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Exklusiv Interviews

13.06.2017 echt und raw

GFDK Redaktion

Heute wollen wir Euch ein Update von der Ausnahme Sängerin, Künstlerin und Musikerin Femme Schmidt geben. Bereits 2012 ist sie uns aufgefallen mit ihrer wahnsinnigen, rauchigen Stimme und tollen Songs. Schon ihr Name ist eine Herausforderung für den gewohnten Sprachgebrauch. Ihre glamouröse Optik hat Schmutz unter den Nägeln.

Mit der selben Nonchalance, mit der sie diese Widersprüche in sich vereint, wandelt Femme Schmidt auch über ihr verzweigtes musikalisches Spielfeld: Tarantino trifft auf Bond, Jazz auf urbane Beats, während die Belle de Nuit mit rauchig-warmer Stimme und hymnenhaften Hooks ihre kratzenden Gitarren, gurgelnden Synthie-Bässe und orchestralen Streicher zu etwas ganz Eigenem verwebt.

Femme Schmidts Pop Noir ist Stilbruch aus Prinzip.Weil sie es so will. Weil sie so ist: „Eine endgültige Femme Schmidt wird es wahrscheinlich niemals geben, dafür habe ich zu viele verschiedene Facetten in mir. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass daran irgend etwas Falsches ist. Ganz im Gegenteil: Das bin ich. Und ich liebe es, diese Widersprüche auszuleben. Alle Unsicherheiten und Zwänge abzuwerfen und einfach Ich zu sein– echt und raw.“

Femme Schmidt - Pop Noir

Der direkte Weg wäre kurz gewesen. Luftlinie liegen nur wenige Meilen zwischen zweitem Album und Debüt, zwischen dem Londoner Stadtteil Kensaltown und den ehemaligen Sleeper Sounds Studios, in denen Femme Schmidt 2011 gemeinsam mit Guy Chambers ihr selbst betiteltes Debütschrieb, aufnahm und produzierte. Doch die Route von einem Album zum nächsten führt selten nur geradeaus.

Nach der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums spielte Femme Schmidt ausgedehnte Clubtouren in Deutschland, eine Arena-Tour in Australien als Support von Sir Elton John, dazu Shows in Paris und Wien als Gast von Lionel Richie. Zuletzt begleitete sie Pop-Ikone Bryan Ferry auf dessen Deutschland-Tournee.

Den größten Bogen aber schlug Femme Schmidt auf der Suche nach dem richtigen Umfeld für neue Ideen und neue Songs. Ganz bewusst: „Jedes Album ist wie eine Reise mit einem unbekannten Ziel. Guy und ich kannten uns zu gut, um etwas aufregend Neues zu erschaffen, zumindest war das mein Gefühl. Ich musste raus aus meiner comfort zone.“ 

Von Berlin in die große Welt

Vom heimatlichen Berlin aus ging es erneut um die halbe Welt. Femme Schmidt arbeitete und schrieb mit renommierten Größen wie John Ingoldsby, Peter Vettese und Eurythmics-Mastermind Dave Stewart genauso wie mit eher den Insidern bekannten Songschreibern. „Es entstanden viele Songs, die auf ihre Art und Weise großartig sind - aber das, was ich für mein neues Album suchte, ist mir auf der Reise nicht begegnet:

Mein Partner in Crime. Diesen fand ich schließlich in James Bryan, mit dem ich in den Kensaltown Studios als ersten Song ,To The Edge‘ schrieb. Dieser Song beschreibt passend,dass man etwas wagen muss, um Neues zu schaffen; den Sprung ins Unbekannte - in der Hoffnung, dass dort irgend jemand ist, der einen auffängt.“

Schmidt ließ sich auffangen. Von James Bryan, mit dem Femme Schmidt den Großteil der Songs des Albums RAW schrieb. Von Glen Scott, der federführend die Produktion übernahm, in Kooperation mit dem Hamburger Produzenten Andreas Herbig. Und von der Studio-Gemeinschaft in Martin Terefes Kensaltown Kreativ-Komplex im Zentrum von London. Komplettiert wurde das “RAW-Team” schließlich durch den mehrfachen Grammy-Gewinner  Michael Brauer, der in den Electric Lady Studios in New York das finale Mixing übernahm.

Femme Schmidts neues Album RAW

Femme Schmidt nahm sich für ihr zweites Album Freiheit und Zeit, vertiefte sich intensiv in Ideen, Songs und Sounds. Und das Ergebnis entspricht ihr deutlich hörbar: Schmidts Stimme ist markant wie zuvor,doch ihren Pop Noir legt sie auf RAW deutlich rauer, direkter und energiegeladener an. Und anders als auf ihrem Debüt war nun nicht mehr der Herzschlag einer Metropole erste Inspirationsquelle, sondern vor allem ihr eigener:

„Die persönliche Reise der letzten zwei Jahre hat vieles in mir verändert. Ich beobachte mittlerweile weniger das Drumherum, ich konzentriere mich vor allem auf mich. Bei meinem Debüt war ich noch der Voyeur und habe alles von außen betrachtet und beschrieben. Jetzt bin ich mitten drin.“ Quelle: Warner Music

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07.06.2017 Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit

Berlin Classics - Hasko Witte

Christiane Karg im Booklet-Interview "Mir gefällt diese Möglichkeit, einen roten Faden innerhalb einer Thematik zu spannen, fernab von Komponist, Musikstil oder eines geschlossenen Opus.

Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit. Der Gedanke, das Publikum für eine Stunde in eine andere Welt zu entführen, ist jedoch sehr spannend und ich hoffe, dass es Burkhard Kehring und mir auch mit dieser Aufnahme gelingen wird."

Die in Feuchtwangen/Bayern geborene Sopranistin Christiane Karg begann ihre musikalische Laufbahn bereits in ihrer Kindheit mit Klavier-, Blockflöten- und Tanzunterricht.

Nach dem Abitur studierte sie am Mozarteum Salzburg Gesang bei Prof. Heiner Hopfner und schloss ihr Magisterstudium »Oper/Musiktheater« mit Auszeichnung ab. Hierfür wurde ihr die Lilli-Lehmann-Medaille der Stiftung Mozarteum verliehen.

Im Konzertfach konnte sich Christiane Karg früh mit den bekannten Partien in den kirchenoratorischen Werken von Johann Sebastian Bach, Händel, Pergolesi, Mozart, Haydn, Schubert und Mendelssohn profilieren.

Zu den wichtigen Engagements der jüngeren Vergangenheit gehören ihre Konzerte mit Händels »Messias« beim Schleswig-Holstein Musik Festival, die Eröffnung des Bachfestes in Salzburg, ihr Auftritt bei den Festspielen Herrenchiemsee mit Mendelssohns »Elias« unter Enoch zu Guttenberg sowie die konzertanten Aufführungen von Haydns Oper »L’isola disabitata« unter Nikolaus Harnoncourt im Musikverein Wien.

Engagements der aktuellen Saison führten Christiane Karg u. a. zum Frankfurter Museumsorchester mit Haydns »Schöpfung«, zum Mozarteum Orchester Salzburg mit Mendelssohns Lobgesang, in die Philharmonie Essen mit Mahlers Achter Symphonie (3. Sopran) und auf eine Weihnachtstournee mit dem Windsbacher Knabenchor.

Ein besonderes Anliegen ist für Christiane Karg die Gestaltung von Liederabenden. Nach Erfolgen beim Heidelberger Frühling, den Niedersächsischen Musiktagen, dem Festival RheinVokal und einem Liederabend mit Liveaufnahme beim NDR in Hamburg (Messiaen/Carter) begeisterte Christiane Karg beim Schleswig-Holstein Musik Festival mit ihrem Rezital »Tausendundeine Nacht«: »Ein Feuerwerk aus Liebe und Leidenschaft mit perfekter Stimme interpretiert.

Christiane Karg in absoluter Bestform bewies mit diesem Abend erneut ihr Ausnahmetalent.« (Hamburger Abendblatt). Mit diesem Programm war sie inzwischen auch in der Kölner Philharmonie und dem Musikverein Wien zu erleben.

An der Seite von Wolfram Rieger gastierte sie zu Beginn der aktuellen Saison mit dem Liederabend »Ein Blumenliederstrauß« bei der Schubertiade in Vilabertrán/Spanien. Für Mai 2010 ist das Duo zur Schubertiade nach Hohenems eingeladen.

Die »Nachwuchskünstlerin des Jahres 2009« (Opernwelt) profiliert sich durch ihre darstellerische Intensität auf der Opernbühne: Sie trat 2006 bei den Salzburger Festspielen mit den Mozart-Partien der Melia und des Weltgeistes auf und war dort 2007 als Madame Silberklang in »Der Schauspieldirektor« zu erleben.

Nach einem Engagement im Hamburger Opernstudio wechselte Christiane Karg zu Beginn der Spielzeit 2008/2009 als Ensemblemitglied an die Oper Frankfurt, wo sie unter anderem Susanna und Musetta sang und in der aktuellen Saison als Pamina und Servilia debütierte.

In der vergangenen Saison stand die Sopranistin außerdem als Ismene in Mozarts Oper »Mitridate« am Theater an der Wien auf der Bühne und war mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott am ETA Hoffmann Theater mit Haydns »L’isola disabitata« zu erleben.

Für ihre Darstellung des Ighino in Pfitzners »Palestrina« an der Bayerischen Staatsoper München unter Simone Young im Sommer 2009 erhielt sie ausgezeichnete Kritiken.

Nach ihrem Erfolg als Musetta in der Neuinszenierung von Andreas Homoki an der Komischen Oper Berlin kehrt sie in dieser Saison als Norina für eine neue Produktion des »Don Pasquale« an dieses Haus zurück. Für den Sommer 2010 ist sie von den Salzburger Festspielen eingeladen, den Amor in Dieter Dorns Gluck-Inszenierung von »Orfeo ed Euridice« unter Riccardo Muti zu singen.

Christiane Karg war Preisträgerin beim internationalen Gesangswettbewerb »Neue Stimmen 2007« und wurde 2008 mit einem Sonderpreis in der Kategorie Lied-Oratorium beim Internationalen Gesangswettbewerb Francisco-Vinas in Barcelona ausgezeichnet.

 

PRESSESTIMMEN:

Die Zeit
"...das vokale Ereignis des Abends, Christiane Karg als Palestrinas Sohn Ighino."

Süddeutsche Zeitung
"Diese mit Verständnis untermauerte Unfähigkeit produziert die Trauer des “Palestrina“ , die besonders schön bei Christiane Kargs Ighino, dem Sohnes Komponisten, herauskommt.

Karg singt einen phantasiebegabten Jungen, dem Um- und Zusammenbruch der Welt des Vaters größte Angst bereiten. Was ist da für ein Ahnen und Stocken in Kargs Stimme, die so ganz ohne histrionische Mätzchen eine ins Leben pubertierende Kinderseele portraitiert."

Stuttgarter Zeitung
"Herausragend: die von der Frankfurter Oper ausgeliehene Christiane Karg als Ighino."

Münchner Merkur
" Denn im Heer der Kardinäle, Bischöfe, Legaten, Patres gab es keine Schwachstelle. Eher einzelne Höhepunkte. Den ersten setzte gleich zu Beginn Christiane Karg als Palestrinas Sohn Ighino. Sie entzückte mit innigem Silbersopran und bannte das Publikum mit ihrer eindringlichen Darstellung eines alten, zerquälten Kindes. "

Crescendo
"Herausstechend, weil mit einer rein-silbrigen Sopranstimme voller Liebe und Zartgefühl beschenkt ist Christiane Karg als Ighino. Den Namen wird man sich merken müssen - etwa als Strauss‘ Sophie oder Zdenka! "

Kölner Stadtanzeiger - Gerhard Bauer
"Christiane Karg mit einem großartigen Debüt
Die stillen Sensationen sind die schönsten, und das Kölner Debüt von Christiane Karg im philharmonischen Zyklus „Die Kunst des Liedes“ fällt unbedingt in diese Kategorie.

Ein in allen Lagen ebenmäßiger, frischer, klarer Sopran - leicht klingend, noch leichter anspringend, emotional bezwingend. Die Höhe blüht und weitet sich, das Forte strahlt, das Pianissimo trägt, technische Probleme in Ton-, Farb- und Phrasenbildung scheinen nicht zu existieren.

Die großartige stimmliche Befindlichkeit entspricht dem jugendlichen Alter der Künstlerin, die differenzierte Gestaltungskunst aber verrät schon jetzt Wissen, Reife und Intuition. … führte Christiane Karg in Köln vor. Mustergültig artikuliert, in der Stimmung erfasst, im Ausdruck reich differenziert – man kam aus dem Staunen kaum heraus. …Hier mag man sich in Kolorit, Harmonik und fantastisch freier Form durchaus wie in „1001 Nacht“ fühlen – und Christiane Karg schwebte, lockte, zauberte in und aus dieser Welt. "

Generalanzeiger Köln - Christoph Zimmermann
"Eine echte Entdeckung
Karg, Ensemblemitglied in Frankfurt, darf nach dem Kölner Eindruck zu den herausragendsten Talenten im Lied-Genre gezählt werden. …in den Suleika- Gesängen vermochte Christiane Karg mit Pianofinessen und zarten Höhen zu begeistern. …der Sopran Christiane Kargs schwebte nur so durch Raum und Zeit."

Lübecker Nachrichten
"Dann geschieht es. Gleich nach der Pause. Wie Prinzessin Scheherazade zieht die Sopranistin ihre Zuhörer in den Bann... Wie flüssiges Glas zerfließt nun ihr Sopran in hell lodernden Flammenwogen... Mit Christiane Karg ist am Dienstag Abend ein wahrer Stern über der Lübecker Bucht in den Himmel geschossen."

Hamburger Abendblatt
"Christiane Karg in absoluter Bestform bewies mit diesem Abend erneut ihr Ausnahmetalent. Der Reichtum an Klangfarben, makellos in Höhe und Tiefe, aus dem ihre Stimme scheinbar mühelos schöpft, ließ sämtliche Schattierungen von Liebeslust und -leid vor den inneren Augen ihrer Zuhörer entstehen."

Die Welt
"Die junge Regisseurin vertraut der Magie des Gesangs, die uns am Premierenabend die Sinne benebelt: Mit Christiane Karg als Calisto-Primadonna geht ein jugendlich dramatischer wie koloratursahniger Opernstern am Sopranhimmel auf."

Kieler Nachrichten
"Die Sopranistin Christiane Karg, die jetzt aus dem Opernstudio an die Oper Frankfurt und damit an eines der derzeit interessantesten Häuser Deutschlands wechselt, glänzt in der Titelpartie mit einem Feuerwerk an Stimm(ungs)nuancen, gibt die sanft säuselnde, die aufmüpfige, lüsterne, tonlos enttäuschte und ins Schicksal ergebene Calisto."

Financial Times Deutschland
"Aus dem hervorragenden Ensemble beeindruckt besonders Christiane Karg mit ihrer klaren, weichen Stimme als von Jupiter getäuschte Nymphe Calisto."

Bild
"Im neuen „La Calisto“ an der „Opera stabile“ (der kleinen Bühne der Staatsoper) spielt sie die Hauptrolle: Christiane Karg, gebürtige Bayerin, ausgebildet in Salzburg, seit 2007 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper. Ihre Stimme ist großartig, ihre Präsenz unglaublich. Der kleinen Bühne gab sie eine gewisse Größe. Das Publikum dankte es ihr mit Riesenapplaus, mit Jubeln und Trampeln."

Welt online
"Die beste Show und die beste Stimme liefert auch hier Musette: Christiane Karg beginnt als blöd-arrogant durch die Gegend stöckelnde Paris Hilton und verleiht der Rolle im letzten Akt eine tiefe menschliche Dimension."

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
"Der „Star“ des Abends kam aus Frankfurt, wo die junge Sängerin ab sofort am dortigen Opernhaus engagiert ist – Christiane Karg gestaltete mit gefühlvollem, in der Mittellage wohlig und wärmend geführtem Sopran eine miniaturhafte Traumreise.

Die Britten-Lieder stellen höchste Anforderungen, Karg stand sie mühelos, immer kantilenenhaft und lyrisch durch. Da wächst eine Ausnahme-Stimme heran. Ihre Purcell-Zugabe vereinte noch einmal Anmut und Adel: bei ihr und dem Orchester."

Edel:Kultur
Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

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17.05.2017 mit einer originellen Idee berühmt werden

Michaela Boland

Seine Lexika der Rechtsirrtümer machten ihn zum Star: Über 100 Fernsehauftritte und 850.000 verkaufte Buchexemplare sprechen für sich. Nie zuvor wurde Juristerei auf so populäre Weise alltagstauglich gemacht. In allen wichtigen TV-Produktionen des Deutschen, Österreichischen oder Schweizer Fernsehens waren seine Werke längst Thema.

Doch, wer ist der Mann hinter der gescheiten Idee, juristische Volksmythen auf so amüsante Weise aufzuklären und in bare Münze zu verwandeln? 

Ein paar Antworten im Porträt des Monats über DR. RALF HÖCKER von Michaela Boland  

Er verfügt über einen geschliffenen Ausdruck, perfekte Manieren und immerhin ein solch attraktives Äußeres, dass ihn Heiratsanträge seiner Fans nach TV-Auftritten zuhauf erreichen. Seinen Intellekt hat er bereits in jungen Jahren gewinnbringend und vor allem medienwirksam eingesetzt, denn bisher gelang es wohl noch keinem Juristen, in solch rasantem Tempo und mit einer derart originellen Idee, berühmt zu werden: Dr. Ralf Höcker ist:

DER JURA-MEDIENSTAR!

Irrtümer wie: Innerhalb einer bestimmten Frist könne man von jedem Vertrag ohne Begründung zurücktreten, oder, was man geschenkt bekommt, dürfe man auf jeden Fall behalten, klärt der promovierte Rechtsanwalt in seinen Lexika ebenso auf, wie die unwahre Annahme, dass es den Straftatbestand der Zechprellerei gebe, sowie den Mythos, dass man reduzierte Ware nicht umtauschen könne, wenn sie fehlerhaft ist.

Als Autor zeichnet Höcker für das „Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2004), „Neues Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2005) sowie „Das dritte Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2008) verantwortlich. Außerdem verfasste er die bei Langenscheidt erschienene Pocket- Ausgabe von „ Anwalt-Deutsch/ Deutsch-Anwalt“ (2009), sowie als Co-Autor das „Lexikon der kuriosen Rechtsfälle“ (2007)..  

Eine lichtdurchflutete moderne Kanzlei im Herzen Kölns. Die schicke Adresse am Friesenplatz steht der avantgardistischen und klar strukturierten Einrichtung des Rechtsanwaltsbetriebs in nichts nach. Große, vornehmlich weiß eingerichtete Büroräume mit dann und wann einmal geschickt gesetzten Grünakzenten, bieten insgesamt sechs promovierten Anwältinnen und Anwälten in der renommierten Kanzlei „Höcker Rechtsanwälte“ nicht nur ausreichenden Platz, sondern wohl auch ein äußerst angenehmes Arbeitsklima. Dies ist die Schaffensstätte meines heutigen Gesprächspartners.

Ralf Höcker (38) öffnet mir am Sonntagnachmittag höchstpersönlich die Tür. Der 1,89 m große, mittelblonde Jurist war am Vorabend erst spät zurück nach Köln gekommen, nachdem er in Bayreuth einen Vortrag über sein Fachgebiet, Medienrecht, gehalten hatte.

 Im edlen hellgrauen Hemd, schwarzen Samt Jackett und dunklen Jeans wirkt der Rechtsirrtums-Experte heute wesentlich legerer als man ihn von seinen Fernsehauftritten her kennt. Von seinem luxuriösen Eckbüro im vierten Stock aus hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Kölner Dom mittelbar im Visier. 

„Hast Du eine Lebensphilosophie“, beginne ich das Gespräch. Spontan antwortet der gebürtige Kölner überzeugt: „ Man sollte nur tun, was einem Spaß macht.“ Dies scheint Höcker für sich umgesetzt zu haben. Hatte er sich doch bereits bei der Frage nach der Berufswahl nach eigenem Dafürhalten hundertprozentig richtig entschieden.

 Obgleich er sich zunächst kurzfristig auch einmal für Psychologie, Archäologie und ernsthaft, ohne dass Mathe jemals „sein Ding“ gewesen wäre, sogar für ein BWL-Studium interessiert. Dann habe ihn jedoch der gewonnene Einblick ins Studium der Rechtswissenschaften seines alten Freundes, Gregor Tüsing, auf die rechte Idee gebracht. Tüsing ist heute Professor an der Universität Bonn.

 Für Ralf Höcker wurde aber schon im Studium klar, dass für ihn ausschließlich der Anwaltsjob in Frage komme: „Für ein Ziel zu kämpfen, es am Ende zu erreichen und sich mit dem Mandanten darüber zu freuen, das ist, was Spaß macht und immer wieder den Antrieb gibt.“

 Der Umgang mit Sprache war für den Anwalt auch ein Anreiz. Dies mag kaum verwundern, denn der unverheiratete Rechtswissenschaftler ist nicht nur ausgesprochen eloquent und rhetorisch versiert, sondern verfügt auch über eine durchaus angenehm wohlklingende Stimme. Wer ihn so erlebt, wird ihn, mit seinen ebenmäßigen Gesichtszügen, klaren blauen Augen und frech ins immer noch jungenhafte wirkende Gesicht, gekämmten Haaren, einfach sympathisch finden.

Doch so wie er das Kämpferische an seinem Job liebt, so setzt sich Höcker auch für seine Mandantschaft ein, zu der zahlreiche Prominente zählen. Am eigenen Leibe konnte das ein ostdeutscher Bürger im vergangenen Jahr erleben, der Höckers Mandantin Heidi Klum, wider besseres Wissen und ohne Erlaubnis auf einem Werbeplakat für eine von ihm veranstaltete Party abdruckte.

 Dr. Höcker erstritt einen Schadensersatz in mehrstelliger Höhe für das deutsche Top Model, die der verklagte Hartz IV-Emfpänger von Jenny Elvers-Elbertzhagen aus Mitleid zur Verfügung gestellt erhielt. „Schadet es im Allgemeinen grundsätzlich Deinem Image, wenn Du als Rechtsirrtumsexperte, der für viele mit Sicherheit auch als Anwalt gerade für die kleinen Leute wirkt, wenn Du beispielsweise einen ALG II-Empfänger verklagst“, will ich von Höcker wissen.

 „Gar nicht“, erläutert der Jurist, „Meinem Image schadet es nur, wenn ich irgendetwas falsch mache, auch kleine Leute können sich daneben benehmen und Fehler machen und wenn man dann als Anwalt für seinen Mandanten dagegen vorgeht, dafür hat ja eigentlich jeder Verständnis.“  

Ralf Höcker wurde am vierten März 1971 in Köln geboren. Sein Vater arbeitete 40 Jahre als diplomierter Maschinenbauingenieur, bevor er in Rente ging, seine Mutter ist Hausfrau. Der jüngere Bruder verdingt sich als Immobilenmakler. Gerade Höcker Senior ist wahrscheinlich gar nicht mal so unbeteiligt am Faktum, dass Filius Ralf auf die Idee mit den Rechtsirrtümern kam.

 Schon vor langer Zeit stellte Ralf Höcker fest, dass Menschen an sehr viele Dinge glauben, die nichts mit der Realität zu tun haben, die sich aber festsetzen, weil sie immer wiederholt werden. So wollte selbst sein eigener Vater, dem früheren Jura-Studenten in den Anfangssemestern nicht abnehmen, dass der Unterschied zwischen Mord und Totschlag nicht darin zu sehen ist, dass Mord geplant sei und Totschlag im Affekt geschehe, wie viele glauben.

 Vater Höcker jedenfalls wollte dies damals nicht wahrhaben und empfahl seinem Sohn, doch einfach noch ein paar Semester zu studieren. Heute wird der Vater dem Sohne wohl Glauben schenken. Denn der klärte die Bevölkerung in seinen Büchern derart gut über sämtliche juristischen Unwahrheiten auf, dass ein pfiffiger Veranstalter auf die Idee kam, aus Höckers Gedankengut eine Bühnenshow zu konzipieren. In 20 deutschen Städten überzeugte der Anwalt sodann auch noch als Entertainer im Rahmen des komplett ausgelasteten Bühnenprogramms: „Ein§pruch! Die große Rechtsirrtümer-Show“. 

„Wolltest Du schon immer auf die Bühne“, frage ich ihn. „Also mich hat es mit Sicherheit schon immer auf die Bühne gezogen“, erläutert Höcker, „ich bin schon zu Schulzeiten in der Theater AG gewesen, wo ich gemerkt habe, dass mir die Bühne Spaß macht.“ Und so etwas habe man in gewissen Situationen natürlich auch im Gerichtssaal, fügt er trocken hinzu.

 Ob einem bei so viel Erfolg nicht auch zwangsläufig Neid entgegenschlägt? „So direkt sagt es einem natürlich keiner, aber hintenrum bekommt man schon das eine oder andere mit“ erzählt Ralf Höcker. „Es gibt Lästereien, die über drei Ecken angetragen werden, bei denen ich mir vorstellen könnte, dass es Neid ist. Da heißt es, meine Bücher seien schlecht und das kommt besonders häufig von Anwälten, die auch als Buchautoren tätig sind“, konstatiert der überzeugte Kölner.

 Interessant sei daran jedoch, dass Höcker um ein Vielfaches mehr Bücher verkauft habe, als jene “Lästesterschwestern“. Während der Anwalt an seinem Schreibtisch sitzend einen Blick ins Netz auf die Seite freundederkuenste.de werfen möchte, bemerke ich auf dem Wandsteckboard hinter ihm zwei Paar globige Turnschuhe, oberhalb der Mandantenakten dekorativ drapiert.

 „Was hat es damit auf sich“, möchte ich wissen.

"Das sind gefälschte Nikes“, berichtet der Kölner Jurist. In einem Prozess war es darum gegangen, dass die unechten Markenschuhe ohne Kenntnis des Importeurs von der Nichtechtheit hergebracht wurden. „Die Schuhe habe ich mir hier, in Absprache mit der Firma Nike, mal so hingestellt“, sagt Höcker, der damals den Importeur vertreten hatte und fügt hinzu, dass Nike darauf verzichtet habe, dass die beiden Paare vernichtet würden und sie deswegen jetzt hier stehen dürften.  

Auf die Frage, wie es denn mit der eigenen sportlichen Betätigung aussehe, erinnert sich der Jura-Medienstar an vergangene Zeiten: „Ich habe früher mal Sport gemacht, womit ich jetzt mal langsam wieder anfangen sollte, schließlich heißt es, mit 20 kann man Sport machen, mit 30 soll man Sport machen und mit 40 muss man Sport machen“, witzelt Höcker.

 Seine frühere auserkorene Disziplin war Judo: „Ich war kurz vorm braunen Gurt, hatte aber noch blau.“ Diesen Sport könnte er sich auch mal wieder vorstellen, wenngleich er auch vor nicht allzu langer Zeit erst unter Beweis stellen konnte, dass er seine frühere Grifftechnik nach wie vor drauf hat: Bei einem Bar-Besuch mit einem Freund stieß Höcker auf einen Jackendieb, der es auf das Kleidungsstück seines Freundes abgesehen hatte. „Den habe ich bemerkt und dann hat er da herum randaliert.

 Da nahm ich ihn in den Haltegriff und habe gewartet bis die Polizei da war.“ Held Höcker findet, dass gerade das Schöne an dieser Sportart sei, dass sie nicht brutal, sondern nur dazu geeignet scheint, den Gegner kampfunfähig zu machen ohne ihn zu verletzten. Ob er dieses Motto auch seinen Studenten vermittelt? In jedem Fall scheint er riesig bei ihnen anzukommen.

 Seit September 2008 lehrt der Jurist nämlich auch an der Cologne Business School Fächer wie Medienrecht oder internationales Privat- oder Handelsrecht. Von seinen Studenten hat Höcker einen kleinen silbernen Pokal mit der Aufschrift: „Lecturer of the year“ geschenkt bekommen, welcher jetzt ebenfalls auf dem Regal hinter seinem Schreibtisch Platz gefunden hat.  

In seiner eigenen Ausbildung hat Höcker, der nach dem deutschen Jura-Studium und der Promotion zum Dr. iur. auch noch ein Studium in London in Interlectual Property Law absolvierte und den LL.M (Master of Laws) erwarb, auch unterschiedliche Stagen in großen internationalen Anwaltssozietäten durchlaufen, bevor er sich später selbständig machte .

Du warst bei Willoughby & Partner in London sowie bei der ebenso international renommierten Kanzlei Linklaters, Oppenhoff & Rädler tätig. „Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen“, möchte ich wissen.

 „Vor allem zwei Mandanten“ erwidert Höcker, “Sonst hätte ich das nämlich nicht gemacht mit der Selbständigkeit. Ansonsten habe ich natürlich viel gelernt. In solchen Großkanzleien erhält man Schliff. Man lernt einfach den Anspruch, dass jeder Schriftsatz, der herausgeht, perfekt sein muss. Man hatte ja Chefs, die hoch spezialisiert waren und jede Entscheidung auswendig kannten.

 Wenn man da mal kleine Fehler gemacht und nicht gründlich genug recherchiert hat, hat man das aber sehr deutlich zu spüren bekommen.“ Die vernünftige Arbeitseinstellung praktiziere er „zur Freude“ seiner Kollegen nun auch in seinem Betrieb. Dort beginnt sein Arbeitsalltag zwar vormittags erst zwischen 10. 00 oder 11.00 Uhr, endet dafür aber auch nicht von 22.00 oder 23.00 Uhr am späten Abend.

 Zum Leben nutzt der in einer Beziehung lebende Höcker, der sich selbst als „ehrgeizig“, „umtriebig“ und mit Sicherheit „als Macher“ bezeichnet, dann das Wochenende. Doch zu 90 Prozent sei er in der Kanzlei tätig, die Unternehmen und Prominente im Medien- und Markenrecht vertritt. Alle anderen Aktivitäten, wie Vorlesungen, Managerseminare und Auftritte integriere er in den Kanzleialltag.  

Auftritte wird es in Zukunft noch jede Menge geben. Nach der erfolgreichen Pilotierung eines TV-Formates auf Grundlage seiner Rechtsirrtümer-Bücher im Juni dieses Jahres wird „RTL jetzt wohl auch im Frühjahr eine Staffel mit sechs neuen Folgen Einspruch – die Show der Rechtsirrtümer senden“, verrät der Anwalt, der die Show gemeinsam mit einer Moderatorin präsentieren wird.

 Es läuft also alles Rund, für den Mann der früher einmal, die Farbe Rot und die Zahl Sieben zu seinen Glücksbringern erkoren hatte. Dass sich das Thema Rechtsirrtümer in allzu naher Zukunft einmal auslaufen könnte, glaubt der Anwalt, dessen Herz nicht sonderlich an Sachen hängt und der etwas ruhelos alle zwei Jahre umzieht, nicht: „ Die Rechtsirrtümer sind ja nur ein Vehikel, um juristische Themen anzusprechen.

 Ich selber kann mir schon nicht alles merken, was ich geschrieben habe und lese mitunter in meinen eigenen Büchern. Wie soll sich ein Normalverbraucher da alles auf einmal merken? Das heißt, das, was ich erzähle hat eine Halbwertszeit von vielleicht einem Jahr, dann haben es die meisten wieder vergessen und dann kann man es den Leuten wieder neu in Erinnerung rufen.

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, auf die neue Show und darauf, was sich der pfiffige Anwalt aus Köln in Zukunft noch so alles einfallen lassen wird, um den Menschen das für Laien oft unverständliche Recht auf so ausgefallene witzige Weise ein Stückchen näher zu bringen.

links:

http://www.hoecker.eu/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_H%C3%B6cker

 

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17.05.2017 Ihr Motto - „Ich gebe nie auf!“

GFDK - Andrea Croneder

Seit 2003 führte Ulrike Adler (*1972, Konstanz) die Galerie Adler in Frankfurt am Main. Sie vertritt junge, ausdrucksstarke Positionen der zeitgenössischen Kunst, von denen sie bereits einige erfolgreich in bedeutenden Sammlungen und Museen unterbringen konnte.

Nach einem BWL Studium mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft und Marketing in Verbindung mit  einigen Jahren Berufserfahrung, wuchs der Wunsch etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Verschiedene Tätigkeiten bei Start Ups im In- und Ausland, vermittelten ihr Erfahrungen in der Unternehmensgründung – und vor allem die prickelnde Aufbruchstimmung der New Economy.

Schließlich war klar, dass „ein Weg zurück in die Finanzmärkte bzw. in ein großes Unternehmen plötzlich nicht mehr in Frage kam, der Austausch mit Gründern war zu spannend.“

Die Frage, weshalb sie sich gerade die Kunstszene aussuchte, ist einfach beantwortet:

Im Jahr 2000 war das Internet noch jung und eine Internetgalerie eine absolute Marktlücke. Zudem war Kunst schon immer ihre Leidenschaft.

2001 wagte sie schließlich den entscheidenden Schritt und gründete mit www.BigArt.de die erste Internetgalerie Deutschlands. Ein Geschäftskonzept, die ihr umgehend zahlreiche Auszeichnungen einbrachte.

Die Idee war so einfach wie genial und das nötige Selbstvertrauen hatte sie ebenfalls.

Den Nutzen sah sie darin, besonders Laien das Finden, Aussuchen und Kaufen von Kunst zu erleichtern. Kunstsuchende, die bei BigArt surften, sollten dies auch ohne Fachwissen tun und sich das endlose Abklappern von Galerien sparen können.

Auswahl und Erwerb eines Werks sollte über einfache Kriterien wie Kategorie, Material, Farbe, Breite, Höhe und Preisklasse ermöglicht werden. Die sich an die Vorauswahl anschließende persönliche Beratung durch Ulrike Adler, inklusive einer Besichtigung der Wohnung des Interessenten und einem Besuch beim Künstler, war dazu gedacht, alle Gegebenheiten und Wünsche aufeinander abzustimmen.

BigArt.de fungierte als Vermittler zwischen Künstlern, Sammlern und Kunstinstitutionen und war gleichzeitig ein Forum für alle Kunstinteressierten, die sich über aktuelle Ausstellungen und wichtige Geschehnisse in der Szene informieren wollten.

Durch die Realisierung von Shows und Atelierbesuchen konnte Adler die im Internet geknüpften Kontakte zusammenführen und erreichte auf diese Weise eine optimale Verknüpfung von virtueller und realer Welt.

Bereits nach zwei Jahren stellte sie fest, dass ihr Wunsch, sich mehr für ihre Künstler zu engagieren, sie zu fördern und auf Messen vorzustellen, bedeutete, dass sie eine „echte“ Galerie gründen müsste.

Und das, obwohl „es eigentlich nie mein Traum“ war „eine Galerie zu führen“ wie sie selbst rückblickend sagt. Neben der Möglichkeit sich effektiver einsetzen zu können, war es vor allem das Bedürfnis, eine Plattform für jene Künstler zu schaffen, mit deren Richtung und Aussage sie sich identifizieren konnte.

Die Entdeckung der in Boston lebenden Videokünstlerin Alex McQuilkin, deren Arbeiten sie 2003 auf der Armory Show zum ersten Mal sah, untermauerte diesen Entschluss. Die Begeisterung für Künstler, die sich in ihren Werken mit den Widersprüchen des Lebens auseinandersetzen, die auch vor Tabubrüchen nicht zurückschrecken, war geweckt und die Richtung der Galerie damit vorgegeben.

Ulrike Adler ist sich sicher, dass eigenwillige Positionen und existenzielle Themen immer Bestand haben, ganz egal wie kontrovers sie diskutiert werden, denn:

Die Kernfragen des Lebens beschäftigen uns alle und sind deshalb auch häufig Thema in der Kunst. Seichte Themen und dekorative Motive fesseln den Betrachter nur für kurze Zeit.“    

2006 nutzte Ulrike Adler ihre zahlreichen geschäftlichen wie privaten Verbindungen nach New York, wo sie ein halbes Jahr gelebt hatte und wo sie bis heute die Hälfte ihrer Zeit verbringt, um dort eine Zweigstelle zu eröffnen.

Zwei Jahre später lief der Mietvertrag der Dépandance aus und eine massive Mieterhöhung bewegte Adler dazu, die Galerie zu schließen und stattdessen nur noch ein Büro zu unterhalten. Gerade noch rechtzeitig, um den schlimmsten Folgen der Finanzkrise zu entgehen.

Momentan konzentriert sie sich in New York vor allem auf die intensive Kontaktpflege zu Sammlern und Kunstbetrieben.

Die durch die Krise hervorgerufene schwierige Finanzsituation schreckt sie nicht, obgleich sie sie durchaus realistisch einschätzt:

„Kunst ist kein Grundnahrungsmittel. Wir werden jetzt eher wieder Käufermärkte sehen, die Preise werden sich nicht mehr überschlagen. Wer über ein genügend großes Polster verfügt, und dazu zählen doch viele langjährige Sammler, der lässt sich nur wenig beirren.

Aber auch viele junge Leute, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, interessieren sich für Kunst, ob für die eigenen vier Wände oder die Mini-Sammlung. Wenn da der Job in Gefahr gerät, werden allerdings schnell andere Prioritäten gesetzt. Für mich heißt dies: intensiven Kontakt zu den Sammlern und Interessenten halten und wachsam sein, wie sich das Geschäft entwickelt.“

Vor circa zwei Jahren, als die Arbeit drohte, überhand zu nehmen, stellte Ulrike Adler Saskia Dams ein, wodurch die Galerie einen deutlichen Auftrieb erfuhr. Die junge Kunsthistorikerin, die sich ebenso versiert wie engagiert für Kunst und Künstler einsetzt, sorgt dafür, dass sich Ulrike Adlers Wunsch

„das Galerieschifflein mit allen seinen Mitruderern heil durch die stürmische See“ zu bringen, erfüllt.

Dabei wird sie außerdem noch durch drei freie Mitarbeiter unterstützt, die jeweils da anpacken, wo Not am Mann ist und den Erfolg der Galerie als persönliche Angelegenheit sehen.

Die vergangenen Jahre waren aufreibend und anstrengend – Urlaub oder Verschnaufpausen gönnt sich Ulrike Adler kaum, denn der Aufgabenberg wächst stetig und die Verantwortung ist hoch. Gerade die jungen, noch nicht etablierten Künstler leben oft von der Hand in den Mund und sind auf das Geld aus Galerieverkäufen angewiesen, um sich Materialien und Ateliermieten leisten zu können.

Die Motivation trotz all der größeren und kleineren Belastungen und Schwierigkeiten immer weiter zu machen, liegt zum einen darin, dass es der Galeristin viel Freude macht, junge Künstler zu entdecken, aufzubauen und zu etablieren. Zum anderen wäre da noch ihr Leitsatz, der sie so entschieden und voller Optimismus durchhalten lässt: „Ich gebe nie auf!“

 

 

 

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17.05.2017 Man fragt sich: Wo habe ich das schon einmal gesehen?

Dr. Ulrich Heimann

Beginnen wir damit, ein Bildinventar anzulegen, uns einen Überblick über die Requisiten der ganz eigenartig reizvollen, phantastischen Bildwelten Marina Sailers zu verschaffen.

In älteren Bildern werden wir als Betrachter oft in Innenräume versetzt, angefüllt mit Postermöbeln, Stühlen, Betten, Kissen, üppig floralen Stoffen, Teppichen,  Kleiderständern, Lampen, Treppenhäusern mit reich verzierten Geländern.

Gelegentlich werden diese Räume bewohnt von einer träumerischen weiblichen Person, meist mehr oder weniger ausgeprägt  ein Selbstbild der Künstlerin, manchmal als Gips- oder Marmorbüste.

Außerdem werden die Innenräume bevölkert von Adlern, Tauben, Schwänen und verschiedenen exotischen Vögeln; von Katzen, Schmetterlingen, Möpsen, Tigern und Fischen.

Die Fische tummeln sich (wenn sie nicht unter unseren Augen den Adlern zum Opfer fallen) im Wasser, das auf vielen Bildern von einer offenstehenden Tür her die Räume überflutet und Gegenstände wie Schuhe, Bücher, Farbflaschen, Bilder in Bewegung versetzt.

In jüngster Zeit entführt Marina Sailer den Betrachter hinaus ins Freie: auf einer Brücke, an einem See, im Wald handelt das Bildgeschehen, bei dem die Künstlerin nurmehr Regie führt statt selbst zu agieren. Denn neuerdings tritt die Künstlerin in ihren Bildern nicht mehr als Selbstporträt kostümiert auf, sondern ihre Präsens in den Bildern zeigt sich in dem, was sie schildern.

Oftmals hat dieses – in den Augen eines Mannes sehr weibliche – Bildinventar etwas an sich, das es uns irgendwie bekannt vorkommen lässt. Man fragt sich: Wo habe ich das schon einmal gesehen? und findet im eigenen Bildgedächtnis recht schnell Antworten:

Dieser Fußboden erinnert mich an eine Zeichnung Picassos aus der Zeit um 1920; dieser Wald  – einschließlich des Farbauftrags – an Max Ernst, die Stoffe oder die Geländer an Matisse, der Tiger an Delacroix. Das sind aber nur die Konnotationen eines Betrachters; wenn man die Künstlerin fragt, versichert sie, sie wisse meist nicht so genau, von woher ihr Unterbewusstsein ihr die Bilder zuspiele.

Wenn sie sich doch erinnert, bekommt man  – verbunden mit dem Vergnügen eines Aha-Erlebnisses – bereitwillig Auskunft: diese nackte Frau auf einem altertümlichen Fahrrad stammt von einem Bild aus einem Band mit pornographischen Fotografien aus dem 19. Jahrhundert; dies ist eine „Real doll“, mit der sich irgendein Rockstar hat fotografieren lassen.

Jedenfalls wird deutlich, wie sich Marina Sailers Phantasien bebildern: sie bedienen sich – wie ein Großteil der aktuellen Kunst – aus dem uferlosen Haushalt, den die flottierende Bilderflut unserer Tage bereitstellt.

Auffällig ist dabei die häufige Bezugnahme auf künstlerische Bildwelten von den „Klassikern“ bis in die aktuellste zeitgenössische Malerei. Beispielsweise mach sich neuerdings eine neonfarbene, giftig-vulgäre Nuance in Marina Sailers Kolorit bemerkbar, dem man bei so manchem anderen Zeitgenossen ebenfalls begegnen kann.

So bieten ihre Bilder sich den Betrachtenden als Konfigurationen aus heterogensten Elementen und Quellen dar, die sich jedoch – selbst wenn man um deren Herkunft weiß – keinesfalls dauerhaft enträtseln lassen; vielmehr bestehen die Bilder und die Geschichten, die sie erzählen, unerschütterlich auf ihrer Hermetik, auf ihrer Privatheit, auf ihrer Undechiffrierbarkeit.

Es sind ausnahmslos Bilder von rückhaltloser Subjektivität, in denen Marina Sailer ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Träume und ihren Humor verarbeitet. Diese Verarbeitungen von wie auch immer – im Tagtraum oder in Wirklichkeit – erlebter (vor allem gesehener) Wirklichkeit sind sichtlich weniger Resultat von Reflexion als vielmehr von Intuition. 

Zwei Stichwörter - Heterogenität der Bilder sowie ihr erzählerischer Charakter, ihre narrativen Eigenschaften - bedürfen einer kurzen Erläuterung. Mit dem Narrativen, dem Erzählerischen der Bilder ist gemeint, dass Marina Sailers Bilder sich als Fixierungen von Momenten aus geheimnisvollen Erzählungen geben.

Diese fixierten Momente sind keine „fruchtbaren Augenblicke“ im Sinne Lessings, lassen also keine Rückschlüsse auf ein „Davor“ und ein „Danach“ zu, bieten keine Möglichkeit, ein im „fruchtbaren Augenblick“ kulminierendes Geschehen schlüssig zu rekonstruieren.

So stehen sich alle Faktoren der Erzählung in den Augen der Betrachtenden unverbunden und einander fremd gegenüber, so sehr wir Betrachtenden auch ihre ursprüngliche Stimmigkeit spüren.

Für Novalis, einen der frühromantischen Vordenker der künstlerischen Moderne, ist genau diese Heterogenität unverzichtbares Ferment aller modernen – und wir Heutigen können ergänzen: auch und erst recht der postmodernen Kunst. Poesie sei, so schrieb Novalis in seinen Fragmenten, offenbartes Gemüt, und weiter, als habe er Bilder wie die von Marina Sailer vor Augen:

„In unserem Gemüt ist alles auf die eigenste, gefälligste und lebendigste Weise verknüpft. Die fremdesten Dinge kommen durch Einen Ort, Eine Zeit, Eine seltsame Ähnlichkeit, einen Irrtum, irgend einen Zufall zusammen. So entstehen wunderliche Einheiten und eigentümliche Verknüpfungen.“

In Kunstwerken sei, so Novalis keine Einheit als die Einheit des Gemüts, und „nichts ist poetischer als als alle Übergänge und heterogene Mischungen“. (Fragmente und Studien II Nr. 337, 343, 419, 221, in: Novalis, Werke, Tagebücher und Briefe, Bd. 2, München 1978)

Die Einheit dieser heterogenen Kompartimente stellt sich in Marina Sailers Bildern vor allem über die malerische Handschrift her; die Fabulierlust der Malerin teilt sich auch als lustvolle Malerei mit, und so steckt sie uns Betrachtende an, unter das Interieur ihrer zur eigenen Dezentrierung animierenden Innenräume und unter die Requisiten ihrer Landschaften auch unser Innenleben, unsere Phantasien, Wahrnehmungen und Konnotationen zu mischen. 

Dr. Ulrich Heimann, Kunstakademie Düsseldorf

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06.05.2017 Sie würde auch in der Wildnis leben

Arndt von Themroc

Wenn sich jemand in unsicheren Zeiten aufmacht um Menschen in aller Welt kennenzulernen und seine Erfahrungen in Musik ausdrückt, so ist dies etwas sehr Verbindendes und Schönes. Seit sie 15 Jahre alt ist, bereist die Sängerin und Komponistin Tabea Mangelsdorf (Tabeah) aus Abenteuerlust und Interesse am Menschen die Welt.

Die gebürtige Potsdamerin hat nun mit ihrer Band Tabeah ihr Debut-Album „Stars at Eye-Height" veröffentlicht, auf dem sie mit poetischen Songs ihren Erfahrungen Ausdruck gibt.

Arndt von Themroc hat für die Freunde der Künste mit Tabea Mangelsdorf (Tabeah) über ihre musikalischen Ursprünge, Einflüsse und Ziele gesprochen.

Woher kommst du/ihr?

Ich komme aus Potsdam. Seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich von dort aber immer wieder ausgeflogen und habe in Australien, den USA, Indien und Brasilien gelebt. Nach meinem Pop-Gesangsstudium in Osnabrück ziehe ich gerade wieder nach Berlin. Meine Bandmitglieder kommen aus Hannover, Münster, Detmold, Ostfriesland und Spanien.

Seit wann machst du Musik?

Ich habe schon als kleines Kind Musik gemacht. Flöte natürlich und irgendwann habe ich immer mehr Klavier gespielt. Aber gesungen habe ich erst mit 18, denn ich war ein total introvertierter Stummfisch! Ab dem Zeitpunkt habe ich dann immer mehr Konzerte gesungen.

Was bedeutet der Bandname? Warum habt ihr diesen Namen ausgewählt?

Ich habe damals lange überlegt wie wir als Band heißen sollen. Aber diese Musik bin einfach ich! Tabeah ist daraus entstanden, dass ich meinen Namen Tabea um ein `h´ erweitert habe. Es symbolisiert meine Künstlervision. In der hebräischen Handschrift wird das `h` wie ein offener Kanal gezeichnet und das hat so eine Art spirituelle Bedeutung. Und das ist auch was ich als Künstlerin sein möchte: ein offener Kanal für etwas Größeres.

Was sind deine/eure musikalischen Einflüsse?

Die Musiker aus meiner Band kommen aus sehr verschiedenen Stilen. David K. Ehlers (keys) kommt hauptsächlich aus dem Hip Hop und R’n’B, Claas-Henning Dörries (bass) aus dem Post-Rock, Christian Grothe (git) ist sehr viel in der Ambient-Szene unterwegs und unser Drummer Simon Jurczewski steht auf Elektro. Ich selber bin mit klassischer Musik aufgewachsen und habe vier Jahre klassischen Gesang in den USA studiert, bevor ich mich entschied meine eigene Musik zu machen und Pop zu studieren.

Das hört man in den klassischen Streicher Arrangements und vielleicht den eigenwilligen, Song-unähnlichen Strukturen der Lieder. Irgendwann habe ich Jonsi (den Sänger von Sigur Ros) für mich entdeckt. Aber ich höre eigentlich alles was mich irgendwie berührt und mitnimmt. Doch wenn ich komponiere schreibe ich das, was mir kommt erst mal ungefiltert auf, ohne dabei auf Stil zu achten.  

Und ich habe als Kind mehr gemalt als gesprochen. Das hat einen großen Einfluss, denn wenn ich komponiere, male ich innerlich oft bunte Fantasiewelten und weite Landschaften.

Wie schreibt und entwickelt ihr eure Songtexte? Hast du selbst Dinge erlebt und Erfahrungen gemacht in denen es in deinen Songtexten geht?

Die Texte schreibe alle ich. Einige Texte entstehen durch Lebensgeschichten, die mir Menschen auf meinen Reisen in Indien, Israel, Palestina oder Exiltibet erzählten. In anderen Texten bin ich sehr politisch und stelle vieles in Frage. Die Songs der neuen CD geben meinen Sehnsüchten nach innerer Lebendigkeit, verspielter Wildheit und absoluter Freiheit einen Ausdruck.

Was erwartet den Hörer auf eurem Album?

Man wird eingehüllt in eine Klangdecke und in neue Welten entführt.  Mal flüstert die Musik zerbrechlich zart, mal tänzelt alles im witzelndem Pizzicato und mal wird in einer Epik der Spannungsbogen bis an die Grenze gedehnt, dass man am Ende der Reise gerade noch das Gefühl hat, heil angekommen zu sein.

Sphärische und orchestrale Gitarren- und Streicherklänge getrieben von der Rhythmusgruppe und eine unverkennbar expressive Stimme, die klar darüber fliegt. Es sind kunstvolle Lieder, fast Pop, nicht so recht Post-Rock, viel Weltmusik mit klassischen Elementen und Melodien wie Filmmusiken.

Auf diesem Album begegnet man einem riesigen Löwen der genug hat von der Kleinlichkeit der Welt und in seinem Traum zu größeren Horizonten fliegt. In Just For Now geht es zur Ursprünglichkeit im Leben und um den Drang wild durch den Wald zu toben anstatt eine Leistungs-Machine zu sein. Paper Piano dreht alles humorvoll auf den Kopf um die Welt mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

Jedes dieser Kunstwerke will zur Freiheit und zur inneren Lebendigkeit. Spielerisch und fantasievoll, wild und herausfordernd oder ganz ursprünglich spirituell. Der Alltag ist oft sehr schnell und vollgestopft, aber von der Intimität und Tiefe dieser Musik darf man sich in Ruhe berühren lassen und vielleicht lang verschlossene Räume in sich öffnen.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich liebe Jonsi, Henryk Gorecki, Vince Mendoza, Ane Brun, Joni Mitchell, Cassandra Wilson, Arve Henriksen, Simin Tander, viele der Arabischen und Afrikanischen Künstler und viele mehr.

An welchen weiteren Musik-Genres bist du noch interessiert?

Traditionelle Afrikanische und Arabische Musik. Da steckt oft so eine uralte Tiefe drin.

Was würdest du tun, wenn du nicht Musiker/in geworden wärst?

Tolle Frage. Ich würde in der Wildnis leben, oder mich als Aktivistin für die Urvölker der Welt einsetzen oder vielleicht ein Wandernomade sein. Träumerein.

Wie sehen eure Live-Shows aus?

Man sitzt dort mit seinem Wein, sieht acht total vertiefte Musiker und lässt sich wie von einer Filmmusik, in eine Welt aus feinen und total epischen Klangspektren mitreißen. Viele fühlen sich danach gereinigt, berührt, erhoben und mit etwas Vergessenem in sich verbunden fühlen. Das ist schön.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir wollen immer mehr Leute mit unserer Musik erreichen natürlich! Mein Traum ist es mit einem Visual Artist zusammen zu arbeiten und an ungewöhnlichen Orten wie Höhlen, Ruinen und Kratern Konzerte zu veranstalten.

Wir arbeiten schon am nächsten Album, welches erdiger, roher und noch viel mehr Weltmusik wird. Es zieht mich auch wieder Richtung mehr Einfachheit. Es bleibt spannend.

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18.04.2017 detailverliebte Kreationen für Frauen

GFDK - Steffen Schraut

Seit 2002 entwirft der deutsche Modemacher STEFFEN SCHRAUT minimalistische und gleichzeitig detailverliebte Kreationen für Frauen mit einer raffinierten, femininen Komponente – und vor allem mit Trendund Stilsicherheit.
"Ich möchte Lieblingsteile entwerfen, die Frauen viele Jahre lang tragen, weil sie sich darin wohlfühlen."

Die Mode liegt STEFFEN SCHRAUT quasi in den Genen: Aufgewachsen im schwäbischen Familienunternehmen Blusen Hämmerle, bekam er schon früh einen Einblick in das Business. Stationen bei Escada, Hirsch und als Trendscout bei Peek & Cloppenburg folgten.

Steffen Schraut - Mode-Designer mit Gespür

Seine jahrelange Erfahrung und sein treffsicheres Gespür für das was kommt, helfen ihm im Prozess der Ideenfindung und bei seiner kreativen Arbeit. Dabei steht immer das Produkt im Mittelpunkt und weniger der Kreative, der es erschafft.

Schon früh erkannte die Modegröße Albert Eickhoff sein Talent und ermutigte ihn zu einem eigenen Label. Innerhalb von zehn Jahren hat STEFFEN SCHRAUT es geschafft, sich in der Branche als Top-Marke zu etablieren.

STEFFEN SCHRAUT entwirft luxuriöse Mode mit Wohlfühlcharakter und einem Hauch Sexiness. Figurbetonte Schnitte in den Größen 34 bis 44. Modisch,  attraktiv und unaufgeregt chic. Seine Looks unterstreichen stets die Persönlichkeit der Trägerin.

Seine Zielgruppe: Die Frau mitten im Leben, sowohl Mutter als auch Tochter. STEFFEN SCHRAUT legt sehr viel Wert auf das Zusammenspiel von Proportionen, Konturen und edlen Materialien – alle Musteranproben finden an „echten“ Frauen statt. Schließlich soll jede Frau in STEFFEN SCHRAUT eine gute Figur machen.

Steffen Schraut "Mode soll unkompliziert sein"

Der Modeunternehmer STEFFEN SCHRAUT entwirft zusammen mit seinem Design-Team pro Saison eine KOLLEKTION zu je drei Lieferterminen. Knappe Orderstrukturen von 10 Tagen ermöglichen es STEFFEN SCHRAUT frühe Auslieferungen zu gewährleisten und auf Trends zu reagieren. Moderate Preise sind ebenfalls ein Plus von STEFFEN SCHRAUT: "Mode soll unkompliziert und ein Mitnahmeartikel sein."


STEFFEN SCHRAUT ist international in den besten Stores vertreten. Seine Kollektionen befinden sich bei Premium-Händlern in über 20 Ländern weltweit, u.a. im KaDeWe in Berlin, bei Breuninger in Stuttgart, bei Unger in Hamburg, bei Apropos in Köln und Düsseldorf, bei Föger in Österreich, bei Lorenz Bach in der Schweiz, bei LuisaViaRoma in Florenz und weltweit online bei Stylebop.com – und dort ganz selbstverständlich neben allen namhaften Designern. 2012 feiert STEFFEN SCHRAUT mit seinem Label sein 10- jähriges Jubiläum.

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28.03.2017 Terrani fotografiert die Stars

GFDK - Gottfried Böhmer

Der in Köln geborene Marcel Terrani ist einer Künstlerfamilie entsprungen. Der Großvater war Fotograf und sein Urgroßvater Maler. Und so lag es wohl in der Wiege, dass der Enkel auch zu den Künsten neigte - wenn auch über Umwege.

Seine berufliche Laufbahn begann als Mediendesigner/-gestalter für den WDR, obwohl er einen Studienplatz an der Columbia University in Kalifornien für Regie hatte. Den konnte der junge Marcel aber nicht antreten, da der Staat Kalifornien pro Semester 10.000 Dollar Kapitalnachweis forderte und so musste die künstlerische Laufbahn noch etwas auf sich warten lassen.

Aber vor 10 Jahren war es dann soweit. Der innere Ruf drängte zur Kunst und Marcel Terrani hat etwas daraus gemacht. Heute gehört er zu den Künstlern, die von Ihrer Kunst leben können. So kostet ein Original 5.000 Euro, aber es gibt auch kleine Editionen, allerdings nur in DIN 4-Größe.

Eine Besonderheit ist auch, dass Marcel Terrani seine Stars meistens selber fotografiert. Wie er den Kontakt zu diesen findet, bleibt sein Geheimnis. Die Basis seiner Arbeit ist die Medienkritik, über die er im übrigen auch wenig schmeichelhafte Worte findet.

Privat ist Marcel Vater eines zweijährigen Jungen. Er reist mit Vorliebe nach Holland, wegen deren Architektur. Er ist begeisterter Cineast, liebt französische Filme und wer ihn treffen will, kann das in der Kunstbar, dem ehemaligen Wartesaal in Köln tun.

Hier läuft auch seine aktuelle Ausstellung, zu deren Eröffnung 400  Gäste kamen. Es war so voll, dass der Künstler große Mühe hatte in seine Ausstellung zu kommen.

die kunstbar
chargesheimerplatz 1
50667 köln

Dr.Wolfgang Delseit über die Ausstellug  »Paparazzo« von  Marcel Terrani

Der »Paparazzo« wird definiert als ursprünglich scherzhafte, heute jedoch übliche Bezeichnung einer bestimmten Art von (Berufs-)Fotografen (der Sensationsjournalist à la Bild-Zeitung ist eine ähnliche Kategorie), die Prominenten in von denen unerwünschte Art und Weise nachstellen, getarnt, versteckt oder ganz offen in deren Privatsphäre eindringen. 

Der Paparazzo ist sensationslüsternd, sucht den richtigen Moment für den »Abschuss« seiner »Beute«, der ›berühmten‹ Persönlichkeit, die er am liebsten in einer kompromittierenden Situation ablichtet, damit er die Neugier der ›normalen‹ Menschen am Leben der Anderen befriedigen kann.

Paparazzi arbeiten zumeist für Boulevardmedien. Erstmals verwendete der italienische Regisseur Frederico Felline den Begriff für den aufdringlichen Pressefotografen, den Walter Santesso im Film La dolce vita (1960) verkörperte.

Nun denn, wer die Arbeiten von Marcel Terrani kennt, ist erst einmal irritiert angesichts des Ausstellungstitels Paparazzi. Terranis Arbeiten kamen bisher gar nicht so »sensationslüsternd« des Weges, gar auf Effekthascherei ausgerichtet…?!

Doch wer die Bilder, die hier ausgehängt und aufgestellt sind, betrachtet, wird schnell erkennen, dass es hier eben um eine andere Form des »Paparozzotums« geht:

Man findet keinen betrunkenen David Hasselhoff, der vor sich hinlallend einen Burger zu verspeisen sucht, keine derangierte Brittney Spears, keine alt gewordene Amanda Lear, die sich mit jugendlichem Latin-Lover am Strand vergnügt…

Terrani zelebriert den Künstler, die Künstlerin. Unterkühlt in Silber die Männer, selbstbewusst und wärmer in Gold die Frauen; ikonografisch abbildet mit Auriole und einer Aura von Entrücktheit.

Terranis Bilder gefallen, sind dekorativ, auch kommerziell (was kann sich ein Künstler auch Schöneres wünschen) – passen eigentlich in jedes Ambiente; sie darauf zu reduzieren, hieße die Intention des Künstlers zu verkennen!

Die Bilder sind Manipulationen! Manipulationen eines groben Ausgangsmaterials – im vorliegenden Fall: PR-Bilder, gestellte Bilder, von den Künstlern selbst freigegebene Bilder, keine Schnappschüsse minderer Qualität, sondern Hochglanz-Fotos, eigene und diverser namhafter Fotografen, die Plattencover oder Coverseiten von Magazinen zieren.

Davon ausgehend bearbeitet Terrani das Bildmaterial mittels Computer neu, bringt es in einen anderen Zusammenhang, gibt zutatengleich neue Komponenten hinzu.

Schönheit und Ästhetik dominieren die Bilder auf den ersten Blick; dann folgt die Verstörung des Betrachters, der Denkanstoß – mögen diese in der ungewohnten Kombination einzelner Gegenstände zu finden sein oder in den eingebauten Textteilen.

Lady Gaga, deren Song der Ausstellung ihren Namen gab, und deren Bild den Besucher der Ausstellung begrüßt – spielt mit dem Paparazzi-Image: die Schmike verlaufen, die Frisur kunstvoll zerzaust, mit Stahlkorsage

Rihanna begrüsst lasziv – im Maske und von Stacheldraht umhüllt – mit Welcome to the Kit-Cat-Club

Beyonce streicht über selbstbewussten Blickes über ihr wohlgeformtes Gesäß: Ass…sylum.

Penelope Cruz’ Blick verrät: Be an original

Justin Timberlake kommt als sensibler Swanlake daher.

David (»Dave«) Gahan (Sänger der britischen Synthie-Popgruppe Depeche Mode) als Personal Jesus – fast der Realität einer Drogenhölle entrückt.

Heidis (Klum) – offener, selbstbewusster Blick sagt uns: Tja, ich weiß, was ihr über mich denkt, aber es ist mir egal…

Madonna – gekreuzigt oder die Welt umgreifend, fast tragend, ein Sinnbild vermeintlich ewig-währender Schönheit, teilt uns mit: Enjoy Plastic Surgery, denn Lancaster does not help.

Aus der Rolle fallen zwei Bilder:

In Prada – Buy or Die rekurriert Terrani auf seine Anfänge als Collagist. Das Bild zeigt viele Komponenten früherer Arbeiten (etwa den über das Stacheldraht springenden Soldaten, die Matroschka-Figur, das Prada-Girl), die Terrani mit neuen Einflüssen und Bildaussagen anreichert.

Verschiedene Bilder desselben Titels kommen dem, der einige Arbeiten von Marcel kennt, in den Sinn; aber man achte einmal auf die Jünger, mit denen Russel »Jesus« Crowe sein Abendmahl teilt…

The holy Vincent entspricht zwar seiner Machart den anderen heute hier gezeigten Bilder, doch nirgendwo ist die Aureole augenscheinlicher als hier: I Vincent say: Fuck the Gallery.

Im Blick des Gezeigten ist nicht Selbstbewusstsein, sondern der Zorn des Verkannten, des zu Lebzeiten gescheiterten Genies. Und es ist nicht – wie es sich dem Betrachter aufdrängen will – das Bild von Kirk Douglas als Van Gogh… Doch dazu mag Ihnen der Künstler selbst etwas erzählen können.

Und zuletzt: Es mag sein, dass sich nicht jedem Betrachter die Botschaft der Bilder erschließt – doch auch das ist legitim: Ein jeder kann die Ästhetik der Bilder genießen, ohne einen Schlüssel zur Bedeutung mitgeliefert zu bekommen. Erfreulich in Anbetracht der Tatsache, das die »Sucht nach tieferer Bedeutung« (Olaf Hauke) den Kunstmarkt noch immer beherrscht…

I'm your biggest fan

I'll follow you until you love me

Papa-Paparazzi

Baby, there's no other superstar

You know that I'll be your

Papa-Paparazzi

                    Lady Gaga, Paparazzi

 

Ich bin dein größter Fan

Ich verfolge dich bis du mich liebst

Papa-paparazzi
Baby es gibt keinen anderen Superstar

Du weißt, das ich dein

Papa-Paparazzi sein werde

 

 

 

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14.02.2017 ohne Konsum und Luxus

GFDK - Gottfried Böhmer

Ein Leben für Tiere - Eine bemerkenswerte Geschichte aus Deutschland. "Er will den sogenannten Nutztieren eine Würde geben und erreichen, dass immer mehr Menschen das anerkennen und darauf hin auf Fleisch- und Milchkonsum verzichten".

Ohne Günter Garbers wären der Highland-Bulle Schmusi und die Schweine Rudolf und Steiner längst auf dem Schlachthof gelandet. Der Tierfreund aus Seevetal hat sie gerettet. Immer wieder nimmt er Tiere bei sich auf.

Menschen, Marken und Produkte

Die kleine Schafherde von Günter Garbers betreibt Landschaftspflege auf einem Deich an der Seeve. Sie genießt bei ihm ihr Gnadenbrot, ebenso wie seine kleine Ziegenherde. Zehn Hektar Ackerland bewirtschaftet er zur Gewinnung von Heu und ist als einer der letzten Schafscherer in der Region gefragt.

Ohne Konsum und Luxus

Ein Leben für die Tiere, das ist die Mission von Günter Garbers. Der kauzige Bartträger aus Glüsingen, der ursprünglich Landschaftsarchitektur studiert hat, lebt heute ein ungewöhnliches, selbst gewähltes Leben, ohne Strom, Konsum und Luxus.

Seine Tierrettungsaktionen bringen ihn regelmäßig in die Schlagzeilen der Lokalpresse und halten den 63-Jährigen immer auf Trab. In seinem Arbeitsleben ist Garbers viel herumgekommen. Als gelernter Schäfermeister hat er in Großbritannien und Neuseeland gearbeitet.

Und er hat in seinem Beruf viel erreicht: 1984 gewann er sogar die Deutschen Schafschurmeisterschaften. 20 Jahre lang zog er mit einer Herde von 1.000 Tieren durch die Lüneburger Heide, lebte damals vom Schlachten der Schafe und Fleischverkauf.

Ein würdiges Leben bis ins hohe Alter für seine Tiere

Vor 20 Jahren kam die große Wende: Er entschied sich aus Liebe zu den Tieren für ein veganes Leben und gab den Beruf des Schäfers auf. Er beschloss, keine Tiere mehr zu töten, und wurde Tierschützer. Der 63-Jährige lebt vom Biogemüseverkauf auf Wochenmärkten und ist als einer der letzten Schafscherer in der Region gefragt. Das Wohl der Tiere ist jetzt sein Leben, seine Mission.

Der streitbaren Tierschützer am 22.02.2017, 21:00 Uhr, NDR Fernsehen

Der Hof von Günter Gabers erwirtschaftet natürlich keine Profite, aber bei der Haltung und Pflege der Tiere fallen hohe Kosten und viel Arbeit an. Neben dem täglichen Futter sind tierärztliche Untersuchungen notwendig, auch müssen Zäune erneuert und am Hof immer wieder Kleinigkeiten ausgebessert werden. Wenn sie seinen Hof unterstützen möchten setzen sie sich direkt mit Günter Garbers in Verbindung.

Die Dokumentation aus der Reihe "Tierische Typen" begleitet Günter Garbers bei Tierrettungsaktionen und porträtiert einen streitbaren Tierschützer mit seinem außergewöhnlichen Engagement.

Die Ziele des Tierschützers

Die vegane Bewegung zu unterstützen und bundesweite Patenschaften für seine Tiere zu ermöglichen.

Medienberichten über die Arbeit von Günter Garbers finden Sie unter:

Günter Garbers bei Blogsport
Hallo Niedersachsen – Eine zentnerschwere Freundschaft

Günter Garbers
Am Mühlenbach 17
21217 Seevetal
Tel: 004916091355112

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29.12.2016 Wie identifiziert man nun aber das Neue als Neues?

Andreas Wildhagen - Christopher Schwarz

2008 führten die Journalisten Andreas Wildhagen, und Christopher Schwarz ein Interview mit Professor Bazon Brock das Exklusiv auf GFDK veröffentlicht wurde. Ob die traditionellen Gesellschaften in der Lage sind neues zu schaffen ist eine Frage die 8 Jahre danach sich ganz neu stellt. Im Angesicht von Donald Trump, einer fast schon verfallenden EU, Konflikten auf der ganzen Welt, war das eine Frage, die sich heute mehr denn je stellt.

Professor Bazon Brock im Gespräch mit Andreas Wildhagen und Christopher Schwarz

Die Geheimnisse der Entstehung von Kreativität und Innovation 

Die Düsseldorfer Journalisten Christopher Schwarz und Andreas Wildhagen* trafen den Ästhetik-Philosophen Bazon Brock in seinem Haus im Bergischen Land.

Schwarz, Wildhagen: Herr Professor Brock, wie entsteht Kreativität in unseren Köpfen?

Bazon Brock: Vereinfacht gesagt, entsteht sie in einer immer erneuten Konfrontation mit etwas Unbekanntem, Unbestimmten, das man seit hundert Jahren in allen Disziplinen „das Neue" nennt. Wenn das Neue neu ist, hat es freilich keine Qualifikation. Wie aber soll man auf etwas eingehen, was neu ist, wenn es dadurch ausgezeichnet ist, keine Bestimmung zu haben?

Die natürliche Methode, die wir heute noch bei jedem Hund beobachten können, besteht darin, das Neue erst zu beschnuppern, weil es irritiert, und es dann zu ignorieren oder zu zerstören. Dass die meisten Menschen vor neuer Malerei davonlaufen oder aggressiv reagieren und nur wenige aufmerksam werden und „aha" sagen, ist also ein ganz normaler, im Evolutionsschema unseres Gehirns fest verankerter Vorgang.

Wir sind von Natur darauf angelegt, auf die Begegnung mit Neuem mit einer Fluchtreaktion zu antworten. Der Kunsttheoretiker Max Bense** hat die Ästhetik von der Informationstheorie herkommend aufgebaut, Max Bill, Architekt, Designer und Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Creation***, von der Seite des praktischen, künstlerischen Gestaltens  - ich selber in den fünfziger Jahren über den Aspekt des Aktionismus und des Agitprop.****

Wie identifiziert man nun aber das Neue als Neues?

Bazon Brock: Immer in Hinblick auf das Alte, von dem es sich absetzt. Das Neue ist stets definiert durch die Differenz zum Vergangenen. Darin liegt eine andere Pointe beschlossen: Indem ich mich vom Neuen, Unbekannten auf etwas Altes, Bekanntes beziehe, stelle ich nämlich fest: Das Alte ist ja gar nicht alt! Unter dem Druck des Neuen zeigt es interessante, neue Aspekte.

Nehmen wir ein Beispiel aus der bildenen Kunst: die Maler der „Brücke", die deutschen Expressionisten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Kunstwelt herausforderten. Ihre Kunst erschien dem Publikum so neu, dass es sich verstört abwandte oder die Bilder gleich auf den Schutthaufen der Kunstgeschichte werfen wollte. Andere dagegen ließen sich vor der damals entstehenden Gestaltpsychologie anleiten, suchten nach Vorbildern, die Ähnlichkeiten aufwiesen mit den Bildern der Expressionisten, und stießen so auf die Werke El Grecos.

Plötzlich sahen sie unter dem Druck der Expressionisten einen alten, fast schon versunkenen Maler, den seit 1614 niemand mehr ausgestellt hatte, ganz anders, eben neu. Unter dem visuellen Terror der Expressionisten entdeckte man El Greco als Zeitgenossen. Auch aus der Architektur kennen wir solche Wiederentdeckungen.

So erinnerten die nackten, kahlen Wände des Wiener Architekturpioniers Adolf Loos an Palladio und Bruneleschi, die ebenso nackte, unfreskierte Wände als Struktursprache der Architektur benutzen. Erst durch Adolf Loos wurde sichtbar, was niemand zuvor bemerkt hatte: Dass Palladio und Bruneleschi dem Publikum pausenlos nackte Wände zugemutet hatten.

Der auf das Neue abonnierte Avantgardist Loos war also mit einem Mal zum Schöpfer einer neuen Sicht auf die Tradition geworden. Die Architektur-Moderne erwies sich als kreativ, indem sie uns zwang, die Tradition mit anderen Augen zu sehen.

Gehört die Orientierung am Alten, das Festhalten von eingeschliffenen Seh-, Hör- oder Denkgewohnheiten nicht eher zu den Bremsern im Gehirn?

Bazon Brock: Nicht unbedingt. Wieso bauen wir mit demselben Gehirn, mit dem unsere Vorfahren Mammuts erlegt haben, heute Atomanlagen? Weil es immer wieder Umformulierungen des längst konventionell und langweilig Gewordenen gab. Weil das Alte keine stimulierenden Informationen mehr bereit hielt.

Das Gehirn kann sich in solchen Situationen zwingen, sich selber zu überraschen. Es kann etwas produzieren, was über das eigentlich Geplante hinaus geht. Dabei ist das Neue gar nicht auf Zustimmung angewiesen. Im Gegenteil: Wo Sender und Empfänger übereinstimmen, gelingt zwar der Austausch, aber es entsteht nicht Neues.   

Sind auch traditionelle Gesellschaften in der Lage, Neues zu schaffen?

Bazon Brock: Durchaus. Da entsteht automatisch Neues durch Uminterpretationen des Alten. Etwa durch das mündliche Weitergeben von Informationen. Das kennen wir aus der Gerüchtekaskade: Spätestens beim vierzigsten Mann, der scheinbar dasselbe erzählt, stellen wir eine Abweichung fest, wahrscheinlich schon viel früher.

Und kann man diese gleichsam naturwüchsige Kreativität organisieren?

Bazon Brock: Die Aufklärung hat es versucht: Sie machte sich das Neue - und die Angst vor ihm - systematisch zunutze, indem sie soziale Institutionen errichtete, in denen das Neue aufgesogen, gespeichert und reflektiert wurde: Akademien, Archive und Museen. Fortschritt in der Nutzung unserer Kultur heißt seither, dass das durch die jeweilige Avangarde neuformulierte Alte aller Zeiten jederzeit präsent bleibt.

Es geht dabei nicht um Ad-hoc-Brains, sondern um das gesamte Wissen, das uns die historische Forschung zur Verfügung stellt. Die Moderne im epochalen Sinn beginnt erst da, wo man die Gleichzeitigkeit aller ehemaligen Vergangenheiten als Gegenwart wissenschaftlich organisiert.

Wirklich Neues gibt es also gar nicht?

Bazon Brock: Doch, aber die, die es in die Welt setzen, sind immer Zwerge auf den Schultern von Riesen. Das Neue entsteht auf der Grundlage der Vergangenheit. Eine Creatio ex Nihilo gibt es nicht. Unsere Devise müsste deshalb lauten: halte immer genügend Ressourcen für die Konfrontation mit der Zukunft bereit, indem Du immer mehr vergegenwärtigte Vergangenheiten produzierst.

So haben wir die Romantik inzwischen als eigenständige Kunstepoche sehen gelernt, für unsere Vorfahren hingegen war sie eine kindische Durchgangsphase zur Vorbereitung des Neoklassizismus. In diesem Sinn müssen Traditionen immer neu geschaffen werden. Jede Gegenwart schafft sich ihr neues Goethe- und ihr neues Tizianbild.  

Gilt das auch für die Werke von Mozart und Bach?

Bazon Brock: Mozarts Kompositionen fußen in der Musiktradition seiner Zeit, er brauchte die Wiener Musikkultur, um zu reüssieren. Bach konnte zwei Kantaten am Tag schreiben, auf Grund seiner Genialität und weil er sich innerhalb eines stabilen Formenkanons bewegte.

Selbst wenn er es versucht hätte, sich zu wiederholen, wären Abweichungen zustande gekommen, schon aufgrund der Funktionslogik des Gehirns, das beim Versuch der Wiederholung des Immergleichen ein Potenzial von Abweichungen erzeugt, die wiederum auf einem Grundtypus bezogen sind. Nur Varianten sind möglich.

Kann Politik kreativ sein. Wilhelm II etwa gilt unter vielen Historikern auch als ein Mann der technisch-wissenschaftlichen Innovation - „mit Volldampf voraus"!

Bazon Brock: Da ist etwas dran. Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft war jedenfalls höchst effizient in der Organisation wissenschaftlicher Dynamik. Deutschland hatte einiges aufzuholen. Die Engländer hatten 1852 auf der Weltausstellung ihre wissenschaftlich-technische Überlegenheit demonstriert.

Übrigens waren es dann die Österreicher, nicht die Deutschen, die erkannten, dass es nicht nur um politische Vorherrschaft durch industrielle Waffenfertigung ging, sondern um die Produktion von Massenprodukten für ein anspruchsvolles Publikum. Der Konsument und das Markenprodukt wurden im 19. Jahrhundert entdeckt.

In Österreich wurden Hochschulen für angewandte Kunst gegründet, um Qualitätskriterien für industriell gefertigte Gebrauchsprodukte zu entwickeln - zum Beispiel im Design. Es ging den österreichischen Innovatoren darum, einem geschmacks- und bildungsfähigen Publikum zeitgemäßes, gutes Design anzubieten.

Sind Kreativität und Organisation Gegensätze? Kann eine straffe Organisation Kreative vertragen? Oder braucht der Kreative Einsamkeit?

Bazon Brock: Seit der Renaissance ist bekannt, dass extrem entwickelte, kreative Köpfe besonders teamfähig sind. Das können Sie auch bei Walter Gropius sehen. Die Verbindung von Kunst, Architektur und Ingenierskompetenz im Dessauer Bauhaus setzte Teamfähgikeit und offene Kommunikation voraus - so wie in den mittelalterlichen Bauhütten.

Töten militärische Organisationen die Innovationsfähigkeit des Individuums ab?

Bazon Brock: Militärische Planung alten Stils heißt: Die ersten drei Tage nach Kriegsbeginn können wir planen, danach ist Schluss. Heute sind die geplanten Anfangsphasen länger, das nennt man dann Strategie. Aber ein moderner Militär muss auch das Kalkül des Scheitern, der verlorenen Schlacht, mit einbeziehen und sich fragen: Wie reagiere ich darauf?

Diese Fragestellung ist kreativ, sie kann auch impulsiv sein, das Überraschungsmoment ist eine wichtige Waffe, wenn nicht gar die wichtigste. Auf die Unberechenbarkeit der militärischen Antwort kommt es an. Das ist dem Generalstabsoffizier in Fleisch und Blut übergegangen.

Kein Wunder, dass die jüngeren Oberste nach dem Krieg sofort eine Anstellung in der Wirtschaft bekamen. Hitler dagegen hatte keine Strategie, er war ein typischer Laie, ein militärischer Dummkopf. Er hat keinen Gedanken darauf verschwendet, dass er scheitern könnte.

Braucht man für Kreativität Konkurrenz oder schadet sie eher? 

Bazon Brock: Konkurrenz kann in einem Team dazu führen, dass man sein Wissen nicht mehr mit anderen teilt. Deshalb ist in einer kreativen Umgebung Vertrauen von essenzieller Bedeutung. Der Kapitän kann den Winden nicht befehlen, aber er muss auf das Schiff vertrauen. Ich kann mich auf das Nicht-Beherrschbare nur dann kämpferisch einlassen, wenn ich auf einem festen Fundament stehe, um das ich nicht mehr kämpfen muss.

Herr Professor Brock, wir danken Ihnen für das Gespräch. 

*Dr. Christopher Schwarz und Dr. Andreas Wildhagen sind Redakteure der WirtschaftsWoche in Düsseldorf. Das Gespräch entstand während der Recherchen für den WirtschaftsWoche-Innovationspreis. 

Buchhinweise: **Max Bense: Ungehorsam der Ideen, Köln 1965, ders.: von der Verborgenheit des Geistes, Berlin 1948. *** Eduard Hüttinger: Max Bill, Abc-Verlag, Zürich 1977, **** Bazon Brock: Kopfstand, 1959 

Bazon Brock, 71, ist Professor für Ästhetik und Kunstvermittlung an der Bergischen Universität Wuppertal. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Entwicklung einer Neuronalen Ästhetik. Der Kunstkenner, der sich an Happenings zusammen mit Friedensreich Hundertwasser und mit Joseph Beuys beteiligte, war ordentlicher Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und später an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Anschließend übernahm er die Professur in Wuppertal, wo er 2001 emeritiert wurde.  

Christopher Schwarz ist Redakteur der WirtschaftsWoche und schreibt dort seit acht Jahren in den Ressorts Leben und Reportagen. Der Wiesbadener war vorher Redakteur bei der FAZ. 

Andreas Wildhagen war Redakteur der Wirtschafts-Woche und schrieb dort fast 14 Jahre in den Ressorts Unternehmen, Leben und Reportagen. Der Hamburger war vorher Deutschland-Korrespondent der Tageszeitung DIE WELT und Autor bei Forbes von Burda in München.


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