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Exklusiv Interviews

01.09.2010 Exklusivinterview für freundederkuenste

Michaela Boland

Seine Stimme vermag nicht nur zu beeindrucken, wenn er singt. Auch wenn er spricht, verleiht ihr sonorer Klang dem Besitzer, womöglich nicht zuletzt auch durch den kleinen irischen Akzent, eine besonders charmante Note.

Ein toller Kerl, liebender Ehemann und Vater, hervorragender Sänger, exzellenter Songwriter und Komponist und vor allem: Er ist einfach natürlich geblieben, nett und hilft sogar tüchtig im Haushalt.

Was will man mehr? Die Rede ist von Rea Garvey, Frontmann und Gründer der deutschen Rockband REAMONN, die schon im Jahre 2000 mit ihrem Top-Ten-Hit „Supergirl“ einen Megaerfolg verbuchte.

Gerade als sich Reamonn auf sommerlicher Open Air Tour zwischen Heidenheim und Halle/ Westfalen befindet, und wie gewohnt schwer begeistertes Publikum hinterlässt, schlägt die Nachricht vom angeblichen Ende der Band-Epoche Ende August ein wie eine Bombe.

Worauf sich die Bandmitglieder Uwe Bossert (E-Gitarre), Sebastian Padotzke (Saxophon, Keyboard), Philipp Rauenbusch (E-Bass) und Mike „Gomezz“ Gommeringer rund um den irischen Sänger Rea Garvey tatsächlich verständigt haben, warum dieser keine Wäsche sortiert und wie er sich in seine Frau verliebte, verrät der Frontmann, der hervorragend Deutsch spricht, Journalistin Michaela Boland im Gespräch. 

Michaela Boland:

Denkst du eigentlich vornehmlich auf Deutsch oder auf Englisch.

Rea Garvey:

Ich würde sagen, auf Englisch.

Michaela Boland:

Auch noch nach zwölf Jahren in Deutschland?

Rea Garvey:

Ja, absolut. Ich bin in dem Sinne immer noch irisch. Ich versuche auf jeden Fall, den Teil zu behalten. Ich glaube, wenn es in die Träume und Gedanken gehen würde, wäre das schon irgendwie so von Anfang bis zum Ende. Aber es ist noch nicht soweit.

Michaela Boland:

Du sollst 1998 mit 50,- DM Startkapital und einer Demo-CD von Irland hierher gekommen sein. Was machte für dich den Reiz an Deutschland aus, so dass du unbedingt hierher kommen wolltest?

Rea Garvey:

Ich war mit einer irischen Band unterwegs, wir hatten sogar einen Plattenvertrag mit einer Plattenfirma in Deutschland. Dann haben wir zwei drei Jahre eine Tournee hier gemacht. Da habe ich einfach gemerkt, dass die Leute nett sind und eine sehr große Liebe zur Musik haben und auch, dass ich eine ganz große Liebe zu Deutschland hatte. Das hat sich eigentlich bis jetzt nicht geändert.

Michaela Boland:

Hast du die Sprache erst hier gelernt oder bereits in Irland Deutschstunden genommen? 

Rea Garvey:

Nee, ich habe blöderweise Französisch studiert. Das habe ich seit dem leider irgendwie alles vergessen. Ich glaube Männer an sich, können irgendwie nicht drei Sprachen auf einmal beherrschen. Also ich auf jeden Fall nicht. Und Deutsch habe ich nach einem bis anderthalb Jahren ziemlich gut drauf gehabt. Da habe ich auch meinen ersten Streit gehabt 

Michaela Boland:

Worum ging es dabei?

Rea Garvey:

Es betraf eine Werkstatt. Der Mechaniker wollte mich für dumm verkaufen. Ich habe dann mit ihm gestritten, ich glaube, jeder geht da irgendwann einmal durch.

Und ich habe gewonnen. Und ich habe immer gesagt, wenn ich einen Streit in Deutschland gewinnen kann, dann habe ich die Sprache auf jeden Fall gut genug drauf.

Michaela Boland:

Was war damals deine erste Anlaufstelle hier nachdem du in Irland alles aufgegeben hattest?

Rea Garvey:

Ich habe vorab mit meiner alten Plattenfirma, bei der ich früher mit meiner alten Band war, einen Job klar gemacht. Da habe ich dann Merchandising auf einer Tournee gemacht und einfach T-Shirts verkauft. Einen Monat lang. Das war genial, das war so die Luxus-Ankunft, weil ich natürlich mit Bussen und Hotels versorgt war.

Dann am Ende der Tournee war es dann so ein bisschen wie die einsame Fahrt nach Süden, denn ich habe bei Freunden in der Nähe von Ravensburg gewohnt und hatte dann mein Erwachen dahingehend, dass ich jetzt allein auf mich gestellt in der Welt sein würde.

Das war nach der Studentenzeit so das Härteste. Ich glaube, da merkt man schon, dass man in der Realität angekommen ist. Und da muss man für sich selber jagen.

Michaela Boland:

Bringt es dir auch heute als Pop-/Rockstar noch etwas, dass du dich früher einmal regelrecht durchkämpfen musstest?

Rea Garvey:

Ja, denn das Leben hat sich eigentlich, wenn ich ehrlich bin, nicht geändert. Das Leben ist irgendwie immer noch ein Kampf. Ich bin nicht verbissen ehrgeizig, aber ich setze mir schon große Ziele vor und genieße halt den Kampf dorthin. Ich weiß zwar nicht, wo ich das her habe, aber ich genieße das einfach.

Ich liebe es schon, wenn jemand sagt, „ich glaube nicht, dass das und das machbar ist“. Das ist für mich wie eine große Ansage, denn dann kämpfe ich sogar noch härter. So bin ich schon seit ich Teenager bin und kann mich genau an den Moment erinnern, wann es angefangen hat.

Man muss das Leben spüren. Wenn es irgendwie langweilig ist, macht es keinen Sinn. In meinem Leben gibt es keine Zeit zum Zurücklehnen. Bevor ich nach Deutschland kam, gab es mit der anderen Band so einen Kampf, davor mit mir selbst. Das ging, glaube ich, schon mein ganzes Leben lang so. Ich mag das schon so. 

Michaela Boland:

Erklärt sich so auch die Tatsache, dass die erste Scheibe von Reamonn in null Komma nichts herausgebracht war? Immerhin hat sich eure Band aufgrund deiner geschalteten Zeitungsannonce im Stockacher Anzeiger „Sänger sucht Band für Platte und Tour““ im November 1998 bereits gefunden, obwohl du ja erst Anfang des Jahres ins Land gekommen warst? Das ging ja alles ratz-fatz.

Rea Garrvey:

Es ging ratz-fatz, aber ich meine, der Weg dahin ist immer so unerzählt. Mit meiner anderen, irischen Band war ich ja auch fünf Jahre auf Tournee. Da gibt es also auch schon eine Geschichte davor. Nun, aber ratz-fatz ging es mit Reamonn auf jeden Fall. Unglaublich.

Und ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob wir weiter gemacht hätten, wenn wir nicht sofort Erfolg gehabt hätten. Denn wir alle waren in mehreren Bands. Ich glaube zwar, wir haben alle sehr an Reamonn geglaubt, manche mehr als andere. Das war einfach unglaublich.

Der erste Chart-Einstieg auf Platz 74 (Anm. d. Red.: „Supergirl“) war für mich das größte Ereignis aller Zeiten und steht bei mir immer noch ganz vorne, denn so gut in den deutschen Charts anzukommen, das war als Musiker in Irland nicht vorstellbar.

Und das dann zu erleben, da habe ich alle in Irland angerufen und vor Freude laut geschrienen, es genossen und gefeiert. Bislang habe ich kein Chart-Entry mehr so gefeiert, muss ich sagen, denn das war einfach der Moment. Ich glaube, wenn man das erreicht hat, dann geht man einfach weiter, dann sind andere Sachen wichtig.

Michaela Boland:

Hätte dir ein solcher Erfolg in Irland nicht gelingen können?

Rea Garvey:

Ich glaube, der Weg ist so wie er ist. Man sollte nicht unbedingt versuchen, ihn umzuschreiben oder sich zu fragen, ob alles auch irgendwie anders funktioniert hätte. Das ist so wie diese blöde Frage, „was hättest du gemacht, wenn du nicht Musiker geworden wärst“.

Ich meine, im Endeffekt ist man Musiker, deswegen kann man es sich auch nicht anders vorstellen. Und ich habe das nicht als Beruf ausgewählt, sondern ich bin einfach Musiker und dann war es eben auf einmal das, was ich mache. Ich finde, das ist auch gut so.

Die Überlegung „was wäre wenn“ ist Quatsch, weil es ist so wie es ist und man muss mehr Zeit mit diesen Gedanken verbringen als mit der Überlegung, was wäre, wenn es anders wäre.

Michaela Boland:

Hast du nach deinem Erfolg hier denn tatsächlich niemals mit dem Gedanken gespielt, es noch mal in Irland zu versuchen, nachdem du deiner Heimat ja irgendwo schon noch verbunden bist? Hast du niemals soviel Heimweh gehabt, dass dich das gereizt hätte?

Rea Garvey:

Oh, wir haben dort schon mehrmals gespielt. Wir hatten sogar ganz guten Erfolg in Irland, in dem Sinne, dass wir Radio-Erfolg hatten. Und in dem Club, in dem ich es geliebt habe zu spielen, damals im Whelan`s , da haben die Leute zeitweilig schon die ganze Straße entlang Schlange gestanden.

Das war für mich wirklich etwas ganz Besonderes, so etwas zu erleben. Ich liebe es auch, dahin zu gehen. Aber es ist einfach nur so, dass wir ja jetzt alle drei Jahre so eine Europa weite Tour gemacht haben und Irland war immer dabei.

Aber man kommt natürlich nicht immer genau dahin, wo man will, weil man ja in mehreren Ländern unterschiedliche Erfolge hat. Natürlich geht man dorthin, wo man größere Shows spielen kann, das hat Priorität.

Dann spielt man in den anderen Ländern, wo man eine gewissen Erfolg hat aber vielleicht nicht so groß. Ich mag die Entwicklung, denn beispielsweise in Griechenland haben wir es erlebt, dass wir vor zwei Jahren die größte internationale Band waren.

Da kommt man halt an und das ist einfach ein Wahnsinnsgefühl. Davor war es ähnlich in Portugal, und davor hatten wir großen Erfolg in Holland, es ist immer so staffelweise. Da macht es wahnsinnig viel Laune, in diese Länder zu reisen und zu spielen.

In Portugal haben wir beispielsweise zwei Shows mit Robbie Williams gespielt und dann waren wir auf einmal Nummer Eins mit „Star“. Das hätten wir uns niemals träumen lassen.

Michaela Boland:

Hast du dein Studium zu Ende gebracht? 

Rea Garvey:

Das ist so witzig. Wenn ich sage, dass ich studiert habe, fragt jeder nach, ob ich es zu Ende gebracht habe. Ich glaube, das ist die Erwartung, die man von Musikern, oder vielleicht auch nur von mir hat, dass es nicht zu Ende gebracht worden sein könnte.

Aber, ja, ich habe das zu Ende studiert. Ich habe Marketing, Administration und Französisch studiert. Ich habe wegen meiner Eltern zu Ende studiert, weil es denen wichtig war. In meinem letzten Jahr bin ich bei der Abschlussprüfung durchgefallen.

Ich habe nämlich für drei ein halb Jahre die meiste Zeit über im Kulturreferat gearbeitet, denn ich habe gerne Partys organisiert und gefeiert. Und dann habe ich dieses Jahr außerhalb der Universität noch mal absitzen müssen.

Da habe ich gleichzeitig Tourneen gebucht und studiert, und nach diesem Jahr hat es dann geklappt und ich habe das Studium erfolgreich zu Ende gebracht.

Michaela Boland:

Wie hast du die Studienzeit empfunden?

Rea Garvey:

Das war eine wahnsinnig tolle Zeit. Besonders die ersten Erlebnisse als Student, da war alles dabei. Wenn jemand mich fragt, ob ich irgendetwas ändern würde, sage ich immer, in der Angst, dass, etwas ändern zu wollen, bedeuten würde, auch etwas von jener Zeit zu missen, würde ich nichts ändern. Ich habe diese Zeit echt geliebt, das war, glaube ich, die tollste Zeit. Gut, dass es so war.

Michaela Boland:

Trägst du eigentlich schon immer den Vollbart?

Rea Garvey:

Nee, das ist in letzter Zeit einfach irgendwie so zugewachsen.

Michaela Boland:

Aber zwischenzeitlich schon beinahe zum Markenzeichen geworden.

Rea Garvey:

Also ich bin auf jeden Fall kein Model und denke gar nicht an solche Sachen. Ich mache immer so das, was mir passt. Lange Haare habe ich, weil es meiner Frau gefällt und was ihr gefällt, tut mir gut. Das sind dann immer ziemlich einfache Entscheidungen. Als ich den Bart wachsen lassen habe, fand sie es auch gut. Und dann war er halt da.

Michaela Boland:

Gibt es an dir Dinge, die typisch irisch sind und mittlerweile auch solche, die typisch deutsch sind?

Rea Garvey:

Typisch deutsch? Nein (hält inne), das heißt, ich bin sehr zielstrebig, das sagen zumindest manche Leute. Ich sehe das bei mir selber nicht immer so. Ich feiere gerne, das ist etwas, was irgendwie von Iren erwartet wird. Und Melancholie ist auch eine Sache, die in mir steckt.

Das, was ich aber an Deutschland liebe, ist, dass wenn du hier etwas erreichen willst, dann kannst du es auch. Man steht sich höchstens selbst im Weg. Ich fand eine Sache recht witzig: Wir haben eine Nummer gemacht, die heißt „In Zaire“.

Dafür hatten wir einen Sänger aus Kamerun dabei, der einen Text gesungen hat, von dem wir ihn gefragt haben, was er eigentlich bedeute. Da hieß es nämlich immer „De Jama de Gama“ oder so ähnlich. Es bedeutete dann , „so stark wie ein deutscher Schrank“.

In Kamerun ist man der Auffassung, dass alles, was aus Deutschland kommt, für immer sei, also für die Ewigkeit, stabil und solide. Und die Wege sind ja auch so. Ich wusste ja beispielsweise nicht, was für ein Musiker ich sein würde, ob ich erfolgreich sein würde.

Ich habe ja auch Musiker gesehen, die vielleicht nicht in den Charts sind, aber trotzdem ihren Erfolg haben und davon leben. Und das war für mich als Ziel in Deutschland auf jeden Fall viel mehr machbar.

Das ist insoweit etwas, das mir sehr passt, ob das in mir steckt, weiß ich nicht. In jedem Fall mag ich an der deutschen Kultur, dass man darauf bauen kann. Und was das Irische anbelangt, da glaube ich, ist noch viel in mir, was typisch irisch ist.

Michaela Boland:

Was ist denn typisch irisch?

Rea Garvey:

Die Liebe zum Leben, dieser Esprit. Dass man nicht immer unbedingt an der Regel festhält und manchmal einfach neue Regeln schreibt. Das Feiern, das Aufwachen und manchmal einfach zu sagen, „Scheiße, aber, ach komm, weiter“. Diese Art ist auf jeden Fall irisch, glaube ich.

Michaela Boland:

Und Riverdance und Co?

Rea Garvey:

Also Irish-Dance haben wir eigentlich alle in der Schule gelernt.

Michaela Boland:

Kannst du es noch?

Rea Garvey:

Ja. Du musst dir vorstellen, als Teenager haben wir keine Diskotheken, da haben wir nur Ceiles (Anm. d. Red.: Sprich: „Kälies“) gehabt. Und Ceile ist halt das irische Wort für Zusammenkommen. Und dann haben wir getanzt. Das war halt ein Weg, wie Jungs Mädels kennen lernen konnten, gerade, wenn man schüchtern war.

Da hat man getanzt, das war eine tolle Zeit und sehr witzig. Natürlich waren wir Teenager und hatten nur blöde Sprüche und unsere schicken Klamotten. Aber es hat viel Spaß gemacht.

Michaela Boland:

Und dabei hattet ihr auch diese Metallplättchen an den Schuhen wie die Tänzer von Riverdance und Lord of the dance?

Rea Garvey:

Also das ist natürlich ein bisschen übertrieben. Bei denen ist es ja so, dass da dieses ganze Crescendo drin sein muss. Wir waren viel entspannter damit als wir das gemacht haben. Es gibt für den irischen Tanz zwei Arten von Schuhen. Da gibt es Hartschuhe und Softschuhe.

Du kannst es mit beiden machen. Es war natürlich nicht so, dass bei uns jeder diese Hartschuhe mit den Metallteilen vorne dran hatte. Manche hatten Clogs und da ist eben so ein richtiges Stück Holz vorne.

Ich habe es leider nicht weiter gemacht, aber ich fand es immer ziemlich geil, denen zu zuschauen, die weitergemacht haben. Man ist auf einmal nationalistisch und denkt sich, „Wow, ich bin stolz, Ire zu sein“. 

Michaela Boland:

Ist deine Ehefrau auch Irin?

Rea Garvey:

Nein, sie ist Rumänin.

Michaela Boland:

Wie habt ihr euch kennen gelernt?

Rea Garvey:

Über das Telefon. Es war keine Sexnummer (lacht). Ihr Partner war am Anfang unser Manager. Nach einem Monat hat sie übernommen. Wir haben häufig am Telefon miteinander gesprochen und ich war total verzaubert von ihrer Stimme. Schon da habe ich mich ziemlich heftig in sie verliebt und fand sie extrem cool. Danach haben wir „Josephine“ geschrieben, wobei ich sie nie kennen gelernt habe und das Lied beschreibt sie ziemlich gut.

Michaela Boland:

Josephine ist somit ihr Vorname?

Rea Garvey:

Ja, sie heißt Josephine.

Michaela Boland:

Hilfst du eigentlich auch im Haushalt? 

Rea Garvey:

Ja.

Michaela Boland:

Was machst du da?

Rea Garvey:

Alles mögliche. Ich habe schließlich auch mal fünf Jahre allein gewohnt und wenn man das nicht macht, wird es natürlich problematisch. Mit 17 bin ich von zu Hause weggezogen. Ich kann ziemlich alles, aber, was ich nicht kann, ist, Klamotten sortieren zum Waschen.

Das ist für mich so wie am pm (Anm. d. Red.: 2-mal-12-Stunden-Zählung). Das sind kleine Sachen, die ich gar nicht so rein kriege. Auch das Klamotten waschen ist irgendwie so eine Art Magie für mich. Ich schaffe es nicht. Aber Kochen liebe ich.

Michaela Boland:

Was kochst du bevorzugt?  

Rea Garvey:

Alles mögliche. Aber ich liebe auf jeden Fall Hähnchen, das kommt bei mir öfter vor. Gerne auch einfach traditionelles irisches Essen, so mit Rose Chicken, Rose Potatoes, Sauce und Vegetables. Das wäre so ein ganz typisches Sonntagsessen bei uns zu Hause.

Also ich koche ganz gerne und ich glaube, ich koche sehr gut. Ich bin wahrscheinlich im Haus viel mehr wert als am Auto. Wenn nämlich beispielsweise ein Auto auseinander fällt, weiß ich gar nichts. Keine Ahnung, ob es nun ein Rasenmäher ist oder ein Auto, da bin ich ziemlich verloren. 

Michaela Boland:

Deine häuslichen Fertigkeiten kommen zumindest doch deiner Frau sehr zugute.

Rea Garvey:

Ja, weil sie auch extrem viel arbeitet. Deswegen helfe ich auch so gerne, denn das entlastet sie. Sie ist eben seit elf Jahren unsere Managerin und erzieht ja auch unsere Tochter. Ich merke halt, wie viel sie zu tun hat. Sie macht das auch super und ich bin ein großer Fan von ihr.

Wenn ich dann zu Hause bin, ist es einfacher zu sagen, „ich mach`s“, so dass sie auch ein bisschen das Leben genießen kann. Ich habe einfach das Gefühl, dass die Rollen heutzutage einfach nicht mehr so sind, wie zu Zeiten meiner Oma und meines Opas, die getrennt von der Familie gegessen haben und deren Rollen geschlechtsspezifisch aufgeteilt gewesen sind.

Diese Zeiten sind vorbei. Es kann sich niemand leisten zu sagen, der eine muss alles machen und der andere gar nichts. Erstens sind Frauen heutzutage ja viel aktiver in der Welt.

Früher wollten viele dies bestimmt auch sein, durften aber nicht. Mit insgesamt sieben Schwestern bin ich auch der größte Fan davon. Ich liebe es einfach, wenn eine Frau etwas drauf hat und sie selber etwas schafft.

Michaela Boland:

Bist du der einzige Junge unter den Geschwistern?

Rea Garvey:

Ja. Ich bin der Drittgeborene. Nun, jedenfalls sehe ich das eben auch an meiner Mutter. Wobei sie eine Hausfrau war, allerdings war sie auch Lehrerin, wenn sie Bock hatte, zu arbeiten, einfach um ihr Gehirn frisch zu halten.

Es ist ja recht anstrengend, Kinder zu erziehen und dann gleich acht auf einmal. Eine sehr intelligente Frau, die brauchte halt den Reiz und hat einfach gerne zwischen den Schwangerschaften gearbeitet. Und meine Schwestern sind auch ziemlich erfolgreich in dem, was sie machen.

Michaela Boland:

Hat eine von ihnen ebenfalls etwas mit der Musikbranche zu tun?

Rea Garvey:

Nein, bis jetzt nicht. Sie machen alles Mögliche. Zum Teil sind sie Geschäftsfrauen, die wahnsinnig machtvoll und erfolgreich sind, die auf einmal aufgegeben und gesagt haben, „nee, jetzt will ich Kinder haben. In jedem Fall haben alle gezeigt, dass sie etwas drauf haben. Ich habe schon das Gefühl, dass sie zum größten Teil auch glücklich sind.

Michaela Boland:

Gerade hast du kurz deine Tochter erwähnt. War sie auch Inspiration zu eurem wunderschönen Erfolgstitel „Through the eyes of a child“? 

Rea Garvey:

Witzigerweise war es sogar das Kind von jemand anderem, das mich sehr beeindruckt hatte. Ich war in Miami. Der Sohn des Produzenten, mit dem ich das geschrieben habe, hat Textvorschläge gemacht, die ich zwar nicht genutzt habe, aber ich fand es sehr reizend, dass so ein Junge, Alejandro, der, glaube ich, damals 10 Jahre alt war, sich einfach vorgenommen hatte, mir ein paar Texte zu schreiben.

Dann hat er die hingelegt und sogar noch ein Buch geschrieben. Ein unglaublicher Junge. Was ich geliebt habe, war, dass mich die Texte inspiriert haben, obwohl ich sie nicht genutzt habe. Aber, wie er die Welt gesehen hat, das fand ich sehr beeindruckend.

Ich denke, das Lied passt eben zu jedem Kind. So wie meine Tochter auch die Welt sieht, das liebe ich einfach. Man kann auch wirklich Zeit damit verbringen, indem man einfach nur zuhört und erfährt, wie Kinder Sachen sehen. Dann ist man auf einmal total entspannt und alles andere ist nur noch halb so schlimm.

Michaela Boland:

Ich kann nicht festmachen aus welchem Grund das so war, aber mich hat der Titel „Through the eyes of a child“ bei erstmaligem Hören auf eine außergewöhnliche Art und Weise berührt. Ist das etwas, das du häufig hörst?

Rea Garvey:

Ja, ich glaube, da ist eine gewisse Ehrlichkeit in unserer Musik und wenn es deine Geschichte ist, dann betrifft es dich auch. Es geht ja nicht darum, meine Geschichte zu erzählen. Ich finde, beim Texten schreibe ich was und verstehe es danach.

Ich versuche nicht immer, mich so extrem darauf zu verlassen, dass ich es jetzt sofort selber verstehe, denn ich denke, manchmal kommen Wörter und Sinn nach. „Through the eyes of a child“ habe ich der Frau eines sehr guten Freundes von mir zunächst vorgespielt und sie hat angefangen zu weinen.

Sie war die erste, die es gehört hat und ich fand es sehr beeindruckend, das ein Lied so etwas kann. Das ist mir Gott sei Dank mehrmals mit verschiedener Musik passiert, aber ich habe es geliebt, dass es das für sie gemacht hat. Irgendwie hat es die richtige Taste erwischt. Ich finde, wenn Musik eine solche Wirkung haben kann, das ist echt cool.

Michaela Boland:

In den letzten 48 Stunden gab es große Aufregung in den Medien. Da hieß es, ihr wollt euch bald trennen. Das, was als Sommer Open Air Tour begann, soll nun plötzlich eine Art Abschiedstour sein.

Du sollst zwar geäußert haben, dass die Luft bei Reamonn raus sei, aber dennoch stellt sich bei dieser doch recht unerwarteten Meldung die Frage, ob etwas zwischen Euch Bandmitgliedern vorgefallen ist?

Rea Garvey:

Ganz ehrlich gesagt, hat keiner von uns angekündigt, dass wir uns trennen. Wir haben nur mitgeteilt, wir wollen eine Pause machen. Wir haben das auch so gesagt und dann wird so etwas dann halt anders bearbeitet. Die Luft ist auch raus, glaube ich.

Wir haben nicht die Lust, jetzt einfach nur irgendwie weiterzumachen, um es dann irgendwann zu töten. Wir sind elf Jahre zusammen. Bestimmt hat das auch irgendwie so eine Wirkung auf uns, dass wir viel nachgedacht und viel gesehen haben, und dann denkst du halt irgendwann, och, wir sind noch jung, lasst uns noch irgend etwas anderes machen für eine Weile.

Es gibt eben diese Momente im Leben, die man nicht wahrnimmt und ist dann irgendwann traurig darüber, dass man sich nicht die Zeit genommen hat. Ich will auf jeden Fall anders leben. Natürlich liebe ich es, in dieser Band zu sein. Das hat mir elf Jahre lang wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Aber ich bin an dem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr dazu bereit bin, ins Studio zu gehen und eine Platte zu schreiben oder aufzunehmen, weil ich glaube, ich würde es hassen. Und der Standard, den wir uns selber vorgeben, ist hoch und das dann niederfallen zu lassen, wäre falsch.

Deswegen, lieber warten bis wir wirklich wahnsinnig viel Bock haben, das wieder zu machen. Und die Pause ist eigentlich so gedacht haben, wenn es denn noch mal die richtige Zeit ist, dann machen wir es halt. 

Michaela Boland:

Also ein offenes Ende der Pause? 

Rea Garvey:

Ja, genau.

Michaela Boland:

Und ich las, Du würdest dich nunmehr sehr für das selber Herstellen von Möbeln interessieren. Was ist da dran?

Rea Garvey:

Das war ein Spruch. Jemand hat mich gefragt, was ich mir für die Rente vorstellen könnte. Und das war meine Antwort. Aber das wird dann natürlich mit allem möglichen anderen verknüpft.

Ich liebe in der Tat auch mit Holz zu arbeiten, das mache ich wirklich gerne, aber es ist nicht so, dass ich jetzt vor hätte, eine Schreinerei zu eröffnen. Ich interessiere mich für extrem viele Sachen und gucke auch gerne, ob ich das kann oder nicht.

Michaela Boland:

Hast du denn derzeit schon eine konkrete Vorstellung davon, was du in der Reamonn-Pause tun möchtest?

Rea Garvey:

Ich habe auf jeden Fall eine konkrete Vorstellung, aber finde, im Namen der Band soll jeder auch sein eigenes Ding vorstellen können. Jetzt machen wir zunächst mal bis Ende des Jahres REAMONN und danach wird jeder bestimmt auch sein eigenes Projekt vorstellen.

Michaela Boland:

Ihr habt ja schon die unterschiedlichsten Musikprojekte durchgeführt, u.a. auch schon Musik für Film und Fernsehen geschrieben. Hat man da theoretisch finanziell schon ausgesorgt und könnte sich, wenn man denn wollte, fortan bequem zurücklehnen?

Rea Garvey:

Nö, ich glaube das kann wohl kaum jemand heutzutage, außer vielleicht derjenige, der wahnsinnig viel Geld geerbt hat. Das Leben ändert sich so oft und meine Frau und ich haben am Anfang sowieso beschlossen, wir genießen das Leben. Wir geben das Geld gerne aus.

Ich bin nicht jemand, der das Geld für spätere Zeiten lagert. Ich glaube, weil ich aus einer zehnköpfigen Familie komme, war Reichtum nie so mein Ziel. Wir haben gut gelebt, aber wir haben nie Geld gehabt. Wir können gut mit dem Leben umgehen und wir wohnen schön, da bin ich sehr dankbar und haben den einen oder anderen Luxus, den ich auch schön finde für mich.

Michaela Boland:

Autos? 

Rea Garvey :

Nein, nicht unbedingt. Also, witzigerweise ist es nicht so ein Ding für mich. Ich mag es schon, schöne Autos zu fahren, ich fahre auch ein schönes Auto, gar keine Frage, aber das ist auch kein großes Ziel für mich. Aber, Wohnen, nach Hause kommen, das ist für mich das, was wichtig ist.

Wir haben nie in Aktien oder Fonds und Trallala investiert , das war alles immer mehr für andere, denn ich habe es einfach nie kapiert, ganz ehrlich gesagt und Geld verstehe ich auch nicht so ganz. Da ist meine Frau einfach um ein Vielfaches besser als ich.

Aber wir wohnen schön und wenn wir Urlaub machen, dann machen wir einen schönen Urlaub. Denn wir haben nicht zu viel Zeit und daher genießen wir das dann eben. Und da geht das meiste Geld, das ich verdiene halt hin.

Außerdem habe ich ja eine große Familie, ich sorge für die, wenn ich kann auch. Natürlich nicht im großen Stil, denn die haben ja auch alle ihr eigens Leben. Aber wenn es mir gut geht, dann soll es meinen Leuten und meiner Familie auch gut gehen.

Denn so funktioniere ich. Das heißt natürlich, dass man sich nicht zurücklehnen kann und einfach nichts machen, aber ehrlich gesagt, wer will das machen? Das ist extrem langweilig, glaube ich.

Michaela Boland:

Ihr engagiert euch auch sozial im Rahmen eurer selbst gegründeten Stiftung „Saving an Angel“, die sich für Kinder einsetzt. Auf euer Homepage ist zu lesen, dass der Grund dafür der gewesen sei, dass nach Beteiligung an anderen Hilfsprojekten im Nachhinein ein flaues Gefühl geblieben sei, dass die gesammelten Gelder nicht wirklich den jeweiligen Projekten zu Gute kämen.

Nun wart ihr 2001 zur Unterstützung von Unesco-Botschafterin Ute-Henriette Ohoven in Minsk für ein Kinderkrebskrankenhaus im Einsatz. Ohoven war zeitweilig öffentlich ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, nachdem Behauptungen von angeblich nicht ordentlich eingesetzten Spendengeldern aufkamen.

So soll Starkoch Tim Mälzer 51.000 Euro für ihre Stiftung gespendet haben, die nie bei Bedürftigen angekommen sein sollen, wie Bild.de vom 02.08.2006 berichtet. Steht euer Entschluss, lieber selbst eine Stiftung zu gründen, damit in irgendeinem Zusammenhang?

Rea Garvey:

Nein, das sind so die Themen, da habe ich keinen Kommentar, weil ich erstens nicht viel darüber weiß und zweitens, wenn ich nicht irgendwie voll informiert bin, dann will ich natürlich keine Meinung dazu haben. Unsere Stiftung haben wir aus ganz einfachen Gründen gegründet.

Wir wurden so oft gefragt, aber immer waren es Dinge, die wir nicht in unseren Händen hatten. Immer haben unsere Fans uns unterstützt. Und da haben wir beschlossen, o.k., lass uns gucken, dass wir das ganze selber führen können.

Und das machen wir schon seit langem und es ist ein großer Erfolg, denn wir haben schon Millionen Euro in die Wege geleitet an Organisationen, die wir gut finden und unterstützen wollen. Es ist eine Wahnsinnsarbeit, die mich persönlich sehr stolz macht.

Es ist im Vergleich zum Musikmachen eine sehr harte Arbeit, weil wir natürlich alles, was wir unterstützen, recherchieren und ansehen wollen. Manchmal steckt man in Äthiopien oder in die Arche in Berlin oder München, oder in ein Krebskrankenhaus beziehungsweise ein Haus für missbrauchte Kinder.

Und da bist du echt eigentlich nichts, du bist echt so die kleinste Schraube in der ganzen Maschinerie. Da musst du halt wahnsinnig kämpfen, damit das funktioniert, damit die Menschen, die die Arbeit leisten, auch tatsächlich weiter arbeiten können und auch dass die Kinder die Hilfe bekommen, die sie verdient haben. Das macht mich stolzer als alles andere, was ich mache. 

Michaela Boland:

Das heißt, die Arbeit der Stiftung wird schon weitergehen, auch wenn ihr eine Pause macht.

Rea Garvey:

Absolut. Ja, das werde ich weiter führen.  

Michaela Boland:

Du setzt dich für Kinder ein, hast bisher selbst eine Tochter, die 2005 geboren wurde. Ist dahingehend vielleicht noch weiterer Familienzuwachs geplant? 

Rea Garvey:

(Lacht).Das geht dich gar nichts an .(lacht erneut herzhaft) Ganz klar gesagt.

Michaela Boland:

O.k., ich hoffe, du sprichst über deinen Vater, denn der ist ja heute hier und beim Konzert in Köln dabei. Ist das eine Premiere?

Rea Garvey:

Nein. Er ist schon häufiger dabei gewesen. Ich mag es sehr, wenn er dabei ist. Wir verstehen uns blendend. Und der wollte rüber kommen und hat seinen Koffer mitgebracht. Gestern haben wir so schön und lange miteinander gesprochen.

Ich glaube immer, ich spiegele halt ein Leben wider, wovon er geträumt hat, deswegen macht es ihm total Spaß. Er hat auch selbst bisher ein großes Leben geführt, von dem ich viel abgeguckt habe. Ja, wir haben unseren Spaß, wenn wir zusammen unterwegs sind.

Michaela Boland:

Wie alt ist dein Dad?

Rea Garvey:

Keine Ahnung, weiß ich nicht.

Michaela Boland:

Offensichtlich ist er jedenfalls recht unternehmungslustig. In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Show und Resttour. Für die Zukunft alles Gute für alle Reamonn-Mitglieder .

In der Hoffnung, dass wir euch nach einer für euch alle ausreichenden Pause in alter Form mit vielen schönen neuen Stücken wieder auf den Bühnen dieser Welt begrüßen dürfen, bedanke mich recht herzlich für dieses schöne Interview. 

Reamonn:

ist eine deutsche Rockband um den irischen Sänger Rea Garvey (Raymond Michael Garvey), dem ehemaligen Sänger und Gitaristen der Reckless Pedestrians. Bekannt wurde Reamonn insbesondere durch ihren Hit „Supergirl“, der im Jahr 2000 bis auf Platz 4 der deutschen Charts kletterte.

Die Band trat bereits im Vorprogramm der Guano Apes, HIM und Robbie Williams auf. Nach ihrem Debütalbum „Tuesday“ errreichten die beiden nachfolgenden Alben „Dream No 7“ und „Beautiful Sky“ Gold- und Platinstatus.

2001 hatte Reamonn einen Gastauftritt in den deutschen Kinofilm „Mondscheintarif“ nach dem Bestseller von Ildikó von Kürthy, zu welchem sie die Single „Weep“ beisteuerten. Die Band arbeitete ebenfalls mit Jam & Spoon sowie Xavier Naidoo zusammen und trat in dessen Vorprogramm auf.

2002  lieferte Reamonn die Titelmusik für die Pro7-TV-Produktion „Fort Boyard“ ab. Im Jahr 2006 erschien ihr Album „Wish“, 2008 das erfolgreiche Album „Reamonn“. Die erste Singleauskopplung daraus „Through the eyes of a child“ erreichte Platz sechs der deutschen Charts.

Ein Best-of-Album mit dem Titel „Eleven“ auf dem auch drei neue Songs enthalten sein werden, wird das vor der auf unbestimmte Zeit angekündigten Pause vorerst letzte Album der Gruppe sein.

Infos unter:

http://www.reamonn.com/

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

 

 

 

 

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Nach nur zehn Tagen Vorbe­reitungszeit sang sie die Rolle der Giovanna Seymour in Anna Bolena und entdeckte eine tiefe Affinität zum Belcanto-Repertoire. Nach dem Examen wurde sie in Deutschland ans Staatstheater Meiningen engagiert, wo sie u. a. Octavian im Rosen­kavalier sang.

1999 trat sie außerdem beim Savonlinna-Opernfestival als Maddalena in Verdis Rigoletto auf und gewann den Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb in Finnland.

Seither tritt sie in den großen internationalen Opernhäusern und Konzertsälen auf und gehört inzwischen dank ihrer wundervollen Stimme, Musikalität und überzeugenden Bühnen­präsenz zu den neuen Stars der Musikwelt.

2006 erhielt sie den Europäischen Kulturpreis für Musik bei einer vom deutschen Fernsehen übertragenen Gala in der Dresdner Frauenkirche; 2007 wurde sie mit einem Echo-Preis für Aria cantilena – ihr erstes Solo-Album bei Deutsche Grammophon – und dem lettischen Drei-Sterne-Orden ausgezeichnet.

2000 Gewinnt den Großen Musikpreis Lettlands. Geht an die Oper in Frankfurt und singt dort in ihrer ersten Spielzeit u. a. die Zweite Dame in der Zauberflöte, Hänsel in Hänsel und Gretel und Rosina in Il barbiere di Siviglia 2001 Finalistin in BBC’s Cardiff Singer of the World Competition.

Erste Solo­auf­nahme: ein Programm mit Opernarien 2003 An der Wiener Staatsoper: Lola in Cavalleria rusticana, Orlofsky in der Fleder­maus, Meg Page in einer Neuinszenierung von Falstaff und Rosina in Il barbiere di Sivi­glia.

Debüt bei den Salzburger Festspielen als Annio in La clemenza di Tito. Singt Dorabella in Così fan tutte in Frankfurt. Auftritte als Rosina und als Solistin im Stabat Mater beim Rossini-Festival der Oper Helsinki. Nicklausse und die Muse in Les Contes d’Hoffmann in Tokio.

Gastauftritt für Deutsche Grammophon, als sie mit Anna Netrebko in einer Szene und Kavatine aus Lucia di Lammermoor in Netrebkos Debütalbum Opera Arias zu hören ist 2004 Dorabella, Meg Page und Rosina an der Wiener Staatsoper. Dorabella bei den Salzburger Festspielen.

Bellinis Adalgisa (mit Edita Gruberova als Norma) in Baden-Baden. Rossinis Cenerentola in Paris am Théâtre des Champs-Élysées. Singt Alban Bergs Sieben frühe Lieder unter Philippe Jordan im Wiener Konzerthaus 2005 An der Wiener Staatsoper: Debüt als Charlotte in Werther sowie Rosina und Meg Page.

Dorabella in Aix-en-Provence und bei ihrem Debüt an der Pariser Opéra im Palais Garnier. Konzerte in Luzern und Graz 2006 Triumphiert als Octavian an der Wiener Staatsoper und als Sesto in La cle­menza di Tito am Theater an der Wien.

Weitere Auftritte als Octavian, Rosina, Cherubino, Dorabella, Sesto und Charlotte in Wien; Sesto in Paris. Bei den Salzburger Festspielen zwei Konzerte mit Mozart-Arien unter Sir Roger Norrington und ein Konzert mit geistlicher Musik von Mozart unter Riccardo Muti; Beethovens Missa solemnis mit dem Orchestre national de France unter Kurt Masur.

Recitals bei der Schubertiade in Schwarzenberg. Mitwirkung beim Mozart-Album mit neuen Aufnahmen von Mozart-Arien, vorgetragen von den Gesangsstars der Deut­schen Grammophon wie Anna Netrebko, Thomas Quasthoff, René Pape und Bryn Terfel und zur Eröffnung der Salzburger Festspiele veröffentlicht.

2007 Zu Elīna Garančas Verpflichtungen zählen Auftritte als Rosina, Cherubino, Dorabella, Octavian, Charlotte und Adalgisa an der Wiener Staatsoper; Debüts an der Berliner Staatsoper als Sesto, am Royal Opera House, Covent Garden, als Dorabella, und das Rollendebüt als Carmen an der Lettischen Nationaloper in ihrem heimatlichen Riga.

Unternimmt eine Tournee mit dem Concertgebouw Orkest unter der Leitung von Mariss Jansons in Ams­ter­dam, London, Paris und Wien; auf dem Programm stehen Berios Folk Songs.

Drei Galakonzerte mit Anna Netrebko, Ramón Vargas, Ludovic Tézier und dem SWR Sinfonieorchester unter Marco Armiliato – das dritte Galakonzert wird im deutschen Fernsehen vor über 2 Millionen Zuschauern ausgestrahlt und für die Audio- und Video-Veröffentlichung auf Deutsche Grammophon mitgeschnitten (The Opera Gala – Live from Baden-Baden).

Ihre erste Soloaufnahme für Deutsche Grammophon Aria cantilena (mit der Staats­kapelle Dresden unter der Leitung von Fabio Luisi) präsentiert Höhepunkte aus einigen ihrer schönsten Opernrollen und erhält den Echo-Preis 2007; die Veröffentlichung des Albums wird begleitet von einer Deutschland-Tournee mit diesem Repertoire zusammen mit den Münchner Symphonikern unter Heiko Mathias Förster.

Elīna Garanča wird vom lettischen Staat mit einem Drei-Sterne-Orden ausgezeichnet 2008 Das Jahr beginnt mit Elīna Garančas sensationellem Debüt an der New Yorker Met als Rosina in Il barbiere di Sivi­glia. Sie gibt ihr Rollendebüt als Romeo in konzertanten Aufführungen von Bellinis I Capuleti e i Montecchi in Riga und wiederholt die Rolle in Wien an der Seite von Anna Netrebko mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Fabio Luisi (Mitschnitt Deutsche Grammophon zur Veröffentlichung 2009).

Sie singt Octavian an der Deutschen Oper Berlin, Adalgisa bei ihrem Debüt an Münchens Bayerischer Staatsoper, wo sie auch als Charlotte auftritt, und debütiert als Marguerite in Berlioz’ Damnation de Faust in Genfs Grand Théâtre.

Konzertauftritte in Mahlers Dritter Symphonie im Wiener Musikverein, Berios Folk Songs mit den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons in der Philharmonie, Ravels Shéhérazade mit dem Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Abbado und Berlioz’ Les Nuits d’été mit den Wiener Philharmonikern wiederum unter der Leitung von Mariss Jansons bei den Salzburger Festspielen. Singt beim Konzert »Weltstars der Oper« im Wiener Naturstadion Hohe Warte.

2009 Auf Garančas erstes erfolgreiches Solo-Album folgt unter dem Titel Bel Canto eine Sammlung von Arien und Ensembles, und in der neuen Aufnahme von Bellinis I Capuleti e i Montecchi singt sie die Partie des Romeo an der Seite von Anna Netrebko als Julia – beide Einspielungen erscheinen Anfang des Jahres.

Zu Garančas Verpflichtungen gehören Octavian im Rosenkavalier an der Wiener Staatsoper, Romeo an der Seite von Anna Netrebko in Bellinis I Capuleti e i Montecchi und Carmen am Covent Garden, Angelina in Rossinis La Cenerentola an der Met sowie Charlotte in Massenets Werther in Wien und Baden-Baden mit Rolando Villazón. Sie unternimmt eine Europa-Tournee mit dem Kammer­orchester Basel und eine Deutschland-Tournee mit der Neuen Philharmonie Westfalen 1/2009

Habanera
Elīna Garanča, Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai, Karel Mark Chichon

Format: CD Audio | CD | Album | 0028947787761 Label: Deutsche Grammophon Erscheinungsdatum: 20.08.2010

Die beste Carmen kommt aus Riga! Auf dem neuen Album von Elina Garanca "Habanera" dreht sich alles um die Themen "Spanien, Zigeuner und Carmen" in der vielfältigen Weltsprache Musik.

Angefangen bei Bizets erster Fassung der berühmten "Habanera" durchmisst Garanca ein musikalisches Spektrum, das von Lehárs Operette "Zigeunerliebe", über Ravels populärer "Vocalise en forme de Habanera" und Barbieris Zarzuela bis hin zu Leonard Bernsteins "Candide" sowie Liedern von de Falla und anderen spanischen Komponisten.

Einen der Gründe für ihre intensive Beziehung zum spanischen Kolorit erklärt die Mezzosopranistin so: "Mein Mann kommt aus Gibraltar, er ist also in unmittelbarer Nähe zu Spanien aufgewachsen. Er hat mir diese Gattung nahe gebracht und mir einige bekannte Stücke daraus gezeigt."

Tourneetermine:

23.9.2010 Düsseldorf, Tonhalle
26.9.2010 München, Philharmonie
28.9.2010 Hamburg, Laeiszhalle
1.10.2010 Baden-Baden, Festspielhaus
4.10.2010 Frankfurt am Main, Alte Oper

 

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21.07.2010 Ragna Schirmers Debüt-CD erschien im Mai 2000

Hasko Witte - Berlin Classics - mit 2 Bildern

Ragna Schirmer gilt als eine der interessantesten Künstlerinnen der jungen Generation. Ihr Repertoire ist äußerst umfassend und reicht von Bachs Goldbergvariationen bis zur Musik der Gegenwart.


Ragna Schirmer erhielt ihre Ausbildung bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling in Hannover und bei Prof. Bernard Ringeissen in Paris. Sie schloss sämtliche Studien mit Bestnoten ab.

Bei nationalen und internationalen Klavierwettbewerben gewann sie fünfzehn erste Preise und Sonderpreise, darunter so bedeutende wie UNISA in Pretoria, Südafrika und Senigallia, Italien.

Mit fünfzehn war sie die jüngste Finalistin in der Geschichte des Busoni-Wettbewerbs, mit siebzehn gewann sie den Sonderpreis beim Wettbewerb des Deutschen Musikrates.

Besondere Aufmerksamkeit erregte sie beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig, den sie sowohl 1992 als auch 1998 für sich entscheiden konnte. Sie erhielt damit zweimal den Titel „Bachpreisträgerin“, was bisher noch keinem Pianisten gelungen ist.

Mit 28 Jahren wurde Ragna Schirmer auf eine Professur an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Mannheim berufen.


Ragna Schirmer trat mit den Münchner Philharmonikern unter Zubin Mehta auf, mit der Camerata Salzburg unter Sir Roger Norrington, mit dem Orchestre National de France unter Kurt Masur, mit dem MDR-Sinfonieorchester unter Fabio Luisi, dem Gürzenich Orchester unter Andrey Boreyko, dem Gewandhausorchester unter Herbert Blomstedt sowie der Deutschen Kammerphilharmonie, um nur wenige zu nennen.


Recitalabende gab sie in der Kölner Philharmonie, dem Gewandhaus zu Leipzig, der Stuttgarter Liederhalle und mehrmals in der Hamburger Musikhalle und der Tonhalle Düsseldorf.

Weitere Engagements führten sie in die bekanntesten Konzertsäle Europas und zu renommierten Festivals wie dem Klavier-Festival Ruhr, dem Beethovenfest Bonn, dem MDR-Musiksommer und den Salzburger Festspielen.


Ragna Schirmers Debüt-CD mit den Goldbergvariationen erschien im Mai 2000 und wurde in der Fachzeitschrift Fono Forum mit dem Stern des Monats ausgezeichnet, ebenso ihre 2006 erschienene Schumann-CD. Ihr Haydn-Doppelalbum erhielt 2003 einen ECHO-Klassik.

Auch ihre zahlreichen weiteren Einspielungen (Chopin, Corigliano, Schnittke, Schmidt, Beethoven, Schumann) wurden europaweit mit höchster Anerkennung rezensiert, wie auch die im gleichen Jahr erschienene Mendelssohn-CD mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken.


2009 erhält Ragna Schirmer erneut den renommierten ECHO-Klassik Preis in der Kategorie „Solistische Einspielung des Jahres“ für ihre vielbeachtete erste Gesamt-Einspielung der Klavier-Suiten Georg Friedrich Händels, die in diesem Jahr bei Berlin Classics veröffentlicht wurde.

Ragna Schirmer über ihre neue Aufnahme

128 Jahre nachdem Georg Friedrich Händel seine B-Dur Suite für Cembalo veröffentlicht hatte, entdeckte Johannes Brahms die »Aria« aus eben jener Suite und formte mit 25 Variationen und einer großen Fuge über dies Thema einen Kosmos romantischer Klavierkunst, der in der Literatur seinesgleichen sucht.

Da mir persönlich die Händel-Aria auch sehr am Herzen liegt, reizte es mich, wiederum 148 Jahre später intensiv an diesem großen Werk von Johannes Brahms zu arbeiten.


Wenn ich mich einem Komponisten mehr und mehr zu nähern versuche, lese ich vor allem Biographisches über ihn. Bei der Beschäftigung mit Brahms entdeckte ich die Aufzeichnungen von Joseph Victor Widmann, einem engen Freund und Vertrauten des Komponisten.

Er schreibt sehr persönlich über seine Erlebnisse mit Brahms. Liest man in diesen »Erinnerungen«, wie der Tonschöpfer immer ein paar Bonbons in der Tasche hatte, um eventuell vorbeikommenden Kindern eine Freude zu machen, oder erfährt man, dass Brahms nicht weiterkomponierte, ehe er nicht einen entlaufenen Hund wiedergefunden hatte, dann bekommt man ein anrührendes, menschliches Bild dieses Mannes.

Dieses Liebevolle, gepaart mit künstlerischer Intensität, das ist es, was mich an der Person Johannes Brahms interessiert und was meiner Meinung nach Ausdruck in seinem Werk findet.


Aus diesem Grunde habe ich auf dieser CD die vielfarbigen »Händel-Variationen «, mit den Walzern op. 39 und den Rhapsodien op. 79 kombiniert. Die Walzer sind entzückend und berührend schlicht und edel gehalten, deshalb erfreuten und erfreuen sie sich bis heute großer Beliebtheit.

Brahms hat sie sowohl in einer Fassung für Klavier zu vier, als auch zu zwei Händen herausgegeben. Da in der zweihändigen Fassung gegenüber der vierhändigen einige Begleitfiguren fehlen, habe ich diese an manchen Stellen ergänzt.


Die Rhapsodien sind von enormer Intensität, dennoch aber polyphon und klar strukturiert. Es war mir wichtig, dies Spannungsfeld darzustellen, in dem sich meiner Meinung nach die Klaviermusik von Brahms bewegt.


Die Vollgriffigkeit des Klaviersatzes von Brahms überdeckt nie die feinen Linien seiner Melodieführung. Gibt man sich ihr hin, so fühlt man sich sowohl beim Hören als auch beim Musizieren der Ausdruckswelt von Johannes Brahms ganz nah. Man spürt die gewaltige Kraft dieses Mannes, ohne die Feinheit seines Ausdrucks zu verlieren.


Mir ist Johannes Brahms im Laufe der Entstehung dieser CD näher gekommen, und ich würde mich glücklich schätzen, diese Nähe mit Ihnen teilen zu dürfen.

Ihre Ragna Schirmer

KONZERTE 2010

18.07.2010 Schloss Herrenchiemsee, Spiegelsaal
Mozart Klavierkonzert F-Dur KV 459 (Orchester der KlangVerwaltung, Reinhard Goebel)

26.07.2010 Montpellier (F), Salle Pasteur
Rezital: Chopin (Festival Radio France et Montpellier Languedoc-Roussillon)

01.08.2010 Fredener Musiktage, Kirche St Georg & Zehntscheune 
Rezital: Goldbergvariationen (Wandelkonzert - der erste Konzertteil wird von der camerata freden gestaltet)

22.08.2010 Leipzig 
Rezital: Robert und Clara Schumann

27.08.2010 Bad Sooden-Allendorf
Rezital (Kultursommer Nordhessen)

30.09.2010 Luxemburg, Banque de Luxembourg, Auditorium
Rezital: Chopin und Schumann

01.10.2010 Wittlich, Kultur- und Tagungsstätte Synagoge 
Rezital: Robert und Clara Schumann

07.10.2010 Bochum, Audimax der Ruhr-Universität 
Mozart Klavierkonzert KV 482 (Bochumer Symphoniker, Nicholas McGegan)

08.10.2010 Bochum, Audimax der Ruhr-Universität 
Mozart Klavierkonzert KV 482 (Bochumer Symphoniker, Nicholas McGegan)  

17.10.2010 Berlin, Philharmonie
Mozart Klavierkonzert KV 482 (DSO, Roger Norrington)

22.10.2010 Heilbronn, Harmonie, Theodor-Heuss Saal 
Chopin Klavierkonzert Nr. 1 (Württembergisches Kammerorchester, Ruben Gazarian)

31.10.2010 Papenburg, Stadthalle - Forum Alte Werft 
Rezital

04.11.2010 Winsen/Luhe, Marstall
Rezital: Haydn, Brahms, Bartok, Liszt

07.11.2010 Coesfeld, Theater

18.11.2010 Kempten/Allgäu, Theater
Rezital: Robert und Clara Schumann/Chopin op. 10

19.11.2010 Karlsruhe, Stephanssaal
Rezital: Robert und Clara Schumann/Chopin op. 10

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Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

Tel.: +49 (0)40- 890 85-301

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08.07.2010 Ideengeber, Gründer und Vorstandsvorsitzender

Michaela Boland - mit 5 Bildern

Dass ein typischer G8-Gipfel nicht nur als Abstimmungsforum über Fragen der Weltwirtschaft fungieren, sondern durchaus auch hilfreich bei der kreativen Namensfindung für Charity-Hilfsprojekte sein kann, weiß er noch ganz genau:

Dr. Dr. Benjamin Fritz. Dem promovierten Zahnarzt und Radiologen aus Düsseldorf lag aufgrund einer persönlichen Verbindung zum Kölner Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße nämlich eine Sache besonders am Herzen:

Wegen seiner gesammelten Erfahrungen während seines PJs (Anm. d. Red.: praktisches Jahr im Rahmen der Ärzteausbildung) hatte er sich vor elf Jahren in den Kopf gesetzt, Gutes für Kinder zu tun.

Nach einer spektakulären Hilfsveranstaltung in der Kölner Flora zugunsten jenes Kinderkrankenhauses an der Amsterdamer Straße, bei welcher 1800 geladene Gäste gediegen für den guten Zweck feiern und insgesamt 16.000 DM Spenden für die hilfsbedürftigen Kinder gesammelt werden konnten, lag eins auf der Hand.

Fortan sollte regelmäßig Gutes getan werden. Für den neu zu gründenden Verein, der auch in Zukunft Hilfsprojekte für die kleinsten Einwohner der Stadt finanzieren sollte, musste schnellstens ein Name her. Der 1999 stattgefundene G8-Gipfel lieferte insoweit dann die zündende Idee.

Weil hier nämlich die Spitzen, also die Regierungschefs der acht führenden Industrienationen gerade in Köln in gemeinschaftlichen Dialog traten, um einen Konsens in Weltwirtschaftsfragen zu erörtern, war irgendwie naheliegend, die Spitzen der „Stadte am Rhing“ gleichwohl namentlich ins Gespräch zu bringen.

Und da das Wahrzeichen der Rhein-Metroplole nun mal der Kölner Dom ist, und dieser mit seinen Türmen zu jener Zeit wohl auch zu den höchsten Erhebungen der Stadt zählte, ward das Namenskompositum schnell geboren. Domspitzen eV.

Mit unterschiedlichsten Hilfsprojekten setzen sich die Domspitzen seitdem für Kinder in Not ein, veranstalten ausgefallenste Benefiz-Events mit Bezug zu vor allem lokal unterstützen Hilfsprojekten und demonstrieren auf diese Weise soziales Engagement zum Mitmachen.

Vor kurzem feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen. Im Rahmen einer fulminanten Feier auf der Belle Étage der Kölner „Villa“ wurde bei aufwendigem Bühnenprogramm, Kaiserschoten-Feinkostschmaus, Champagner, Bier und Wein auf eine hilfreiche Zukunft des Domspitzen eV angestoßen.

Wie Ideengeber, Gründer und Vorstandsvorsitzender, Benjamin Fritz, den Ballance-Akt zwischen langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit, beruflicher Karriere, politischem Engagement und Privatleben meistert, hat er Michaela Boland für das Porträt des Monats im Gespräch verraten.

Das Belgische Viertel in Köln liebt er. Hier fühlt er sich zuhause, kennt sich aus, wie in seiner Westentasche. Hatte er doch bis vor fünf Jahren noch selbst in der Domstadt gelebt. Grund genug für Dr. Dr. Benjamin Fritz, mich bei lauer Sommerabendatmosphäre her zu führen.

Die Medienberichte der letzten Wochen über das bunte Treiben in den Straßen jenes Viertels treffen zu: Hunderte junger und junggebliebener Leute tummeln sich hier bis in die frühen Morgenstunden, übrigens zum Leidwesen der Anwohner, die seither kaum noch Schlaf, dafür jedoch regelmäßig jede Menge hinterlassenen Dreck vorfinden.

Im Kiosk um die Ecke, der vermutlich derzeit das Geschäft „seines Lebens“ macht, versorgen sich die einen mit reichlich Getränken und Süßigkeiten, andere sitzen in den Außenbereichen der Bars und Restaurants, speisen genüsslich und beobachten das Geschehen.

Um einen Geschenkartikelladen, mitten im Wohngebiet, haben sich Trauben von Menschen gruppiert, denn im Schaufenster des Lädchens, stehen zwei ausgesprochen gutaussehende Gitarristen, die einfach mal drauflos spielen und ihre Akkorde mittels vor dem Eingangsbereich aufgestellter Lautsprecher einem tatsächlich noch größeren Publikum schmackhaft machen. Hier also fühlt sich Mediziner Fritz wohl, was keineswegs schwer nachzuvollziehen ist.

Nachdem sich für unser Gespräch ein wenig mehr Ruhe günstig auswirken könnte, begeben wir uns zu einem nahegelegnen Kinderspielplatz, der ein wenig abseits liegt und zu fortgeschrittener Stunde kaum mehr Kinder aufweist.

Zuerst noch mit etwas, sagen wir mal, Proviant, bei besagtem Kiosk ausgestattet, denn so macht man das hier, setzen wir uns auf eine Bank. Benjamin, der eigentlich Lars Benjamin heißt und vornehmlich Ben genannt wird, zeigt mir einen „Laden“, der eng mit seiner Jugend verbunden ist.

Das „Hallmackenreuther“, am Brüsseler Platz. Eine traditionsreiche Bar, in der er früher regelmäßig vor der Schule gejobbt hat, um sich etwas hinzuzuverdienen. Das war lange bevor er zum Wohltäter wurde.

Schon jetzt blickt der sympathische Dr. Dr. mit jungenhaftem Charme auf eine beachtliche Laufbahn zurück. „Ich freue mich zwar immer über das, was passiert ist, aber irgendwie sehe ich das ständig so, dass ich noch am Anfang stehe, sozusagen noch ein Anfänger bin“, klingt er bescheiden. 

Dabei ist Fritz ist ein Macher, auf der ganzen Linie und offenbar seit jeher. Davon jedenfalls zeugen schon seine beruflichen Qualifikationen. Bereits im zweiten Studiensemester der Zahnmedizin nahm das Mittlere von drei Kindern zeitgleich ein reguläres Medizinstudium auf, und brachte nicht nur beide Studiengänge erfolgreich zu Ende, sondern promovierte in jedem.

Nach vollbrachter Arbeit hing der Mann mit den schönen blauen Augen dann sogar noch ein international anerkanntes Wirtschaftsstudium, welches er mit dem MBA (Anm. d. Red: Master of Business Administration) abschloss.

„Aus welchem Grund hast du dich beim Studium gerade für die medizinische Fachrichtung entschieden“, möchte ich von Ben Fritz wissen. „Die ursprüngliche Motivation aus welcher heraus ich zuerst Zahnmedizin studiert habe war die, dass ich Ende der Achtziger Jahre einen Schüleraustausch in die USA gemacht und mein großer Bruder in der Zwischenzeit einen Zahnmedizinstudium begonnen hatte.

Das habe ich nur so am Rande mitbekommen und als ich zurückkehrte war mein Bruder einfach plötzlich in Berlin und studierte dort. Das fand ich super, er war schließlich mein großer Bruder.

Wir unterhielten uns dann wiederholt darüber und das hat mich eigentlich zu dem Entschluss gebracht, ebenfalls Zahnmedizin zu studieren“, erinnert sich der gebürtige Neusser, der in Köln aufwuchs.

Ziemlich clever fand Fritz, der sich auf Kieferchirurgie spezialisieren wollte, gemeinsam mit zwei Freundinnen und Kommilitoninnen heraus, dass ein altes Landesgesetz aus den 70er Jahren existierte, wonach es möglich war, in Köln parallel zur Zahnmedizin auch noch Medizin zu studieren.

Fortan musste der junge Fritz sich denn auch in Fächern wie Biologie, Physik, Mikrobiologie, Physiologie, Biochemie und Pathologie beweisen.

„Was ist das eigentlich für ein Gefühl, innerhalb der Anatomiekurse plötzlich an Leichen herumschneiden zu müssen“, frage ich den passionierten Arzt. „Man musste präparieren, erst die Haut entfernen, dann wurde als nächstes immer der Kopf aufgeschnitten, damit man das Gehirn heraus nehmen konnte.

Gruselig wurde es für mich nur einmal als ich irgendwann zu Hause in meiner Tasche das Jochbein einer Leiche entdeckte, das irgendwie dort hinein gekommen sein muss“, erschaudert Fritz noch jetzt.

Es sei schon komisch gewesen, jenes fremde tote Körperteil zu Hause in der Wohnung zu haben, erzählt Benjamin, und daher habe er es auch schnellstmöglich zurückgebracht. Schließlich sollte die „arme“ Leiche nicht ohne ihr Jochbein bestattet werden.

Auch habe er den Geruch des Formalin, also dem Präparat, welches man üblicherweise zum Frischhalten der Leichen benutzt, kaum mehr aus der Nase bekommen. „Ich hatte oft auch in der Straßenbahn, wenn ich Leute vor mir hatte, den Eindruck, dass es überall nach Leichen roch.

Da fragte ich mich ständig, ob ich mich gerade in einem Michael Jackson-Video befände“, beschreibt der Domspitzengründer. Nach diesen Erfahrungen eigentlich verwunderlich, dass Fritz die leichte Roman-Polanski Gruselkomödie „Tanz der Vampire“ als einen der schlimmsten Filme beschreibt, den er je im Leben gesehen habe.

„So wenig von einem Film habe ich, glaube ich, noch nie gesehen, weil ich immer das Kopfkissen vor die Augen gehalten habe, denn es war so gruselig, besonders als dieser Buckelige im Sarg den Berg hinunter fuhr.“

Nach 16 Semestern schloss Fritz seine Studien sodann erfolgreich ab, promovierte 1999 in Zahnmedizin, worin er auch approbiert ist, in dem Thema „Minimal invasive Kavitätenpräparation“ (Anm.: der Red.: Methoden, bei denen kein rotierendes Gerät mehr benutzt wird, um eine Zahnaushöhlung vorzunehmen, sondern ein oszillierendes, um weniger Zahnsubstanzverlust und Nachbardentalverletzungen beim Aushöhlen des Zahnes zu gewährleisten).

2004 promovierte er darüber hinaus auch noch in Medizin. In seiner Dissertation, die er übrigens in den USA am Bostoner Mass(achusetts) General Hospital der Harvard Universität anfertigte, geht es um „die Rotatorenmanschette im Schultergelenk“, ferner Kernspinntomographie von Schultermuskelrissen im Vergleich zum operativen Befund. Seine Forschung hierfür betrieb der Arzt an 300 lebenden Probanden.

Damals wie heute steht sein Wirken jedoch zu einem großen Teil unter dem Zeichen der Hilfsbereitschaft 

Gutes tun und darüber reden stellt ja seit jeher eine geschickte Kombination dar. So ist denn auch auf der Homepage des Domspitzen eV vom Mehrwert die Rede, der durch schlichte Motivation in emotionaler, persönlicher und beruflicher Hinsicht bei Helfern und Partnerfirmen erzielt werden könne.

Und jenen Mehrwert könnten Helfer und Partnerfirmen schlichtweg aus ihrem eigenen Engagement ziehen und sich hierdurch zum Weitermachen motivieren.

Bei Dr. Dr. Fritz war mangelnde Motivation jedenfalls zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Der 39-Jährige Sohn einer auch in Psychodrama (Anm. d. Red: Form der Psychotherapie) ausgebildeten Lehrerin und eines Architekten scheint das Organisationstalent im Blut zu haben.

Schon als junger Student rief der blonde damals noch angehende Arzt legendäre Partys im Rahmen seiner PanAm-Geschäftsidee ins Leben. Für sein eigenes Geld zu arbeiten, erlernte der pfiffige Ben außerdem schon im Alter von 12 Jahren.

Damals begann Fritz damit, morgens Brötchen oder Zeitungen auszutragen. In der Oberstufe kurz vorm Abi ging er sogar regelmäßig vor der Schule oder am Wochenende im „Hallmackenreuther“ putzen.

Während des Studiums kam der 1,84m große Blondschopf dann jedoch auf die gute und vor allem lukrative Idee, Studentenpartys zu organisieren. Diese seien immer mehr geworden und so erhielt Ben gemeinsam mit einem Freund schließlich sogar das Angebot des Geschäftsführers einer großen Kölner Disco, den kompletten Samstag regelmäßig in jener Lokalität zu gestalten.

Fortan gründete Fritz mit besagtem Freund den sogenannten PanAm-Club, eine Houseparty, die zur festen Institution wurde. Stilecht statteten die Jungs die Location möglichst naturgetreu aus.

Auf der Grundlage eines Buches über die PanAM-Maschine „Heritage Clipper“ wurde das komplette Event sodann gestaltet. Kellnerinnen schoben im Stewardessenoutfit klassische „Saftschubsen“ , Eintrittskarten waren im Flugticketstil gehalten.

Nach annähernd zwei Jahren und insgesamt 103 Wochenenden Party war dann aber Schluss. Zum einen sei die Luft ein wenig heraus gewesen, und der Geschäftspartner musste ins Ausland. Andererseits fast schon schicksalhaft:

Auch der reale PanAM Flug103 stellte historisch betrachtet einen Abschluss dar, so besiegelte er seinerzeit doch das Schicksal des schottischen Städtchens Lockerbie (Anm. d. Red: Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug der amerikanischen Fluglinie Pan-American World Airways – PanAm-Flug 103 im Jahre 1988).

Schon hier ersichtlich: Die Passion Fritz: Die Leidenschaft fürs Organisatorische. „Genau dies habe ihn auch zu den Domspitzen gebracht“, weiß Ben Fritz genau. Zu der Zeit, als sein PJ beginnen sollte, stand Fritz plötzlich allein da.

Nun hatte er zwar zwei Studiengänge parallel studiert, war sich jedoch keineswegs sicher, ob er auch tatsächlich seine Approbation erhalten und alles wie gewünscht mit der Landesregierung hinbekommen würde.

Man hatte ihm und den beiden Kommilitoninnen zwar im Vorfeld gesagt, dass auf Grundlage des alten „ausgegrabenen“ Gesetztes schon alles glatt gehen würde, aber nun, hatten die beiden Fritz-Freundinnen längst unterwegs „schlapp gemacht“.

Während die eine sich doch lieber wieder ausschließlich auf Zahnmedizin zurückbesonnen hatte, hatte die andere kurzerhand komplett in die Medizin gewechselt und das Dasein als Dentalfachfrau ad acta gelegt. Übrig geblieben war einzig Ben Fritz, der beide Studiengänge bis zum vorläufigen Ende gebracht hatte.

Erleichterung erfuhr der angehende Doppelmediziner dann erst als er im Landesprüfungsamt alles anerkannt und problemlos zugelassen wurde. Dann endlich begann 1998/99 sein PJ und er musste einsehen, dass dies nicht unbedingt ein Zuckerschlecken sein würde. So sagt er denn auch: „ Das ist viel Arbeit, da kann man keine Partys mehr machen.“

Nach Beendigung des arbeitsintensiven PJs sah es dann jedoch schon wieder ganz anders aus: Ebenso wie Vorbild und Kinderradiologe Dr. med. Dipl. chem. Maximilian Kellner aus Köln Ben Fritz an die Kinderradiologie herangeführt habe, sei es dann aber der damalige Chef des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße, Prof. Dr. Alexander Holschneider, gewesen, welcher Fritz seinerzeit durch seine schillernde Persönlichkeit dazu gebracht habe, sich auch karitativ für Kinder einsetzen zu wollen.

Da der junge Fritz im „Party-Veranstalten“ bereits geübt war, lag auf der Hand, wie vorzugehen war. Somit wurde zunächst jene große Flora-Charity –Party, anschließend der neue Hilfsverein aus der Taufe gehoben.. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Nuklearmediziner Karma Ali Kameruddin, habe Fritz sodann in Anlehnung an das Kölner G8 Gipfeltreffen den Namen für seinen neuen Domspitzen eV ausgeklügelt.

Dass die zugrundeliegende Idee des Domspitzenvereins, nämlich Kinderleicht helfen, gut ankam, zeigte wohl auch die Tatsache, dass sich statt der vereinsrechtlich vorgeschriebenen sieben Gründungsmitglieder, sogleich 27 begeisterte Menschen gefunden haben, die von Anbeginn für die gute Sache einstehen wollten. Unter ihnen auch TV-Star und Nachttalker Jürgen Domian.

„Ein Freund von mir, Jürgen Domian und ich waren damals im selben Fitness-Studio“, erläutert Ben Fritz, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Prominenten kam. „Und er ist immer mit dem Aufzug gefahren, da hat der ganze Aufzug ständig stark nach Parfüm gerochen“, lacht Fritz herzhaft.

Da er den Duft anders nicht hätte bemerken können, gibt der Arzt auch ehrlich zu, selbst ebenfalls regelmäßig jenen Aufzug benutzt zu haben.

Das Studio habe sich eben im fünften Stockwerk befunden und gleichermaßen hätten sie sich aber auch darüber ausgetauscht, wie schwachsinnig es eigentlich sei, ein Fitnessstudio zu besuchen, um sich „künstlich“ Muskeln anzutrainieren, jedoch eine für die alltägliche Fortbewegung vorgesehene Treppe schlichtweg zu ignorieren und stattdessen lieber Strom für die Aufzugnutzung zu verbrauchen.

Nichts desto trotz habe Fritz Domian damals in Sachen Domspitzen eV angesprochen. Der Moderator hielt die Idee für ausgesprochen gut, bot seine Unterstützung an und wurde kurzerhand Gründungsmitglied. Insgesamt zählen die Domspitzen sogar bereits über 120 Mitglieder.

Engagiert wird sich beispielsweise auch für Hilfsprojekte wie „Lesewelten“, eine Aktion der Kölner Freiwilligen Agentur. Damit die Lesefähigkeit von Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren gefördert wird, werden ihnen in Bibliotheken, Museen, Schulen und Kinderkliniken Geschichten vorgelesen.

Domspitzen eV sponserte hier sämtliche Exemplare eines von den Kindern gewünschten Buches. Außerdem sammelte der Verein Spenden für Kinder der Kölner Frauenhäuser, um ihnen Unternehmungen zu ermöglichen, die sonst aus Geldmangel nicht durchführbar wären.

Weiterhin zählt auch das heilpädagogische Voltigieren, welches bei Kindern nicht nur die soziale und emotionale, sondern gleichwohl die geistige Ebene anspricht, zu den Projekten, welche die Domspitzen im Rahmen von Kostenübernahmen für Reit-Therapien, fördern.

Durch eine Kooperation mit Streetkids international E.V. betätigte sich Domspitzen eV jetzt sogar auch international und spendete 35.000 Euro für den Bau eines Waisenhauses in Dar es Salaam in Tansania.

Reine Basisarbeit wird bei den Domspitzen nicht geleistet. „Der Domspitzen eV hat zwei Seiten an denen wir arbeiten, das eine sind die Events, Benefiz-Charity-Events, von denen vier bis fünf pro Jahr durchgeführt werden.

Mit ihnen holen wir Spendengelder rein, motivieren und akquirieren neue Mitglieder Außerdem betreiben wir damit natürlich auch Marketing für den Verein, um uns bekannt zu machen.

Dann gibt es natürlich die Seite der Hilfsprojekte, also die Seite, auf der wir unterstützen , insoweit das Geld ausgeben. Im Prinzip sind wir ein Zwischenglied zwischen jenen, die Geld zur Verfügung haben und denjenigen, die an der Basis die Hilfsprojekte durchführen“ erklärt Fritz.

Motto der Vereinsarbeit von jeher: Unermüdliche, kontinuierliche Arbeit. Ben Fritz kann kaum noch zusammenfassen, wie viele Stunden er bisher in seine ehrenamtliche Tätigkeit investiert habe .

Jetzt aber komme er gerade in eine Lebensphase, in der es auch um seine persönliche berufliche Karriere gehe. Zur Zeit nämlich ist der Vater eines sechsjährigen Sohnes dabei, sich als niedergelassener Radiologe einen Namen zu machen, nachdem er mehrerer Jahre Forschungsarbeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf betrieben, intensive Weiterbildung in Radiologie absolviert und sich bei Herbert-Grönemeyers-Bruder, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, ein Jahr lang in Schmerztherapie in Bochum ausbilden lassen hat.

Da fällt viel Arbeit an. Gerade im Hinblick auf gewisse Strukturen, in denen sich der zweifach promovierte Mediziner nun unvermittelt wiederfindet und kritisch feststellt: „Ich stecke da ganz persönlich plötzlich in einer Situation, in der ich mich einer Planwirtschaft unterwerfen muss, wenn ich so arbeiten will, wie ich es gerne möchte“, beklagt Fritz.

„Auf der einen Seite herrscht innerhalb des Gesundheitssystems richtiggehende Planwirtschaft vor, aber auf der anderen Seite, also dort, wo all diejenigen im Gesundheitssystem Arbeitenden Geld ausgeben müssen, wie z.B. beim Einkauf von medizinischen Geräten bei Siemens oder Ähnliches, herrscht wiederum Marktwirtschaft vor.

Die Schnittstelle ist letztendlich das Gesundheitssystem und das ist meiner Meinung nach ein Grund, warum es nicht funktioniert“, folgert der Arzt und vergleicht, „bei Planwirtschaft auf der einen Seite, nämlich der Einnahmeseite und Marktwirtschaft auf der anderen, der Ausgabenseite, verhält es sich ja sozusagen wie Sozialismus zum Kapitalismus.

Das kann nicht funktionieren, denn gerade an der Schnittstele entstehe das Problem.“ Dies sei allerdings nur ein Grund, warum es im Gesundheitssystem Schwierigkeiten gebe, meint der 39-Jährige.

Hiermit will er sich jedoch nicht zufrieden geben , daher erklärt sich womöglich auch Ben Fritz` Interesse, sich berufspolitisch zu engagieren. Lösungsansätze finden und umsetzen, also, etwas bewegen, macht womöglich dann Sinn, wenn man auch an entscheidender Stelle „anpacken“ kann.

Insoweit stellt sich der Umstand, dass der augenblickliche Wahl-Düsseldorfer seit kurzem im Vorstand der 52.000 Mitglieder umfassenden Ärztekammer Nordrhein sitzt, wohl nicht gerade nachteilig dar.

Im Rahmen seines fünfjährigen Mandats beschäftigt er sich als Mitglied der Weiterbildungs- sowie der Ethikkommission mit Diskussionen rund um medizinische Grundsatzfragen und Forschungsthemen.

Weiteren Grund zur Freude gibt es außerdem: Als dieser aus Berlin in der Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf zu Besuch war, traf Dr. Dr. Fritz Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler .

Jener schien Fritz` Denkansätze, den Arztberuf künftig nicht mehr nur ausschließlich als technisch-wissenschaftliche Tätigkeit aufzufassen, sondern ihn ein Stück weit wieder zurück zum ursprünglich historischen Verständnis zurückzuführen, nämlich auch die reine Kunst des ärztlichen Handelns wieder aufleben zu lassen, recht interessant zu finden.

Und wer weiß, womöglich ist ein baldiges Wiedersehen der beiden Ärzte in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen. Nachdem „Die Zeit“ erst vor wenigen Wochen mit „Neues Deutschland“, was die neue Regierungsmannschaft über die Republik verrät, titelte und den jungen Popstars der Politszene, Karl-Theodor zu Guttenberg, Philipp Rösler und Norbert Röttgen den Leitartikel unter der Überschrift „Merkels Boygroup“ widmete, frage ich Benjamin Fritz nach seinem Bild von Philipp Rösler.

„Ich kann mir vorstellen, dass er sehr gute Dinge im Gesundheitssystem bewegen kann, weil er Arzt ist, weil er jung ist und weil er der Mensch ist, der er ist. Und ich habe mich ja auch sehr mit dem Geistigen aus der asiatischen Kultur auseinandergesetzt, diese Ausstrahlung bringt er mit“, sagt Fritz.

Das kann man in der Tat laut sagen, denn abgesehen von dem Umstand, dass der Mediziner seit sieben Jahren jeden Tag mindestens 11 Minuten lang eine Mischung aus Yoga und Meditation praktiziert, verbrachte er auch etliche Wochen in der Abgeschiedenheit eines indischen Klosters.

Faszinierend sei für ihn „diese unheimliche Weisheit, die im Yoga liegt“. Nachdem es aus den ältesten religiösen Schriften, die es auf der Welt gebe, den Veden, entstamme. Was so alt sei, sei weise, denn es habe seither Bestand, meint Fritz.

Die Auseinandersetzung mit Körper und Geist und der Versuch, mit beidem im Einklang zu sein , mache es aus. „Es ist, glaube ich, ganz wichtig, dass man im Leben versteht, dass die Veränderung das Leben ist.

Dauerhaftigkeit ist zwar etwas Schönes, stellt aber lediglich eine Vorstellung des Menschen dar, aber das Wesentliche ist die Veränderung auf dieser Welt. Nichts bleibt auch nur eine Sekunde gleich“, weiß der Mediziner.

Sein rundes Zafu-Kissen benutzt der Arzt für Zen-Meditation. Während seiner Zeit im Kloster, wo er morgens um halb fünf habe aufstehen und abends um halb elf das Licht ausschalten müssen, habe er sehr viel Wichtiges für sich gelernt, erzählt mir Ben.

Sein schlichtes Interesse für das Bewusstsein und den Sinn habe ihn 2006 dorthin geführt. Es seien viele harte Wochen gewesen, erinnert sich der Radiologe, jedoch sei der immer wiederkehrende, typische, klare Tagesablauf und das disziplinierte, einfache Leben, wie beispielsweise im Schneidersitz am Boden von einfachen Blechtellern zu speisen, etwas gewesen, wovon er noch heute zehre, betont Fritz.

„Jeder andere sechswöchige Sommerurlaub am Strand mit voller Erholung wäre verpufft“, glaubt der Arzt. So beschreibt er denn auch, wie er noch heute von jenem Aufenthalt wie von einer Art Anker profitiere, wenn er beispielsweise im NLP (Anm. d. Red.: Neurolinguistische Programmierung) sitze, womit er sich ebenfalls auseinandergesetzt habe, könne er sich innerhalb weniger Sekunden in den Kloster-Zustand zurückversetzen und alles sei gut.

Auf die Frage, ob er ein demütiger Mensch sei, antwortet Ben Fritz, „ich denke schon.“ „Demut und Dankbarkeit sind ja nahe beieinander“, fügt er hinzu und fährt fort, „ich denke jetzt daran, dass mein Sternzeichen Fisch ist, ich weiß nicht, ob es daran liegt?“.

Demut habe ja auch etwas von Leidenschaft und sich dem hinzugeben, was passiere, Teil zu werden und zu sein, sowie nicht ständig zu sehen, dass man Dinge steuern könne, philosophiert Benjamin Fritz.

Ob er an Gott glaube, frage ich den Arzt aus Leidenschaft. „Gott ist für mich die Referenz, anhand derer wir sagen, alles verändert sich “, antwortet der Mediziner. „Wir brauchen ja einen Punkt, von dem wir sagen, der bleibt gleich und das ist für mich Gott“, schließt Ben Fritz.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre, sieht sich der zielstrebige Ben, dessen Familie ihn schon jetzt häufig entbehren muss, privat dort, wo er momentan sei, nämlich in Düsseldorf.

Seine enge Verbundenheit zu Köln werde ihm jedoch nicht verloren gehen, so könnte er sich sogar weit in der Zukunft vorstellen, wieder komplett in der Domstadt ansässig zu sein.

Beruflich hoffe er, zum einen ein funktionierendes System in Form eines Unternehmens aufbauen zu können, in welchem er anderen Menschen die Möglichkeit geben möchte, ihre Existenz aufzubauen. Außerdem wünsche er sich, niemals auszulernen.

Da hat er sich zwar Einiges vorgenommen, allerdings scheint schon jetzt nahezu sicher: Von diesem jungen Mann werden wir in Zukunft bestimmt noch eine ganze Menge hören. 

Infos unter:

www.kinderleichthelfen.de 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR-Sonntags-Nachmittags-Show „HOLLYMÜND“. Für „Guten-Abend-RTL“ arbeitete sie als Redakteurin und On-Reporterin.

Auf 3-Sat moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, außerdem die Casinoshow „Casinolife“ auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland/Freunde der Kuenste.de

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15.06.2010 alles was sie schon immer wissen wollten

GFDK - Michaela Boland

Stellen sie sich vor, sie sollen Weltstar Grace Jones („Slave to the Rhythm“) vom Hotel abholen um sie zu ihrem Auftritt zu „Wetten dass“ zu fahren. Dann öffnet Ihnen Heinz Henn (Anm. d. Red.: späterer DSDS-Juror/RTL) die Tür und bittet Sie herein.

Sie nehmen auf dem Sofa im Zimmer des Dom Hotels Platz und plötzlich öffnet sich die Badezimmertür und eine nur mit Slip und joghurtartiger Gesichtsmaske bekleidete Grace Jones tritt aus der Dusche, schreitet unbeeindruckt an ihnen vorüber und murmelt wie selbstverständlich: „I hope you guys don`t mind.“ Otto Normalbürger würde vermutlich etwas „baff“ sein. Nicht so er.

Ob Paul McCartney, Tina Turner, Freddie Mercury, Alan Parsons oder Diana Ross. Er hatte sie alle: Winfried Ebert, genannt Winni. Von vielen beneidet, gelang es nicht gerade einer großen Anzahl von Menschen, derartig nahe an sämtliche Top-Stars der Musikbranche heranzukommen, wie ihm.

Als Promotion-Manager der großen und traditionsreichen Plattenfirma EMI war Winni Ebert viele Jahre als „Mädchen für alles“ für die Superstars im Einsatz, wenn er diese vor, bei und nach ihren Auftritten betreute.

Vornehmlich als Bindeglied zwischen Medien und Künstlern koordinierte Ebert Interviews und sonstige Medienanfragen für die von ihm betreuten Superstars.

Jetzt hat der 60-jährige ein Buch geschrieben, in denen er all seine Erlebnisse rund um Skandale- und Skandälchen, aber auch nette Anekdoten mit den wirklich Reichen und Berühmten aus der Musik-Szene dokumentiert hat. Zuhause in Köln traf ich Winni Ebert, um gemeinsam mit ihm auf der Grundlage seines neuen Buches „Im Music Bizz“ in Erinnerungen zu schwelgen. 

Wer Winnis Wohnzimmer betritt, ist zuerst mal geblendet. An den Wänden ringsherum nämlich hängen derartig viele goldene Schallplatten und Platinscheiben, dass man bei Sonnenschein, der, wenn er mal da ist, ganz schön intensiv in seine Gemächer strahlt, beinahe gut daran tut, die Sonnenbrille zunächst erst einmal aufzubehalten.

Der Mann, der so dicht an den Showgrößen dieser Welt war und sie auch in solchen Situationen erlebte, die der Öffentlichkeit stets verborgen bleiben, umgibt sich gerne mit den Relikten der vergangenen Tage.

So hängt in seinem Badezimmer ein Sammelsurium von Backstagepässen, die bei potentiellen Versteigerungen mit Sicherheit ein kleines Vermögen einbrächten. Außerdem schmücken zahlreiche Bilderrahmen mit Fotografien, die ihn mit seinen prominenten „Schäfchen“ abbilden, seine Räumlichkeiten.

So kann man den Ex.-Promotion-Mann beispielsweise mit Sänger Helmut Lotti, wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt noch mit vollständig echtem Haupt-Haar und einer seiner Ehefrauen bewundern.

Außerdem: lustige Schnappschüsse mit Ex-Beatle-Super-Star Paul McCartney, der sich auf Fotos meistens hinkniet, um zu verbergen, wie klein er tatsächlich ist, wenn er steht, und seiner geliebten Gattin Nr. 1, Linda. 

Michaela Boland:

Denkt man im Hinblick auf Rock- und Popstars an das alte Klischee, kommt einem schnell der Slogan „Sex, Drugs and Rock `n Roll“ in den Sinn. Was ist da dran?

Winni Ebert:

Ich habe das immer mal so ein bisschen mitbekommen, habe mich aber nie darum gekümmert. 

Michaela Boland:

Wenn unter den Stars, die man teilweise rund um die Uhr betreuen muss, auch solche sind, die mit Drogen herum hantieren, schafft man es dann immer, sich von dem fiesen Zeug fern zu halten? 

Winni Ebert:

Ein ganz wichtiger Punkt bei mir ist der, dass ich wegen meines Auges als Kind sehr oft im Krankenhaus war. In meiner Kindheit ist mir nämlich mal ein Bügeleisen aufs Gesicht gefallen. Dadurch war ich oft im Krankenhaus und habe daher absolute Panik vor Spritzen und allem, was damit zu tun hat.

Bei Blutabnahmen lege ich mich schon direkt hin und sage: „Mir wird schlecht.“ Daher habe ich auch ganz einfach Angst vor diesen Sachen. Das hat mich im Leben wahrscheinlich davor bewahrt, irgendwie mit Drogen zu tun zu haben.

Michaela Boland:

Warum kommt der Konsum von Drogen gerade in diesem Business oft verstärkt vor?

Winni Ebert:

Ich glaube mittlerweile gar nicht mehr, dass es noch so viel ist wie früher. Ich denke, früher war es viel massiver. Ich rede jetzt mal von den Großen und das sind ja mittlerweile alles alte Leute, die zwei Tage brauchen, um wieder normal zu werden.

Also, Mick Jagger macht mit Sicherheit nicht mehr viel. Denn er springt ja zwei Stunden lang auf der Bühne hin und her. Bei Keith denke ich anders. Der Grund, warum Leute wahrscheinlich zu „Uppers“ oder „Downers“ greifen, also solchen Mitteln, mit denen sie einschlafen können oder solchen ,um dann wieder wach zu werden, ist der, dass sie abends einfach eine Zeit lang brauchen, um wieder runter zu kommen, denn du stehst da oben und bist schon ein bisschen aufgeregt.

Dann brauchst du eine Zeit, um wieder normal zu werden und schlafen kann da niemand anschließend nach so einem Konzert. Selbst Leute, die 50 Jahre unterwegs sind, brauchen ihre Zeit. Und dann muss man oft am nächsten Morgen wieder früh raus und los zum nächsten Gig (Anm. d. Red.: Auftritt)

Michaela Boland:

Liest man von all deinen Erlebnissen mit den Topstars der Branche, macht es den Anschein als sei der Job einer der interessantesten der Welt. Wie wird man Promotion-Manager und ist das eigentlich immer erstrebenswert?

Winni Ebert:

Nachdem ich einige Zeit Musikveranstaltungen durchgeführt und unter anderem das monatliche Stadtmagzin „Szene“ in München mit auf den Markt gebracht hatte, erhielt ich 1976 einen Anruf von Bernie Gockel aus der Presseabteilung der Electrola.

Er teilte mir mit, dass bei EMI noch Mitarbeiter im internationalen Bereich gesucht würden. Ich setzte mich mit dem Abteilungsleiter, Helmut Fest, in Verbindung und bekam den Job nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch.

Manchmal ist die Arbeit eines Promotion-Managers allerdings auch ganz schön schwierig. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang besonders an den Künstler Lou Reed (Anm. d. Red.:“Walk on the wild Side“/1978)

Er jedenfalls kam mit dem Flieger aus Frankreich. Wir standen am Zollausgang des Hamburger Flughafens, ich war nämlich mit einem Kollegen aus Köln, Walter Pütz, zusammen dort, um ihn abzuholen.

Lou kam mit seinem Wägelchen und tief dunkler Sonnenbrille heraus und noch bevor er irgendetwas anderes, wie beispielsweise „Guten Tag“ oder so sagte, fragte er: „Who is Walter Pütz?“ Mein Kollege Walter antwortete brav: „Ich bin Walter Pütz“, woraufhin Lou Reed rief: „You `re fired!“ Da fragte Walter: „Wieso?“

Wir hätten ein Scheißjob hier in Deutschland gemacht, denn seine Tournee sei nicht ausverkauft. „Ich komme gerade aus Frankreich, da war überall alles ausverkauft und hier in Deutschland ist nicht alles ausverkauft“, hielt er uns wütend vor.

Das war zwar schon richtig, allerdings hatte der Künstler mitnichten erfasst, dass bei einer Konzerttournee nicht die Plattenfirma, sondern der Veranstalter für den Verkauf der Tickets zuständig ist „Wir haben sodann versucht, es Lou Reed klar zu machen. Dann habe ich mich noch mit seinem Tourmanager verabredet. Aber für Walter Pütz war`s das, er fuhr wieder nach Köln, denn er war ja abkommandiert.

Michaela Boland:

Lou Reed scheint insoweit kein einfacher Zeitgenosse gewesen zu sein. Verlief die weitere Zusammenarbeit problemlos?

Winni Ebert:

Keineswegs. Dann hatten wir abends unser Konzert und es ging auch alles gut, doch schon ein paar Tage später waren wir in Frankfurt in der Festhalle. Da bin ich vorher noch mit ihm allein in der Gegend des Bahnhofs unterwegs gewesen. Dort gab es überall solche An- und Verkaufsläden.

Lou wollte unbedingt so einen kleinen braunen Cassettendeckrecorder mit zwei Lautsprechern, die man überall hin mitnehmen kann und quengelte. Dann habe ich ihm so ein Ding sogar noch auf Geschäftskosten gekauft und später von den Buchhaltern unserer Firma zurückgefordert. 260,- DM hat es gekostet.

Abends sollte dann das Konzert stattfinden, ich selbst musste aber nach München zu Queen. Lou ist somit allein zu seinem Konzert aufgebrochen und hat seinen Gig angefangen, während ich in München ankam.

In dem furchtbar stinkenden Zirkus, in dem der Auftritt von Queen stattfinden sollte, wurde ich sogleich über Lautsprecher ausgerufen, nachdem ich Freddy Mercury und Co kurz begrüßt hatte. Dann eilte ich ins Produktionsbüro, um zu erfahren, was eigentlich los sei.

 Ich muss dazu sagen, es gab früher mal eine Firma, die hieß Mama-Concerts“ das waren Marek Lieberberg in Frankfurt und Marcel Avram in München. Die waren früher mal zusammen. Marek war damals für Lou in Frankfurt zuständig und Marcel für Queen in München..

Dann sagte Marcel zu mir: „Der Marek hat mich gerade angerufen, die haben Lou auf der Bühne verhaften lassen.“ Was passiert war, war Folgendes: Ich hatte ihn und sein Kassettendeck noch in der Festhalle abgeliefert und bin dann zum Flughafen gefahren, um nach München zu fliegen.

Er ist in Frankfurt auf die Bühne gegangen, irgendwann um halb neun und hatte die Leute somit ohnehin schon irrsinnig lange warten lassen und hat dann erst mal 20 Minuten lang immer nur denselben Akkord gespielt.

Doch irgendwann sind die Leute ausgerastet und haben so geschrieen und gepfiffen, und angefangen Sachen zu schmeißen, dass der Veranstalter Marek Lieberberg schlichtweg Angst davor hatte, dass die wütende Masse dazu im Stande sein würde, die Festhalle zu zerhacken.

Deshalb hat er die Polizei verständigt und darum gebeten, Lou von der Bühne zu befördern, was diese auch mit Handschellen getan und ihn schließlich abgeführt haben.

Michaela Boland:

Langweilig war dein Arbeitsalltag demzufolge nicht. Waren solche Erlebnisse der Grund dafür, dass du nun unter die Autoren gegangen bist oder was genau hat dich zum Schreiben des Buches veranlasst?

Winni Ebert:

Ich finde es schön, wenn meine Kinder auch einmal wissen, was ihr Vater so gemacht hat. 

Michaela Boland:

„Im Music Bizz“ ist ein gutes Stück lang ja auch reine Autobiografie. Man erfährt sehr viel über deine persönlichste Familiengeschichte sowie von deinen amourösen Abenteuern. Wie lange hast du dafür gebraucht?

Winni Ebert:

Das Buch ist in Etappen gemacht worden. Mit dem ersten Teil habe ich begonnen als ich ein paar Monate am Stück in Hamburg verbracht habe. Nachdem die Stones-Tour 1982 vorüber war, saß ich zwei drei Monate herum und bin mit Thomas Stein (Anm. d. Red.: ständiger Co-Star bei Oliver Geissens Chart-Show/RTL) öfter um die Ecke ins „Onkel Pö“ (Anm. d. Red.: bekannte Hamburger Musikkneipe) gegangen.

Da habe ich den ersten Teil noch mit Schreibmaschine getippt. Später habe ich dann alles noch mal abgeschrieben und dabei ein wenig korrigiert. Weiter ging es nachdem meine zweite EMI-Zeit dann vorüber war und bevor ich nach Berlin umgezogen bin. Den letzten Teil habe ich dann abgeschlossen, nachdem ich in Berlin wieder aufgehört habe. 

Michaela Boland:

Erinnerst du dich noch daran, wie es war als du das erste Mal die Rolling Stones getroffen hast?

Winni Ebert:

Ich glaube das war 1982. Da spielte gerade BAP in Müngersdorf und Keith, der mir dann auch seine Sonnenbrille geschenkt hat, fragte mich ganz interessiert, wer denn die Band da draußen wäre. Das weiß ich noch sehr genau, denn es war im Cateringbereich, wo es Essen gab.

Bei der Tour der Stones in 1999 fuhren wir dann gleich in einer ganzen Eskorte durch die Stadt. In Hamburg war das Konzert nämlich so gut besucht, dass das Stadion zu klein war, daher haben sie auf eine Wiese ausweichen müssen, auf die 80.000 Menschen passten. Abgesehen von Keith und dem Bassisten, hatte jedes Stones-Mitglied seinen eigenen Wagen.

Sieben Autos. Dunkle Vans mit getönten Scheiben. Vorne und hinten jeweils wurde die Kolonne von Streifenwagen begleitet. Von Seiten der Band waren lediglich ein Security-Mann und der Tourmanager dabei. Wir sind bei Rot immer durch gefahren und die Polizei hielt die übrigen Autos mit Kellen einfach an.

In einem Wagen saß Mick mit seiner Freundin. Plötzlich schießt ein uns unbekannter Wagen in die Kolonne und setzt sich hinein, um einfach mit uns zu fahren. Ein dunkelbrauner Mercedes 560 SEC und die Polizei kriegte ihn nicht mehr aus unserer Kolonne raus.

Der ist bis an die Bühne mit uns vorgefahren. Dann steigt einer aus dem Wagen.: Es war der sogenannte „Neger-Kalle“ (Anm. d. Red.: Karl-Heinz Schwensen, bekannte Person aus dem Hamburger Rotlichtmilieu, der später die Gruppe Tic Tac Toe zum Comeback brachte und als Markenzeichen Schnauzbart und Pilotenbrille trägt).

Es hat ihm später sogar noch einer einen Backstage-Pass gegeben und dann habe ich ihn sogar auf der Bühne gesehen. So was von frech, das war wirklich dreist. 

Michaela Boland:

Du hast mit so vielen Weltstars zu tun gehabt. Woran erinnerst du dich zuerst, wenn du zum Beispiel an Paul McCartney denkst?  

Winni  Ebert:

Alle, die mit ihm zu tun hatten, haben sich extra Schuhe gekauft, die nicht aus Leder waren, denn er hat etwas gegen das Schlachten von Tieren, die Augen haben. Wir durften auch keine Lederjacken tragen und mussten aus der Garderobe jedwede Ledercouch herausholen. Die Schuhe, die ich sogar noch heute habe, sind aus einer Kombination von Plastik und Honig.“

Michaela Boland:

Was wäre denn passiert, wenn die Ledersofas nicht herausgeräumt worden wären? 

Winni Ebert:

Dann wäre er böse auf uns gewesen.

Michaela Boland:

Nachdem Sir Paul McCartney einmal bei einer „Wetten dass“ Show mit Kurzzeitmoderator Wolfgang Lippert (Lippi) aufgetreten ist, soll er sich anschließend geweigert haben, jemals wieder in diese Sendung zu gehen. Was ist damals vorgefallen?

Winni Ebert:

Bei jenem Auftritt in Saarbrücken hatte Wolfgang Lippert dem schwitzenden Paul McCartney beim Gespräch auf der Couch peinlicherweise mehrfach vor laufender Kamera mit seinem Taschentuch die Stirn abgetupft.

Das war Paul dermaßen unangenehm, dass er viele Jahre trotz Versicherung, dass die Show nunmehr von Thomas Gottschalk moderiert werde, nicht mehr dazu zu bewegen war, in diese Sendung zu kommen.

Michaela Boland:

Gab es etwas, das Dich an ihm besonders fasziniert hat?

Winni Ebert:

Was das Interessante bei ihm auf Tour war, war, dass er immer dort, wo es möglich war, sein eigenes Flugzeug, in das 40 oder 50 Leute hineinpassten, also seine komplette Band und Crew, mitbrachte und nach einzelnen Konzerten, direkt nach dem letzten Ton, ins Auto gesprungen, zum Flughafen gefahren in den Flieger hinein gestiegen und ab nach Hause geflogen ist.

Direkt um die Ecke seines Wohnhauses in Süd-England ist ein alter Militärflughafen und somit war Paul innerhalb einer Dreiviertelstunde  in der Regel wahrscheinlich schneller zu Hause und im Bett als die meisten Leute seines Publikums nach einem Konzert.

Michaela Boland:

Gab es unter den von dir betreuten Künstlern auch solche, die einen tiefen Absturz bewerkstelligen mussten?

Winni Ebert:

Eine ganz heftige Geschichte war die mit Billy Idol, Mr. Rebel Yell. Der war mal richtig klasse und hatte eine Band, die hieß „Generation X“. Auch Rebell Yell war ja ein großer Erfolg. Dieser Mann hatte ohnehin viele Hits. Der hat, so glaube ich, einfach zu viel gemacht und ist irgendwann so richtig abgestürzt.

Irgendwann waren wir gemeinsam auf einem Festival in Würzburg. Da sah er auch schon ganz schön kaputt aus und hatte auch plötzlich lange Dreadlocks. Im Gegensatz hierzu hatte er ja früher eher so eine Frisur wie David Bowie zu seinen besten Zeiten.

Ich bin damals von Würzburg aus leider nicht mit Billy weitergezogen, sondern ein Kollege war anschließend für ihn zuständig. Dieser flog mit ihm nach München. Tagsüber mussten sie noch Interviews machen, aber Abends sind sie in ein Bordell gefahren namens „Leierkasten“ am Frankfurter Ring in München.

Da haben die bis morgens um acht, also so lange, bis der Laden sie rausgeschmissen hat, wirklich Vollgas gegeben. Dann aber mussten sie schon zwei Stunden später am Flughafen sein, um weiter zu fliegen.

Jetzt lief Idol mit seinen Dreadlocks da herum und trug doch glatt zu dieser ´Zeit so eine Art Camouflage-Anzug. Außerdem hatte er Springerstiefel an den Füßen. Er war natürlich noch komplett betrunken. Die schwarzen Sheriffs da unten sind dafür bekannt, dass sie ziemlich heftig vorgehen können.

Jedenfalls musste mein Kollege, Helmut, von München aus nach Köln fliegen, Billy Idol sollte nach Madrid. Helmuts Flieger ging nun 20 Minuten früher also setze er Billy Idol allein am Flughafen ab, in der sicheren Erwartung, dass dieser erwachsene Mann, es allein schaffe, noch einen Augenblick sitzen zu bleiben und dann in seinen Flieger nach Madrid zu steigen.

Aber, was macht der Kerl? Der steht auf, läuft im Stechschritt durch die Halle und macht den Hitlergruß. Da kamen die Jungs direkt und haben ihn in den Knast gesteckt.

Michaela Boland:

Wie lange hat Billy Idol dann gesessen?

Winni Ebert:

Er saß ganze zwei Tage da unten im Knast. Die Spanier waren darüber richtig sauer, denn da musste ja alles gecancelt werden.

Michaela Boland:

Wie ging es mit ihm weiter?

Winni Ebert:

Er ist dann für ein paar Jahre zu seiner Mama gegangen und hat versucht, von allem weg zu kommen. Dann hat er Jahrelang nichts gemacht und jetzt habe ich gehört, dass er an einem Comeback bastele.

Michaela Boland:

Wie schätzt du seine Erfolgschancen ein?

Winni Ebert:

Schwierig, ich denke schon, dass es heutzutage schwer sein wird.

Michaela Boland:

Kann man deiner Meinung nach in der heutigen Zeit tatsächlich noch ein klassischer Superstar werden?

Winni Ebert:

In Berlin gibt es einen Mann, den finde ich absolut klasse. Er heißt Peter Fox. Ich glaube, das wird ein ganz Großer. Selbst in deutscher Sprache denke ich, dass er eine internationale Karriere wie Tokio Hotel machen kann. Es gibt wieder so etwas. Tokio Hotel ist eigentlich für mich dasselbe wie die Rolling Stones am Anfang.

Die sehen irgendwie verrückt aus, sehen gut aus. Guck dir mal die Rolling Stones an als sie jung waren. Die sahen teilweise ein wenig mädchenhaft aus. Es ist zum Beispiel unglaublich schwer für Deutsche, Erfolg in Frankreich oder auch in England zu haben?

Michaela Boland:

Woran liegt das? 

Winni Ebert?

In England ist schon mal grundsätzlich schwierig für uns Deutsche. Wir hatten ja immer den „Rockpalast“. Das einzige wirkliche große Land, dass nie etwas mit dem Rockpalast zu tun haben wollte und diesen auch nicht übertragen hat, war England.

Die standen auf dem Standpunkt: „Wir haben das erfunden, was wollt ihr eigentlich, ihr blöden Deutschen?“ Auch die Scorpions hatten am Anfang ähnliche Schwierigkeiten. Dieter Dierks, der die ganzen Platten von den Scorpions produziert hat, hatte die Jungs zuerst nirgendwo unterbringen können.

Jetzt ist Dieter von der jüdischen Abteilung und da hatte er solange seine jüdischen Freunde in New York bequasselt, bis die gesagt haben: „o.k., dann versuchen wir es halt mal.“ Zuerst hatten die nämlich immer gefragt, was wir mit unserem „Lederhosen-Rock“ wollten?

Sie hätten davon selbst genug. Sie hätten Linhead, Skinhead und diese und jene. „Was also wollen wir mit einer Band aus Deutschland? Wir können das doch alle hier viel besser“, lautete ihre Devise stets zuvor.

Michaela Boland:

Wie erklärst du dir, dass viele deutsche Stars, auch Volksmusiker, gerade in Asien oftmals sehr erfolgreich sind?

Winni Ebert:

Ich glaube, in den letzten Jahren hat Deutschland ein unglaubliches Image bekommen.. Ich behaupte, der deutsche Name ist durch eine Sache sehr populär in der Welt geworden, nämlich Gerhard Schröder. Als er damals gesagt hat, „wir wollen nichts mit dem Irak-Krieg zu tun haben.

Es gab ja in erster Linie Amerikaner, Kanadier und die Engländer, die gesagt haben, „aha, wieder die Deutschen, wenn es darauf ankommt, sind sie nicht dabei. Das ist ja auch der Grund, warum wir in Afghanistan mit involviert sind. Damit sie uns nicht vorwerfen können, dass hier die Nato nicht zusammen hält.

Diese ganzen anderen Länder, die haben alle gesagt, „Mann, die haben endlich mal Rückgrad und der Schröder sagt, er hält sich da heraus“. Und es hat sich ja hinterher bewiesen, dass er Recht hatte. Ich glaube, das hat dem Land Deutschland sehr gut getan.

Laut einer weltweiten Umfrage von CNN, die ich jüngst gesehen habe, liegt Deutschland zur Zeit ganz ganz weit vorne innerhalb der öffentlichen Meinung in der Welt. Ich denke, das hat auch etwas damit zu tun, dass so eine Band wie Tokio Hotel so erfolgreich ist. Denn ich glaube nicht, dass die kleinen Französinnen unbedingt alles verstehen, was die singen.

Genauso wenig haben die Deutschen damals verstanden, was die Beatles, die Stones oder die Animals oder wer auch immer gesungen haben. Es geht um`s Image und dass die Energie haben und dass da was passiert und dass sie anders sind als die Eltern ihrer Fans.

Michaela Boland:

Du hast auch Queen betreut. Wie lief es mit den Jungs?

Winni Ebert:

Abgesehen von einem Abendessen in den Grindeler Weinstuben in Hamburg bestand zunächst einmal wenig Kontakt zwischen unserer Firma und den Bandmitgliedern. Alles lief über den Tourmanager Paul Printer und dessen Assistenten Pete Brown.

Irgendwann aber trank Brian May, der Sternenkunde studierte, mal eine Tasse Tee mit mir . Dann lud ein Partner des Tourveranstalters Fritz Rau, Mike Scheller, die Gruppe, Hillary Walker von EMI England, welche die Tournee von Queen begleitete und mich in den Hamburger Club „Amphore“ ein.

Hier trugen die Kellnerinnen lediglich einen Slip und hohe Stöckelschuhe. Ein Cocktail war für 40,- DM, eine Bier für 75,- DM zu haben. Gemeinschaftlich schauten wir dabei zu, wie eine als Nonne verkleidete Darstellerin eine brennende Kerze zwischen den Schenkeln hin und her bewegte.

Die erste Etage des Clubs war für noch ganz andere Dinge vorgesehen. Weil ich aber wusste, dass ich eine solche Club-Rechnung nicht beim Controller der EMI als Spesenabrechnung würde vorlegen können, suchte ich mit Kollegin Hillary lieber schnell das Weite.

Am nächsten Tag äußerte Mike Scheller, der die Einladung in diesen Club überhaupt ausgesprochen hatte, mir gegenüber, dass ich wohl keine Lust gehabt hätte, mich an der Rechnung zu beteiligen. Diese hatte er nun beglichen und satte 3000,- DM dort lassen müssen. 

Michaela Boland:

Wie ist das überhaupt mit dem Geld? Können eigentlich Stars, die häufig Unsummen verdienen, gut mit ihrem Geld umgehen?

Winni Ebert:

Joe Cocker beispielsweise hat nie ein Verhältnis zu Geld gehabt. Das interessierte ihn einfach nicht. Er hat dann auch häufig Leute in seinem Umfeld gehabt, die ihn übertrieben ausgebeutet haben. Außerdem hat er auch immer zu viel von allem gemacht.

Einmal bin ich in der Kölner Altstadt mit ihm eine Treppe hinunter gestürzt. Da unten am Rhein gibt es einen Laden namens „Siam“ mit Thai-Essen und Cocktails. Da waren wir da oben und haben zusammen zu Abend gegessen und da waren wir beide so „heftig dabei“, er noch viel schlimmer als ich, und wollten anschließend die Treppe hinunter.

Da habe ich gemerkt, er fällt und hatte noch versucht, ihn festzuhalten. doch er ist ja nicht unbedingt ein kleiner Junge. Und dann sind wir beide diese Treppe hintergekugelt. Aber keiner hat sich weh getan.

Nichts desto trotz war es bei ihm oft recht massiv. Ich habe ihn manchmal ins Hotel gefahren, ihn ins Bett gelegt, seine Schuhe ausgezogen und den Gürtel aufgemacht und dafür gesorgt, dass er nicht irgendwie erstickt.

Michaela Boland:

Siehst du es als eine Gefahr an, wenn man sich als Superstar eigentlich um nichts selbst kümmern muss, was Alltagsbewältigung anbelangt?

Winni Ebert:

Natürlich ist es eine Gefahr, denn es kann ja sein, dass du am Ende da sitzt und hast zwar Millionen verdient, aber zu guter letzt ist nichts mehr übrig, wenn du alt bist. Diese Leute sind ja oft auch in gar keiner Sozialversicherung. Beispiel: Joe Cocker hat ja Glück gehabt, denn er hat eine wunderbare Frau geheiratet, nämlich Pam.

Pam ist eine Freundin von Jane Fonda und die passt auf ihn auf. Als ich ihn das letzte Mal bei einer „Night of the Proms“ - Veranstaltung getroffen habe, da hat er deutlich weniger getrunken und auch kaum noch geraucht. Das hat mich sehr gefreut, denn Joe ist ein lieber Kerl.

Und die Pam passt auf`s Geld auf. Ein weiteres Beispiel ist übrigens Matthias Reim. In meiner Berliner Zeit habe ich öfter mal abends mit ihm rumgehangen. Der hatte mal über 30 Millionen.

Er hat nur Leute gehabt, die das irgendwo falsch investiert haben. Dann hat er sich in Kanada ein Haus gekauft und noch ein paar Boote. Der wohnte  am Ende dann lange auf Mallorca und hatte kein Geld. Der andere unglaubliche Fall war „Haddaway“.

Er hat mal diesen riesen Hit gehabt auf der ganzen Welt (Anm. d. Red.: „What is love“). Er hatte 28 Millionen, vielleicht sogar mehr. Du musst mal überlegen: Alles ausgegeben. In Monte Carlo ein Schiff gekauft, zwei Ferraris, denn er fährt ja gerne Autos und hat allenthalben nur Gas gegeben.

Jetzt ist er glücklich, wenn er im Festzelt irgendwo auftreten kann. Wenn du soviel Kohle hast, dann musst du wirklich schon ziemlich bescheuert sein, um das nicht richtig anzulegen. 

Michaela Boland:

Was sind die Ursachen hierfür? 

Winni Ebert:

Manchmal wird sich mit den falschen Leuten umgeben. Du musst Geld dann auch anlegen und ein bisschen diszipliniert vorgehen. Paul McCartney ist, so glaube ich, nach der Queen, der reichste Mann in England. Er hat jetzt zwar mal sechs Millionen an seine Ex-Frau (Anm. d.Red.: Heather Mills) gegeben, aber das ist für den gar nichts.

Michaela Boland:

Ist er eigentlich geizig?

Winni Ebert:

Nein, nicht geizig, aber er passt aufs Geld auf. Wir waren mal bei Biolek in Frechen für irgendwelche Proben. Da ruft einer aus Los Angeles an, der einen bekannten Gitarrenladen, „Valters“, hat. Der sagte: „Hör mal ,Paul, ich habe die Gitarre, die du dir die ganze Zeit gewünscht hast.“

Da fragte Paul ihn, was er denn dafür haben wolle. Daraufhin hat dieser Händler einen unglaublich hohen Preis genannt. Da sagte Paul: „Weißt du was, wenn du mir die nicht für die Hälfte gibst und mir nur deshalb so viel Geld abnehmen willst, weil du denkst, ich wäre reich, dann kannst du sie behalten.“ Und er hat die Gitarre auch nicht gekauft.

Michaela Boland:

Wie ist er denn so? Gibt er auch mal einen Drink aus?

Winni Ebert:

Also, es ist nicht so, dass er geizig wäre, aber es war nie so, dass er es musste, weil die Leute um ihn herum immer die Getränke bezahlt haben.

Michaela Boland:

Seit einigen Jahren veranstaltest du hier in deiner Wahlheimat regelmäßig den „Kölner Kulturtreff“. Wie kam es dazu?

Winni Ebert:

Ziel war es, neue Kontakte zwischen Menschen aus Kunst, Kultur, Medien und Wirtschaft zu schaffen. Man soll sich kulturell und künstlerisch austauschen können und mögliche Synergien zwischen einzelnen Branchen entdecken.

Michaela Boland:

In der Domstadt finden verschiedene Veranstaltungen dieser Art statt, in denen es unter anderem auch stark um das „Sehen“ und „Gesehen werden“ geht.

Vor kurzem kam es zu einem Vorfall, bei dem man den Eindruck gewinnen konnte, dass es zwischenzeitlich zu einem verstärkten Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Veranstaltern gekommen ist und mittlerweile mit harten Bandagen gekämpft wird.

Man soll dir beim neulich stattgefundenen „Off the record“- Treff von Macher Bernhard Böringer keinen Zutritt gewährt und dich eiskalt an der Türe abgewiesen haben. Vom Kölner EXPRESS wird Böringer so zitiert:

„Herr Ebert ist keiner, der unsere Gesellschaft bereichert.“ Angeblich sollst du auch beim Koelner Medientreff von Michael Busemann Hausverbot haben. Entspricht das den Tatschen? 

Winni Ebert:

Ja, das stimmt. Und bei Michael Busemann gibt es tatsächlich ein Hausverbot. Und was Herrn Böringer anbelangt, ihn kenne ich gar nicht. Aufgrund des erschienen Fotos in besagtem Express-Artikel habe ich nun zum ersten mal gesehen, wer es ist. Aber ich kenne ihn gar nicht und habe noch nie mit ihm geredet.

Michaela Boland:

Ist es richtig, dass es bei jenen Veranstaltungen um viel Geld geht und daher Konkurrenz, die gegebenenfalls Sponsoren abwerben könnte, unerwünscht ist?

Winni Ebert:

Was das Konkurrenzdenken anbelangt, kann ich nur sagen, dass ich nicht so denke. Anscheinend aber die anderen. Für mich ist das ein bisschen kleinkariert. Also, ich hätte kein Problem damit, wenn sie zu mir auf den Treff kämen, aber die haben ein Problem damit, wenn ich zu ihnen auf den Treff komme.

Man muss aber auch dazu sagen, zu mir kommen mittlerweile durchschnittlich vier - bis fünfhundert Leute. Und ohne jemandem zu nahe zu treten, bei Michael sind es vielleicht einhundertfünfzig und bei „Off the record“ auch so ungefähr einhundertfünfzig, wenn es hoch kommt.

Die Veranstaltungen sind ja eigentlich auch vom Konzept her ganz unterschiedlich. Bei mir treten beispielsweise Künstler auf, es gibt Ausstellungen, ab und zu sogar Kurzfilme, die vorgeführt werden.

Michaela Boland:

Möge unter den Treff-Veranstaltern hoffentlich bald wieder Friede einkehren. Lieber Winni, für dieses amüsante Interview recht herzlichen Dank und viel Erfolg für dein neues Buch, „Im Music Bizz“.  

Winni Ebert ist Veranstalter des Kölner Kultutreffs und ehemaliger Promotion-Manager der Plattenfirma EMI. 1950 geboren und in der Touristenstadt Rüdesheim am Rhein aufgewachsen, verließ er Deutschland 1966 erstmals als Teenager gemeinsam mit seiner Familie und wanderte in die USA aus.

In seinem ersten Buch, „Im Music Bizz“ (Edition Nove Verlag), erzählt er seine Lebensgeschichte, die sich in erster Linie in den Konzertsälen Europas und Garderoben großer Stars bewegte. Heute lebt der Vater von zwei Söhnen und zwei Töchtern in Köln. Hier war Ebert auch als Dozent für Musikwirtschaft tätig. 

IM MUSIC BIZZ (Winni Ebert)      Edition Nove              ISBN: 9783852517353 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg.

Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

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07.06.2010 „Es gibt viele, die mit einem sympathisieren"

Michaela Boland - mit 3 Bildern

Er ist Fußball-Vize-Weltmeister! Und obwohl er seinen Sport am PC ausübt, ist er auch selbst körperlich topfit. Daniel Schellhase, 26 Jahre, Wirtschaftsinformatikstudent, Passion: E-Sport. (Anm. d. Red.: electronic Sport).

Hierunter nämlich versteht man wettbewerbsmäßiges Spielen von Computer- und Videogames im Mehrspielermodus. Ebenso wie bei vielen herkömmlichen Sportarten sind auch beim E-Sport gewisse Leistungsmerkmale, wie Körperbeherrschung, Teamplay und taktisches Kalkül bei den Spielern vonnöten.

Der E-Sport ist nicht nur eine Wachstumsbranche und Ausdruck einer vernetzten Community, sondern hat sich längst zu einem globalen Phänomen gemausert. Eine der internationalen Plattformen im Bereich dieser sportlichen Betätigung ist die sogenannte Electronic Sports League (ESL).

Inzwischen zählt sie bereits weit über 2,2 Millionen registrierte Mitglieder und über 500.000 Teams, womit sie innerhalb Europas die größte und bedeutendste Computerspiel-Liga darstellt.

Monatlich erreichen die Website der ESL, hinter der das erfolgreiche in Köln ansässige Unternehmen Turtle Entertainment GmbH steht, unter www.esl.eu mehr als 1,1 Millionen Unique Visitors und verzeichnet mehr als 100.000 Neuregistrierungen.

Mit insgesamt 10 Millionen IVW-geprüften Visits (IVW: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern; messen u.a. den von Netz-Nutzern verursachten Datenverkehr) im Monat zählt das Liga-Portal zu den größten Internetauftritten Deutschlands.

Eine der „Züchtungen“ von Turtle ist auch Daniel Schellhase. Die Erfolgsgeschichte des blonden Studenten beginnt bereits in der Kindheit. Schon damals nämlich tritt der Gelsenkirchener im Rahmen von Fußball-Computerspielen regelmäßig gegen seinen Zwillingsbruder Dennis an.

Im Jahre 2003 dann, versucht sich der eloquente Virtual-Fußballer dann erstmals online in seiner favorisierten Sportart. Hier merkt er offenbar schnell, dass er „ganz gut“ darin ist und meldet sich sodann für Tuniere an, in denen er spielend von Runde zu Runde weiter kommt.

Ich treffe den erfolgreichen E-Sportler mit auffällig hellblauen Augen in der Domstadt Köln. „Wie geht so ein Computerfußballspiel von statten“, frage ich als begeisterte Fechterin mit weniger Ahnung vom Online-Fußball den sympathischen ESL-Star.

„Ich spiele FIFA am PC, das ist eine Fußballsimulation, das heißt, ich kann jeden einzelnen Spieler selbst steuern und kann ihm die Befehle geben, ob er jetzt in eine bestimmte Richtung passt, ob er schießt, ob er in einen Zweikampf hineingeht oder ob er einen anderen Spieler foult.“

Innerhalb der ESL gebe es circa 2000 Spieler, die FIFA relativ ambitioniert spielten, glaubt Schellhase. Unter jenen 2000 Spielern befänden sich, so der amtierende Vize-Weltmeister, ungefähr 20 Profis, also solche, die so wie er, für ihren sportlichen Einsatz mit Leistungen durch entsprechende Sponsoren, wie beispielsweise SENNHEISER oder auch anderen, versehen würden.

Ich möchte gerne wissen, ob Daniel jeweils mit einer fiktiv zusammengestellten Mannschaft „ins Rennen“ geht oder wie die virtuellen Spieler aussehen. „Die Mannschaften sind genauso abgebildet wie im echten Fußball, das heißt, ich kann Deutschland nehmen, da habe ich dann Ballack, Klose, Podolski und stelle die dann auch auf.

Ich bin also auch Trainer und bestimme beispielsweise, ob die Aufstellung mit zwei oder drei Stürmern erfolgen soll. Ich kann alles genauso wählen, wie ich möchte“, berichtet der Ruhrpottler lächelnd.

Dass solche Spiele, bei denen man im Internet gegen andere antritt, bei Daddlern (Anm. d. Red.: Menschen, die an einem Automaten oder an einem Computer spielen) schon seit einigen Jahren hoch im Kurs stehen, kann auch Daniel bestätigen.

Besonders in Spielen wie Fußball seien gerade deutsche Computerfreaks sehr erfolgreich. So haben Daniel Schellhase und Zwilling Dennis beim Fußball auf dem Monitor durchaus schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt:

Weltmeisterschaften, Europameisterschaften sowie Titel in Deutschland. Daniel selbst konnte den Weltmeistertitel übrigens schon in den Jahren 2006 und 2007 für sich verbuchen.

Auf die Frage, wie viel Zeit man investieren müsse, um in dieser Sportart derart erfolgreich zu werden antwortet Daniel: „ Vor einer Weltmeisterschaft trainiere ich schon bis zu fünf Stunden am Tag. Ansonsten komme ich im Durchschnitt auf zwei bis drei Stunden.“

Um ein Weltmeister zu werden, muss man sich zuerst online qualifizieren und sich dann unter die besten 16 Teilnehmer spielen. In der Regel werde dann auf der berühmten Games Convention nochmals eine Meisterschaft ausgeschrieben, die zwischen den besten 16 ausgetragen werde.

Dann würden noch einmal drei Teilnehmer ausgespielt, die ihrerseits zur Weltmeisterschaft fliegen dürften und dort dann auf die besten Spieler aus der ganzen Welt treffen würden.. „Wenn Meisterschaften ohnehin online ausgetragen werden, warum müssen die teilnehmenden Spieler dann überhaupt am selben Platz vor Ort sein“, frage ich den jungen Schellhase.

„Es geht darum, dass die Bedingungen für alle gleich sind, denn wenn man online spielt, hat man immer eine Verzögerung, die physisch bedingt ist und wenn man vor Ort ist, hat man diese Verzögerung nicht“, erklärt der E-Sportler.

Außerdem sei es natürlich viel schöner für die Spieler gemeinsam vor Ort zu sein, nachdem das Procedere ein wenig so ablaufe wie bei den Olympischen Spielen. „Es gibt eine Eröffnungsfeier, es gibt eine Abschlusszeremonie und es werden Medaillen umgehangen“, schwärmt Daniel Schellhase.

Außerdem sei es natürlich wesentlich komfortabler für all jene, welche die ganzen Livestreams verfolgten, denn bei der Weltmeisterschaft habe man insgesamt über 200 Millionen Zuschauer, über die drei bis vier Tage, die die Meisterschaft andauere, fügt er hinzu.

Ein solches FIFA-Online-Spiel dauert gerade mal fünfzehn Minuten. „Wer als erstes zwei Spiele gewinnt ist der Sieger“, weiß Daniel. Dass er in Kürze hoffentlich wieder siegen wird, kann er schon bald erneut unter Beweis stellen. Demnächst finden nämlich in Köln die Deutschen Meisterschaften statt.

Ein bis zwei Wochen im Vorfeld, will Schellhase dann noch ein wenig mehr trainieren. „Momentan ist das nicht nötig, denn ich kann mich auch so noch gegen meine Gegner wehren“, erzählt er siegessicher.

In jedem Fall seien die Möglichkeiten für ihn besser, als wenn er jetzt arbeiten gehen würde, ist sich der Online-Fußballer im Klaren. Seit wann er gesponsert werde, möchte ich vom Internet-Fußball-Profi wissen. „Man muss hierfür erst mal entdeckt werden“, erklärt er.

„Es ist wie beim Fußball, man fängt zunächst klein an und spielt und möchte gut werden und irgendwann wird man dann von den Profiteams entdeckt und unter Vertrag genommen.“

Dann erst beginne das eigentliche Sponsoring. Ob bei mehreren Stunden Training pro Tag und einem nicht gerade nebenbei zu bewältigenden Wirtschaftsinformatik-Studium noch viel Zeit für andere Dinge, wie Familie, Freundin oder sonstige Hobbys bleibt? „Es kommt natürlich auch vor, dass man immer mal unterwegs ist.

Ich habe wahrscheinlich mehr Zeit als jeder Mensch, der acht oder neun Stunden am Tag arbeiten geht. Es ist alles eine Frage des Zeitmanagements. Ich muss lediglich planen, was am Tage so ansteht, was ich dann mache und wann ich dann lerne.

Ich gehe aber auch ins Kino oder am Wochenende raus, auch schon mal in einen Club.“ Das zu hören, wird mit Sicherheit gerade die asiatischen Fans von Schellhase freuen.

Denn bei seinem letzten Wettkampfbedingten Asientrip campten gleich mehrere weibliche Anhänger des attraktiven jungen Mannes vor der Tür seines Hotelzimmers, um Fotos mit ihm und Autogramme zu ergattern.

„Wie sieht es denn in Deutschland mit den passionierten Unterstützern aus“, frage ich Daniel. „Also Fans ist nicht der Begriff, den ich in Deutschland benutzen würde“, gibt der Erfolgsonliner zu.

„Es gibt viele, die mit einem sympathisieren. In Asien ist das halt alles ein bisschen ausgeflippter, ein bisschen verrückter und die laufen einem dann wirklich richtig die Bude ein wegen Autogrammen und Fotos.“ Ob er denn bereits eigene Autogrammkarten besitze, hake ich nach.

„Ja, Autogrammkarten haben wir auch“, antwortet er nun im Pluralis Majestatis. Wie man sich bei soviel Stunden täglich vor dem Bildschirm selbst schlank und fit hält, weiß der Internet-Ballartist aber auch, denn echten Sport kennt er ebenfalls noch:

„Ich habe früher selbst bei Schalke Fußball gespielt, spiele sogar immer noch ein wenig und gehe ab und zu im Wald laufen.“ Trotz seines ebenso ambitionierten Zwillingsbruders scheinen die Geschwister ihr Online-Fußball-Talent nicht gerade von den Eltern geerbt zu haben.

Während Daniels Mutter zwar rege alle Aktivitäten der Söhne im Netz verfolge, soll der Vater, auf dessen Berufsbezeichnung der Vize-Weltmeister nicht kommen will, aber weiß, dass dieser im Rohrbau tätig sei und hierfür Pläne und Skizzen anfertige, jedoch keineswegs online affin sein. „Ich glaube, er weiß nicht mal, wie man einen Computer an und aus macht“, plaudert Daniel Schellhase aus dem Nähkästchen.

Um so besser, dass Daniel sich auf diese „Disziplin“ hervorragend versteht und unser Land darüber hinaus innerhalb seines Fachgebiets, dem Computer-Fußball, bislang immer wieder erfolgreich vertreten hat.

Mit seinen zwischenzeitlich 26 Jahren hebt der Vize-Weltmeister augenblicklich bereits deutlich den Altersdurchschnitt des typischen E-Sportlers an. Dieser nämlich soll laut einer deutschen Umfrage unter Jugendlichen so aussehen:

19 Jahre alt, männlich und auch abseits des Computers aktiv Sport treibend, mindestens zweimal wöchentlich. Dabei seien Fußball, gefolgt vom Workout im Fitnessstudio sowie Jogging, die mit Abstand beliebtesten Sportarten, wie Turtle berichtet.

Außerdem besuchten über 42 Prozent der Spieler noch die Schule, davon 23 Prozent der ESL-User ein Gymnasium, weitere 7,7 Prozent studierten an einer Hochschule. Ganze 18,9 Prozent setzten sich aus Auszubildenden und jungen Berufstätigen zusammen. Auffällig:

In diesem Sport-Segment scheinen derzeit noch kaum Frauen so recht Fuß gefasst zu haben: Schlappe 3,3 Prozent machten den Anteil der Damenwelt augenblicklich nur aus. Das Erfreuliche: Die Anzahl weiblicher User steige gerade kontinuierlich an.

Und so bleibt zu hoffen, dass in absehbarer Zeit vielleicht nicht nur ein Daniel oder Dennis den Weltmeistertitel zu uns nach Hause tragen, sondern womöglich ja schon bald einmal eine Daniela oder Denise

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR-Sonntags-Nachmittags-Show „HOLLYMÜND“. Für „Guten-Abend-RTL“ arbeitete sie als Redakteurin und On-Reporterin.

Auf 3-Sat moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, außerdem die Casinoshow „Casinolife“ auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

Infos unter:

www.michaelaboland.com

http://www.stern.de/digital/computer/world-cyber-games-deutschland-ist-fussball-weltmeister-553277.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,437731,00.htmlhttp://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,437731,00.htm

http://www.sueddeutsche.de/thema/Daniel_Schellhase

http://tvtotal.prosieben.de/tvtotal/videos/player/?contentId=19942

http://www.computerbild.de/videos/Fifa-Weltmeister-Daniel-Schellhase-und-PES-Europameister-Mike-Linden-Interview-2106278.html

 

 

 

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21.05.2010 Das Publikum war restlos hin und weg

Andrea Bartsch - mit 7 Bildern

Aziza Mustafa Zadeh – die Verwandlungskunst dieser Stimme ist phänomenal: Zart oder eisern, melancholisch oder schmeichelnd, immer von instrumentaler Präzision. Ihre virtuose Technik am Klavier wie auch ihre perfekt ausgebildete Stimme setzen ihr keine Grenzen, sie erlauben diesem fabelhaften Feenwesen eine wundersame musikalische Welt- und Zeitreise.

Kaum eine Gattung, die bei ihr nicht aufblitzt: die Orientalik ihrer Heimat, der klassische Jazz, die große Literatur des Klaviers und die Welt der italienischen Oper. Wahnwitziger Scat-Gesang folgt sekundenschnell auf Opernarien oder traumhaft gehauchte Balladen. Spielerisch verbindet sie Jazz mit Klassik.

Aziza Mustafa-Zadeh besitzt die Gabe, daraus einen dramaturgisch exzellent aufbereiteten Abend des Ungewöhnlichen zu gestalten, und sie selbst erscheint dabei so ungewöhnlich und unvergleichbar wie ihr Konzertprogramm.

Aziza Mustafa Zadeh wurde in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku geboren. Ihre Eltern waren beide Musiker. Ihr Vater Vagif Mustafa Zadeh war Pianist und Komponist und wurde dadurch berühmt, dass er Jazz und Mugam, die traditionelle Musik Aserbaidschans, miteinander verschmolz.

Seine Frau Eliza Mustafa Zadeh war eine klassisch ausgebildete Sängerin aus Georgien. Schon als Kind erhielt Aziza klassischen Klavierunterricht, spielte Bach und Chopin, entdeckte aber schon bald die Lust an der virtuosen Jazz-Improvisation. Im Alter von 17 Jahren gewann Aziza Mustafa Zadeh den Thelonious-Monk-Klavierwettbewerb in Washington.

Etwa zur selben Zeit zog sie mit ihrer Mutter nach Deutschland und begann ihren vom klassischen Jazz und der traditionellen aserbaidschanischen Mugam-Musik inspirierten Stil zu entwickeln. 1991 erschien ihr erstes Album ‚Aziza Mustafa Zadeh’.


Für ihr zweites Album ‚Always’ wurde sie mit dem ‚ECHO’-Preis und dem ‚Jazz-Award’ des Deutschen Phonoverbandes ausgezeichnet. Mit renommierten Jazzmusikern wie dem Gitarristen Al Di Meola, dem Saxophonisten Bill Evans und dem Bassisten Stanley Clarke produzierte die Künstlerin 1995 das Album ‚Dance of Fire’.

Live-Konzerte u.a. in Stuttgart, Frankfurt, Wiesbaden (Internationale Maifestspiele 2006), Zürich, Paris, London, Tel Aviv und Istanbul haben sie zu einer international gefragten Jazz-Musikerin gemacht.

Es folgten die Alben ‚Seventh Truth’ (1996), ‚Jazziza’ (1997), ‚Shamans’ (2002) und ‚Opera Jazz’ (2006).

Das Publikum war restlos hin und weg.
(Neue Rottweiler Zeitung)

Ein Star der Weltmusik.
(KulturKreis Kassel)

  • 1991: Aziza Mustafa Zadeh (Sony Music)
  • 1993: Always (Sony Music) - mit John Patitucci (Bass) und Dave Weckl (Schlagzeug), erhielt den ECHO und Jazz Award des Deutschen Phonoverbands
  • 1995: Dance Of Fire (Sony Music) - mit Al di Meola (Gitarre), Stanley Clarke (Bass), Omar Hakim (Schlagzeug; ehem. Weather Report), Bill Evans (Saxophon) u. a.
  • 1996: Seventh Truth (Sony Music)
  • 1997: Jazziza (Sony Music) - enthält neben eigenen Kompositionen zahlreiche Jazz-Standards wie My Funny Valentine und Dave Brubecks Take Five
  • 2000: Inspiration - Colors & Reflections (Columbia/Sony)
  • 2002: Shamans (Decca Records)
  • 2006: Contrasts (Jazziza Records)
  • 2007: Contrasts II - OperaJazz (Jazziza Records)

Hessisches Staatstheater Wiesbaden
Pressereferat
Christian-Zais-Str. 3
65189 Wiesbaden

Ansprechpartner:
Andrea Bartsch
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fon +49 (0)611-132 329
Fax +49 (0)611-132 307
pressereferat@remove-this.staatstheater-wiesbaden.de

Martin Kaufhold
Theaterfotograf
Fon +49 (0)611-132 413
m.kaufhold@remove-this.staatstheater-wiesbaden.de

http://www.azizamustafazadeh.de/inhalt.html

http://www.amazon.de/Aziza-Mustafa-Zadeh/dp/B000026G4F

 

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11.05.2010 Er hat mich als Rampensau hingestellt

GFDK - Michaela Boland

Bekannt wurde er als „harter Hund“ innerhalb Heidi Klums Entscheiderreigen bei ihrer Suche nach Germany`s Next Topmodel. „Berüchtigt“ laut Interpretation einiger Journalisten durch seine klaren Worte hinsichtlich des weniger smarten Jury-Rauswurfs beim Pro 7-Quoten-Hit rund um angehende Hochglanzmodelle.

Daraufhin nämlich hatte Peyman Amin die Chefjurorin öffentlich folgerichtig kritisiert, nachdem diese ihm nach insgesamt zwölfjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit lediglich per E-Mail den Laufpass gegeben haben soll. Jetzt hat der im Iran geborene Deutsche ein Buch geschrieben.

Unterstellt wurden ihm einzig Rachgelüste gegenüber Heidi Klum, was verwundert, wenn man „Der Modelmacher“ komplett gelesen hat.

Zwar befindet Amin im Abschlusskapitel, dass man dem Supermodel an sich „als „lustigste und erfolgreichste gute Laune Brezel“, dem man mittlerweile immer weniger als Model, denn vielmehr als Moderatorin und Werbefee nur so lange ausreichend Gummibärchen zwischen die Zehen stopfe und einen Haufen Geld dafür bezahle, solange jemand anderes neben ihm nicht zu populär werde und eben möglicherweise seinerseits teuer bezahlte bunte Gelantineerzeugnisse zwischen die zarten Füßchen drapiert erhalte.

Jedoch wird bei Lektüre des Gesamtwerks schnell deutlich, was die eigentliche Motivation des Neu-Autoren darstellt:

Die Mischung aus persönlicher Geschichte mit Flucht aus dem Iran wegen Bedrohung von Leib und Leben durch die Mullahs unter Ayatollah Khomeini, sowie der berufliche Werdegang Amins von Anbeginn, machen ebenso wie die Erfahrungen im Modelbusiness oder seine Ansichten über die Kollegen Bruce Darnell und Rolf(e) Scheider deutlich, dass der Ex-Juror mit seinen ungeschminkten Ansichten grundsätzlich nicht hinterm Berg hält.

Während seiner Lesetour durch die Großstädte Deutschlands treffe ich den Model-WG-Hausherrn mit den strahlend schön weißen Zähnen in Düsseldorf zum Gespräch.

Im vierten Stockwerk der Mayerschen Buchhandlung auf der Düsseldorfer Kö (Anm. d. Red.: Königsallee) kümmert Geschäftsführerin Martina Manns sich liebevoll um sämtliche Details, die für einen reibungslosen Ablauf des heutigen Abends garantieren sollen: Stargast Peyman Amin hält nämlich Einzug, um eine Lesung abzuhalten.

Sein neues und erstes Buch „Der Modelmacher- ungeschminkte Ansichten“ wird einer nicht unerheblich großen Schar Genre-Interessierten Portionsweise vom Meistro selbst zu Gehör gebracht. Zuvor jedoch nimmt sich der gertenschlanke Modelagent Zeit für die Fragen von FreundederKuenste.de.

Mit der akademischen Viertelstunde zu spät trudelt Peyman im passgerechten Military-Stil-Hemd und lässiger Umhängetasche im Konferenzraum ein. Mit besten Manieren ausgestattet bietet der ehemalige BWL-Student, der einen großen Teil seines Lebens bisher mit schönsten Menschen verbracht hat, an, die verlorene Zeit schlichtweg hinten anzuhängen.

Michaela Boland:

Wie lautet deine persönliche Definition von Schönheit?

Peyman Amin:

Schönheit ist etwas sehr Subjektives. Man kann sie nicht in eine mathematische Formel packen und sagen, das ist schön. Für mich bedeutet sie Ästhetik Es ist nicht nur das, was man als Bild vor sich sieht, sondern das gesamte Paket, nämlich auch die Ausstrahlung. Wenn jemand den Mund aufmacht, dann macht es schon etwas aus, was da raus kommt.

Michaela Boland:

In deinem Buch konstatierst du einmal, dass gute Mode ihrem Träger Sicherheit verleihe. Bedeutet das: Alles im Leben ist mehr oder weniger nur eine Frage des richtigen Schicks und der entsprechenden Passform?

Peyman Amin:

Nicht alles im Leben aber, gerade wenn es um Mode geht, kommt es darauf an, dass man sich wirklich auch wohlfühlt und dass es einem passt. Deshalb bin ich kein Freund von Trends. Wenn es heißt, heute sind Fransenlooks Trend oder Rüschen oder Miniröcke, ist das für mich Kokolores, weil es Menschen gibt, denen stehen bestimmte Aspekte, anderen wiederum nicht.

Michaela Boland:

Doch was genau macht einen daran sicher? Du stellst ja unter anderem auch fest, dass es eben einen Unterschied mache, ob man Prada oder Zara trage.

Peyman Amin:

Ja, generell ist es ja so, dass teurere Marken nicht nur wegen des Namens teurer sind, sondern auch und insbesondere wegen der Qualität und wegen ihres Schnitts. Das sind feinere Schnitte und das macht sich dann auch bemerkbar, man sieht es.

Ein geschultes Auge sieht den Unterschied zwischen Zara und Prada. Aber du hast schon ein gutes Beispiel genannt mit Zara. Zara ist durchaus eine Marke, die andere Designer-Labels sehr sehr gut kopieren kann.

Die haben ja Experten, die sie sogar in die Boutiquen schicken, die ihrerseits dort Fotos machen und Musterstücke mitnehmen et cetera um genau zu wissen, was die Designer-Labels hergeben.

Also das, was quasi an Zeit und Geld für die Designer-Labels investiert wird und sich dann auch im Preis widerspiegelt, das erspart man sich bei einer Marke wie Zara. Das ist aber auch o.k. Es ist eine legitime Art und Weise zu kopieren. Wenn es aber Louis Vuitton-Kopien in Istanbul zu kaufen gibt, finde ich das nicht schön.

Michaela Boland:

Du hast beschrieben, dass du bereits als Kind mit einer gehörigen Portion Eitelkeit versehen warst, denn schon als Sechsjähriger in Teheran war es dir wichtig, dass deine Schuluniform gut aussah. Wie eitel bist du heute?

Peyman Amin:

Ich bin immer noch sehr „uniformell“ gekleidet. Also wenn man es darauf beschränken würde, dann wäre ich immer noch sehr eitel. Aber ich denke, Eitelkeit ist etwas Menschliches. Und jeder hat einen gewissen Grad an Eitelkeit und wer das bestreitet, lügt.

Bei einigen ist es ein bisschen ausgeprägter, bei andren ist es weniger ausgeprägt. Ich fühle mich in der Welt der Mode zu Hause und entsprechend eitel bin ich dann auch.

Michaela Boland

Der Job des Modelagenten ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nach deinem Dafürhalten der stressigste der Welt. Wie sieht es denn da mit deinem Blutdruck aus, ist der noch im grünen Bereicht?

Peyman Amin:

Jetzt schon wieder. Jetzt, da ich Paris verlassen habe und das Telefon nicht ununterbrochen klingelt, wie sonst, gerade zu Zeiten der Modewoche, denn da war es wirklich hektisch. Also, da war man wirklich kurz vorm Infarkt. Das waren sehr harte Zeiten und wenn man das doch einige Jahre gemacht hat, dann geht das schon an die Substanz.

Kombiniert mit der Jurorentätigkeit bei „Germanys`s Next Topmodel“ war das sehr anstrengend. Also, ich hatte vier sehr hektische Jahre und es war wirklich auch an der Zeit zu sagen, „o.k., man lebt nur einmal, deshalb sollte man sich das nicht langfristig antun“.

Michaela Boland:

Du hast Paris verlassen und lebst in München. Was machst du jetzt?

Peyman Amin:

Es ist jetzt nicht so, dass ich mich zurücklehne und mich ausruhe. Gerade in dieser Woche bin ich viel unterwegs, natürlich im Zusammenhang mit dem Buch und natürlich ist das auch zeitlich begrenzt.

Ich war diese Woche in Essen, dann in Hamburg, heute Düsseldorf, morgen Berlin, übermorgen Frankfurt und am Sonntag Stuttgart, um am Montag wieder zurück nach München zu reisen. Und wenn der Vulkan jetzt spucken sollte, dann sitze ich wirklich tief in der Pampa.

Michaela Boland

Dann müsstest du unter Umständen auf den Zug zurückgreifen und hättest Zeit zu Lesen. Was liest du so?

Peyman Amin:

Also, ich lese grundsätzlich sehr viele Zeitschriften. Stern, Focus, das ist so mein Ding. Was Romane anbelangt, da bin ich nicht so der große Fan von. Ich habe in meiner Jugend sehr viel Stephen King gelesen. Paulo Coelho lese ich ab und zu, der hat „The Devil and Miss Prym“ geschrieben, da geht es um das Böse im Menschen. Dann lese ich jetzt aktuell „THE SECRET“, da geht es um Karma und what comes around, goes around.

Michaela Boland:

Von Rhonda Byrne?

Peyman Amin:

Ja, richtig, das ist auch etwas, was mich interessiert, also ein wenig mystische Dinge.

Michaela Boland:

Also hast du auch eine esoterische Ader, denn derartige Bücher stehen ja in Buchhandlungen meist in der Esoterikecke?

Peyman Amin:

Esoterisch würde ich nicht sagen, sonst wäre ich ja ein Male-Model, weil die haben ja eine esoterische Ader.

Michaela Boland:

In jedem Fall so dargestellt in dem, wie ich finde, großartigen Film von und mit Ben Stiller „Zoolander“, den du ja offensichtlich auch sehr magst, wie du in deinem Buch beschreibst.

Hierin geben Ben Stiller (Zoolander) und sein Freund und Kollege Owen Wilson (Hansel) zwei männliche Laufsteg-Models, welche, milde ausgedrückt, einem IQ-Wettbewerb mit Bernd, dem Brot, besser aus dem Weg gehen sollten. Während Zoolander `s Lebensaufgabe darin besteht, immer wieder neue „coole“ Gesichtsausdrücke zu kreieren, umgibt sich der stark esoterisch veranlagte Hansel gerne mal mit Räucherstäbchen und Co, bevor er sich auf waghalsigsten Freizeitspaß einlässt. Geht es in der Modelwelt wirklich so zu?  

Peyman Amin:

Genau. Auf jeden Fall ein sehr interessanter Film. Sehr aufschlussreich und auf alle Fälle auch sehr authentisch. Wenn man bedenkt, dass tatsächlich viele Gags aus der Realität genommen sind.

Michaela Boland:

Was sagst du zum Fall Griechenland?

Peyman Amin:

Tragisch, was da passiert. Ich war selbst nur mal einen Tag lang in Griechenland und habe ein Model zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung, „Fashion against breast cancer“, begleitet. Da habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir einmal die Akropolis anzuschauen.

Ich habe in der Vergangenheit viel mit griechischen Agenturen gearbeitet, habe auch zwei griechische Topmodels, die in ihrem Land absolute Superstars sind, gemanagt, Mara Damoussi und Katja Sivoli. Also, insofern kenne ich ein bisschen was über Griechenland.

Und mir ist halt auch immer aufgefallen, wenn die Griechen, mit denen ich immer auf Englisch kommuniziert habe, Griechisch gesprochen haben, dann hat sich das immer sehr aggressiv angehört. Anfangs hatte ich Probleme, mit denen zurecht zu kommen, weil ich wirklich am Telefon dachte, die Menschen sind irgendwie mies drauf.

Aber das ist wirklich nur deren Akzent. Also ich bin weder ein Finanz- noch Politexperte, aber ich sehe der ganzen Angelegenheit natürlich mit Besorgnis entgegen , gerade im Zusammenhang mit der Stärke des Euros sowie der EU. Das ist etwas, das schlimm ist.

Vor Monaten hat mir schon mein Steuerberater gesagt, dass in Sachen Finanzen in Griechenland demnächst eine Bombe explodieren werde. Und er hatte Recht.

Michaela Boland:

Apropos Finanzen. Du hast beschrieben, dass du dir als du einst nach Paris gegangen bist, eine kleine „Drecksbude“ hättest leisten können, jedoch immerhin sei sie deine eigene kleine Drecksbude gewesen. Wie ist es denn heute in München? Immer noch eine Drecksbude?

Peyman Amin:

Nee, das ist keine Drecksbude mehr, denn wenn man doch viele Jahre sehr hart gearbeitet hat und so auf seine Midlife-Crisis zukommt, dann ist es eben so, dass man merkt, man lebt ja nur einmal. Entsprechend möchte man das Leben auch ein bisschen genießen. Also meine Wohnung ist durchaus als schön zu betrachten und geräumig.

Michaela Boland:

Wie groß ist sie denn?

Peymann Amin:

(Lacht) Du möchtest aber auch alles wissen.

Michaela Boland:

Natürlich.

Peyman Amin:

Circa 200 Quadratmeter.

Michaela Boland:

Wow!

Peyman Amin:

Aber gut, in München sind die Mieten ja auch nicht ganz so hoch...

Michaela Boland:

Das ist das Neuste, was ich höre.

Peyman Amin:

...wie in Paris.

Michaela Boland:

Verstehe, alles klar.

Peyman Amin:

Und ich habe eine Wohnung in Bogenhausen gefunden, wo ich absolut meine Ruhe habe, wo ich mich zurückziehen kann und mich besinnen kann und da habe ich auch das Buch geschrieben. Das war mir ganz wichtig, dass ich da bin, wo ich mich sehr wohl fühle. Meine absolute Oase

Michaela Boland:

Dein Buch entstand, wie man erst auf der dritten Seite, etwas heller gedruckt, findet, unter Mitarbeit von Timur Vermes. Wie hoch war sein Anteil am Gesamtwerk?

Peyman Amin:

Also, sein Anteil war insofern groß, als dass wenn einer bisher noch kein Buch geschrieben hat und sich hinsetzt, dann hat man erst mal ein Blackout. Also, ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. Und du brauchst jemanden. Also ich war zwar nie beim Psychiater, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass wenn man zu einem solchen geht und sich auf die Couch legt, dass es ähnlich abgeht:

Es werden Fragen gestellt. Und zwar so tiefe Fragen, wo man erst mal ein bisschen schockiert ist und erst mal so dieses Abwehrschild auspackt. Und dann mit der Zeit, wenn man die Person dann kennen gelernt hat, die einem die Fragen stellt, und wenn man einfach ein besseres Gefühl hat, öffnet man dieses Schild.

Und entsprechend war das auch mit dem Timur. Wir hatten viele Sitzungen. Wir haben uns hingesetzt und er hat Fragen gestellt, sehr viele Fragen. Und er hat wirklich ausgeholt, aus meiner Kindheit wollte er alles wissen bis heute.

Michaela Boland:

Im Buch wird teilweise sehr eindrucksvoll geschildert, wie Deine Familie sich in den Siebziger Jahren auf der Flucht vor den Mullahs unter Khomeinis Regime befand.

Als Angestellter des Innenministeriums unter dem Schah musste insbesondere dein Vater, aber genauso deine Mutter und ihr drei Kinder um Euer Leben fürchten. Du warst damals gerade mal sieben acht Jahre alt. Wie genau erinnert man sich noch an eine so schrecklich eindrucksvolle aber auch lang vergangene Zeit?

Peyman Amin:

Es gab einige Passagen oder Phasen aus meiner Kindheit, wo ich mich nicht im Detail erinnern konnte. Da musste ich meinen Bruder, den Wafa, zur Hilfe nehmen, der zweieinhalb Jahre älter ist als ich, aber diese zweieinhalb Jahre machen einen großen Unterschied aus, wenn es um die Kindheit geht.

Also ich war acht als wir 1979 das Land verlassen haben, er war zehneinhalb. In diesem Alter merkt man das . Jetzt sind wir natürlich eine Generation, das kann man nicht anders sagen.

Michaela Boland:

Mit deiner Meinung hältst du glücklicherweise nicht hinterm Berg. Deinem Ex- GNTM (Anm. d. Red: Germany`s Next Topmodel)-Jury-Kollegen Rolf Scheider, Stefan Raab sei Dank, nun schlichtweg „Rolfe“ genannt, bescheinigst Du im Buch eine Art nervige Bildschirmgeilheit.

Ständig soll sich der flotte „Let`s dance“-Mitstreiter“ auch dann mit ins Bild gemogelt haben, wenn er gar nicht dran war. “Das-ist-der-Wahrheit“- Runway-Künstler Bruce Darnell wirfst du vor, sich mit seiner Heulerei lediglich vor der Kamera zu inszenieren.

Hinter der Bühne soll Bruce, wie du auf S.88 im Buch beschreibst, vermutlich genauso über die Models gelästert haben wie Stefan Raab. Gab es insoweit schon Reaktionen deiner Kollegen auf dein Buch?

Peyman Amin:

Die Nummer mit Bruce, das ist ja etwas. Mit Komplimenten habe ich dann auch nicht gespart. Ich bewundere ihn schon. Also, das, was er erreicht hat und wie er es erreicht hat. Und das ist, denke ich, auch legitim, wenn man bedenkt, dass im Fernsehen doch nicht alles so ist, wie viele denken, also so authentisch.

Aber offensichtlich möchte die Öffentlichkeit auch nichts anderes oder fühlt sich durchaus unterhalten, wenn Menschen wie Bruce entsprechende schauspielerische Talente an den Tag legen.

Nun, was Rolf angeht, auch da finde ich, dass wenn ich auf dem Buch betitele und sage, „ungeschminkte Ansichten“, dass ich dann im Buch auch ungeschminkte Ansichten haben kann.

Es ist so. Was Rolf jetzt darüber denkt oder nicht, das weiß ich nicht. Ich habe übrigens auch versucht, ihn zu kontaktieren, bevor ich das Buch geschrieben habe, aber er geht nicht ran. Denn ich wollte mit ihm darüber sprechen, wie er sich über meine Wenigkeit in Exklusivinterviews, die er gegeben hat, geäußert hat.

Die Art und Weise, wie er in der Öffentlichkeit über mich gesprochen hat, fand ich sehr sehr schade. Er hat mich als Rampensau hingestellt und das war auch eine Möglichkeit im Buch, das gerade zu stellen. Es ist tatsächlich so gewesen, dass wenn wir Drehpause hatten, Rolf und ich, dass er dann am Set geblieben ist.

Das hat er auch bei den Exklusivinterviews gesagt. Aber er hat die Wahrheit verfälscht, indem er gesagt hat, dass er off-camera die Mädchen weiterhin noch gecoacht hätte, während ich mich einen Scheiß darum gekümmert hätte, was mit den Mädchen passiert.

Das entspricht absolut nicht der Wahrheit, sondern das, was ich im Buch geschrieben habe. Und dafür gibt es Zeugen. Da kann man gerne Leute von der Produktion oder von der Redaktion fragen und man wird sehr schnell feststellen, dass das, was ich im Buch geschrieben habe, bis ins letzte Detail stimmt.

Michaela Boland:

Mir persönlich hat es gut gefallen, dass jemand offen äußert, was er denkt. Wie hat es denn Heidi gefallen? Gab es da eine Reaktion?

Peyman Amin:

Ich habe irgendwann einmal gehört, dass Heidi gesagt haben soll, ich hätte viele Unwahrheiten erzählt. Und ich hätte dadurch nur versucht, mein Buch zu promoten. Dann frage ich mich, welche Unwahrheiten meint denn Heidi? Sie hat nicht eine einzige Unwahrheit beim Namen genannt.

Meint sie die Tatsache, dass sie mich eben nicht per E-Mail entlassen hat? Oder meint sie die Tatsache, dass ich nichts für sie gemacht hätte, für ihre Karriere, die doch durchaus bemerkenswert zu sein scheint? Meint sie, dass diese Geschichten unwahr seien? Dann soll sie die beim Namen nennen!

Michaela Boland:

Redet man ab einem gewissen Stadium, wenn etwas eskaliert, überhaupt noch persönlich miteinander oder kommuniziert man dann nur noch über Presse und sonstige Medien?

Peymann Amin:

Heidi hat meine Nummer. Sie kann mich jederzeit anrufen.

Michaela Boland:

Das heißt wohl, ihr kommuniziert derzeit ausschließlich über die Medien?

Peyman Amin:

Ich habe einfach gesagt, was vorgefallen ist, Heidi sagt angeblich, dass vieles, was ich geschrieben oder über Interviews gesagt hätte, unwahr wäre. Dann soll sie das beim Namen nennen! Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Ich habe mich ja auch bereit erklärt, mit ihr zu sprechen, wenn es darum geht, zu begründen, wieso ich nicht in der Jury sitze.

Die Begründung übrigens, finde ich absolut legitim. Sie ist die Chefin und die Sendung trägt ihren Namen. Natürlich darf sie entscheiden, ob ich in der Jury sitze oder nicht.

Aber die Art und Weise, wie man das jemandem mitteilt, mit dem man, sage und schreibe, zwölf Jahre lang zusammen gearbeitet hat, also, ich glaube, da gibt mir jeder Recht, dass das nicht die feine englische Art ist, jemandem per E-Mail abzusagen.

Michaela Boland:

Aus deinem Buch geht hervor, dass es Rolf(e) ähnlich gegangen sein soll.

Peyman Amin:

Scheint ähnlich gewesen zu sein. Auch da hatte ich jetzt keinen hundertprozentigen Einblick. Rolfs Aussagen in den Medien waren ja total unterschiedlich.

Einmal hieß es: „Heidi hat mich gefeuert“, beim nächsten Interview hieß es dann plötzlich, es sei seine freie Entscheidung gewesen, weil es seiner Mutter schlecht gehe und er anderweitig beruflich so viel um die Ohren habe. Also da frage ich mich dann auch, was ist letztlich wahr? Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass er gefeuert wurde. Alles andere sollte man dann mit Rolf klären.

Michaela Boland:

Zum Teil wurde Dir von den Medien vorgeworfen, mithilfe deines Buches lediglich eine große Abrechnung mit Heidi Klum verfolgt zu haben. Wie reagierst du auf solche Vorwürfe?

Peyman Amin?

Manche haben tatsächlich geschrieben, dass ich mir bis auf das letzte Kapitel eigentlich das komplette Buch hätte sparen können, weil es mir angeblich nur um eine solche Abrechnung gegangen sei. Das ist natürlich absoluter Schwachsinn.

So ein Buch schreibt man schließlich nicht von heute auf morgen. Erst im Dezember bekam ich die Nachricht von Heidi per E-Mail, dass ich nicht mehr dabei sei. Von Dezember bis Januar so ein Buch zu schreiben, das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Michaela Boland:

Augenblicklich könnte man den Eindruck gewinnen, dass Heidi von unterschiedlichen Zeitschriften „herunter“ geschrieben wird. Da wird gefragt, wie intensiv sie sich überhaupt um die Familie kümmere bei all ihren Jobs, ob sie womöglich herzlos sei, wenn eine junge Autogrammjägerin angeblich kein weiteres Autogramm umsonst erhalte, weil sie vor einiger Zeit bereits eins bekommen hätte u.s.w. Bekommst du so etwas mit?

Peyman Amin:

Es entgeht einem nicht. Das ist überall so, in den Prints, Radio als auch in den TV-Medien. Und es scheint wirklich so zu sein, dass der Trend in die Richtung geht, dass Heidi immer mehr in the line of fire ist. Aber das sollen die Leute selbst beurteilen. Ich enthalte mich da absolut.

Michaela Boland:

Du hast den Wunsch ausgesprochen, auch mal eine eigene Familie zu haben, mit Frau und Kindern. Stehst du schon in den Starlöchern, ist es bereits soweit oder wie sieht es da aus?

Peyman Amin:

Nein, es ist nicht soweit. Schön wäre es , wenn`s soweit wäre, aber, wenn man da jetzt irgendwie auf die Suche geht, dann wird es nichts.

Michaela Boland:

Wünschst du dir da eher ein Model oder, wie du im Buch einmal so hübsch formulierst, lieber eine Frau aus dem „richtigen Leben“ an deiner Seite?

Peyman Amin:

Von Vorteil wäre es, wenn es eine Frau aus dem richtigen Leben wäre, absolut. Ich habe viele Beziehungen mitbekommen um mich herum, andere Modelagenten mit Models et cetera und das ist eine schwierige Angelegenheit.

Das soll nicht heißen, also, ich will damit jetzt nicht sagen, dass Models ein unglückliches Leben führen, weil sie keinen Mann finden oder umgekehrt, dass die Männer mit Models nur unglücklich sind.

Aber tendenziell habe ich von vielen mitbekommen, die einfach gescheitert sind, weil Models natürlich auch viel reisen. Models lernen sehr viele andere Leute kennen, müssen mit sehr vielen Fotografen oder Kunden arbeiten, die dann ihrerseits natürlich auch was vom Model wollen.

Also es ist schon eine ganz ganz schwierige Nummer. Aber das soll nicht heißen und nicht ausschließen, dass meine zukünftige Frau und mein absolutes Glück nicht doch ein Model ist.

Michaela Boland:

Hättest du eine Tochter mit entsprechendem Potential, dürfte diese Model werden?

Peymann Amin:

Ich würde das begrüßen, sofern ich selbst Potential sehen würde. Es liegt ja auf der Hand. Für meine Tochter wäre es ja schon mal ein Vorteil, einen Vater wie mich zu haben, der doch genau weiß wie der Hase läuft.

Michaela Boland:

Ruft dann „Painful“ wieder in New York an? (Anm. d. Red.: Im Buch beschreibt Peyman, dass er in New York wegen seiner häufig nervenden Anrufe aufgrund von Modeloptionen im Rahmen seiner Booker-Tätigkeit scherzhaft den Namen „Painful“ verpasst bekommen habe.)

Peyman Amin:

Ja, dass er genau weiß, welche Agenturen seriös arbeiten und worauf es genau ankommt, wenn ein Model gemanagt wird. Und dass da keine Schauermärchen erzählt werden.

Michaela Boland:

Ein Kapitel widmest du dem Thema: Verbleib der Models nach der Karriere. Irgendwie klingt das so als ob sie nach der Karriere in einer Nebelschwade verschwinden und nie wieder ward von ihnen gehört. Etwa so wie das „verlorene Lachen“ bei Timm Thaler. Plötzlich war es weg. Was geschieht mit den Ex-Models, wo kommen sie denn nun hin? Verschollen? 

Peyman Amin:

Gewisse Models, aber das soll auch nicht heißen, dass sie unglückliche Schicksale erleben, sondern, dass man als Modelagent da einfach den Kontakt zu denn Models verliert.

Michaela Boland:

Du hast kein Geheimnis daraus gemacht, dass du einen 1,9 er Abischnitt hingelegt hast. Welche Leistungskurse hast du belegt?

Peyman Amin:

Mathematik, Wirtschaft und Sport. 

Michaela Boland:

Gleich drei Leistungskurse?

Peyman Amin:

Ja, nee, Leistungskurse waren tatsächlich Mathe und Wirtschaft, aber dann hast du ja noch zwei Abifächer zusätzlich.

Michaela Boland:

So kenne ich das auch. Welche waren es bei Dir?

Peyman Amin:

Da hatte ich dann Sport und Englisch.

Michaela Boland:

In BWL hast du das Vordiplom abgeschlossen. Hast du je bereut, das komplette Studium nicht zu Ende gebracht zu haben?

Peyman Amin:

Nein, absolut nicht. Ich habe BWL studiert, weil ich nicht wusste, was ich überhaupt machen wollte. Ich habe mich mit einigen Leuten in diesen Tagen unterhalten, die auch BWL studiert haben oder es immer noch tun, weil sie nicht wissen, wo sie enden wollen.

Das ist einfach so typisch für viele BWL-Studenten, weil da die Möglichkeiten auch sehr offen sind. Man sagt sich so: „o.k. ich weiß einfach nicht, was ich eines Tages machen möchte, in welche Richtung es gehen soll, deshalb studiere ich mal BWL, da werde ich schon was finden.

Zum Glück hatte ich von Kind an schon eine gewisse Affinität zur Mode und dementsprechend habe ich mich dann auch zu meinen Studienzeiten entschlossen, ein Praktikum bei einer Modelagentur zu machen und habe da meine Richtung gefunden.

Michaela Boland:

Deine deutschen Attribute hebst du im Buch sehr hervor. Warum ist dir das so wichtig?

Peyman Amin:

Für sich selber ist es ein Statement, wenn man so ein Buch schreibt. Man möchte seine eigene Identität auch finden. Es gab Phasen in meinem Leben, also, ich würde nicht sagen, dass ich mich Heimatlos gefühlt hätte, aber wo man sich die Frage stellt, bin ich jetzt eher persisch oder deutsch?

Aber nach so vielen Jahren und gerade auch nach meiner Zeit in Paris, nach diesen zwölf Jahren dort, habe ich meine Identität gefunden, wo ich einfach sagen kann, ich fühle mich eher .deutsch als alles andere. Ich wurde ja bei IMG als der deutsche Booker eingestellt.

Ich habe mich ja ursprünglich nur um den deutschen Markt gekümmert. Und ich wurde von den Franzosen eindeutig als Deutscher angesehen und musste mich beschimpfen lassen als wäre ich ein Deutscher. Diese typischen Vorurteile, die die Franzosen halt gegenüber den Deutschen haben.

Michaela Boland:

Etwa immer noch wegen des uralten deutsch französischen Kriegs von 1870/71?

Peyman Amin:

Richtig, seit dem ersten Weltkrieg schon.

Michaela Boland:

Nun, das wäre noch ein wenig später gewesen.

Peyman Amin:

Ja, aber gerade seit dem ersten Weltkrieg entstand auch die Bezeichnung „Schpountz“. Keiner kann mir erklären, was das bedeutet, aber es scheint eine Beleidigung gegenüber den Deutschen zu sein.

Die Franzosen nennen die Deutschen Schpountz und ich war der Schpountz im Pariser Büro. Und gleichzeitig habe ich das aber auch als Herausforderung angesehen, das Bild des Deutschen ein bisschen zu verbessern dort. Und ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass ich sagen kann, als ich Paris verlassen habe, sind einige Tränen geflossen.

Michaela Boland:

Wie ist das für deinen Vater, von dem du schreibst, dass ihm die Pflege bestimmter persischer Traditionen wichtig ist, wenn du auch dein Deutschsein hervorhebst? Stellt das ein Problem für ihn da?

Peyman Amin:

Nein, das hat er mittlerweile auch akzeptiert und respektiert. Wenn ich sage, ich fühle mich als Deutscher, das soll nicht heißen, dass ich mein Herkunftsland total in Vergessenheit geraten lasse und jegliche Tradition in die Schublade stecke und damit abschließe.

Nein, im Gegenteil, also ich finde, man sollte durchaus entsprechende Traditionen pflegen und das tue ich auch gerne. Natürlich aber auch im Sinne meiner Eltern, ihnen ist es natürlich wichtig, dass das irgendwo auch weiter vererbt wird, dass es also nicht irgendwie untergeht im Stammbaum.

Michaela Boland:

Etwa so etwas wie das persische Neujahrsfest im Frühling?

Peyman Amin:

Ja, Norus. Absolut. Das ist aber etwas Schönes. Es soll aber nicht heißen, dass ich mich eher persisch fühle als deutsch.

Michaela Boland:

Sprecht ihr zu Hause denn persisch oder deutsch?

Peyman Amin:

Ja, persisch. Das finde ich auch schön, sonst hätten wir Kinder die Sprache verlernt.

Michaela Boland:

Warst du seit deiner Kindheit tatsächlich nie wieder in Teheran?

Peyman Amin:

Nein, ich war definitiv nicht mehr dort. Meine ganze Familie nicht bis auf meine Mutter. Meine Mutter ist vor zehn oder zwölf Jahren mal für einen Monat zurückgereist, weil sie die Gräber meiner Großeltern, mütterlicherseits, besuchen wollte.

Die sind beide verstorben als wir schon in Deutschland waren und es war absolut verständlich, dass sie dann dieses gewisse Restrisiko auf sich genommen hat für diesen Zweck.

Michaela Boland:

Deine Mutter scheint ohnehin eine sehr engagierte und vor allem couragierte Frau zu sein, wie du im Buch beschreibst. Als dein Vater bereits als erster das Land verlassen hatte, musste sie mit euch drei Kindern die Flucht nach Deutschland mehr oder weniger allein bewerkstelligen?

Peyman Amin:

Ja, auch im Zusammenhang mit meinem ältesten Bruder, der das Down-Syndrom hat.

Michaela Boland:

Wie alt ist dein Bruder, Omid, heute?

Peyman Amin:

Omid ist vier Jahre älter als ich, er ist im Juli 1967 geboren, also er wird 43.

Michaela Boland:

Kannst du eigentlich persischen Reis kochen, der so schön kross ist?

Peyman Amin:

Ja, das kann ich. Da gibt es ja im Iran, oder mittlerweile auch hier, so Reiskocher.

Michaela Boland:

Ach so, Reiskocher.

Peyman Amin:

Ja, ja, aber diese Reiskocher, die sind sogar im Iran gemacht. Das ist ganz ganz praktisch. Das kannst du hier im Markt gar nicht kaufen. Das sind Töpfe, die in so einer Schale sind, die ihrerseits unten erhitzt werden. Hin und wieder mache ich das auch, aber meistens fehlt mir einfach die Zeit. Außerdem, Reis allein kann man ja nicht essen.

Michaela Boland

Gibt es dazu nicht die Möglichkeit, joghurthaltige Creme mit Salatgurke zu servieren? Jedenfalls kenne ich das so von Freundin Firouzeh aus Teheran.

Peyman Amin

Das ist mehr eine Vorspeise. Übrigens, meine Mutter kann natürlich super kochen.

Michaela Boland:

Deine Eltern leben noch in Hessen?

Peyman Amin:

Genau, im Raum Frankfurt. 

Michaela Boland:

Wie geht es nun beruflich bei dir weiter? Gerade wurde die Model WG auf Pro 7, bei der du als „Hebergsvater“ Gastgeber warst, abgedreht. Hast du jetzt „Blut geleckt“? Gibt es eine Fortsetzung von der Model WG?

Peyman Amin:

(Lacht) Blut geleckt? Das ist nicht meine Kernkompetenz, Fernsehen. Das war auch ein Anliegen von mir, dass das im Buch deutlich wird. Das ist so gekommen mit dem Fernsehen und die Model WG habe ich gemacht und es hat Spaß gemacht. Es ist angedacht, dass es eine zweite Staffel geben soll.

Michaela Boland:

Wird es denn weitere Bücher von dir geben?

Peyman Amin:

Durchaus. Da habe ich Blut geleckt. Da habe ich wirklich Blut geleckt. Es macht sehr viel Spaß. Wenn man ein Buch geschrieben hat und wenn man das Endergebnis dann sieht und liest und sich damit befasst und wenn man befragt wird, dann merkt man erst, welchen Zweck das Ganze erfüllt, nämlich, dass man durchaus auch einfach etwas zu erzählen hat

Ich habe viel erlebt, wie man in dem Buch sieht. Ich finde es schade, wenn einige Redakteure oder Reporter das auf Germany`s Next Topmodel reduzieren. Ich habe mir jetzt keine Gedanken gemacht, was das nächste Thema sein könnte, aber ich könnte mir vorstellen, so etwas wie deutsch-französische Freundschaft oder Leben in Paris, der Alltag in Paris oder auch die USA.

Ich habe auch viel und sehr eng mit den amerikanischen Kollegen gearbeitet. Da lernt man einiges über die verschiedenen Kulturen und Länder.

Michaela Boland:

Du hast einen Cousin, namens Shahin, der in der Kindheit lange mit euch zusammen in Deutschland gelebt hat und jetzt in New York als Zahnarzt tätig ist. Besuchst du ihn häufig in den Staaten?

Peyman Amin:

(Strahlt). Der wird mich übrigens am 15. in München besuchen kommen. Das Spektakuläre ist ja, dass er bei uns aufgewachsen ist und dann ist er 1990 nach München gegangen, weil er dort einen Studienplatz in Zahnmedizin bekommen hat.

In München hat er dann Zahnmedizin studiert und ist vor 15 Jahren, also 1995, nach New York, um dort in der Notaufnahme des Bronx Hospital, eine Stelle anzunehmen. Er durfte gar nicht mehr in Deutschland bleiben, weil seine Aufenthaltserlaubnis nur auf seine Ausbildungszeit begrenzt war, dann musste er das Land verlassen.

Er hatte Glück, dass er diese Stelle in Amerika bekam und eine befristete Aufenthaltserlaubnis auch für Amerika erhielt. Aber dort hat er sich dann als angenehmer Immigrant bewährt und hat mittlerweile seine Greencard und bekommt hoffentlich in den nächsten Wochen seine amerikanische Staatsangehörigkeit.

Bis dato war es ihm nicht erlaubt, das Land zu verlassen, denn er hätte damit ein zu großes Risiko auf sich genommen, dass er nicht mehr einreist und dann hätte es wirklich zappenduster für ihn ausgesehen. Deshalb ist er dort geblieben und jetzt, da alles klar ist, kann er sich erlauben, einmal wieder her zu kommen.

Er freut sich natürlich ungemein und ich selbstverständlich auch. Ich werde ihm den roten Teppich am Flughafen ausrollen, wenn er kommt. Er ist wie der kleine Bruder, den ich nie hatte. Er ist drei Monate jünger als ich und ich habe ihn sehr sehr lieb. Ich habe mir die ganze Woche, in der er da ist, frei genommen.

Er wird in München landen, dann werden wir zusammen mit dem Auto nach Frankfurt fahren und meine Eltern besuchen, meinen Bruder, Wafa, besuchen. Wahrscheinlich sogar, wenn ich Tickets bekomme, zum Pokalfinale nach Berlin fahren.

Shahin ist nämlich auch großer Bayern-Fan. Er hat alle Bayern-Spiele von New York aus live verfolgt. Es gibt also viele Dinge, die uns verbinden. Mein Cousin ist übrigens auch sehr Mode - affin.

Michaela Boland:

Das liegt also in der Familie?

Peyman Amin:

Ja, er kennt sich super gut mit Mode aus. Gerade, was Männermode angeht. Viele Tipps, die ich für die Shopping-Tour in New York gegeben habe, hatte ich von ihm erfahren. Ich habe ihn ja sehr oft in New York besucht und jedes Mal sagte er, lass uns mal hierhin oder lass und mal da hin gehen. Er kennt sich wunderbar aus in New York.

Michaela Boland:

Du hast übrigens hyper schöne Zähne. Das liegt aber doch wohl nicht an Cousin und Zahnarzt Shahin, den du häufig besucht hast ,oder?

Peyman Amin:

Dankeschön, danke. Ich habe sie gut gepflegt.

Michaela Boland:

In diesem Sinne, in der Hoffnung, dass du dich niemals durchbeißen musst, sondern, dass die Zukunft dir weiterhin viel Glück bereiten möge. Vielen Dank für dieses schöne und amüsante Interview, alles Gute, Peyman Amin. 

Peyman Amin ist ein deutscher Modelagent, Ex- Castingshow-Juror, Moderator und Buchautor. Er wurde am 30. März 1971 in Teheran geboren und besitzt ebenfalls die persische (iranische) Staatsbürgerschaft. Bekannt wurde er 2006 als Jury-Mitglied an der Seite von Model Heidi Klum in der Pro 7 Show “Germany`s Next Topmodel“, in welcher er vier Jahre lang mitwirkte.

2010 moderierte er bei Pro 7 das Spin -Off von Germany`s Next Topmodel mit dem Titel „Die Model-WG“. Nach dem Abitur studierte Amin zunächst Betriebswirtschaftslehre und verließ die Universität nach dem Vordiplom, um 1994 seine Laufbahn als Modelagent bei der Agentur „Frankfurt One“ zu beginnen.

Drei Jahre später wechselte er zu der weltweit vertretenen Agentur „IMG Models“ nach Paris. Er betreute u.a. Models wie Heidi Klum, Gisele Bündchen, Naomi Campbell, Laetitia Casta und Milla Jovovich. 2008 kündigte er bei IMG Models Paris, um sich neuen Projekten zu widmen.

Eins davon ist sein aktuelles Buch: „Der Modelmacher – ungeschminkte Ansichten“. Derzeit lebt er in München. Peyman Amin hat noch zwei ältere Brüder, Omid und Wafa Amin.

Infos unter:

www.peyman-amin.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Peyman_Amin

Buch: Peyman Amin: Der Modelmacher: Ungeschminkte Ansichten / Heyne Verlag

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie durch die Sommer-Open-Air-Show „Hollymünd“ des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Auf 3-Sat moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“. Außerdem war sie Gastgeberin der ARD-Vorabendliveshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und Reporterin des Regionalmagazins „Guten Abend RTL“ lieferte sie spannende Reportagen aus ganz NRW. Außerdem stand sie als Moderatorin der Casino-Show „Casinolife“ für TV NRW jeden Freitagabend vor der Kamera.

Für Viva Plus produzierte sie darüber hinaus die Call-TV-Sendung „Call4Cash“ Boland arbeitet auch als Synchron- und Hörspielsprecherin. Für die Gesellschaft Freunde der Künste betreut Michaela die Rubriken „Exklusivinterview“ und „Porträt des Monats“.

 

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23.04.2010 für Meinungsmacher und Prominente

GFDK - Michaela Boland

Köln. Seit August 1999 ist er die Kommunikations-plattform für Journalisten und Entscheider aus Industrie und Politik, für Meinungsmacher und Prominente in Köln und Umgebung: Der KOELNER Medientreff.

Einmal pro Monat findet er statt.

Am 19.April war es erneut soweit: Im Gaffel am Dom trafen sich in lauschigem Ambiente über 400 Medienschaffende und unter ihnen wohl auch solche, die sich dafür halten. Das nette Get Together , das als Business to Business Kommunikation nur allzu gern genutzt wird, bot, wie gewohnt, reichlich Gelegenheiten:

Zum einen, sich unter zahlreichen Promis zu tummeln oder angeregte Gespräche mit Geschäftspartnern und solchen, die es noch werden sollen, zu führen, zum anderen, sich am üppigen und nicht minder deftigen Gastmahl gütlich zu tun. Location-Gastgeber „Gaffel am Dom“ hatte sich nicht lumpen lassen und mit einem reichhaltigen warme –Speisen-Angebot aufgewartet, das sich sehen lassen konnte.

Neben Reibekuchen, Frikadellen, Currywurst, Pommes und Würstchen, gab es sämtliche Gemüsesorten, sowie alles, was die typisch kölsche Brauhausküche ansonsten noch herzugeben hat, selbst raffinierte Nachspeisekreationen. Initiator und Organisator Michael Busemann zeigte sich hinsichtlich der gelungenen Veranstaltung recht zufrieden.

Als er den Treff einst ins Leben rief, habe er den Schwerpunkt im Gegensatz zu solchen Events, die ausschließlich Prominente versammeln wollten, darauf gelegt, Menschen aus dem Daily-Business einen „Marktplatz“ zu bieten. Mittlerweile sei die Veranstaltung sozusagen zum „Crossover-Event“ avanciert:

Vertreter aus Medien, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft treffen hier aufeinander. Unter den zahlreichen Gästen gesichtet: Ex-Bayer AG Unternehmenssprecher Meinolf Sprink (heute ist der gelernte Speditionskaufmann und Diplom-Betriebswirt in der Direktion des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen tätig und zeichnet als Leiter der Abteilung für die Bereiche Kommunikation, Marketing und Services verantwortlich).

Außerdem zugegen: Talkmeister-Eminenz Hans Meiser in Begleitung einer schönen Unbekannten und Ex-1.FC. Köln-Star Matthias Scherz, der sich angeregt mit Jörg-Kachelmann-Anwalt Prof. Dr. Ralf Höcker (Lexika der Rechtsirrtümer) unterhielt.

Ob sich die beiden über den Start von Höckers neustem TV-Highlight „EINSPRUCH! Die Show der Rechtsirrtümer“ (voraussichtlicher Sendestart am 24.07.2010 bei RTL) mit der gefallenen und wieder aufgestandenen, vom ZDF „begnadigten“ Moderatorin, Andrea Kiewel „Kiwi“ austauschten, ist nicht bekannt. EXPRESS-Lebend-Legende ZIK durfte an diesem Abend nicht fehlen.

Anlässlich seines bald 30-jährigen Dienstjubiläums lud der über die Grenzen der Stadt weit bekannte Zeitungsfotograf Medientreff-Gastgeber Busemann vorsorglich schon jetzt zur geplanten Mega-Sause in wenigen Wochen ein.

Fernsehmoderatorin Biggi Lechtermann und Schauspieler Herbert Meurer („Forstinspektor Bucholz“) mit Gattin Annelie (Malerin) genossen den Abend ebenso wie Heidi-Klum-Papa Günther.

BRINGS-Front-Sänger, Peter Brings („Superjeilezick“), präsentierte seinen neuen Kurzhaarschnitt, was Ex-„Verbotene Liebe “- und „Die Anrheiner“- Schauspieler, Andreas Stenschke (führt heute Regie bei „Alles was zählt“, RTL) in großes Erstaunen versetzte.

Gemeinsam mit Schauspielkollegin Yvonne de Bark (spielte Dr. Pia Lassner bei „Unter uns“, RTL) und dem amerikanischen „Denver Clan“- Autoren Michael Russnow (arbeitete außerdem als Drehbuchautor für: „Die Waltons“, „Unsere kleine Farm“, „Die Straßen von San Francisco“ und „Unter der Sonne Kaliforniens“/ „Knots Landing“) rätselte der ehemalige Teenieschwarm über die Beweggründe des Kölner Sängers, seine einstige „Löwenmähne“ zu opfern.

Rohstoffhändler Magnus Bürger kam in Begleitung seines Kölner Arbeitsrechts- Anwaltes Dr. Ludwig Linkens (Dr. Klocke & Dr. Linkens). Mit Mama-Buch-Autorin Yvonne de Bark unterhielt sich der attraktive Geschäftsmann lange übers Thema Fernsehen.

Auch Jürgen-Drews-Manager Kurt Kokus freute sich, auf dem Medientreff Kollegen und alte Bekannte wieder zu sehen. Auf die Frage, ob Schützling Jürgen Drews derartige Veranstaltungen meide, antwortete der Manager: „Im Gegenteil, wenn er in der Gegend wäre, wäre er sicherlich gerne vorbei gekommen.“

Gemeinsam mit Promi-Fotograf Guido Ohlenbostel gab es für den Schlagerstar-Manager am Abend viel zu lachen.  Der Medientreff solle zum Schaffen von Netzwerken genutzt werden, heißt es von der in der Domstadt ansässigen Public Relations Agentur „DIE KOELNER“.

Daher werde auch bei den Medientreffs weitgehend auf Sitzmöglichkeiten oder Musik im Hintergrund verzichtet. „Ziel ist es, immer wieder umherzulaufen und mit möglichst vielen interessanten Gesprächspartnern in Kontakt zu kommen“, meint Johannes Keil von „DIE KOELNER“.

Bei Gaffel Kölsch, -Fassbrause, Aperol Sprizz, Sekt und Wein ist dies beim letzten Medientreff sicherlich hier und da mit einer gewissen Leichtigkeit vonstatten gegangen.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

Ab Mai 2010 wird Michaela Boland die neue Kolumne - mit lebhaften Geschichten rund um die Kölner Medientreffs ins Leben rufen.

Abbildungen

Michaela Boland,Günther Klum, Yvonne de Bark

Guido Ohlenbostel und Kurt Kokus

ZIK und Michael Busemann

Herbert Meurer und Annelie Meurer

Magnus Bürger und Dr. Ludwig Linkens

Prof. Dr. Ralf Höcker und Matthias Scherz

Michael Russnow, Yvonne de Bark, Andreas Stenschke

 

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21.04.2010 weltweit mit begeisterter Resonanz aufgenommen

Hasko Witte - 1 Bild

Matthias Kirschnereit zählt heute zu den führenden deutschen Pianisten seiner Generation. Seine Einspielung sämtlicher Klavierkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts zusammen mit den Bamberger Symphonikern zum Mozartjahr 2006 wurde weltweit mit begeisterter Resonanz aufgenommen.

Ebenso erfolgreich ist die Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Mendelssohn-Bartholdys mit der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter Frank Beermann, die 2009 anlässlich des 200. Geburtstags Mendelssohns erschienen ist.

Neben den Klavierkonzerten Nr. 1 und 2 ist darauf auch die Welt-Ersteinspielung des rekonstruierten dritten Klavierkonzerts e-moll zu hören (Fassung: Larry Todd).

In der Kategorie »Welt-Ersteinspielung des Jahres« wurde diese Aufnahme mit dem ECHO Klassik 2009 ausgezeichnet. Bereits die Erstaufführung des Klavierkonzerts Nr. 3 beim Bad Kissinger »Winterzauber« Anfang 2009 war ein umjubelter Erfolg.


Bisher hat Matthias Kirschnereit mehr als 20 CDs aufgenommen. Darunter sind eine Einspielung früher Klavierkompositionen Johannes Brahms, Schumanns Fantasie op. 17 sowie eine Werkauswahl Mendelssohn-Bartholdys besonders erwähnenswert.


Seine großen Erfolge u. a. beim Deutschen Klavierwettbewerb in Bonn, beim Internationalen Concours Géza Anda in Zürich sowie beim Internationalen Australischen Klavierwettbewerb in Sydney markierten den Beginn seiner Konzerttätigkeit, die ihn mittlerweile auf alle fünf Kontinente geführt hat.

Europäische Spitzenensembles wie das Tonhalle Orchester Zürich, das Residentie Orkest Den Haag, die Bamberger Symphoniker, die Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und Leipzig sowie die St. Petersburger Philharmoniker luden ihn als Solisten ein.

Als bei Publikum wie Orchestern gleichermaßen beliebter Solist, verbindet Matthias Kirschnereit außerdem eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Orchestern in den USA, Japan und weiteren asiatischen Ländern. Dabei gehören Dirigenten wie z. B. Y. Temirkanov, C. Hogwood, R. Kofman, M. Sanderling, C. St. Clair und J. v. Zweden zu seinen Partnern.


Die Saison 2009/10 beginnt mit internationalen Gastspielen, wie z. B. beim Pacific Symphony Orchestra in Los Angeles und beim National Symphony Orchestra in Taipeh. Anlässlich der Jubiläumssaison des Kammerorchesters C.P.E. Bach folgt er im Anschluss einer Einladung in das Konzerthaus Berlin.


Als gern gesehener Gast konzertiert Matthias Kirschnereit regelmäßig bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, beim Schleswig-Holstein Musik Festival, dem Klavierfestival Ruhr und der Schubertiade Feldkirch.

Dabei liebt er das Kammermusikspiel, das ihn immer wieder mit Künstlern wie Christian Tetzlaff sowie dem Szymanowski Quartet und dem Vogler Quartett zusammenführt.


Mit Nicola Jürgensen (Klarinette) und Volker Jacobsen (Viola) gründete er 2004 das Trio Mirabeau. Matthias Kirschnereit ist seit 1997 Professor an der neu gegründeten Hochschule für Musik und Theater Rostock. Viele seiner Studenten sind inzwischen Preisträger internationaler Wettbewerbe.

Der in Westfalen geborene Musiker wuchs in der Wüste Namibias auf und studierte an der Musikhochschule Detmold bei Renate Kretschmar-Fischer. Prägende künstlerische Einflüsse erfuhr er durch die langjährige Verbindung mit Claudio Arrau, Bruno Leonardo Gelber, Oleg Maisenberg und Murray Perahia.

Die intensive Zusammenarbeit mit Sandor Végh und der Camerata Academica Salzburg hatte insbesondere für sein Mozartverständnis nachhaltige Bedeutung.

Matthias Kirschnereit über seine neue Aufnahme SCENEN

Es ist das Klavier, mit dem Robert Schumann die Bühne seines künstlerischen Schaffens betritt, und wenige Tage vor Einlieferung in die Nervenheilanstalt wieder verlässt. Dabei spielt zeitlebens das kurze, scharf umrissene Charakterstück eine dominierende Rolle.

Hier konnten Schumanns unterschiedliche, sich teils widerstrebende Seelen  (allen voran der träumerisch poetische EUSEBIUS und der wilde, auffahrende FLORESTAN) auf engstem Raume mit  und nebeneinander wirken.

Hier fand er die Form, wo er Charaktere, Gemütszustände sowie Botschaften chiffrieren konnte. Literarisch Inspiriertes wie tatsächlich Erlebtes wurde in diesen Szenen zu teils völlig neuartiger und origineller Klangsprache geformt.

Das poetische Motto der C-dur Phantasie op.17  Durch alle Töne tönet, im bunten Erdentraum, ein leiser Ton gezogen, für den der heimlich lauschet (Fr. Schlegel) stellt für mich den Schlüssel zum Verstehen und vor allem Erleben der Musik Robert Schumanns dar.

Es ist die faszinierende Aufgabe des Interpreten hier im besonderen Maße, eben jenem leisen Ton nachzuspüren, sich auf das Abenteuer der Schumannschen Gedanken und Visionen einzulassen. Und auch im Jahr 2010, im Jahr des 200. Geburtstages des großen Komponisten, hat diese Seelenreise nichts an Aktualität eingebüßt.

Und es ist bewegend, nachzuempfinden, wie sich der Enthusiasmus, das jugendliche Ich-Gefühl, das Verliebtsein, die schroffen Extreme, die strahlenden Kreuz-Tonarten des frühen Schumann sich im Verlaufe seines Schaffens mehr und mehr abmildern, nach innen kehren  bis hin zu den erschütternden Geistervariationen.

Das Thema (im Mittelteil des Vogel als Prophet schon vage erahnt!) leise . innig vorzutragen, scheint teilweise still zu stehen. Die Variationen vermeiden starke Kontraste, der Kammerton A sorgt in der finalen Variation für schmerzvolle Dissonanzen, welche sich der Kontrolle zu entziehen scheinen. Musik, die aus der Welt zu fallen droht

Die CD enthält Schumanns Papillons (op. 2), Kinderszenen (op. 15), Waldszenen (op. 82) und Geistervariationen (WoO 24). Außerdem befindet sich das, erst im Jahr 2006 entdeckte, Schumann-Stück "Ahnung" auf der CD. Rechtzeitig zum 200. Geburtstag am 8. Juni gibt es also bisher Ungehörtes des Komponisten.

Konzerte 2010

22.04.2010 Beckum, Altes Pfarrhaus 
Recital mit Werken Robert Schumanns und Fredéric Chopins anlässlich des 200. Geburtstages der Komponisten

01.05.2010 Montréal, La Chapelle historique du Bon Pasteur 
Recital mit Werken Robert Schumanns und Fredéric Chopins anlässlich des 200. Geburtstages der Komponisten

08.05.2010 Kassel, Kasseler Musiktage 
Schumann Klavierquintett op. 44 mit dem Vogler-Quartett 

19.05.2010 Rostock, HMT, Festival Wien 1910 
Kammermusik mit Werken von Bruch und Mahler

23.05.2010 Bamberg, Schloss Seehof 
Mozart Klavierkonzert C-Dur KV 415 sowie Schumann Klavierquintett op. 44 mit dem Bamberger Streichquartett

03.06.2010 Hamburg 
Recital mit Werken Robert Schumanns und Fredéric Chopins anlässlich des 200. Geburtstages der Komponisten

05.06.2010 München 
Recital mit Werken Robert Schumanns und Fredéric Chopins anlässlich des 200. Geburtstages der Komponisten

06.06.2010 Heimbach, Kammermusikfest "Spannungen" 
Werke von Prokofjew

07.06.2010 Heimbach, Kammermusikfest "Spannungen" 
Werke von Schostakowitsch

10.06.2010 Heimbach, Kammermusikfest "Spannungen" 
Werke von Beethoven und Weinberg

13.06.2010 Heimbach, Kammermusikfest "Spannungen" 
Werke von Schubert und Mahler (Matinée)
Werke von Bruch und Schumann (Abendkonzert)

25.06.2010 Sanitz, Schwarze Scheune 
Benefizkonzert mit Werken Robert Schumanns und Fredéric Chopins anlässlich des 200. Geburtstages der Komponisten

26.06.2010 Landow (Rügen), Kammermusikfest (Festspiele Mecklenburg-Vorpommern)  

09.07.2010 Köln 
Schumann Klavierquintett op. 44 mit dem Verdi Quartett

10.07.2010 - 18.07.2010 
Bebersee Festival  

07.08.2010 Putbus (Rügen), Theater (Festspiele Mecklenburg-Vorpommern) 
Uraufführung des 2. Klavierkonzertes von Friedrich von Flotow (MDR-Sinfonieorchester, Leipzig, unter der Ltg. von Michael Sanderling)

08.08.2010 Hitzacker, Sommerliche Musiktage 
Fantasien von C.P.E. Bach, Mozart, Brahms u.a.

15.08.2010 Bayreuth, Villa Wahnfried 
Recital mit Werken von Schumann, Reger u.a.

16.08.-20.08.2010 Weiden i.d. Oberpfalz, Internationale Max Reger Tage 
Meisterkurs

21.08.-27.08.2010 Rostock, HMT 
Meisterkurs im Rahmen des Internationalen Sommercampus 2010 (in Zusammenarbeit mit den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und der Polnischen Kammerphilharmonie)

22.08.2010 Rostock, Nikolaikirche 
Schumann Klavierkonzert a-moll op. 54 mit der Polnischen Kammerphilharmonie (W. Rajski)

26.08.2010 Rostock, HMT, Kammermusiksaal 
Schumann Klavierquintett op. 44 mit dem Minguet Quartett

01.09.2010 Füssen 
Eröffnungskonzert des Festivals "vielsaitig", Schumann Klavierquintett mit dem Verdi Quartett

01.09.-09.09.2010 Füssen 
Meisterkurs für Klavier solo und Klavier-Kammermusik zusammen mit dem Verdi Quartett

03.09.2010 Füssen, Festival "vielsaitig" 
Kammermusik

05.09.2010 Füssen, Festival "vielsaitig" 
Recital

15.09.2010 Chemnitz, Stadthalle 
Schumannn Klavierkonzert a-moll op. 54 mit der Robert Schumann Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von GMD Frank Beermann

16.09.2010 Chemnitz, Stadthalle 
Schumannn Klavierkonzert a-moll op. 54 mit der Robert Schumann Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von GMD Frank Beermann

30.09.2010 Kühlungsborn, Kunsthalle 
Recital mit Werken von Mozart, C.P.E. Bach, Schumann, Lachenmann, Ginastera
 
02.10.2010 Tiefenbronn, Musikgalerie Voss 
Recital mit Werken von Mozart, C.P.E. Bach, Schumann, Lachenmann, Ginastera

06.10.2010 Leverkusen, Bayer Klavierzyklus 
Recital mit Werken von Mozart, C.P.E. Bach, Schumann, Lachenmann, Ginastera

07.10.2010 Wuppertal, Stadthalle (Bayer Klavierzyklus) 
Recital mit Werken von Mozart, C.P.E. Bach, Schumann, Lachenmann, Ginastera

09.10.2010 Rostock, HMT, Katharinensaal 
Benefizkonzert zugunsten der Young Academy Rostock (YARO) mit Werken von Mozart, C.P.E. Bach, Schumann, Lachenmann, Ginastera

03.11.2010 Hamburg, St. Michaelis 
Klavierwerke und Lieder von Robert Schumann zusammen mit Andreas Schmidt

25.11.2010 Würzburg, Internationales Bachfest  
 
27.11.2010 Bensheim 
Brahms Klavierkonzert Nr. 2 op. 83 mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen

29.11.2010 Reutlingen, Friedrich List Halle 
Brahms Klavierkonzert Nr. 2 op. 83 mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen

16.12.2010 Bonn, Beethovenhalle 
Ludwig van Beethoven, Chorfantasie op. 80 mit dem Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung von GMD Stefan Blunier

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