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Exklusiv Interviews

27.08.2012 So langweilig klingt das jetzt gar nicht

GFDK - PURE Online

CSI: DEN TÄTERN AUF DER SPUR: Mit diesem Titel begann 2000 der Siegeszug der forensischen Krimiserien, der nach wie vor kein Ende findet: Insgesamt 24 Komplettstaffeln der Originalserie und der Spinoff-Serien CSI: MIAMI und CSI: NEW YORK kann der deutsche CSI-Fan inzwischen in den Mediaregalen finden. CSI hat sich in den letzten 12 Jahren zu einem weltweit populären Phänomen entwickelt und das Gebiet „Forensik“ bei den meisten Menschen überhaupt erst bekannt gemacht. Doch wie arbeitet die moderne Forensik eigentlich wirklich?

Wer könnte darauf besser Antwort geben als Mark Benecke? Der Forensiker aus Köln ist den meisten aus Radio und TV unter Namen wie „Der Herr der Maden“ oder „Doktor Schmeißfliege“ bekannt. Auch einige sehr erfolgreiche Bücher hat er bereits in den Handel gebracht, die neueste Taschenbuchausgabe mit dem Titel „Aus der Dunkelkammer des Bösen“ erschien gerade dieses Jahr.

Der überzeugte Vegetarier, Vorsitzender der deutschen Abteilung der Transylvanian Society of Dracula und Mitglied des Spaß-Nobelpreis-Komitees hat in gewohnt unverblümter Manier einige Fragen zu seiner außergewöhnlichen Tätigkeit beantwortet.

„Dipl.-Biol. Dr. rer. medic., Certified Forensic Biologist & Sworn In Expert for Biological Stains, International Forensic Research & Consulting“ kann man als Beruf auf deiner Homepage lesen, ein echter Zungenbrecher übrigens. Aber du wirst gern auch mal als „Madendoktor“ bezeichnet, oder offizieller als „Forensiker“. Wie würdest du kurz und knapp deinen Beruf bezeichnen?

Öh, am einfachsten: Kriminalbiologe. Ich liebe Biologie und Spuren und Biologiespurenrätsel. (Lacht.)

Was macht so ein Forensiker denn genau, wie ist dein Arbeitsalltag?

Ich mache zwei Sachen. Entweder ich bin als Spurenkundler tätig und gucke nur die Insekten an. Dann kann ich manchmal beispielsweise sagen, dass ein Insekt fünf Tage auf der Leiche gelebt hat, oder dass eine Leiche mit Sicherheit längere Zeit in einem Haus gelegen hat und nicht an der Stelle, wo sie gefunden wurde. Der Rest des Falles ist mir dabei vollkommen egal. Wenn es aber um Tatortrekonstruktionen geht, hole ich mir alle möglichen Infos heran und rede mit jedem, der irgendetwas wissen könnte.

Und wie gehst du da genau vor?

Erst einmal registriere ich alles, schreibe auf, fotografiere, notiere, beschrifte, katalogisiere, kartiere. Und wenn es dann um die Einordnung geht, was das alles für den Fall bedeutet, lautet die Regel: Ich glaube erst einmal gar nichts. Ich glaube auch nicht mir selbst. Schlechte Sachverständige denken, dass es eine Person auf der Welt gibt, auf die sie sich verlassen können: sie selbst. Aber das stimmt nicht. Erfahrungsgemäß macht man viele Denkfehler und steht sich selbst im Weg.

Wie kamst du denn überhaupt auf die Idee, so einen speziellen Beruf zu ergreifen?

Angefangen hat alles mit einem Praktikum in der Rechtsmedizin. Weiter ging es dann während meines Bio-Studiums, wo ich entdeckt habe, wie großartig wirbellose Tiere wie Tintenfische und Insekten sind, und dass sie an viel mehr Lebensräume angepasst sind als Wirbeltiere. Käfer, Würmer, Ameisen, Krebse, Schnecken... eben die ganzen Wirbellosen sind viel wichtiger als der ganze Rest.

Und jenseits vom Fachwissen: was zeichnet einen Forensiker aus?

Man muss Details mögen. Also eine große Vorliebe für das Spezielle haben als für das Allgemeine. Aber mögen reicht da nicht, man muss auch ein Auge dafür haben.

Hast du schon mal etwas Fallentscheidendes bei deiner Arbeit übersehen?

Das erfahren wir erstens nicht, denn unser Team ist leider oft die letzte Instanz. Zweitens versuche ich Murx zu vermeiden, indem ich den anderen Teammitgliedern sehr offen zuhöre. Das verhindert hoffentlich Fehler, denn jeder sieht was anderes.

Du beschreibst in verschiedenen Interviews, dass man sich von den Toten als Menschen distanzieren muss. Wie genau funktioniert das? Lernt man das mit der Zeit bei der Arbeit?

Du darfst einfach nicht darüber nachdenken, was mit dem Menschen passiert ist. Es ist auch kein Unterschied, ob nur der Arm abgehackt oder die gesamte Leiche in 20 Zentimeter dicke Stücke zerlegt ist. Das ist vollkommen schnuppe. Das kann man nicht lernen, das ist wie mit den Details: Entweder du magst sie oder eben nicht.

Wie steht es denn mit dem Respekt vor den Toten? Darf man in der Leichenhalle schon mal das Pausenbrot auspacken?

Ich esse tagsüber nix. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich tagsüber oft bakterienreiche oder geruchsstarke Flüssigkeiten oder Teilchen an Händen, Haaren oder Klamotten habe... so gesehen kein Problem. Ich selbst habe auch noch nie jemanden am Tatort essen sehen, weil man dadurch ja erstens Spuren legen würde und sich zweitens auch auf die Arbeit konzentrieren soll. Ein Stahlkocher wird wohl auch nicht neben dem Hochofen sein Ei-Brötchen auspacken.

Was schätzt du, wie viele Leichen du insgesamt schon untersucht hast?

Absolut nicht den Hauch eines Schimmers. Hunderte. Die spannendere Frage ist vielleicht eher, wie viele Spuren ich untersucht habe - zehntausende?

Du wirst ja auch sehr oft als Sachverständiger hinzugezogen. Dabei bist du mit berüchtigten Serienmördern wie Luis Alfredo Garavito zusammengetroffen. Wie ist das?

Serientäter sind zutiefst langweilig. Das, was man an ihnen in Filmen so spannend findet, ist überhaupt nicht vorhanden. Ich habe Garavito in einem Gefängnis in Kolumbien getroffen. Der Mann hat über 300 Jungs totgefoltert. Und was macht der? Will mir erzählen, dass er jetzt ein besserer Mensch sei und solche Dinge nicht mehr tun würde. Ich sagte nur:

„Das glaubt Ihnen doch kein Mensch.“ Er meinte: „Doch, das war ein Dämon, und der ist jetzt verschwunden.“ Garavito ist der Inbegriff eines paraphilen, antisozialen Täters: er hat keinerlei Emotionen gegenüber seinen Opfern und kann sich an jede einzelne Tat erinnern, ohne jemals eine Aufzeichnung gemacht zu haben. Er kennt das Alter der Kinder, weiß, wo sie begraben sind – alle Details.

Im Grunde ist das eine stinknormale Serientäter-Geschichte: Der Vater war Säufer, schon als Kind hat Garavito sexuelle Übergriffe erlebt – das ganze Programm eben. Die genetischen Einflüsse kennen wir nicht. Er ist jedenfalls antisozial, was aber keiner gemerkt hatte. Weil das Land so groß ist und dort solch ein Chaos herrscht, kam es zu dieser hohen Opferzahl.

So langweilig klingt das jetzt gar nicht.

Na ich weiß nicht: Ein Mensch, der in seinen Zwängen gefangen ist und aus ihnen nicht ausbrechen kann... aus der Sicht des Täters doch ein langweiliges Scheißleben, oder? Er würde vermutlich lieber auf seinem Balkon sitzen und in seelischer Ruhe ein Feierabendbierchen trinken und mit seinen Kids Quatsch machen oder Entscheidungen treffen, die nichts mit seinen "Dämonen" zu tun haben... nichts davon kann er aber wegen seiner Störungen.

 

Noch ein paar letzte Worte an die Leser?

Heulen hilft nix.

CSI: Den Tätern auf der Spur Staffeln 1 – 10

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03.08.2012 "Hauptsache es kommt die Musik dabei heraus"

GFDK - Michaela Boland

Wenn ihre schlanken Hände über die edle Steinway & Sons Tastatur fliegen, erzählt ihr Gesicht jedes Mal unzählige Geschichten. Die Mimik verrät, dass sie ganz tief eintaucht in eine Welt der Notation, welche sie nicht nur mechanisch widergibt, sondern die gleichsam ihre Seele spiegelt. Klassische Musik ist etwas Wundervolles.

Was wäre die Welt wohl ohne deren historische Komponisten wie Haydn, Mozart, Beethoven oder gar den Romantikern Schubert, Schumann, Brahms und Co? Grund zur Freude hatten Klassik- Anhänger insoweit auch am vergangenen Sonntag:

Im Rahmen einer aufwendigen Live-on-Tape-Show präsentierte das ZDF die große ECHO KLASSIK Preisverleihung aus Essen mit Deutschlands Unterhaltungsmoderatoren-Nummer- Eins, Thomas Gottschalk.

Die beste Wahl, denn obwohl der Alt-Profi, der sich mit „den besorgten Vätern“ und seinem Song „What happened to Rock `n`Roll“ bereits im Jahre 2001 eher zu einem ganz anderen Musik-Genre bekannte, nicht zwingend für Klassik steht, führte der charmante Ewig-Blondschopf derart gewohnt gekonnt durch das Programm, dass selbst solche Zuschauer, die üblicherweise eher nichts mit Klassik „am Hut“ haben, zuhauf gerne beim Zappen hängen blieben.

Allzweckwaffe Gottschalk als Köder zum Klassik-Fan-Fang? Womöglich Kalkül des ZDF und wenn dem so gewesen sein sollte, dann scheint der Plan wunderbar aufgegangen: 10,8 Prozent Marktanteil oder in Zuschauern ausgedrückt: 2,33 Millionen!

Doch nicht nur Moderatoren-Meister Gottschalk und seine Unterhaltungselemente als Brücke zwischen klassischer Musik und klassischem TV-Entertainment, das, ebenso wie der immer wieder angekündigte Auftritt von Weltstar Sting auch bisherige Nicht-Klassik-Liebhaber locken sollte, machten die Show zum Erfolg.

So waren es doch vor allem die Klassik-Stars des Abends, welche jene Preisverleihung zum ausgesprochen niveauvollen Bildschirmereignis erhoben. Auftritte von Star-Geiger David Garrett, Pianist Lang Lang (Instrumentalist des Jahres) oder Star Dirigent Kurt Masur zählten zu den Highlights des Abends.

Einziger Wermutstropfen: Wegen der Vielzahl an Preisträgern in diesem Jahr durften manche Echo-Gewinner erst gar nicht die Bühne betreten, sondern waren dazu angehalten, im Publikum auszuharren und sich bei Aufruf nur kurz mit der „Trophäe“ zu erheben und in die Kamera zu winken. Andere konnten sogar erst nachdem die Sendezeit vorüber war, auf die Bühne kommen um quasi „off air“ geehrt zu werden.

Sie hat ihren Preis zwar erst nach der offiziellen Fernsehshow überreicht erhalten, ist aber dennoch überglücklich: 32 Jahre jung, mit hochgelobtem ersten Album und frischem Echo Klassik „in der Tasche“: Mihaela Ursuleasa.

Ich treffe die gebürtige Rumänin, die seit 20 Jahren in Wien lebt, im hohen Gebäude des Deutschlandfunks in Köln, wo sie sich auf ein bevorstehendes Konzert vorbereitet, welches sie schon am nächsten Tag geben wird.

Noch einmal muss der Hochglanzflügel auf seine optimale Klangqualität überprüft werden, bevor sie sich und ihr Können morgen dem feinen Gehör vieler Klassikbegeisterter präsentiert. Nachdem verschiedene Nachbesserungsdetails mit dem Klavierstimmer besprochen sind, machen wir uns auf den Weg in die geräumige Kantine der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt.

Völlig locker und natürlich zeigt sich der hochgelobte Klassikstar. Nach verschiedenen Besuchen beim Deutschlandfunk kennt sich die hübsche Mihaela zwischenzeitlich schon recht gut im Gebäude und mit den Finessen der Kaffee- und Kakao-Automaten aus.   

 

Michaela Boland:

Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum ECHO KLASSIK, den du gestern Abend in der Kategorie „solistische Einspielung des Jahres“ für dein Debüt-Solo Album „Piano & Forte“ erhalten hast. Was bedeutet diese Auszeichnung für dich und deine Zukunft?

 

Mihaela Ursuleasa:

Es bedeutet mir sehr sehr viel. Ich kann mich daran erinnern, als ich vor circa zwei Monaten zu Hause einen Anruf erhielt und es erfahren habe, war ich total aus dem Häuschen. Ich konnte es kaum fassen. Natürlich habe ich, wie jeder, gehofft, dass das einmal passiert, aber man erwartet es nicht.

Es gab zwar vor 15 Jahren schon einmal eine CD, die aus einem Wettbewerb heraus entstanden ist, aber „Piano & Forte“ ist jetzt die erste richtig offizielle CD mit mir als wahrer Pianistin und nicht mehr als Wunderkind. Ein ECHO-Preis ist vergleichbar mit einem Oscar bei den Schauspielern.

 

Michaela Boland:

Heißt das, dass dir nun auch ganz andere Türen offen stehen als zuvor?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, das schon. Man kann, beziehungsweise muss es sogar mit in die Biografie schreiben. Es ist einfach eine Auszeichnung, schon allein deshalb, weil die Leute, die jedes Jahr diese Auswahl treffen, in jedem Fall alles Menschen sind, die sehr viel von Musik verstehen und alles sehr sorgfältig auswählen.

 

Michaela Boland:

Man bezeichnet dich als eine der eigenwilligsten Pianistinnen deiner Generation. Was unterscheidet dich dahingehend von deinen Kolleginnen?

 

Mihaela Ursuleasa

Es gibt heutzutage in der Musikwelt gewisse Maße, wie man spielen muss. Es muss alles perfekt sein, weil wir in einer CD-Industrie oder einer Aufnahmen-Industrie leben. Es geht also um Sachen, die dann für ewig bleiben und die Spuren hinterlassen. Daher wird von jedem verlangt, alle Noten richtig zu spielen und keinen Fehler zu machen.

Bei den klassischen Musikern soll beispielsweise ganz genau das gespielt werden, was in den Noten steht. Für mich ist das bis zu einem Punkt nur zum Teil gut, denn man muss sich einem Komponisten widmen und sich fragen, was hat Mozart oder Beethoven mit genau dieser Notation sagen wollen?

Aber darüber hinaus bin ich eigenwillig, weil ich die Musik nicht nur mit den Augen sehe oder nur mit den Ohren höre, sondern erfahre sie auch mit der Seele. Man muss sie erzählen. So könnte ich zum Beispiel ein Märchen aus einem Buch vorlesen und mit Punkt- und Komma-Beachtung formal total richtig klingen, dafür aber auch total langweilig herüber kommen.

Ich kann es aber auch beispielsweise mit der Tonfarbe der Stimme oder mit einzelnen Rollen, die in dieser Geschichte vorkommen, so erzählen, dass es für diejenigen, die zuhören, einfach spannend wird. Und so ist es mit der Musik auch. Man darf sie nicht nur als etwas Starres oder Akademisches sehen.

Es gibt nicht E- und U-Musik oder Pop und Klassik und so etwas, sondern es gibt gute und schlechte Musik. Ich finde, als Interpret darf man und soll man ruhig auch mit seiner eigenen Fantasie daran gehen. Ich spiele zum Beispiel dasselbe Werk auf einer Tournee niemals in derselben Weise. Da experimentiere ich auch.

 

Michaela Boland:

Wie weit gehst du dabei? 

 

Mihaela Ursuleasa:

Wenn in den Noten beispielsweise „piano“ oder „forte“ steht, dann versuche ich diesen Klang manchmal noch wilder zu machen oder einfach mehr in die Extreme zu gehen, einfach mehr zu übertreiben, um die Leute dadurch zwar nicht unbedingt zu schockieren, aber um zu zeigen, hier ist etwas Starkes.

Ich habe auch starke Kontraste sehr gerne. Wenn es sehr sehr leise wird, möchte ich die Leute zwingen, nicht mehr zu atmen, nur um dann plötzlich lautstark alles aus dem Klavier herauszuholen.

 

Michaela Boland:

Heute bist du als diplomierte Konzertpianistin und gefeierter Klassikstar sehr erfolgreich und man bescheinigt dir im Rahmen des „Andersseins“ Eigenwilligkeit als Prädikat. Hat dir dieses „anders als andere sein“ vor deinem Durchbruch in der Vergangenheit immer nur Zuspruch eingebracht oder hat dir früher auch schon mal jemand gesagt, „Mädchen, so darfst du aber nicht spielen“?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, klar. Es gibt ja immer jemanden, der ein bisschen aus der Reihe tanzt, der also nicht gerade brav ist oder in Anführungszeichen nicht immer alles „richtig macht“. Und so eine bin ich. Ich sehe mich als jemanden, der nicht jetzt das Besondere macht, nur um besonders zu sein , sondern, ich sage, ich fühle so und ich spiele so, wie ich fühle.

Wenn ihr wollt, o.k., wenn nicht, dann könnt ihr nach Hause gehen. Und natürlich gab es da geteilte Meinungen. So extrem ich bin, so extrem sind auch die Meinungen. Um ein Beispiel zu nennen: Ich habe in diesem Jahr mal ein Schumann-Konzert gespielt. Vom selben Konzert gab es zwei Kritiken in zwei verschiedenen Zeitungen.

Eine schrieb, „so kann man das nicht spielen, oh mein Gott, das ist zu viel, das ist zu verrückt“, und der andere Artikel besagte, „ genau so muss man Schumann spielen, wir haben es nie so gehört, aber so sollte es sein, sie wurde dem Komponisten absolut gerecht“. Es hat eben jeder das Recht auf einen eigenen Geschmack. Aber meistens ist das, was ich mache, erfolgreich, Gott sei Dank, und darauf bin ich stolz. 

 

Michaela Boland:

Bei deinem Flügel-Check konnte ich dich gerade ein wenig während des Spielens einer der Etüden von Rachmaninow beobachten und deine sich ständig wandelnde Mimik verfolgen. Was genau geschieht mit dir, wenn du Klavier spielst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Es sind einfach die Klänge, die Noten selbst, die meine Finger in dem Moment auf dem Klavier berühren, das geht einfach durch meinen ganzen Körper und mein ganzes Wesen. So wie wenn man ein Ballett, einen Tanz verfolgt oder eine Geschichte hört.

Man denkt einfach nicht mehr konkret A, B, C, D oder 1,2,3,4 oder so etwas, sondern verfolgt das, was gerade in dem Moment passiert. Das ist nach dem ganzen Üben und Auswendig lernen bei mir der Fall. Das Ganze ist ja mittlerweile von der Technik des Stückes her automatisiert, so dass man einfach loslassen und sich in dieser Klangwelt verlieren kann und sie weitergibt, wie man sie fühlt.

Ich habe keine Ahnung, was für Gesichtsausdrücke ich mache, das heißt, einmal habe ich Filmaufnahmen von einem Konzert von mir gesehen und war schockiert und habe mich gefragt, „ wie, so etwas mache ich“? Aber na gut, im Endeffekt ist es mir auch egal, von mir aus könnte man auch auf dem Kopf stehend spielen oder mit Füßen, Hauptsache es kommt die Musik dabei heraus.   

 

Michaela Boland:

Du bist in deiner frühen Jugend als Wunderkind bezeichnet worden. Dieser Begriff steht naturgemäß in engem Zusammenhang mit Klassik-Vertreter und Musik-Genie Wolfgang Amadeus Mozart. Das setzte mit Sicherheit einen ziemlich hohen Maßstab. Wie stehst du selbst zu solchen Vergleichen?

 

Mihaela Ursuleasa::

Na ja, das ist natürlich so eine Sache. Das Wunder referieren die Leute sogleich, wenn jemand Talent hat. Man braucht Talent zum spielen, man braucht diese Intuition, um die Musik zu verstehen, was natürlich nicht jeder Mensch haben kann.

Einer ist nun mal für das eine talentiert, der andere hat Talent für etwas anderes. Aber, ich finde, man sollte mit solchen Kindern sehr aufpassen, um sie nicht zu stark zu puschen. Das Paradoxe ist nämlich, dass es sich hierbei um einen Beruf handelt, dem eigentlich nur ein Erwachsener gerecht wird, denn es ist ein Beruf, der Reife und Sensibilität verlangt und natürlich Lebenserfahrung, wie jede Form von Kunst.

Aber gleichzeitig kann man sie auch nicht erst mit 20 beginnen. Man muss als Kind anfangen. Und solche Kinder befinden sich leider zu oft in zu großem Stress. Man muss erst noch den großen Erfolg haben oder zum Star werden und das geht dann schon an die Substanz.

 

Michaela Boland:

Du stammst mit deiner Mutter als Sängerin und deinem Vater als Jazzpianisten aus einer Musiker-Familie. Gerade in jüngster Vergangenheit vernahm man innerhalb der Medien gehäuft, dass oftmals Eltern, die in einer durch die Öffentlichkeit exponierten Branche erfolgreich sind, ihren Nachwuchs allzu gerne ebenfalls im selben Gewerbe nach oben puschen möchten.

Jüngstes und stark kritisiertes Beispiel aus dem Bereich Schauspiel international: Will Smith und Ehefrau Jada Pinkett, die ihre sehr jungen Kinder Jaden und Willow bereits im Filmbizz arbeiten und dem Medienzirkus immer wieder aussetzen lassen.

Du hast dich schon mit neun, teilweise sogar schon mit sieben Jahren auf Konzertreisen befunden und spieltest bereits die 32 Variationen von Beethoven.

Erst als Zwölfjährige wurde durch ein Treffen mit dem Dirigenten Claudio Abbado dafür gesorgt, dass du dir für deine musikalische Entwicklung Zeit lässt und ein wenig zur Ruhe kommst. Wurdest du zeitweilig tatsächlich von jemandem wie eine Leistungssportlerin zur technischen Perfektion gedrillt?

 

Mihaela Ursuleasa:

Man muss sehr aufpassen, dass alles ausgeglichen ist und die Balance von solchen Kindern erhalten bleibt. Also, ich habe beides erlebt, deswegen, weiß ich, wovon ich spreche. Der Drill kam nicht von den Eltern, Gott sei Dank, da habe ich auch Glück gehabt. Mein Vater ist leider zu früh an Krebs gestorben.

Ich war damals erst zehn Jahre alt. Dann hat aber meine Mutter das Steuer von meiner Lehrerin übernommen, denn sie war eigentlich der Motor all dessen. Einerseits war es natürlich gut, weil man in diesem frühen Alter mit sieben, acht oder neun Jahren einfach noch nicht dieses Lampenfieber hat.

Man geht einfach auf die Bühne, denn man kennt ja nichts anderes. Ich gehe also da und da auf die Bühne und spiele mein Zeugs ab. Doch irgendwann merkt man nicht mehr, dass man eigentlich zu müde ist.

Man verliert als Kind die Realität zum Leben. Ein Kind sollte normalerweise in die Schule gehen, Ball spielen, malen und Freunde haben. So etwas habe ich nicht gehabt, zumindest nicht genug. Dann als ich zehn war, sagte meine Mutter zu dieser Lehrerin, „o.k. jetzt ist es genug. Jetzt machen Sie mein Kind nicht kaputt“. 

 

Michaela Boland:

Wie verlief dein Leben konkret unter den Fittichen jener Lehrerin?

 

Mihaela Ursuleasa:

Sie hatte unglaublich viel Kontakte im ganzen Land, in Rumänien und auch im Ausland. Es hieß heute ein Konzert hier, morgen ein Konzert da, Reisen, Tourneen, üben, üben, üben. Ich kannte nur das Klavier, sonst nichts. Mein Tag war essen, schlafen, Klavier.

 

Michaela Boland:

Wie viele Stunden pro Tag musstest du damals üben?

 

Mihaela Ursuleasa:

Zehn. Aber dann hat meine Mutter diesen Schlussstrich gezogen. Wir hatten Glück, jemanden zu treffen, der alles in die Wege geleitet hat, dass ich dem Dirigenten Claudio Abbado vorgespielt habe. Er hat mir dann ein Stipendium ermöglicht und gesagt, so, jetzt ist es zu viel.

Man hat sich dann auch darum gekümmert, dass ich in Wien einen Lehrer finde und an der Hochschule aufgenommen wurde. Ich habe ja normales Examen gemacht. Es wurde auch dafür gesorgt, dass es eine Wohnung und einen Flügel gab und Leute, wo ich üben gehen durfte. Aber alles in Maßen.

 

Michaela Boland:

Was bedeutet das in Zahlen? Wie viele Stunden hast du fortan täglich spielen müssen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Als wir nach Wien gegangen sind, war ich elf Jahre alt, da habe ich ganz normal zwei bis drei Stunden geübt. Ich ging auch ganz normal zur Schule, zum Gymnasium.

 

Michaela Boland:

Wusstest du darüber hinaus plötzlich mit all der Freizeit etwas anzufangen oder war das anfänglich schwierig für dich?

 

Mihaela Ursuleasa:

(Lacht). Ich habe Freundschaften geschlossen, ich konnte ins Kino gehen und durfte plötzlich alles, was ein normaler Mensch macht. Bis zum Alter von 15, 16 habe ich dann gar nicht mehr konzertiert, einmal abgesehen von irgendwelchen Hauskonzerten, damit ich die Zeit hatte, zu studieren und einfach Ruhe zu haben.

Mich haben sogar einige Leute in dieser Zeit gefragt, ob mir das nicht abgehe, denn ich sei ja fünf Jahre damit beschäftigt gewesen, ständig Konzerte zu geben. Und ich antwortete immer, „nein, ich war so froh, endlich einmal Zeit zu haben und etwas anderes zu machen“.

 

Michaela Boland:

Wie essentiell sind solche Ruhephasen aus heutiger Perspektive betrachtet?

 

Mihaela Ursuleasa:

Das ist schon wichtig, denn es hilft auch der Musik. Es gibt Leute, die mit dem Kopf Tag und Nacht in der Geige oder im Klavier sitzen und die sonst nichts anderes haben. Das ist zu nahe. Wie, wenn man ein Bild malt und schon fast mit der Nase daran klebt.

Man muss auch mal ein paar Schritte zurückgehen, um alle Farben sehen zu können. Es gibt immer zwei Monate im Jahr, einmal im Sommer, einmal im Winter, in denen ich gar nichts vom Klavier wissen möchte. Dann kommt man zurück mit ganz anderen Ideen.

 

Michaela Boland:

Komponierst du eigentlich auch schon einmal etwas?

 

Mihaela Ursuleasa:

Nicht im Sinne von richtigem Komponieren mit Aufschreiben, aber ich improvisiere sehr gerne. Das mache ich auf der Bühne auch manchmal. Zum Beispiel am Ende eines Konzerts. Einfach irgend etwas improvisieren.

 

Michaela Boland:

Hast du noch Geschwister oder bist du ein Einzelkind?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ich habe einen Halbbruder. Wir haben dieselbe Mutter und er ist 17 Jahre älter als ich. Wir sind also nicht als Kinder zusammen aufgewachsen. Er ist Maschinenbau-Ingenieur.

 

Michaela Boland:

Hätte es für dich bei dem musikalischen Hintergrund deiner beiden Elternteile eigentlich eine hohe Wahrscheinlichkeit gegeben, dass du einen „herkömmlichen“ Berufsweg einschlägst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Das war nie im Gespräch. Das wurde fast für mich entschieden. Man hat mich zwar jetzt nicht dazu gezwungen, aber meine Eltern haben sofort gesehen, „aha, da gibt es ein Talent, klar macht sie das“. Aber ich habe mir natürlich schon ab und zu diese Frage gestellt. Zwar könnte ich ohne Musik nicht mehr leben, aber Schauspiel hätte mich beispielsweise auch interessiert, oder Rechtsanwältin.

 

Michaela Boland:

Hast du eigentlich im Abitur einen Musik LK belegt?

 

Mihaela Ursuleasa:

Nein, in der Musik kamen alle Kolleginnen zu mir, es war nämlich eine Mädchenschule, und baten mich, ihnen doch zu helfen. Sie fragten, ob Sie abschreiben dürften. Ich durfte im Gegenzug die Mathematik und Physiksachen abschreiben.

 

Michaela Boland:

War Mathe ein Problem?

 

Mihaela Ursuleasa:

Mathe war das Schlechteste für mich, aber Sprachen waren ganz gut. Ich spreche sechs Sprachen perfekt.

 

Michaela Boland:

Welche sind das, abgesehen von Rumänisch und Deutsch?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, Rumänisch ist klar, es ist meine Muttersprache. Außerdem Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Türkisch habe ich auch jetzt angefangen und ein bisschen Russisch , aber ganz wenig. Außerdem spreche ich noch Spanisch. Alle Latein-Sprachen sind für uns Rumänen leicht. 

 

Michaela Boland:

Großes Kompliment. Damit kommst du mit Sicherheit ganz schön weit.

Was hörst du denn privat für Musik?

 

Mihaela Ursuleasa:

Jazz ist eine meiner Lieblingssachen. Klassischer Jazz. Keith Jarrett ist einer meiner Lieblinge. Es geht in die Richtung der Musik von Louis Armstrong oder Ella Fitzgerald. Das kann sehr rhythmisch sein.

Ich liebe zum Beispiel Schlagzeug. Da habe ich mir auch mal gewünscht, das zu lernen. Außerdem mag ich Pop-Sachen. Alicia Keys oder Diana Krall habe ich sehr gerne. Auch Volksmusik habe ich unglaublich gerne, Balkansachen.

 

Michaela Boland:

Spielst du auch selbst schon mal folkloristische Sachen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Bei meiner zweiten CD, die im nächsten Jahr herauskommen wird, geht es um Folklore. Komponisten aus der Klassik, die sich von der Folklore aus Rumänien haben inspirieren lassen. Ein Teil ist auch etwas von Franz Schubert dabei. Er hat sich von der österreichischen Volksmusik inspirieren lassen und da ich auch in Österreich lebe, war das naheliegend.

Das wird insofern Thema der CD sein, weil ich denke, das, was jeder Mensch braucht, ist Luft zum Atmen, essen, schlafen und Musik. Schon die Urvölker, die Wilden aus dem Dschungel oder die Pygmäen, die machen Musik, nachdem sie gejagt und gegessen haben. Und diese Wurzeln sind am wichtigsten, in jedem Stil.

 

Michaela Boland:

Was singst du, wenn du singst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ich singe nicht so viel. Eigentlich nur in der Dusche oder ich singe schon mal beim Spielen mit. Manchmal hört man meine Stimme. Allerdings habe ich meiner heute vierjährigen Tochter früher viel vorgesungen als sie ein Baby war. Um sie in den Schlaf zu wiegen, das war einfach schön und ist immer eine gute Therapie um sich zu beruhigen oder um Spaß zu haben.

 

Michaela Boland:

Bist du verheiratet und wie viel Zeit bleibt bei deinem kompletten Pensum mit jeder Menge Reisen überhaupt noch für das Familienleben?

 

Mihaela Ursuleasa:

Verheiratet bin ich nicht, also ich erziehe die Kleine alleine mit meiner Mutter und einem Au-pair-Mädchen zusammen. Man braucht bei so einem Beruf sehr viel Hilfe. Wenn längere Reisen anstehen, ich also mehr als zwei oder drei Tage unterwegs bin, dann nehme ich meine Tochter auch schon mal mit. Sonst würde ich sie zu sehr vermissen.

Ich habe sehr viel Glück, eine sehr gute Agentur zu haben, die sehr viel Verständnis für solche Dinge hat. Sie überlegen eben gemeinsam mit mir, wie wir die Zeit einteilen, wann ich frei bin, wann ich üben muss und ich brauche Zeit für die Kleine, denn diese Zeit geht so rasch vorbei.

 

Michaela Boland

Du bist schon in so vielen Konzertsälen dieser Welt aufgetreten, warst in Berlin, Wien, Zürich, Köln, London, Amsterdam, New York und Los Angeles zu Gast. Stellt es eigentlich ein ganz besonderes Gefühl dar, wenn man beispielsweise in der berühmten Carnegie Hall in New York auftreten darf oder ist es so wie in anderen Häusern auch?

 

Mihaela Ursuleasa:

Sobald der erste Ton anfängt zu klingen, eigentlich nicht. Man konzentriert sich in dem Moment darauf, was man dort machen muss. Als ich damals in der Carnegie Hall war, war ich 17 oder im Musikverein in Wien, da denkt man einfach, „oh mein Gott, hier waren schon die anderen Großen, also Horowitz oder Karajan“, und dann denkt man, „wow, dass ich hier sitzen und spielen darf“.

Dann ist man vielleicht nervöser, aber man ist sich auch darüber bewusst, dass man jetzt oder nie einfach alles geben muss. Es ist schon wichtiger. Doch wenn man ein echter Musiker ist, ist eigentlich unerheblich, ob man in einem Dorf vor Kühen spielt oder in der Carnegie Hall, denn dann gibt man immer alles. Man hat stets die Motivation, das Allerbeste, was in dem Moment geht, zu geben.

 

Michaela Boland:

Kommt es auch schon mal vor, dass du dich verspielst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, klar. Man ist ja auch nur Mensch. Also manchmal gibt es so Blackouts oder so etwas. Man haut auch schon mal daneben, weil die Hand verschwitzt ist. Das passiert halt oder es gibt eine ganz kleine Konzentrationsschwäche. Dann macht man einfach weiter, einfach drüber und weiter.

Aber ich muss sagen, dass die Leute trotz dieser “perfektionistischen Ära“ sehr menschlich geblieben sind. Es ist ihnen nicht so wichtig, wenn kleine Patzer unterlaufen. Es ist wie beim Eislaufen, da fällt auch mal einer hin, doch dann sagt man, die restliche Performance war super, daher macht es nichts.

 

Michaela Boland:

Was sind das in erster Linie für Menschen, die deine Konzerte besuchen? Kann man sie irgendwie klassifizieren?

 

Mihaela Ursuleasa:

Es kommen natürlich sehr qualitative Leute, natürlich sind es Klassik-Fans, sonst würden sie gar nicht hingehen. Aber es sind auch Leute dabei, die vielleicht, keine Ahnung haben, aber sie hören dafür umso mehr mit einem unbekümmerten Herzen.

Die sogenannten Experten, die von sich behaupten, dass sie alles wissen und einfach mal gucken wollen, was „sie“ da oben auf der Bühne macht, die trifft man oft in den großen Städten.

Das sind dann Kritiker, die nicht objektiv hören, sondern die haben schon eine voreingenommene Meinung, bevor sie überhaupt auf dem Sitz im Saal Platz nehmen. Und es gibt dann noch diejenigen, die sich einfach hinsetzen und genießen.

Nun, und dann komme ich zu einem Punkt, an dem ich gerne einen Wunsch aussprechen möchte. Obwohl in dieser Richtung, Gott sei Dank, schon  sehr viel getan wird, werden die klassischen Konzerte immer noch von sehr vielen älteren Menschen besucht und es fehlen immer noch die jungen Menschen

 

Michaela Boland:

Woran liegt das nach deiner Auffassung?

 

Mihaela Ursuleasa:

Vielleicht liegt es daran: Ich habe gehört, dass man verschiedentlich in Deutschland den normalen Musikunterricht aus den Schulen herausgenommen hat, was eine sehr traurige Sache ist. Es gibt ein Projekt, das heißt „Rhapsody in scool“ (Anm. d. Red.: www.rhapsody-in-scool.de ), das wurde von dem Pianisten Lars Vogt initiiert.

Hier werden Künstler, die in Deutschland spielen, kontaktiert und gefragt, ob sie womöglich auch in einer Schule innerhalb der Stadt vorstellig werden und den Kindern etwas vorspielen und erzählen könnten. Ich habe hierbei die Erfahrung gemacht, dass zehn bis zwölfjährige Kinder in Dortmund nicht wussten, wer Beethoven ist oder sogar Mozart.

Das liegt daran, dass die Eltern zu Hause ihren Kindern nicht mehr so viel klassische Musik geben. Kinder haben auf die Weise schnell den Eindruck gewonnen, dass klassische Musik langweilig oder zu schwer sei.

Natürlich braucht man mehr Aufmerksamkeit bei einer Symphonie von Beethoven, Mozart oder Brahms. Aber mit der Zeit kann man sich diesen Geschmack formen und sogar auch wählen und sagen, den mag ich und den mag ich nicht.

 

Michaela Boland:

Unterstützt du dieses Projekt fortlaufend?

 

Mihaela Ursuleasa:

Natürlich, also ich habe das ein paar Mal gemacht  Ich muss sagen, die Kinder mögen das unglaublich. Sie haben mir dann Briefe geschickt mit aufgemalten Blümchen und geschrieben, „ja, dieses Stück von Beethoven, das Sie uns vorgespielt haben, war überhaupt nicht langweilig, sondern spannend“. Ich mache dann auch immer eine Erzählung daraus und erfinde eine Geschichte. 

 

Michaela Boland:

Könntest du dir, abgesehen von dem gerade erwähnten Projekt „Rhapsody in scool“ vorstellen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, Menschen, die keinerlei Berührungspunkte mit Klassik haben, daran zu führen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja ,schon,. Natürlich über das Internet. Ich stelle immer wieder Sachen dort hinein. Zum Beispiel bei Facebook, denn dadurch kann man an sehr viele Menschen herankommen. Ich werde nächstes Jahr ein Projekt in Wien durchführen, dass ich gerne auch in Deutschland umsetzen würde, nämlich Konzerte für Kinder zu veranstalten.

In dem Sinne , dass man ganz normale Sachen spielt und eben dabei etwas erzählt, zum Beispiel eine Geschichte erfindet, die mit dieser Musik zu tun hat.

So kann man die Kinder heran führen, in dem man sie beispielsweise auch auf die Bühne holt und ihnen anbietet, „klimper doch mal hier, dann siehst du, wie sich so etwas anfühlt“ .Das halte ich für sehr wichtig, denn man fragt sich ja schon, für wen wir in dreißig Jahren spielen.

 

Michaela Boland:

Bei deiner eigenen Tochter dürfte diese Problematik zumindest nicht gegeben sein.

 

Mihaela Ursuleasa:

Nein, sie hat ja Musik um die Ohren, seit sie im Bauch war. Sie möchte Geige spielen. Sie kratzt schon sehr falsch (lacht), aber sie möchte es unbedingt. Und ich denke, „oh Gott, nicht schon wieder eine, die Musik machen will“, (lacht). Aber wenn sie will, kann ich sie nicht davon abhalten.

 

Michaela Boland:

Bei der gestrigen ECHO KLASSIK Preisverleihung war auffällig, dass man mit Thomas Gottschalk, der seinen Job hervorragend gemacht hat, einen sehr populären Fernsehmoderator gewählt hat, der eigentlich nahezu sinnbildhaft für Unterhaltung steht.

In seinen Moderationen wurde auch immer wieder ein Bezug zu Unterhaltungsthemen geschaffen. Glaubst du, dass es heutzutage notwendig ist, die Unterhaltung als Brücke zu nutzen, um die Menschen an die Klassik heranzuführen? Mit anderen Worten: Hat ohne den entsprechenden Entertainment-Faktor einfach kaum noch jemand Lust auf Anspruchsvolleres?

 

Mihaela Ursuleasa:

Das ist eine sehr gute Frage, aber leider muss ich sagen, dass wir bedauerlicherweise in einer Welt leben, in der heute alles nur auf Konsum, Unterhaltung, Entertainment, Videospiele und solche Dinge ausgerichtet ist. Insofern muss man sich leider mit solchen Brücken behelfen.

Ich bin mir zwar sicher, dass es diejenigen gibt, die einfach so kommen oder aus purer Neugierde dabei sein wollen, aber die sind heutzutage zu wenig. Also man muss leider bis zu einem gewissen Grad bestimmte Kompromisse eingehen.

 

Michaela Boland:

Wie oft bist du noch in Rumänien?

 

Mihaela Ursuleasa:

Schon noch jedes Jahr zwei bis drei Mal. Ich spiele auch jedes Jahr dort. Also ich habe meine Fans seit der Kindheit dort. Auch fahren wir in den Ferien dorthin, es ist ja auch ein sehr schönes Land, man kann dort sehr viel machen. Es gibt ja Berge und Meer.

 

Michaela Boland:

Du kommst aus Siebenbürgen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja.

 

Michaela Boland:

Nachdem die Gegend früher einmal zur kaiserlichen und königlichen Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte, war der Schritt nach Wien für dich womöglich gar nicht so weit?

 

Mihaela Ursuleasa:

Richtig, eben.

 

Michaela Boland:

Gibt es ein Land, in dem du besonders gerne auftrittst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Was Auftritte anbelangt, nicht wirklich, denn ich spiele überall gerne. Nach Deutschland komme ich beispielsweise schon seit ungefähr 15 Jahren, also es gibt fast keinen Ort in Deutschland, wo ich noch nicht gespielt habe. Das Publikum hier ist auch sehr warm.

In Polen finde ich auch ein sehr warmes Publikum vor. Was ich auch sehr gerne mag, ist, wenn die Leute nicht nur brav applaudieren, sondern wenn man auch die Antwort sieht, wenn man alles gegeben hat, total verschwitzt ist und alle Ideen ausgeschöpft hat.

 

Michaela Boland:

Gibt es auch schon mal Standing Ovation?  

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, zum Beispiel in Amsterdam stehen sie immer auf. Das ist eine Tradition, die sie haben. Beim ersten Mal als ich in Amsterdam gespielt habe, habe ich noch gedacht, „oh, standing ovation, das ist ja unglaublich“, und dann habe ich gehört, „du, die stehen immer auf, egal für was“. Und dann habe ich gedacht, „ach so“.

 

Michaela Boland:

Vielleicht sind sie mittlerweile durch André Rieu konditioniert und stehen ständig in den Startlöchern, um zu tanzen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Nun, lieber so als eingeschlafen (lacht).

 

Michaela Boland:

Was machst du so in deiner knapp bemessenen Freizeit?

 

Mihaela Ursuleasa:

Sehr gerne Sport. Ich mache Kung Fu. Achtung! (lacht).

 

Michaela Boland:

Wie bist du auf die Idee gekommen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Das ist für die Selbstverteidigung sehr hilfreich. Es ist wie jeder Sport, man muss herumspringen und mit den Händen etwas machen. Ich mache das seit circa einem Jahr und es kam eigentlich nur dazu, weil diese Schule unserem Zuhause genau gegenüber liegt. Ich ging immer daran vorbei und dachte, „ ja, warum nicht einfach mal ausprobieren“. Außerdem schwimme ich sehr gerne. Und lesen. 

 

Michaela Boland:

Was liest du am liebsten?

 

Mihaela Ursuleasa:

Alles Mögliche. Angefangen bei Asterix & Obelix bis Robert Musil. Jetzt lese ich gerade so ein Schnulzbuch. „Shopaholic“. Also entweder Sachen, die sehr viel vom Gehirn verlangen, so auch analytische Bücher, wie dem von Oliver Sacks, dem einarmigen Pianisten. Ein richtig dicker Wälzer. Es handelt vom menschlichen Gehirn in Verbindung mit Klang. Es ist sehr kompliziert geschrieben.

 

Michaela Boland:

Bei welchen Gelegenheiten liest du so etwas?

 

Mihaela Ursuleasa:

Im Zug oder im Flugzeug, immer wenn ich Ruhe habe. Oder vor dem Schlafengehen. Was ich übrigens ansonsten noch absolut gerne mache, ist kochen.

 

Michaela Boland:

Was gibt es bei dir? 

 

Mihaela Ursuleasa:

Ich mache gerne Experimente. Besonders gerne lade ich schon mal meine Freunde ein und mache ein Sieben-Gänge-Menü aus allem: Spaghetti mit Trüffelsauce oder gefüllte Ente mit irgendwelcher Creme.

 

Michaela Boland:

Das klingt sehr gut. Wann nimmst du dir die Zeit, um deine „Haute Cuisine-Fertigkeiten auszutesten?

 

Mihaela Ursuleasa:

Wenn ich frei habe. Es gibt ja auch immer mal freie Tage. Ich habe ja zum Beispiel immer gesagt, dass ich im Sommer mal einen Monat komplett Pause brauche. Und um die Weihnachtszeit und Neujahr herum, da ist auch frei.

 

Michaela Boland:

Welche Menschen bewunderst du?

 

Mihaela Ursuleasa:

Menschen, die geradeaus sagen, was sie denken. Ohne Komplimente. Ich schätze meine Freunde sehr. Ich habe von allen Formen von Menschen, die man haben kann, ob Geliebter, Bekannter oder Chef, was auch immer, meine Freunde sind mir am wichtigsten, nach meiner Tochter natürlich.

Und solche Freunde müssen fähig sein, auch mal zu sagen, „hey, da hast du dich vertan. Tu das nicht mehr oder das war falsch“. Diese Leute verlangen auch dafür nichts zurück.

 

Michaela Boland:

Kannst du selbst gut Kritik annehmen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja. Ich frage sogar gezielt nach, was nichts mit einem Mangel an Selbstvertrauen zu tun hat. Denn zwei Köpfe sehen besser als einer.

 

Michaela Boland:

Was bringt dich zur Weißglut?

 

Mihaela Ursuleasa:

Große Menschenmengen (lacht). Warteschlangen am Flughafen. Ansonsten Lügen und schleimig sein nach dem Motto: „Oh Sie sind so toll“. Manchmal werde ich gelobt, einfach nur weil ich auf einer Bühne stehe

 

Michaela Boland:

Du machst einen sehr selbstsicheren Eindruck. Wann glaubst du, dir dies angeeignet zu haben?

 

Mihaela Ursuleasa:

Als Kind wurde ich eher gedemütigt oder man hat versucht, mich dieses Selbstvertrauens zu berauben. Das kam durch diese extrem strenge Lehrerin. Aber ich denke, die Balance gab es bei den Eltern. Mein Vater hat mir immer sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

Er hat mir immer dieses Bild vermittelt, du schaffst es, trau dich und wenn es daneben geht, macht es auch nichts, denn niemand killt dich. Ich glaube, es kommt von daher, dass ich sehr gerne riskiere.

Ich bin auch ein Mensch, der die Dinge so nimmt, wie sie sind. Was gestern war, kann man nicht mehr ändern, das ist mein Motto. Einfach weiter gucken oder wenn es etwas Neues zum Ausprobieren gibt, dann schmeiße ich mich da einfach rein.

 

Michaela Boland:

Wovon träumst du?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ich möchte mich in jedem Fall immer wieder in meinem Spiel verbessern. Also immer wieder etwas Neues in der Musik entdecken. Dass man nicht stagniert und sagt, o.k., jetzt bin ich an diesem Punkt.

Ich sage immer, es ist schwer, auf einen Berg hochzukommen, aber es ist schwerer, an der Spitze zu bleiben. Ansonsten träume ich immer mal von Reisen im Sinne von Urlaub. Ich würde gerne mal zum Meditieren nach Indien reisen oder eine Safari machen.

 

Michaela Boland

Wie sieht es denn mit der weiteren Familienplanung aus oder ist sie bereits abgeschlossen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Vielleicht wäre irgendwann ein zweites Kind nicht schlecht, aber jetzt noch nicht. Je nachdem wie es kommt.

 

Michaela Boland:

Gibt es augenblicklich einen „Mr. Right“ in deinem Leben?

 

Mihaela Ursuleasa:

Gibt es schon, ja. Aber ich würde seinen Namen nicht verraten, denn er ist auch sehr berühmt.

 

Michaela Boland:

Aha.

 

Mihalea Ursuleasa:

Ich glaube, er hat das nicht so gerne.

 

Michaela Boland:

Ist er auch Pianist?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, ja. Wir sind total verrückt beide, weil wir uns auch kaum sehen. Er spielt morgen in Wien. Und ich sagte, na toll, einmal kommst du nach Wien und ich bin in Deutschland.

 

Michaela Boland:

Wie lange seid ihr schon zusammen?

 

Mihaela Ursuleasa:

Etwas über ein Jahr. So anderthalb.

 

Michaela Boland:

Aber, jetzt erzähl doch mal, Mihaela. Wie muss denn der Mann sein, in den du dich verliebst?

 

Mihaela Ursuleasa:

Na ja, ich hatte Erfahrungen mit entweder solchen Männern, die Babys wollten, also im Prinzip eine Mama für ihren Nachwuchs suchten, oder Machos. Also entweder oder. Aber er ist gerade der Typ, der nichts vormacht. Ich kann sein, wie ich sein will und er kann auch sein, wie er will. Er versucht mich nicht zu ändern, genauso wenig, wie ich dies bei ihm versuche.

 

Michaela Boland:

Wie oft seht ihr euch?

 

Mihaela Ursuleasa:

Wir versuchen es wie verrückt, wann immer es geht. Selbst wenn es nur zwei Tage sind. Wenn wir zum Beispiel gleichzeitig zwei Tage frei haben, oder wenn ich frei habe, dann gehe ich zu einem Konzert von ihm oder er kommt zu einem von mir. Also wir sehen uns schon fast jeden Monat.

 

Michaela Boland:

Den sogenannten Alltag verbringt ihr also derzeit noch nicht gemeinsam?

 

Mihaela Ursuleasa:

Man verbringt den Alltag nicht gemeinsam, aber in meinem Fall muss ich sagen, ich könnte nicht jeden Tag mit derselben Person, demselben Mann verbringen. Ich weiß nicht, ich habe das ausgetestet und es ist unmöglich. Dann müsste ich dem Mann sagen, „Du Armer, der du jeden Tag mit mir verbringen musst“.

(Lacht). Er ist auch so. Daher ist es so besser. Das sind sehr intensive Tage und sehr intensive schöne Momente. Wir haben uns natürlich auch schon mal gezankt und uns sehr direkte Sachen an den Kopf geschmissen. Aber das war von Anfang an so.

Wir kannten uns ja schon sehr viele Jahre von früher und plötzlich ist etwas passiert und alles war so selbstverständlich irgendwie. Manchmal denkt man ja, oh, ich muss mich jetzt extra schminken oder was mag er wohl denken, wenn ich das und das sage? Das ist bei ihm nicht der Fall. Deswegen ist es sehr schön.

 

Michaela Boland:

Verfolgst du augenblicklich hierzulande das gesellschaftspolitische Geschehen, wenn du ja häufiger in Deutschland bist? Stichwort Integrationsdebatte?

 

Mihaela Ursuleasa:

Ja, das habe ich gelesen.

 

Michaela Boland:

Wie stehst Du grundsätzlich zu dieser Thematik?

 

Mihaela Ursuleasa:

Natürlich denke ich, wenn man in einer Kultur lebt und das mehrere Jahre lang und nicht nur für drei Tage Urlaub macht, dann muss man sich schon anpassen. Aber das heißt nicht, dass man seine eigenen Traditionen oder Religionen oder Ansichten völlig aufgeben muss.

Also wenn ich jetzt zum Supermarkt gehe, dann werde ich auch nicht mit amerikanischen Dollars bezahlen, sondern ich bezahle in der Währung, die in dem Land gängig ist und ich versuche, in der Sprache zu sprechen, die die Personen dort verstehen. Auch wenn es Englisch ist, aber man muss sich verständlich machen.

Aber dieses Thema ist etwas, was ich bei den Menschen allzu oft sehe. Wir sind 1991 nach Wien gekommen und es gab Demonstrationen gegen die Ausländer. Es ist also ein Thema, eine Ideologie, wo die Wurzeln sehr berechtigt sind und ein Recht dazu haben, ausgesprochen zu werden.

Aber was der Mensch macht, tendiert leider zum Extremismus. Man verliert die emotionale Kontrolle. Wegen so etwas entstehen sowohl auf der einen Seite als auch auf der anderen Seite auch Kriege.

 

Michaela Boland:

Liebe Mihaela, vielen Dank für dieses ausführliche Interview. Für die Zukunft von dir und deiner Familie die allerbesten Wünsche.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

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03.07.2012 über Sinn und Sinnsuche

GFDK/ Sony Music - 5 Bilder

„Alles, was anders ist, ist gut“, sagt Hollywoodstar Bill Murray am Ende des Kinokultfilms „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – Ausdruck purer Freude über Veränderung, die das Leben wieder in die Balance bringt. Nicht, dass Silbermond in ihrem Musikerleben an vergleichbaren Problemen oder immer wiederkehrenden Mechanismen litten.

Doch wie jede Band die ihr viertes Album angeht, schlichen sich auch bei der Bautzener Band gewisse Routinen, kleine Bequemlichkeiten ein - déjà vus eben. Herausforderungen, denen sich eine Band mit Anspruch wie Silbermond stellen musste.

Es wäre einfach gewesen, auf der Suche nach Neuerungen und Innovationen Input von außen zu verpflichten. Andere Bands suchen da schon mal Lösungen im Ausland und versuchen mit einem anderem Produzenten Erfolg zu erkaufen. Silbermond denken anders. Gitarrist Thomas Stolle, Sängerin Stefanie Kloß, Bassist Johannes Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak lösten ihre Aufgaben selbst, von innen.

„Auch wenn das mitunter sehr schwierig ist, weil jeder von uns eine eigene Vorstellung hat“, meint Gitarrist Thomas Stolle. „Da ist es wichtig, dass es Leute in unserem Umfeld gibt, die uns ihre ehrliche Meinung mitteilen, die auch mal sagen: Leute, das ist scheiße. Wir brauchen niemand, der uns zum Mund redet.“

Am Anfang zu „Himmel auf“ stand der Wille nach Veränderung, die Lust auf Neues, die Aussicht auf Abenteuer. „Es ist unserem Anspruch geschuldet, uns nicht wiederholen zu wollen“, beschreibt Thomas Stolle die Anfänge des Albums. Der Hauptsongwriter der Band griff bewusst nicht in seine Saiten, sondern ließ zunächst seiner Lust am Musikmachen freien Lauf. Nicht umsonst heißt das Album „Himmel auf“ – Sinnbild eines kreativen Prozesses voller Freiheit, ohne Grenzen. Lautete das interne Motto des Quartetts zum letzten Album noch „Zurück nach vorn“, hieß es diesmal pragmatisch: „Machen!“

So bastelten Thomas Stolle und Schlagzeuger Andreas Nowak im Band-eigenen Studio in Berlin Adlershof zunächst an neuen Sounds. Da wurden Keyboards und Drumcomputer, Sampler und Effektgeräte angeschleppt, Beats, Sound und Loops programmiert, „einfach mal ganz andere Ideen ausprobieren, Musik auf die wir auch sonst stehen“, erklärt Thomas Stolle. „Einfach mal den alten Pfad verlassen und versuchen neue Wege zu finden.“

Sei es durch Experimente wie etwa den Schlagzeug-Sound mit einem Mikrofon auf der Damentoilette einzufangen. Oder mit Chorgesängen zu experimentieren. Ungewöhnliche Song-Strukturen und unerwartete Wendungen auszuprobieren. Oder ganz unauffällig einen schrägen 7/8-Takt in einen Pop-Song zu schummeln, dass es höchstens Musikprofis auffallen dürfte. (100 Punkte, wer den Beat findet!)

Aus rund 60 Ideen die das Quartett über ein Jahr in sich trug, destillierte man rund 25 Stücke. Gerade die Hälfte davon passierte die interne Qualitätskontrolle. Was jedoch übrig blieb, sind die bislang wohl spannendsten, ungewöhnlichsten, kreativsten und vielschichtigsten Songs, die Silbermond bislang ihren Fans anvertraut haben: anders, neu, frisch klingen zu wollen und doch authentisch zu bleiben, etwas Neues schaffen, ohne Altbewährtes aus den Augen – besser Ohren – zu verlieren – das ist wahre Kunst.

Das beginnt mit modernen Beats, die das Titelstück „Himmel auf“ voran treiben. Überhaupt: die Beats geben den Herzschlag von Silbermond 2012 vor. Viele der 14 neuen Nummern grooven luftig und rocken doch satt: ein wunderbarer Gegensatz, für den exemplarisch auch der Midtempo-Rocker „Gegen“ steht. Ein Stück über unreflektierte Protestkultur und sinnentleertes Oppositionsgebahren destruktiver Verhinderer – gesellschaftsrelevante Themen liegen Sängerin Stefanie Kloß diesmal besonders am Herzen.

Hatte die Band auf dem letzten Album mit Songs wie „Nichts passiert“ Jugendliche dazu angehalten ihr Demokratieverständnis zu schulen, Aufmerksam zu sein und selbstbewusste, kritische Bürger zu werden, führt die Band mit „Irgendwo in der Mitte“ diesen Gedankengang weiter. „Es ist im Grunde eine private Betrachtung“, sagt Stefanie, „ein Lied das mir am Herzen lag.“

„Himmel auf“ zeigt eine Band die erwachsen geworden ist. Silbermond sind nicht mehr die jugendlichen Newcomer aus Bautzen. Hier formulieren gestandene Mittzwanziger Gedanken aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt. Faszinierend dabei wie die Band es erneut schafft die Gefühle ihrer Generation in Worte zu fassen. Silbermond älter und reifer geworden – wie ihre Fans mit ihnen.

Kein Lied reflektiert das deutlicher als „Weiße Fahnen“, ein Stück über das unvorstellbare Seelenleid der Kindersoldaten dieser Welt. „Und er wacht auf im Feuerregen / die Nacht gelähmt keine Sterne zu sehen / durch seine kleinen Hände fließt roter Sand / Er weiß wie Leben enden, aber nicht wie sie anfangen“ Gänsehaut.

„Solche Themen müssen erst mal in einem selber reifen, bevor man sie nach außen trägt und in einem Text zur Sprache bringt“, sagt Stefanie. „Wenn man allein das vergangene Jahr betrachtet, dann ist die Welt unheimlich in Aufruhr. Da macht man sich schon so seine Gedanken, weil man ja auch ein Teil dieser Welt ist. Und irgendwann stellt man fest, dass die Kriege gar nicht so weit weg sind und indirekt auch einen selbst betreffen.“

„Himmel auf“ ist auch ein Album über Sinn und Sinnsuche. Es ist nicht nur das musikalische Herausforderndste, es ist auch mit Abstand das persönlichste Album das Silbermond bislang eingespielt haben. Ein mutiges dazu. Wer, wenn nicht Stefanie würde sich trauen jene drei berühmten Worte auszusprechen, die andere Sänger mit allen Mitteln zu umschreiben versuchen?

Jenes „Ich liebe Dich“ ist Höhepunkt der Feuerzeug-Hymne „Ja“, die mit strahlenden Streichern zu hymnischer Größe wächst, als hätten Sigur Ros, Coldplay und U2 gleichzeitig im Studio gestanden. Wichtiger noch: „Ja“ ist Ausdruck von aufrichtiger Liebe, grenzenlosem Vertrauen und hingebungsvoller Überzeugung.

Es ist auch ein Zeichen des Erwachsenwerdens den Mut zu besitzen um Nähe zuzulassen, was Stefanie den Fans in „Oberfläche“ zeigt: „Kommst du mit unter die Oberfläche / ich zeig dir den Kern von mir und was ich sonst verstecke unter der Oberfläche / da ist so viel mehr von mir das will ich dir zeigen / wir gehen in die Tiefe und dort können wir bleiben.“ - ein weiteres Stück über die immerwährende Suche nach Wahrhaftigkeit und Tiefe, über das Wagnis sich seinem Gegenüber zu öffnen und verletzlich zu zeigen.

Inszeniert übrigens mit einem genialen Gitarrenthema wie es U2-Gitarrist The Edge nicht besser hinbekommen hätte. Und natürlich spielte auch bei diesem Album wieder eine Schultafel eine gewichtige Rolle.

Wer bei „Himmel auf“ eine zuckersüße Pärchenplatte mit Rosenduft und Romantik-Overkill erwartet hat, irrt. „Himmel auf“ rockt! Allein das gleichnamige Titelstück eignet sich hervorragend als Hymne und besitzt feinste produktionstechnische Details, raffinierte Programmings und ungewöhnliche Chöre. Überhaupt überraschen Silbermond mit einer vielschichtigen Produktion und ungewöhnlichen Arrangements, wenn etwa in „Es geht weiter“ am Ende das Schlagzeug noch einmal anzieht und … mehr sei hier nicht verraten. Nur so viel: „Himmel auf“ besitzt in jeder Hinsicht internationales Format.

Damit schließt sich der Kreis einer spannenden Reise mit einem Happy End wie es Hollywood nicht besser hinbekommen hätte. Die anfängliche Frustration über stereotype Mechanismen, die eigene Bequemlichkeiten und eigefahrene Routinen haben Silbermond mit Kreativität ausgekontert. „Es war anfangs extrem deprimierend“, sagt Thomas Stolle. „Es tat weh, am Anfang alles zu löschen und noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Wir haben mit diesem Album unsere frustrierendsten Momente erlebt, aber auch unsere schönsten. Wir haben buchstäblich bei null angefangen.

Denn es ging darum Silbermond 2012 zu zeigen.“ Stefanie Kloß, Thomas Stolle, Johannes Stolle und Andreas Nowak haben es geschafft. „Himmel auf“ ist ihr klingender Beweis. „Alles was anders ist, ist gut“, sagt Billy Murray. „Bleibt alles anders“, sagt Grönemeyer. „Himmel auf“ ist anders, sagen Silbermond. Und es gibt darauf viel zu entdecken.

Sony Music International, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Sandra Kinzelmann

sandra.kinzelmann@sonymusic.com

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20.04.2012 Mark Forster schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist

Peter Goebel - 6 Bilder

Könnte man als Beschreibung von Mark Forsters Debütalbum „KARTON“ auch einfach so stehen lassen, weil er es selbst gesagt hat und das schließlich auch jeder hören kann. Muss man aber nicht, weil es über den „KARTON“ spannende Sachen zu erzählen gibt.

Zum Beispiel, wie die Kompositionen den Komponisten im Griff haben: »Manche Lieder müssen sofort geschrieben werden, weil ich sie gerade brauche, um mit einem Problem klarzukommen oder um genau jetzt ein Mädchen zurückzugewinnen oder auch einfach um Dampf abzulassen.

Ich habe noch nie ein Lied geträumt, aber schon öfter erlebt, dass ein Song einfach da ist und ich habe keine Ahnung woher.« Es könnte eine Art Ying/Yang-Geschichte sein oder auch eine simple Trotzreaktion, dass Mark Forster bei den Aufnahmen zum „KARTON“ immer versucht hat, genau das zu machen, was niemand erwartet.

Im Einzelnen bedeutet das: Ein „KARTON“-Track braucht eigentlich nur sehnsüchtig anzufangen, um ziemlich schnell von einem selbstbewussten und kommunikativen Beat angesprochen zu werden („DU UND ICH“). An einer Bilderbuch-Stelle für Streicher bekommt urplötzlich ein unaufgeregter »Fitzelgroove« seinen großen Auftritt („DU FLIEGST DAVON“).

Die erste Single „AUF DEM WEG“ handelt von der Frage, ob das Ziel denn überhaupt das Ziel ist – und überhaupt haben organische Instrumente grundsätzlich was mit Elektronischen („BERG AB“). Oder es läuft wie bei „NUR DU“ – wunderschöne Saiteninstrumente werden aufwendig aufgenommen, um einen Effekt drüberzulegen, der sie irgendwie unecht klingen lässt.

Weil es sich nicht teuer anhören soll, sondern ehrlich.

(Ja, 5 Euro in die Klischee-Kasse, aber so isses halt.)

Man kann im „KARTON“ aber auch versteckte Botschaften auf sehr leisen Tonspuren entdecken gehen. In den Studios in Kornwestheim, Berlin, Remiremont und Motril wurden nämlich alle 13 Songs so oft hintereinander gespielt, dass sie irgendwann nur noch aus Gefühl bestanden.

Spätestens bei Take 40 wurden Fingersätze zugunsten von Textinhalten ausgeblendet und das kann man genauso auf dem Album hören, wie die Späße aus den Lockerungstakes 1-39. Spannend ist übrigens auch die Coverversion von „SIE IST WEG“. Dem Fanta-4-Track, den wir alle im Schlaf mit-rappen können. Dank Mark Forster können wir den jetzt auch im Schlaf mit-singen.

Aber auch wenn das Album mit Ansage richtig schön tanzbar geworden ist – Herr Forster ist natürlich nicht nur ein Schönwetter-Songwriter. Der Titelsong „KARTON“ ist das erste Lied, das er mit Mitte zwanzig nach seiner Reise auf dem Jakobsweg geschrieben hat und erzählt von handelsüblichem Liebeskummer.

Nicht so üblich ist die Tatsache, dass ein Mensch wie Forster in der Lage ist, einzusehen, dass es darin eigentlich gar nicht um das Mädchen geht, sondern um verdammt aufrichtige Selbstreflexion – und dem Musiker Forster danach klar wurde, dass das genau die Art Musik ist, die er machen will: Hosen runter, Narben müssen an die Luft bevor sie heilen.

Klingt so eine wohltemperierte Album-Information?

(Keine Ahnung, aber „KARTON“ klingt definitiv top.)

Wild entschlossen »mitte-links«: weder modern noch old-school, obwohl viele das ja gerade gern sein wollen; weder akustisch noch elektrisch, obwohl viele das ja gerade gern sein wollen.

Weder künstlich auf Kante geknetet noch übertrieben auf Pop gebürstet. Mark Forster schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, singt noch viel besser als ihr jetzt denkt und macht sich nichts aus Attitude. „KARTON“ macht Laune und erscheint Anfang Juni 2012.

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10.04.2012 Die Chancen waren verschwindend gering

GFDK - Sony Music - 10 Bilder

Es gehört ganz unmittelbar zum Wesen der Popmusik, das sie uns immer wieder aufs Neue  verblüfft und überrascht. Im Falle der uneingeschränkt wunderbaren Rebecca Ferguson sind es v.a. die höchst verschlungenen Karriere-Pfade, die sie ins Scheinwerferlicht der (musikalisch interessierten) Öffentlichkeit führten, die uns Staunen lassen.    

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass die extrem scheue, (seinerzeit) mit einem beklagenswerten Mangel an Selbstbewusstsein ausgestattete zweifache Mutter an einer Audition für die britische Talentshow „The X Factor“ teilnahm. Es wurde einer der bemerkenswertesten Auftritte in der Geschichte der Sendung.

Die Nation war gerührt: nachdem Rebecca bereits mit siebzehn und abermals mit neunzehn schwanger geworden war, befand sie sich in einer Situation, in der andere längst resigniert hätten - ohne Geld und mit noch weniger Hoffnung. Die Chancen, dass jemals jemand auf ihre Stimme aufmerksam werden würde, waren verschwindend gering.

Doch als sie ihren Mund öffnete und eine beeindruckend ungekünstelte Interpretation des Sam Cooke-Klassikers „A Change Is Gonna Come“ erklang, hatte sie mit einem Schlag die Qualitäts-Messlatte der Show um mehrere hundert Prozent in die Höhe schnellen lassen.  

Dass sie abschließend lediglich den zweiten Platz belegte, ist nicht weiter von Bedeutung –  bzw. war es möglicherweise sogar die wesentlich bessere Option.

Denn als Nicht-„X Factor“-Sieger hatte die aus Liverpool stammenden Sängerin im vergangenen Jahr ausreichend Zeit, ihre Songwriting-Skills zu verfeinern und mit ihrer bemerkenswerten Stimme jene Songs zu veredeln, die die 25-jährige zur Stimme ihrer Generation machen werden – und möglicherweise sogar zu einem globalen Superstar. 

Rebecca Fergusons Debütalbum „Heaven” biedert sich zu keiner Zeit an Moden an, es ist kein todschicker Hybrid aus den hippsten, aktuellen Musikgenres, zusammengerührt und ein wenig durchgeschüttelt, bis am Ende ein amorpher Klumpen Trend-Pop herauskommt. Es ist Soul. Aus jeder Faser und jeder Note strömen ungefilterte Emotionen, die alle anderen Sängerinnen und Sänger… gewöhnlich klingen lassen.      

Wie bereits erwähnt, hatte es Rebecca, die sehr stolz auf ihre Liverpooler Working-Class-Herkunft ist, auf ihrem bisherigen Lebensweg nicht immer einfach. Doch ihre Erfahrungen statteten sie mit einem Kämpferherz aus, das nun in ihren Songtexten zum Vorschein kommt und ihren angestrebten Karriereweg prägt. Sie ist eine wahrhaftige Künstlerin. Und sie ist gekommen, um langfristig zu bleiben.

Bis vor kurzem konnten sich Rebeccas Bewunderer lediglich an ihren TV-Auftritten erfreuen – alleine die Audition mit „A Change Is Gonna Come“ verzeichnete 2,9 Millionen YouTube-Views. Mit den beseelten Interpretationen des Eurythmics-Klassiker „Sweet Dreams“, Chris Iaacs „Wicked Game“ und Candi Stantons „You Got The Love“ zeigte sie die beeindruckende Bandbreite ihrer musikalischen Einflüsse.

Doch die Show selbst bescherte Rebecca etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann. „Sie veränderte mich als Person. Ich bin jetzt stark. Singen war immer mein Traum, jetzt gilt ihm meine gesamte Konzentration.

Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, als das mit der Show passierte. Mit meinem ersten Album wollte ich einen Punkt erreichen, an dem meine Stimme und meine Songs so gut sind, wie sie nur sein können“, erzählt sie.     

Die erste Single trägt den Titel „Nothing’s Real But Love“. Es ist ein leidenschaftlicher Song, bei dem sie eine Stimmbeherrschung an den Tag legt, wie man sie nur von ganz großen Sängerinnen kennt. Das Thema liegt Rebecca am Herzen. Es geht um die Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind – „kein Geld, kein Haus, kein Auto, kann Liebe ersetzen“.    

„Die Leute sagten immer zu mir: ‚Reichtum macht dich nicht glücklich, Rebecca‘“, erinnert sie sich, „und ich dachte mir: ‚Ich hab keinen Strom, nichts – erklär das bitte meinem leeren Kühlschrank. Doch jetzt geht es mir gut und mir wird klar, sie hatten Recht. Es ist egal, was du besitzt, solange du Liebe in deinem Leben hast. Ich weiß, das klingt ziemlich cheesy, aber das ist die ganze Wahrheit.“

Das Thema zieht sich durch ihr gesamtes, entwaffnend ehrliches Debütalbum. „Ich habe mein Herz geöffnet. Vieles davon ergibt sich, wenn ich über die Beziehungen schreibe, die ich hatte, deshalb kann sich wahrscheinlich jeder in die Texte hinein versetzen – wir haben das alle schon einmal erlebt.“

Rebecca, die sich selbst als Perfektionistin bezeichnet, schrieb schon immer ihre eigenen Songs, über Monate hinweg verfasste sie täglich ein neues Lied. „Die Leute dachten: ‚Sie war bei ‚X Factor‘, sie kann bestimmt keine Songs schreiben. Wir werden das für sie machen.‘ Mit der Zeit erkannten sie aber, dass ich das durchaus drauf habe.“

Sie arbeitete mit einem Dreamteam an Songwritern und Produzenten, darunter Eg White  (Adele, James Morrison, Duffy), Fraser T Smith (N-Dubz, Tinchy Stryder, Cee Lo Green) und Claude Kelly (Britney, Whitney Houston, Jessie J). In den zurückliegenden elf Monaten entstand ein sehr ausgereiftes und zeitloses Werk.

Von dem zurückgenommenen, von Pianoklängen getragenen „Teach Me How To Be Loved“ bis zum Big-Band-Sound von „Fairytale“ erklimmt Rebeccas Stimme mühelos einen Höhepunkt nach dem anderen. Und wenn „Shoulder To Shoulder“ dich nicht zum Weinen bringt, dann haben wir offensichtlich Androiden unter uns…

Auch wenn ihre direkten musikalischen Einflüsse dem Soul entstammen, so zeigt bereits ein flüchtiger Blick auf ihre iPod-Bibliothek ein weit größeres Spektrum: da finden sich neben Ray Charles, Nina Simone, Stevie Wonder, Nina Simone und Beyoncé u.a. auch Ben Howard, Bombay Bicycle Club, Tupac, Florence and The Machine, Nicki Minaj und – natürlich - Adele.

„Sie war für mich so eine große Unterstützung und sagte so tolle Sachen über mich“, schwärmt sie, „sie hat sogar zugegeben, achtzig Mal für mich gestimmt zu haben, als ich in der Show war. Sie meint jedes Wort, das sie singt – das liebe ich an ihr.“   

Der bisweilen recht zurückhaltenden Sängerin, die allerdings ab und zu mit einem sehr lauten und ansteckenden Lachen zu überraschen weiß, ist ein Album gelungen, das ihr nicht zuletzt eine gehörige Portion Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen bescherte. Beispiel gefällig?

„Ich hab mich geweigert, einen der Songs auf dem Album nochmal einzusingen. Ich habe jedes Wort gemeint, als ich es sang und ich werde sie nicht noch einmal singen und nicht meinen. Und es mir egal, ob das klingt, als sei ich eine Diva.” 

Obgleich sie ein wohlerzogenes Mädchen war, erinnert sie nur ungern an ihre Schulzeit. Stets fragte sie sich, was sie dort eigentlich zu suchen hatte, wo ihr doch längst klar war, dass sie ein musikalisches Schicksal erwartete. Doch dies fiel ihr nicht so einfach in den Schoß.

„Meine Mutter war sehr streng und sie erlaubte mir nur, christliche Musik zu hören. Doch irgendwann gab mir eine ihrer Freundinnen, die von meiner Leidenschaft fürs Singen wusste, zwei Kassetten gab: Cher und Whitney Houston. Ich saß stundenlang nur da und hörte mir die beiden Alben an - auf Endloswiederholung.“

Geld, um ihre Gesangsausbildung zu ermöglichen, war nicht vorhanden. Also nahm sie mit vierzehn einen Job in einem Bekleidungsgeschäft an, um ihre Gesangsstunden zu finanzieren. Anschließend besuchte sie eine Hochschule für Darstellende Künste.

Doch mit siebzehn änderte sich ihr Leben mit einem Schlag komplett – Rebecca wurde schwanger mit Tochter Lillie May. Zwei Jahre später folgte Sohn Karl. „Die Leute sagten zu mir: ‚Jetzt ist dein Leben ruiniert!‘ und eine Weile glaubte ich das auch. Aber man muss seine Träume nicht aufgeben, nur weil man Kinder hat. Sie haben mich zum Erfolg getrieben, denn ich will ihnen ein besseres Leben bieten können. Und mir.“

Rebecca Ferguson zeichnet eine unglaubliche Bescheidenheit aus, doch ihr geschulter Blick ist stets auf die Zukunft gerichtet. Und ihr Potenzial ist gewaltig. „Ich bin sehr stolz auf dieses Album.

Es war nicht leicht, die Songs zu schreiben und ich habe so viel von mir eingebracht, dass es sehr hart für mich wäre, wenn die Leute es nicht mögen. Aber ich würde es mit Fassung tragen“, sagt sie. „Wenn die Leute nur sagen: ‚Ich glaube jedes Wort, das sie sagt‘ - das wäre das Größte.“

Schaut man auf die (britischen) Pressestimmen zu „Heaven“ durch, dann muss sie sich diesbezüglich keine allzu großen Sorgen machen:

„Ist Rebecca Ferguson der erste glaubwürdige Star, der aus einer Reality TV Show hervor geht? Bereits ihre wunderbare Debütsingle katapultiert die ‚X Factor‘-Zweite in eine Liga mit Aretha Franklin. (The Telegraph)

„Es gibt nichts an diesem Album, was ich nicht mag.“ (***** Daily Telegraph)

„Ihre Stimme macht unsere Welt ein wenig schöner.“ (**** Guardian)

„Unerschrocken ehrlich.“ (**** The Independent)

„‘Heaven‘ ist ein Album, das Millionen berühren wird.“ (**** Daily Mail)

„Ein Chart-Stürmer.“ (**** Daily Express)

„Vollmundige, ungekünstelte Songs, die das Herz öffnen. In der Tat himmlisch. Rebecca Ferguson steht offensichtlich vor einem lebensverändernden Erfolg.“  (**** The Daily Mirror)

„Ferguson liefert die Single mit einer Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit ab, die ihren Heldinnen Aretha Franklin und Nina Simone zur Ehre gereicht“ (Daily Telegraph)

„Ein beeindruckendes Debütalbum, in dessen Fokus stets Fergusons großartige Stimme steht.“ (BBC Music)

„Ein beseeltes, gefühlsgeladenes und unglaublich ausgereiftes Debütalbum.“ (Glamour Online)

Abstract

Es gehört ganz unmittelbar zum Wesen der Popmusik, das sie uns immer wieder aufs Neue verblüfft und überrascht. Im Falle der uneingeschränkt wunderbaren Rebecca Ferguson sind es v.a. die höchst verschlungenen Karriere-Pfade, die sie ins Scheinwerferlicht der (musikalisch interessierten) Öffentlichkeit führten, die uns Staunen lassen.

Gerade mal ein Jahr ist es her, dass die extrem scheue, (seinerzeit) mit einem beklagenswerten Mangel an Selbstbewusstsein ausgestattete zweifache Mutter an einer Audition für die britische Talentshow „The X Factor“ teilnahm. Es wurde einer der bemerkenswertesten Auftritte in der Geschichte der Sendung.

Dass sie abschließend lediglich den zweiten Platz belegte, ist nicht weiter von Bedeutung – bzw. war es möglicherweise sogar die wesentlich bessere Option.

Denn als Nicht-„X Factor“-Sieger hatte die aus Liverpool stammenden Sängerin im vergangenen Jahr ausreichend Zeit, ihre Songwriting-Skills zu verfeinern und mit ihrer bemerkenswerten Stimme jene Songs zu veredeln, die die 25-jährige zur Stimme ihrer Generation machen werden – und möglicherweise sogar zu einem globalen Superstar.

Rebecca Fergusons Debütalbum „Heaven” biedert sich zu keiner Zeit an Moden an, es ist kein todschicker Hybrid aus den hippsten, aktuellen Musikgenres, zusammengerührt und ein wenig durchgeschüttelt, bis am Ende ein amorpher Klumpen Trend-Pop herauskommt. Es ist Soul. Aus jeder Faser und jeder Note strömen ungefilterte Emotionen, die alle anderen Sängerinnen und Sänger… gewöhnlich klingen lassen.

Musik Rock/Pop: Die Soul-Sensation aus England war am 22.03.2012 zu Gast bei Harald Schmidt

http://www.freundederkuenste.de/startseite/einzelansicht/article/musik_rockpop_die_soul_sensation_aus_england_ist_am_22032012_zu_gast_bei_harald_schmidt.html

Peter Goebel
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08.04.2012 dirigieren ist kein reiner männerberuf

GFDK/ NewsWork

Wenn Cornelia von Kerssenbrock in Gummistiefeln und Parka auf dem Tierschutzhof von Gut Immling alte Zirkuspferde füttert, die Eseldame Mary streichelt oder dem Tierarzt bei der Behandlung eines kranken Hänge-bauchschweins zur Hand geht, ist der Stress internationaler Auftritte ganz weit weg.

Doch diese Inseln der Ruhe werden für Cornelia von Kerssenbrock schrumpfen, ihr Terminkalender ist prall gefüllt. Die heute freischaffende Dirigentin jettet um die Welt: zu Gastdirigaten in den großen Opernhäusern in der Schweiz, in Katar, Tschechien, Rumänien, Polen, Aserbaidschan, Georgien und auch in Süd- und Nordamerika. Sie leitete das Orchester der Staatsoper Krakau, stand in Deutschland vor den Hamburger Symphonikern, den Münchner Symphonikern oder dem Akademischen Orchester Halle/Saale am Dirigentenpult.

Ist dirigieren ein Männerberuf? „Es ist mental extrem anstrengend, braucht unheimliche Konzentration und fordert einen selbst auch emotional", sagt Cornelia von Kerssenbrock. „Aber es gibt keinen Grund, warum nicht auch eine Frau ein Orchester dirigieren sollte.“

Sie habe die „musikalischen Fäden souverän in der Hand“ bestätigen die Kritiker ihre Arbeit. Sie loben ihre lebendige, temporeiche und doch differenzierte Verdi-Interpretation und sprechen von „dirigentischer Meisterleistung“, „von einer der Besten ihrer Zunft“.

Cornelia von Kerssenbrock studierte in Salzburg Kirchenmusik, in Freiburg Orchesterleitung bei Prof. Dr. Peter Gülke und absolvierte in Siena/Italien die Dirigenten-Meisterklasse von Gianluigi Gelmetti sowie Meisterkurse bei Paul Goodwin (London), Mariusz Smolij (Houston/USA), Jorma Panula (Helsinki) u.a.

Beim 16. Opernfestival Gut Immling zwischen 22.6. und 19.8. werden die erwarteten 16.000 Besucher Cornelia von Kerssenbrock an mehr als zwei Dutzend Abenden am Dirigentenpult erleben.

Die musikalische Leiterin des Festivals dirigiert unter anderem die Münchner Symphoniker bei der Oper „Troubadour“ (Vorstellungen: 22.6., 29.6., 1.7., 14.7., 22.7., 28.7., 3.8., 11.8.), sowie das Festivalorchester bei Mozarts „Hochzeit des Figaro“ (Vorstellungen: 30.6., 7.7., 13.7., 20.7., 29.7., 1.8., 10.8.), Händels „Julius Caesar“ (Vorstellungen: 27.7., 4.8.) und bei der Welturaufführung der Oper „Brandner Kasper – Eine bairische Oper“ (Vorstellungen: 6.7., 15.7., 21.7., 26.7., 9.8).

Cornelia von Kerssenbrock zählt zu den besten Dirigentinnen in Europa – beim 16. Opernfestival Gut Immling im Sommer 2012 wird Sie bei mehr als zwei Dutzend Opernabenden den Ton angeben. Gut Immling – Am Dirigentenpult zählt für Cornelia von Kerssenbrock nur eines: Aus den Meisterwerken großer Komponisten maximale Klangvielfalt zu schöpfen das Publikum mit der Musik zu berühren.

Die Kritiker sind voll des Lobes: „Neuer Stern am barocken Dirigentenhimmel“, schreiben sie unter anderem über die geborene Münchnerin. Sie ist ausgezeichnet mit dem „Händel-Förderpreis“, dem Würdigungspreis des Ministeriums für Kultur in Wien, wurde vom Deutschen Musikrat mit einem Stipendium geadelt und dort auch als „Maestro von Morgen“ gelistet.

Außer Zweifel: Cornelia von Kerssenbrock zählt heute zu den wenigen großen Dirigentinnen von internationalem Ruf.

Das Opernfestival Gut Immling im Chiemgau wird auch in diesem Jahr von ihrem Können profitieren. Zum achten Mal stellt sie als musikalische Leiterin die entscheidenden künstlerischen Weichen bei diesem mittlerweile international renommierten Opern-Event.

Kontakt: Unsere Oper e. V. Gut Immling 83128 Halfing Tel. 08055 – 9034-15 Pressekontakt: NewsWork AG E-Mail: gutimmling@remove-this.newswork.de

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15.03.2012 über die entstehung ihres albums "spark"

GFDK - Peter Goebel - 7 Bilder

Hier ist die Geschichte ihrer anhaltenden Erfolge in Norwegen, Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In ihrer Heimat hat Marit Larsen bereits zwei Alben veröffentlicht. „Under The Surface“ (2006) erreichte in nur drei Wochen Goldstatus, ihre Debütsingle „Don’t Save Me“ besetzte fünf Wochen lang die #1 der norwegischen Charts und brachte ihr zahlreiche Preise (u.a. ein MTV Europe Music Award als „Beste norwegische Künstlerin“) ein.

Der Nachfolger „The Chase“ erschien 2008. Wieder stürmte sie die Charts mit riesigem Erfolg - die überragende Single „If A Song Could Get Me You“ befand sich ganze 24 Wochen lang in den norwegischen Single-Charts. 2009 hatte Marit Larsen also bereits eine Karriere inklusive zweier hochgelobter Bestseller-Solo-Alben im Rücken.

Es sprach nichts dagegen, dieses Mädchen auch im Ausland zu veröffentlichen. Sony Music bemusterte „If A Song Could Get Me You“ an deutsche, österreichische und schweizerische Radiostationen und prompt erreichte der Song Top Ten Platzierungen in den Airplay-Hitlisten der drei Länder.

In den Verkaufscharts erreichte die Single #1, setzte sich fünf Wochen lang ganz oben fest und wurde aktuell mit Platin ausgezeichnet. Ebenfalls Platin und Platz 2 erreichte die Single in der Schweiz, in Österreich war die Single #1 der Charts und ging Gold.

Nach dem Erfolg von „If A Song Could Get Me You“ erschien in Deutschland, Österreich und der Schweiz das gleichnamige Album - eine Kombination der besten Songs ihrer zwei Solo-Alben.

Es stieg ohne Umwege auf #3 der deutschen Charts ein, enterte in der Schweiz auf Platz 2, in Österreich auf Platz 7 und meldete in allen Ländern souverän Goldstatus. Zusammengenommen hat Marit Larsen bis heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 300.000 Singles und ca. 250.000 Alben verkauft.

Nach dem Erfolg von „The Chase“, Chartstürmern in Norwegen und Deutschland, Hunderten von Akustik-Versionen von „If A Song Could Get Me You“ bei unzähligen Radiostationen, Konzerten, Festivals und zwei Jahren Leben aus dem Koffer war Larsen nicht ausgebrannt.

Ganz im Gegenteil - sie war schon dabei, ihr nächstes Album zu planen. Sie brauchte nur Raum um neue Stücke zu schreiben. „Ich fühlte mich rastlos wegen der Melodien, die ich noch schreiben musste und wegen der Songs, die ich in meinem Live-Set zu vermissen glaubte - diejenigen, die ich einfach für mich selbst schreiben muss.

Ich bekomme dieses Kribbeln, das nicht aufhört, bis der Song fertig ist.“ Also packte Larsen ihren Koffer und kaufte ein One way Ticket nach New York. Am Ende blieb sie ungefähr sieben Monate. „Es war schön, ein bisschen isoliert zu sein und Zeit zu haben, eine Bestandsaufnahme zu machen. Wer bin ich, wenn niemand zuhört?

Was schreibe ich, wenn niemand irgendetwas erwartet? Es fühlte sich gut an, festzustellen, dass die Musik, die ich schrieb, immer noch starke Parallelen zu dem Material hatte, das ich vorher gemacht hatte. Es war eine wichtige Reise, sowohl auf einer persönlichen Ebene als auch für mich als Komponistin.“

Larsen lebte in einem Apartment, in dem sie einfaches Aufnahme-Equipment hatte - ein Mikrofon, ein paar Instrumente und Garage Band auf ihrem MacBook. Sie nahm morgens Skizzen und Demos auf, und wenn die Sonne aufging, spazierte sie auf den Straßen von New York und hörte sie sich an, analysierte alles, was sie aufgenommen hatte.

„Ich fand es schon immer hilfreich, neue Musik aus dem Umfeld, in dem ich sie geschrieben habe, herauszunehmen. Dann wird deutlich, was heraussticht, so oder so. Auf diese Weise finde ich meine ‚Keeper’“. Als sie nach Oslo zurückkehrte, war sie bereit, ihr nächstes Album aufzunehmen. Genau wie die beiden Vorgänger entstand auch „Spark“ unter der Regie von Kåre Vestrheim (Hanne Hukkelberg, Morten Harket, Gluecifer) in den Propeller Studios in Oslo.

„Kåre und ich sprechen die gleiche musikalische Sprache”, beschreibt Larsen. „Wir kümmern uns nicht um Genres, wir möchten einfach großartige Musik machen. Zusammen spielen wir eine Reihe von Instrumenten, deswegen können wir beide eine ganze Weile mit Ideen spielen, bevor wir andere Musiker in den Aufnahmeprozess einladen.

Es ist ein tolles kreatives Umfeld: Alles ist möglich, es gibt keine Regeln.“ Ebenso wenig macht sie sich übermäßig Gedanken um das Konzept einer Hitsingle. „Jeder einzelne Song auf dem fertigen Album ist für mich ein Hit“, erklärt sie.

„Nicht unbedingt, weil ich mir jeden Song im Radio vorstellen kann, sondern weil jeder von ihnen an irgendeinem Punkt einmal mein Lieblingssong ist. Man komponiert und schreibt; man schreibt und komponiert - und ab und zu hat man das Gefühl, dass niemand vorher jemals einen Text aus genau dieser Perspektive geschrieben hat oder man meint, dass man diese eine Melodie einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Darum geht es für mich beim Songwriting.“

Die erste Single „Coming Home“ stammt von Marit Larsen und wurde von Kåre Vestrheim produziert. „Unsere Zusammenarbeit war besser denn je. Kåre ist unglaublich gut darin, mich herauszufordern.“ Larsen hat alle Songs selbst geschrieben, mit Ausnahme von „I Can’t Love You Anymore“, das mit Teitur entstand, und „Have You Ever“ und „Don’t Move“, bei denen Peter Zizzo (u.a. Celine Dion, Jennifer Lopez) als Co-Schreiber fungierte.

Larsen erklärt, dass der Titel „Spark“ „die kleinen Momente in unserem Leben beschreibt, die alles verändern: Der erste Funke von etwas Neuem - sei es ein neuer Anfang oder der Anfang von einem Ende.“

 

Abstract

Nach ihrem 2008er No.1-Hit „If A Song Could Get Me You“, dem gleichnamigen Platin-Album, unzähligen Interviews in Radiostationen, Konzerten, Festivals und Leben aus dem Koffer war Marit Larsen nicht ausgebrannt – im Gegenteil - sie war schon dabei, ihr nächstes Album zu planen. Mit dem Titel „Spark“ veröffentlichte die süße Norwegerin ihren zweiten Longplayer in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Im April folgt nun mit „Have You Ever“ die zweite Singleauskopplung. Um neue Stücke für „Spark“ zu schreiben, packte die MTV Europe Music Award Gewinnerin ihren Koffer und flog mit einem One-Way Ticket nach New York. Am Ende blieb sie ungefähr sieben Monate und kam mit jeder Menge Songs nach Oslo zurück.

Bei der aktuellen Single „Have You Ever“ fungierte Peter Zizzo (u.a. Celine Dion, Jennifer Lopez) als Co-Schreiber. Herausgekommen aus der hochkarätigen Zusammenarbeit ist eine wunderbar eingängige Popnummer, die Marit auf ihren zierlichen Leib geschrieben ist. Ein typischer frischer Marit Larsen-Hit!.

Marit Larsen

Titel: „Coming Home“

Spätestens seit ihrem No.1 Hit „If A Song Could Get Me You“, der in Deutschland fünf Wochen in Folge den Spitzenplatz der Charts besetzte und aktuell mit Platin veredelt wurde, ist die Norwegerin Marit Larsen ein gern gesehener Gast in unseren Breiten und der deutschsprachigen Nachbarschaft.

Ihr gleichnamiges Album schoss im Jahr 2009 kometenhaft auf Platz 2 bei Media Control und wurde vollkommen zu Recht vergoldet. Aber es sind nicht ihre Verkaufserfolge, die Marit Larsen zu einer so besonderen Künstlerin machen - viel mehr sind es ihre elfenhafte Ausstrahlung, ihre blütenzarte Stimme und der hinreißende Charme ihrer Melodien, die dem Zuhörer den Kopf verdrehen.

Marit Larsens erste Single vom neuen Longplayer „Spark“ heißt „Coming Home“ und wurde wie das gesamte Album in New York City geschrieben. Nach den überwältigenden Erfolgen der letzten Releases war es Zeit für ein bisschen Abstand:

»Ich fühlte mich rastlos wegen der Lieder, die ich in meinem Live-Set zu vermissen glaubte - diejenigen, die ich einfach für mich selbst schreiben muss. Ich bekomme dann ein Kribbeln, das nicht aufhört, bis die Tracks fertig und aus meinem Kopf sind.« Sieben Monate lang hatte sie sich zurückgezogen, um sich kreativ neu zu kalibrieren:

»Es war schön, ein bisschen isoliert zu sein und herauszufinden, wer ich geworden war. Wer bin ich, wenn niemand zuhört? Was tue ich, wenn niemand irgendetwas erwartet? Es war eine wichtige Reise für mich als Person und als Komponistin.« „Coming Home“ klingt tatsächlich, wie nach Hause kommen.

Wenn Marit anfängt zu singen, möchte man ihr den Mantel abnehmen, ein Feuer im Kamin machen und wissen, was sie zu erzählen hat. »I wonder if you know when you kiss me like that, you ruin me for anyone else.« Und ganz genauso ist es: Wer Marit Larsen hört, will erst mal nichts anderes mehr.

Peter Goebel
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04.03.2012 sie nimmt in ihren Texten kein Blatt vor den Mund

GFDK - Peter Goebel - 12 Bilder

Cäthes deutschsprachige Popmusik kann mutiger und ehrlicher nicht sein. Die in Hamburg lebende Sängerin nimmt in ihren Texten kein Blatt vor den Mund und überzeugt mit ihrer rotzigen Röhre, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Ihre Musik ist laut, verspielt, ansteckend und außergewöhnlich.

Auf so eine Künstlerin wie Cäthe hat man in Deutschland lange gewartet. Endlich ist sie da! Bevor im September 2011 ihr ungewöhnliches und erfrischendes Album „Ich Muss Gar Nichts“ erschien, schenkte sie uns Ende Januar 2011 bereits die 5 Track EP „Senorita“, die schon eindrucksvoll zeigt, was für ein Talent hier am Werke ist.

Als Cäthe an einem grauen Novembertag 1982 in Staßfurt zwischen Berlin und Magdeburg geboren wurde, war sie noch das kleine Sandkörnchen Catharina Sieland, wie man es zu Millionen am Ufer der nahen, breiten, dahinfließenden Elbe finden kann. Aber dieser Novembertag war ein Sonntag.

Bald nahm das Geheimnis seinen Lauf. Schon früh begann das Sandkörnchen zu trällern, im Kindergarten, in Treppenhäusern, wo sich die Gezwungenermaßen-Zuhörer noch die Ohren zuhielten oder sich Stille mit Bonbons erkauften. Dennoch:

Allen Unbilden zum Trotz, die Musik war längst in ihrem Herzen. Die Eltern waren froh darüber. Ihr Vater besaß zwar Beatles- und Rolling Stones-Platten, konnte aber selbst nicht musizieren, und die Mutter liebte Goethe, besaß jedoch nicht den Drang, selbst zur Feder zu greifen.


Cäthes Kindheitsträume endeten wie die aller Mädchen, am Meer, in der Ferne oder über den Wolken, die Realität dagegen reichte meistens nur bis auf den Campingplatz am Plauer See. Aber auch dort war es schön, weil man zusammen mit dem Bruder und den Großeltern Terence Hill und Bud Spencer schaute und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielte.

Die Ausreise wenige Monate vor der Wende von Staßfurt nach Aalen in Baden-Württemberg war ein tiefer Einschnitt in das Leben der Siebenjährigen, der aber den Wunsch zum Singen nur verstärkte. Nun lag der kleinen Catharina plötzlich die ganze Welt der Töne zu Füßen. Ihr erster Eklat im Westen bestand darin, dass sie ihrer Barbiepuppe einen Kurzhaarschnitt verpasste.

„Sie sollte so aussehen wie ich.“ Auch Cäthe war schlank wie eine Barbiepuppe, trieb Sport, tanzte Rock n´ Roll und war wendig wie eine Wildkatze. Sie konnte aus dem Stand durchstarten, explodieren, beinahe platzen und dann wieder bockig sein wie ein wolliges Schaf.

Mit zwölf kaufte ihr der Vater eine Gitarre. Bald gab es kein Halten mehr. Die Musiker-Karriere lag wie eine Autobahn vor ihr. Mit vierzehn gab sie ihr erstes Konzert in der Kneipe von Bobby Brown. Fast wäre sie vor Lampenfieber zersprungen. Aber alles ging gut.

elbst. Aber Cäthes Mutter wollte bei der Suche mitspielen. Sie fand eine Kunstschule für Schmuck und Design für die Tochter. Das war nicht schlecht, aber die Fachschule für Musik- und Gesangsausbildung in Dinkelsbühl gefiel dem Musiktalent besser. Dort erlernte sie selbst Dirigieren. Ein Sandkorn bleibt man vorerst auch nach dem besten Schulbesuch, wenn nicht ein Glücksfall eintritt.

Und er trat ein. Cäthe hatte schon in der Schule eigene Lieder geschrieben, sie am Wochenende, wenn alle nach Hause fuhren, in ein verstimmtes Klavier gehämmert und auf Tonträger aufgenommen, sich autodidaktisch zum Songwriter entwickelt.

Sie hätte Englisch schreiben können, doch sie schrieb Deutsch, „weil ich mich so besser ausdrücken kann“, und sie wollte ihre Lieder in Deutsch singen. Selbstgeschriebene Texte, die bei ihr immer autobiografischen Bezug haben, dienen der Selbstfindung, das Wichtigste vielleicht für einen angehenden Künstler.

Aber Cäthe wusste bald, vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Sie jobbte u.a. als Sexshopverkäuferin, Weihnachtsmann und Stuhlabbeizerin. Nachts schreibt sie wie besessen Lieder – immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten.

Ihr Weg führte über Mannheim schließlich nach Hamburg, wo sie an einer Hochschule einen mehrwöchigen Popkurs absolvierte. Hamburg gefiel ihr, und 2006 zog sie ganz in die alte, schöne Hansestadt.

Mit Kallas, Flozze, Kriton und Philipp baute sie sich eine Band auf, die es mit ihren Instrumenten versteht, das scheppernde Herz der Musik anzutreiben und die mutige Popsängerin, die alle Facetten auf der Bühne auslebt, auf ihrem ungewöhnlichen Pfad zu begleiten. Sie schrieb Lied auf Lied und die Anzahl ihrer Fans wuchs von Tag zu Tag.

Auf ihrem Debütalbum „Ich Muss Gar Nichts“ singt sie ehrlich und befreiend über Gefühle und Eindrücke, die sie beschäftigen. Sie lebt sich aus, lässt ihre wilde Seele regieren und erzählt Geschichten, die das Leben schreibt.

Sie ermahnt sich, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht von Ängsten beherrschen zu lassen („Senorita“), singt über Beziehungen („Wahre Liebe“), Vagabunden („Tiger Lilly“) oder darüber wie leicht es sein kann, schwer zu sein („Leicht Schwer Zu Sein“). Cäthe kann laut sein und rockt gewaltig, aber auch die leisen Töne stehen ihr hervorragend, wie auf „Bleib Hier“ oder beim Titelsong „Ich Muss Gar Nichts“.

In Philipp Schwär findet Cäthe den richtigen Produzenten für ihre selbst komponierten Stücke. 13 davon nahmen sie im Sommer letzten Jahres mit ihrer Band und einigen Gastmusikern in den Hamburger Home Studios auf.

Aus dem Sandkorn von Staßfurt ist heute in Hamburg eine Perle geworden. In wenigen Monaten wird Cäthe ihr erstes Album herausbringen. Erst dann werden sie und ihre Bewunderer erfahren, ob diese schmächtige, schreibende und singende Musikathletin es geschafft hat, ob die Verwandlung vom Sandkorn zur Perle kein Märchen ist.

Cäthe „Ich Muss Gar Nichts“ erschien bei DEAG Music.

„Ich muss gar nichts“ – neue Noten heiß geschmiedet
Das Debütalbum der Hamburger Sängerin und Songwriterin Cäthe


Mal sei sie Lust, mal seligste Freude, mal will sie Liebe, mal verbuddelter Schatz oder gar Dichter und eigener Richter sein. „Ich glaube, ich bin ein Ding, wenn’s in Bewegung ist, macht’s einen Sinn,“ singt Catharina Sieland, alias Cäthe, und wer sie hört und erlebt, glaubt ihr, der Tochter eines Schmiedes, dessen Wiege einst in Sachsen-Anhalt in der Nähe der Elbe stand, ihre heiß geschmiedeten Noten und Texte.


Ihre Musik kann als laut oder verspielt empfunden werden, stimmgewaltig ist sie allemal und außergewöhnlich. Die von ihr selbst geschriebenen und vertonten Texte, feinsinnig und deutschsprachig, haben nicht nur eine große Bandbreite, sondern auch notwendigen Tiefgang.


Cäthes Musik ist ein Suchen und Finden. Sie erzählt auf poetische Weise von Begebenheiten, die einem im Alltag bzw. im täglichen Leben so passieren können. Für manche führt sie dazu, sich selber besser erkennen zu können. Ihre meist autobiografischen Texte lassen uns hinter ihren eigenen
Vorhang schauen und teilhaben an ihrer Sicht auf die Welt.


Cäthe will mit ihrer Musik auch daran erinnern, sich nicht von Ängsten beherrschen zu lassen („Señiorita“), singt über Beziehungen („Wahre Liebe“), Vagabunden („Tiger Lilly“) oder darüber, wie leicht es sein kann, schwer zu sein („Leicht schwer zu sein“).


Ihr Debütalbum enthält zwölf Songs, denen Produzent Philipp Schwär den letzten Schliff gab. Cäthe spricht gern von Arbeiten aus ihrer „Klangschmiede“. Songs zu entwickeln ist für die Sängerin und Autorin eine Riesensehnsucht, eine ewige Reise, die beim Hören Nachhaltigkeit hervorbringen kann.


Ihr erstes Album klingt nicht wie das eines Newcomers. Die Neu-Hamburgerin hat die Jahre stillen Schaffens genutzt, Stimme und Musik zu kultivieren, „denn eigenständige Musik braucht Zeit zum Wachsen,“ sagt sie. Nun ist für sie und ihre hoffentlich vielen Fans die Zeit des Wartens um.

Wer ist Catharina Sieland, alias Cäthe?

Sie ist eine musikalische Brückenbauerin, die den Bogen findet vom Inneren zum Äußeren. Mit zwölf bekam sie ihre erste Gitarre. Mit vierzehn gab sie ihr erstes Konzert. Erst danach erhielt sie Musikund Gesangsausbildung, absolvierte einen Popkurs und zog nach Hamburg um.

Dort ist sie inzwischen kein Geheimtipp mehr. Und Ende September, wenn ihr erstes Album erscheint, wird sie dann überall ein offenes Geheimnis sein.
Das Album „Ich muss gar nichts“ erschien am 30.09.2011 (Label: DEAG Music; Vertrieb: Sony Music Entertainment

Die Hamburger Sängerin CÄTHE (29) begeisterte im letzten Jahr mit ihrem phantastischen Chart- Album „Ich muss gar nichts“ (DEAG) und ihrer Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz mit ihrer großartigen Stimme und ihrer fantastischen Liveband das Konzertpublikum. Mit ihrem Debütalbum  im Gepäck feierte der Kölner Express die stimmgewaltige Sängerin „als die beste deutsche Popstimme seit Nina Hagen“ und die B.Z. Berlin kündigte ihr Konzert als „Geheimtipp des Tages“ an.

Die neue Single „Ding“ besticht nicht nur durch ihren frechen, dennoch nachdenklichen Text, sondern vor allem durch die ungewöhnliche, unverkennbare Stimme, die jeden Fan aus eventuellem revolutionären Tiefschlaf reißt. Cäthe`s temperament- und kraftvoller Song verlangt nach mehr, zumindest nach Wiederholung, denn wie bei einem guten Bild nicht nur ein Blick genügt, so hört man in ihr Lied immer wieder aufs Neue hinein und doubelt es mit der eigenen Befindlichkeit.

TV Termin:

08.03.2012 Sat 1, 23.15 Uhr: "Harald Schmidt Show"


Tourdaten 2012:

02.03.2012 Düsseldorf, Pitcher

03.03.2012 Reutlingen, Franz K

05.03.2012 Hannover, Mephisto

06.03.2012 Hamburg, U+G

07.03.2012 Gütersloh, Weberei

09.03.2012 Rostock, Mau

10.03.2012 Frankfurt, Das Bett

11.03.2012 Köln, Luxor

12.03.2012 Magdeburg, Altes Theater

13.03.2012 Leipzig, Moritzbastei

15.03.2012 Freiburg, Waldsee

16.03.2012 Nürnberg, Hirsch

17.03.2012 Weinheim, Cafe Central

18.03.2012 Konstanz, Kulturladen

19.03.2012 Wiesbaden, Schlachthof

21.03.2012 Bremen, Lagerhaus

22.03.2012 Lübeck, Riders Cafe

23.03.2012 Münster, Hot Jazz Club

24.03.2012 Duisburg, Alter Feuerwache

25.03.2012 Aachen, Musikbunker

www.caethe.com

www.facebook.com/caethe.de

Musiknews: CÄTHE ist am 08.03.2012 zu Gast in der Harald Schmidt Show

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/musik/einzelansicht/article/musiknews_caethe_ist_am_08032012_zu_gast_in_der_harald_schmidt_show.html?type=0

"Senorita" - Die in Hamburg lebende Sängerin Cäthe wird 2011 durchstarten

http://www.freundederkuenste.de/galerie/videogalerie/vorschau/article/senorita_die_in_hamburg_lebende_saengerin_caethe_wird_2011_durchstarten-1.html

 

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03.01.2012 Preisträgerin des Kaiserswerther Kunstpreises 2007

Thomas Hirsch - mit 8 Bildern

Stühlerücken, Luftholen. Die Wiederher-stellung der Ordaining im Werk von Dorothea Schüle.

Das malerische Werk von Dorothea Schüle hat sich in seinem motivischen Repertoire, dem malerischen Vortrag und seiner Haltung schon frühzeitig, um 1993/94 konturiert.

Schüle entwickelt ihre Darstellungen aus der expressiven Geste heraus, die Malerei bleibt dabei stets an den Gegenstand gebunden, sie moduliert die Sujets im Zusammenspiel von Licht und Schatten, in der Schaffung von hell erleuchteten Partien ebenso wie in der Schilderung einer verhalten dämmerigen Gestimmtheit.

Sie setzt mehrere Augenpunkte, gibt Untersichten, dringt in fulminantem Tempo mitten in das Bildgeschehen ein, radikalisiert den Umgang mit der Perspektive.

Die Situationen, die wir hier vorfinden, entstammen überwiegend Bereichen, welche per se die Phänomene von Hell und Dunkel, auch eine plastische Stofflichkeit implizieren; zu sehen sind Interieurs zum einen von Kneipen - nach Feierabend, in der Morgendämmerung -, zum anderen aus dem privaten Wohnbereich.

Hier wie da menschenleer, tatsächlich aber mit Verweisen auf die menschliche Gestalt: in vielerlei Accessoires, in Gläsern, Flaschen, Kleidungsstücken, in der Anordnung des Mobiliars.

Zu sehen sind weiterhin Baustellen und Baugerüste als skelettartige, steil aufragende Gestänge, an denen sich das Licht bricht, die sich dem Betrachter entgegenschieben; und zu sehen sind schließlich Fleischstücke, im (öffentlichen) Schlachthof, im Supermarkt, vor der (privaten) Küchenzeile.

Etliche der Sujets in Schüles Bildern sind metaphorisch aufgeladen, dies reicht weit über den grundsätzlichen Rückbezug auf den Menschen hinaus. So könnte man den Stühlen und Sesseln geradezu Charakterzüge zuschreiben; Kabel und Maschinen, auch Haushaltsgeräte besitzen etwas Dämonisches, Bedrohliches, wie gefährliche Tiere, und über etlichen der Baustellenszenen, die mit einer (in Schüles Werk eher ungewöhnlichen) Kargheit und Weite einher kommen, lastet eine spannungsvolle Stille, als würde jeden Moment etwas passieren; weniger ein “danach” als ein “davor” wird geschildert.

Den Szenen eignet narrative Plausibilität. Vorgetragen sind die Spuren einer durchzechten Nacht, die eilig verlassene Wohnung, ein Gestell inmitten eines stahlblau beschienenen Raumes wie aus einem Science-fiction-Film.

Die Farbigkeit dieser - oft riesigen - Bilder verbindet die verschiedenen Werkkomplexe weiter. Häufig dominieren verhalten matte bis hin zu erdigen Bunttönen, das Gelb in Richtung auf ein Ocker, das Rot wird durch Blauspuren gebrochen, verändert sich in subtilen Abstufungen zum Violett weiter.

Das Blau freilich besitzt eine kristalline Klarheit, die bis ins Ultramarin reichen kann; Grüntöne gibt es seltener. Insgesamt - der intendierten Wirkung gemäß - eine gedeckte Farbskala, die übergangslos dunkle Partien integriert.

Dem Kontext und der Plausibilität des Sujets entsprechend taucht dazwischen ein flammendes Rot, ein ins Weiß flutende Gelb auf - die Farbgebung erweist sich als weiteres Medium zur Verdichtung der bildnerischen Intentionen und zur Erzeugung von Stimmungen, denen etwas Auratisches eignet, die gleichermaßen vertraut sind wie sie eine außergewöhnliche atmosphärische Verfaßtheit - Gefühl der Bedrohung; Erlebnishunger; Verdichtung von Erinnerungsbildern oder Klischees - beinhalten.

Das Gemälde “Paradiso Perduto”, das im vergangenen Jahr entstanden ist, schließt hier an. Gegeben ist, in genau bestimmtem Ausschnitt, ein Innenraum als Zueinander von Tischen, Stühlen, Resten eines Gelages - offensichtlich in einer Gaststätte -; die Stühle sind nachlässig verrückt beziehungsweise auf die Tische gehievt, als sollte im nächsten Augenblick der Boden aufgewischt werden.

Die Überbleibsel der Tafel befinden sich noch, mit den Mitteln der Malerei summarisch umrissen, auf dem einen Tisch. Hingegen ist der andere Tisch bereits zusammengeräumt - wohl hat die Person, die mit der Wiederherstellung der Ordnung begonnen hat, nur kurz die Szene verlassen.

Erst allmählich sieht man sich durch die Darstellung. Dem vermeintlichen Durcheinander liegt ein innerbildliches System zugrunde. Lichtreflexe, Schattenwurf und dessen Überschneidung, schließlich auch die Perspektive von erhöhtem Standpunkt, welche Überschaubarkeit vorgaukelt aber kaum einlöst, vermitteln ein höchstes komplexes Geschehen, das ebenso natürlich, vorgefunden einher kommt wie es im Detail doch organisiert ist.

Die Ruhe aber, wie sie sich gemeinhin über einen verlassenen Ort legt, erweist sich dabei als Unruhe. Es scheint, als wäre die speisende Gesellschaft doch noch anwesend, als wäre der Raum erfüllt von lauten Zurufen und leisen, privaten Gesprächen, von zwischenmenschlichen Gesten ...

Der Eindruck von Unruhe resultiert aus der verschachtelten Komposition, die innerhalb eines strengen (aber schon im Bildformat gegenläufigen) Horizontal-Vertikal-Rasters mit Verschiebungen agiert.

Er wird weiterhin gesteigert durch die mehrfache Wiederholung der Gegenstände selbst, die in ihrem Zueinander konnotativ aufgeladen sind. Die zwei Tische, die sich als Basisformen von beiden Seiten längs in das Bild schieben, sind versetzt zueinander platziert.

Der eine Stuhl schließt über dem linken Tischrand nicht bündig mit dessen Kante, verkleinert noch den trennenden Spalt. Die in ihren Rasterungen blau verschatteten Stühle treten paarweise auf, während die drei Stühle im Vordergrund Assoziationen von gegenseitiger Abstoßung auslösen - zweifelsohne ist Dorothea Schüle eine Meisterin der dramaturgischen Inszenierung.

In ihre Schilderungen könnten Kriminalfälle eingewoben sein und das Studium sämtlicher Details würde dann zur Lösung beitragen.

Der Hintergrund klärt sich weiter durch die Lampe, die tief in das Geschehen hinein hängt und in der Überschneidung die obere, vertikal gerasterte Zone als Wandbereich hinter einer Polsterbank ausdeutet. Schließlich die Lichtregie:

Auf dem Boden sind zwei riesige präzis umrissene Kreise zu sehen, in denen sich geradezu sämtliche Farben des Raumes widerspiegeln, die sich scheinbar bis zur Wand fortsetzen und sich dort, entsprechend, als Lichtkegel zeigen und noch im Polster abzeichnen.

Wie abgehängte Stoffe drücken sie auf das Geschehen, ihre Lichtquellen selbst sind nicht zu sehen ... Nicht alles in diesem Bild läßt sich entschlüsseln. Es bleibt ein synästhetischer Eindruck, das Gefühl, daß die Szene einem irgendwo irgendwann begegnet sein könnte.

Hier bleibt es beim Registrieren von außen. “Paradiso Perduto” - das verlorene Paradies - hat Dorothea Schüle dieses Gemälde genannt, welches, in seiner Gestimmtheit und seinen Sujets durchaus exemplarisch, vielleicht stärker als sonst ihre Art zu sehen und dieses Sehen zu organisieren darlegt.

Zur komplexen Syntax dieses Gemäldes, der Verunsicherung, wie man mit dem Gesehenen umzugehen hat, trägt die Perspektive bei. Der Blick schiebt sich von oben auf die Szenerie zu, nur ein wenig gelingt es, unter die Tische zu schauen, deren Seitenkanten zu erkennen sind.

Der eine Stuhl im Vordergrund nimmt geradezu Kontakt mit dem Betrachter auf. Insgesamt aber wird das Geschehen wie in großem, kaum abzuschätzenden Abstand geschildert.

Dorothea Schüle formuliert eine Distanz des Sehens, jede analytische Wahrnehmung der Szenerie resultiert aus dieser klaren Trennung von Betrachter und Handlungsraum. Dem Betrachter wird eine Story erzählt, er selbst ist hier nicht Teilhaber.

Bei der Mehrzahl ihrer Bilder wendet Dorothea Schüle eine konträre Strategie an. In “Herzverbrecher” führen Stufen aus der Darstellung heraus, als könne man über diese das Bild betreten.

In “Global Player” kehrt uns ein Klappstuhl den Rücken zu, gewissermaßen befindet sich der Betrachter, über sich die Sonne, direkt dahinter - mit dem Geschehen auf einer Ebene.

In “Qual der Wahl” wiederum steht uns das Regal mit den vielen Schuhpaaren frontal gegenüber, die seitlichen Begrenzungen dehnen sich über das Bildfeld hinaus aus und umfangen gleichsam den Betrachter.

Überhaupt, die Situation des Bildbetrachters bleibt meist ambivalent, in der Schwebe zwischen Augenzeuge und konkret Betroffenem, Lichtregie und Fluchtlinien der Bildkomposition machen uns zu Mitwissern.

Die Darlegung des nicht-öffentlichen Zustandes des Raumes, von psychologischen Gespanntheiten, überhaupt atmosphärisch komprimierten Szenarien verleihen allen diesen Bildern die Präsenz der intensiven Zwiesprache: Auch wenn er nicht aktiv am Geschehen teilnimmt, so ist der Betrachter doch - meistens - Teil des Bildes.

Festzuhalten ist, daß Dorothea Schüle bei den Darstellungen, die an einem “verwegenen”, mit veränderten Licht- und vielleicht Wahrnehmungsverhältnissen verbundenen Ort handeln - in Diskotheken, Nachtbars und Kneipen -, außergewöhnliche Perspektiven verwendet.

Der Blick führt aus einer von schräg oben kippenden Position mitten in das gleißende, reflektierende Licht der Bar hinein oder er prallt, die Theke kaum streifend, steil an die Decke mit ihren Spiegeln und Lichtmaschinen. Lichtpunkte multiplizieren sich.

Dorothea Schüle steuert den Blick des Betrachters, leitet ihn durch die Räume und führt ihn an schier unzähligen Gegenständen vorbei. Und es gibt verschattete Bereiche außerhalb der zentralen Blickachsen: hinter Stühlen, irgendwo am Rande, wo sie sich nur allmählich erschließen, die nicht minder interessant und für den Bildaufbau essentiell sind.

In anderen Bildern findet sich die Drastik des unvermittelten Gegenüber. Dorothea Schüle hat dies bei mehreren Werkkomplexen aufgegriffen, bei den Gemälden mit Fleischstücken etwa und dann bei den neueren kleinen Arbeiten.

In der Dingmagie verblüffender Zusammenstellungen sind dies durchaus Stilleben mit der Fähigkeit, eigenes Leben zu entwickeln - und darin wesensverwandt mit den Konfrontationen des Alltäglichen in den Bildern ihres Studienkollegen Martin Scheufens.

Bei all dem komponiert Dorothea Schüle ihre Arbeiten exakt; die Entwicklung des Raumes basiert auf Zentrierungen, einem Ausgleich über die Symmetrieachsen und Verspannungen der gegenüberliegenden Diagonalen.

Eine Balance der Bildpartien wird auch vermittels von Gegensetzungen des Lichtes erreicht, welches dann mit der Wucht substanzieller Präsenz aufzutreten vermag.

Jedoch hält Schüle das Bildgeschehen in einer labilen Vitalität, sie agiert mit Beiläufigkeiten, minimalen Verschiebungen und Störungen jeder absoluten Harmonie, auch einer überbordenden Vielzahl an Gegenständen, die wie nebenbei über Stuhl, Tisch und Boden verstreut sind.

In “Herzverbrecher” etwa: Exakt im Bildzentrum befindet sich der Rundtisch, um diesen sind die Stühle angeordnet, gleichsam in Bewegung, wie unter Zentrifugalkraft nach außen geschleudert.

Der Tisch rechts oben relativiert die Diagonale. Hingegen entspricht die Rasterung der Stühle in der linken oberen Ecke den Strukturen der Treppenstufen. Innerhalb dieser Ordnung nun entwickelt sich ein Geflecht, das ein räumliches Bildgeschehen bezeichnet und variiert.

Das betrifft das Verhältnis von Blau- und Rottönen in der Suggestion von Verschattungen, die Lichtspuren auf dem Boden, besonders auch das Zueinander der Stühle, deren Positionen ... Die Stühle im Vordergrund umreißen einen freien Bereich, wie einen Resonanzraum, aus dem sie zuvor heraus gerückt worden sind.

Der Stuhl hinten rechts scheint bereits einer eigenen Sphäre anzugehören, ein anderer nimmt lädiert am Geschehen teil. Derartige literarische Evokationen wären anhand der Utensilien auf den Tischen weiter zu erkunden; mithin werden sie wie in einer Arena - gerahmt von Tribünen - vorgetragen.

Das Prinzip der Flächengliederung nun, das sich hier abzeichnet, wird bei “Paradiso Perduto” noch radikalisiert. In dieser Hinsicht schließt die Darstellung an die aus atemberaubender Position geschilderte Arbeit “Knocked Out” an.

Bei “Knocked Out” liegt eine Gliederung in drei Teile vor, die in der Anzahl der Stühle auf jeder Seite des Tisches aufgenommen wird, indes nicht exakt gleiche Maßverhältnisse zeigt. Die Stühle auf der rechten Hälfte stehen großzügiger, freier - haben nicht dermaßen die “Wand im Rücken”.

Auf ein Detail wäre hinzuweisen: Unsere visuelle Erfahrung kombiniert aus den beiden hellen Rundformen zwischen den Stühlen rechts einen Damenschuh auf dem Boden, also auf einer tieferen Ebene als die der Sitzflächen und als die der Tischfläche.

Dorothea Schüle erreicht die Plausibilität räumlicher Schichten vermittels von Lichtreflexen, damit von Schatten, als breite tiefdunkle Konturierung der Sitze und malerische Modulierung von diesen selbst. Sie erzeugt einen Illusionismus, der uns einerseits vergessen läßt, daß wir es hier mit der flächigen Anordnung von Ölfarbe auf Nesselleinwand zu tun haben.

Andererseits vollziehen wir diesen Sprung von der Raumtiefe in die Fläche zurück, wenn wir über Komposition sprechen und die hellen Flecken wieder in ein Bezugssystem zur Farb-Form-Verteilung auf dem Tisch setzen ...

Mit der Schilderung der Verkündigungsszene im häuslichen Interieur stellt sich die Frage nach dessen Beschaffenheit; so nimmt die bürgerliche Stube (über die “Puppenhaus”-Schauplätze des Trecento hinaus) eine Vielzahl (ikonographisch zu verstehender) Motive auf: dies ist ein Moment der altniederländischen Malerei schon im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

Ein Gemälde, welches in diesem Kontext neue Lösungen in Bezug auf Raumgliederung, Naturalismus und Einfühlungsvermögen zeigt, ist v.a. die Mitteltafel des sog. Mérode-Altar des Meister von Flémalle, welcher heute als Robert Campin identifiziert wird.

Der Meister von Flémalle ersetzt den Goldgrund durch die räumliche Schilderung des dicht gefüllten Interieurs, im Hintergrund öffnet sich ein Fenster ins Freie, dies geht einher mit einem verstärkten Realismus, mit plastischer Detailgenauigkeit und basiert wesentlich auf der Devotio moderna, nach der - theologisch begründet - jedes Ding Aufmerksamkeit verdiente.

Der Meister von Flémalle arbeitet hier mit der “Einpunktperspektive”, welche “mit halsbrecherischer Geschwindigkeit” den Raum fluchten läßt (E. Panofsky, 1953, Köln 2001, I,168), wobei er aber nur bedingt Verkürzungen schafft und die Darstellungsgröße reduziert.

Freilich bleibt er im Mérode-Altar noch dem dekorativen Verständnis der Flächengliederung verpflichtet (Otto Pächt spricht vom “Bildmuster”, München 1993, 58), dieses dominiert hier, und in der engen Verzahnung realiter hintereinander liegender Gegenstände ordnet er ihr sein - doch revolutionäres - Interesse für den Raum zu.

Der “Widerspruch zwischen physischem Tatbestand/ und psychologischer Wirkung”, der nach Josef Albers im “Ziel der Kunst: Offenbarung und Erweckung von Vision” aufgehen soll (J. Albers, zit. E. Gomringer, J.A., Starnberg 1968, s.p.), wird erst recht bei einer gegenständlichen Malerei umgesetzt, die explizit mit der Darstellung von Licht und Schatten Raum entwickelt und weiter ausformuliert.

Bei “Paradiso Perduto” liegt eine horizontale Teilung vor, zum einen in zwei etwa gleich große Hälften, auf Höhe der Lampe; die Duplizität der umgedrehten Stühle bezeichnet gleichsam ihre eigene Spiegelung. Zum anderen in vier Längspartien, die durchlaufend linear gelesen werden und mit Analogien in der Vertikalen agieren.

Die Halbkreise oben finden ihre Entsprechung im unteren Bereich als dunklere Schattierungen, die (vergleichbar mit der oberen Bildhälfte) durch die zweite Zone, die Tische selbst, im Helligkeitswert kontrastiert werden. Aus dem Standpunkt des Betrachters ergibt sich die Draufsicht.

Hintereinander wird vielfach als Umeinander gegeben, das einzelne Ding wird bis zu einem gewissen Grad ausgebreitet. Hierauf beruht die dichte Verflechtung sämtlicher Erscheinungen. Die Gläser bilden in ihrer Transparenz als geschlossene Gefäße eine additiv gestaffelte Fläche.

Und während drei der umgekippten Stühle mit ihrer Rasterung den Sog steigern, verlangsamen die horizontalen Streben des vierten das vertikale Vortasten. Darin verschränkt ist das Zueinander der weißen Stuhlflächen, die sich - tatsächlich - auf ganz anderen und unterschiedlichen Ebenen befinden.

Zugleich wird der Flächenraum von Senkrechten durchzogen, die auf sich gegenläufig öffnenden oder schließenden Formationen basieren. Dorothea Schüle setzt mit ihrem Verfahren der synchronen Zergliederung von Raum eine differenzierende Untersuchung von Formbeziehungen in Gang.

Indem sie die Palette der Farben und die Anzahl verschiedener Bedeutung tragender Motive begrenzt hält, forciert sie das Zu- und Gegeneinander von Raumschichtung und Flächengliederung weiter, welches sich nun als dicht gedrängtes Aktionsfeld erweist.

Der Bildraum, links wie rechts, oben wie unten angeschnitten, wird zum örtlichen Gebilde, dem wir - als Betrachter mit den Augen der Malerin - relativ fern sind. Gaston Bachelard versucht die Dialektik von Draußen und Drinnen zu klären, indem er u.a. die “Bereiche des Lichtes und der Töne, der Wärme und der Kälte” hinzuzieht (G. B., 1957, Frankfurt/M. 1994, 214).

Genau dies unternimmt Dorothea Schüle mit den Mitteln der Suggestion von Emotion. Sie erzeugt eine Schein-Realität - potenziert durch die Mittel der Widerspiegelung -, die am Scheinbaren keinen Zweifel läßt.

Bei den Bildern von Dorothea Schüle haben wir es oft (mehr oder weniger direkt, mehr oder weniger im übertragenen Sinne) mit Spiegelbildern zu tun, und die Dinge selbst zeigen ihre Abbilder in Schatten und Lichtreflexen.

“Das Verhältnis von Spiegel und Gespiegeltem kann man ... auch als ein Verhältnis der bloßen Abschattierung, des Abklatsches, der Täuschung und des Betruges betrachten.

Nach dieser Auffassung verstrickt uns das Spiegelbild in ein Bild von uns selbst und der Welt, das nur aus dem Abklatsch der Dinge um uns herum besteht.

Wenn man dazu noch darauf insistiert, daß die Dinge und die Ereignisse in der Welt eh als eine bloße Sammlung phänomenaler Daten zu verstehen sind, dann spiegelt uns, was wir im Spiegelbild wahrnehmen, eine Nachahmungs- oder eine Schattenwelt zweiter Ordnung - eine Theaterwelt, und diese Welt scheinhafter Beziehungen und Verhältnisse beginnt nun, ihr Eigenleben zu führen.” (Bernhard Lypp, in: G. Boehm [Hg.], München 1994, 411-442, 437f)

In den Bildern von Dorothea Schüle tritt das Interieur als Spiegel unserer gesellschaftlichen Verfaßtheit auf. Schüle nimmt sich unsere Erfahrungen und Vergewisserungen vor und übersetzt diese in das gemalte Bild, als Fetzen unseres Raum-Zeit-Kontinuums.

Die Ordnung geht im Chaos auf, in der Reizüberflutung, die jeden Augenblick über den “Voyeur” (- im Sinne des Nouveau Roman) hereinstürzt und die Balance gefährdet. Raum und Fläche kippen, verschränken sich ineinander.

Die Wahl der Sujets und Szenarien ist hier doppelt konsequent. Die Bilder von Diskotheken, Kneipen - von denen hier in der Hauptsache die Rede ist - zeigen künstliche Gegebenheiten, deren Künstlichkeit über die Raumbildung noch betont wird; die implizite Selbstreflexion der Malerei erweist sich als ästhetische Bestimmung von Raum.

Bisweilen zeigt Dorothea Schüle Gegenentwürfe zum Alltag. Das Paradies selbst ist verloren, nur noch von Weitem - einer vagen Erinnerung gleich - zu ahnen, aber die Anwesenheit möglicher, noch zu klärender Zeichen kündet von seiner Existenz  ...

Nachzutragen wäre, daß sich im Laufe der Jahre die Parameter von Schüles Malerei behutsam verschoben haben; daß seit kurzem und vereinzelt (tatsächlich längst durch Skizzen und Papierarbeiten eingeführt) Menschen in den Gemälden zu sehen sind; daß in letzter Zeit vermehrt häusliche Interieurs entstehen und die Kneipenszenen, überhaupt öffentliche Räume entsprechend seltener vorkommen.

Und indem man sich den Geheimnissen in den Bildern von Dorothea Schüle nähert, tauchen - aus Ecken und Nischen, die man zunächst gar nicht Betracht gezogen hat - neue, weitere auf.

Thomas Hirsch

Links:

http://www.wz-newsline.de/lokales/kreis-viersen/willich/im-rathaus-gibt-es-streit-um-kunst-1.218974

Der Kaiserswerther Kunstpreis 2oo7

Link zum Film - Gesellschaft Freunde der Künste -Dorothea Schüle: Die Amazonen auf Reisen 2007

http://www.freundederkuenste.de/galerie/videogalerie/vorschau/article/dorothea_schuele_die_amazonen_auf_reisen.html

 

Link zum Film - Gesellschaft Freunde der Künste - Kaiserswerther Kunstpreis 2007  Teil 2 : Baptiste Pawlik und seine "feinen jungen Musiker"

http://www.freundederkuenste.de/galerie/videogalerie/vorschau/article/kaiserswerther_kunstpreis_2007_teil_2.html

 

Link zum Film - Gesellschaft Freunde der Künste Kaiserswerther Kunstpreis 2007 Teil 1: Vergeben an Dorothea Schüle

http://www.freundederkuenste.de/galerie/videogalerie/vorschau/article/kaiserswerther_kunstpreis_2007_teil_1-1.html

 

Link zum Film - Gesellschaft Freunde der Künste - Dorothea Schüle: Die Amazonen am Niederrhein 2008

http://www.freundederkuenste.de/galerie/videogalerie/vorschau/article/dorothea_schuele_die_amazonen_am_niederrhein.html

 

Link zum Portrait - Vorgestellt -Dorothea Schüle - Malerin, lebt und arbeitet in Berlin

http://www.freundederkuenste.de/galerie/kuenstler/einzelansicht/article/schuele_drothea.html

 

Link zur Bilder Galerie Kunstwerke von Dorothea Schüle - 1998 - 2008: "Bar-City"

http://www.freundederkuenste.de/galerie/bildergalerie-kunstwerke/gallery/28/1/1x1.html?tx_lzgallery_pi1[pointer]=1

 

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08.12.2011 2008 gab Fassbender sein Leinwand-Debüt

GFDK - Claudius Andersen

Alle paar Jahre gibt es sie noch in Hollywood: Newcomer, die wie aus dem Nichts die Herzen des Publikums erobern und die Kritiker begeistern. In diesem Jahr machte vor allem einer von sich reden: Michael Fassbender.

Ohne das klassische Saubermann-Lächeln besticht der gebürtige Heidelberger vor allem durch sein außergewöhnliches Schauspieltalent. Dieses Talent stellt er auch aktuell in der Verfilmung des weltberühmten Romans JANE EYRE (Ab 1. Dezember im Kino) unter Beweis.

Vor 34 Jahren wurde Michael Fassbender, Sohn eines Deutschen und einer Irin, in Heidelberg geboren und zog mit seinen Eltern im Alter von 2 Jahren ins irische Städtchen Killarney. Dort aufgewachsen, lag der Traum von einer großen Karriere als Schauspieler nicht besonders nah.

Doch als er mit 17 Jahren an einem Schulworkshop teilnahm, sprang der Funke sofort über. Er zog nach London, um dort Schauspiel zu studieren. Kurz vor dem Abschluss schmiss er hin. Nicht, weil ihm das Studium nicht mehr gefiel, sondern weil er endlich seinen Marktwert testen wollte und sich für erste TV- und Kinorollen bewarb.

Schnell merkte Michael Fassbender, wie schwer so ein Kaltstart sein kann. Die Hauptrolle in „Pearl Harbor“ schnappte ihm der wesentlich bekanntere Ben Affleck weg. Das große Kino blieb ihm damit vorerst verwehrt. Stattdessen hatte er seine ersten Auftritte in diversen TV Produktionen, mit denen er sich bereits ein teures Hobby finanzieren konnte: Motorräder.

2008 gab Fassbender sein Leinwand-Debüt. Mit völliger Selbstaufgabe spielte er in Steve McQueens Drama „Hunger“ den inhaftierten IRA-Kämpfer Bobby Sands im Hungerstreik.

Ausgezeichnet mit 6 Filmpreisen und einer Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ beim Europäischen Filmpreis wurde seine Arbeit entsprechend belohnt. Für die Rolle nahm er fast 20 Kilo ab, was in Anbetracht seiner vorherigen Rolle als Muskelprotz Stelios in „300“ eine gravierende Wandlung war.

Diese Wandelbarkeit ist seine große Stärke, die auch mit seiner intensiven Rollenvorbereitung zusammenhängt: „Ich will nicht nur Ihre Kleider tragen, sondern in ihre Haut schlüpfen“, erzählte er kürzlich in einem Interview mit dem Frauenmagazin Petra.

Der Durchbruch beim Mainstream-Publikum gelang Michael Fassbender 2009 mit seiner Rolle als Lieutenant Archie Hicox in „Inglourious Basterds“, für den er erstmals mit seinem Idol Quentin Tarantino zusammenarbeitete. Dessen „Reservoir Dogs“ faszinierte Fassbender als Teenager so sehr, dass er den Plot gemeinsam mit Freunden sogar in einem Nachtclub nachspielte.

Nach den ersten großen Erfolgen ließ auch das private Glück nicht lange auf sich warten. Beim Dreh zum Blockbuster „X-Men: Erste Entscheidung“ traf Michael Fassbender auf Zoë Kravitz, die Tochter des bekannten Rock-Musikers.

Das Paar hütet sich jedoch vor der Klatsch & Tratsch-Presse und zeigt sich kaum in der Öffentlichkeit. Fassbender liest nur ungern über sich in den Medien: „Ich twittere nicht, bin nicht bei facebook und versuche, im Internet nicht über mich zu lesen.“

Doch der ohnehin gefragte Star könnte noch viel stärker in den Fokus der Medien rücken, wenn sich sein auf den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnetes Spiel in „Shame“ als Oscar-verdächtig erweist.

Den Oscar verdient hätte auch seine Rolle in der Neuverfilmung des weltberühmten Romanklassikers JANE EYRE.

Darin spielt er an der Seite von Mia Wasikowska den unheimlichen und dennoch faszinierenden Hausherren Edward Rochester, in den sich Jane Eyre unsterblich verliebt und dabei die gesellschaftlichen Konventionen des viktorianischen Englands außer Kraft setzt.

Regie-Shootingstar Cary Fukunaga, dessen Erstling „Sin Nombre“ für Furore sorgte, bringt Charlotte Brontës berühmten viktorianischen Liebesroman JANE EYRE frisch und aufregend auf die Leinwand. Neben Oscar-Preisträgerin Judi Dench und Golden-Globe-Gewinnerin Sally Hawkins unterstützten ihn dabei zwei der heißesten Newcomer des internationalen Kinos:

„Alice im Wunderland“-Hauptdarstellerin Mia Wasikowska und Michael Fassbender, der in Quentin Tarantinos Mega-Hit „Inglourious Basterds“ begeisterte und kürzlich bei den Filmfestspielen von Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet wurde.

JANE EYRES neues Gesicht:
Die Besetzung der Hauptrollen


„Ich hätte JANE EYRE nicht ohne die richtige Hauptdarstellerin gemacht. Dies
ist keine Rolle, in die man jemanden hineinpressen kann. Cary und ich wollten
jemanden haben, der sich in die Figur einfühlen kann und der auch vom Alter
her zu der Jane aus dem Roman passt.“, erklärt Produzentin Alison Owen:
„JANE EYRE´s Thema ist die Adoleszenz.

In den Szenen, die in Thornfield spielen, ist Jane 18 Jahre alt. In ihr erwachen Gefühle, von denen sie vorher gar nicht wusste, dass sie existieren. Manche sind sexueller Natur, andere rein emotional. In vielen der früheren Filme ist die Rolle der Jane älter besetzt.


Manche der Schauspielerinnen sind wundervoll, aber sie sind eben einfach
eher Frauen als Mädchen.“ Mia Wasikowska war im richtigen Alter und befand sich auch genau am richtigen Punkt in ihrer Karriere: bereit, eine große Hauptrolle zu übernehmen.


Owen erinnert sich: „Mia stach gleich hervor. Es gibt viele ganz fantastische
junge Schauspielerinnen, gar kein Zweifel. Aber Mia ist geradezu für diese
Rolle geboren: Sie verkörpert diese Figur nicht nur voll und ganz, sie setzt auch
einen neuen Standard für die Rolle.“


Es war wohl auch Schicksal im Spiel. Es zeugt von der anhaltenden Faszination
des Romans, dass Wasikowska das Buch ohnehin von sich aus las und schon
nach ein paar Kapiteln bei ihrer Agentin anfragte, ob gerade ein Drehbuch zirkuliere oder ein Projekt in Planung sei.

Wasikowska: „Ich wusste, dass dies eine unglaublich gute Rolle sein würde. Sie schrieb mir eine E-Mail zurück: Nein, zurzeit nicht, es hätte wohl mal ein Skript gegeben, aber das sei lange her. Doch nur ein paar Wochen später hörte ich von ihr, dass es tatsächlich einen Film geben würde.

Sie schickte mir das Drehbuch und sagte mir außerdem, dass sich der
Regisseur unbedingt mit mir treffen wolle.“ Bei ihrem ersten Treffen verstanden sich die beiden auf Anhieb. Wasikowska sagt: „Ich bin Cary zuerst im November 2009 begegnet. Wir haben einen ganzen Tag lang damit verbracht, über die Figur zu sprechen.

Wir merkten, dass wir sehr ähnliche Vorstellungen davon hatten, was sie wohl durchmachte. Wir sprachen über Kraft und Stärke und über das, was man erleidet, wenn man in jemanden verliebt ist.“ Wasikowska weiter: „Für mich ist es eine Ehre, Jane spielen zu können.

Was ich an ihr liebe ist, dass es ihr trotz all der Nöte, die sie
in ihrem Leben auszustehen hat, nie an Selbstachtung fehlt. Sie verfolgt ihre
Ziele mit einer unglaublichen Willenskraft. Ich glaube, das muss man bei
Menschen allgemein und bei Frauen ganz besonders im Hinterkopf behalten:


es ist wichtig das zu tun, was einen als Person erfüllt, anstatt den einfachen
Weg zu gehen und es sich einfach nur bequem in seinem Leben einzurichten.“
Fukunaga kommentiert: „Mia hat nicht nur ihr unglaubliches Talent mitgebracht,
sondern auch so viele Ideen für die Rolle. Für sie ging es immer nur darum, was
der Rolle nützt. Sie war bereit, alles zu geben.“

Zur Vorbereitung sammelte Wasikowska einiges an Bildmaterial: „Ich wollte ein Bild von Jane in meinem Kopf formen. Ich schaute mir ganz viele Fotos und
Bilder aus der Zeit an - zum Beispiel, welche Körperhaltungen die Leute einnahmen.

Ich habe auch den Roman noch einmal gelesen, um die Momente zu
finden, die für Jane besonders wichtig sind und die mir helfen würden zu verstehen, wer sie war und was sie in bestimmten Situationen gedacht haben muss.“


„Es gab sehr viele Szenen zu spielen, die emotionale Herausforderungen bedeuteten und daher sehr intensiv waren - noch dazu in einer Sprache, die wir heute so nicht mehr benutzen. Der Trick ist, das Gefühl richtig hinzubekommen, dann fühlt man sich auch wohl damit, die Worte auszusprechen.

Ein Satz wie ,Ich spreche nicht durch sterblich Fleisch zu dir' ist poetisch und
sehr bildhaft, aber ich muss ihn auch echt klingen lassen.“ So emotional wie die Hauptrollen angelegt sind, war es extrem wichtig, dass zwischen den Darstellern von Jane und Rochester die Chemie stimmt - nur so wirkt die stürmische Beziehung der beiden, die gleichermaßen von Selbstbeherrschung wie von Leidenschaft geprägt ist, glaubhaft.

Owen bemerkt: „Es geht in dieser Beziehung auch um die Anziehung zwischen dem braven Mädchen und dem bösen Jungen.“ Owen lobt ihre Darsteller: „Mia
Wasikowska und Michael Fassbender spielen das einfach wundervoll. Es ist zart, romantisch, sexy und aufregend - es funkt richtig zwischen den beiden.“ Fukunaga fügt noch hinzu:


„Ich bin kein hochemotionaler Mensch, aber es gibt einige starke Szenen zwischen Mia und Michael, die mich wirklich zu Tränen gerührt haben. Ich kann nur hoffen, dass es dem Publikum ähnlich geht. Man fühlt die Verzweiflung und die Not der beiden Figuren.“


Fukunaga weiter: „Bei meinem allerersten Treffen mit Alison und Moira fiel Michaels Name als erster. Ich fand seine Darstellung des Bobby Sands in HUNGER unglaublich intensiv; ich wollte ihn unbedingt als Rochester haben.“

Owen schwärmt von Fassbender als einem „vollkommenen Schauspieler. Ich kenne auch keinen anderen, der eine so sexuelle Ausstrahlung hat wie Michael. Das kann man beides in FISH TANK sehen. Ich gehe jede Wette ein, dass man nach diesem Film ihn vor Augen hat, wenn man sich Rochester vorstellt.“


Michael Fassbender hatte Fukunagas SIN NOMBRE gesehen und war
begeistert: „Ich war mir sicher, dass Cary dem britischen Klassiker einen
neuen Dreh geben würde. Ich weiß gar nicht, ob er sich im Klaren darüber ist,
wie oft Jane Eyre schon für Kino und Fernsehen verfilmt worden ist. Aber er
ist unerschrocken und ich glaube, das ist genau die Eigenschaft, die hier
gebraucht wurde.“


Fassbender fühlte sich zu seiner Filmfigur hingezogen. „Gerade seine schroffe,
düstere Art macht es zu einer Herausforderung, sich seiner anzunehmen.
Das ist ja keine simple Liebesgeschichte. Ich spiele Rochester in erster Linie
als den Helden eines romantischen Melodrams. Er ist ein Zyniker, aber er ist
auch sensibel und hat ein gutes Herz.

Er weiß um seine Gefühle, hat Humor.
Er ist viel gereist und auf seinen Reisen sind ihm Dinge widerfahren, die ihn
geprägt haben.“ Fassbender stürzte sich auch auf die Vorgeschichte seiner
Figur: „Rochester wurde verletzt.

Er war noch so jung als er nach Jamaika ging und sein Leben wurde aus der Bahn geworfen. Ich glaube, er wäre auch ohne großen Wohlstand glücklich geworden, aber sein Vater sagte: ,Du gehst und heiratest diese Frau, denn dann bist du versorgt'.“


Fassbender weiter: „Rochester ist jemand, der so gar nicht zu den Vorurteilen
des Adels neigt. Ihm ist es egal, ob er Grenzen überschreitet, weil er soziale
Trennlinien nicht anerkennt. Ihm ist es egal, dass Jane eine Gouvernante ist und dass seine Beziehung zu ihr bei seinesgleichen Kopfschütteln auslöst.“
Der Schauspieler sieht die Beziehung als „Rochesters allerletzte Hoffnung.


Er nimmt Jane als einziger wirklich wahr, während sie für alle anderen praktisch
Luft ist. Sie inspiriert ihn. Sie führt ihn zu einem Punkt in seinem Leben zurück,
als er ein besserer Mensch war und noch nicht so zynisch. Als Jane ihm nicht
mit der üblichen Demut begegnet, fordert ihn das heraus.

Er sieht ein echtes Feuer in ihr brennen, das sie immer unterdrückt hat. Das fasziniert ihn. Das Publikum soll fühlen, dass diese beiden Menschen einander heilen und einander stärken können.“


Weil die Geschichte wahrlich keine ist, die direkt auf ein Happy End zusteuert,
ging es beiden Hauptdarstellern darum, das Zusammenspiel ihrer Figuren nicht
mit Sentimentalitäten zu füllen. Wasikowska erzählt begeistert: „Michael hat mich am Set immer wieder überrascht.

Ich kam schon ganz aufgeregt dort an, weil es so spannend war zu sehen, was er tun würde und wie er es tun würde. Von ihm geht eine unglaubliche Kraft aus und sein Blick kann einen regelrecht durchbohren.


Wenn ich mit ihm zusammenspielte, konnte ich voll und ganz glauben, dass
er und seine Figur tatsächlich eins waren.“ Aber auch Fassbender war umgekehrt von Wasikowska überrascht: „Mia kommt vom Tanztheater und dort geht es sehr diszipliniert und reglementiert zu.

Diese Disziplin hat sie auf die Schauspielerei übertragen. Sie ist so facettenreich
und wirkt dabei schon so reif. Mia ist viel bodenständiger und vernünftiger,
als ich es jemals sein werde. Sie gibt jedes Mal alles für ihre Rolle, aber
am meisten beeindruckt mich, wie sehr sie mit sich im Reinen ist.

Das komplette Ensemble

Michael Fassbender ist von Judi Dench begeistert


So beeindruckt Michael Fassbender von Mia Wasikowska war, ein Mitglied des
Ensembles haute ihn um: „Na, Sie wissen schon - die Lady“, sagt er. „Es ist einfach Wahnsinn, dass auch Judi Dench mit dabei ist. Man fühlt sich schon geehrt, wenn man nur im Aufenthaltsraum mit ihr zusammensitzt.

Es ist, als ob sie von Goldstaub umweht wird. Man kann nur hoffen, dass ein bisschen davon auch auf einen herabfällt. Ich habe jede unser gemeinsamen Szenen genossen.“


Fassbender und Dench machten Scherze, um sich und die anderen bei Laune
zu halten, als sie alle in den kalten, dunklen Fluren von Haddon Hall arbeiten
mussten. Wasikowska war fasziniert „miterleben zu können, wie Judi arbeitet.“
Judi Dench für die Rolle der Mrs. Fairfax, der Haushälterin von Thornfield, zu
gewinnen, war ein echter Coup für die Produktion.

Cary Fukunaga schrieb ihr einen sehr persönlichen Brief, der sie letzten Endes überzeugte, das Angebot anzunehmen. Fukunaga: „Als sie zusagte, wurde es natürlich umso spannender. Sie ist in Großbritannien eine Heilige. Die Vorfreude - oder die Angst - mit einer Koryphäe wie ihr zusammenzuarbeiten, hat mich nur noch mehr beflügelt.

Was kann man noch zu jemandem sagen, der so viele Filme mit so talentierteren Kollegen gemacht hat?“

Die Oscargewinnerin erinnert sich, den Roman gleich gelesen zu haben, „als
Charlotte Brontë ihn geschrieben hatte“, lacht - und fährt fort: „Ich habe das Buch wohl in der Schule gelesen. Ich fand es immer eine tolle Geschichte. Sie lässt einen nicht los.“

Dench war auch von dem Tonfall begeistert, den die Filmemacher anstrebten: „Diese Geschichte ist schon oft gemacht worden, aber ich fand, dass
Cary sich seine ganz eigenen, ziemlich düsteren Gedanken dazu gemacht hatte.
Ich hoffe, der Film wird die Leute dazu anregen, auch das Buch zu lesen.“

Dench weiter: „Im Roman ist es ziemlich lange unklar, wer in Thornfield wie viel weiß - ist Mrs. Fairfax eingeweiht in das Geheimnis des Hauses? Die Geschichte lebt auch von diesem Mysterium.“


Beim Dreh trafen Wasikowska und Fassbender auf alte Bekannte. Imogen Poots, die in CENTURION die wenigen ruhigen Szenen mit Michael Fassbender teilte, spielt Blanche Ingram - Rochesters angehende Verlobte. Jamie Bell, der
Wasikowska schon in dem Weltkriegsdrama UNBEUGSAM den Hof gemacht
hatte, tut das in der Rolle des St. John Rivers auch hier wieder.

In den Drehpausen unterhielt Bell seine Kollegen gern mit Stepptanz-Vorführungen, die umso begeisterter aufgenommen wurden, je mehr er auf volles Risiko tanzte: zum Beispiel auf durchgeweichten Brettern, die über tiefe Matschpfützen gelegt waren.

Wasikowska sagt: „Dass jemand da war, mit dem man zwischen den
Szenen herumalbern konnte, war für mich ein Gegengewicht zu den intensiven
Szenen, die wir zu spielen hatten. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals
so viel Spaß bei der Arbeit hatte wie mit Jamie.“


Jamie Bell erzählt: „Von den Proben bis zu den Probedurchläufen am Set hat Mia
es sich immer zur Aufgabe gemacht, jedes Mal noch besser zu sein. Ich wusste,
dass sie der Rolle der Jane Eyre gerecht werden würde.“ Bell weiter: „Der Film
handelt von der Energie, aber auch von der Unbeholfenheit junger Leute. Mia ist jung und sie spielt einen jungen Menschen.

Hier ist es eben nicht so, dass jemand mit 28 Jahren ein Mädchen spielt. Aber bei der Besetzung gibt es auch ein paar Entscheidungen, die nicht ganz so klar auf der Hand lagen - mich als Mann Gottes zu besetzen, zum Beispiel.“


Fassbender sagt über Bells Interpretation des St. John Rivers: „Ich mag besonders, auf welche Weise sein St. John auch immer ein wenig undurchschaubar bleibt. Wir haben darüber gesprochen und Jamie sagte, er sehe die Figur als einen Mann, der sein Leben auch deshalb so streng regelt und unter Kontrolle hält, weil er sich vor dem ängstigt, was er tun könnte, wenn er sich gehen ließe.“

Bell führt das weiter aus: „Ich sehe St. John so: Er unterdrückt seine Emotionen. Ich glaube, er hält es für eine Charakterschwäche, Gefühle zu zeigen. Er trifft seine Entscheidungen rein pragmatisch, ohne jede Emotion. Darin ist er das genaue Gegenteil von Rochester.

Charlotte Brontë beschreibt ihn im Roman als ,so unentrinnbar
wie der Tod' und das trifft den Nagel auf den Kopf. Für mich geht es in der
Geschichte im wesentlichen um eine Frau, die trotz aller Hindernisse zu
Selbstachtung und Individualität findet, aber in Moiras Drehbuch kommen eben
auch all diese anderen Themen und Facetten zum Tragen, um so mehr, je näher
die Entscheidungen rücken, die Janes weiteres Leben bestimmen werden.“

Wie Mia Wasikowska war auch Imogen Poots froh, in Fassbender einen alten
Bekannten zur Seite zu haben: „Michael ist ein toller Schauspieler.“ Vom Dreh
berichtet sie: „Ich hatte eine Gesangslehrerin, die mir durch eine lange
Sequenz half, in der ich aus einer damaligen Operette vorsinge.

Aber am allermeisten hat mir doch das Reiten Spaß gemacht.“ Poots freute sich auch über die Gelegenheit, ihrer Figur, die als Rivalin sonst einfach ein Stereotyp ist, ein paar neue Schattierungen zu verleihen: „Im Roman kommt Blanche als ziemlich durchtrieben rüber.

Aber ich wollte sie anders spielen, stärker überrascht und unsicher, wie alles wohl am Ende ausgehen wird. Sie verstößt gegen die Etikette, weil sie mit Rochester zu körperlich umgeht.“ Tamzin Merchant und Holliday Grainger wurden in den Rollen der beiden Schwestern von St. John Rivers besetzt.

Grainger sagt: „Tamzin, Jamie und ich haben uns näher kennengelernt, als wir einen Nachmittag lang Gitarre gespielt und gemeinsam gesungen haben, auch wenn unsere Harmonien nie ganz hinkamen.“ Merchant erklärt: „Zwischen uns stimmte die Harmonie schon, es kann nur sein, dass Holliday und ich bei unserem Duett nicht immer den richtigen Ton getroffen haben.“

Ihre Rolle erklärt Merchant so: „Meine Figur Mary Rivers macht aus allem eine Geschichte. Sie hat eine immense Vorstellungskraft. Sie ist von Jane fasziniert und findet die Idee höchst spannend, dass diese Fremde aus dem Moor ein Familienmitglied werden könnte.“


Und Grainger ergänzt: „Die Rivers-Geschwister stehen einander sehr nahe.
Ihre Eltern sind gestorben und sie leben allein in einem sehr abgelegenen
Haus. Ich sah meine Figur Diana eher als den mütterlichen Typ, weil sie die
Ältere der Schwestern ist. Sie hat auf gewisse Weise die Mutterrolle übernommen und genauso tritt sie auch Jane entgegen. Dennoch empfindet sie
Jane durchaus als ebenbürtig.“


Was man von Janes Tante Mrs. Reed nicht behaupten kann. Golden-Globe-
Gewinnerin Sally Hawkins sagt über ihre Rolle: „Ich finde, die unangenehmsten
Leute sind die, die sich anständig benehmen, bei denen aber offensichtlich
ist, dass ihre Freundlichkeit nur Fassade ist.

Cary und ich sprachen schon sehr früh über diesen Aspekt, darüber, dass
dies ein irritierender Zug der Figur sein sollte. Ich spiele ja nicht oft Bösewichte und hier bot sich für mich als Schauspielerin eine tolle Gelegenheit.“ Hawkins führt aus:


„Mrs. Reed ist eine sehr widersprüchliche Figur und ich habe durchaus auch Mitleid mit ihr. Ihr Zorn und ihr Hass diesem kleinen Mädchen gegenüber
kommen daher, dass sie sich von ihr bedroht fühlt. Janes Feuer und ihre Intelligenz machen ihrer Tante Angst.


Aber so sehr Mrs. Reed sich auch bemüht ihr das auszutreiben,
Jane hat immer noch mehr davon. Cary versteht es sehr gut, da
die Schraube nach und nach immer stärker anzuziehen.“


Hawkins recherchierte für ihre Rolle: „Ich bin in die National Portrait
Gallery in London gegangen und habe mir Porträts aus der Zeit angeschaut
und darauf geachtet, welche Körperhaltung Frauen eingenommen
haben, wie sie saßen und was sie mit ihren Händen machten. Ich wollte die
Etikette der damaligen Zeit verstehen.“


Hawkins lobt besonders Amelia Clarkson: „Sie ist brillant und in der Lage, richtig
starke Gefühle zu zeigen.“ Clarkson gehört, wie Freya Parks und Romy
Settbon Moore, zu den zahlreichen Kinderdarstellern im Ensemble.


Fukunaga sagt: „Einige von ihnen hatten schon Schauspielunterricht oder
waren auf Schauspielschulen gewesen, aber ich fand, dass alle
Kinderdarsteller sehr natürlich auftraten.“ Fukunaga erzählt: „Ob es nun um
Romy oder um eines der älteren Mädchen ging, ich habe es immer so gemacht,
dass die Kinder die Szenen zunächst einmal einfach gespielt haben und dass
ich ihnen danach ein paar Anregungen gegeben habe.“


Settbon Moore erzählt, wie sie an ihre Rolle als Adèle kam - das Waisenkind,
das schnell Gefallen an ihrer Gouvernante Jane findet: „Die Casting-Agentur
hatte meiner Schule eine E-Mail geschickt, dass sie ein achtjähriges Mädchen
suchen, das Englisch und Französisch sprechen kann.

Ich bin mit meinen Freunden zum Vorsprechen gegangen und danach wurde ich wieder angerufen. Ich habe für die junge Jane vorgesprochen. Aber sie fanden, dafür sei ich ein bisschen zu jung, also haben sie mich für Adèle ausgewählt.

Vor jeder Szene hat Cary mir ganz genau gesagt, was ich machen soll. Ich habe die Bewegungen einstudiert und die Sätze auswendig gelernt und dann habe ich es gespielt. Und wenn Cary das nicht so gut fand, hat er gesagt: ‚Mach es
doch einmal so…' Mia und Michael waren für mich wie Klassenkameraden.
Ich würde gerne wieder einmal schaupielern.“

Auch wenn Settbon Moore zu jung ist, um das Buch gelesen zu haben, machte sie sich mit der Geschichte vertraut. „Ich habe mir den Zeffirelli-Film angeschaut“, sagt sie. Parks und Clarkson dagegen waren schon alt genug, um sich von Janes Geschichte angesprochen zu fühlen.

Parks, die als Janes Schulfreundin Helen Burns in Lowood zu sehen ist, sieht ihre Figur als „zentral für das, was die Geschichte aussagt: wie sich Dinge im Leben wandeln können und dass man solche Hindernisse überwinden muss.“ Clarkson, die die zehnjährige Jane spielt, sagt:

„Als Kind macht Jane einiges durch. Sie bleibt sich selbst aber treu
und übersteht so alles. Ich habe versucht, all die aufgestauten Gefühle von
Jane mitzuspielen.“ Clarkson weiter: „Als ich das Drehbuch bekam, bin ich es
mit meiner Oma zusammen durchgegangen.

Ich war Jane und sie war alle anderen. Ich habe oft vor dem Zubettgehen im Drehbuch gelesen, bin durchgegangen wie ich wohl in einer solchen Situation reagiert hätte und wie ich meine Sätze sagen musste - was sie bedeuteten und wie man sie betont und das mit dem richtigen nordenglischen Akzent.“


Auch Parks arbeitete hart daran, den richtigen Akzent hinzubekommen und
auch sie las Teile des Drehbuchs zusammen mit ihrer Großmutter. Sie sieht
Helen so: „Sie ist stark. Sogar als sie im Sterben liegt und ich sie ganz
schwach spielen musste. Ich wusste, Helen würde nicht weinen.

Aber ich habe hinterher geweint. Ich habe auch an all das eklige Zeug gedacht, das sie in ihrer Lunge hatte. Und davon, dass ich immer so tun musste, als hätte ich Husten, habe ich selber angefangen zu husten.“


Parks berichtet auch: „Wenn Amelia und ich zusammen übten, hat sie jedes
Mal schon die ganzen Emotionen da hineingelegt, was ja auch richtig ist. Am
Set sagte Cary uns dann, wie er es haben wollte und wie wir unseren Text
sprechen sollten.“


Bei den Proben und am Set schlossen Clarkson und Parks eine enge
Freundschaft - wie Jane und Hellen in Lowood. „Freya und ich sind Freundinnen
geworden“, sagt Clarkson. „Sie zu treffen, war das Beste am ganzen Dreh.
Deswegen war es auch die schwerste Szene für mich, als Helen stirbt.“


Fukunaga merkt an: „Solche Verbindungen, die sich hinter der Kamera ergeben,
sieht man dann auch im Bild.“ In diesem Sinne traf sich der Regisseur mit
Clarkson und Wasikowska vor Drehbeginn in den Londoner Pinewood
Studios, um mit den beiden ihre gemeinsame Rolle zu besprechen. „Wir sind
gemeinsam meine Szenen durchgegangen“, erinnert sich Clarkson:

„Mia spielte Tante Reed - das war sehr lustig! Sie und ich sind durch die Studios spaziert und dabei sprachen wir darüber, was Jane durchmacht und welche
Szenen an welcher Stelle in die Geschichte hinein gehören. Es war wirklich so,
als ob Mia des ganze Drehbuch auswendig gelernt hätte“

Wasikowska ließ sich von ihrer Umgebung und auch von den Drehorten
inspirieren. Sie folgt dem Beispiel von Schauspielern mit einen starken Hang
zur Fotografie wie Jeff Bridges oder Peter Sellers und trug immer eine
Kamera bei sich, um zwischen den Szenen Fotos zu machen.

Sie erklärt: „Meine Eltern sind Fotografen und ich bin inmitten von Kameras aufgewachsen. Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, ob das etwas für mich wäre, aber in den letzten Jahren habe ich begonnen, mich ganz stark dafür
zu interessieren - und ich liebe es.

Als Schauspieler wartet man ja ständig darauf, endlich dran zu sein und das Fotografieren entspannt mich in den Drehpausen.“ Sie richtete ihren Blick etwa auf die Kontraste, die bei einer solchen Filmproduktion entstehen: „Da wir ein Historiendrama gedreht haben, sind mir solche Sachen aufgefallen wie das ganze moderne Equipment, das in so ein altes Haus hineingekarrt wird.“

Dieses Motiv wurde zu einem Thema ihrer Fotos. Ein weiteres war das Konzept, dass die von ihr Porträtierten Luftsprünge machen sollten. Immer wieder machte Wasikowska Bilder, auf denen Schauspieler und Crew zu sehen sind, wie sie scheinbar schwerelos durch die Luft fliegen, fort von ihrer Umgebung und den Kostümen. Und wer war der beste Hüpfer?

Nicht schwer zu erraten: der frühere Billy Elliot. Fassbender sagt: „Jamie kriegt die Bestnote. Seine Körperbeherrschung ist wirklich beeindruckend.“

PRODUKTIONSNOTIZEN


Ein Wiedersehen mit Thornfield:
Wie das Team zusammen fand


Charlotte Brontë nannte ihre Romanheldin Jane Eyre „genauso unauffällig und
klein wie ich selbst“. Zuviel der Bescheidenheit: Die Geschichte der Jane Eyre,
eine der faszinierendsten Frauengestalten der englischen Literatur, hat immer
wieder Generationen neuer Leser gefunden und Autoren beeinflusst:

Seit über 160 Jahren gehört Charlotte Brontës Roman zu den meistgelesenen Büchern der Welt. Es gehört in vielen Ländern zur Schullektüre und ist im Lauf der Zeit wohl in jede lebende Sprache der Welt übersetzt worden.


Seit über einem Jahrhundert ist der 1847 erstmals erschienene Roman auch ein
Stoff für das Kino und später für das Fernsehen: Es gibt nicht weniger als 18
Kinofilme - der erste stammt bereits von 1910, der bislang letzte von 1996 - und
neun Fernsehfassungen.

Das Team, das sich nun an die neueste Version von Jane Eyre machte, hatte das erklärte Ziel, das Werk für ein weltweites Kinopublikum aufzubereiten, dabei aber dem Geist des Romans treu zu bleiben.


Produzentin Alison Owen, für ELIZABETH Oscar-nominiert sowie Gewinnerin
eines Emmy Awards, sieht es so: „Fragt man jemanden, was für ihn die definitive Jane Eyre-Verfilmung ist, kriegt man meistens keine eindeutige Antwort. Ich habe ja nun schon einige Literaturverfilmungen gemacht und mich irgendwann gefragt: Warum eigentlich nicht Jane Eyre?“

„Unsere Firma hat sich den Ruf erworben, bekannte literarische Stoffe erfolgreich für die Leinwand und den Bildschirm umzusetzen“, fügt Produzent Paul Trijbits hinzu: „Dass wir uns nun an Brontë wagen, ist als weiterer Schritt nur konsequent.


Dies ist ein Roman, von dem wir wissen, dass er viele begeisterte Anhänger hat
und der Verantwortung gerecht zu werden, die das mit sich bringt, war immer
eines unser Anliegen. Wir wollten mit unserem Film die gültige Interpretation für
das 21. Jahrhundert abliefern, dabei aber natürlich die düster-romantische
Atmosphäre und die Schönheit des Buches beibehalten.“


Owens und Trijbits Firma Ruby Film & Television stellten ihr Projekt bei BBC Films
vor, einem der wichtigsten britischen Filmfinanziers und begannen mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit. Owen fügt hinzu: „Das Timing stimmt einfach.

Bei Charlotte Brontë, die immer als die ,düstere' der drei Brontë-Schwestern galt, passiert jetzt das, was Jane Austen vor 20 Jahren wiederfahren ist: Es findet eine richtige Neuentdeckung statt.“


Owen weiter: „Als Produzent spreche ich immer regelmäßig mit unseren
Drehbuchautoren, und gerade als ich begonnen hatte, mich mit Jane Eyre zu
beschäftigen, traf ich mich mit Moira Buffini. Eher zufällig erwähnte ich das Buch
und es stellte sich heraus, dass Jane Eyre zu ihren absoluten Lieblingen gehörte.“


Buffini ließ sich die Chance, das Buch zu adaptieren, nicht entgehen und zusammen mit Owen legte sie schnell die Grundzüge ihrer Neufassung fürs Kino fest. Sie wussten, dass ihre Version sich von den vorigen klar unterscheiden müsste, und so entwickelte Buffini die Idee, die Elemente des Schauerromans in der Geschichte stärker als sonst herauszuarbeiten; bei ihr sollten sie die Handlung richtig vorantreiben.


„Moira wollte es düster und gruselig haben und das Ganze als ungeheuer
romantische Reise anlegen. Ich war ganz ihrer Meinung“, erinnert sich Owen.
Je weiter die Arbeit an einer Zwei-Stunden-Fassung fürs Kino fortschritt, desto
größer wurde Owens Bewunderung für seine Drehbuchautorin: „Moiras Skript ist genial strukturiert.

Das Buch ist ja in vielerlei Beziehung problematisch, wenn man
es als Filmvorlage nimmt. Natürlich erinnert sich jeder an die Szenen aus Janes
Kindheit und aus ihrer Zeit als Gouvernante auf Thornfield, als sie sich in Mr.
Rochester verliebt und schließlich an ihre Flucht.“ sagt Owen: „An dieser Stelle
aber tauchen plötzlich lauter neue Figuren auf, die ganze Familie Rivers.

In einem Roman kann man das machen, aber in einem Film nach zwei Dritteln der Laufzeit, wird das schwierig. Moiras Lösung war es eben nicht, diesen Teil stark abzukürzen oder gleich ganz zu streichen, wie das in früheren Filmen gemacht wurde.

Sie hat diesen Teil der Geschichte stattdessen an den Anfang gestellt und die früheren Szenen mit Jane in Lowood und auf Thornfield als Rückblenden behandelt. So holen wir Janes Geschichte in der Mitte des dritten Aktes schließlich ein und so verstärkt sich nur noch die emotionale Kraft der Geschichte, wenn wir Jane sozusagen in Echtzeit durch das begleiten, was sie am Schluss erlebt.“


Buffini fügt hinzu: „Ich hoffe, dass sich die vielen Liebhaber des Buches von meiner Idee überzeugen lassen. Wir weichen zwar von der Struktur des Originals ab, aber dennoch enthält unsere Fassung alle Schlüsselszenen von Janes Geschichte.

Den Film sollen auch alle genießen können, die hier zum ersten Mal auf die Geschichte stoßen; ich denke, sie können Jane umso besser verstehen und sich mit ihr identifizieren.

JANE EYRE (Ab 1. Dezember im Kino) Mehr Infos unter www.JaneEyre.de

Kinostart: Shame - Drama über einen selbstzerstörerischen Sexsüchtigen mit Michael Fassbender

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/filme/einzelansicht/article/kinostart_shame_drama_ueber_einen_selbstzerstoererischen_sexsuechtigen_mit_michael_fassbender.html

Kinostart 8.3.2012: Steven Soderberghs action-geladenes Meisterwerk HAYWIRE mit Antonio Banderas, Michael Fassbender und Natascha Berg

http://www.freundederkuenste.de/empfehlung/filme/einzelansicht/article/kinostart_832012_steven_soderberghs_action_geladenes_meisterwerk_haywire_mit_antonio_banderas_mi.html

Bilder von der Berlinale 2012

Gina Carano, Antonio Banderas, Michael Fassbender und Natascha Berg

http://www.freundederkuenste.de/galerie/bildergalerie-veranstaltungen/gallery/204/1/1x1.html

Sensationelle Deutschland-Premiere auf der Berlinale 2012 - Minutenlanger Applaus für die Stars von HAYWIRE

http://www.freundederkuenste.de/startseite/einzelansicht/article/sensationelle_deutschland_premiere_auf_der_berlinale_2012_minutenlanger_applaus_fuer_die_stars_von.html

 

E-Mail:  claudius.andersen@tobis.de

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