kommt die Frage: "Kommst du aus Köln?"

    Michaela Boland:

    Sie haben eine langjährige Verbindung zu Köln. Wie oft sind sie noch in der alten Heimat, Aachen?

    Michael Horbach:

    In Aachen-Würselen steht mein Elternhaus. Ich war in der letzten Woche gerade dort und werde im alten Rathaus und in zwei Krankenhäusern meine Kuba-Fotos ausstellen. Zuerst habe ich mich gefragt, ob das einen Sinn hat, aber dann war mir plötzlich klar, dass gerade kranke  Menschen Trost durch die Lebensfreude erhalten könnten, die die Kuba-Bilder ausstrahlen.

    Michaela Boland:

    Leben ihre Eltern noch?

    Michael Horbach:

    Nein, die sind schon mehr als zehn Jahre tot.

    Michaela Boland:

    Sind sie Einzelkind gewesen?

    Michael Horbach:

    Nein, ich habe noch einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

    Michaela Boland:

    Sind ihre Geschwister in ähnlichen Bereichen wie sie tätig?

    Michael Horbach:

    Nein, mein Bruder ist Arbeiter. Er hat Fliesenleger gelernt. Ich war im ganzen Familienumkreis der einzige, der studiert hat. Mein Vater war Arbeiter, Pflasterer, aber höchstwahrscheinlich war er der Beste in Aachen.

    Michaela Boland:

    Was haben sie aus ihrem Elternhaus an persönlichen Dingen mitgenommen?

    Michael Horbach:

    Einmal das Vorbild. Ich habe einmal in einer Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Firma Horbach als meine Eltern anwesend waren gesagt, "Papa, ich habe im Grunde genommen nichts anderes gemacht als du. Ich habe immer mit viel Pflichtbewußtsein und Emotionen gearbeitet".

    Das ist eigentlich dasselbe. "Im Grunde", habe ich gesagt, "bin ich Arbeiter". Auch wenn ich in einem Bereich gearbeitet habe, in dem es um Finanzen ging. Wobei mich die Finanzen, das Geld oder die Geldanlage  selber nie sehr interessiert haben.

    Dafür hatte ich später sehr schnell meine kompetenten, qualifizierten Mitarbeiter. Mich hat es interessiert, den Menschen zu gewinnen und zu überzeugen. Sowohl den Kunden in der Beratung als auch später bei der Mitarbeitersuche.

    Ich habe nichts lieber getan als zur Uni zu gehen und junge Studentinnen und Studenten, von denen ich dachte, dass sie zu uns passen könnten, anzusprechen. Dann habe ich sie gefragt: "Hören sie mal, Finanzberatung, wäre das was für sie? Sie würden gut zu uns passen." Das habe ich nachdem beurteilt, was von den Menschen herüber kam. Da kann man sich manchmal irren, aber oft hatte ich auch Erfolg.

    Michaela Boland:

    Was wollten sie eigentlich ursprünglich mal werden?

    Michael Horbach:

    Ich wollte eigentlich einen Beruf im sozialen Bereich, also beispielsweise in Richtung Gewerkschaften oder Journalismus. Das war eher mein Wunsch. Ich war ein schlechter oder sagen wir, ein durchschnittlicher Schüler, so war das einzige, was ich damals studieren konnte, die Volkswirtschaftlehre.

    Ich wußte ehrlich gesagt nicht wirklich, was das ist. Aber da lag genau meine Begabung, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen.

    Darum sage ich heute auch immer zu jungen Leuten, "sucht, guckt, wo ihr emotional betroffen seid und nicht, wo man viel Geld verdienen kann und was in fünf Jahren gefragt ist".

    Wenn ich kein wirkliches Interesse habe, kriege ich keinen Job, kann vor allen Dingen nicht vernünftig Geld verdienen und die Familie ernähren usw.  Man sollte dahin gehen, wo seine Emotionen liegen. Und wenn es Ethnologie ist, dann eben Ethnologie. Das ist übrigens ein fantastischer Beruf.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Vorhersehung?

    Michael Horbach:

    Hm, da bin ich hin und her gerissen. Ich habe nicht so viele Bereiche, wo ich schon weiß, das ist so. Manchmal denke ich, das kann kein Zufall sein, wie jetzt die Geschichte mit meiner Lebensgefährtin.

    Auch habe ich durch Zufall Roger Willemsen kennengelernt und das ist eine Freundschaft geworden, von der ich sehr viel profitiere. Ist das Schicksal? Der hat ja nun wirklich sehr wenig Zeit, trotzdem war er hier in meinen Kunsträumen und hat eine Lesung aus seinem Buch "Die Enden der Welt" gehalten.

    Ich sage immer, Deutschland bräuchte tausend Roger Willemsens. Von seiner kritischen Einstellung und seinem Hinterfragen her.

    Mein Wunsch ist es, dass er irgendwann mal zwei Tage Zeit hat, mit mir auf Mallorca auf der Finca zu sitzen, was er im übrigen schon seit fünf Jahren vorhat, damit er mir vielleicht mal erklärt, wie er es aushält, dieses ganze Wissen darüber zu haben, wie Gesellschaft funktioniert und wie brutal Geld und Macht eine Gesellschaft lenken. Ich würde gerne wissen, wie er das verarbeitet und wie er damit umgeht.

    Michaela Boland:

    Wie häufig verbringen sie Zeit miteinander?

    Michael Horbach:

    Er war für die Lesung hier und ich habe zwei Stunden vorher mit ihm gequatscht, da war ich so aufgedreht, dass ich keine Ansprache mehr halten konnte. Und dann hat er zwei Stunden aus seinem Buch gelesen, aber ohne Buch, sondern auswendig.

    Danach sind wir noch zu mir herübergegangen und es fiel irgendwo das Stichwort "Afghanistan", da hat er nochmal einen zweistündigen Vortrag über Afghanistan gehalten. Das ist unglaublich (lacht).

    Michaela Boland:

    Wodurch entstand eigentlich ursprünglich ihre Liebe zur Kunst?

    Michael Horbach:

    Als ich damals meine Firma hatte, habe ich irgendwann gespürt,  zwei Seelen schlagen, ach in deiner Brust. Ich war ungefähr 25 als ich angefangen habe, Kunst zu sammeln. Damals noch sehr bescheiden. Von meinem Elternhaus her war da ja nichts.

    Null Komma null, außer dem, was man natürlich auch braucht, nämlich eine intakte Familie, Wärme, Anstand usw. Das erste Bild habe ich dann mal auf der Art Cologne gekauft. Das war natürlich eine Zeichnung von einer schönen Frau.

    Michaela Boland:

    So lockt das holde Geschlecht wohl doch immer wieder?

    Michael Horbach:

    (lacht). Immer und immer wieder. Das wird auch nie enden. Dann habe ich in bescheidenem Maße gesammelt. Dabei habe ich nie die bekannten, also die teuren Künstler gewählt, sondern ständig versucht, junge Künstler zu unterstützen.

    Das hat mir einfach emotional mehr Spaß gemacht. Für mich war eben Kunst auch immer so eine Oase abseits des Kapitalismus und abseits vom harten Wettbewerb.

    Michaela Boland:

    Klingt nach der ausgleichenden Waagschale als Gegengewicht zum wohl eher harten Wirtschaftsbusiness.

    Michael Horbach:

    So kann man das von außen sehen, aber ich habe es eben gemacht. Mir ging es nie um Business. Ich war, glaube ich, der erste, den Vorstände mit Bart, langen Haaren und Rollkragenpullover empfangen haben.

    Ich war immer dagegen. Einige haben das auch nicht kapiert und gefragt, "was will der denn", aber der eine oder andere hat doch gemerkt, da brennt etwas.

    Nun gut, irgendwann habe ich auch einen Anzug angezogen und irgendwann hatte ich auch Spaß daran, eine Krawatte zu tragen. Aber Kunst war für mich immer etwas, was nichts mit Kapitalismus zu tun haben darf. Jetzt habe ich mich allerdings durch diese Kunsträume und durch die Stiftung noch einmal damit beschäftigt, was in der Kunst wirklich los ist und das ist gruselig.

    Michaela Boland:

    Warum geht es teilweise in die falsche Richtung?

    Michael Horbach:

    Da gibt es Künstler und Galeristen, die sind durch die Kunst Milliardäre. Aber das sind null Komma null ein Prozent. 99 Prozent der Künstler sind froh, wenn sie im Jahr drei oder vier Mal ein Bild verkaufen, so dass sie davon leben können. Mit speziell jener Kunst, die inzwischen auch ganz klar von der Schickeria und den Superreichen besetzt ist, will ich nichts zu tun haben.

    Michaela Boland:

    Ist es ihnen insoweit ein regelrechtes Anliegen, dort eine Gegenströmung als Akzent zu setzen?

    Michael Horbach:

    Ja, genau. So will ich beispielsweise in meinen Kunsträumen künftig Rheinländer ausstellen, die schon eine gewisse Vita haben und schon bekannt sind. Aber eben keinen Richter oder Polke. Die sind in Museen, die brauchen das nicht.

    Dann will ich in einem Raum drei bis vier Mal im Jahr junge Künstler ausstellen, aber auch ältere Künstler, die gut sind, es aber nicht mehr in bekannte Galerien schaffen, weil sie für diese nicht mehr lukrativ sind. Solche, die quasi bereits ein bisschen vergessen worden sind, denen will ich auch eine Heimat geben.

    Michaela Boland:

    Mit ihrer Stiftung wollen sie ja neben Künstlern auch armen Menschen helfen. Aus welchem Grund apostrophieren sie auch dabei besonders die Frauen?

    Michael Horbach:

    Ich denke eben, dass Frauen am meisten benachteiligt werden. Ich will ja besonders armen Familien helfen und da eben insbesondere alleinstehenden Frauen mit Kindern. Denn die haben es nun mal besonders schwer. Bei Künstlern ist es ähnlich. Ich brauche das auch, ich muss mich auch mit dem Weiblichen umgeben.

    Mit zu viel Männlichem und diesem ständigem Wettbewerb, das gegenseitige Aufplustern, das muss ich in meinem Alter nicht mehr haben. Ich bin davon überzeugt, dass es uns wesentlich besser ginge, wenn Frauen die Welt regieren würden. Natürlich keine Margaret Thatcher. Also, wenn Frauen schlimmer werden als Männer, naja.

    Michaela Boland:

    Daraus ist wohl zu schließen, dass sie kein Anhänger der Politik der kürzlich verstorbenen eisernen Lady waren?

    Michael Horbach:

    Nein, die ganze neo-liberale Wirtschaftstheorie- und Politik hat entsetzlichen Schaden in der Welt angerichtet. Da gibt es tolle Bücher drüber und wenn man das liest, dann denkt man, das kann nicht wahr sein. Aber sogar Sozialdemokraten sind zeitweise darauf reingefallen.

    Deregulierung der Märkte heißt ja nichts anderes als dass das Geld frei und ohne Beschränkung wandern können muss. Das ist genau das Falsche. Dadurch haben wir jetzt eine Weltwirtschaftskrise, die sehr wahrscheinlich 50 Millionen mehr Hungernde besorgt hat.

    Michaela Boland:

    Also sind doch nicht nur Lehman Brothers die Buhmänner, wozu man sie so gerne gemacht hat, soweit der Ursprung des ganzen Desasters in Wahrheit wesentlich weitreichendere Ursachen aufweist?

    Michael Horbach:

    Ja, das ganze ist ja auch vorbereitet worden durch eine Philosophie, die wie Adam Smith sagt, "Das freie Spiel der Kräfte" lautet. Da ist eine unsichtbare Hand, die regelt alles.

    Die regelt zu 90 Prozent alles, aber es gibt eben 10 Prozent, wo bei Angebot und Nachfrage der Marktmechanismus nicht funktioniert, sondern Stilblüten in die Welt setzt.

    Menschen, die gesellschaftlich wertvollste und harte Arbeit leisten, wie Krankenschwestern und Pfleger, die von ihrem Geld kaum leben können, stehen beispielsweise Angestellten bei der Deutschen Bank gegenüber, die mit Derivaten spekulieren und zum Teil 20 Millionen Jahreseinkommen haben.

    Man sagt uns ja immer, "wer viel Geld verdient, der schafft auch viele Werte. Die haben eine Weltwirtschaftsfinanzkrise geschaffen. Und da sage ich, das kann man nicht laufen lassen. Da bin ich wirklich erbitterter Gegner jeder liberalen Wirtschaftspolitik.

    Und das ist der große Fehler der FDP, dem Markt total zu vertrauen. Ich sage, der demokratisch legitimierte Staat muss eingreifen, wo der Marktmechanismus nicht funktioniert. Das ist seine Pflicht, dafür ist er gewählt.“

    Michaela Boland:

    Wie sollte konkret eingegriffen werden?

    Michael Horbach:

    Man muss nach unten korrigieren. Wenn ich höre, "wir leben in einer Zivilisation" und dann gibt es welche, die für fünf Euro hart arbeiten, dann ist das ein Widerspruch. Das geht nicht. Genauso oben.

    Es kann nicht sein, dass auch von Politikern gesagt wird, wenn einer zehn Millionen im Jahr verdient, dann hat der keine Lust mehr, wenn er nicht die Möglichkeit hat 15 Millionen zu verdienen oder wenn er nur zwei Millionen verdient, dann sei er demotiviert.

    Was ist das für ein Menschenbild? Wenn das stimmen würde, dann sage ich, "gute  Nacht". Die Politiker, die so etwas von sich geben, und das sind ja nun eher mal die Liberalen und Konservativen, die müssten mal darüber nachdenken, was sie für ein Menschenbild haben .

    Michaela Boland:

    Was kann man ihrer Meinung nach, abgesehen vom Absehen davon, sein Votum zum nächsten Stimmabgabezeitpunkt erneut in gleicher Weise zu setzen, denn dagegen unternehmen?

    Michael Horbach:

    Mehr Demokratie. In allen Bereichen mehr Demokratie.

    Michaela Boland:

    Lohnt es sich heute noch, auf die Straße zu gehen?

    Michael Horbach:

    Das ist natürlich ein Mittel, um zu zeigen, wir sind wach. Es gibt durch Facebook oder Youtube ja inzwischen auch andere Mittel oder was auch immer.

    Michaela Boland:

    Etwa die sogenannten Shitstorms?

    Michael Horbach:

    Ja. Ich denke, links sein, kann nur bedeuten, mehr Demokratie und mehr Kontrolle zu fordern. Und da haben wir viel zu wenig. Alle vier Jahre mal wählen zu gehen, das ist der Anfang.

    Michaela Boland:

    Würden sie insoweit in einer verkürzten Legislaturperiode eine mögliche Lösung sehen?

    Michael Horbach:

    Hm, eher einfach ein wenig mehr Basisdemokratie. Ich bin ganz klar dafür, dass erstens die, die die Krise verursacht haben, und das sind nun mal die Reichen, mit dazu beitragen, dass wir aus der Krise herauskommen. Ich bin derjenige, der auch Interviews zum Thema Reichensteuer gibt. Also, ich bin bereit dazu, deutlich mehr Steuern zu zahlen.

    Michaela Boland:

    Würden sie in dem Zusammenhang auch die augenblickliche Politik der EU auf Zypern hinsichtlich der Enteignung Reicher als gerechtfertigt und moralisch vertretbar ansehen?

    Michael Horbach:

    Ich versuche, möglichst nur noch den Kulturteil zu lesen und Politik nur so im Groben, nicht mehr so sehr in die Tiefe gehend, denn ich will mich emotional nicht mehr so hinein begeben.

    Ob die in Zypern jetzt damit die Richtigen packen, also, ob wirklich die Milliardäre, die da anlegen, jetzt auch zehn oder zwanzig Prozent ihrer Einnahmen zahlen, ist fraglich.

    Wenn das so wäre, dann wäre das o.k. Wenn Europa, also die anderen Steuerzahler, nicht helfen würden, dann wären die Einlagen auch sehr wahrscheinlich sehr viel weniger wert.

    Die Frage ist nur, und da bin ich sehr skeptisch, trifft es wirklich die, die man treffen will? Wir müssen den Markt da regulieren, wo er nicht funktioniert.

    Das ist ja auch in dem System der Marktwirtschaft möglich, denn da wo keine Marktwirtschaft mehr ist, weil Monopole da sind oder Milliardäre regulieren, da muss der Staat eingreifen. Das ist Pflicht, um die Marktwirtschaft zu erhalten. Das hat also nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun.

    Michaela Boland:

    Und welchen Ansatz sehen sie da?

    Michael Horbach:

    Ich habe im Grunde zwei Ansätze: Zurück zu den Zeiten Helmut Kohls und der war kein Sozialist. Da zahlte man aber 53 Prozent Steuer. Da gab es Vermögenssteuer. Heute werden unglaubliche Leitartikel in der FAZ und so weiter darüber geschrieben, dass Vermögenssteuer überhaupt nicht ginge.

    Vor 15 Jahren ging das noch. Das würde überhaupt nicht funktionieren und wäre auch rechtlich gar nicht möglich. Da denke ich, "nanu, wo sind wir denn? Wir hatten es doch".

    Das Zweite, was ich vorschlage, ist folgendes: Ich würde mir wünschen, das dass, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, wieder rückgängig gemacht wird. Dass wir also wieder die Verteilung haben wie bei Helmut Kohl.

    In den letzten zehn Jahren hat ja eine eindeutige Umverteilung stattgefunden, aber von unten nach oben. Ich will zwar keine Umverteilung von oben nach unten, ich will nur wieder, dass das, was in den letzten zehn Jahren passiert ist,  rückgängig gemacht wird. Bin ich jetzt Sozialist?

    Michaela Boland:

    Dass insoweit also die Ober- und Unterschicht nicht mehr so weit auseinanderklafft und die Mittelschicht droht, gänzlich wegzukippen?

    Michael Horbach:

    Genau. Es werden ja immer Zahlen genannt. Zehn Prozent der Deutschen gehört 50 Prozent des Vermögens. Die Zahl ist nicht schön, aber viel schlimmer finde ich die Zahl, die dafür steht, wieviel die 50 Prozent von unten aus betrachtet an Besitz haben. Wissen sie das?

    Michaela Boland.

    Nein.

    Michael Horbach:

    1,2 Prozent. Es waren vier Prozent vor ca. sieben oder acht Jahren und das ist auf 1,2 herunter gegangen. Das ist die schlimmste Zahl und die liest man  viel zu selten. Und das macht klar, dass etwas passieren muss.

    Michaela Boland:

    Wenn man ein derart soziales Denken hat, wie es offenbar bei ihnen der Fall zu sein scheint, inwieweit berührt einen dann, wenn man erfährt, dass ausgerechnet das Unternehmen, an welches sie wahrscheinlich zu keinem allzu schlechten Kurs ihre Firma veräußert haben, öffentlich stark ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, weil ahnungslose Kunden durch Fehlberatung im Hinblick auf den Erwerb hochriskanter Anlagen um ihr Erspartes gebracht wurden?

    AWD-Kunden soll ja bereits von verschiedenen Gerichten Schadensersatz zugesprochen worden sein. Ihr Lebenswerk steckte nun mit im Unternehmen, was war das für ein Gefühl?

    Michael Horbach:

    Ja, das war ja immer so. Ich merke dadurch eben, was für eine tolle Arbeit die Firma Horbach macht. Die Firma Horbach besteht ja vom Namen her noch, sie nennt sich jetzt Horbach Finanzplanung. Das war ja AWD und dann hat der Maschmeyer an Swiss life, eine Schweizer Versicherungsgesellschaft, verkauft.

    Den Name AWD gibt es nun nicht mehr. Aber Horbach gibt es noch. Bei Hannover 96 gibt es sogar jetzt Bandenwerbung, da steht Horbach Finanzplanung für Akademiker. Wenn es 20 solcher Firmen gäbe, sähe es in der Finanzberatung besser aus.

    Das Problem sind ja die Strukturvertriebe. Der größte ist, glaube ich, DVAG. Die haben ungefähr 10.000 Mitarbeiter, wie die allerdings ausgebildet werden, ist eher ein Wahnsinn. Die tun so als wenn sie Makler wären, sind aber im Grunde ein Firmenvertreter der AachenMünchener.

    Wenig Ausbildung und viele arbeiten nur nebenberuflich. Auch wenn die Mitarbeiter es gut meinen würden. Sie können es nicht anders. Sie können nicht ordentlich beraten. Darum habe ich immer gesagt, man sollte als Berater möglichst ein abgeschlossenes Studium mit sich bringen.

    Es gibt zwar auch Berater ohne Studium, die hervorragend sind, aber die mit Studium wollen in der Regel einen Beruf ausüben und nicht nur einen Job machen. Als ich an AWD verkauft habe, war außerdem meine Bedingung, dass es keinen Strukturvertrieb und keine nebenberufliche Mitarbeiter mehr gibt. Das hatte Maschmeyer mir zugesagt.

    Die Idee war, durch unser Geschäftsmodell AWD beeinflussen zu können. Und Maschmeyer hat mir am Anfang auch ganz klar das Gefühl gegeben, dass er sich daran hält. Der Maschmeyer ist ja ein sehr Geschickter.

    Das hat zwar gedauert, aber irgendwann, als die merkten, dass wir weiterhin super super erfolgreich waren, da hat der schon geguckt nach dem Motto: Was ist los? Und dann ist die eine oder andere Leitidee oder Vision vom AWD übernommen worden.

    Michaela Boland:

    Wie kam es überhaupt zum Verkauf an Carsten Maschmeyers AWD?

    Michael Horbach:

    Natürlich gebe ich auch gerne zu, dass ich mit 50 frei sein wollte. Ich habe mich lange gegen ein Treffen mit AWD, also Maschmeyer, gewehrt. Irgendein Vorstand sagte mir dann, "komm, dann lernst du den doch mal kennen". Eigentlich war der Strukturvertrieb ja mein Feindbild.

    Dann habe ich aber irgendwann gesagt, "naja, warum nicht". Und Maschmeyer hat mir den Hof gemacht. Also, das können sie sich nicht vorstellen, aber der kann das.

    Michaela Boland:

    Also, ist er ein charismatischer Mensch?

    Michael Horbach:

    Ja. Im Nachhinein muss ich sagen, es war alles richtig. Da war auch kein anderer Interessent. Wir waren seiner Zeit in Deutschland die Nr. 2 und sind es ja heute auch noch. Wir hatten uns ja  auf Akademiker spezialisiert. Das, was AWD gemacht hat, war ja mehr so das Normale. Eigentlich haben die uns nur gekauft, um ihr Ansehen vor dem Börsengang aufzupolieren.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Firma Horbach zu dem entwickeln können, was sie wurde?

    Michael Horbach:

    Meine damalige Freundin wurde mit dem Medizinstudium fertig und sagte zu mir, "du bist kritischer Verbraucher, ein Volkswirt. Was muss ich machen". So ist die Firma Horbach entstanden. Ich habe mich dann schlau gemacht und sie beraten, dann hat sie andere PJ-ler herangebracht.

    Irgendwann wusste ich, es gibt Krankenhäuser, wo sich weitere PJ-ler aufhalten, dann bin ich dahin gegangen. (Anmerkung der Redaktion: Als PJler bezeichnet man einen Medizinstudenten bzw. eine Medizinstudentin im Praktischen Jahr oder auch „Hakenhalter“.

    Michaela Boland:

    Dann haben sie quasi Krankenhäuser nach Kunden abgeklappert?

    Michael Horbach:

    Ja, ich bin dann vom einen zum anderen gegangen, von einer Empfehlung zur nächsten. Auch heute sage ich noch zu den Leuten, die mich fragen, wie ich das damals gemacht habe, "gib mir einen guten Kunden, der davon überzeugt ist, dass ich alles für ihn richtig gemacht habe, mit dem baue ich die Firma Horbach nochmal auf".

    Michaela Boland:

    Aber PJ-ler verdienen doch noch kaum etwas und haben früher gar nichts verdient.

    Michael Horbarch:

    Ja, aber da habe ich die schon beraten und ihr Vertrauen gewonnen. Natürlich gibt es da noch nichts zu verkaufen (verdienen), denn die haben ja noch kein Einkommen. Aber denen konnte ich schon wertvolle Tipps geben wie z.B dass es für das PJ (praktische Jahr) eine kostenlose Berufshaftpflicht gibt usw.

    Irgendwann treten sie ins volle Berufsleben ein und dann brauchen sie eine Krankenversicherung. Für die meisten Ärzte ging es darum, "wie kann ich jetzt sparen, also investieren, damit ich später günstig eine Niederlassung finanzieren kann".

    Michaela Boland:

    Ist speziell die Branche der Anlageberatung dazu geeignet, schnell aus dem Ruder zu laufen?

    Michael Horbach:

    Maschmeyer ist natürlich einer, der im Mittelpunkt steht und sie deshalb  von rechts und links um die Ohren kriegt. Es gibt ja noch andere. Andere sind eigentlich von dem her, was sie machen, viel viel schlimmer.

    Da sitzen dann im Aufsichtsrat irgendwelche Politiker, da kommt keine Kritik. Die werden mit Geld gefüttert und gemeinsame Fotos des Chefs z.B mit dem damaligen Bundeskanzler oder anderen Politikern auf irgendwelchen Veranstaltungen fotografiert.

    Und die Mitarbeiter sind dann zu den Kunden gelaufen, zu den alten Omas, und haben gesagt, "gucken sie mal, der Chef mit dem Bundeskanzler. Kann da was  falsch sein? Um Gottes Willen, unterschreiben sie". Das hasse ich bei den Politikern, dass sie sich kaufen lassen.

    Nun, was die Strukturvertriebe auf der einen Seite anbelangt, so gibt es da genug Kritik und ich denke, wir haben dadurch schon etwas verändern können. Wenn man sich allerdings mal den ganzen Bereich der Banken ansieht, ist das, was da passiert, noch viel schlimmer.

    Dagegen ist der Maschmeyer ein kleiner Wurstel. Als die Firma Horbach größer wurde, hat man mir gesagt, "du musst einen Namen haben, du musst die Deutsche Bank als Bankverbindung haben". So bin ich dort Kunde geworden. Aber, wenn ich den Ratschlägen der Deutschen Bank gefolgt wäre, hätte ich die Hälfte meines Vermögens verloren.

    Also, was die Banken da machen und was da passiert, nehmen wir zB die Steueroasen, ist das doch viel schlimmer. Das mit den Banken, das können sie über Jahrhunderte hinweg zurück verfolgen. Es war immer so. Die Banken haben die Politik nicht nur beeinflusst, sondern auch die Macht über die Politik gehabt und das ist bis heute so.

    Michaela Boland:

    Das Sprichwort "Geld regiert die Welt" trifft also ausnahmslos zu?

    Michael Horbach:

    Ja. Es ist so. Darum sage ich, "mehr Demokratie" und ich sage, "es  muss einen Mindestlohn geben", denn alles andere ist menschenunwürdig  und hat nichts mit Zivilisation zu tun. Kein Mensch braucht mehr als eine Million im Jahr zu verdienen.

    Wer nur Geld als Motivation hat, wäre bei mir an der falschen Adresse. Eine Gesellschaft lebt davon, dass alle Menschen innerhalb einer Gesellschaft von ordentlichen Einkommen leben können. Das wird heute vernachläßigt.

    Außerdem muss man schauen, wen bevorteilt der Marktmechanismus und wen nicht. Wo funktioniert er überhaupt nicht, Beispiel Krankenschwestern und Spekulanten.

    Deshalb sollte es oben und unten Grenzen geben. Wenn man demokratisch denkt, muss man verhindern, dass Menschen so viel Geld haben, dass sie zum Beispiel die Presse regulieren können. Ein national-konservativer Peter Scholl-Latour sagt zum Beispiel, "Pressefreiheit? Ja, gibts: für einige Milliardäre"

    Michaela Boland:

    Pressefreiheit ist nach ihrem Dafürhalten insoweit nicht existent?

    Michael Horbach:

    In Kuba gibt es drei Zeitungen, das stellt die gesamte Presse dar. Wir haben sehr wahrscheinlich 3000, aber die gehören fünf Milliardären. Also, wo ist der Unterschied? Wenn man es abstrakt sieht, also wirklich einmal über das Kleinkarierte blickt, ist das doch alles ein Einheitsbrei.

    Alles, was beispielsweise, Russland, China oder Kuba anbelangt, muss schlecht sein. Ich möchte nicht dort leben, ich möchte auch nicht solche Systeme haben, aber ich möchte, dass wir objektiv sind und nicht dasselbe machen, was wir diesen Ländern vorwerfen.

    Michaela Boland:

    Woran machen sie das Nicht-Objektive konkret fest?

    Michael Horbach:

    Ich kann ihnen ein gutes Beispiel nennen. Das betrifft Kuba und ich mache es an meiner eigenen Erfahrung fest. Vor wenigen Monaten kam groß in der Presse, "Endlich Reisefreiheit für Kuba". Vorher hieß es ja immer, die Kubaner sind unfrei, dort herrscht eine Diktatur. Ich habe vor fünf Jahren eine nette Kubanerin aus dem Kulturbereich kennengelernt.

    Die wollte auch mal hierher nach Deutschland kommen. Es ging daher zunächst um ein Visum. Also ging sie zur kubanischen Botschaft in Havanna und erhielt sofort ein Visum. Das wird dort für ein Jahr ausgestellt. Das Ganze hat nur einen Haken:

    Wenn die Kubaner dann nicht innerhalb eines Jahres nach Kuba zurückkehren, dann heißt es von kubanischer Seite, "dann bleibt draußen". Das Problem sind aber hier wir Deutschen.

    Michaela Boland:

    Inwiefern?

    Michael Horbach:

    Nun, meine Bekannte benötigte ja auch ein deutsches Visum für die Einreise. Dafür musste ich sorgen. So ging ich zur deutschen Botschaft. Dort teilte man mir komischerweise mit, " Nein, diese Leute bleiben nachher hier".

    Also antwortete ich, " ich habe eine Stiftung und  hinterlege 50.000 Euro als Sicherheit". Da haben sie zuerst gesagt: "Nein, nein, das wollen wir nicht." Aber dann haben sie es nachher doch gemacht.

    Also, Tatsache ist, die Kubaner dürfen verreisen, aber wir verhindern, dass die Kubaner frei verreisen können. Ich kann sogar verstehen, dass sie die Kubaner und auch die Afrikaner nur eingeschränkt hierher lassen, denn wir können weder ganz Kuba noch ganz Afrika hier unterbringen. Aber ich möchte zumindest in der Presse die Wahrheit lesen, damit das auch alle verstehen.

    Michaela Boland:

    Sie halten mit ihrer Meinung glücklicherweise nicht hinterm Berg.

    Michael Horbach:

    Natürlich ist es einfacher, wenn man mit dem Strom schwimmt. Ich habe immer alles kritisch hinterfragt. Der liebe Gott hat mir nun mal so einen Kopf gegeben. Das tut zwar hin und wieder auch ein bisschen weh, aber so ist es dann eben.

    Michaela Boland:

    Ist es leichter, nicht mit dem Strom zu schwimmen, wenn man über die finanziellen Mittel verfügt, sich den möglichen Konsequenzen dafür gegebenenfalls nicht ausgesetzt sehen zu müssen?

    Michael Horbach:

    Nun, ob das einfacher ist? Ich habe den einen oder anderen Kontakt zu vermögenden und eher konservativen Leuten, wo ich mir nicht sicher bin, dass ich sie von meinen Ansichten überzeugen könnte. Gerade hatte ich wieder einen Fall, da dachte ich mir, "ich lasse es einfach, denn das macht mich nur wahnsinnig".

    Die sagen dann tatsächlich zu mir, "du bist durch dieses System reich und unabhängig geworden, also schieß jetzt gefälligst auch nicht dagegen".

    Dann frage ich zurück: "Moment mal, wo steht das denn geschrieben?" Nun habe ich sehr wahrscheinlich das Glück, dass ich zwar keinen Euro zu Unrecht verdient habe, allerdings habe ich für meine Arbeit viel zu viel verdient.

    Der Markt gibt das so her, dass es, wenn du eine Lebensversicherung verkaufst oder ein Haus finanzierst, eben zwei oder viertausend Euro gibt. Jetzt habe ich natürlich nicht gesagt, "nein, ihr braucht mir nur die Hälfte zu überweisen". Klar. Aber, mir ist schon bewußt, dass ich durch drei oder vier Beratungen am Tag das verdient habe, was eine Krankenschwester in drei Monaten verdient.

    Michaela Boland:

    Ist das auch ein Grund dafür, dass sie heute verhältnismäßig viel an die Gesellschaft zurück geben?

    Michael Horbach:

    Ich habe mit Sicherheit kein schlechtes Gewissen, weil ich etwas Positives in die Welt gesetzt habe. Gerade in der Branche, wo es am dringendsten notwendig ist.

    Denn die Firma Horbach lebt weiter und ist gerade im Hinblick auf das Management mit Menschen besetzt, die mir aus der Seele sprechen. Die sind alle sozial eingestellt und leben den sozialen Gedanken weiter.

    Bei mir war es auch schon im Alter von 30 Jahren so, dass ich zehn Prozent meines Einkommens in soziale Belange investiert habe. Das habe ich sowohl während meiner Zeit mit der Firma Horbach so gehalten, als auch später beim Verkauf des Unternehmens.

    Augenblicklich wird es zwar nicht mehr im selben Maße von meiner früheren Firma, die nach wie vor meinen Namen trägt, gehandhabt, aber immer noch recht engagiert durchgeführt. Das ist schon irgendwo drin.

    Michaela Boland:

    Lieber Herr Horbach. Für die Ausstellung sowie alle weiteren Projekte auch weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für dieses Interview.

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

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  • Michaela Boland trifft fuer die Gesellschaft Freunde der Kuenste Ingrid Steeger
Ingrid Steeger mit Michaela Boland
Ingrid Steeger freut sich schon auf ihr Buch, und find es wunderbar
    MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER
    Kultstatus - Ingrid Steeger "...und find es wunderbar" - Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person

    Das Große Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

    Mit ihrem Nachnamen wollte sie sich schon in ihrer Jugend nicht abfinden. Weil sie mit Stengert nichts anfangen konnte, wandelte sie ihn kurzerhand in Steger um als sie ihren Stenotypistinnen-Job in einem Architekten-Büro antrat.

    Womöglich die einzige Rebellion ihres Lebens. Nur einige getippte Ausschreibungen und ein weiteres "e" im Namen später sollte die Öffentlichkeit noch eine ganze Menge von der schönen Blondine zu hören und sehen bekommen.

    Durch die legendäre und prämierte Fernsehunterhaltungsproduktion "Klimbim" avancierte sie in den 70er Jahren zum Kultstar. Zeitgleich haftete auch das Image der sexy, aber leicht dösigen Ulknudel an ihr.

    Mit zahlreichen Rollen in anerkannten Fernsehformaten zeigte sie danach immer wieder, dass sie sich nicht nur auf das schwierige Fach der Komik, sondern ebenso gut auf Ernstes versteht. Die Aufs, doch vor allem die Abs ihres Privatlebens wurden durch Medien im Laufe der Jahre immer wieder gnadenlos detailliert vor Millionen ausgebreitet.

    Doch kaum ein Prominenter hat es vermocht, so aufrecht und geradlinig durch schlechte Zeiten zu gehen, wie sie. Zurzeit gibt es sie nur im Doppelpack. Yorkshire-Lady Eliza Doolitle, ein Geschenk ihrer Kasseler Theater-Kollegen, ist seit einiger Zeit ihre ständige Begleitung.

    So auch im Kölner Theater am Dom, wo sie bis zum 09. Februar neben Simone Rethel, Beatrice Richter, Christine Schild und Volker Brandt in dem Stück "Der Kurschattenmann" zu sehen war, bevor die Produktion nach Bonn zog.

    Ich bin sehr gespannt auf dieses Zusammentreffen und freue mich darauf. Als Kind der 70er Jahre war es stets etwas Besonderes für mich, abends hin und wieder "Klimbim" sehen zu dürfen.

    Die blonde Gabi mit Zöpfen, Sommersprossen, Nickelbrille und bezeichnender Zahnlücke war mir die Liebste, weil sie, rotzfrech, die Wahrheit auf den Punkt zu bringen schien, zwar regelmäßig  eine schallende Ohrfeige ob des Wagemutes einstecken und anschließend heulen musste, sich jedoch niemals entmutigen ließ.

    Ihre Darstellerin, Ingrid Steeger, hatte längst Kultstatus erreicht als sich die ersten weniger ruhmreichen Schlagzeilen über deren Privatleben durch die Printmedienlandschaft zogen.

    Über zerbrochene Beziehungen und Ehen der einst so gefeierten Mimin mit Idealfigur bis hin zum traurigen Hartz IV-Antrag vor wenigen Jahren, einem Zeitpunkt, der für die Schauspielerin längst von Depressionen bestimmt war.

    Wie auch immer Ingrid Steeger in den Medien beurteilt wurde, bei ihrem Publikum zeichnete sie sich wegen ihrer sympathischen Art kontinuierlich durch Beliebtheit aus.

    Im gemütlichen Theater am Dom treffe ich die 65-Jährige. Von ihrer jungendlichen Frische hat sie kaum etwas eingebüßt, sondern sieht nach wie vor einfach ausgesprochen gut aus. Alter ist offensichtlich bei ihr tatsächlich nur eine Ziffer.

    Selbst ihre Stimme hat sich im Laufe der Jahre kaum verändert. Ihre zweijährige Yorkshire-Terrier-Hündin, Eliza Doolittle, die sie auf Schritt und Tritt begleitet und ihr nur gelegentlich, wenn sie einen Knochen oder gar Luftballons zum hineinbeißen und platzen lassen sucht, von der Seite weicht, ist zu einem wichtigen Faktor im Leben der Schauspielerin geworden.  

    Michaela Boland:

    In ihrem aktuellen Theaterstück, "Der Kurschattenmann" im Kölner Theater am Dom, geht es um einen alternden Casanova , der, nicht ganz ohne Hintergedanken, versucht, direkt mehrere Damen gleichzeitig zu beglücken. Was für eine Rolle spielen sie dabei?

    Ingrid Steeger:

    Ich spiele eine Dauerpatientin, eine Frau, die eine sehr schwierige Ehe hatte und unter Depressionen leidet. Alle Damen in diesem Stück leiden unter Depressionen. Jede ist ein wenig vom Leben geschädigt und wir verlieben uns alle in diesen Ulrich" (gespielt von Volker Brandt), der ein Charmeur ist, allerdings auch ein kleiner Hochstapler, und der versucht, an das Geld der Frauen zu kommen. Aber natürlich auf amüsante Art.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe den Text gelernt (lacht).

    Michaela Boland:

    Hin und wieder besteht ja die Notwendigkeit, sich intensiver in bestimmte Charakterzüge einer Rolle hineinzufinden. Man liest gelegentlich, dass Schauspieler für eine Rolle zu- oder abnehmen, manchmal sogar ein Stück weit real in ein solches Leben eintauchen müssen, um so authentisch wie möglich zu sein.

    Ingrid Steeger:

    Es ist ein Boulevardstück und das ist natürlich auf Komödie aufgebaut. Wir müssen uns also in keine Depression hineinfinden, ganz anders als zum Beispiel bei dem letzten Stück, dass ich in Kassel gespielt habe, "Gatte gegrillt". Das war ein völlig anderes sich Heranarbeiten.

    Da ging es um eine Frau, die nach 20 Jahren Ehe von ihrem Mann für eine jüngere Geliebte verlassen wurde. Diese Frau kommt einfach nicht damit klar, dass er sie einfach so in die Ecke gestellt hat, und versucht, dies auch noch nach Jahren aufzuarbeiten.

    Das ist etwas ganz anderes, da muss man dann mehr dran arbeiten. Aber hier geht es im Grunde genommen nicht nur um die Depression, sondern darum, was dieser Ulrich erfindet und wie wir darauf hereinfallen und später versuchen, ihn auszutricksen und uns schließlich zu distanzieren.

    Es ist insoweit eine lockere Unterhaltung, denn wenn sich die Depression im Text widerspiegeln würde, wäre es keine Unterhaltung mehr.

    Michaela Boland:

    Das andere Stück, das sie gerade ansprachen, "Gatte gegrillt" spielten sie in Kassel?

    Ingrid Steeger

    :Ja, das war eine Tragikomödie, eine englische, schwarze Komödie. Wir spielten es in Kassel und Bremen. In Bremen wird es wohl auch noch einmal aufgeführt werden.

    Michaela Boland:

    Wenn sie ein Stück zeitversetzt noch einmal spielen und zwischendurch für andere Produktionen zur Verfügung stehen, bleibt ihnen der Text dann eigentlich trotzdem im Gedächtnis oder müssen sie den alten Text dann in der Tat von Grund auf neu erlernen?

    Ingrid Steeger

    Nein, das Hirn ist ja ein Computer. Da ist alles gespeichert, wenn man noch einmal darüber geht. Ich habe gerade drei Stücke drauf. Das Stück "Gatte gegrillt" werde  ich wahrscheinlich noch einmal in Bremen spielen. Außerdem werde ich jetzt damit anfangen, noch ein anderes Stück für Kassel zu lernen. Also, das ist alles abrufbereit. Man geht natürlich nochmal drüber, das ist ganz klar.

    Michaela Boland:

    Gibt es bei ihnen auch schon mal Angst vor einem Blackout?

    Ingrid Steeger:

    Doch, die hat jeder Schauspieler, aber ich hatte das Problem bis jetzt glücklicherweise noch nicht. Manchmal kommt es vor, dass man in der einen Sekunde denkt, "Oh Gott, wie gehts jetzt weiter", aber in letzter Sekunde ist der Text dann wieder da. Es kann auch passieren, wenn man zu oft spielt und man sich dann einfach zu sicher ist und manchmal ein bisschen vor sich hin träumt.

    Michaela Boland:

    Kannten sie die Kollegen aus ihrem aktuellen Stück schon durch frühere Zusammenarbeit?

    Ingrid Steeger:

    Die Simone Rethel kannte ich schon, Christine Schild zuvor noch nicht. Aber Beatrice Richter und Volker Brandt kannte ich ebenfalls schon lange.

    Michaela Boland:

    Funktioniert die Zusammenarbeit grundsätzlich leichter, wenn man sich bereits kennt?

    Ingrid Steeger:

    Die Phase des Kennenlernens kann man dann natürlich überspringen. Man lernt sich selbstverständlich bei den Proben noch besser kennen. Das Gute an den Proben ist dann immer, dass es sowohl ein berufliches als auch ein privates Zusammenraufen ist.

    Michaela Boland:

    Setzen sie sich im Anschluss an die Vorstellungen immer noch privat mit den Kollegen zusammen?

    Ingrid Steeger:

    Also, heute setzen wir uns zum Beispiel zusammen. Oder als der Jopie 109 Jahre alt wurde (Anm. d. Red.: Johannes Heesters wäre am 05.12.2012 109 Jahre alt geworden, verstarb allerdings am 24.12.2011) haben wir uns in seiner Abwesenheit zusammengesetzt.

    Das war übrigens nicht dramatisch, sondern es war sogar sehr lustig. Da hat die Simone gesagt, dass der Jopie Heesters zu seinem Geburtstag immer sehr gerne viel Leute um sich gehabt habe.

    Da haben wir gesagt, "o.k., dann machen wir das auch", und haben uns alle zusammen gesetzt. Auch zum Geburtstag von Beatrice Richter und Christine haben wir das getan. Manchmal setzten wir uns auch alle zusammen, wenn irgendjemand Besuch bekommt.

    Aber eben nicht jeden Abend. Auf Tournee ist man natürlich automatisch mehr zusammen, aber hier in Köln hat jeder seine eigene Wohnung oder sein Appartement und so sein Eigenleben. Das ist üblich, wenn man irgendwo fest spielt.

    Michaela Boland:

    Montags ist spielfrei. Was tun sie an diesem Tag üblicherweise?

    Ingrid Steeger:

    Es ist eigentlich immer irgendetwas. Irgendwelche Interviews oder sonstige Termine. Auch arbeite ich gerade an einem Buch und der Lübbe-Verlag ist ja hier in Köln ansässig, insofern ist da immer irgendetwas zu tun.

    Nur abends versuche ich zumindest immer, in meiner Wohnung zu sein, auf die Uhr zu gucken und zu sagen, "jetzt wäre ich normalerweise auf der Bühne und jetzt bin ich nicht auf der Bühne". Wir spielen hier ja sieben Tage die Woche. 

    Michaela Boland:

    Worum wird es in ihrem Buch gehen?

    Ingrid Steeger

    Natürlich, um mein Leben (lacht). Worum soll es sonst gehen?

    Michaela Boland:

    Also eine Autobiografie. Packen sie da alles hinein oder werden bestimmte Themen ausgeklammert?

    Ingrid Steeger:

    Es wird natürlich immer etwas bleiben, was nur mir gehört, das ist ganz klar. Aber es stand ja sehr viel in der Presse, doch das ist ja immer alles nur recht oberflächlich angedeutet und die Hintergründe nicht. In meinem Buch wird viel drin stehen, was auch nicht immer lustig sein wird, auch viel Neues. Es ist jedoch kein ab- oder aufrechnen.

    Michaela Boland:

    Wann wird es erscheinen?

    Ingrid Steeger:

    Im August.

    Michaela Boland:

    Steht der Titel bereits fest?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es heißt "...und find es wunderbar". Also nach dem ..."dann mach ich mir `n Schlitz ins Kleid", das lassen wir natürlich weg, sondern nur ".und find es wunderbar".

    Michaela Boland:

    War Klimbim für sie eigentlich Fluch, Segen oder beides?

    Ingrid Steeger:

    Beides natürlich, beides. Ohne Klimbim würde ich heute nicht hier sitzen und sie würden mich nicht interviewen.

    Michaela Boland:

    Man weiß es nicht.

    Ingrid Steeger:

    Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person, aber ich nicht nach dem Beruf. Das hat sich so ergeben. Ich bin rein geschlittert und bin dabei geblieben.

    Michaela Boland:

    Sie haben die Handelsschule abgeschlossen und in einem Architekturbüro gearbeitet.

    Ingrid Steeger:

    Kurzfristig, sehr kurzfristig.

    Michaela Boland:

    Was gehörte da zu ihren täglichen Aufgaben?

    Ingrid Steeger:

    Schreibmaschine schreiben. Ausschreibungen tippen. Ich war als Stenotypistin tätig, es gab ja noch keine Computer und dergleichen.

    Michaela Boland:

    War das nicht so geplant?

    Ingrid Steeger:

    Es war nie mein Traum im Büro zu arbeiten. Es war auch nicht mein Traum, auf die Handelsschule zu gehen. Das waren damals andere Zeiten. Mein Vater hat bestimmt, dass ich auf die Handelsschule gehe und damals hat man halt das gemacht, was die Eltern gesagt haben.

    Michaela Boland:

    Was haben sie da für einen Abschluss gemacht?

    Ingrid Steeger:

    Wirtschaftsabitur.

    Michaela Boland:

    Was war ihr eigener Plan für ihr Leben?

    Ingrid Steeger:

    Ich wollte ganz einfach nicht  im Büro arbeiten. Damals kamen gerade die Discotheken auf, das war ja damals was ganz Neues. Und dann fing ich an, in Berlin als Go-Go-Girl in Diskotheken zu tanzen. Allerdings nicht wie die Go-Go-Girls heute sind.

    Wir haben Röckchen angehabt, Stiefel und lange T-Shirts und standen nur so da und haben so vor uns hingetanzt. Und dann habe ich auch teilweise zwischendurch im Büro gearbeitet und habe das natürlich zu Hause auch nicht so genau erzählt.

    Dann habe ich aufgehört, regelmäßig bei dem Architekten zu arbeiten und zwischendurch immer, wenn das Geld knapp war, dann als Sekretärin gejobbt und immer wieder mal getanzt. Und so hat sich das alles irgendwie ergeben. Bei mir hat sich immer alles ergeben, das griff stets ineinander über, ob ich wollte oder nicht.

    Michaela Boland:

    Haben sie denn auch ein wenig darauf vertraut, dass immer irgendetwas kommt?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe auf gar nichts vertraut. Ich wusste nur etwas: Mein Leben sollte nicht im Büro enden. Allerdings sollte es auch nicht vor der Kamera enden.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Schicksal?

    Ingrid Steeger:

    Ja, wenn man sein Leben beobachtet, liegt das Schicksal eigentlich in meiner eigenen Hand. Wenn man das im Nachhinein sieht, ging eigentlich alles ineinander über. Nur leider kapiert man das in dem Moment nicht, sonst könnte man seine Fähnchen rechtzeitig besser danach ausrichten

    Michaela Boland:

    Sie haben beschrieben, dass sie in ihrem Leben vieles gemacht machen, was andere von ihnen verlangt haben. Würden sie dies, rückwirkend betrachtet, heute anders handhaben?

    Ingrid Steeger:

    Mit diesem Satz kann ich gar nichts mehr anfangen. Ich überlege da auch gar nicht. Was sage ich? Wenn ich das und das gemacht hätte, wäre vielleicht nicht das und das passiert. Wenn ich keine Sexfilmchen gemacht hätte, hätte ich nicht Klimbim gemacht.

    Mich mochten damals die Kinder, die Frauen und die Männer und wenn ich kein Ja-Sager gewesen wäre, wäre mein Sex, den ich nicht freiwillig gegeben habe, sondern, den ich gab, weil ich ihn geben musste, weil man es von mir verlangte, vielleicht nicht so sauber rüber gekommen, dass mich wiederum dann nicht  die Kinder und die Frauen geliebt hätten.

    Also, das ist alles so ein Gemisch. Wenn, wenn, wenn und hätte. Dieses Wort "hätte", habe ich eigentlich aus meinem Leben getan. Ich kann es nicht ändern und ich will auch gar nicht darüber nachdenken, was dann passiert wäre, denn ich weiß es nicht.

    Michaela Boland:

    Eigentlich sind sie über all die Jahre bei Jung und Alt  nahezu dauerbeliebt.  Erinnern sie sich überhaupt an Negativ-Kritik?

    Ingrid Steeger:

    Negative Kritik in dem Sinne eigentlich kaum. Aber, sagen wir mal, es hat vieles, was die Presse geschrieben hat, nicht gestimmt. Die Presse hätte eigentlich wissen müssen, dass sie mir mit dem, was sie da  hin und wieder schreibt, schadet.

    Aber sie haben es halt  geschrieben, weil es aufreißerisch ist und weil sie eben etwas schreiben müssen. Aber, dass mich jetzt jemand verdammt hat, in dem Sinne, eigentlich nicht. Nun muss ich sagen, lese ich auch sehr wenig die Presse, weil ich mich nicht ärgern will.

    Denn einiges stimmt und einiges stimmt natürlich nicht. Und wenn man das dann so liest, wie man es nun gar nicht gesagt oder gemeint hat, ist das nicht schön. Oder es kommen so schlimme Mutmaßungen, die dann mein Leben schon vorausbeschreiben, wo ich denke, das kommt einer Verurteilung gleich, wobei sie ganz genau wissen, dass das nicht stimmt. Aber wir wissen ja, wie die Medien sind.

    Michaela Boland:

    Also, egal, wie lange man im Business ist, man ärgert sich immer mal wieder über Berichterstattung hinsichtlich der eigenen Person?

    Ingrid Steeger:

    Darum lese ich es mir erst gar nicht durch, dann braucht man sich auch nicht zu ärgern. Aber es gibt leider Gottes immer Leute, die einem das dann schicken.

    Michaela Boland

    Man hat ihnen für viele Jahre den Stempel "Ulknudel" verpaßt.1992 kam dann "Der große Bellheim" unter der Regie von Dieter Wedel, mit dem sie auch privat liiert waren. Es wurde vielerorts so formuliert, dass sie  nun in das sogenannte "seriöse Fach" wechselten. War es ihnen selbst ein Bedürfnis, vom Image der lustigen erotischen Frau in das sogenannte seriöse Schauspielfach zu überzugehen?

    Ingrid Steeger:

    Also für mich ist alles seriös. Klimbim war die härteste Arbeit meines Lebens. Ich habe vor dem Bellheim auch schon zweimal Derrick und den Kommissar gemacht. Außerdem habe ich darüber hinaus bereits in Fernsehspielen Rollen übernommen.

    Also, ich habe nicht nur Komik gemacht. Die Leute hängen sich nur immer an der Komik und insbesondere an Klimbim fest. Bellheim ist nicht das erste in dieser Richtung gewesen. Ich habe nämlich auch einen anspruchsvollen Derrick gemacht.

    Das ist das gleiche in grün. Nur damals wurde das durch den Dr. Dieter Wedel, weil ich ja auch noch mit dem liiert war, einfach groß herausgehoben. Bellheim war natürlich ein riesen Erfolg, ist auch in einer Zeit entstanden, in der ich mit ihm liiert war. So habe ich auch den ganzen Aufbau mit verfolgt. Dadurch wurde die Rolle natürlich stark überbewertet.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich eigentlich ineinander verliebt? Ich selbst hatte noch keine Gelegenheit, ihn kennenzulernen, habe allerdings das eine und andere Mal von Schauspielern gehört, dass er auch recht streng sein könne. Können sie das bestätigen?

    Ingrid Steeger:

    Streng ist ein sehr nettes Wort. Ja, er ist ein sehr schwieriger Mensch. Aber  immerhin haben wir es ja fünf Jahre miteinander geschafft. Und es war keine unglückliche Zeit. Im Nachhinein sieht man vieles anders. Aber wir hatten eigentlich eine sehr gute Zeit, die nicht immer einfach war. Doch schwierige Menschen sind nun mal schwierig und das wusste ich natürlich.

    Michaela Boland.

    War es Liebe auf den ersten Blick?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich habe mich ja auch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, weil ich ja wusste, dass er schwierig war. Aber, da ich nun mal gelernt habe, im Leben mehr auf andere Leute einzugehen, ist mir das vielleicht nicht so schwer gefallen wie den anderen Frauen.

    Michaela Boland:

    Ist das heute noch immer so bei ihnen, mehr auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen als auf ihre eigenen?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe schneller den Durchblick als früher und versuche da schon, meine Distanz zu halten. Jedoch glaube ich, dass es einfach ein Teil meines Charakters ist, das ich vielleicht immer ein bisschen mehr in den Menschen sehe und dann tut man auch mehr für die anderen.

    Ich kann dann deren Bedürfnisse nicht einfach an mir abprallen lassen. Ich versuche, die Menschen mehr zu ergründen und bringe womöglich einfach manchmal ein bisschen zu viel Verständnis für andere auf und das merken natürlich manche Leute und die wissen das dann schon zu benutzen.

    Michaela Boland:

    Kommen wir noch einmal auf Klimbim zurück. Sie sagten gerade, es sei für sie die härteste Arbeit ihres Lebens gewesen. Inwieweit hatte das mit dem Regisseur Michael Pfleghar zu tun?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es war sehr schwierig. Und auch hier kommt wieder hinzu, dass wir miteinander liiert waren und dass ich ihm dann gehört habe, beruflich wie privat. Das war für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Im Nachhinein sieht man vieles anders.

    Im Hinblick auf meine Jugend sagen die Leute ja auch, "deine Jugend war ja schrecklich", aber in meiner Jugend fand ich meine Jugend in Ordnung. Mit dreißig vierzig Jahren dann nicht mehr.

    Aber, das ist auch vielleicht etwas, das man überlebt, wenn man es in dem Moment so sieht. Aber Klimbim war eben deshalb so schwierig, weil ich vor der Kamera nicht so agieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

    Oder der  Pfleghar hat es auch einfach nur nicht so gesehen und er hat es natürlich, ich sage immer "rausgeprügelt" in Anführungsstrichen. Ich wusste nicht, dass ich komisch sein würde und er hat es mit Gewalt herausgeholt und ich habe gehorcht.

    Also ich habe wieder mal gehorcht. Wie immer im Leben, habe ich auch ihm gehorcht. Und das war ja offensichtlich richtig so. Es hat nicht unbedingt Spaß gemacht, aber es kam etwas dabei heraus. Und das durfte das Publikum ja nun auch nicht merken.

    Das war wichtig. Wenn wir das jetzt zusammen durchgehen würden, könnte ich ihnen jede Szene nennen, bei der ich geheult habe. Auch beim Schneemann. Das war nicht im Studio, sondern das war wirklich draußen im Schnee. Und das im Abendkleid.

    Und das mussten wir zehn bis zwanzig Mal drehen und da bin ich fast erfroren und bin seiner Meinung nach immer falsch um den Schneemann herumgelaufen. Das war dann auch nicht komisch.

    Michaela Boland:

    Als vorlaute Gabi haben sie in der Klimbim-Familie regelmäßig Backpfeifen kassiert. Wurden die Schläge gefakt oder mussten sie den Schmerz tatsächlich aushalten?

    Ingrid Steeger:

    Es war real. Das war nicht komisch. Die Volkmann hat eine gute Handschrift gehabt.

    Michaela Boland:

    Hatten sie denn nie das Bedürfnis, Elisabeth Volkmann bei Gelegenheit mal eine schallende Ohrfeigen-Retourkutsche zu verpassen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich dachte ja, das muss so sein.

    Michaela Boland:

    Schauen sie sich Wiederholungen von Klimbim gelegentlich an? Können sie das gut sehen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, das gucke ich mir nicht an. Ich sehe mir auch keinen Talk, den ich gemacht habe, an. Ich gucke mich überhaupt nicht an. Machen aber viele Schauspieler nicht. Ich kann mich nicht ertragen. Klimbim, kann ich nicht mehr verbessern.

    Man ärgert sich auch nur darüber. Bei Talks zum Beispiel, dann denkt man, wieso hast du nicht dieses oder jenes gesagt oder, das hättest du machen können. Ich weiß das in dem Moment selbst, wenn ich den Mund aufmache, weiß ich schon, was falsch ist und dann brauche ich mir das nicht noch einmal anzuschauen.

    Michaela Boland:

    Sie haben früher auch Fernsehwerbung für Rolo Schokoladenkaubonbons und Old Spice gemacht. In was für einer Erinnerung haben sie die Spots?

    Ingrid Steeger:

    Rolo, das war eine süße Werbung. Das waren die größten Werbespots, die ich gemacht habe. Für Rolo haben wir sogar auch Preise erhalten.

    Michaela Boland:

    Im Rolospot haben sie gesungen, ebenso wie regelmäßig in Klimbim. Gab es auch Anfragen von Produzenten für Plattenproduktionen?

    Ingrid Steeger:

    Ja, klar. Ich habe auch einige gemacht.  Auch hier wollte ich eigentlich gar nicht, aber die wollten. Ich fand mich nie gut als Sängerin. Selbst da habe ich mich Satz für Satz gequält. Ich habe auch Musical gemacht, bin zur Falckenbergschule gegangen, habe die Lieder einstudiert.

    Und dann kam ich bei den  Freilichtspielen auf die Bühne und da hatten wir kein Mikroport und nichts und meine Stimme hat total versagt. Wenn ich Theater spiele, geht meine Stimme bis ganz nach hinten, auch wenn tausend Leute da sind.

    Dann hole ich mir meine Stimme einfach tief aus dem Bauch, aber wenn ich singe, dann rutscht mir die Basis nach oben. Ich kann nicht singen und ich will auch nicht, weil ich nicht kann (lacht).

    Michaela Boland:

    Haben sie zu irgendeinem Zeitpunkt eigentlich noch eine klassische Schauspielausbildung absolviert?

    Ingrid Steeger:

    Nein.

    Michaela Boland:

    Funktionierten Dinge wie auf der Bühne laut und deutlich sprechen zu können dann aufgrund ihrer gesammelten Erfahrung?

    Ingrid Steeger:

    Das habe ich mir erarbeitet. Beim ersten Theaterstück habe ich das nicht gehabt. Zwischen Bühne und Fernsehen liegen natürlich Welten. Mein erstes Stück war ein Zwei-Personenstück mit Harald Leipnitz und da ging meine Stimme gar nicht nach hinten und da haben die Leute auch immer gerufen "lauter, lauter".

    Da habe ich mir die Bühnenwirksamkeit dann mit der Zeit vom Spielen her erarbeitet. Wer Fernsehen spielt, gewährleistet noch lange nicht, dass er eine Bühnenwirksamkeit hat. Umgekehrt genauso.

     

    Michaela Boland:

    Halten sie eigentlich noch Kontakt zu ihren früheren noch lebenden Klimbim-Kollegen, wie Wichard von Roell oder Peer Augustinski?

    Ingrid Steeger:

    Zu Peer ja. Er wohnt ja auch hier in Köln. Der war auch schon hier im Theater. Wichart, also zum Opi, weniger. Die anderen sind ja schon tot.

    Michaela Boland:

    Sie haben vor einigen Jahren bereits ein Buch herausgebracht, in dem es um ihre Männer gehen soll.

    Ingrid Steeger:

    Nein, das ist kein Buch, bitte. Oh, da bin ich auch so was von stinkig. Das ist auch nur wieder aus Blödsinn entstanden, weil jemand das wollte. Das ist ja kein Buch, das sind Karikaturen. Es ist gezeichnet und dann steht da jeweils so ein blöder Text drunter.

    Also das kann man vergessen, da stehe ich auch nicht zu, zu diesem Buch. Das ist aus Blödsinn entstanden und der Verkauf versucht das halt bis heute noch das zu vermarkten. Ich finde auch den Vertrag nicht mehr, habe da auch nie eine Abrechnung oder sonst was gekriegt und das ärgert mich immer.

    Michaela Boland:

    Nichts desto trotz haben sie ja bereits die eine oder andere Erfahrung mit Männern in ihrem Leben gemacht, die nicht unbedingt immer nur schön war, wie man im Laufe der Jahre auch in den Medien mit verfolgen konnte. Wofür sind Männer aus ihrer heutigen Sicht eigentlich gut?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das frage ich mich auch. Ja, gut, es gibt schon gute Beziehungen.

    Michaela Boland: Was macht eine gute Beziehung nach ihrem Dafürhalten aus?

    Ingrid Steeger:

    Einfach eine gute Gemeinschaft, etwas zusammen erleben und durchleben. Ich kann nicht behaupten, dass ich nur schlechte Beziehungen hatte. Ich denke, der Anfang ist immer schön und man hat immer eine schöne Zeit gehabt.

    Und dann irgendwann merkt man, dass die Zusammengehörigkeit doch nicht so gegeben ist und dann geht man halt auseinander. Ich finde das schön, wenn ich sehe, dass Leute 25, 30, 40, 50 Jahre verheiratet sind, aber auch die hatten natürlich ganz harte Zeiten. Und die haben sich im Alter dann wieder zusammengerauft.

    Also eigentlich müsste man versuchen, das durchzustehen. Also an Treue oder so etwas glaube ich prinzipiell nicht. Nicht nur in Bezug auf das, was ich erlebt habe, sondern auch, was ich bei den anderen Leuten sehe.

    Ich glaube, das ist auch irgendwie nicht im Menschen drin, was ich sehr traurig und schade finde. Der Körper gehorcht offensichtlich nicht immer so ganz. Aber ich finde es schön, dass man trotz allem zusammenbleiben kann. Wenn ich ältere Ehepaare sehe, die Hand in Hand herumlaufen, finde ich das herrlich.

    Und jeder hat da mal ein außereheliches Verhältnis gehabt, das geht ansonsten ja nicht über eine so lange Zeit, aber ich finde es einfach toll, dass man dann trotzdem zusammenbleibt.

    Michaela Boland:

    Bei Bettina Böttinger im Kölner Treff haben sie geäußert, dass sie Angst vor einer Beziehung hätten. Ist das nach wie vor so? Könnten sie sich nicht vorstellen, noch einmal die Liebe zu finden?

    Ingrid Steeger:

    Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen. Nein.

    Michaela Boland:

    An Angeboten mangelt es mit großer Wahrscheinlichkeit kaum. Wie könnte ein potentieller Kandidat denn idealerweise sein?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Der müsste gebacken werden. Ich kann es nicht sagen. Ich möchte keinen Jüngeren haben und ich möchte auch keinen Älteren haben. Also so einen alten Mann möchte ich auch nicht unbedingt nackt sehen. Und einen Jüngeren, nun, als ich 50 war, hatte ich mal eine Beziehung mit einem jüngeren Mann.

    Ich kann gar nicht verstehen, wie ältere Frauen sagen können, dass sie sich mit einem jüngeren Mann an der Seite jung fühlen. Ich habe mich alt gefühlt. Zuerst einmal, mit welchen Leuten der sich umgeben hat, da war ich schon längst einen Zacken drüber.

    Das war einfach nicht mehr meine Welt. Vielleicht gaukelt man sich da für eine Zeit etwas vor. Dann ist das sicherlich schön, weil man für eine Weile mal wieder in etwas anderes eintaucht.

    Aber mit der Zeit merkt man irgendwie, das ist vorbei, da bin ich schon mal durch. Es ist fein, wenn das andere durchmachen, das freut mich für sie. Man soll natürlich auch nie sagen.

    Aber ich hätte Schwierigkeiten damit, da wieder Kompromisse zu machen und mich anzupassen. Dann saust da wieder einer in der Gegend herum, nein, das ist mir zu anstrengend.

    Michaela Boland:

    Sie haben deutlich geschildert, dass sie in ihrem Leben immer wieder anderen Menschen gehorcht haben. Wären sie denn heute sicher davor, zu gehorchen, gesetzt den Fall, sie verlieben sich allen Widerständen zum Trotz doch  erneut?

    Ingrid Steeger:

    Das ist ja eben das Problem. Ich wäre mir da nicht so sicher, dass mir das nicht mehr passiert. Und ich habe keine Lust, dass das wieder von vorne losgeht. Denn ich würde wahrscheinlich automatisch, also nicht mehr gehorchen, aber ich würde einfach sehen, dass es meinem Partner gut geht und der würde das dann wieder ausnutzen und so weiter.

    Ich will auch nicht ständig jemanden um mich herum haben. Wissen sie, ich bin jetzt 65 und kann nicht mehr mit einem Mann zusammen alt werden. Wenn ich jetzt einen mit 30 kennengelernt hätte, dann wird man zusammen alt.

    Ich würde es vom Optischen her erleben. Sein Körper verändert sich, mein Körper verändert sich. Wenn ich aber jetzt einen kennenlerne, dann sehe ich den schon mal alt und er sieht mich alt. Diese Entwicklung ist gar nicht mehr gegeben, gar nicht mehr zu schaffen. Selbst wenn ich jetzt einen Mann in meinem Alter kennenlerne, ist der ja schon voll entwickelt.

    Wir können nicht mehr in dem Sinne zusammen alt werden. Natürlich gibt es Wunder, vielleicht gibt es auch noch mal eins. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich habe gute Freunde und ich habe Eliza Doolittle, meinen Hund.

    Die ist jetzt zwei Jahre alt. Wenn man mal überlegt, kleine Hunde werden alt, wenn sie nicht krank werden. In fünfzehn Jahren bin ich achtzig, also, was soll das?

    Michaela Boland:

    Sie sind das jüngste von drei Geschwistern. Wie ist das Verhältnis zu ihrer Familie?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe einen Bruder, der ist in Berlin. Der hat mich gerade angerufen und eine Schwester, die mich ebenfalls heute angerufen hat. Das Verhältnis zu meinen Geschwistern ist sehr gut, zu meiner Schwester enger als zu meinem Bruder.

    Mein Bruder hat mich angerufen, um mir den Hörer hinzuhalten, weil meine Mutter mal einen lichten Moment hatte und vor sich hingesprochen hat. Sie ist 100 Jahre alt und dement. Sie ist eigentlich gar nicht mehr, quasi ein lebender Leichnam und alle paar Monate redet sie irgendetwas vor sich hin.

    Michaela Boland:

    Wie oft sehen sie sich?

    Ingrid Steeger:

    Wir haben uns am 17. August gesehen. Das war ihr 100.ster Geburtstag. Da hat sich die Familie getroffen. Dazu muss ich sagen, dass eigentlich bekannt ist, dass wir nie eine glückliche Familie waren und da auch keine Liebe zwischen der Mutter und uns war. Sie tut mir einfach nur leid.

    Michaela Boland:

    In einer Boulevardzeitung war zu lesen, dass  sie geäußert hätten, ein Ableben sei eine Erlösung für ihre Mutter.

    Ingrid Steeger:

    Ja. Sie hat kein Leben mehr. Ich wünsche das jedem Menschen, wenn er mal so dran ist wie sie. Sie wird gewickelt, sie wird gefüttert. Das habe ich dem Express, den Blödmännern, nicht gesagt, das haben sie sich aus "Volle Kanne" herausgezogen und haben natürlich die Überschrift gemacht "Ingrid Steeger wünscht sich den Tod ihrer kranken Mutter".

    Meine Mutter kriegt nichts mehr mit, liegt nur apathisch herum und dämmert vor sich hin. Das ist kein Leben mehr. Das ist entwürdigend. Ab und zu redet sie, da muss das Langzeitgedächtnis durchkommen, aber auch das hat keinen Zusammenhang mehr. Es ist einfach kein Leben.

    Michaela Boland:

    Dass sie in finanzieller Hinsicht einmal durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind, konnte ganz Deutschland durch sensationslüsterne Boulevardmedienberichterstattung mit verfolgen.

    Wie haben sie es geschafft, derart bemerkenswert aufrechten Ganges durch diese Lebensphase hindurchzugehen und welchen Tipp geben sie Menschen in ähnlichen Lebenssituationen?

    Ingrid Steeger:

    Ich bekomme viele Anfragen in dieser Hinsicht. Viele Menschen fragen mich, die in der Situation sind. Doch das kann man nicht mit meiner Situation vergleichen. Erstens mal war ich ja in einer schweren Depression. Da kamen viele Dinge, wie Depression und Krankheiten zusammen.

    Das Ganze hat sich auch jahrelang vorher angekündigt, so etwas kommt ja nicht von heute auf morgen. Durch meinen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad hatte ich jedoch das Glück, dass die Leute mich aufgefangen haben. Ein normaler Mensch wird ja leider nicht so aufgefangen wie ich aufgefangen wurde.

    Dadurch, dass das so groß in der Presse stand, was für mich ein schlimmer Schlag war, musste ich mich ja dazu stellen. Es ging nicht anders.

    Michaela Boland:

    Hat da jemand aus ihrem direkten Umfeld geplaudert oder wie kam ans Licht, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten konnten?

    Ingrid Steeger:

    Natürlich, bestimmt. Ich weiß es nicht. Die Bildzeitung hat es herausbekommen und die haben perfekt daran gearbeitet, bestimmt zwei, drei Monate. Die wussten alles ganz genau, mehr als ich. An welchem Tag und um wie viel Uhr ich den Antrag gestellt habe.

    Da konnte man auch gar nichts widerlegen. Da muss man ja dann zu stehen, denn das waren alles Fakten. Es war alles nachzuweisen und da kam ich dann gar nicht mehr drum herum.

    Michaela Boland:

    Sie hätten versuchen können, sich mit der empfundenen Schmach zu verkriechen, haben jedoch tapferer weise gegenüber der Öffentlichkeit regelmäßig Rede und Antwort gestanden. Wie haben sie sich dazu motivieren können?

    Ingrid Steeger:

    Mich zu verstecken, ging ja gar nicht, denn dann wäre ich tot gewesen. Tot für mich und für die anderen. Dann wäre ich wirklich am Boden gewesen. Es gab wirklich nur die Möglichkeiten, entweder bleibe ich liegen, weiterhin in meinem Koma und in meiner Depression verhaftet oder ich stehe auf.

    Und dadurch, dass ich mich dazu gestellt habe, also, ich bin wieder einmal dazu gezwungen worden, etwas zu machen, habe ich dann auch die Kraft bekommen.

    Dann standen nämlich auch die Medien zu mir, ebenso wie die Leute. Dadurch kam ich nach vier Monaten bereits aus Hartz IV heraus, denn die Gagen bei den Talks waren sehr gut. Das Sozialamt hat mir sofort berechnet, wie lange ich davon zu leben habe. Und dann kam sofort das Theaterstück und alles Weitere ging direkt ineinander über.

    Ich kann somit einem normalen Menschen, in Anführungsstrichen, überhaupt keinen Tipp geben, denn das war bei mir ein Ausnahmefall. Denn ein normaler Mensch wird nicht aufgefangen und kriegt auch keine guten Gagen in Talks.

    Natürlich muss man stark sein und Kraft haben und Freunde haben. Viele meiner Freunde wussten ja gar nicht, was mit mir los war. Meine Freunde wohnen ja nun alle nicht bei mir oder in meiner näheren Umgebung.

    Sie wussten schon, irgendwas funktioniert nicht mehr so. Es ging ja, wie gesagt, über Jahre. Die Depression hat sich tatsächlich über Jahre erstreckt.

    Michaela Boland:

    Wie geht es ihnen heute in Bezug auf ihre Depression? Ist sie überstanden?

    Ingrid Steeger:

    Ich gehe mal davon aus, dass die Depression schon länger vorüber ist, sonst würde ich gar nicht auf der Bühne stehen.

    Michaela Boland:

    Die Gefahr eines Rückfalls ist bei Depressionen nicht immer auszuschließen.

    Ingrid Steeger:

    Ich war auch mit Depressiven zusammen und habe das sehr studiert. Es gibt so viele verschiedene Arten von Depressionen. Depression ist nicht gleich Depression. Klar kann man von heute auf morgen wieder in eine Depression verfallen, wenn irgendetwas passiert.

    Es gibt auch eine akute Depression. Jeder Mensch hat mal eine akute Depression gehabt, fällt da kurz rein und ist dann wieder da. Die schlimmste ist die endogene, also die vererbte Depression, die dann sporadisch in Abständen immer wieder kommt.

    Michaela Boland:

    Aber jetzt geht es ihnen gut?

    Ingrid Steeger:

    Mir geht es sehr gut.

    Michaela Boland:

    Das ist schön. Interessieren sie sich eigentlich auch für bildende Kunst?

    Ingrid Steeger:

    Meine ganze Wohnung ist vollgepflastert mit Bildern von guten Künstlern.

    Michaela Boland:

    Bevorzugen sie da eine bestimmte Stilrichtung?

    Ingrid Steeger:

    Ich bin ein sehr großer Fan der Impressionisten. Van Gogh, Gauguin, Manet, Monet usw.

    Michaela Boland:

    Vermissen sie als Berlinerin eigentlich manchmal ihre Heimat?

    Ingrid Steeger:

    Nicht ein bisschen.

    Michaela Boland:

    Was sagen sie denn zu der Flughafenaffaire rund um den regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit?

    Ingrid Steeger:

    Da habe ich mich, ehrlich gesagt, nicht so viel drum gekümmert. Viele Leute denken immer, ich wohne noch in Berlin. Berlin ist für mich ein Kapitel, das schon lange vorbei ist. Dort zieht mich auch nichts mehr hin zurück.

    Michaela Boland.

    Gibt es für sie eine Lieblingsstadt?

    Ingrid Steeger:

    Hamburg und Zürich.

    Michaela Boland:

    In Zürich haben sie auch einmal gelebt?

    Ingrid Steeger:

    Ja. Und was mir augenblicklich auch gut gefällt, ist Köln. München war für mich immer so eine Anlaufstätte, wenn ich aus Frankreich kam. Jetzt lebe ich fast schon wieder zehn Jahre in München. In Hamburg habe ich ja auch fünf Jahre gewohnt. Jetzt wird es mal Zeit, dass ich wieder umziehe.

    Michaela Boland:

    Wie stehen sie zu sozialen Netzwerken wie Facebook? Haben sie einen Account dort?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ganz bestimmt nicht. Was soll ich da reinschreiben? Meinen Freunden schreibe ich entweder eine Mail oder wir telefonieren. Und ich will das nicht, dass da jeder Einblick erhält. Das sind ja nicht alles meine Freunde, auch, wenn sie sich so nennen. Ich kenne die doch gar nicht.

    Michaela Boland:

    Googeln sie sich gelegentlich selbst?

    Ingrid Steeger:

    Dann müsste ich ja von morgens bis abends beim Anwalt sitzen. Nein, ich habe eine sehr gute Website, die wird unentwegt aktualisiert. Das ist für Berufliches und für Fans und das reicht mir total.

    Und wann ich nun morgens einen Kaffee getrunken habe, oder ob ich hingefallen bin, das muss ich den Fans nicht mitteilen. Das sollen mal alles die Jüngeren machen. Oder ich finde das  für Schlagersänger ganz gut, die ihre Platten verkaufen wollen.

    Michalea Boland:

    Oder, wenn man ein neues Buch promoten möchte?

    Ingrid Steeger:

    Das kommt alles auf meine Website. Dann sollen sie sich das da angucken, da steht das dann alles drin. Aber, was ich jetzt alles privat tue, wann ich den Hund gehauen habe oder etwas über mich und meine Gefühle, das muss nicht  sein. Die Medien, die kriechen dann sowieso da herum und ziehen sich dann da etwas heraus.

    Michaela Boland:

    Wird es im Rahmen ihrer geplanten Buchveröffentlichung ".und find es wunderbar" auch Lesungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Bestimmt.

    Michaela Boland:

    Mit Peer Augustinski haben sie in jüngster Vergangenheit auch verschiedene Lesungen durchgeführt. Wird es da Wiederholungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das einzige Problem besteht nur darin, dass es immer sehr schwierig ist, wenn ich, wie jetzt, Theater spiele.

    Michaela Boland: Ihre Stimme ist nach wie vor sehr wohlklingend und vor allem junggeblieben. Nutzen sie diesen Umstand beispielsweise auch zum Synchronsprechen?

    Ingrid Steeger: Wenig, aber Hörspiele mache ich jetzt. Ich habe gerade einen Krimi gemacht. Synchron weniger.

    Michaela Boland:

    Wenn man sie direkt anblickt, sieht man sie verhältnismäßig häufig charmant lächeln, obgleich sie zwischendurch in unbeobachteten Momenten immer wieder ein wenig ernst  wirken. Wann und über was können sie manchmal so richtig herzhaft lachen?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Vielleicht über Blödsinn. Über Eliza Doolittle muss ich manchmal herzhaft lachen.

    Michaela Boland: Wie kam es zu der Namensgebung?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe die Eliza Doolittle gespielt. Ich spielte Pygmalion. Diese Rolle habe ich auch sehr gerne gespielt.

    Michaela Boland:

    Gibt es eine Rolle, die sie heute besonders gerne noch einmal spielen würden?

    Ingrid Steeger:

    Eliza Doolittle, doch leider bin ich dafür zu alt. Es ist ja ein Mädchen aus der Gosse, die zur Dame erzogen wird. Das geht nur, wenn man jünger ist.

    Michaela Boland:

    Liebe Frau Steeger, vielen Dank für dieses Interview und alles erdenklich Gute weiterhin für ihre Zukunft.

    Infos unter:

    www.ingridsteeger.de

    de.wikipedia.org/wiki/Ingrid_Steeger

    www.sueddeutsche.de/geld/reden-wir-ueber-geld-ingrid-steeger-ich-habe-um-euro-gebettelt-1.1031386

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

    Exklusivinterview und

    Porträt des Monats

    © Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

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  • Gottfried Boehmer und Anna Vilents 2003 vor der Ausstellung mit den Promi-Motiven
Stefan Raab wurde auch von Anna Vilents aufs Korn genommen
    Die Rote Anna malt Böse Bilder
    Bitter süße Bilder von Anna Vilents - die omnipräsente Medien-Prominenz der "STARS"

    Lange, sehr lange ist das her. Ein Rückblick in das Jahr 2003. Was wären die „Stars" ohne RTL, VOX, Pro 7, Bild, Bunte oder Gala?

    von Peter Hauptvogel

    Die 22-jährige Ukrainerin Anna Vilents hat die omnipräsente Medien-Prominenz unserer Zeit mit Pinsel und Acrylfarbe aufs Korn genommen und in bitter süßen Bildern porträtiert. Sie wollte nur eins: Malerin werden.

    Die rothaarige Malerin, die 1993 mit ihren Eltern „als Kontigent-Flüchtling" aus der Ukraine an den Rhein kam, weiß genau wie man Publicity macht. Und ihr Mentor Gottfried Böhmer von Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin weiß das auch. Wohl deshalb wirkten beide auf der Vernissage auch so vergnügt.

    Doch Anna ist mehr als ein kleines Schlitzohr, sie ist eine begnadete Künstlerin. Die jüngste Meisterschülerin der alterehrwürdigen Düsseldorfer Kunstakademie. Immerhin einer Institution, die 17 von 100 Namen für die aktuelle Weltrangliste der bildenden Künstler dieser Welt liefert.

    18 Jahre alt war Anna als sie angenommen wurde. Sie sprach kaum ein Wort deutsch und besaß kein Abitur. Aber bei der Begabtenprüfung überzeugte sie, wurde sie Meisterschülerin von Prof. A. R. Penck. Dass allein ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Fachleute schätzen vor allem ihre raffinierte Tropftechnik.

    Anders als deren berühmter Erfinder Jackson Pollock bleibt sie jedoch im figürlichen, wenn sie Tierkörper mit Menschenköpfen malt, und dabei Übergänge findet, die ins Mystische reichen. Gut und gerne 4.000 € muss man heute schon für ein Vilents-Bild auf ein Tisch blättern.

    Am Ende der jetzt laufenden PR-Show mit den Promi-Motiven wird der Preis gewiss noch gestiegen sein, man darf ihr das gönnen. Allein schon die Zielstrebigkeit mit der sie ihre Künstler- Karriere verfolgte, verdient Anerkennung. Konsequent lehnte sie jeden anderen Berufsvorschlag von Eltern und Lehrern ab, wollte Malerin werden - und wurde es.

    Air Berlin Magazin Ausgabe 2/2003

    Claudia Schiffer, Boris und Barbara Becker, Verona Feldbusch, Thomas Gottschalk, Ariane Sommer - alle sind sie da. Unsere Medien-Stars im Format 100 x 90 cm. Anna Vilents, in diesem Semester die jüngste Meisterschülerin (Prof. A. R. Penck) an der Düsseldorfer Kunstakademie, porträtiert die „Stars" aus Film und Fernsehen wie die Fürsten, Mönche und Madonnen der Renaissance-Zeit.

    Jedoch mit streng kritischem Blick. Auf den 13 „Star-Porträts" wird mit diesen streng ins Gericht gegangen: Dieter Bohlen als Florentiner in der Hand seinen Bestseller als Bibel. Nina Hagen wird als kleines Mädchen dargestellt. Barbara Becker als leidende Heilige.

    Anna Vilentsist jedoch keine Zeitgeist-Reporterin, ihr Scharfblick gilt verschiedenen gesellschaftlichen Phänomenen mit einem Schuss Ironie. Ausstellung: Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin.

    Messemagazin Ausgabe 1/2003

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Aktuelles - Marketing News

  • Szene aus The Marvelous Mrs. Maisel im Amazon Prime Video
    Ansturm, inklusive Polizeieinsatz
    Amazon verursacht Verkehrschaos und einen Social-Media-Sturm

    Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, meint das die Amis etwas von Marketing und Kundenbindung verstehen.

    Lieber Herr Böhmer,

    man mag Amazon ja so einiges nachsagen. Aber wenn es um Marketing und Kundenbindung geht, kann man den Amerikanern nichts vormachen. Um ihre neueste Serie "The Marvelous Mrs. Maisel", die in den späten 50ern spielt, zu bewerben, haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht:

    Sie haben zahlreiche Dienstleistungen und Waren zu Preisen von 1959 anbieten lassen. Haarschnitte, Milchshakes, Hamburger, Kinotickets oder Benzin gab es zu für heutige Verhältnisse lächerlichen Preisen.

    Das Ergebnis: Verkehrschaos, Social-Media-Sturm – und jetzt spricht die ganze Welt drüber. Auch die Polizei mußte kommen. Eine Tankstation verkaufte Sprit für 30 Cent - pro Gallone (3,8 Liter)

    Die Aktion war zwar sicher nicht ganz billig, aber der Wert sämtlicher Medienerwähnungen ist wahrscheinlich unbezahlbar.

    Auch Aldi hat früher mit seinen Schnäppchen immer wieder Staus verursacht. Die Zeiten sind längst vorbei. Jetzt streitet der Discounter mit Lidl um die Vorherrschaft im niedrigsten Preissegment.

    Das lässt er sich einiges kosten: Um ganze 50 Prozent steigerte er seine Werbeausgaben im ersten Halbjahr.

    Ganz zu schweigen von den schrumpfenden Margen durch die immer aggressiveren Rabattschlachten. Tja, der Billigste zu sein, kann ganz schön ins Geld gehen.

    Ein schönes Wochenende wünscht

    Verena Gründel

    Wenn sie noch mehr Informationen über Content-Marketing, Storytelling, Digitale-Transformation, Influencer-Marketing, Produkt und Markenwelten sowie Geschichten und Informationen aus der Werbebranche erfahren wollen, besuchen sie unsere unserer Rubrik Marketing News hier erfahren sie ständig was die Werbe-Welt bewegt.

     

     

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  • Die drei My-Muesli-Gruender Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau
    der Selbstoptimierungstrend
    My Muesli, Geschmack und Datenschutz? Nebensache

    Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, ist von dem neuen Konzept von My Muesli noch nicht überzeugt.

    Lieber Herr Böhmer,

    der Selbstoptimierungstrend hat ein neues Level erreicht. Vegan, proteinreich oder Superfoods waren gestern, heute kann man längst individuell auf die Bedürfnisse des Körpers zugeschnittene Nahrung zu sich nehmen.

    My Muesli macht’s möglich. Die Passauer arbeiten dafür mit zwei Start-ups zusammen. Das eine analysiert die DNA, das andere Blutzucker und Darmflora.

    Auf Basis der Daten stellt My Muesli das angeblich perfekte Müsli für die Bedürfnisse des Kunden zusammen. Und was ist mit Geschmack und Datenschutz? Nebensache.

    Auch der Hersteller von pflanzlichen Lebensmitteln Veganz geht neue Wege. Aber keine Angst – nicht noch mehr Scifi-Essen. Stattdessen beschafft sich das Unternehmen sein Geld für Marketing auf ungewöhnliche Weise.

    Mit einer Crowdfunding-Kampagne. 1,5 Millionen Euro wollen die Berliner über Seedmatch einsammeln. 9 Prozent Rendite soll es geben. Klar, vegane Lebensmittel sind ein Wachstumsmarkt.

    Genauso wie das Geschäft von We Work. Der Vermieter von Coworking-Spaces will bis zu seinem Börsengang im Laufe des Jahres den Umsatz noch kräftiger ankurbeln.

    Die Mittel zum Zweck: Marketing und noch mehr Marketing. Bisher habe Mund-Propaganda das Unternehmen groß gemacht. Doch das reicht jetzt nicht mehr. Deshalb greift das Jungunternehmen jetzt ganz kühn zum Äußersten: zu klassischer Werbung.

    Ihnen einen schönen Abend.

    Ihre

    Verena Gründel

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  • Greta Thunberg auf dem Cover Die britische GQ widmet ihre naechste Ausgabe der Klimaaktivistin
    ist Greta Thunberg nur eine PR-Produkt
    Der Hype um Greta Thunberg schlägt Blüten, was kommt noch

    Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V schreibt mir etwas zu der Ikone der Klimabewegung Greta Thunberg. Dabei hat Greta Thunberg nicht viel dazu gesagt oder getan, außer vor dem  schwedischen Parlament einmal die Woche zu streiken, bis die Medien sie entdeckt haben.

    Der Focus schrieb: Greta Thunberg hat mittlerweile den Terminplan eines Supermodells und Spitzenpolitikers; Pressekonferenzen, Foto-Shooting, Interviews, Parlamentsreden, Demonstrationsauftritte wechseln sich immer hektischer ab.

    Und ich Frage mich, wer schlägt den Profit aus dem medialen Hype? Die Klimaschutzaktivistin, die für den Friedensnobelpreis nominiert ist, wird diesen Herbst von der britischen GQ ausgezeichnet. Ich bin mal gespannt wann die Öffentlichkeit merkt, das Greta Thunberg nur eine PR-Produkt ist. Hat sich mal jemand gefragt, wer die ganze Show finanziert?

    Lieber Herr Böhmer,

    Greta Thunberg hat eine ganze Menge verändert. Dass sie sogar Einfluss auf die "Men of the Year Awards" der britischen Männerzeitschrift GQ hat, überrascht trotzdem. Die Lifestyle-Zeitschrift lobt ihr zu Ehre erstmals einen neuen Preis aus. Der Titel könnte nicht treffender sein: "Game Changer of the Year".

    Und weil das Magazin zeigen will, dass es visuell mehr kann als Schauspieler, Models und Manager, bildet es Greta Thunberg auch noch auf der Oktober-Ausgabe ab. Erfrischend – obwohl sie auf dem Foto weißes Hemd und Jackett trägt, wie vor ihr viele andere GQ-Coverfiguren. Aber sie ist eben doch eine Managerin. Klimaschutz-Managerin.

    Das ist eine gute Gelegenheit für eine stolze Ankündigung in eigener Sache:

    Die wohl bekannteste deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer – Medien bezeichnen sie sogar als die deutsche Greta – wird auf unserem W&V Green Marketing Day auftreten.

    Auf der Bühne wird sie von ihren Zielen und Herausforderungen berichten. Sie wird erzählen, was sie sich von nachhaltigen Unternehmen und ökologischen Produkten erwartet. Da bleibt kein Platz für Greenwashing.

    Ich freu mich drauf. Und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

    Verena Gründel

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Aktuelles - Portrait des Monats

  • Michael Horbach und Michaela Boland
Michaela Boland und Michael Horbach Interview
Michael Horbach in der Galerie
Michael Horbach und Michaela Boland im Gespraech
Michael Horbach der Kunstsammler
Michaela Boland und Michael Horbach in Koeln
Michael Horbach Interview GFDK
    Keiner braucht drei Ferraris, auch kein Künstler
    Michael Horbach will mit der Kunst der Schickeria und den Superreichen nichts zu tun haben

    Das Gespräch haben wir 2013 mit Herrn Horbach geführt. Fast wie im Märchen: Er hat bereits in jungen Jahren Millionen gemacht. Nicht umsonst bemühte sich Veronica Ferres-Freund, Carsten Maschmeyer, einige Zeit intensiv darum, ihm sein lukratives Business mit Erfolg abzukaufen. Die Rede ist von Michael Horbach. Die Erfolgsstory des Aacheners begann schon 1983

    Als 23-jähriger Student, kurz nach dem Studium, der Volkswirtschaftslehre nämlich wurde der Sohn eines Pflasterers von seiner damaligen Freundin, einer Medizinstudentin, dazu angehalten, ihr für die Zukunft Tipps bei allen Vorsorge-und Versicherungsfragen zu geben.

    Gesagt, getan. Nachdem die Beratung sich schnell in barer Münze auszahlte, ward der Entschluss, aus dem Talent eine Profession zu machen, flink gefaßt. Und so trug es sich zu, dass schon bald Heerscharen potenzieller und gegenwärtiger Gutverdiener ihn umgaben, um seinen Rat einzuholen.

    Mit 50 aber machte der smarte Geschäftsmann dann jedoch planungsgemäß Schluß mit der Arbeit und widmete sich seinem eigentlich ebenfalls arbeitsreichen Vergnügen, der Kunst, ganz und gar.

    Im Jahre 2000 investierte der langjährige Wahlkölner einen großen Teil des Vermögens in seine Stiftung, die nicht nur Künstler und vor allem Künstlerinnen fördert, sondern auch sozial schwachen Menschen tatkräftig unter die Arme greift.

    Im Rahmen seiner Ausstellung mit dem Titel "Mein Cuba" demonstrierte Horbach, dass er sich auch höchst selbst auf die Kunst des Fotografierens versteht.

    Heute zeigt mir der Vater eines 38-jährigen Sohnes seine schönen Ausstellungsräume in der Kölner Südstadt und spricht ohne Vorbehalt, Strich und Komma wie ein Mensch von Angesicht zu Angesicht. Von den üblichen Plattitüden von Managern, Moderatoren und Politikern ist der sympathische „Wahlkölner“ weit weg.

    Michaela Boland:

    Herr Horbach, ihr aktuellstes Kunstprojekt  ist neben  der Verleihung des Fotopreises, welcher in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten gegangen ist, auch die Ausstellung "5 Räume - 5 Ausstellungen", die noch bis zum 20. August 2013 in ihren Kölner Räumlichkeiten zu bewundern ist. Was genau erwartet das kunstinteressierte Publikum hierbei?

    Michael Horbach:

    Das übergeordnete Thema lautet "Wunden". Zum einen werden wunderschöne Fotografien aus Afghanistan  von Professor Jaro Poncar zu sehen sein. Bei diesen Arbeiten sieht man keine Wunden,  es sind insoweit also keine Kriegsbilder, aber jeder hat diese Bilder bei dem Thema Afghanistan nun mal im Kopf.

    Heiner Schmitz präsentiert Fotos aus Palästina. Ihm war es wichtig, bei den Portraitarbeiten an der Mauer, die seit 2004 zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten gebaut wird, Aussagen von betroffenen Menschen in seine fotografische Arbeit einzubinden.

    Außerdem stellt Pari Moradi, die erste Stipendiantin der Michael Horbach Stiftung, die 2007 als Autodidaktin mit der Malerei begann,  Zeichnungen aus. Darüber hinaus sehen wir Marcos Zimmermanns Fotos aus Argentinien, sowie die Fotos des diesjährigen Fotopreisträgers, Thomas Karsten, aus Uganda, auf denen Mütter mit ihren behinderten Kindern zu sehen sind.

    Michaela Boland:

    In den 80-er Jahren haben sie die Kunstgalerie des renommierten Galeristen Hans-Jürgen Müller in  Köln übernommen.

    Dort haben sie Künstler wie Blalla W. Hallman unter Vertrag ausgestellt, der kurz vor seinem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt alle ihm verfügbaren eigenen Arbeiten zerstört haben soll und u.a. an der University of California in San Francisco sowie der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelehrt hat.

    Sein Werk hat sich vor allem in blasphemischer und obszöner Weise mit existenziellen Grundfragen wie Religion oder Sexualität beschäftigt. Muss es für ihren Geschmack denn immer ein wenig exzessiver sein?

    Michael Horbach:

    Ich bin in meinem Leben schon immer gegen den Strom geschwommen. Blalla Hallman habe ich damals zunächst übernommen. Er war zu dem Zeitpunkt bereits Künstler der Galerie Hans-Jürgen Müller. Ich hatte zu der Zeit noch meine Firma und habe das Ganze damals noch mehr als Hobby betrieben. So habe ich zuerst einmal einfach sämtliche Künstler übernommen.

    Michaela Boland:

    Betraf das ebenfalls die bekannte belgische Fotografin und Videokünstlerin Marie Jo Lafontaine, der ihr internationaler Durchbruch 1987 auf der Documenta 8 mit einer Videoinstallation in Kassel gelang?

    Michael Horbach:

    Nein, die war nicht bei Hans-Jürgen Müller. Sie hatte ich zuvor akquiriert und ausgestellt.

    Michaela Boland:

    Für die damalige Zeit schon recht außergewöhnlich, nicht wahr?

    Michael Horbach:

    Ja, das kann man sagen. Ich wollte sie jetzt noch mal ausstellen und habe Kontakt mit ihrem Galeristen aufgenommen. Der hat dann aber gesagt, "Oje, Herr Horbach, die ist inzwischen sehr bekannt und dementsprechend auch anstrengend". Dann hat er mir so ein paar Fakten genannt und dann habe ich gesagt, " Nein, danke, das möchte ich nicht."

    Michaela Boland:

    Obwohl man sich bereits kennt und einen persönlichen Bezug zueinander hatte?

    Michael Horbach:

    Ja, aber das ist dann einfach zu anstrengend. Ich habe das lediglich gehört, aber sie soll beispielsweise darauf bestehen, dass jemand ihre Arbeiten aufhängt, der am Tag tausend Euro dafür kassiert.

    Die Kisten für ihre Kunstwerke sollen ein Vermögen kosten. Da möchte ich das Geld doch lieber den jüngeren Künstlern zukommen lassen. Außerdem mache ich das ja alles privat, dieses Geld zahle ich nicht aus meiner Stiftung.

    Michaela Boland:

    Klingt beinahe wie das, was man hin und wieder von exzentrischen Popdiven zu hören bekommt.

    Michael Horbach:

    Ja, da gibt es Sachen. Jetzt habe ich gehört, dass Andreas Gursky angeblich drei Ferrari fährt. Das ist so eine Geschichte die ich nicht besonders gut finde.

    Michaela Boland:

    Soweit er es vermag, alle gleichzeitig zu fahren, wäre es doch cool.

    Michael Horbach:

    (lacht)  Ja, gut.

    Michaela Boland:

    Der von ihrer Stiftung alle zwei Jahre ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis geht in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten. Worum geht es in dem von ihm dokumentierten Projekt?

    Michael Horbach:

    Dieses Projekt heißt "Räder für Uganda". Da haben wir 60 Fahrräder gestiftet und Thomas Karsten hat diese vor Ort verteilt. Er hat dort einen Transporter gemietet und ist anschließend durch die Dörfer gefahren und hat die Räder an arme Familien verteilt.

    Am Anfang wollten wir das ganze über eine Stiftung organisieren, daher hat er zunächst zwei Fahrräder jener Stiftung übergeben, jedoch hat er schnell gemerkt, dass am Ende doch wieder nur solche Menschen mit den Rädern fuhren, die eigentlich gar nicht so arm waren.

    Das sah man dann beispielsweise an solchen Dingen wie Armbanduhren. Insoweit haben solche Projekte nur Sinn, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Die zweite Arbeit, für welche Thomas Karsten den Fotopreis erhält, ist die Ausstellung, die zur Zeit in unseren Ausstellungsräumen hängt. Es geht um Frauen aus Uganda mit ihren behinderten Kindern.

    Michaela Boland:

    Nicht gerade eine Schön-Wetter-Thematik.

    Michael Horbach:

    Manchmal muss man durchaus zwei oder dreimal hinsehen, um es überhaupt zu bemerken. Ich finde, die Menschen auf den Fotos präsentieren sich voller Stolz und Selbstbewußtsein. Zwar durchaus zurückhaltend, aber dennoch merkt man, da ist Stolz. Ich halte das für eine gelungene Arbeit.

    Michaela Boland:

    Ist es grundsätzlich einfacher als Künstler Aufmerksamkeit innerhalb der Öffentlichkeit zu generieren, wenn man sich schlichtweg mit gesellschaftskritischen, sozialen oder unästhetischen Themen befaßt?

    Michael Horbach:

    Eher nicht. Wenn man Mainstream machen will und einen Galeriebetrieb hat, dann auf keinen Fall. Das hier ist ja keine Galerie, ich verkaufe ja nicht. Die Künstler können in ihrem Namen verkaufen.

    Ich gebe nur Geld aus und tue das gerne und bekomme das alles auf irgendeine Art und Weise zurück. Mich interessiert sozialkritische Fotografie am meisten und der mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis sieht das auch als Kriterium.

    Michaela Boland:

    Man könnte ihren Fotopreis mit rein ästhetisch-schöner Fotografie also eher nicht erhalten?

    Michael Horbach:

    Auf keinen Fall. Also, ich bin sehr offen für sogenannte schöne und ästhetische Fotografie, habe im ersten Jahr 2011 in diesem Raum eine Ausstellung zum Thema Erotik ausgestellt und da waren sehr schöne ästhetische Fotografien dabei. Insoweit habe ich da überhaupt nichts gegen.

    Allerdings empfinde ich die normale Schönheit, die uns immer präsentiert wird, langweilig. Wenn ich also sehe, was uns durch bestimmte Models als Schönheit verkauft wird, dann kann ich nur traurig sein.

    Michaela Boland:

    Warum wird der Fotopreis nicht jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre vergeben?

    Michael Horbach:

    Ich wollte hierfür eine bestimmte Summe ausschreiben und 10.000 Euro sind für einen Fotopreis schon ganz kräftig. Jedes Jahr wäre das ein bisschen viel gewesen. Das kommt ja aus meiner Stiftung. Da habe ich eine größere Summe hineingesteckt als ich meine Firma verkauft habe.

    Davon lebt die Stiftung hauptsächlich. Es ist nicht so, dass ich viel akquiriere und sage, "bitte spendet", denn da habe ich zu sehr die Angst, dass der eine oder andere sagt, "du hast Geld genug, mach du das mal".

    Michaela Boland:

    Heißt das, es gibt einen Topf, aus dem sich bedient wird?

    Michael Horbach:

    Ja, da ist ein Topf und von Zinsen wird die Arbeit finanziert (Anmerkung Redaktion: Das ist das deutsche Stiftungsgesetz). Darüber hinaus gibt es noch andere Gelegenheiten, bei denen ich dann sage, "o.k., du kannst deine Wohnung mit meiner Kunst ausstatten und dafür spendest du etwas".

    Oder, wenn mich Freunde, die es sich leisten können, auf Mallorca besuchen, dann zahlen auch die in die Stiftung ein. Drei-Gewinnerprinzip nenne ich das.

    Michaela Boland:

    Welche Art von Kunst hängt denn so privat bei ihnen?

    Michael Horbach:

    Früher, als ich jung war, Blalla Hallmann. Aber das geht heute nicht mehr. Ich möchte heute schon Kunst um mich haben, die positiv wirkt. Ich habe zum Beispiel fünf wunderschöne schwarzweisse Fotografien des kubanischen Fotografen Korda, der einst das berühmte und meistverbreitete Foto der Welt gemacht hat, nämlich das von Che Guevara.

    Neben diesem Foto hängt ein wunderschönes beeindruckendes Foto eines Mädchens, das einen Holzscheit als Puppenersatz an die Brust drückt. Korda hat ja immer gesagt, dass er kein Kommunist sei und rein gar nichts mit Kommunismus am Hut habe, aber, dass er Fidelist sei.

    Fidel habe alles richtig gemacht und zu diesem Foto hat er speziell gesagt, "ich werde so lange für die Revolution kämpfen bis jedes kubanische Mädchen eine richtige Puppe hat".

    Genau das habe ich auch in Kuba erlebt, dass junge Mütter, mit denen ich ins Gespräch kam, zu mir sagten, "wenn du noch mal kommst, kannst du meiner Tochter bitte eine Puppe mitbringen". Außerdem mag ich den italienischen Künstler Salvo oder auch die Kölner Künstler Heinz Zolper und Michael Buthe. Von den jungen Künstlern gefällt mir die Iranerin Pari Moradi

    Michaela Boland:

    Was tun sie eigentlich in ihrer Freizeit oder sind sie gar rund um die Uhr mit der Stiftungsarbeit beschäftigt?

    Michael Horbach:

    Ich versuche eine Harmonie zwischen Verantwortung und Vergnügen zu schaffen. Wobei Vergnügen ist, sich mit Kunst zu beschäftigen, viel zu reisen und zu fotografieren. Darum habe ich ja auch meine Firma mit 50 verkauft, weil ich frei sein wollte.

    Es gibt so viele schöne interessante Sachen, die ich im Leben kennenlernen möchte. Ich mache zudem auch etwas für meinen Körper und mache Sport.

    Michaela Boland:

    Was für einen Sport treiben sie?

    Michael Horbach:

    Ich habe einen Trainer, der zwei Mal die Woche kommt, dann werde ich so richtig gequält.

    Michaela Boland:

    Einen Personaltrainer?

    Michael Horbach:

    Ja, denn ich habe einfach Angst, dass ich zu viele Fehler mache, wenn ich allein oder in einer Gruppe Sport treibe. Das kann ich mir nämlich nicht mehr leisten, weil dann meine Knochen noch mehr schmerzen würden.

    Michaela Boland:

    Mit ihren eigenen Fotos von Kuba, die teilweise augenblicklich noch in ihren Ausstellungsräumen zu bewundern sind, haben sie für große Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischenzeitlich ist sogar ein eigener Bildband ihrer Arbeiten erschienen. Wann haben sie selbst damit begonnen, die Kamera zu zücken und zu fotografieren?

    Michael Horbach:

    Ich habe immer schon geknipst und Urlaubsfotos gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich einen ganz guten Blick habe. Mit der Technik habe ich es nicht so, da kenne ich wirklich nur das Notwendigste.

    Allerdings habe ich jetzt auch immer wieder in Fachbüchern gelesen, dass das gar nicht sein muss, wenn man Fotografie künstlerisch betreiben will, wobei ich den Anspruch noch immer nicht erhebe ein Künstler zu sein.

    Ich war vor ungefähr sieben Jahren zwei Jahre hintereinander in Argentinien, Buenos Aires, in Patagonien, da habe ich angefangen, intensiver zu fotografieren. Dabei hatte ich immer im Kopf, meiner Umgebung ein anderes Gesicht von Schönheit zu zeigen.

    Michaela Boland:

    Wie sollte das aussehen?

    Michael Horbach:

    Gesichter sollten einfach natürlich sein, möglichst ungeschminkt. Gesichter, die auch Spuren aufweisen, da wo nichts bearbeitet wird, wo Augen sind, die einen einfach umhauen. Dafür sterbe ich, dafür lebe ich. Das kann man bei kleinen Kindern bekommen, bei alten Männern oft und bei Frauen natürlich.

    Da habe ich schon sehr viele Portraits fotografiert. Ich nehme mir dann Amateure aus der Umgebung, spreche junge Frauen auf der Straße an und sage sofort, "es geht nur um Portraitfotografie, um interessante Gesichter“

    Michaela Boland:

    Und die sagen dann immer sofort, "ja"?

    Michael Horbach:

    In der Regel ja, nicht alle, aber der überwiegende Teil schon.

    Michaela Boland:

    Gab es eine bestimmte Motivation, ausgerechnet kubanische Gesichter für ihre Fotografie zu wählen?

    Michael Horbach:

    Ich habe Kuba durch mehrere Besuche sehr schätzen gelernt, vor allen Dingen die Menschen, die Lebensweise, die Landschaft und die Natur.

    Michaela Boland:

    Was zeichnet die Menschen dort ihrer Meinung nach aus?

    Michael Horbach:

    Dass sie einfach erstens Zeit haben und zweitens in der Regel immer gut drauf sind. Sie sind noch befreit vom Wettbewerb, also dem, was unser System natürlich ganz stark fördert. Außerdem habe ich das Gefühl, die Menschen dort haben noch soziale Bindung.

    Die sind zwar materiell arm, aber von denen könnten wir sehr viel lernen. Die sind auf ihre Art auch reich. Beispielsweise vom Charakter her, einfach von der Weise her, wie diese Menschen leben. Und das ist das, was ich zeigen wollte.

    Das Negative kennen wir durch unsere Presse zur Genüge. Das ist ja eine Diktatur, die sind ja alle arm und das ist natürlich alles der Kommunismus schuld usw.

    Ich wollte da einfach einen Gegenpol bilden und den Menschen, seine Schönheit, seine Heiterkeit und den Reichtum Kubas durch meine Fotografie zeigen und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Die meisten kommen, staunen und sagen: "Ja, die lachen ja alle. Hast du die dazu aufgefordert?" Das habe ich kein einziges Mal gemacht.

    Michaela Boland:

    Insofern ist die Lebensfreude der Menschen offenbar eine ganz andere als hier bei uns. Woran, glauben sie, liegt das?

    Michael Horbach:

    Jetzt kann man sagen, das ist das Wetter, das ist die Karibik, o.k. In jedem Fall kann man aber sagen, durch das System wird das nicht zerstört. Dazu kommt, dass auch viele Halbwahrheiten oder Unwahrheiten in unserer Presse stehen.

    Es ist ein anderes System und da muss offenbar aus Sicht unserer bürgerlichen Presse immer alles schlecht sein. Ich wäre daher froh, wenn wir so ein Selbstbewußtsein hätten, dass wir zwar auf die Fehler hinweisen, aber vor allen Dingen auch zeigen, wo wir von dem anderen System etwas lernen könnten. Soweit müssten wir eigentlich sein.

    Michaela Boland:

    Fotografieren sie die Menschen auch schon mal hier in unseren heimischen Gefilden oder gehen sie dafür dann regelmäßig in andere südliche Länder?

    Michael Horbach:

    Ich habe das schon hier in der Galerie, auch auf Mallorca gemacht, aber sehr oft mit meinem Lieblingsmodel und das ist die Iranerin Pari Moradi.

    Michaela Boland:

    Die nicht nur Stipendiantin ihrer Stiftung, sondern jetzt auch ihre Lebensgefährtin ist.

    Michael Horbach:

    Ja (lacht), es macht einfach Spaß, weil sie natürlich ist. Ich brauche im Grunde gar nichts zu sagen (beim shooting), sondern nur abzuwarten und dann zu fotografieren.

    Michaela Boland:

    Wie alt ist sie?

    Michael Horbach:

    36.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Liebesgeschichte zwischen ihnen beiden entwickelt?

    Michael Horbach

    Das war eigentlich beim ersten Treffen klar. Manchmal geht das so. Außerdem wollte ich nur eine Marokkanerin oder eine Iranerin als Partnerin haben. Männer haben ja manchmal so einen Spleen. Ich war acht Jahre mit einer Marokkanerin zusammen, aber das ging aus religiösen Gründen nicht mehr, das war alles ein wenig kompliziert.

    Pari ist Iranerin, hat aber mit Religion "nichts am Hut", wie man  so schön sagt. Aber der sogenannte Unreligiöse kann religiöser sein als der, der jeden Tag in die Kirche geht. Es kommt immer darauf an, was man tut.

    Michaela Boland:

    Sie fördern insbesondere KünstlerInnen. Unter anderem auch durch einen mehrmonatigen gesponserten Aufenthalt hier bei ihnen vor Ort. Wie sieht das konkret aus?

    Michael Horbach:

    Ich habe hier auch ein Atelier, das ich jungen Künstlerinnen aus dem Ausland für drei bis sechs Monate zur Verfügung stelle. Sie erhalten ein kleines Stipendium, das mit einer monatlichen Zahlung von 300.- bis 600,- Euro verbunden ist. Sie können hier arbeiten und wohnen. In der Regel mache ich auch anschließend eine Ausstellung.

    Michaela Boland:

    Welche besonderen Vorteile hat das für die Künstlerinnen? Geht es für Nicht-Europäerinnen in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen?

    Michael Horbach:

    Ja, natürlich. Meine Vorliebe ist Südamerika und wenn es sich ergibt, sage ich eben, "ja, o.k."

    Michaela Boland:

    Che Guevara ist übrigens in ihren Ausstellungsräumen, wie ich gerade sehe, auch recht präsent.

    Michael Horbach:

    Eine Sache, bei der ich emotional immer sehr berührt bin, ist, wenn versucht wird, ihm irgend etwas vorzuwerfen. Che ist ein Mensch, der bestimmt viele Fehler gemacht hat, aber es war Krieg, Revolution. Was soll man da mehr zu sagen? Für mich ist sein Lebensweg einfach etwas besonderes.

    Dass er als Medizinstudent in Südamerika diese unglaubliche Armut kennengelernt und sich deshalb verpflichtet hat, in Lepra-Stationen ärztlich tätig zu werden.

    Wer macht das? Das sagt doch alles. Es wird ihm vorgeworfen, dass er „während der Revolution Verräter hingerichtet habe. Diese hatten drei, vier Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und hunderte Menschen wurden dabei getötet.

    Dass man im Kriegszustand das nicht einfach hinnimmt und selbst irrationale Entscheidungen trifft, das hat die Geschichte in den letzten 2.000 Jahren hundertmal bewiesen.

    Heutzutage wird ihm ja auch vorgeworfen, er hätte selbst Leute erschossen. Ob das stimmt, weiß man nicht. Aber, was ist heute? Heute läuft alles vom Schreibtisch aus. Wenn man überlegt, was Amerika so alles in 50 Jahren verursacht hat, aber das sind die feinen Herren hinter den Schreibtischen, die gab es zu allen Zeiten in allen Ländern.

    Michaela Boland:

    Kommen wir einmal zu ihrer früheren sehr erfolgreichen Karriere als Anlageberater. Sie haben in kurzer Zeit ein Vermögen gemacht. Ist ihnen das leicht gefallen?

    Michael Horbach:

    Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde dazu gekommen, Unternehmer zu werden. Ich habe das mit Begeisterung gemacht und ich denke, ich habe es auch gut gemacht. Gerade in dieser verrufenen Branche habe ich ein Beispiel dafür abgegeben, dass man es auch ganz anders machen kann und dass es dafür auch einen riesigen Bedarf gibt.

    Denn jeder Deutsche braucht in finanziellen Bereichen Beratung. Ob das Finanzierungen und Versicherungen sind oder Existenzgründungen betrifft.

    Jeder wünscht sich einen Berater, dem er vertrauen kann und das ist sehr wichtig. Dies wird von Banken und den meisten Finanzdienstleister in der Regel nicht abgedeckt. Wenn man es dann mal anders macht, dann kann man einen Riesenerfolg haben.

    Michaela Boland:

    Wie schafft man denn dieses Vertrauen?

    Michael Horbach:

    Nach meinem Studium war es mein Ziel 2000,- DM im Monat zu verdienen. Ich hatte es nicht im Sinn, dass ich Millionär werden muss. Aber wenn man das macht, wozu man super geeignet ist und das auch noch vernünftig macht, dann kommt das Geld von allein.

    Ob man vertrauenswürdig ist oder nicht, hängt natürlich auch vom Charakter ab. Da kann man zum Teil gar nichts für, das hat man geerbt. Viele sagen immer zu mir, "dein Vater war genauso". Man kann sehr ehrgeizig sein, man darf arbeiten wie verrückt, aber man sollte ehrlich arbeiten.

    Mich hat die fünfte Stelle nach dem Komma auch nicht mehr interessiert, aber mein Prinzip war stets: Ich empfehle dem Kunden immer das, was ich an seiner Stelle auch machen würde.

    Das ist eigentlich das eine Geheimnis. Und das zweite Geheimnis ist, dass ich wohl eine Selbstverständlichkeit ausgestrahlt habe. Für mich war immer klar, das hatte ich in mir, "dem anderen kann nichts Besseres passieren als in meine Finger zu geraten".

    Michaela Boland:

    Klingt recht selbstbewußt.

    Michael Horbach:

    Ja, in dem Bereich. Ich habe auch Bereiche, in denen ich mit Sicherheit nicht so selbstbewußt bin, wie es immer scheint.

    Michaela Boland:

    Welche wären das?

    Michael Horbach:

    Das hat man als Aachener oder Kölner allein durch die Sprache (lacht).  Egal, wo man auftaucht in der Welt, kommt die Frage: "Kommst du aus Köln?"

    Michaela Boland:

    Sie haben eine langjährige Verbindung zu Köln. Wie oft sind sie noch in der alten Heimat, Aachen?

    Michael Horbach:

    In Aachen-Würselen steht mein Elternhaus. Ich war in der letzten Woche gerade dort und werde im alten Rathaus und in zwei Krankenhäusern meine Kuba-Fotos ausstellen. Zuerst habe ich mich gefragt, ob das einen Sinn hat, aber dann war mir plötzlich klar, dass gerade kranke  Menschen Trost durch die Lebensfreude erhalten könnten, die die Kuba-Bilder ausstrahlen.

    Michaela Boland:

    Leben ihre Eltern noch?

    Michael Horbach:

    Nein, die sind schon mehr als zehn Jahre tot.

    Michaela Boland:

    Sind sie Einzelkind gewesen?

    Michael Horbach:

    Nein, ich habe noch einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

    Michaela Boland:

    Sind ihre Geschwister in ähnlichen Bereichen wie sie tätig?

    Michael Horbach:

    Nein, mein Bruder ist Arbeiter. Er hat Fliesenleger gelernt. Ich war im ganzen Familienumkreis der einzige, der studiert hat. Mein Vater war Arbeiter, Pflasterer, aber höchstwahrscheinlich war er der Beste in Aachen.

    Michaela Boland:

    Was haben sie aus ihrem Elternhaus an persönlichen Dingen mitgenommen?

    Michael Horbach:

    Einmal das Vorbild. Ich habe einmal in einer Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Firma Horbach als meine Eltern anwesend waren gesagt, "Papa, ich habe im Grunde genommen nichts anderes gemacht als du. Ich habe immer mit viel Pflichtbewußtsein und Emotionen gearbeitet".

    Das ist eigentlich dasselbe. "Im Grunde", habe ich gesagt, "bin ich Arbeiter". Auch wenn ich in einem Bereich gearbeitet habe, in dem es um Finanzen ging. Wobei mich die Finanzen, das Geld oder die Geldanlage  selber nie sehr interessiert haben.

    Dafür hatte ich später sehr schnell meine kompetenten, qualifizierten Mitarbeiter. Mich hat es interessiert, den Menschen zu gewinnen und zu überzeugen. Sowohl den Kunden in der Beratung als auch später bei der Mitarbeitersuche.

    Ich habe nichts lieber getan als zur Uni zu gehen und junge Studentinnen und Studenten, von denen ich dachte, dass sie zu uns passen könnten, anzusprechen. Dann habe ich sie gefragt: "Hören sie mal, Finanzberatung, wäre das was für sie? Sie würden gut zu uns passen." Das habe ich nachdem beurteilt, was von den Menschen herüber kam. Da kann man sich manchmal irren, aber oft hatte ich auch Erfolg.

    Michaela Boland:

    Was wollten sie eigentlich ursprünglich mal werden?

    Michael Horbach:

    Ich wollte eigentlich einen Beruf im sozialen Bereich, also beispielsweise in Richtung Gewerkschaften oder Journalismus. Das war eher mein Wunsch. Ich war ein schlechter oder sagen wir, ein durchschnittlicher Schüler, so war das einzige, was ich damals studieren konnte, die Volkswirtschaftlehre.

    Ich wußte ehrlich gesagt nicht wirklich, was das ist. Aber da lag genau meine Begabung, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen.

    Darum sage ich heute auch immer zu jungen Leuten, "sucht, guckt, wo ihr emotional betroffen seid und nicht, wo man viel Geld verdienen kann und was in fünf Jahren gefragt ist".

    Wenn ich kein wirkliches Interesse habe, kriege ich keinen Job, kann vor allen Dingen nicht vernünftig Geld verdienen und die Familie ernähren usw.  Man sollte dahin gehen, wo seine Emotionen liegen. Und wenn es Ethnologie ist, dann eben Ethnologie. Das ist übrigens ein fantastischer Beruf.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Vorhersehung?

    Michael Horbach:

    Hm, da bin ich hin und her gerissen. Ich habe nicht so viele Bereiche, wo ich schon weiß, das ist so. Manchmal denke ich, das kann kein Zufall sein, wie jetzt die Geschichte mit meiner Lebensgefährtin.

    Auch habe ich durch Zufall Roger Willemsen kennengelernt und das ist eine Freundschaft geworden, von der ich sehr viel profitiere. Ist das Schicksal? Der hat ja nun wirklich sehr wenig Zeit, trotzdem war er hier in meinen Kunsträumen und hat eine Lesung aus seinem Buch "Die Enden der Welt" gehalten.

    Ich sage immer, Deutschland bräuchte tausend Roger Willemsens. Von seiner kritischen Einstellung und seinem Hinterfragen her.

    Mein Wunsch ist es, dass er irgendwann mal zwei Tage Zeit hat, mit mir auf Mallorca auf der Finca zu sitzen, was er im übrigen schon seit fünf Jahren vorhat, damit er mir vielleicht mal erklärt, wie er es aushält, dieses ganze Wissen darüber zu haben, wie Gesellschaft funktioniert und wie brutal Geld und Macht eine Gesellschaft lenken. Ich würde gerne wissen, wie er das verarbeitet und wie er damit umgeht.

    Michaela Boland:

    Wie häufig verbringen sie Zeit miteinander?

    Michael Horbach:

    Er war für die Lesung hier und ich habe zwei Stunden vorher mit ihm gequatscht, da war ich so aufgedreht, dass ich keine Ansprache mehr halten konnte. Und dann hat er zwei Stunden aus seinem Buch gelesen, aber ohne Buch, sondern auswendig.

    Danach sind wir noch zu mir herübergegangen und es fiel irgendwo das Stichwort "Afghanistan", da hat er nochmal einen zweistündigen Vortrag über Afghanistan gehalten. Das ist unglaublich (lacht).

    Michaela Boland:

    Wodurch entstand eigentlich ursprünglich ihre Liebe zur Kunst?

    Michael Horbach:

    Als ich damals meine Firma hatte, habe ich irgendwann gespürt,  zwei Seelen schlagen, ach in deiner Brust. Ich war ungefähr 25 als ich angefangen habe, Kunst zu sammeln. Damals noch sehr bescheiden. Von meinem Elternhaus her war da ja nichts.

    Null Komma null, außer dem, was man natürlich auch braucht, nämlich eine intakte Familie, Wärme, Anstand usw. Das erste Bild habe ich dann mal auf der Art Cologne gekauft. Das war natürlich eine Zeichnung von einer schönen Frau.

    Michaela Boland:

    So lockt das holde Geschlecht wohl doch immer wieder?

    Michael Horbach:

    (lacht). Immer und immer wieder. Das wird auch nie enden. Dann habe ich in bescheidenem Maße gesammelt. Dabei habe ich nie die bekannten, also die teuren Künstler gewählt, sondern ständig versucht, junge Künstler zu unterstützen.

    Das hat mir einfach emotional mehr Spaß gemacht. Für mich war eben Kunst auch immer so eine Oase abseits des Kapitalismus und abseits vom harten Wettbewerb.

    Michaela Boland:

    Klingt nach der ausgleichenden Waagschale als Gegengewicht zum wohl eher harten Wirtschaftsbusiness.

    Michael Horbach:

    So kann man das von außen sehen, aber ich habe es eben gemacht. Mir ging es nie um Business. Ich war, glaube ich, der erste, den Vorstände mit Bart, langen Haaren und Rollkragenpullover empfangen haben.

    Ich war immer dagegen. Einige haben das auch nicht kapiert und gefragt, "was will der denn", aber der eine oder andere hat doch gemerkt, da brennt etwas.

    Nun gut, irgendwann habe ich auch einen Anzug angezogen und irgendwann hatte ich auch Spaß daran, eine Krawatte zu tragen. Aber Kunst war für mich immer etwas, was nichts mit Kapitalismus zu tun haben darf. Jetzt habe ich mich allerdings durch diese Kunsträume und durch die Stiftung noch einmal damit beschäftigt, was in der Kunst wirklich los ist und das ist gruselig.

    Michaela Boland:

    Warum geht es teilweise in die falsche Richtung?

    Michael Horbach:

    Da gibt es Künstler und Galeristen, die sind durch die Kunst Milliardäre. Aber das sind null Komma null ein Prozent. 99 Prozent der Künstler sind froh, wenn sie im Jahr drei oder vier Mal ein Bild verkaufen, so dass sie davon leben können. Mit speziell jener Kunst, die inzwischen auch ganz klar von der Schickeria und den Superreichen besetzt ist, will ich nichts zu tun haben.

    Michaela Boland:

    Ist es ihnen insoweit ein regelrechtes Anliegen, dort eine Gegenströmung als Akzent zu setzen?

    Michael Horbach:

    Ja, genau. So will ich beispielsweise in meinen Kunsträumen künftig Rheinländer ausstellen, die schon eine gewisse Vita haben und schon bekannt sind. Aber eben keinen Richter oder Polke. Die sind in Museen, die brauchen das nicht.

    Dann will ich in einem Raum drei bis vier Mal im Jahr junge Künstler ausstellen, aber auch ältere Künstler, die gut sind, es aber nicht mehr in bekannte Galerien schaffen, weil sie für diese nicht mehr lukrativ sind. Solche, die quasi bereits ein bisschen vergessen worden sind, denen will ich auch eine Heimat geben.

    Michaela Boland:

    Mit ihrer Stiftung wollen sie ja neben Künstlern auch armen Menschen helfen. Aus welchem Grund apostrophieren sie auch dabei besonders die Frauen?

    Michael Horbach:

    Ich denke eben, dass Frauen am meisten benachteiligt werden. Ich will ja besonders armen Familien helfen und da eben insbesondere alleinstehenden Frauen mit Kindern. Denn die haben es nun mal besonders schwer. Bei Künstlern ist es ähnlich. Ich brauche das auch, ich muss mich auch mit dem Weiblichen umgeben.

    Mit zu viel Männlichem und diesem ständigem Wettbewerb, das gegenseitige Aufplustern, das muss ich in meinem Alter nicht mehr haben. Ich bin davon überzeugt, dass es uns wesentlich besser ginge, wenn Frauen die Welt regieren würden. Natürlich keine Margaret Thatcher. Also, wenn Frauen schlimmer werden als Männer, naja.

    Michaela Boland:

    Daraus ist wohl zu schließen, dass sie kein Anhänger der Politik der kürzlich verstorbenen eisernen Lady waren?

    Michael Horbach:

    Nein, die ganze neo-liberale Wirtschaftstheorie- und Politik hat entsetzlichen Schaden in der Welt angerichtet. Da gibt es tolle Bücher drüber und wenn man das liest, dann denkt man, das kann nicht wahr sein. Aber sogar Sozialdemokraten sind zeitweise darauf reingefallen.

    Deregulierung der Märkte heißt ja nichts anderes als dass das Geld frei und ohne Beschränkung wandern können muss. Das ist genau das Falsche. Dadurch haben wir jetzt eine Weltwirtschaftskrise, die sehr wahrscheinlich 50 Millionen mehr Hungernde besorgt hat.

    Michaela Boland:

    Also sind doch nicht nur Lehman Brothers die Buhmänner, wozu man sie so gerne gemacht hat, soweit der Ursprung des ganzen Desasters in Wahrheit wesentlich weitreichendere Ursachen aufweist?

    Michael Horbach:

    Ja, das ganze ist ja auch vorbereitet worden durch eine Philosophie, die wie Adam Smith sagt, "Das freie Spiel der Kräfte" lautet. Da ist eine unsichtbare Hand, die regelt alles.

    Die regelt zu 90 Prozent alles, aber es gibt eben 10 Prozent, wo bei Angebot und Nachfrage der Marktmechanismus nicht funktioniert, sondern Stilblüten in die Welt setzt.

    Menschen, die gesellschaftlich wertvollste und harte Arbeit leisten, wie Krankenschwestern und Pfleger, die von ihrem Geld kaum leben können, stehen beispielsweise Angestellten bei der Deutschen Bank gegenüber, die mit Derivaten spekulieren und zum Teil 20 Millionen Jahreseinkommen haben.

    Man sagt uns ja immer, "wer viel Geld verdient, der schafft auch viele Werte. Die haben eine Weltwirtschaftsfinanzkrise geschaffen. Und da sage ich, das kann man nicht laufen lassen. Da bin ich wirklich erbitterter Gegner jeder liberalen Wirtschaftspolitik.

    Und das ist der große Fehler der FDP, dem Markt total zu vertrauen. Ich sage, der demokratisch legitimierte Staat muss eingreifen, wo der Marktmechanismus nicht funktioniert. Das ist seine Pflicht, dafür ist er gewählt.“

    Michaela Boland:

    Wie sollte konkret eingegriffen werden?

    Michael Horbach:

    Man muss nach unten korrigieren. Wenn ich höre, "wir leben in einer Zivilisation" und dann gibt es welche, die für fünf Euro hart arbeiten, dann ist das ein Widerspruch. Das geht nicht. Genauso oben.

    Es kann nicht sein, dass auch von Politikern gesagt wird, wenn einer zehn Millionen im Jahr verdient, dann hat der keine Lust mehr, wenn er nicht die Möglichkeit hat 15 Millionen zu verdienen oder wenn er nur zwei Millionen verdient, dann sei er demotiviert.

    Was ist das für ein Menschenbild? Wenn das stimmen würde, dann sage ich, "gute  Nacht". Die Politiker, die so etwas von sich geben, und das sind ja nun eher mal die Liberalen und Konservativen, die müssten mal darüber nachdenken, was sie für ein Menschenbild haben .

    Michaela Boland:

    Was kann man ihrer Meinung nach, abgesehen vom Absehen davon, sein Votum zum nächsten Stimmabgabezeitpunkt erneut in gleicher Weise zu setzen, denn dagegen unternehmen?

    Michael Horbach:

    Mehr Demokratie. In allen Bereichen mehr Demokratie.

    Michaela Boland:

    Lohnt es sich heute noch, auf die Straße zu gehen?

    Michael Horbach:

    Das ist natürlich ein Mittel, um zu zeigen, wir sind wach. Es gibt durch Facebook oder Youtube ja inzwischen auch andere Mittel oder was auch immer.

    Michaela Boland:

    Etwa die sogenannten Shitstorms?

    Michael Horbach:

    Ja. Ich denke, links sein, kann nur bedeuten, mehr Demokratie und mehr Kontrolle zu fordern. Und da haben wir viel zu wenig. Alle vier Jahre mal wählen zu gehen, das ist der Anfang.

    Michaela Boland:

    Würden sie insoweit in einer verkürzten Legislaturperiode eine mögliche Lösung sehen?

    Michael Horbach:

    Hm, eher einfach ein wenig mehr Basisdemokratie. Ich bin ganz klar dafür, dass erstens die, die die Krise verursacht haben, und das sind nun mal die Reichen, mit dazu beitragen, dass wir aus der Krise herauskommen. Ich bin derjenige, der auch Interviews zum Thema Reichensteuer gibt. Also, ich bin bereit dazu, deutlich mehr Steuern zu zahlen.

    Michaela Boland:

    Würden sie in dem Zusammenhang auch die augenblickliche Politik der EU auf Zypern hinsichtlich der Enteignung Reicher als gerechtfertigt und moralisch vertretbar ansehen?

    Michael Horbach:

    Ich versuche, möglichst nur noch den Kulturteil zu lesen und Politik nur so im Groben, nicht mehr so sehr in die Tiefe gehend, denn ich will mich emotional nicht mehr so hinein begeben.

    Ob die in Zypern jetzt damit die Richtigen packen, also, ob wirklich die Milliardäre, die da anlegen, jetzt auch zehn oder zwanzig Prozent ihrer Einnahmen zahlen, ist fraglich.

    Wenn das so wäre, dann wäre das o.k. Wenn Europa, also die anderen Steuerzahler, nicht helfen würden, dann wären die Einlagen auch sehr wahrscheinlich sehr viel weniger wert.

    Die Frage ist nur, und da bin ich sehr skeptisch, trifft es wirklich die, die man treffen will? Wir müssen den Markt da regulieren, wo er nicht funktioniert.

    Das ist ja auch in dem System der Marktwirtschaft möglich, denn da wo keine Marktwirtschaft mehr ist, weil Monopole da sind oder Milliardäre regulieren, da muss der Staat eingreifen. Das ist Pflicht, um die Marktwirtschaft zu erhalten. Das hat also nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun.

    Michaela Boland:

    Und welchen Ansatz sehen sie da?

    Michael Horbach:

    Ich habe im Grunde zwei Ansätze: Zurück zu den Zeiten Helmut Kohls und der war kein Sozialist. Da zahlte man aber 53 Prozent Steuer. Da gab es Vermögenssteuer. Heute werden unglaubliche Leitartikel in der FAZ und so weiter darüber geschrieben, dass Vermögenssteuer überhaupt nicht ginge.

    Vor 15 Jahren ging das noch. Das würde überhaupt nicht funktionieren und wäre auch rechtlich gar nicht möglich. Da denke ich, "nanu, wo sind wir denn? Wir hatten es doch".

    Das Zweite, was ich vorschlage, ist folgendes: Ich würde mir wünschen, das dass, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, wieder rückgängig gemacht wird. Dass wir also wieder die Verteilung haben wie bei Helmut Kohl.

    In den letzten zehn Jahren hat ja eine eindeutige Umverteilung stattgefunden, aber von unten nach oben. Ich will zwar keine Umverteilung von oben nach unten, ich will nur wieder, dass das, was in den letzten zehn Jahren passiert ist,  rückgängig gemacht wird. Bin ich jetzt Sozialist?

    Michaela Boland:

    Dass insoweit also die Ober- und Unterschicht nicht mehr so weit auseinanderklafft und die Mittelschicht droht, gänzlich wegzukippen?

    Michael Horbach:

    Genau. Es werden ja immer Zahlen genannt. Zehn Prozent der Deutschen gehört 50 Prozent des Vermögens. Die Zahl ist nicht schön, aber viel schlimmer finde ich die Zahl, die dafür steht, wieviel die 50 Prozent von unten aus betrachtet an Besitz haben. Wissen sie das?

    Michaela Boland.

    Nein.

    Michael Horbach:

    1,2 Prozent. Es waren vier Prozent vor ca. sieben oder acht Jahren und das ist auf 1,2 herunter gegangen. Das ist die schlimmste Zahl und die liest man  viel zu selten. Und das macht klar, dass etwas passieren muss.

    Michaela Boland:

    Wenn man ein derart soziales Denken hat, wie es offenbar bei ihnen der Fall zu sein scheint, inwieweit berührt einen dann, wenn man erfährt, dass ausgerechnet das Unternehmen, an welches sie wahrscheinlich zu keinem allzu schlechten Kurs ihre Firma veräußert haben, öffentlich stark ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, weil ahnungslose Kunden durch Fehlberatung im Hinblick auf den Erwerb hochriskanter Anlagen um ihr Erspartes gebracht wurden?

    AWD-Kunden soll ja bereits von verschiedenen Gerichten Schadensersatz zugesprochen worden sein. Ihr Lebenswerk steckte nun mit im Unternehmen, was war das für ein Gefühl?

    Michael Horbach:

    Ja, das war ja immer so. Ich merke dadurch eben, was für eine tolle Arbeit die Firma Horbach macht. Die Firma Horbach besteht ja vom Namen her noch, sie nennt sich jetzt Horbach Finanzplanung. Das war ja AWD und dann hat der Maschmeyer an Swiss life, eine Schweizer Versicherungsgesellschaft, verkauft.

    Den Name AWD gibt es nun nicht mehr. Aber Horbach gibt es noch. Bei Hannover 96 gibt es sogar jetzt Bandenwerbung, da steht Horbach Finanzplanung für Akademiker. Wenn es 20 solcher Firmen gäbe, sähe es in der Finanzberatung besser aus.

    Das Problem sind ja die Strukturvertriebe. Der größte ist, glaube ich, DVAG. Die haben ungefähr 10.000 Mitarbeiter, wie die allerdings ausgebildet werden, ist eher ein Wahnsinn. Die tun so als wenn sie Makler wären, sind aber im Grunde ein Firmenvertreter der AachenMünchener.

    Wenig Ausbildung und viele arbeiten nur nebenberuflich. Auch wenn die Mitarbeiter es gut meinen würden. Sie können es nicht anders. Sie können nicht ordentlich beraten. Darum habe ich immer gesagt, man sollte als Berater möglichst ein abgeschlossenes Studium mit sich bringen.

    Es gibt zwar auch Berater ohne Studium, die hervorragend sind, aber die mit Studium wollen in der Regel einen Beruf ausüben und nicht nur einen Job machen. Als ich an AWD verkauft habe, war außerdem meine Bedingung, dass es keinen Strukturvertrieb und keine nebenberufliche Mitarbeiter mehr gibt. Das hatte Maschmeyer mir zugesagt.

    Die Idee war, durch unser Geschäftsmodell AWD beeinflussen zu können. Und Maschmeyer hat mir am Anfang auch ganz klar das Gefühl gegeben, dass er sich daran hält. Der Maschmeyer ist ja ein sehr Geschickter.

    Das hat zwar gedauert, aber irgendwann, als die merkten, dass wir weiterhin super super erfolgreich waren, da hat der schon geguckt nach dem Motto: Was ist los? Und dann ist die eine oder andere Leitidee oder Vision vom AWD übernommen worden.

    Michaela Boland:

    Wie kam es überhaupt zum Verkauf an Carsten Maschmeyers AWD?

    Michael Horbach:

    Natürlich gebe ich auch gerne zu, dass ich mit 50 frei sein wollte. Ich habe mich lange gegen ein Treffen mit AWD, also Maschmeyer, gewehrt. Irgendein Vorstand sagte mir dann, "komm, dann lernst du den doch mal kennen". Eigentlich war der Strukturvertrieb ja mein Feindbild.

    Dann habe ich aber irgendwann gesagt, "naja, warum nicht". Und Maschmeyer hat mir den Hof gemacht. Also, das können sie sich nicht vorstellen, aber der kann das.

    Michaela Boland:

    Also, ist er ein charismatischer Mensch?

    Michael Horbach:

    Ja. Im Nachhinein muss ich sagen, es war alles richtig. Da war auch kein anderer Interessent. Wir waren seiner Zeit in Deutschland die Nr. 2 und sind es ja heute auch noch. Wir hatten uns ja  auf Akademiker spezialisiert. Das, was AWD gemacht hat, war ja mehr so das Normale. Eigentlich haben die uns nur gekauft, um ihr Ansehen vor dem Börsengang aufzupolieren.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Firma Horbach zu dem entwickeln können, was sie wurde?

    Michael Horbach:

    Meine damalige Freundin wurde mit dem Medizinstudium fertig und sagte zu mir, "du bist kritischer Verbraucher, ein Volkswirt. Was muss ich machen". So ist die Firma Horbach entstanden. Ich habe mich dann schlau gemacht und sie beraten, dann hat sie andere PJ-ler herangebracht.

    Irgendwann wusste ich, es gibt Krankenhäuser, wo sich weitere PJ-ler aufhalten, dann bin ich dahin gegangen. (Anmerkung der Redaktion: Als PJler bezeichnet man einen Medizinstudenten bzw. eine Medizinstudentin im Praktischen Jahr oder auch „Hakenhalter“.

    Michaela Boland:

    Dann haben sie quasi Krankenhäuser nach Kunden abgeklappert?

    Michael Horbach:

    Ja, ich bin dann vom einen zum anderen gegangen, von einer Empfehlung zur nächsten. Auch heute sage ich noch zu den Leuten, die mich fragen, wie ich das damals gemacht habe, "gib mir einen guten Kunden, der davon überzeugt ist, dass ich alles für ihn richtig gemacht habe, mit dem baue ich die Firma Horbach nochmal auf".

    Michaela Boland:

    Aber PJ-ler verdienen doch noch kaum etwas und haben früher gar nichts verdient.

    Michael Horbarch:

    Ja, aber da habe ich die schon beraten und ihr Vertrauen gewonnen. Natürlich gibt es da noch nichts zu verkaufen (verdienen), denn die haben ja noch kein Einkommen. Aber denen konnte ich schon wertvolle Tipps geben wie z.B dass es für das PJ (praktische Jahr) eine kostenlose Berufshaftpflicht gibt usw.

    Irgendwann treten sie ins volle Berufsleben ein und dann brauchen sie eine Krankenversicherung. Für die meisten Ärzte ging es darum, "wie kann ich jetzt sparen, also investieren, damit ich später günstig eine Niederlassung finanzieren kann".

    Michaela Boland:

    Ist speziell die Branche der Anlageberatung dazu geeignet, schnell aus dem Ruder zu laufen?

    Michael Horbach:

    Maschmeyer ist natürlich einer, der im Mittelpunkt steht und sie deshalb  von rechts und links um die Ohren kriegt. Es gibt ja noch andere. Andere sind eigentlich von dem her, was sie machen, viel viel schlimmer.

    Da sitzen dann im Aufsichtsrat irgendwelche Politiker, da kommt keine Kritik. Die werden mit Geld gefüttert und gemeinsame Fotos des Chefs z.B mit dem damaligen Bundeskanzler oder anderen Politikern auf irgendwelchen Veranstaltungen fotografiert.

    Und die Mitarbeiter sind dann zu den Kunden gelaufen, zu den alten Omas, und haben gesagt, "gucken sie mal, der Chef mit dem Bundeskanzler. Kann da was  falsch sein? Um Gottes Willen, unterschreiben sie". Das hasse ich bei den Politikern, dass sie sich kaufen lassen.

    Nun, was die Strukturvertriebe auf der einen Seite anbelangt, so gibt es da genug Kritik und ich denke, wir haben dadurch schon etwas verändern können. Wenn man sich allerdings mal den ganzen Bereich der Banken ansieht, ist das, was da passiert, noch viel schlimmer.

    Dagegen ist der Maschmeyer ein kleiner Wurstel. Als die Firma Horbach größer wurde, hat man mir gesagt, "du musst einen Namen haben, du musst die Deutsche Bank als Bankverbindung haben". So bin ich dort Kunde geworden. Aber, wenn ich den Ratschlägen der Deutschen Bank gefolgt wäre, hätte ich die Hälfte meines Vermögens verloren.

    Also, was die Banken da machen und was da passiert, nehmen wir zB die Steueroasen, ist das doch viel schlimmer. Das mit den Banken, das können sie über Jahrhunderte hinweg zurück verfolgen. Es war immer so. Die Banken haben die Politik nicht nur beeinflusst, sondern auch die Macht über die Politik gehabt und das ist bis heute so.

    Michaela Boland:

    Das Sprichwort "Geld regiert die Welt" trifft also ausnahmslos zu?

    Michael Horbach:

    Ja. Es ist so. Darum sage ich, "mehr Demokratie" und ich sage, "es  muss einen Mindestlohn geben", denn alles andere ist menschenunwürdig  und hat nichts mit Zivilisation zu tun. Kein Mensch braucht mehr als eine Million im Jahr zu verdienen.

    Wer nur Geld als Motivation hat, wäre bei mir an der falschen Adresse. Eine Gesellschaft lebt davon, dass alle Menschen innerhalb einer Gesellschaft von ordentlichen Einkommen leben können. Das wird heute vernachläßigt.

    Außerdem muss man schauen, wen bevorteilt der Marktmechanismus und wen nicht. Wo funktioniert er überhaupt nicht, Beispiel Krankenschwestern und Spekulanten.

    Deshalb sollte es oben und unten Grenzen geben. Wenn man demokratisch denkt, muss man verhindern, dass Menschen so viel Geld haben, dass sie zum Beispiel die Presse regulieren können. Ein national-konservativer Peter Scholl-Latour sagt zum Beispiel, "Pressefreiheit? Ja, gibts: für einige Milliardäre"

    Michaela Boland:

    Pressefreiheit ist nach ihrem Dafürhalten insoweit nicht existent?

    Michael Horbach:

    In Kuba gibt es drei Zeitungen, das stellt die gesamte Presse dar. Wir haben sehr wahrscheinlich 3000, aber die gehören fünf Milliardären. Also, wo ist der Unterschied? Wenn man es abstrakt sieht, also wirklich einmal über das Kleinkarierte blickt, ist das doch alles ein Einheitsbrei.

    Alles, was beispielsweise, Russland, China oder Kuba anbelangt, muss schlecht sein. Ich möchte nicht dort leben, ich möchte auch nicht solche Systeme haben, aber ich möchte, dass wir objektiv sind und nicht dasselbe machen, was wir diesen Ländern vorwerfen.

    Michaela Boland:

    Woran machen sie das Nicht-Objektive konkret fest?

    Michael Horbach:

    Ich kann ihnen ein gutes Beispiel nennen. Das betrifft Kuba und ich mache es an meiner eigenen Erfahrung fest. Vor wenigen Monaten kam groß in der Presse, "Endlich Reisefreiheit für Kuba". Vorher hieß es ja immer, die Kubaner sind unfrei, dort herrscht eine Diktatur. Ich habe vor fünf Jahren eine nette Kubanerin aus dem Kulturbereich kennengelernt.

    Die wollte auch mal hierher nach Deutschland kommen. Es ging daher zunächst um ein Visum. Also ging sie zur kubanischen Botschaft in Havanna und erhielt sofort ein Visum. Das wird dort für ein Jahr ausgestellt. Das Ganze hat nur einen Haken:

    Wenn die Kubaner dann nicht innerhalb eines Jahres nach Kuba zurückkehren, dann heißt es von kubanischer Seite, "dann bleibt draußen". Das Problem sind aber hier wir Deutschen.

    Michaela Boland:

    Inwiefern?

    Michael Horbach:

    Nun, meine Bekannte benötigte ja auch ein deutsches Visum für die Einreise. Dafür musste ich sorgen. So ging ich zur deutschen Botschaft. Dort teilte man mir komischerweise mit, " Nein, diese Leute bleiben nachher hier".

    Also antwortete ich, " ich habe eine Stiftung und  hinterlege 50.000 Euro als Sicherheit". Da haben sie zuerst gesagt: "Nein, nein, das wollen wir nicht." Aber dann haben sie es nachher doch gemacht.

    Also, Tatsache ist, die Kubaner dürfen verreisen, aber wir verhindern, dass die Kubaner frei verreisen können. Ich kann sogar verstehen, dass sie die Kubaner und auch die Afrikaner nur eingeschränkt hierher lassen, denn wir können weder ganz Kuba noch ganz Afrika hier unterbringen. Aber ich möchte zumindest in der Presse die Wahrheit lesen, damit das auch alle verstehen.

    Michaela Boland:

    Sie halten mit ihrer Meinung glücklicherweise nicht hinterm Berg.

    Michael Horbach:

    Natürlich ist es einfacher, wenn man mit dem Strom schwimmt. Ich habe immer alles kritisch hinterfragt. Der liebe Gott hat mir nun mal so einen Kopf gegeben. Das tut zwar hin und wieder auch ein bisschen weh, aber so ist es dann eben.

    Michaela Boland:

    Ist es leichter, nicht mit dem Strom zu schwimmen, wenn man über die finanziellen Mittel verfügt, sich den möglichen Konsequenzen dafür gegebenenfalls nicht ausgesetzt sehen zu müssen?

    Michael Horbach:

    Nun, ob das einfacher ist? Ich habe den einen oder anderen Kontakt zu vermögenden und eher konservativen Leuten, wo ich mir nicht sicher bin, dass ich sie von meinen Ansichten überzeugen könnte. Gerade hatte ich wieder einen Fall, da dachte ich mir, "ich lasse es einfach, denn das macht mich nur wahnsinnig".

    Die sagen dann tatsächlich zu mir, "du bist durch dieses System reich und unabhängig geworden, also schieß jetzt gefälligst auch nicht dagegen".

    Dann frage ich zurück: "Moment mal, wo steht das denn geschrieben?" Nun habe ich sehr wahrscheinlich das Glück, dass ich zwar keinen Euro zu Unrecht verdient habe, allerdings habe ich für meine Arbeit viel zu viel verdient.

    Der Markt gibt das so her, dass es, wenn du eine Lebensversicherung verkaufst oder ein Haus finanzierst, eben zwei oder viertausend Euro gibt. Jetzt habe ich natürlich nicht gesagt, "nein, ihr braucht mir nur die Hälfte zu überweisen". Klar. Aber, mir ist schon bewußt, dass ich durch drei oder vier Beratungen am Tag das verdient habe, was eine Krankenschwester in drei Monaten verdient.

    Michaela Boland:

    Ist das auch ein Grund dafür, dass sie heute verhältnismäßig viel an die Gesellschaft zurück geben?

    Michael Horbach:

    Ich habe mit Sicherheit kein schlechtes Gewissen, weil ich etwas Positives in die Welt gesetzt habe. Gerade in der Branche, wo es am dringendsten notwendig ist.

    Denn die Firma Horbach lebt weiter und ist gerade im Hinblick auf das Management mit Menschen besetzt, die mir aus der Seele sprechen. Die sind alle sozial eingestellt und leben den sozialen Gedanken weiter.

    Bei mir war es auch schon im Alter von 30 Jahren so, dass ich zehn Prozent meines Einkommens in soziale Belange investiert habe. Das habe ich sowohl während meiner Zeit mit der Firma Horbach so gehalten, als auch später beim Verkauf des Unternehmens.

    Augenblicklich wird es zwar nicht mehr im selben Maße von meiner früheren Firma, die nach wie vor meinen Namen trägt, gehandhabt, aber immer noch recht engagiert durchgeführt. Das ist schon irgendwo drin.

    Michaela Boland:

    Lieber Herr Horbach. Für die Ausstellung sowie alle weiteren Projekte auch weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für dieses Interview.

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

    Freunde der Künste,
    das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

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  • Michaela Boland trifft fuer die Gesellschaft Freunde der Kuenste Ingrid Steeger
Ingrid Steeger mit Michaela Boland
Ingrid Steeger freut sich schon auf ihr Buch, und find es wunderbar
    MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER
    Kultstatus - Ingrid Steeger "...und find es wunderbar" - Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person

    Das Große Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

    Mit ihrem Nachnamen wollte sie sich schon in ihrer Jugend nicht abfinden. Weil sie mit Stengert nichts anfangen konnte, wandelte sie ihn kurzerhand in Steger um als sie ihren Stenotypistinnen-Job in einem Architekten-Büro antrat.

    Womöglich die einzige Rebellion ihres Lebens. Nur einige getippte Ausschreibungen und ein weiteres "e" im Namen später sollte die Öffentlichkeit noch eine ganze Menge von der schönen Blondine zu hören und sehen bekommen.

    Durch die legendäre und prämierte Fernsehunterhaltungsproduktion "Klimbim" avancierte sie in den 70er Jahren zum Kultstar. Zeitgleich haftete auch das Image der sexy, aber leicht dösigen Ulknudel an ihr.

    Mit zahlreichen Rollen in anerkannten Fernsehformaten zeigte sie danach immer wieder, dass sie sich nicht nur auf das schwierige Fach der Komik, sondern ebenso gut auf Ernstes versteht. Die Aufs, doch vor allem die Abs ihres Privatlebens wurden durch Medien im Laufe der Jahre immer wieder gnadenlos detailliert vor Millionen ausgebreitet.

    Doch kaum ein Prominenter hat es vermocht, so aufrecht und geradlinig durch schlechte Zeiten zu gehen, wie sie. Zurzeit gibt es sie nur im Doppelpack. Yorkshire-Lady Eliza Doolitle, ein Geschenk ihrer Kasseler Theater-Kollegen, ist seit einiger Zeit ihre ständige Begleitung.

    So auch im Kölner Theater am Dom, wo sie bis zum 09. Februar neben Simone Rethel, Beatrice Richter, Christine Schild und Volker Brandt in dem Stück "Der Kurschattenmann" zu sehen war, bevor die Produktion nach Bonn zog.

    Ich bin sehr gespannt auf dieses Zusammentreffen und freue mich darauf. Als Kind der 70er Jahre war es stets etwas Besonderes für mich, abends hin und wieder "Klimbim" sehen zu dürfen.

    Die blonde Gabi mit Zöpfen, Sommersprossen, Nickelbrille und bezeichnender Zahnlücke war mir die Liebste, weil sie, rotzfrech, die Wahrheit auf den Punkt zu bringen schien, zwar regelmäßig  eine schallende Ohrfeige ob des Wagemutes einstecken und anschließend heulen musste, sich jedoch niemals entmutigen ließ.

    Ihre Darstellerin, Ingrid Steeger, hatte längst Kultstatus erreicht als sich die ersten weniger ruhmreichen Schlagzeilen über deren Privatleben durch die Printmedienlandschaft zogen.

    Über zerbrochene Beziehungen und Ehen der einst so gefeierten Mimin mit Idealfigur bis hin zum traurigen Hartz IV-Antrag vor wenigen Jahren, einem Zeitpunkt, der für die Schauspielerin längst von Depressionen bestimmt war.

    Wie auch immer Ingrid Steeger in den Medien beurteilt wurde, bei ihrem Publikum zeichnete sie sich wegen ihrer sympathischen Art kontinuierlich durch Beliebtheit aus.

    Im gemütlichen Theater am Dom treffe ich die 65-Jährige. Von ihrer jungendlichen Frische hat sie kaum etwas eingebüßt, sondern sieht nach wie vor einfach ausgesprochen gut aus. Alter ist offensichtlich bei ihr tatsächlich nur eine Ziffer.

    Selbst ihre Stimme hat sich im Laufe der Jahre kaum verändert. Ihre zweijährige Yorkshire-Terrier-Hündin, Eliza Doolittle, die sie auf Schritt und Tritt begleitet und ihr nur gelegentlich, wenn sie einen Knochen oder gar Luftballons zum hineinbeißen und platzen lassen sucht, von der Seite weicht, ist zu einem wichtigen Faktor im Leben der Schauspielerin geworden.  

    Michaela Boland:

    In ihrem aktuellen Theaterstück, "Der Kurschattenmann" im Kölner Theater am Dom, geht es um einen alternden Casanova , der, nicht ganz ohne Hintergedanken, versucht, direkt mehrere Damen gleichzeitig zu beglücken. Was für eine Rolle spielen sie dabei?

    Ingrid Steeger:

    Ich spiele eine Dauerpatientin, eine Frau, die eine sehr schwierige Ehe hatte und unter Depressionen leidet. Alle Damen in diesem Stück leiden unter Depressionen. Jede ist ein wenig vom Leben geschädigt und wir verlieben uns alle in diesen Ulrich" (gespielt von Volker Brandt), der ein Charmeur ist, allerdings auch ein kleiner Hochstapler, und der versucht, an das Geld der Frauen zu kommen. Aber natürlich auf amüsante Art.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe den Text gelernt (lacht).

    Michaela Boland:

    Hin und wieder besteht ja die Notwendigkeit, sich intensiver in bestimmte Charakterzüge einer Rolle hineinzufinden. Man liest gelegentlich, dass Schauspieler für eine Rolle zu- oder abnehmen, manchmal sogar ein Stück weit real in ein solches Leben eintauchen müssen, um so authentisch wie möglich zu sein.

    Ingrid Steeger:

    Es ist ein Boulevardstück und das ist natürlich auf Komödie aufgebaut. Wir müssen uns also in keine Depression hineinfinden, ganz anders als zum Beispiel bei dem letzten Stück, dass ich in Kassel gespielt habe, "Gatte gegrillt". Das war ein völlig anderes sich Heranarbeiten.

    Da ging es um eine Frau, die nach 20 Jahren Ehe von ihrem Mann für eine jüngere Geliebte verlassen wurde. Diese Frau kommt einfach nicht damit klar, dass er sie einfach so in die Ecke gestellt hat, und versucht, dies auch noch nach Jahren aufzuarbeiten.

    Das ist etwas ganz anderes, da muss man dann mehr dran arbeiten. Aber hier geht es im Grunde genommen nicht nur um die Depression, sondern darum, was dieser Ulrich erfindet und wie wir darauf hereinfallen und später versuchen, ihn auszutricksen und uns schließlich zu distanzieren.

    Es ist insoweit eine lockere Unterhaltung, denn wenn sich die Depression im Text widerspiegeln würde, wäre es keine Unterhaltung mehr.

    Michaela Boland:

    Das andere Stück, das sie gerade ansprachen, "Gatte gegrillt" spielten sie in Kassel?

    Ingrid Steeger

    :Ja, das war eine Tragikomödie, eine englische, schwarze Komödie. Wir spielten es in Kassel und Bremen. In Bremen wird es wohl auch noch einmal aufgeführt werden.

    Michaela Boland:

    Wenn sie ein Stück zeitversetzt noch einmal spielen und zwischendurch für andere Produktionen zur Verfügung stehen, bleibt ihnen der Text dann eigentlich trotzdem im Gedächtnis oder müssen sie den alten Text dann in der Tat von Grund auf neu erlernen?

    Ingrid Steeger

    Nein, das Hirn ist ja ein Computer. Da ist alles gespeichert, wenn man noch einmal darüber geht. Ich habe gerade drei Stücke drauf. Das Stück "Gatte gegrillt" werde  ich wahrscheinlich noch einmal in Bremen spielen. Außerdem werde ich jetzt damit anfangen, noch ein anderes Stück für Kassel zu lernen. Also, das ist alles abrufbereit. Man geht natürlich nochmal drüber, das ist ganz klar.

    Michaela Boland:

    Gibt es bei ihnen auch schon mal Angst vor einem Blackout?

    Ingrid Steeger:

    Doch, die hat jeder Schauspieler, aber ich hatte das Problem bis jetzt glücklicherweise noch nicht. Manchmal kommt es vor, dass man in der einen Sekunde denkt, "Oh Gott, wie gehts jetzt weiter", aber in letzter Sekunde ist der Text dann wieder da. Es kann auch passieren, wenn man zu oft spielt und man sich dann einfach zu sicher ist und manchmal ein bisschen vor sich hin träumt.

    Michaela Boland:

    Kannten sie die Kollegen aus ihrem aktuellen Stück schon durch frühere Zusammenarbeit?

    Ingrid Steeger:

    Die Simone Rethel kannte ich schon, Christine Schild zuvor noch nicht. Aber Beatrice Richter und Volker Brandt kannte ich ebenfalls schon lange.

    Michaela Boland:

    Funktioniert die Zusammenarbeit grundsätzlich leichter, wenn man sich bereits kennt?

    Ingrid Steeger:

    Die Phase des Kennenlernens kann man dann natürlich überspringen. Man lernt sich selbstverständlich bei den Proben noch besser kennen. Das Gute an den Proben ist dann immer, dass es sowohl ein berufliches als auch ein privates Zusammenraufen ist.

    Michaela Boland:

    Setzen sie sich im Anschluss an die Vorstellungen immer noch privat mit den Kollegen zusammen?

    Ingrid Steeger:

    Also, heute setzen wir uns zum Beispiel zusammen. Oder als der Jopie 109 Jahre alt wurde (Anm. d. Red.: Johannes Heesters wäre am 05.12.2012 109 Jahre alt geworden, verstarb allerdings am 24.12.2011) haben wir uns in seiner Abwesenheit zusammengesetzt.

    Das war übrigens nicht dramatisch, sondern es war sogar sehr lustig. Da hat die Simone gesagt, dass der Jopie Heesters zu seinem Geburtstag immer sehr gerne viel Leute um sich gehabt habe.

    Da haben wir gesagt, "o.k., dann machen wir das auch", und haben uns alle zusammen gesetzt. Auch zum Geburtstag von Beatrice Richter und Christine haben wir das getan. Manchmal setzten wir uns auch alle zusammen, wenn irgendjemand Besuch bekommt.

    Aber eben nicht jeden Abend. Auf Tournee ist man natürlich automatisch mehr zusammen, aber hier in Köln hat jeder seine eigene Wohnung oder sein Appartement und so sein Eigenleben. Das ist üblich, wenn man irgendwo fest spielt.

    Michaela Boland:

    Montags ist spielfrei. Was tun sie an diesem Tag üblicherweise?

    Ingrid Steeger:

    Es ist eigentlich immer irgendetwas. Irgendwelche Interviews oder sonstige Termine. Auch arbeite ich gerade an einem Buch und der Lübbe-Verlag ist ja hier in Köln ansässig, insofern ist da immer irgendetwas zu tun.

    Nur abends versuche ich zumindest immer, in meiner Wohnung zu sein, auf die Uhr zu gucken und zu sagen, "jetzt wäre ich normalerweise auf der Bühne und jetzt bin ich nicht auf der Bühne". Wir spielen hier ja sieben Tage die Woche. 

    Michaela Boland:

    Worum wird es in ihrem Buch gehen?

    Ingrid Steeger

    Natürlich, um mein Leben (lacht). Worum soll es sonst gehen?

    Michaela Boland:

    Also eine Autobiografie. Packen sie da alles hinein oder werden bestimmte Themen ausgeklammert?

    Ingrid Steeger:

    Es wird natürlich immer etwas bleiben, was nur mir gehört, das ist ganz klar. Aber es stand ja sehr viel in der Presse, doch das ist ja immer alles nur recht oberflächlich angedeutet und die Hintergründe nicht. In meinem Buch wird viel drin stehen, was auch nicht immer lustig sein wird, auch viel Neues. Es ist jedoch kein ab- oder aufrechnen.

    Michaela Boland:

    Wann wird es erscheinen?

    Ingrid Steeger:

    Im August.

    Michaela Boland:

    Steht der Titel bereits fest?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es heißt "...und find es wunderbar". Also nach dem ..."dann mach ich mir `n Schlitz ins Kleid", das lassen wir natürlich weg, sondern nur ".und find es wunderbar".

    Michaela Boland:

    War Klimbim für sie eigentlich Fluch, Segen oder beides?

    Ingrid Steeger:

    Beides natürlich, beides. Ohne Klimbim würde ich heute nicht hier sitzen und sie würden mich nicht interviewen.

    Michaela Boland:

    Man weiß es nicht.

    Ingrid Steeger:

    Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person, aber ich nicht nach dem Beruf. Das hat sich so ergeben. Ich bin rein geschlittert und bin dabei geblieben.

    Michaela Boland:

    Sie haben die Handelsschule abgeschlossen und in einem Architekturbüro gearbeitet.

    Ingrid Steeger:

    Kurzfristig, sehr kurzfristig.

    Michaela Boland:

    Was gehörte da zu ihren täglichen Aufgaben?

    Ingrid Steeger:

    Schreibmaschine schreiben. Ausschreibungen tippen. Ich war als Stenotypistin tätig, es gab ja noch keine Computer und dergleichen.

    Michaela Boland:

    War das nicht so geplant?

    Ingrid Steeger:

    Es war nie mein Traum im Büro zu arbeiten. Es war auch nicht mein Traum, auf die Handelsschule zu gehen. Das waren damals andere Zeiten. Mein Vater hat bestimmt, dass ich auf die Handelsschule gehe und damals hat man halt das gemacht, was die Eltern gesagt haben.

    Michaela Boland:

    Was haben sie da für einen Abschluss gemacht?

    Ingrid Steeger:

    Wirtschaftsabitur.

    Michaela Boland:

    Was war ihr eigener Plan für ihr Leben?

    Ingrid Steeger:

    Ich wollte ganz einfach nicht  im Büro arbeiten. Damals kamen gerade die Discotheken auf, das war ja damals was ganz Neues. Und dann fing ich an, in Berlin als Go-Go-Girl in Diskotheken zu tanzen. Allerdings nicht wie die Go-Go-Girls heute sind.

    Wir haben Röckchen angehabt, Stiefel und lange T-Shirts und standen nur so da und haben so vor uns hingetanzt. Und dann habe ich auch teilweise zwischendurch im Büro gearbeitet und habe das natürlich zu Hause auch nicht so genau erzählt.

    Dann habe ich aufgehört, regelmäßig bei dem Architekten zu arbeiten und zwischendurch immer, wenn das Geld knapp war, dann als Sekretärin gejobbt und immer wieder mal getanzt. Und so hat sich das alles irgendwie ergeben. Bei mir hat sich immer alles ergeben, das griff stets ineinander über, ob ich wollte oder nicht.

    Michaela Boland:

    Haben sie denn auch ein wenig darauf vertraut, dass immer irgendetwas kommt?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe auf gar nichts vertraut. Ich wusste nur etwas: Mein Leben sollte nicht im Büro enden. Allerdings sollte es auch nicht vor der Kamera enden.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Schicksal?

    Ingrid Steeger:

    Ja, wenn man sein Leben beobachtet, liegt das Schicksal eigentlich in meiner eigenen Hand. Wenn man das im Nachhinein sieht, ging eigentlich alles ineinander über. Nur leider kapiert man das in dem Moment nicht, sonst könnte man seine Fähnchen rechtzeitig besser danach ausrichten

    Michaela Boland:

    Sie haben beschrieben, dass sie in ihrem Leben vieles gemacht machen, was andere von ihnen verlangt haben. Würden sie dies, rückwirkend betrachtet, heute anders handhaben?

    Ingrid Steeger:

    Mit diesem Satz kann ich gar nichts mehr anfangen. Ich überlege da auch gar nicht. Was sage ich? Wenn ich das und das gemacht hätte, wäre vielleicht nicht das und das passiert. Wenn ich keine Sexfilmchen gemacht hätte, hätte ich nicht Klimbim gemacht.

    Mich mochten damals die Kinder, die Frauen und die Männer und wenn ich kein Ja-Sager gewesen wäre, wäre mein Sex, den ich nicht freiwillig gegeben habe, sondern, den ich gab, weil ich ihn geben musste, weil man es von mir verlangte, vielleicht nicht so sauber rüber gekommen, dass mich wiederum dann nicht  die Kinder und die Frauen geliebt hätten.

    Also, das ist alles so ein Gemisch. Wenn, wenn, wenn und hätte. Dieses Wort "hätte", habe ich eigentlich aus meinem Leben getan. Ich kann es nicht ändern und ich will auch gar nicht darüber nachdenken, was dann passiert wäre, denn ich weiß es nicht.

    Michaela Boland:

    Eigentlich sind sie über all die Jahre bei Jung und Alt  nahezu dauerbeliebt.  Erinnern sie sich überhaupt an Negativ-Kritik?

    Ingrid Steeger:

    Negative Kritik in dem Sinne eigentlich kaum. Aber, sagen wir mal, es hat vieles, was die Presse geschrieben hat, nicht gestimmt. Die Presse hätte eigentlich wissen müssen, dass sie mir mit dem, was sie da  hin und wieder schreibt, schadet.

    Aber sie haben es halt  geschrieben, weil es aufreißerisch ist und weil sie eben etwas schreiben müssen. Aber, dass mich jetzt jemand verdammt hat, in dem Sinne, eigentlich nicht. Nun muss ich sagen, lese ich auch sehr wenig die Presse, weil ich mich nicht ärgern will.

    Denn einiges stimmt und einiges stimmt natürlich nicht. Und wenn man das dann so liest, wie man es nun gar nicht gesagt oder gemeint hat, ist das nicht schön. Oder es kommen so schlimme Mutmaßungen, die dann mein Leben schon vorausbeschreiben, wo ich denke, das kommt einer Verurteilung gleich, wobei sie ganz genau wissen, dass das nicht stimmt. Aber wir wissen ja, wie die Medien sind.

    Michaela Boland:

    Also, egal, wie lange man im Business ist, man ärgert sich immer mal wieder über Berichterstattung hinsichtlich der eigenen Person?

    Ingrid Steeger:

    Darum lese ich es mir erst gar nicht durch, dann braucht man sich auch nicht zu ärgern. Aber es gibt leider Gottes immer Leute, die einem das dann schicken.

    Michaela Boland

    Man hat ihnen für viele Jahre den Stempel "Ulknudel" verpaßt.1992 kam dann "Der große Bellheim" unter der Regie von Dieter Wedel, mit dem sie auch privat liiert waren. Es wurde vielerorts so formuliert, dass sie  nun in das sogenannte "seriöse Fach" wechselten. War es ihnen selbst ein Bedürfnis, vom Image der lustigen erotischen Frau in das sogenannte seriöse Schauspielfach zu überzugehen?

    Ingrid Steeger:

    Also für mich ist alles seriös. Klimbim war die härteste Arbeit meines Lebens. Ich habe vor dem Bellheim auch schon zweimal Derrick und den Kommissar gemacht. Außerdem habe ich darüber hinaus bereits in Fernsehspielen Rollen übernommen.

    Also, ich habe nicht nur Komik gemacht. Die Leute hängen sich nur immer an der Komik und insbesondere an Klimbim fest. Bellheim ist nicht das erste in dieser Richtung gewesen. Ich habe nämlich auch einen anspruchsvollen Derrick gemacht.

    Das ist das gleiche in grün. Nur damals wurde das durch den Dr. Dieter Wedel, weil ich ja auch noch mit dem liiert war, einfach groß herausgehoben. Bellheim war natürlich ein riesen Erfolg, ist auch in einer Zeit entstanden, in der ich mit ihm liiert war. So habe ich auch den ganzen Aufbau mit verfolgt. Dadurch wurde die Rolle natürlich stark überbewertet.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich eigentlich ineinander verliebt? Ich selbst hatte noch keine Gelegenheit, ihn kennenzulernen, habe allerdings das eine und andere Mal von Schauspielern gehört, dass er auch recht streng sein könne. Können sie das bestätigen?

    Ingrid Steeger:

    Streng ist ein sehr nettes Wort. Ja, er ist ein sehr schwieriger Mensch. Aber  immerhin haben wir es ja fünf Jahre miteinander geschafft. Und es war keine unglückliche Zeit. Im Nachhinein sieht man vieles anders. Aber wir hatten eigentlich eine sehr gute Zeit, die nicht immer einfach war. Doch schwierige Menschen sind nun mal schwierig und das wusste ich natürlich.

    Michaela Boland.

    War es Liebe auf den ersten Blick?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich habe mich ja auch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, weil ich ja wusste, dass er schwierig war. Aber, da ich nun mal gelernt habe, im Leben mehr auf andere Leute einzugehen, ist mir das vielleicht nicht so schwer gefallen wie den anderen Frauen.

    Michaela Boland:

    Ist das heute noch immer so bei ihnen, mehr auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen als auf ihre eigenen?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe schneller den Durchblick als früher und versuche da schon, meine Distanz zu halten. Jedoch glaube ich, dass es einfach ein Teil meines Charakters ist, das ich vielleicht immer ein bisschen mehr in den Menschen sehe und dann tut man auch mehr für die anderen.

    Ich kann dann deren Bedürfnisse nicht einfach an mir abprallen lassen. Ich versuche, die Menschen mehr zu ergründen und bringe womöglich einfach manchmal ein bisschen zu viel Verständnis für andere auf und das merken natürlich manche Leute und die wissen das dann schon zu benutzen.

    Michaela Boland:

    Kommen wir noch einmal auf Klimbim zurück. Sie sagten gerade, es sei für sie die härteste Arbeit ihres Lebens gewesen. Inwieweit hatte das mit dem Regisseur Michael Pfleghar zu tun?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es war sehr schwierig. Und auch hier kommt wieder hinzu, dass wir miteinander liiert waren und dass ich ihm dann gehört habe, beruflich wie privat. Das war für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Im Nachhinein sieht man vieles anders.

    Im Hinblick auf meine Jugend sagen die Leute ja auch, "deine Jugend war ja schrecklich", aber in meiner Jugend fand ich meine Jugend in Ordnung. Mit dreißig vierzig Jahren dann nicht mehr.

    Aber, das ist auch vielleicht etwas, das man überlebt, wenn man es in dem Moment so sieht. Aber Klimbim war eben deshalb so schwierig, weil ich vor der Kamera nicht so agieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

    Oder der  Pfleghar hat es auch einfach nur nicht so gesehen und er hat es natürlich, ich sage immer "rausgeprügelt" in Anführungsstrichen. Ich wusste nicht, dass ich komisch sein würde und er hat es mit Gewalt herausgeholt und ich habe gehorcht.

    Also ich habe wieder mal gehorcht. Wie immer im Leben, habe ich auch ihm gehorcht. Und das war ja offensichtlich richtig so. Es hat nicht unbedingt Spaß gemacht, aber es kam etwas dabei heraus. Und das durfte das Publikum ja nun auch nicht merken.

    Das war wichtig. Wenn wir das jetzt zusammen durchgehen würden, könnte ich ihnen jede Szene nennen, bei der ich geheult habe. Auch beim Schneemann. Das war nicht im Studio, sondern das war wirklich draußen im Schnee. Und das im Abendkleid.

    Und das mussten wir zehn bis zwanzig Mal drehen und da bin ich fast erfroren und bin seiner Meinung nach immer falsch um den Schneemann herumgelaufen. Das war dann auch nicht komisch.

    Michaela Boland:

    Als vorlaute Gabi haben sie in der Klimbim-Familie regelmäßig Backpfeifen kassiert. Wurden die Schläge gefakt oder mussten sie den Schmerz tatsächlich aushalten?

    Ingrid Steeger:

    Es war real. Das war nicht komisch. Die Volkmann hat eine gute Handschrift gehabt.

    Michaela Boland:

    Hatten sie denn nie das Bedürfnis, Elisabeth Volkmann bei Gelegenheit mal eine schallende Ohrfeigen-Retourkutsche zu verpassen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich dachte ja, das muss so sein.

    Michaela Boland:

    Schauen sie sich Wiederholungen von Klimbim gelegentlich an? Können sie das gut sehen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, das gucke ich mir nicht an. Ich sehe mir auch keinen Talk, den ich gemacht habe, an. Ich gucke mich überhaupt nicht an. Machen aber viele Schauspieler nicht. Ich kann mich nicht ertragen. Klimbim, kann ich nicht mehr verbessern.

    Man ärgert sich auch nur darüber. Bei Talks zum Beispiel, dann denkt man, wieso hast du nicht dieses oder jenes gesagt oder, das hättest du machen können. Ich weiß das in dem Moment selbst, wenn ich den Mund aufmache, weiß ich schon, was falsch ist und dann brauche ich mir das nicht noch einmal anzuschauen.

    Michaela Boland:

    Sie haben früher auch Fernsehwerbung für Rolo Schokoladenkaubonbons und Old Spice gemacht. In was für einer Erinnerung haben sie die Spots?

    Ingrid Steeger:

    Rolo, das war eine süße Werbung. Das waren die größten Werbespots, die ich gemacht habe. Für Rolo haben wir sogar auch Preise erhalten.

    Michaela Boland:

    Im Rolospot haben sie gesungen, ebenso wie regelmäßig in Klimbim. Gab es auch Anfragen von Produzenten für Plattenproduktionen?

    Ingrid Steeger:

    Ja, klar. Ich habe auch einige gemacht.  Auch hier wollte ich eigentlich gar nicht, aber die wollten. Ich fand mich nie gut als Sängerin. Selbst da habe ich mich Satz für Satz gequält. Ich habe auch Musical gemacht, bin zur Falckenbergschule gegangen, habe die Lieder einstudiert.

    Und dann kam ich bei den  Freilichtspielen auf die Bühne und da hatten wir kein Mikroport und nichts und meine Stimme hat total versagt. Wenn ich Theater spiele, geht meine Stimme bis ganz nach hinten, auch wenn tausend Leute da sind.

    Dann hole ich mir meine Stimme einfach tief aus dem Bauch, aber wenn ich singe, dann rutscht mir die Basis nach oben. Ich kann nicht singen und ich will auch nicht, weil ich nicht kann (lacht).

    Michaela Boland:

    Haben sie zu irgendeinem Zeitpunkt eigentlich noch eine klassische Schauspielausbildung absolviert?

    Ingrid Steeger:

    Nein.

    Michaela Boland:

    Funktionierten Dinge wie auf der Bühne laut und deutlich sprechen zu können dann aufgrund ihrer gesammelten Erfahrung?

    Ingrid Steeger:

    Das habe ich mir erarbeitet. Beim ersten Theaterstück habe ich das nicht gehabt. Zwischen Bühne und Fernsehen liegen natürlich Welten. Mein erstes Stück war ein Zwei-Personenstück mit Harald Leipnitz und da ging meine Stimme gar nicht nach hinten und da haben die Leute auch immer gerufen "lauter, lauter".

    Da habe ich mir die Bühnenwirksamkeit dann mit der Zeit vom Spielen her erarbeitet. Wer Fernsehen spielt, gewährleistet noch lange nicht, dass er eine Bühnenwirksamkeit hat. Umgekehrt genauso.

     

    Michaela Boland:

    Halten sie eigentlich noch Kontakt zu ihren früheren noch lebenden Klimbim-Kollegen, wie Wichard von Roell oder Peer Augustinski?

    Ingrid Steeger:

    Zu Peer ja. Er wohnt ja auch hier in Köln. Der war auch schon hier im Theater. Wichart, also zum Opi, weniger. Die anderen sind ja schon tot.

    Michaela Boland:

    Sie haben vor einigen Jahren bereits ein Buch herausgebracht, in dem es um ihre Männer gehen soll.

    Ingrid Steeger:

    Nein, das ist kein Buch, bitte. Oh, da bin ich auch so was von stinkig. Das ist auch nur wieder aus Blödsinn entstanden, weil jemand das wollte. Das ist ja kein Buch, das sind Karikaturen. Es ist gezeichnet und dann steht da jeweils so ein blöder Text drunter.

    Also das kann man vergessen, da stehe ich auch nicht zu, zu diesem Buch. Das ist aus Blödsinn entstanden und der Verkauf versucht das halt bis heute noch das zu vermarkten. Ich finde auch den Vertrag nicht mehr, habe da auch nie eine Abrechnung oder sonst was gekriegt und das ärgert mich immer.

    Michaela Boland:

    Nichts desto trotz haben sie ja bereits die eine oder andere Erfahrung mit Männern in ihrem Leben gemacht, die nicht unbedingt immer nur schön war, wie man im Laufe der Jahre auch in den Medien mit verfolgen konnte. Wofür sind Männer aus ihrer heutigen Sicht eigentlich gut?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das frage ich mich auch. Ja, gut, es gibt schon gute Beziehungen.

    Michaela Boland: Was macht eine gute Beziehung nach ihrem Dafürhalten aus?

    Ingrid Steeger:

    Einfach eine gute Gemeinschaft, etwas zusammen erleben und durchleben. Ich kann nicht behaupten, dass ich nur schlechte Beziehungen hatte. Ich denke, der Anfang ist immer schön und man hat immer eine schöne Zeit gehabt.

    Und dann irgendwann merkt man, dass die Zusammengehörigkeit doch nicht so gegeben ist und dann geht man halt auseinander. Ich finde das schön, wenn ich sehe, dass Leute 25, 30, 40, 50 Jahre verheiratet sind, aber auch die hatten natürlich ganz harte Zeiten. Und die haben sich im Alter dann wieder zusammengerauft.

    Also eigentlich müsste man versuchen, das durchzustehen. Also an Treue oder so etwas glaube ich prinzipiell nicht. Nicht nur in Bezug auf das, was ich erlebt habe, sondern auch, was ich bei den anderen Leuten sehe.

    Ich glaube, das ist auch irgendwie nicht im Menschen drin, was ich sehr traurig und schade finde. Der Körper gehorcht offensichtlich nicht immer so ganz. Aber ich finde es schön, dass man trotz allem zusammenbleiben kann. Wenn ich ältere Ehepaare sehe, die Hand in Hand herumlaufen, finde ich das herrlich.

    Und jeder hat da mal ein außereheliches Verhältnis gehabt, das geht ansonsten ja nicht über eine so lange Zeit, aber ich finde es einfach toll, dass man dann trotzdem zusammenbleibt.

    Michaela Boland:

    Bei Bettina Böttinger im Kölner Treff haben sie geäußert, dass sie Angst vor einer Beziehung hätten. Ist das nach wie vor so? Könnten sie sich nicht vorstellen, noch einmal die Liebe zu finden?

    Ingrid Steeger:

    Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen. Nein.

    Michaela Boland:

    An Angeboten mangelt es mit großer Wahrscheinlichkeit kaum. Wie könnte ein potentieller Kandidat denn idealerweise sein?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Der müsste gebacken werden. Ich kann es nicht sagen. Ich möchte keinen Jüngeren haben und ich möchte auch keinen Älteren haben. Also so einen alten Mann möchte ich auch nicht unbedingt nackt sehen. Und einen Jüngeren, nun, als ich 50 war, hatte ich mal eine Beziehung mit einem jüngeren Mann.

    Ich kann gar nicht verstehen, wie ältere Frauen sagen können, dass sie sich mit einem jüngeren Mann an der Seite jung fühlen. Ich habe mich alt gefühlt. Zuerst einmal, mit welchen Leuten der sich umgeben hat, da war ich schon längst einen Zacken drüber.

    Das war einfach nicht mehr meine Welt. Vielleicht gaukelt man sich da für eine Zeit etwas vor. Dann ist das sicherlich schön, weil man für eine Weile mal wieder in etwas anderes eintaucht.

    Aber mit der Zeit merkt man irgendwie, das ist vorbei, da bin ich schon mal durch. Es ist fein, wenn das andere durchmachen, das freut mich für sie. Man soll natürlich auch nie sagen.

    Aber ich hätte Schwierigkeiten damit, da wieder Kompromisse zu machen und mich anzupassen. Dann saust da wieder einer in der Gegend herum, nein, das ist mir zu anstrengend.

    Michaela Boland:

    Sie haben deutlich geschildert, dass sie in ihrem Leben immer wieder anderen Menschen gehorcht haben. Wären sie denn heute sicher davor, zu gehorchen, gesetzt den Fall, sie verlieben sich allen Widerständen zum Trotz doch  erneut?

    Ingrid Steeger:

    Das ist ja eben das Problem. Ich wäre mir da nicht so sicher, dass mir das nicht mehr passiert. Und ich habe keine Lust, dass das wieder von vorne losgeht. Denn ich würde wahrscheinlich automatisch, also nicht mehr gehorchen, aber ich würde einfach sehen, dass es meinem Partner gut geht und der würde das dann wieder ausnutzen und so weiter.

    Ich will auch nicht ständig jemanden um mich herum haben. Wissen sie, ich bin jetzt 65 und kann nicht mehr mit einem Mann zusammen alt werden. Wenn ich jetzt einen mit 30 kennengelernt hätte, dann wird man zusammen alt.

    Ich würde es vom Optischen her erleben. Sein Körper verändert sich, mein Körper verändert sich. Wenn ich aber jetzt einen kennenlerne, dann sehe ich den schon mal alt und er sieht mich alt. Diese Entwicklung ist gar nicht mehr gegeben, gar nicht mehr zu schaffen. Selbst wenn ich jetzt einen Mann in meinem Alter kennenlerne, ist der ja schon voll entwickelt.

    Wir können nicht mehr in dem Sinne zusammen alt werden. Natürlich gibt es Wunder, vielleicht gibt es auch noch mal eins. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich habe gute Freunde und ich habe Eliza Doolittle, meinen Hund.

    Die ist jetzt zwei Jahre alt. Wenn man mal überlegt, kleine Hunde werden alt, wenn sie nicht krank werden. In fünfzehn Jahren bin ich achtzig, also, was soll das?

    Michaela Boland:

    Sie sind das jüngste von drei Geschwistern. Wie ist das Verhältnis zu ihrer Familie?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe einen Bruder, der ist in Berlin. Der hat mich gerade angerufen und eine Schwester, die mich ebenfalls heute angerufen hat. Das Verhältnis zu meinen Geschwistern ist sehr gut, zu meiner Schwester enger als zu meinem Bruder.

    Mein Bruder hat mich angerufen, um mir den Hörer hinzuhalten, weil meine Mutter mal einen lichten Moment hatte und vor sich hingesprochen hat. Sie ist 100 Jahre alt und dement. Sie ist eigentlich gar nicht mehr, quasi ein lebender Leichnam und alle paar Monate redet sie irgendetwas vor sich hin.

    Michaela Boland:

    Wie oft sehen sie sich?

    Ingrid Steeger:

    Wir haben uns am 17. August gesehen. Das war ihr 100.ster Geburtstag. Da hat sich die Familie getroffen. Dazu muss ich sagen, dass eigentlich bekannt ist, dass wir nie eine glückliche Familie waren und da auch keine Liebe zwischen der Mutter und uns war. Sie tut mir einfach nur leid.

    Michaela Boland:

    In einer Boulevardzeitung war zu lesen, dass  sie geäußert hätten, ein Ableben sei eine Erlösung für ihre Mutter.

    Ingrid Steeger:

    Ja. Sie hat kein Leben mehr. Ich wünsche das jedem Menschen, wenn er mal so dran ist wie sie. Sie wird gewickelt, sie wird gefüttert. Das habe ich dem Express, den Blödmännern, nicht gesagt, das haben sie sich aus "Volle Kanne" herausgezogen und haben natürlich die Überschrift gemacht "Ingrid Steeger wünscht sich den Tod ihrer kranken Mutter".

    Meine Mutter kriegt nichts mehr mit, liegt nur apathisch herum und dämmert vor sich hin. Das ist kein Leben mehr. Das ist entwürdigend. Ab und zu redet sie, da muss das Langzeitgedächtnis durchkommen, aber auch das hat keinen Zusammenhang mehr. Es ist einfach kein Leben.

    Michaela Boland:

    Dass sie in finanzieller Hinsicht einmal durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind, konnte ganz Deutschland durch sensationslüsterne Boulevardmedienberichterstattung mit verfolgen.

    Wie haben sie es geschafft, derart bemerkenswert aufrechten Ganges durch diese Lebensphase hindurchzugehen und welchen Tipp geben sie Menschen in ähnlichen Lebenssituationen?

    Ingrid Steeger:

    Ich bekomme viele Anfragen in dieser Hinsicht. Viele Menschen fragen mich, die in der Situation sind. Doch das kann man nicht mit meiner Situation vergleichen. Erstens mal war ich ja in einer schweren Depression. Da kamen viele Dinge, wie Depression und Krankheiten zusammen.

    Das Ganze hat sich auch jahrelang vorher angekündigt, so etwas kommt ja nicht von heute auf morgen. Durch meinen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad hatte ich jedoch das Glück, dass die Leute mich aufgefangen haben. Ein normaler Mensch wird ja leider nicht so aufgefangen wie ich aufgefangen wurde.

    Dadurch, dass das so groß in der Presse stand, was für mich ein schlimmer Schlag war, musste ich mich ja dazu stellen. Es ging nicht anders.

    Michaela Boland:

    Hat da jemand aus ihrem direkten Umfeld geplaudert oder wie kam ans Licht, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten konnten?

    Ingrid Steeger:

    Natürlich, bestimmt. Ich weiß es nicht. Die Bildzeitung hat es herausbekommen und die haben perfekt daran gearbeitet, bestimmt zwei, drei Monate. Die wussten alles ganz genau, mehr als ich. An welchem Tag und um wie viel Uhr ich den Antrag gestellt habe.

    Da konnte man auch gar nichts widerlegen. Da muss man ja dann zu stehen, denn das waren alles Fakten. Es war alles nachzuweisen und da kam ich dann gar nicht mehr drum herum.

    Michaela Boland:

    Sie hätten versuchen können, sich mit der empfundenen Schmach zu verkriechen, haben jedoch tapferer weise gegenüber der Öffentlichkeit regelmäßig Rede und Antwort gestanden. Wie haben sie sich dazu motivieren können?

    Ingrid Steeger:

    Mich zu verstecken, ging ja gar nicht, denn dann wäre ich tot gewesen. Tot für mich und für die anderen. Dann wäre ich wirklich am Boden gewesen. Es gab wirklich nur die Möglichkeiten, entweder bleibe ich liegen, weiterhin in meinem Koma und in meiner Depression verhaftet oder ich stehe auf.

    Und dadurch, dass ich mich dazu gestellt habe, also, ich bin wieder einmal dazu gezwungen worden, etwas zu machen, habe ich dann auch die Kraft bekommen.

    Dann standen nämlich auch die Medien zu mir, ebenso wie die Leute. Dadurch kam ich nach vier Monaten bereits aus Hartz IV heraus, denn die Gagen bei den Talks waren sehr gut. Das Sozialamt hat mir sofort berechnet, wie lange ich davon zu leben habe. Und dann kam sofort das Theaterstück und alles Weitere ging direkt ineinander über.

    Ich kann somit einem normalen Menschen, in Anführungsstrichen, überhaupt keinen Tipp geben, denn das war bei mir ein Ausnahmefall. Denn ein normaler Mensch wird nicht aufgefangen und kriegt auch keine guten Gagen in Talks.

    Natürlich muss man stark sein und Kraft haben und Freunde haben. Viele meiner Freunde wussten ja gar nicht, was mit mir los war. Meine Freunde wohnen ja nun alle nicht bei mir oder in meiner näheren Umgebung.

    Sie wussten schon, irgendwas funktioniert nicht mehr so. Es ging ja, wie gesagt, über Jahre. Die Depression hat sich tatsächlich über Jahre erstreckt.

    Michaela Boland:

    Wie geht es ihnen heute in Bezug auf ihre Depression? Ist sie überstanden?

    Ingrid Steeger:

    Ich gehe mal davon aus, dass die Depression schon länger vorüber ist, sonst würde ich gar nicht auf der Bühne stehen.

    Michaela Boland:

    Die Gefahr eines Rückfalls ist bei Depressionen nicht immer auszuschließen.

    Ingrid Steeger:

    Ich war auch mit Depressiven zusammen und habe das sehr studiert. Es gibt so viele verschiedene Arten von Depressionen. Depression ist nicht gleich Depression. Klar kann man von heute auf morgen wieder in eine Depression verfallen, wenn irgendetwas passiert.

    Es gibt auch eine akute Depression. Jeder Mensch hat mal eine akute Depression gehabt, fällt da kurz rein und ist dann wieder da. Die schlimmste ist die endogene, also die vererbte Depression, die dann sporadisch in Abständen immer wieder kommt.

    Michaela Boland:

    Aber jetzt geht es ihnen gut?

    Ingrid Steeger:

    Mir geht es sehr gut.

    Michaela Boland:

    Das ist schön. Interessieren sie sich eigentlich auch für bildende Kunst?

    Ingrid Steeger:

    Meine ganze Wohnung ist vollgepflastert mit Bildern von guten Künstlern.

    Michaela Boland:

    Bevorzugen sie da eine bestimmte Stilrichtung?

    Ingrid Steeger:

    Ich bin ein sehr großer Fan der Impressionisten. Van Gogh, Gauguin, Manet, Monet usw.

    Michaela Boland:

    Vermissen sie als Berlinerin eigentlich manchmal ihre Heimat?

    Ingrid Steeger:

    Nicht ein bisschen.

    Michaela Boland:

    Was sagen sie denn zu der Flughafenaffaire rund um den regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit?

    Ingrid Steeger:

    Da habe ich mich, ehrlich gesagt, nicht so viel drum gekümmert. Viele Leute denken immer, ich wohne noch in Berlin. Berlin ist für mich ein Kapitel, das schon lange vorbei ist. Dort zieht mich auch nichts mehr hin zurück.

    Michaela Boland.

    Gibt es für sie eine Lieblingsstadt?

    Ingrid Steeger:

    Hamburg und Zürich.

    Michaela Boland:

    In Zürich haben sie auch einmal gelebt?

    Ingrid Steeger:

    Ja. Und was mir augenblicklich auch gut gefällt, ist Köln. München war für mich immer so eine Anlaufstätte, wenn ich aus Frankreich kam. Jetzt lebe ich fast schon wieder zehn Jahre in München. In Hamburg habe ich ja auch fünf Jahre gewohnt. Jetzt wird es mal Zeit, dass ich wieder umziehe.

    Michaela Boland:

    Wie stehen sie zu sozialen Netzwerken wie Facebook? Haben sie einen Account dort?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ganz bestimmt nicht. Was soll ich da reinschreiben? Meinen Freunden schreibe ich entweder eine Mail oder wir telefonieren. Und ich will das nicht, dass da jeder Einblick erhält. Das sind ja nicht alles meine Freunde, auch, wenn sie sich so nennen. Ich kenne die doch gar nicht.

    Michaela Boland:

    Googeln sie sich gelegentlich selbst?

    Ingrid Steeger:

    Dann müsste ich ja von morgens bis abends beim Anwalt sitzen. Nein, ich habe eine sehr gute Website, die wird unentwegt aktualisiert. Das ist für Berufliches und für Fans und das reicht mir total.

    Und wann ich nun morgens einen Kaffee getrunken habe, oder ob ich hingefallen bin, das muss ich den Fans nicht mitteilen. Das sollen mal alles die Jüngeren machen. Oder ich finde das  für Schlagersänger ganz gut, die ihre Platten verkaufen wollen.

    Michalea Boland:

    Oder, wenn man ein neues Buch promoten möchte?

    Ingrid Steeger:

    Das kommt alles auf meine Website. Dann sollen sie sich das da angucken, da steht das dann alles drin. Aber, was ich jetzt alles privat tue, wann ich den Hund gehauen habe oder etwas über mich und meine Gefühle, das muss nicht  sein. Die Medien, die kriechen dann sowieso da herum und ziehen sich dann da etwas heraus.

    Michaela Boland:

    Wird es im Rahmen ihrer geplanten Buchveröffentlichung ".und find es wunderbar" auch Lesungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Bestimmt.

    Michaela Boland:

    Mit Peer Augustinski haben sie in jüngster Vergangenheit auch verschiedene Lesungen durchgeführt. Wird es da Wiederholungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das einzige Problem besteht nur darin, dass es immer sehr schwierig ist, wenn ich, wie jetzt, Theater spiele.

    Michaela Boland: Ihre Stimme ist nach wie vor sehr wohlklingend und vor allem junggeblieben. Nutzen sie diesen Umstand beispielsweise auch zum Synchronsprechen?

    Ingrid Steeger: Wenig, aber Hörspiele mache ich jetzt. Ich habe gerade einen Krimi gemacht. Synchron weniger.

    Michaela Boland:

    Wenn man sie direkt anblickt, sieht man sie verhältnismäßig häufig charmant lächeln, obgleich sie zwischendurch in unbeobachteten Momenten immer wieder ein wenig ernst  wirken. Wann und über was können sie manchmal so richtig herzhaft lachen?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Vielleicht über Blödsinn. Über Eliza Doolittle muss ich manchmal herzhaft lachen.

    Michaela Boland: Wie kam es zu der Namensgebung?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe die Eliza Doolittle gespielt. Ich spielte Pygmalion. Diese Rolle habe ich auch sehr gerne gespielt.

    Michaela Boland:

    Gibt es eine Rolle, die sie heute besonders gerne noch einmal spielen würden?

    Ingrid Steeger:

    Eliza Doolittle, doch leider bin ich dafür zu alt. Es ist ja ein Mädchen aus der Gosse, die zur Dame erzogen wird. Das geht nur, wenn man jünger ist.

    Michaela Boland:

    Liebe Frau Steeger, vielen Dank für dieses Interview und alles erdenklich Gute weiterhin für ihre Zukunft.

    Infos unter:

    www.ingridsteeger.de

    de.wikipedia.org/wiki/Ingrid_Steeger

    www.sueddeutsche.de/geld/reden-wir-ueber-geld-ingrid-steeger-ich-habe-um-euro-gebettelt-1.1031386

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

    Exklusivinterview und

    Porträt des Monats

    © Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

    mehr
  • Gottfried Boehmer und Anna Vilents 2003 vor der Ausstellung mit den Promi-Motiven
Stefan Raab wurde auch von Anna Vilents aufs Korn genommen
    Die Rote Anna malt Böse Bilder
    Bitter süße Bilder von Anna Vilents - die omnipräsente Medien-Prominenz der "STARS"

    Lange, sehr lange ist das her. Ein Rückblick in das Jahr 2003. Was wären die „Stars" ohne RTL, VOX, Pro 7, Bild, Bunte oder Gala?

    von Peter Hauptvogel

    Die 22-jährige Ukrainerin Anna Vilents hat die omnipräsente Medien-Prominenz unserer Zeit mit Pinsel und Acrylfarbe aufs Korn genommen und in bitter süßen Bildern porträtiert. Sie wollte nur eins: Malerin werden.

    Die rothaarige Malerin, die 1993 mit ihren Eltern „als Kontigent-Flüchtling" aus der Ukraine an den Rhein kam, weiß genau wie man Publicity macht. Und ihr Mentor Gottfried Böhmer von Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin weiß das auch. Wohl deshalb wirkten beide auf der Vernissage auch so vergnügt.

    Doch Anna ist mehr als ein kleines Schlitzohr, sie ist eine begnadete Künstlerin. Die jüngste Meisterschülerin der alterehrwürdigen Düsseldorfer Kunstakademie. Immerhin einer Institution, die 17 von 100 Namen für die aktuelle Weltrangliste der bildenden Künstler dieser Welt liefert.

    18 Jahre alt war Anna als sie angenommen wurde. Sie sprach kaum ein Wort deutsch und besaß kein Abitur. Aber bei der Begabtenprüfung überzeugte sie, wurde sie Meisterschülerin von Prof. A. R. Penck. Dass allein ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Fachleute schätzen vor allem ihre raffinierte Tropftechnik.

    Anders als deren berühmter Erfinder Jackson Pollock bleibt sie jedoch im figürlichen, wenn sie Tierkörper mit Menschenköpfen malt, und dabei Übergänge findet, die ins Mystische reichen. Gut und gerne 4.000 € muss man heute schon für ein Vilents-Bild auf ein Tisch blättern.

    Am Ende der jetzt laufenden PR-Show mit den Promi-Motiven wird der Preis gewiss noch gestiegen sein, man darf ihr das gönnen. Allein schon die Zielstrebigkeit mit der sie ihre Künstler- Karriere verfolgte, verdient Anerkennung. Konsequent lehnte sie jeden anderen Berufsvorschlag von Eltern und Lehrern ab, wollte Malerin werden - und wurde es.

    Air Berlin Magazin Ausgabe 2/2003

    Claudia Schiffer, Boris und Barbara Becker, Verona Feldbusch, Thomas Gottschalk, Ariane Sommer - alle sind sie da. Unsere Medien-Stars im Format 100 x 90 cm. Anna Vilents, in diesem Semester die jüngste Meisterschülerin (Prof. A. R. Penck) an der Düsseldorfer Kunstakademie, porträtiert die „Stars" aus Film und Fernsehen wie die Fürsten, Mönche und Madonnen der Renaissance-Zeit.

    Jedoch mit streng kritischem Blick. Auf den 13 „Star-Porträts" wird mit diesen streng ins Gericht gegangen: Dieter Bohlen als Florentiner in der Hand seinen Bestseller als Bibel. Nina Hagen wird als kleines Mädchen dargestellt. Barbara Becker als leidende Heilige.

    Anna Vilentsist jedoch keine Zeitgeist-Reporterin, ihr Scharfblick gilt verschiedenen gesellschaftlichen Phänomenen mit einem Schuss Ironie. Ausstellung: Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin.

    Messemagazin Ausgabe 1/2003

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Aktuelles - Die Botschafter der GFDK

  • Die Gruender der Gesellschaft Freunde der Kuenste, Gottfried Boehmer und Michael Seelbach.
Gottfried Boehmer mit der Kuenstlerin Dorothea Schuele
Gottfried Boehmer auf der Ausstellung von Fehmi Baumbach 
Ausstellungs-Eroeffnung in Duesseldorf
Kaiserswerhter Kunstpreis, Johanna Rzepka Wiens, Gottfried Boehmer und Kristin Dempny.
Kaiserswerhter Kunstpreis, Preisverleihnug an Kristin Dempny.
Kaiserswerhter Kunstpreis, Preisverleihung an Sala Lieber.
Konzert für die Preistraegerin Kristin Dempny.
Gottfried Boehmer, Laudatio für Johanna Rzepka Wiens 2005
Mit Roger Willemsen, Axl Klein in der Horbach Stiftung 2013
Roger Willemsen, Michael Horbach und Gottfried Boehmer auf der Ausstellung von Axl Klein - ZORN
    Die Botschafter von GFDK
    Vorwort von Angelika Wende und Gottfried Böhmer zu, - UNSERE BOTSCHAFTER BEWEGEN UNSERE KULTUR !

    Dank der modernen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten hat sich im Kunst- und Kulturbetrieb ein Netz von sozialen Beziehungen gespannt, das in seinen Ausdehnungen und seiner Dichte stark zugenommen hat.  Die digitalen Medien und die zunehmende Mobilität haben diesen Prozess intensiviert.

    Auf Seiten der Akteure des Kunstbetriebs findet sich daher häufig die Einschätzung, dass der Bereich der Kunst und Kultur bereits global vernetzt ist. Dem ist jedoch nicht so.

    Viele Kunst- und Kulturschaffende sind Einzelkämpfer und von gelebter Vernetzung weit entfernt. Die Gesellschaft der Freunde der Künste beschreitet jetzt einen  weiteren Weg um Kreative in ein Netzwerk einzubinden.

    Botschafter der Gesellschaft der Freunde der Künste

    Jetzt beschreitet die Gesellschaft einen  weiteren Weg, um Kreative in ein Netzwerk einzubinden. Mit der Aktion Botschafter der Gesellschaft Freunde Künste macht das Internetportal  www.freundederkuenste.de einmal mehr einen Vorstoß, Kultur in Deutschland zu erhalten und zu fördern.

    „Die kulturelle Vielfalt in Deutschland ist ohne die Arbeit der freiberuflichen Kunst- und Kulturschaffenden nicht denkbar. Deshalb ist es wichtig, dass die Leistungen dieser Menschen auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, so Gottfried Böhmer.

    „Unsere Botschafter sind Kreative, die wie wir daran arbeiten, das Kulturgut in unserem Land zu erhalten, zu fördern und zu stärken. Ihnen geben wir jetzt eine in dieser Form einzigartige Plattform“, so Böhmer weiter. 

    In Zeiten bröckelnden Sozialstaates, wirtschaftlicher Krisen, wachsender Arbeitslosigkeit ist auch ein dramatischer Verfall humaner und kultureller Werte zu konstatieren. Dazu gehört besonders die Vernachlässigung der ästhetischen Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen.

    Anfang der kulturellen Wertschöpfungskette

    Es braucht engagierte „Botschafter“, die hier im Sinne der Kultur entgegenwirken. Die Kreativen, die am Anfang der kulturellen Wertschöpfungskette stehen, haben  ein großes Interesse, ihr Schaffen zu vermitteln.

    Sie brauchen Unterstützung und Vernetzung, um Ihre schöpferische Arbeit in die Gesellschaft zu tragen und auf diese Weise etwas zu bewirken.

    Die Botschafter der Gesellschaft Freunde der Künste sind Menschen, die für eine künstlerische oder kulturelle Idee tätig sind. Es sind Bildende KünstlerInnen, AutorInnen, FotografInnen, MusikerInnen, SchauspielerInnen und Kulturschaffende aller Professionen.

    Obwohl die Mehrzahl von ihnen selbst in einem existentiellen Spagat lebt, schaffen sie für den Einzelnen und für die Gesellschaft einen Mehrwert. Der findet zwar die verbale Anerkennung der Politik, lässt sich aber in der Wirklichkeit immer schwerer umsetzen.

    „nice to have“

    Allerorten werden Theater geschlossen, städtische und staatliche kulturelle Förderung gekürzt und gestrichen. Kunst und die Kultur sind auf dem verheerenden  Wege, für die Mehrzahl der Politiker und der Bevölkerung zu einem bloßen  „nice to have“ zu werden.

    Der Niedergang von Theatern, freien Kultureinrichtungen, Galerien und Bibliotheken wird am deutlichsten in den Städten und Kommunen, die den Hauptanteil der Kulturfinanzierung in diesem Land tragen.

    Die gelebte Realität – ist Schweigen

    Die Instabilität auf allen Ebenen der Gesellschaft und der Moral reißt die Kultur mit – sie geht buchstäblich den Bach runter. Längst nähert sie sich einer kritischen Marke, die gesetzlich verankerte Kultur- und Bildungspflicht ist tatsächlich nur noch gesetzlich verankert,  die gelebte Realität – ist Schweigen.

    Umdenken und Umkehr tut not.

    Vernetzung und zielgerichtete Kommunikation sind erste Schritte um Kunst- Kulturschaffenden in der Außenwahrnehmung eine Lobby und damit Unterstützung für ihre Arbeit zu geben“, sagt Gottfried Böhmer, „sie sind diejenigen ohne die sich weder die Kunst noch die Kulturwirtschaft entwickeln.

    Ohne sie und ihren Einsatz für Kunst und Kultur ist eine facettenreiche Kulturnation überhaupt nicht denkbar.“

    Die Botschafter der Gesellschaft Freunde der Künste sind nicht nur Boten für die Erhaltung und Förderung unserer Kulturlandschaft, sie sind Netzwerker, indem sie andere Kreative als Botschafter gewinnen und so den Kreis initiativer Menschen, die kulturell bedeutsame Impulse in die Gesellschaft tragen, erweitern.

    Ihr Engagement schafft einen Mehrwert, den Deutschland dringend nötig hat. Wie sagte einst Theodor Heuss:

    "Mit Politik kann man keine Kultur machen, aber vielleicht mit Kultur Politik."

    Einen Versuch ist es wert.

     

    Wie wirken die Botschafter der Gesellschaft Freunde der Künste?

    Botschafter wirken als Netzwerker. Sie gewinnen andere Kreative als Botschafter und erweitern so beständig den Kreis initiativer Menschen, die kulturell bedeutsame Impulse in die Gesellschaft tragen.

    Botschafter wirken als Boten. Sie arbeiten gemeinsam für die Erhaltung und Förderung unserer Kulturlandschaft. In der von Botschafterin Angelika Wende geleiteten Rubrik „Reden ist Silber“, veröffentlichen sie Beiträge zu  Aspekten und Inhalten Ihres persönlichen Wirkens und Ihrer Denk- und Sichtweise.

    Botschafter wirken als Vermittler. Kulturell Interessierten verschaffen sie Kontakte zu Kunstschaffenden und Kreativen.

    Botschafter wirken als Verstärker. Sie unterstützen kulturelle Veranstaltungen mit kreativen Ideen und bereichern kulturelle Events mit ihren Persönlichkeiten, ihrem Können, ihren Potentialen und Fähigkeiten.

    Botschafter wirken als Bereicherung. Ihr nachhaltiges Engagement schafft einen Mehrwert, den Deutschland dringend nötig hat.

     

     

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  • Angelika Wende ZDF
Angelika Wende Mainz
Angelika Wende Botschafterin 
Angelika Wende Freunde der Künste
Angelika Wende GFDK
    Die Botschafter für www.freundederkuenste.de
    Botschafterin Angelika Wende - Sprecherin, Moderatorin und Autorin aus Mainz

    Über Angelika Wende:

    Die Frau mit der berührenden Stimme und der Liebe zur Sprache

    Angelika Wende ist Sprecherin, Moderatorin und Autorin. Ihre Karriere startete sie beim Münchner Sender Pro 7. Schon nach kurzer Zeit wurde die dunkelhaarige Moderatorin mit der warmen Stimme und der charismatischen Kamerapräsenz vom ZDF in Mainz abgeworben.

    Dort moderierte sie als eine der beliebtesten Fernsehansagerinnen das Programm und war Sprecherin der heute Nachrichten. Auch für die Sender Arte und Phönix verlieh sie vielen Beiträgen ihre Stimme. Die Intensität und die Kraft ihrer Stimme wirken auch ohne Bilder und wecken Emotionen.

    Die letzte Ansage, die je im Zweiten Deutschen Fernsehen lief, war im Jahr 2003 auch Angelika Wendes Abschied vom Leben vor der Kamera. Seither arbeitet die studierte Literaturwissenschaftlerin und Psychologische Beraterin erfolgreich und mit Leidenschaft in den Bereichen Kunst und Kultur.

    Schon beim ZDF waren ihre unverwechselbare intensive Stimme mit dem warmen Timbre und ihr exotisches Äußeres ihr Kapital. Ihre Vorlesekunst fasziniert heute Publikum und Veranstalter zugleich, ihr Live-Talk „Der Silberne Salon - Kultur im Gespräch“, ist in Mainz eine Institution geworden.

    Gesprächskultur Geisteskultur, künstlerische und musikalische Beiträge – daran knüpft „Der Silberne Salon“ an. Mit inspirierenden Gästen, in einem Ambiente, das zum lebendigen Gedankenaustausch anregt, widmet sich der Salon allem was mit Kultur zu tun hat und öffnet publikumswirksam spannende und gesellschaftlich relevante Themen.

    Angelika Wendes Motto „Reden ist Silber“ steht für ihr ganzes Wirken. Als Journalistin schreibt sie für die Allgemeine Zeitung und die Gesellschaft der Freunde der Künste, Ihren Blog „Reden ist Silber“ verfolgen seit Juli vergangenen Jahres viele Leser online.

    Angelika Wende kuratierte zahlreiche Ausstellungen, unter anderem für das Kulturamt der Stadt Mainz. Als gefragte Laudatorin verfasst und hält sie deutschlandweit Einführungsreden für Museen und Galerien.

    Im September vergangenen Jahres beispielsweise eröffnete sie vor dreihundert Besuchern die große Realismusschau in Berlin. Die Autorin schreibt Texte für Künstlerkataloge und hat drei eigene Bücher veröffentlicht.

    Das vierte mit dem Titel „Herzdenken“ mit Texten und Zeichnungen, erscheint im Herbst 2011.

    Ihre Leidenschaft für Sprache vermittelt sie als Stimm- und Sprechcoach in ihrer Praxis WENDE. Coaching & Consulting.

    „Der Raum der die Arbeit mit Stimme und Sprache ausmacht ist unendlich ausdehnbar, voller Möglichkeiten und schöpferischer Kreativität.

    Ich lebe in der Sprache. Meine Sprache und meine Stimme, die Lust am geschriebenen Wort und die Freude am Sprechen sind das Wesentliche für mich. Der Mensch lebt in der Sprache.

    Sie ist das Mittel alles Gedachte und Gefühlte ins Außen zu transportieren. Das macht sie zum einzigartigen Instrument unserer Kommunikation.“ 

    Mehr über Angelika Wende unter www.angelikawende.com

    Angelika Wende

    Vita & mehr

    • Freie Journalistin und Autorin
    • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
    • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
    • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
    • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
    • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
    • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
    • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
    • Inhaberin der Agentur workingforart
    • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
    • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
    • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
    • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
    • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern 

    angelikawende@remove-this.aol.com

    www.angelikawende.com

    Hier eine Hörprobe, gehe auf Lautsprecher:

     

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  • Barbara Rapp
    Die Botschafter für www.freundederkuenste.de
    Die Künstlerin Barbara Rapp wird Botschafterin für die Gesellschaft Freunde der Künste

    Weibliche Figuren, nackt, in expressivem Rot – mit überprägnanten Geschlechtsmerkmalen, oft ohne den Körper im Gesamten darzustellen, stattdessen die natürliche Gestalt beinahe in sich auflösend.

    Will Barbara Rapp die Frau auf ihre Sexualität reduzieren? „Ja, in gewisser Weise tue ich das, aber keinesfalls in dem Sinne, dass ich eine solche Reduktion wünsche oder favorisiere“, stellt sie richtig.

    Vielmehr reagiert Rapp mit ihrer selektiv überzeichneten Bildsprache auf die Überpräsenz des weiblichen (aber auch des männlichen) Körpers, funktionalisiert in der Medien- und Werbewelt.

    Sie bewegt sich also aus der Passivität eines Medienkonsumenten heraus und übernimmt selbst die Kontrolle über den Einsatz von Körperlichkeit, agiert und spielt, nutzt dieses „Werkzeug“ aktiv zur visuellen Umsetzung ihrer Inhalte. 

    Abseits verbitterter Opferrollenmelancholie ist sie fest davon überzeugt, mit selbstkritischem Humor viel offener auf die - nicht nur für Frauen - neuen Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können.

    Ihr Ziel ist es aufmerksam zu machen, Fragen aufzuwerfen, für gesellschaftliche Probleme zu sensibilisieren, ohne dabei jedoch den Anspruch zu erheben, allgemeingültige Antworten bieten zu können und zu wollen.

    Denn auch damit würde letztlich die Verantwortung abgegeben: An ein Lösungsmodell von außen, das pauschal angewendet werden kann und nicht reflektiert werden muss.

    Verfremdete, überblendete, oft verzerrt gedruckte Fotografien kombiniert Barbara Rapp mit Malerei und Grafik zu Mischtechnik-Collagen mit starker Aussagekraft. Sie erweitert praktisch die klassische Malerei um zeitgemäße Disziplinen und Techniken, was auch als Tribut an die behandelten Themen zu verstehen ist.

    So hinterfragt sie beispielsweise das katholische System rund um den Zölibat mit ihrer visualisierten Aufforderung ‚nehmet und trinket alle davon‘, oder stellt im ‚schauraum‘ die angesichts hereinstürzender Schlagzeilen zunehmende Resignation und Praktik des Wegschauens auf den einbeinig fragilen Pranger.

    Und sie beschreibt die Hintergründe zu ‚gluttony‘, das sie für ein italienisches Kunstprojekt geschaffen hat:  „Interpretation der Völlerei als Zivilisationskrankheit, mit Umkehrwirkung hin zur Magersucht/Bulimie.

    Dritte-Welt-Kinder werden körperlich ausgebeutet und intellektuell „unten gehalten“; praktisch dazu genötigt, ihren Kopf für die physische und psychische „Verstopfung“ der westlichen Gesellschaft hinzuhalten. Derweilen träumen magersüchtige Party-Girls von monströsen Silikon-Titten und kotzen sich unter Zwangsernährung die Seele aus dem Leib.“

    Assemblage, Objektkunst und Video behält sich Barbara Rapp als weitere Disziplinen offen, um zusätzliche visuelle Möglichkeiten je nach inhaltlicher Notwendigkeit auszuloten.

    Wo beispielsweise zwanghaftes Ausbrechen aus normativen Strukturen zur Persiflage seiner selbst wird, setzt ihre ‚IndividualistenBox‘ die vermeintliche Errungenschaft „ich bin ja so was von individuell“ in kursorische Verschachtelungen zurück.

    Eine ‚GenderBoxOpen‘ verschachtelt ebenso, lässt unspezifische Körperlichkeit mit symbolisierter Männlichkeit oder Weiblichkeit kokettieren. Doch im kontrollierten Durcheinander der Orientierungslosen bleibt der Blick nach draußen frei.

    Marcel Ambrusch im März 2011
    (mit Auszügen aus Texten von Simone Kraft und Karl-Peter Gerigk)

    Informationen zu Barbara Rapp:

    Lebt in Velden am Wörthersee (Österreich), arbeitet in Österreich und Deutschland. Jahrgang 1972.

    Autodidakt. Mitglied IG Bildende Kunst Wien (IAA), Künstlervereinigungen.

    Malerei (Acryl Collage) & Grafik, Mixed Media, Objekt, Video.

    Thematische Schwerpunkte: Individualismus. Gender. Gesellschaft. 

    Ausstellungen/Projekte (Auswahl): 2011 Galerie Peithner-Lichtenfels, AT-Wien / / 2010 BBK Projekt Zeitgleich-Zeitzeichen, D-Fröndenberg / / Human Rights 2010 by Spazio Tempo, I-Rovereto / / Galerie Viktoria B, D-Bonn / / stARTup Emerging Artists, I-Verona / / Brooklyn Art Library, USA-New York / / Galerie Rimmer, AT-Velden 2009 KiC Nord Art, D-Büdelsdorf / / Galerie Hexagone, D-Aachen / / Atlanta Airport Atrium Gallery, USA-Atlanta / / Galerie am Gierkeplatz, D-Berlin 2008 Kanoria Centre for Arts, IND-Ahmedabad / / KunsthausSudhaus, AT-Villach / / Kunstraum Engländerbau, FL-Vaduz / / Liquid Art+Design Show, D-Düsseldorf 2007 Kunstraum D21, D-Leipzig / / Transit South Pole, KG-Bishkek 2005/2006 Kunstquartier Wien, AT-Wien / / Rathausgalerie, AT-Friesach / / Kunsthaussudhaus, AT-Villach 

    Kataloge, Presse, Publikationen: Katalog Zeitgleich-Zeitzeichen ART & Dialog Herbst

    2010, Hrsg. BBK Deutschland / / Interview auf ngo online Europa Nachrichten / /

    kaernten.tv Beitrag 4:08 Min. / / Katalog „heute ist die krone fällig“ Barbara Rapp, Hrsg.

    Galerie Rimmer / / Betrachtungen von Kunsthistorikerin Simone Kraft 


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Aktuelles - Medien Ausschreibungen

  • HA Schult und seine Trash People vor der Duesseldorfer Galerie Geuer und Geuer
Trash People on the road to Matera
    Aktion - Sassi di Matera People
    Kunst-Spektakel in Italien - die Kunst des großen Augenblicks von HA Schult

    Spektakuläre Kunstaktion von HA Schult: Vor den berühmten “Sassi di Matera”, 9000 Jahre alte Höhlensiedlungen in Süditalien und seit 1993 UNESCO-Welterbe, stellt der Düsseldorfer Künstler am 24. August 2019 etwa 800 bis 1000 lebensgroße Skulpturen auf – seine legendären “Trash People” (Müllmenschen).

    Einige dieser Figuren sind aus Steinen des dortigen Steinbruchs gefertigt. A Bis zum 27. Oktober 2019 kann man die Werke in Matera bestaunen. Es werden mehr als 2 Millionen Besucher erwartet!

    „Seit Jahrzehnten gelingt es HA Schult immer wieder, das öffentliche Bewusstsein durch gelebte Bilder zu beleben, indem er auf öffentlichen Plätzen Themen inszeniert, die genau diese Öffentlichkeit zu verdrängen beliebt.

    Stets stellen seine Arbeiten Beziehungen her zu dem Ort, an dem sie ausgestellt sind“, erklärt Peter Weibel, Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe.

    Hintergrund zu Matera:

    Während der Zeit des italienischen Faschismus verbannte Mussolini seine politischen Gegner nach Matera. In seinem berühmten Buch „Christus kam nur bis Eboli“, 1945 erschienen und 1979 von Francesco Rosi verfilmt, beschreibt der Schriftsteller Carlo Levi die unerträglichen Umstände, unter denen die Regimekritiker dort leben mussten.

    Noch bis in die 60er Jahre hausten Menschen ohne Strom und fließendes Wasser in den Höhlen Materas – die Stadt galt als Schande Italiens. Heute ist Matera europäische Kulturhauptstadt 2019. Zeitgleich zur Ausstellung von HA Schult werden dort Szenen des brandneuen James Bond mit Daniel Craig gedreht.

    HA Schult hält unserer Konsumgesellschaft schonungslos den Spiegel vor, seine Kunst ist unbequem und aktueller denn je. Bereits vor 50 Jahren machte er auf das Thema Umweltschutz aufmerksam, setzte sich zum ersten Mal 1969 mit der Luftverschmutzung und dem ökologisch, soziokulturellen Ungleichgewicht auseinander.

    Auf der documenta 1972 ließ er einen Vietnam-Veteranen einen Berg leerer Coca Cola-Flaschen bewachen – die MP im Anschlag.

    Sein Volk der “Trash People” stand schon auf dem Roten Platz in Moskau, im National Geographic Museum von Washington D.C., in Paris vor Le Grand Arche, im Ariel Sharon-Park von Tel Aviv, auf dem Grand-Place in Brüssel, dem Place de Clairefontaine in Luxemburg, der römi¬schen Piazza del Popolo, dem Plaza Real von Barcelona, vor dem Kölner Dom, vor Schloss Kilkenny in Irland, im Grazer Palais Herberstein, vor dem Berliner Schloss, auf der Grossen Mauer Chinas und vor den Pyramiden von Gizeh, in 2.600 m Höhe unter dem Matterhorn,  in 860 m unter der Erde im Salzstock von Gorleben, und im nicht mehr so ewigen Eis der Arktis.

    HA Schults “Müllmenschen-Trip” quer durch Europa startete von Düsseldorf aus, wo die Skulpturen nach einer Pressekonferenz in der Galerie Geuer & Geuer in einen extra langen LKW mit der Aufschrift “GO Matera GO!” verladen wurden. Zahlreiche Fotografen, Medienvertreter und Passanten waren vor Ort, um den Auftakt der Reise zu verfolgen.

    Preview:

    Samstag, 24. August 2019

    18 Uhr

    Maison D´AX

    Via Muro 35/37

    75100 Matera

    (Senator Salvatore Tito Di Maggio und Kurator Fabio Di Gioia sind anwesend)

    Empfang:

    Samstag, 24. August 2019

    21 Uhr

    Chiesa di Sant´Agostino

    Via D´Adozzio

    75100 Matera

    (Beide Veranstaltungen nur für geladene Gäste)

    Empfang: (öffentlich)

    Sonntag, 25. August 2019

    11 Uhr

    Chiesa di Sant´Agostino

    Via D´Adozzio

    75100 Matera

    (Einführung durch Senator Prof. Vittorio Sgarbi)

    Vernissage: (öffentlich)

    13 Uhr

    Galerie Opera Arte & Arti

    Via Ridola 4

    75100 Matera

    (Einführung durch Galerist Enrico Filippucci)

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  • Rick Kavanian, die deutsche Stimme von Stu Kumail Nanjiani rockt Berlin
    STUBER - 5 STERNE UNDERCOVER
    Rick Kavanian rockt Berlin - schier endlose Lachsalven

    Am Dienstagabend, 13. August 2019, feierte das Kino in der Kulturbrauerei die abgefahrenste Komödie des Jahres: STUBER – 5 STERNE UNDERCOVER.

    Vor Beginn der Vorstellung heizten Dominik Porschen und Malternativ dem Publikum ordentlich ein, um dann den Stargast des Abends auf die Bühne zu holen: Comedian, Synchronsprecher und „fucking Legende“ Rick Kavanian.

    Zur Einstimmung auf den Film begeisterte Rick das Saalpublikum live von seiner Sprachakrobatik - selbstredend, dass er die Idealbesetzung als deutsche Stimme von Hauptdarsteller Kumail Nanjiani als Stu ist.

    Der krachende Humor versetzte den Saal in Hochstimmung, die rasend komischen Wortgefechte zwischen Stu (Rick Kavanian/ Kumail Nanjiani) und Vic (Dave Bautista) sorgten für schier endlose Lachsalven.

    Dank AUDI wurde es für zwei Gewinner von Radio Paradiso ein ganz besonderer Abend: Sie wurden von einem Chauffeur in einem AUDI eTron zuhause abgeholt und zum Kino in der Kulturbrauerei gefahren.

    STUBER – 5 STERNE UNDERCOVER
    Ab Donnerstag, 22. August nur im Kino

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  • Malta ist das naechste Ziel des BigCityBeatsUniversums
    Road to WORLD CLUB DOME Malta
    Malta, die Sonneninsel wird bei Insidern bereits als das Ibiza 2.0 betitelt

    BigCityBeats „Road to WORLD CLUB DOME Malta 2020“ Erfolgreiche Insel-Premiere: 7.000 Gäste feierten mit Dimitri Vegas & Like Mike, Tinie Tempa und Le Shuuk im Gianpula Village

    Es war die ultimative Pre-Party zum BigCityBeats WORLD CLUB DOME Malta 2020, die da am vergangenen Samstag, den 3. August 2019, mit sensationellem Erfolg über die maltesische Inselbühne ging.

    Was für eine unvergessliche Stimmung, welch großartige Vibes, was für ein brillantes Wetter! Dazu ein DJ-Staraufgebot deluxe im Open Air Club Gianpula Village.

    Für die größten Acts und Artists der Welt ist die Location übrigens kein Unbekannter – spielten hier bereits Martin Garrix, Steve Aoki, Sasha, Erick Morillo, Roger Sanchez und Avicii, um nur einige Namen aus einer langen Line-up-Liste zu nennen.

    Malta – die Sonneninsel wird bei Insidern bereits als das „Ibiza 2.0“ betitelt. Und Malta ist das nächste Ziel des BigCityBeats-Universums. Denn in der Stadt mit UNESCO Weltkulturerbe entsteht nächstes Jahr ein neuer BigCityBeats WORLD CLUB DOME.

    Und bis es soweit ist, stimmten sich bereits mehr als 7.000 Partypeople auf das große Ereignis ein, und feierten am 03.08.2019 zusammen mit den Festival-Überfliegern Dimitri Vegas & Like Mike, mit der Rap-Sensation Tinie Tempah und dem BigCityBeats Resident-DJ Le Shuuk eine fantastische Sommerparty. Support bekamen sie vom italienischen DJ und Produzenten Cristian Marchi.

    BigCityBeats wird mal wieder neue Maßstäbe setzen, und 2020 mit einem dreitägigien Event sein globales Club-Portfolio weiter ausbauen. Der größte Club der Welt: Nächstes Jahr auf Malta.

    Die idyllische Insel mit seinen tropisch-angehauchten Küsten, mit seinen atemberaubenden Landschaft und seinen Orten, so malerisch wie aus dem Bilderbuch: Sie wird der upcoming Place to be für alle Clubber aus der ganzen Welt. Drei Tage Sommer, Sonne, Sound.

    Zum allerersten Mal in der Historie versammelt sich 2020 die Highclass der weltweit erfolgreichsten DJs. Von EDM bis House, von Techno bis Progressive, von Hip-Hop bis Trap – die Musik wird das mediterrane Eiland in eine dreitägige Party-Utopie verwandeln – mit zig Tausenden Gästen in diversen Locations.

    Von Frankfurt in die Welt: BigCityBeats steuert in seinem Headquarter die globalen Events. Egal ob das Flaggschiff in der Mainmetropole mit dem BigCityBeats WORLD CLUB DOME Frankfurt oder der Winter Edition in Düsseldorf, die Ausgabe in Asien oder der Flug in die Schwerelosigkeit – mit BigCityBeats-Gründer und Visionär Bernd Breiter bleibt man auf Party-Expansionskurs.

    Und mit der BigCityBeats WORLD CLUB DOME Cruise Edition in den Startlöchern steht das nächste Club-Abenteuer bereits unmittelbar bevor: die Fahrt auf dem Ozeanriesen Norwegian Pearl. Vom 12. bis 16. August 2019 stechen rund 2.500 Passagiere in See und fahren von Barcelona nach Ibiza und Séte auf dem Mittelmeer – mit über 50 DJs und Acts an Bord.

    Von Erfolg gekrönt ist auch die Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA, mit der man auf einzigartige Weise die Bereiche Wissenschaft & Entertainment verbindet – mit dem absoluten Höhepunkt: dem 1. Club im Weltall, wenn ESA-Astronaut und Com mander Luca Parmitano auf der ISS am 13. August 2019 ein DJ-Set aus dem Space zelebrieren und den Sound in Richtung Planet Erde „beamen“ wird – direkt auf das Schiff im Rahmen der Cruise Edition.

    Und dann ... Dann laufen auch schon die Planungen für die Winter Edition im Januar. Und so garantiert BigCityBeats nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter: Es wird heiß

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