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Exklusiv Interviews

21.03.2010 Natürlich bin ich eitel. Ich möchte ihnen gefallen und anderen auch

Michaela Boland

Als Kulturchef und stellvertretender Fernsehdirektor des WDR förderte er TV-Persönlichkeiten wie Anne Will und Bettina Böttinger. Seit 2001 leitet er nach Dieter Kosslick erfolgreich die Filmstifung Nordrhein Westfalen. In wenigen Tagen beendet Michael Schmid-Ospach (MSO) nun seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Filmbudget-Finazierungsstätte in Düsseldorf.

Wie er fortan seine Zeit verbringen will, was er vermissen wird, wer ihn als Schildkröte des deutschen Fernsehens bezeichnete und warum er das Klima der letzten Berlinale als overbooked & undersexed betrachtet, verriet der charismatische Dreifachvater Michaela Boland.

Michaela Boland:

Sie haben sehr viel Zeit auf der Berlinale verbracht. Welche Eindrücke haben sie diesmal von dort mitgenommen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                         

Ich habe mehrere Kritiken über die Berlinale gelesen, die ich nicht ganz verstanden habe. Die Berlinale ist ein schönes Gegenstück zu den beiden anderen großen Festivals, die es etwas leichter haben, weil sie im Ansehen der Branche nie solche Tiefs wie die Berlinale hatten, und daher gibt es gar keinen Grund, sie unter Dieter Kosslick schlecht zu reden.

Es ist richtig, dass sie ein bisschen unübersichtlich ist, weil überall tausend Sachen los sind, aber ich empfand es als einen wunderbaren Whirlpool vieler spannender Filme.

Michaela Boland:   

Haben ihnen ausnahmslos alle Filme zugesagt, die sie sehen konnten?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                        

Darunter gab es auch welche, wie beispielsweise solche, mit Gewalt gegen Frauen von Regisseur Michael Winterbottom, mit denen ich persönlich überhaupt nichts anfangen kann.

Ich frage mich auch, wieso so etwas überhaupt ins Kino kommt oder auf ein Festival. Gewalt bei Lars von Trier finde ich dagegen nahezu zwingend und einleuchtend. Ich habe einige schöne Filme wahrnehmen können und mich in vielen Gesprächen sehr amüsiert.

Michaela Boland:   

Innerhalb der medialen Nachberichterstattung wurde zum Teil scharf kritisiert, dass es der 60. Berlinale dieses Mal deutlich an Glamour-Faktor gemangelt habe. Wie haben sie es empfunden?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                  

Ich glaube, den Vorwurf, die Berlinale sei nicht glamourös genug, gibt es eigentlich immer. Außerdem gibt es auch immer den anderen Vorwurf, Kosslick sei zu Star-orientiert. Beides ist richtig und falsch. Natürlich kann es gar nicht glamourös genug sein. Nur unmittelbar vor den Oscars die amerikanischen Weltstars nach Berlin zu bekommen, das ist ein Geschäft der ganz besonderen Art.

Man sieht ja, dass dazu auch unglaubliche Mengen an Geld notwendig sind, die eine Berlinale vielleicht nicht hat und nicht haben will. Man sieht es bei der Cinema for Peace-Initiative, die dann ihre Hollywood-Stars aufbietet, manchmal aber auch nicht.

Man sieht es ebenfalls bei der goldenen Kamera, wo auf einmal mit viel doppelter Währung, nämlich viel Bargeld und viel publizistischer Währung, große Stars eingeflogen werden, die dann da herum turnen.

Es ist für eine Stadt wie Berlin, die ja ohnehin den neuen Status, den sie in der Welt hat, nämlich einen ganz guten Zuzug aus allen Ecken der Erde, schwer, ein glamouröses Festival zu machen. Die Geschichten, auf die alle warten, also, wer mit wem jetzt gerade noch mal, kann ich auch nur begrenzt nachvollziehen.

Michaela Boland:

Stellt der Aufenthalt bei derartigen Filmfestspielen eigentlich harte Arbeit dar oder ist es nur mehr ein nettes „Get together“?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:         

Frau Boland, unterschätzen sie nicht das Get together. Ich finde, das gehört zum härtesten Stück Arbeit, was ich so kenne. Denn die Leute wollen etwas von einem, dauernd. Man will manchmal auch etwas von anderen.

Das hält sich aber schon sehr in Grenzen. Und dann ergibt sich dieser Stress, der darin liegt, dass einem unterschiedlich verrückte Leute dauernd Aufmerksamkeit und Energie abfordern und meist fordern sie einem mehr ab als man bereit ist, zu geben.

Michaela Boland:

Langeweile scheint offenkundig nicht aufzukommen?.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:           

Manchem Get together gehe ich aus dem Weg. Ich freue mich dann, wenn man für fast alle angesagten Partys Karten hat. Das ist so wie in dem Clooney-Film, wo man zeigen kann, welche besonderen Kreditkarten man besitzt. Wenn man dann auch noch das V.I.P.-Bändchen hat, um in besondere Bereiche vorzudringen, ist das unter der Rubrik `Status-Symbole` alles gut und schön, aber das muss ich manchmal nicht haben.

Vor allen Dingen, geht es häufig ja doch sehr in die Nächte hinein. Dann hat man am nächsten Morgen um 9.00 Uhr wieder ein Frühstücksgesprächsthema, was dem nächsten Jahr Cannes gilt oder dem übernächsten Jahr Venedig, oder aber es handelt sich, wenn es kurzfristig disponiert ist, auch schon mal um ein Frühstück, das genau in drei Monaten, nämlich in diesem Jahr in Cannes, eingelöst werden muss.

Das ist zu wenig Sauerstoff. Ein solches Klima würde man in amerikanischen Filmen als overbooked and undersexed bezeichnen. Sex ist natürlich weitergefasst zu verstehen als ich es jetzt sage, nämlich dahingehend, was die Freude dieser Welt insgesamt anbelangt.

Angefangen bei schönen Spaziergängen bis hin zu einem schönen Essen, denn selbst hierbei schlittert man unmittelbar in  Berufsangelegenheiten und wird abgelenkt von dem, was man gerade auf dem Teller hat.

Michaela Boland:      

Wann ist ihr letzter Tag in der Filmstiftung?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                          

Am 17. März.

Michaela Boland:

Was steht bis dahin noch alles an?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:           

Es ist alles ziemlich vollgepackt, sehr vollgepackt. Jetzt kommt noch der eine oder andere auf die Idee,“ wir wollten doch noch mal bevor sie..., und wir wollten doch noch ein ehrendes Mittag- oder Abendessen für sie geben“. Das Schwimmwasser läuft gerade voll.

Michaela Boland: 

Wie geht es anschließend für sie weiter oder setzten sie sich nun tatsächlich zur Ruhe?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Es werden viele interessante Einzelaufgaben sein, die mit der Branche, mit dem Journalistischen insgesamt zu tun haben. Da bin ich jetzt schon ganz fröhlich, was so alles gefragt wird. Ich werde zwar hoffentlich ein bisschen mehr Tennis spielen als bisher, doch mein Motto lautet einfach nur: „Slow Go“.

Und den Dingen, denen ich mich widmen will, werde ich mich unter weniger Zeitdruck widmen. Da freue ich mich auch richtig drauf. Ob das Bücher sind oder einfach nur mal in einem Straßencafe zu sitzen und die Zeitung zu lesen oder, ob das mal etwas zu Kochen sein wird.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:        

Was kochen Sie so?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Ich kann nur ein paar wenige Sachen gut. Maultaschen.

Michaela Boland:    

Noch haben sie einige Tage hier vor sich. Wie muss man sich einen typischen Arbeitsalltag des Filmstiftungsgeschäftsführers vorstellen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Der Arbeitsalltag hat mit dem Geschäft hier zu tun. Und das Geschäft besteht darin, dass hier Menschen, also Film- und Fernsehproduzenten kommen und für ihre Projekte Unterstützung wollen. Auch geht es um eine ordentliche Beratung, was man noch tun könnte. Sie kommen also her, manchmal auch zu mir.

Dann kommt dann Til Schweiger oder Götz George und sagt,: „lies das Drehbuch bitte“, und ich sage, „ ich lese keine Drehbücher, aber ich gebe das Drehbuch ins Lektorat und lasse es lesen und beurteilen“. Dann haben wir hier die Produktionsabteilung, die die Anträge prüft.

Das ist das Kerngeschäft, wie man so hübsch sagt. Zu diesem Kerngeschäft gehört dann auch am Ende die Kinopremiere oder der große Festival-Auftritt oder auch das Abstürzen am Markt. Alles mit drin.

Und rund um diese Dinge drapiert sich mein Arbeitstag, z.B. mit Telefonaten zu Projekten, die vor drei Jahren bereits abgewickelt wurden, zu Projekten, die in zwei Jahren erst begonnen werden usw.

Michaela Boland:

Ab welchem Stadium eines Projektes, das hier im Hause behandelt wird, sind sie dann persönlich involviert?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Selten. Ich schalte mich selten ein. Ich rufe auch nicht die Leute an und sage: Herzlichen Glückwunsch, sie kriegen eine Million Fördermittel, sondern ich hebe mich selbst ein bisschen für die schwierigen Fälle auf.

Michaela Boland:       

Welche würden sie als solche bezeichnen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:            

Schwierig ist es immer, wenn es kompliziert wird, wenn Fälle also nicht normal lösbar sind. Und manchmal bin ich natürlich auch gleich aus Höflichkeit gegenüber denen involviert, die schon mit einer großen Leistung kommen und sagen, sie möchten gerne mit mir sprechen. Die möchten dann natürlich die Nummer Eins haben von so einem Laden und nicht irgendwen.

Da kann ich zehn mal sagen, sie sind bei meinem Mitarbeiter noch besser aufgehoben als bei mir. Sie haben dann das Gefühl, sie könnten mit mir „verbindlicher“ sprechen.

Gut, das mache ich dann. Ich halte jedoch immer für das Sachdienlichste, wenn die Dinge erst mal dahin kommen, wo die Fachleute sitzen. Die gucken es sich an, die stellen bestimmte Fragen, z.B., “wie wollen sie das denn ins Kino bringen und wie bekommen sie denn das und das an Geld noch zusammen, und haben sie denn auch die Fernsehauswertung bedacht?

Was ist denn, wenn sie die Schauspielerkonstellation XY nicht kriegen“, u.s.w. Es ist, wenn man so will, ein erster TÜV, der hier für einen Film statt findet.

Michaela Boland:

Was werden sie am meisten vermissen, wenn sie gehen?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:             

Och, ich weiß nicht. Ich habe ja für den WDR an unterschiedlichen Plätzen noch länger gearbeitet. Von daher ist mir die Länge nicht so aufgefallen. Ich werde Menschen vermissen. Filme muss ich ja nicht vermissen, denn ich kann ja ins Kino gehen, ich kann DVDs gucken, ich schaue Fernsehen.

Aber Menschen, mit denen man beruflich Kontakt hat, da werde ich den einen oder anderen vermissen. Bei dem einen oder anderen, das zeichnet sich jetzt schon ab, sind die Kontakte so gut, dass es auch danach zum gemeinsamen Essen oder Trinken kommen wird.

Michaela Boland:   

Würden sie bei ihrem Werdegang von einer Traumkarriere sprechen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Also, mir käme bei mir nicht“ Traumkarriere“ in den Sinn. Schließlich gibt es ja auch deutlich sozusagen Karriereknicks in meiner beruflichen Entwicklung.

Michaela Boland:    

Sie beziehen sich auf die ursprünglich bereits eingetütete Intendanz bei Radio Bremen?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:        

Ich bin zum Intendanten von Radio Bremen gewählt worden und es war alles verhandelt. Das konnte ich dann aus gesundheitlichen Gründen nicht machen. Dies ist sicher keine Traumentwicklung. So etwas lässt sich auch nicht planen. Man macht das, was man macht und versucht es gut zu machen.

Dann hat man bei denen, die über die nächsten interessanten Jobs entscheiden, einen entsprechenden Ruf. Das ist relativ einfach. Also die Filmförderung hier zu übernehmen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. 

Michaela Boland:    

Wie kam es dann dazu?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:     

Ich hatte dem damaligen Intendanten, Herrn Pleitgen, damals als Dieter Kosslick nach Berlin ging, drei Menschen vorgeschlagen, die das hier machen könnten, denn ich war Vorsitzender des Aufsichtsrates der Filmstiftung. Dann hat Pleitgen gefragt, was ich denn mit den drei Leuten wolle, wir hätten doch schon den Besten.

Daraufhin fragte ich, der ich mich gerade im Urlaub in Portugal befand, wen er denn damit meine? Ich habe noch so herumgealbert als Fritz Pleitgen sagte, „ich komme gerade aus dem Kaukasus und habe einen Film gedreht“ und erwidert, „ und ich komme gerade aus dem Swimmingpool“.

Dann meinte er,“ jetzt mal im Ernst, MSO, was wollen sie denn mit diesen Dreien, wir haben doch den Besten, nämlich sie“. Ich fragte, „wie“?

Und er antwortete, „MSO, make a side stepp, gehen sie mal mit ihrer Frau am Strand spazieren und wenn sie nein sagen, ist es nicht schlimm, aber halten sie sich doch einmal so offen, dass sie einem alten Kollegen aufmerksam zuhören, wenn er ihnen sagt, warum es gut wäre, dass sie das machen, vor allem für den Sender und die Sache“.

Ich habe dann noch einmal eine ganz andere Welt kennen gelernt. Die Hälfte der Welt kannte ich gut über meine Verantwortung für Filme im WDR und bei ARTE, aber der Rest war neu für mich und das war sehr spannend.

Auch die Jahre vorher bei der Zeitung, wo ich Theaterkritiken geschrieben habe und u.a. ein Interview mit Otto Dix machen durfte, waren schön. Ich habe eigentlich immer ganz großes Glück gehabt, nämlich, dass es mir viel Spaß gemacht hat und dass ich immer faszinierende Sachen hatte.

Michaela Boland:     

Hat ihnen das Psychologiestudium zu irgendeinem Zeitpunkt einmal in ihrer beruflichen Laufbahn weitergeholfen?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Nein. Es war zwar ein ganz berühmter Psychologe, bei dem ich hören durfte, aber es war sehr kurz und ich habe das Studium ja abgebrochen. Was mir dann, als ich in Düsseldorf eine Professur bekommen habe, etwas irritierte Blicke eingehandelt hat.

Die Art, wie ich es abgebrochen habe, war auch interessant, weil ich eigentlich über die Theaterstücke der Else Lasker-Schüler promovieren wollte .Dann hat mir jemand gesagt, dass ich mit dieser Dissertation große Probleme haben würde, denn Lasker-Schüler gehörte dem germanistischen Zweig an und ich wollte meine Promotion am theaterwissenschaftlichen Institut ansiedeln.

Dann habe ich einfach gesagt, gut, dann mache ich ein Buch über Else Lasker-Schüler. Das war dann auch ein schöner Erfolg, zumindest in der publizistischen Beachtung. Was die Veränderung meiner universitären Karriere, die ich ja unterbrochen habe, anbelangt, so habe ich diese ja dann am Schluss mit Lehraufträgen wieder aufgenommen.

Michaela Boland:

Karriere ist insoweit wohl doch nicht dezidiert planbar?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:       

Man darf sich das nicht als eine gezielte Sache vorstellen, die man so entwickelt. Es hätte für mich auch in die Politik gehen können. Dass es das nicht ist, hatte ganz andere, private Gründe.

Beim Sender selbst habe ich relativ spät den Weg ins Fernsehen gefunden, Das hing damit zusammen, sehr früh von meinem ersten Intendanten eine Verantwortung im Fernsehen angeboten bekommnen zu haben, der ich mich nicht gewachsen fühlte.

Das war Friedrich Wilhelm von Sell. Dann hatte ich mit Claus von Bismarck zu tun, den ich als junger Journalist kennen und schätzen gelernt habe. Ich glaube auch sagen zu können, das war auf beiden Seiten der Fall. Meine WDR-Karriere ist deutlich länger als meine WDR-Zugehörigkeit.

Ich erhielt dann etwas angeboten, wo ich gesagt habe, das kann ich noch nicht, ich bin viel zu jung hierfür. Das hätte ich besser mal gemacht, weil ich dann einen ganz anderen Weg, sehr viel früher vor die Kamera gegangen wäre.

Später fand ich es dann nicht mehr so wichtig, eine Moderation zu übernehmen. Hierzu musste Fritz Pleitgen mich wirklich länger überreden, wie beispielsweise, den Kulturweltspiegel zu moderieren.

Michaela Boland:

Erinnern sie sich gerne an den WDR-Treff? In kaum einem Eintrag über sie im Netz wird mitgeteilt, dass sie die beliebte WDR-Sendung einst ebenfalls moderiert haben.

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Das ist eher Zufall. Ich habe hier ja das Gert-Ruge-Stipendendium gegründet. Zum 80-sten Geburtstag von Gert Ruge haben wir eine besondere Preisverleihung vorgenommen und da haben wir einen sehr schönen Zusammenschnitt eines WDR-Treffs mit Gert Ruge fertiggestellt.

Und von Gert Ruge bis Monika Piel, die dabei waren, haben sich alle kaputt gelacht. Inzwischen heißt ja sogar das jährliche große WDR-Get-Together der Intendantin „WDR-Treff“.

Der WDR-Treff war für mich eine spannende Erfahrung auch von den Leuten her, die ich dort kennen gelernt habe. Dass der WDR-Treff nicht so genannt wird, hat eigentlich mehr damit zu tun, dass meine TV-Karriere insgesamt nicht sonderlich herausgestellt wird .

Ich erlebe es heute noch, dass Leute im Museum zu mir sagen, „sagen Sie, haben sie nicht mal diese Kultursendung moderiert“, oder „ich höre ihre Stimme, woher kenne ich Sie“?. So etwas gibt es immer noch, obwohl das jetzt schon 10 Jahre her ist.

Mit dem WDR-Treff verbinde ich natürlich auch wunderbare Erfahrungen: Ein Hajo Friedrichs, der sich vor ihnen aufbaut und sagt, „ich schenke ihnen einen Tag meines Lebens“.

Da steht er da mit seinem weißen Haar, in seinem Trenchcoat und ich frage ihn, „und wieso das“? Dann guckt er mich streng an und antwortet, “ja, glauben sie, ich würde in dieses Gott verlassene Studio kommen, wenn es nicht jemanden gäbe, dem zuliebe ich das gerne täte“?

Michaela Boland:  

Was bedeutet ihnen Bildschirmpräsenz?

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

 

Ich habe auch Moderationen in Sondersendungen zum Nobelpreis für Grass oder ähnliches von der Buchmesse gemacht, sowie alle möglichen Kultur-Specials. Ebenso wie meine Regelsendung „Kulturweltspiegel“. Mich habe ich da aber als nicht so wichtig betrachtet.

Wenn ich mir im Moment so angucke, wie in der ARD die Kultursendung gemacht wird,, wie da jemand versucht, gar kein Moderator, sondern ein Star zu sein, dann finde ich das eher so grotesk, dass ich lachen muss.

Michaela Boland: 

Warum haben sie bei der Moderation des Kulturweltspiegels eigentlich häufig so böse dreingeschaut?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                       

Als ich für Radio Bremen als Intendant kandidiert habe, gab es eine Veröffentlichung der Süddeutschen Zeitung, in der stand „Die Schildkröte des deutschen Fernsehens“.

Dann hat der damalige Wissenschaftschef des WDR, Alfred Thorwarth gesagt:“ Herzlichen Glückwunsch, Schildkröten werden über 180 Jahre alt“ und das hat mich schon mal getröstet.

Anschließend hat mir meine kleinste Tochter gesagt, warum da Schildkröte steht, ich habe es nämlich nicht verstanden. Sie sagte: „Das ist ganz einfach. Du hast eine Unart im Kulturweltspiegel, denn du blinzelst immer so und Schildkröten blinzeln.“

Das Blinzeln kommt überdies daher, dass sich die Technik im Studio nicht sehr gut um ich gekümmert hat. Ich hatte immer einen Scheinwerfer, der frontal auf die Augen ging und deshalb habe ich geblinzelt.

Jeden Showauftritt würde man ordentlich ausleuchten, das hat man bei der Kultur ja gar nicht nötig, da wird man behandelt wie, weiß ich nicht was.

Ich habe die Zuwendung, die ich als Moderator hatte, sowohl durch den verantwortlichen Redakteur und später die Redakteurin als auch durch die Produktionstechnik immer als absolut lausig empfunden.    

Michaela Boland:  

Warum haben sie denn nicht einfach zum lichtsetzenden Kameramann gesagt: Hey, Manni, kannst Du mal bitte den einen Scheinwerfer richtig setzten?“

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Das tut man in eigener Sache ungern. Ich habe mich mehrfach beschwert, wenn man mit den mir anvertrauten Moderatoren, also Anne Will oder Bettina Böttinger so umgegangen ist. Aber für mich selbst nicht. Ich habe mal einen Anruf von Ulrich Wickert bekommen, der nach mir in der Sendung war.

Der sagte: Sag mal, was leuchten die dich da so schlecht aus, was soll denn das?“ Und dann habe ich das weiter gegeben. Irgendein hoher Produktionsverantwortlicher stimmte sogar zu.

Und ich fragte ihn, warum er es dann nicht ändere. Wenn es darum geht, die eigenen Interessen wahrzunehmen, ist man zurückhaltender.

Im WDR hieß es ja damals „Hierarch“ Es gibt Hierarchen, die ihre ganze Zeit darauf verwenden, ihren eigenen Auftritt im Fernsehen vorzubereiten. Das empfand ich immer als Missbrauch der Funktion.  

Denn entweder bin ich der Mann, der Ansager, Moderatoren und Redakteure disponiert und über wichtige Entscheidungen bestimmt, oder ich bin der Mann, der seine eigene Karriere vorantreibt. Das Letztere wollte ich eigentlich nicht sein.  

Michaela Boland: 

Wenn es nun einmal so blendet?.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

Ja, gut, es war ja nicht unerträglich und es wäre ja alles Aufgabe des Redakteurs gewesen, den ich da hatte oder der Redakteurin. Aber die haben sich für so etwas auch nicht interessiert.

Naja, ich beklage mich nicht, ich versuche nur zu erklären, dass mein partielles Desinteresse an diesem Thema „ich als Fernsehpersonality“ auch eine kleine Leidensstrecke ist. Ich hätte es ja ändern können.

Michaela Boland: 

Sie haben eine Titularprofessur inne. Was für eine Erfahrung stellt das Lehren für sie dar?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Diese Universitätsgeschichten waren für mich immer wie ein Stückchen Erholung und Jungbrunnen. Ich hatte immer außergewöhnlich spannende Studenten. Wunderbar. Von jedem Lehrauftrag, wo ich war, habe ich Menschen, mit denen ich auch heute noch zu tun habe, die auch zum Teil eine unglaubliche Karriere gemacht haben.

Raus aus dem Beruf und rein in eine andere Welt, in der es ganz andere Gesetze gab. Meist hatte ich mit jungen Leuten zu tun, nur bei meinem ersten Lehrauftrag an der FU Berlin waren die Studenten genauso alt wie ich.

Ich hatte die Möglichkeit, über mich selbst und meine Arbeit nachzudenken, das war der Erholungseffekt. Es war zeitlich immer gut kombinierbar weil es alle14 Tage im Rahmen eines Blockseminars von vier Stunden statt fand.  

Michaela Boland:   

Über welche Themen haben sie referiert?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

Unter anderem habe ich dann einfach über die Probleme, die mir auf dem Weg vom Fernsehen und einer relativ hohen Fernsehverantwortung, in eine Verantwortung für einen kleinen, doch ziemlich wichtigen Laden, begegneten, laut nachdenken können.

Alles, was mir so passierte. Das war spannend und das ist keine Sache des Geldes, denn von dem Honorar habe ich einmal alle Studenten zum Glühwein trinken eingeladen, da war das Honorar weg. Aber es war ein schöner Abend.

Michaela Boland: 

Wie eitel sind sie?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:

Natürlich bin ich eitel. Ich möchte ihnen gefallen und anderen auch. Das ist doch ganz klar. Aber es ist nicht so, hoffe ich, dass ich unerträglich eitel wäre. Ich glaube, dass eine gewisse Eitelkeit bei der Eigenliebe und der Selbstachtung, die hat ja schon erste Spuren von Eitelkeit aufweisen, anfängt..

Das Gegenteil ist, glaube ich, auch falsch, es ist genauso wie, einen ein Zuviel an Eitelkeit auch kaputt machen kann. Aber ich glaube, ich bin ein geliebtes Kind gewesen. Die Frauen, die mich erzogen haben, haben sich allerbeste Mühe damit gegeben.

Michaela Boland:

Sind sie noch häufig in ihrer Geburtsstadt, Heidelberg?  

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Nein. Geboren bin ich dort, das wars dann auch. Ich bin von Heidelberg, das war ja alles direkt nach dem Krieg, im zarten Alter von sechs nach Wuppertal verschlagen worden. Wenn sie als Fünfeinhalbjähriger Schwäbisch reden und werden auf einen Schulhof in Wuppertal gesetzt, können sie gar nicht schneller Hochdeutsch lernen?

Michaela Boland:

Wurden Ihnen Prügel angedroht?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:  

So etwas, ja.

Michaela Boland:     

Vermögen Sie es denn heute insgeheim trotzdem noch, Schwäbisch zu schwätzen?

MSO: 

Heilichs Blechle! (Anm. d. Red.: Heilig`s Blechle ist eine schwäbische Redewendung zum Ausdruck des Erstaunens)   Michaela Boland:         Na, das ist doch schon einmal etwas.

MICHAEL SCHMID-OSPACH:      

Bei mir ist das so, ich kann jetzt nicht aus dem Stand groß etwas reden. Ich kann ihnen lauter Geschichten erzählen von meiner Oma in Pforzheim, von meiner Tante in Freudenstadt:

Bub, möchtesch noch ä Säftele? U.s.w. Ich kann ihnen erzählen, dass zu meinen Lieblingsgerichten der geriebene Kartoffelsalat gehört. Maultaschen. Wenn ich aber dahin komme, dann merke ich, wie diese Sprache zunächst vom Singsang her von mir Besitz ergreift.

Michaela Boland: 

Was haben Ihre Eltern beruflich gemacht? Gab es womöglich eine familiäre „Disposition“ für ihren medialen Werdegang?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:                       

Mein Vater war Neurochirurg und meine Mutter war Kinderärztin. Ich habe viele Ärzte in der Verwandtschaft, eine Journalistin, meine jüngste Tochter, und meine älteste jetzt auch.

Eigentlich hat sie Medizin abgeschlossen und jetzt hat sie Filme über Prostatakrebs und Schmerztherapie gemacht und ein Buch über Schwangerschaften ab 35 geschrieben.

Mein Bruder war Arzt. Da ist insoweit nichts journalistisches angelegt. Mein Vater hat mit Hermann Hesse(*02.07.1877 in Calw) gerne korrespondiert. Das lag am gemeinsamen Geburtsort. Mein Vater hatte zwar schon ein Verständnis für journalistische Dinge, denn er hat viel publiziert.

Michaela Boland:   

Mit Else Lasker-Schüler, einer deutschen Dichterin jüdischen Glaubens haben sie sich recht intensiv beschäftigt. Sie waren auch Mitglied der Else Lasker-Schüler Stiftung. Welchen Hintergrund hatte das?

MICHAEL SCHMID-OSPACH: 

Ich war da drin und dass diese Gesellschaft so einen Aufwind hatte, hat sicherlich ein bisschen etwas mit mir zu tun. Weil ich 1969, zum letzten Geburtstag von Else Lasker-Schüler ein Buch herausgegeben habe, was eigentlich den Mann, der die Lasker-Schüler-Gesellschaft managt, Hajo Jahn, sehr motiviert hat.

Ich habe damals ein Pamphlet gemacht für ein anderes Bild auf diese Dichterin, auf diese Frau, die eine sehr emanzipierte Frau im Kaiserreich war und der viel Unrecht geschehen ist. Hajo Jahn hat damals gesagt, dass ich dass Lasker-Schüler-Bild in Deutschland neu definiert habe.

Michaela Boland: 

Woher kam das ursprüngliche Interesse an dieser Frau?

MICHAEL SCHMID-OSPACH:   

Ich war ein ganz junger Journalist in Wuppertal und in dort war sie geboren. Von daher war das naheliegend und ich habe sie sehr entdeckt und habe mich dann nicht nur mit der Lyrik und den drei Theaterstücken beschäftigt, sondern fasziniert hat mich eine leidenschaftlich liebende Frau, eine leidenschaftlich kämpfende Frau, eine wunderbare Frau, die ich gerne kennen gelernt hätte.

Es ist ja heute noch mutig, die Frau hat schon sehr früh zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesagt, „wer der Vater meines Kindes ist, geht niemanden etwas an“.

In einer Gesellschaft, siehe Effi Briest, wo Frauen, die sich so aufgeführt haben, geächtet und in den Selbstmord getrieben wurden, da ist sie in Jeans und Pudelhosen über den Kudamm gelaufen. Und es war natürlich auch eine wunderbare Künstlerfrau des literarischen Expressionismus in Deutschland.

Michaela Boland:

Herr Schmid-Ospach, für ihre Zukunft alles Gute und vielen Dank für dieses Interview  

MICHAEL SCHMID-OSPACH wurde am 29.08.1945 in Heidelberg geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Wuppertal und studierte ab 1964 Germanistik, Theaterwissenschaften und Psychologie in Köln. Als Redakteur der Westdeutschen Rundschau leitete er anschließend das Ressort Feuilleton in Wuppertal.

Für die Zeitschrift „epd/Kirche und Rundfunk“ arbeitete er darüber hinaus als stellvertretender Redaktionsleiter in Frankfurt am Main. 1974 wurde Michael Schmid-Ospach medienpolitischer Berater des NRW-Ministerpräsidenten Heinz Kühn in Bonn.

1977 übernahm er dann die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des WDR bis er in 1990 die stellvertretende Fernsehdirektion des Senders sowie die Leitung der Hauptabteilung „Zentrale Aufgaben“ angeboten erhielt.

Ab 1992 war Schmid-Ospach dann auch ARTE-Beauftragter des WDR sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates der Filmstiftung NRW. Darüber hinaus war er auch als Programmbereichsleiter „Kultur und Wissenschaft/ Fernsehen“ tätig. Seit 2001 ist er Geschäftsführer der Filmstiftung.

Des weiteren ist Michael Schmid-Ospach Aufsichtsratsvorsitzender des Adolf-Grimme-Instituts, stellvertretender ZDF-Fernsehratsvorsitzender, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Mitglied des Kuratoriums des Adolf-Grimme-Instituts und Mitglied des Aufsichtsrats des Europäischen Zentrums für Medienkompetenz.

Im Oktober 2006 wurde er durch die Fachhochschule Düsseldorf zum Honorarprofessor ernannt. Er hat außerdem Lehraufträge an der FU Berlin, der Universität zu Köln, der Universität Münster sowie der Universität Siegen.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungs-Talkshow “Hollymünd“ des Westdeutschen Rundfunks in Köln.

Für TV-NRW präsentierte sie die erste Casino-Show im Deutschen Fernsehen “Casinolife“ aus dem Dortmunder Spielcasino Hohensyburg mit Stars, Roulette und Black Jack. Als On-Reporterin des RTL Magazins “Guten Abend RTL“ lieferte sie darüber hinaus allabendlich spannende Reportagen aus ganz NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

 

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28.02.2010 Das Klenke Quartett

Hasko Witte - Berlin Classics - mit 4 Bildern

Annegret Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser gründeten während ihres Studiums an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar das Klenke Quartett und spielen seit nunmehr 18 Jahren in unveränderter Besetzung. Künstlerisch begleitet wurden sie von Norbert Brainin (Amadeus Quartett), von Ulrich Beetz (Abegg Trio), von Harald Schoneweg (Cherubini Quartett) und Sándor Devich (Bartók Quartett).

Seit ihrem Debüt konzertierten die Musikerinnen bei renommierten Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Kissinger Sommer, dem MDR-Musiksommer, den Musikfestspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Rheingau Musikfestival, dem Sächsischen Mozartfest, dem Schleswig Holstein Musikfestival, den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker u.a.


Sie unternahmen Konzertreisen durch sämtliche europäische Länder sowie Nord- und Südamerika. 2003 begleiteten sie den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau auf seinen Staatsbesuchen mit Konzerten in Mexico, Chile, Uruguay und Brasilien.


Im Jubiläumsjahr zum 20jährigen Bestehen des Quartetts 2011 gastieren die vier Musikerinnen als "Artists in residence" bei der Sächsischen Mozartgesellschaft. Schon für die Einspielung der zehn berühmten Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart erhielt das Klenke Quartett hervorragende internationale Kritiken und Anerkennung durch die Fachwelt.

"Mit ihrem präzisen, kühl beherrschten Zugriff bringen die vier Frauen aus Weimar die internationale Kritik zum Schwärmen", schreibt Rondo. "Es sind vier gleichberechtigte Musikerinnen, die aufs wunderbarste, ja delikat miteinander sprechen", urteilt Deutschlandradio Kultur.

"Historisch informiert! Wunderbar ausbalanciert", heißt es in dem britischen Magazin Gramophone, und das deutsche CD-Magazin Fono Forum bescheinigt den "Gipfelstürmerinnen" in einer "Empfehlung des Monats":

"Den vier Streicherinnen ist hier eine mehr als bemerkenswerte Bereicherung des bereits gut gefüllten Katalogs geglückt". "Famos aufeinander abgestimmt bringen sie mit schwungvollen Tempi Proportionen und Pointen der Werke souverän zum Sprechen", urteilt der Kulturspiegel.

In der neuesten Ausgabe des Harenberg Lexikons wird diese Einspielung der Mozart Quartette als Referenzaufnahme empfohlen. Die bisher wohl wichtigste Auszeichnung erhielt das Klenke Quartett im Januar 2007 in Cannes:

Auf der MIDEM, der weltweit größten und bedeutendsten Musikfachmesse wurde das Ensemble in der Kategorie "Jury Nomination" mit dem "Classical Award" geehrt.


Die Live-Einspielung der "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" von Joseph Haydn, erschienen bei Berlin Classics (Edel:Kultur), wurde von der französischen Zeitschrift "Le Monde de la Musique" mit dem begehrten "CHOC du Mois" ausgezeichnet.


In erweiterter Besetzung arbeitet das Ensemble gern mit geschätzten Musikerkollegen wie Christina Fassbender (Flöte), Martin Stadtfeld (Klavier), Harald Schoneweg (Viola)und Klaus Kämper (beide ehemalige Mitglieder des Cherubini Quartetts), Clemens Trautmann (Klarinette), dem Henschel Quartett, dem Philharmonia Quartett und dem Vogler Quartett.


Neben dem Konzert für Streichquartett und Orchester von Arnold Schönberg zählt auch das Konzert »The Rave and the Nightingale« des 1968 geborenen Australiers Matthew Hindson zum Repertoire des Quartetts. Die europäische Erstaufführung dieses Werks mit der Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Nicolas Milton wurde im Sommer 2008 vom Publikum und von der Presse begeistert gefeiert.


Mit großem Erfolg leiten die vier Musikerinnen seit 2003 eine eigene Konzertreihe "Auftakt" im Goethe-Nationalmuseum in Weimar, die unter der Trägerschaft des Kammermusikvereins und des Freundeskreises des Klenke Quartetts e.V. durchgeführt wird. ( www.auftakt-weimar.de)

Edel:Kultur
Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

Tel.: +49 (0)40- 890 85-301

 hasko_witte@edel.com

 

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23.01.2010 "Nur in der Musik fühle ich mich zu Hause“

KlassikAkzente

Spielt man Chopin, muss man sich erst einmal von der Generation Horowitz und Rubinstein freimachen. Schließlich gehörten Polonaisen und große brillante Walzer zu deren Glanzstücken und haben sich in dieser heroischen Form in das kulturelle Bewusstsein eingebrannt.

Alice Sara Ott jedoch gehört, wie auch Rafał Blechacz, zu einer neuen Generation, die sich nicht nur mit unglaublicher Virtuosität den Werken des polnischen Meisters nähert, sondern ihm darüber hinaus auch mit veränderter Spielhaltung begegnet.

Hier steht nicht mehr der Salonlöwe oder der große Nationalmusiker im Mittelpunkt, sondern Chopin, der Mensch, der seine persönlichen emotionalen Kämpfe in klingende Form gebracht hat, sich hinter einer für seine Epoche ungewöhnlichen, umfassenden gestalterischen Könnerschaft verbirgt und vor allem in der kleinen Form immer wieder zu rhapsodischer Genialität aufläuft.

Die wiederum lässt sich weder aus seiner Ära noch aus der Biografie heraus erklären, sondern stellt schlicht einen Link zum Zeitlosen, Numinosen dar. Natürlich ist Alice Sara Ott nicht die erste, die sich mit den Walzern“ von Frédéric Chopin befasst.

Aber ihr Zugang zu den Werken ist ungewöhnlich. Nachhaltig, um ein Modewort im ursprünglichen Sinn zu verwenden. Denn Otts Walzer klingen nach - egal, ob es sich um dunkle Impressionen wie op.34/2 oder ein Kabinettstückchen wie op.64/1 handelt.

„Chopins gesamtes kompositorisches Schaffen ist hier zusammengefasst“, meint die junge japanisch-deutsche Pianistin im Gespräch mit dem Musikjournalisten Michael Church. „Außerdem zeigen die Walzer seine gespaltene Persönlichkeit – zwischen Polen und Frankreich hin und her gerissen war Chopin zeitlebens auf der Suche nach seiner Identität.

Genau so geht es mir mit Japan und Deutschland. Nur in der Musik fühle ich mich zu Hause“. Dort allerdings bewegt sich Alice Sara Ott mit einer Souveränität, die staunen lässt.

Im Alter von fünf Jahren gewann die Tochter einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters den ersten Wettbewerb, mit dreizehn galt sie in Hamamatsu bereits als „Most Promising Artist“ und beinahe zur gleichen Zeit entschied sie als jüngste Bewerberin mit der höchsten jemals in diesem Rahmen vergebenen Bewertung den renommierten Silvio Bengalli-Wettbewerb für sich.

Preise sind die eine Sache. Musikalisches Verständnis ist eine andere. Gehört eine gewisse Fingerfertigkeit inzwischen international zum Standard, unterscheiden sich interpretatorische Vorstellungen hingegen in großem Maße.

Gerade im Fall von Chopin, dessen Geburtstag sich in wenigen Wochen zum 200.Mal jährt, ist das Spektrum der darstellerischen Variationen immens. Alice Sara Ott hat sich die Werke des polnischen Klavierpioniers in einer Art und Weise zu eigen gemacht, die rundum fasziniert.

„Chopins Musik“, meint sie, „ist kein offenes Buch. Chopin stellt seine Gefühle niemals offen zur Schau, immer bewahrt er seine Würde. Es ist so, als würde er sich nur eine einzige Träne gestatten – doch hinter der Maske ist er tieftraurig.

Nach außen hin ist er charmant, im Grunde seines Herzens jedoch melancholisch. Diese Stücke rufen bei mir weniger Bilder hervor, sondern eher Erinnerungen. Wenn ich traurig bin, spiele ich op. 64 Nr.2 in cis-moll, das tröstet mich.

Ich spiele den Walzer in der Abenddämmerung, ohne das Licht anzumachen.“Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis einer herausragenden Interpretation.

Sobald ein Künstler es schafft, das Werk eines Komponisten zu einer eigenen Stimme umzuformen, die sich des ursprünglichen Notentextes vor allem als Sprachrohr bedient, mit dem die persönlichen Innenwelten ausgedrückt werden können, schafft er den Sprung vom Spielen zum Nachempfinden und lässt Werke in einem Glanz erstrahlen, der sich aus der eigenen Aura speist.

Die großen Pianisten des vergangenen Jahrhunderts haben Chopin als Pathetiker und Heroen geliebt. Alice Sara Ott hingegen sucht nach dem individuellen Kern der Werke. Würde sie den Komponisten heute treffen können, würde sie vor allem das rätselhaft Menschliche interessieren, das hinter seinen Stücken steckt:

„Er war ein Dichter. Ich würde ihn nicht nach Interpretationen fragen, sondern ihn bitten, für mich zu spielen, damit ich hören kann, ob ich den Duft jedes Stückes richtig erschnuppert habe.“

Und Chopin, der ja nie wirklich zufrieden mit seinen Schülern war, würde sich womöglich zurücklehnen und einfach überrascht vernehmen, was ihm die „Next Generation“ durch die Musik zu erzählen hat.

Biografie Alice Sara Ott

Längst hat sich Alice Sara Ott, die junge Pianistin deutsch-japanischer Abstammung, mit Autritten in den großen Konzertsälen in Europa und Japan einen Namen gemacht. Im Alter von 13 Jahren erhielt die Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum die Auszeichnung „Most Promising Artist“ beim Internationalen Klavierwettbewerb in Hamamatsu und gewann zwei Jahre später den ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb Silvio Begalli als jüngste Teilnehmerin.

In der Saison 2009/10 wird Alice Sara Ott Solokonzerte im Auditorium du Louvre, in der Berliner Philharmonie, im Konzerthaus Wien und im Palais des Beaux-Arts in Brüssel geben. Zu ihren Orchesterdebüts in den USA gehören Konzerte mit dem Cincinnati Symphony Orchestra unter Paavo Järvi und dem San Francisco Symphony Orchestra unter Pablo Heras-Casado.

In Europa debütiert sie mit dem Dänischen Radio-Symphonieorchester unter der Leitung von Robin Ticciati, dem Königlichen Philharmonischen Orchester Stockholm unter Sakari Oramo, dem NDR Sinfonieorchester unter Alan Buribayev und den Münchner Philharmonikern unter Thomas Hengelbrock.

In den vergangenen Jahren begeisterte Alice Sara Ott das Publikum mit zahlreichen Auftritten in Tokyo, unter anderem mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in der Opera City Hall und mit dem Kiev Philharmonic Orchestra in der Suntory Hall.

Sie tritt regelmäßig mit dem Sapporo Symphony Orchestra auf und wurde von Hiroko Nakamura eingeladen, im Rahmen der 10-jährigen Serie „The 100 Pianists“ zu konzertieren.

Zu ihren Engagements in Europa zählten Konzerte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter David Zinman, den Düsseldorfer Symphonikern unter Norichika Iimori und eine Tour in Deutschland mit dem St. Petersburg Symphony Orchestra und Alexander Dimitriev.

Neben ihrer Solokarriere ist Alice Sara Ott als Kammermusikerin regelmäßig zu Gast bei Festivals in Heimbach, Zürich, Davos sowie in Schwetzingen. Sie spielt zusammen mit Künstlern wie Lars Vogt, Gustav Rivinius, Tadjana Masurenko und Peter Sadlo.

Sie gastiert zudem häufig beim Klavier-Festival Ruhr, Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und beim Braunschweig Classix Festival.

Seit 2008 ist Alice Sara Ott Exklusivkünstlerin bei Deutsche Grammophon. Ihre erste Aufnahme mit den zwölf Études d’exécution transcendante von Franz Liszt erschien im Frühjahr 2009.

Die internationale Veröffentlichung eines zweiten Albums mit den kompletten Walzern von Frédéric Chopin ist Anfang 2010 geplant. Für Alice Sara Otts Debüt-Aufnahme mit Orchester sind die jeweils ersten Klavierkonzerte von Liszt und Tchaikovsky mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung von Thomas Hengelbrock vorgesehen.

Quelle: www.klassikakzente.de

Ihr aktuelles Album wurde am 15.1.2010 von der Deutsche Grammophon veröffentlicht. http://www2.deutschegrammophon.com/

 

 

 

 

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02.01.2010 Drei junge VOC `N Roller erobern die Musikwelt

GFDK - MICHAELA BOLAND

GFDK Exklusiv, die The Baseballs

Wußten Sie schon, was Voc `n Roll ist? Nie gehört? Ich auch nicht, aber jetzt kommt`s: Unter Voc `n Roll versteht man Rock `n Roll mit dreistimmigen Harmonien. Warum das wichtig ist? Ganz einfach:

Nicht immer muss Tokio Hotel der Grund dafür sein, wenn Teeniekreischalarm angezeigt ist und Ohnmachtsanfälle auf der Tagesordnung stehen. Dass auch etwas völlig Neuartiges und eigentlich doch längst Bekanntes dazu geeignet sein kann, Pulsschlag und Herzfrequenz ganz Junger und solcher, die sich zu den ewig Junggebliebenen zählen, blitzartig in die Höhe schnellen zu lassen, stellen derzeit drei menschliche Hotspots lautstark unter Beweis.

The Baseballs lautet der verheißungsvolle Name dreier männlicher Hüftschwungvirtuosen, welche das Publikum nicht nur gedanklich, sondern auch visuell in Warpgeschwindigkeit in ein fast vergessenes Zeitalter zurückblicken lassen: The 50s are back again. Nach Künstlern wie Winehouse oder Duffy, welche uns ein gelungenes Revival der Sechziger durchleben ließen, wagt sich das Groß-Label Warner Music mit The Baseballs nun noch eine weitere Dekade zurück in die Vergangenheit.

Und gelungen ist es. Die einfache Rezeptur scheint aufgegangen: Die drei süßen Midzwanziger, SAM, Basti und Digger, mit Tolle, Entenbürzel, Lederjacke und obligatorischem Kamm in der Gesäßtasche hätten Travolta in Grease im Wettstreit um Olivia Newton-John wohl in arge Bedrängnis gebracht. Davon ist jedenfalls auszugehen, wenn man beobachtet, in welch kurzem Zeitraum die drei unterschiedlichen jungen Männer augenblicklich zu neuen Stars avancieren.

Das Besondere: Mit Pomade im Haar und dem King of Rock in der Stimme verwandeln die Rock `n`Roller einfach brandaktuelle Chartbreaker in Fifties-Klassiker. Jetzt drehte das modeltaugliche Terzett sein erstes Rockabillyvideo in der Kölner Innenstadt ab. Der Journalistin Michaela Boland haben die schönen Jungstars eine Rolle in ihrem Clip zugedacht.

Auch ohne Petticoat und Cadillac konnte Michaela pfeilschnell in die fünfziger Jahre abtauchen und mit ihr gleichsam Hunderte von neuen Fans des musikalischen Gespanns. Von ihrem ersten Mal beim Dreh eines Musikvideos berichtet Boland exclusiv auf Freundederkuenste.de.  

Ganz schön ärgerlich, wenn man sich abhetzt, um nur ja pünktlich um 8.00 Uhr morgens beim verabredeten Treffpunkt aufzuschlagen, um dann vom Set-Aufnahmeleiter zu erfahren, dass aufgrund eines Dispositionsfehlers sämtliche Mitwirkende etliche Stunden zu früh bestellt wurden. Am Ende der Schildergasse inmitten der belebten  Kölner Fußgängerzone verwandelt sich das eigens leergeräumte Schaufenster einer Oberbekleidungsboutique gerade in ein filmtaugliches Set.

Heute auf dem Programm: The Baseballs. Das sind das 1,92 m große Kraftpaket, Sam (25) aus Reutlingen  mit bestechend hellblauen Augen und einem Hüftschwung, der Hypnosetauglich scheint, außerdem Digger (26), kreativer Geist des Trios und aus Rheine stammend, sowie sein gleichaltriger Berliner Kollege Basti, der als der „Streber“ der Band firmiert.

Doch The Baseballs sind noch lange nicht am Set. Gemunkelt wird, dass die letzte Nacht mit vorangegangenem Auftritt  wohl bis in die frühen Morgenstunden angedauert haben soll und daher nicht mit dem baldigen Erscheinen der großartig angepriesenen Jungmusiker zu rechnen sei.

Was aber auch völlig unerheblich ist, da gerade zehn weitere, ebenfalls zu früh angereiste Darsteller, mit dem Regieassistenten die Frage diskutieren, ob der Vorschlag, nun noch einmal zurück nach Hause zu fahren oder sich schlappe vier Stunden in der Kölner City herumzudrücken, die praktikablere Alternative sei.

Es soll heiß werden an diesem letzten Augusttag, daher entscheide ich mich, vor Ort zu bleiben und den Aufenthaltsraum, der für alle Mitwirkenden zur Entspannung und als Kantine vorgesehen ist, etwas genauer zu inspizieren. Im zweiten Stockwerk hat die Geschäftsführung der Boutique Platz für das Filmteam geschafft. Ein heller Raum mit vielen Fenstern, die einen gigantischen Ausblick über die Dächer der Stadt gewähren.

Einziger Wermutstropfen: Der Kühlschrank. Auch dieser war der Crew überlassen worden, jedoch derartig verranzt und schmutzig, dass der Setrunner, also der Praktikant, der als Mädchen für alles fungiert, kurzerhand dazu verdonnert wird, sich mit  Putzzeug zu bewaffnen und mit dem Schrubben zu beginnen.

Die junge „Frau vom Catering“, die zweifelsfrei selbst mit Modelqualitäten aufwarten kann, schleppt pausenlos riesige Tabletts mit Leckereien und große Kisten  voller Teller, Gläser und Besteck mit ihrer Assistentin in den Raum. In Handumdrehen zaubert sie auf einer wundervoll dekorierten Tafel eine kulinarische Augenweide, an der sich wenig später die Filmschaffenden laben können.

Und diese lassen, gelockt vom verführerischen Duft heißen Kaffees und ofenfrischer Brötchen, auch nicht lange auf sich warten. Ein schlanker mit Headset und Walkietalkie bewaffneter Aufnahmeleiter stellt sich als Markus vor und präsentiert seine blonde Kollegin als Katja. Die beiden zeichnen heute für den reibungslosen Ablauf des Drehs mit verantwortlich. Schon am nächsten Tag nämlich, soll das Video fertig geschnitten und ab nächster Woche bei  Musiksendern wie VIVA zu sehen sein.

Beeindruckt von der Reichhaltigkeit des Caterings, welches ich von meinen Fernsehproduktionen wesentlich spärlicher kenne, genehmige ich mir etwas Lachs und Meerrettich und schnappe mir einen der Ikea-Klappstühle als das angehendende Werbe-Model Daniela Kastl den Raum betritt. Auch sie soll heute beim Video für The Baseballs mitwirken und war ebenfalls zu früh bestellt worden.

Nachdem die schöne 24-Jährige ihre mitgebrachte Wechselgarderobe unter einem Stuhl verstaut hat, berichtet sie, sich bereits ausführlich über The Baseballs informiert und über das Internetportal My Space mit der Band in Verbindung gesetzt zu haben.

„Die Jungs verwandeln moderne Hits wie Rihanna`s Umbrella oder „Don`t cha“ von den Pussycat Dolls so umwerfend brillant in Fifties Klassiker, dass man das Gefühl hat, der Song stamme jeweils tatsächlich aus dem Petticoatzeitalter.“ Und die hübsche Kölnerin sollte Recht behalten – aber dazu später mehr.

Als Daniela und ich uns dazu entschließen, nach unten zu gehen, entdecken wir, dass das Filmteam bereits ein komplettes riesiges Schaufenster im Ladenlokal leergeräumt, mit silbernem Stoff als Hintergrund abgeklebt und drei Mikrofone im Retrostil auf der Werbefläche aufgestellt hat. Ein Fahrzeug fährt bis zum Schaufenster vor und drei schwarzgekleidete Musiker mit frisch geföhnter Haar-Tolle steigen aus.

Altersmäßig scheinen die Männer, von denen einer Götz Alsmann wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, die Mitte Zwanzig bereits deutlich überschritten zu haben. Einer der sympathischen Unbekannten erklärt dann, dass sie als professionelle Musiker die drei Sänger von The Baseballs mit Klavier, Kontrabass und Drums begleiten würden.

Wir sind schon gespannt, aber vor uns liegen um zwölf Uhr mittags noch weitere drei Stunden Wartezeit. So ist das halt schon mal beim Film. Mein heutiger Part besteht darin, eine Geschäftsfrau zu mimen, die sich eigentlich eiligen Schrittes auf dem Weg durch die Stadt zu einer Geschäftsbesorgung befindet als sie völlig unerwartet am Ladenschaufenster vorbeikommt, in welchem die smarten Baseballs gerade ihren neusten Hit „HOT N COLD“ (im Original von Katy Perry) performen und geradezu stehen bleiben, verweilen und mitswingen muß.

Und eigentlich, ergeht es allen beteiligten Darstellern, welche Menschen aus allen Bevölkerungsschichten geben müssen, beim Anblick der fröhlichen Band ähnlich. So das Konzept. Regisseur Dieter Claus erteilt klare Anweisungen und kalauert mit Daniela kontinuierlich mit Sprüchen wie: „Du weißt, dass Du in der Szene an Haken, welche direkt an Deiner Haut befestigt werden müssen, von einem Heli aus der Fußgängerzone gezogen wirst?“

Völlig gelassen und seelenruhig agiert der erfahrene Spielleiter, der sich bewusst darüber ist, dass noch eine Nachtschicht Schnittarbeit vor ihm liegt, wenn das Videomaterial am Abend im Kasten sein wird. Gegen 13.00 Uhr trudeln nach und nach die übrigen Darsteller wieder ein. Gebucht waren unter anderem auch ein paar Cheerleader der Langenfelder Longhorns, die vor dem Schaufenster atemberaubende Akrobatik zum besten geben sollten.

Dann ist es endlich soweit: Basti, Sam und Digger, die Stars des heutigen Nachmittags, treffen ein. Im originalgetreuen Fifties-Look mit karierten Hemden über Feinripp-Muscleshirts und allwettertauglichen Markenzeichen-Tollen lächeln die sympathischen Newcomer ihre kleine Verspätung so charmant hinweg, dass niemand den Zeitverzug verübelt.

Die erste Probe beginnt. Zunächst wird nur die Band im schmuck hergerichteten Schaufenster und ein Lautsprecher , der den vollen Sound auch nach draußen tragen soll, vor  der Tür platziert. Als Regisseur Claus das „Und bitte“ gibt, hat sich bereits eine riesige Menschenmasse vor dem Fenster auf der Schildergasse angesammelt.

Unvermittelt gerät  diese schon beim Erklingen der ersten Akkorde in frenetische Begeisterungsstürme, bewegt sich  rhythmisch im Takt und schnippt mit den Fingern, während die Baseballs in ihrem Schaufenster die perfekt einstudierte Choreographie zum schönen Gesang präsentieren. The Baseballs erweisen sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als echter Publikumsmagnet.

Dies dürfte wohl nicht zuletzt daran liegen, dass die Newcomer, die sich in den musikalischen Sphären von Elvis, Jerry Lee Lewis, Buddy Holly & Co bewegen, wirklich gut singen. Beinahe möchte man dem Gefühl erliegen, dass die Jungs den Originaltitel Hot N Cold geprägt hätten und Katy Perry es später kopiert habe, so authentisch bringen die Basebälle das Stück herüber.

Wäre man nicht  zu jung, um tatsächlich selbst mit Milchshakes im Autokino der 50er Jahre gesessen zu haben, könnte man schwören, die Melodien von früher zu kennen. Die ersten Durchläufe mit der Band sind zu Ende. Jetzt schlägt die Stunde der Darsteller. Aber schnell stellt sich heraus, dass dies beinahe kaum erforderlich gewesen wäre, denn die immer größer werdende Ansammlung von Passanten übernimmt die Rolle der Darsteller ganz automatisch.

Hunderte staunende Menschen haben sich versammelt und alle machen mit, tanzen, lachen, klatschen und schnippen im Takt, begeistert von den Sympathieträgern hinter der Scheibe. Kreischende Teenies und rüstige Greise werden plötzlich eins. Sie ist also gefunden: eine spektakuläre Alternative zu Tokio Hotel und US 5, noch dazu eine, die Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern scheint.

Den Clip gibt es übrigens ab nächster Woche bei Viva zu sehen. Und von The Baseballs werden wir künftig gewiss noch eine ganze Menge hören. Bleibt nur zu sagen: Let`s  Voc `n Roll.  

THE BASEBALLS: Infos unter: www.thebaseballs.com 

MICHAELA BOLAND ist Journalistin und TV-Moderatorin. Für den Westdeutschen Rundfunk stand sie nach dem Jura-Studium seit 1996 als jüngste deutsche Fernsehmoderatorin eines Unterhaltungsformates für die sonntagnachmittägliche Sommer-Familien-Talk-Show „Hollymünd“ vor der Kamera.

In der ARD präsentierte sie neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin der creatv-Fernsehproduktions GmbH für die Daily-Talk-Formate „Hans Meiser“ und „Oliver Geissen“, die Vorabend Live-Show „Studio Eins“. Als Guten-Abend-RTL-Reporterin berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Außerdem war sie Gastgeberin der Freitag-Abend-Gala-TV-Show „Casino Life“auf TV NRW.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

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31.12.2009 Auflehnung gegen die Provokation

Katharina Klara Jung - mit 5 Bildern

Schon 1918 empfahl Oswald Spengler in seinem Werk “der Untergang des Abendlandes“ den Künstlern, ihre Pinsel beiseite zu legen und lieber Ingenieure zu werden. Seiner Ansicht nach waren schon damals die Leistungen unserer zur Zivilisation erstarrten Hochkultur nicht mehr im Bereich der bildenden Künste zu suchen. Die Sprachlosigkeit der Kunst vor den “Errungenschaften“ der Industrialisierung erinnert mich auch an Adornos Forderung, nach Auschwitz keine Gedichte mehr zu schreiben.
Heute sehen wir uns einer gut geölten Kulturindustrie gegenüber, die sich in weiten Teilen inhaltlich vom Profitgedanken korrumpieren lässt. Den ungeheuren Budgets für Film und Musikprodukte, und der Verzahnung mit Merchandising (z.B. Computerspiele, Kaffeetassen) und medialer Präsenz auf globaler Ebene, kann der freischaffende Künstler in Eigenregie kaum etwas entgegen setzen.


Ich behaupte, die Werbeindustrie erschafft wesentlich effektiver ästhetische und kulturelle Realitäten (Menschenbilder), als irgendwelche Kunstaktionen. Für die Zukunft sehe ich das Kulturschaffen in noch viel fundamentalerem Ausmaß den musealen Reliquien überlegen: durch die mehrwertorientierte kreative Neugestaltung des Menschen selbst, z.B. durch Gentechnik oder die Kopplung neuronaler Netze an eine virtuelle Realität. Dem könnte man entgegen halten, die Kunst sei im Gegensatz zu profanen Produkten zweckfrei. Das ist meiner Ansicht nach allerdings idealistische Augenwischerei: mit Kunst kann man Steuern sparen, Prestige erlangen und Geschmack beweisen oder einem Besitzfetisch, der Sammelleidenschaft nachgehen. Es ließe sich sogar das Kaufen zweckfreier Dinge, als eitler Auftritt einer zynischen Dekadenz interpretieren. Mithin kommt ein Museumsbesuch einer erkauften Erinnerung wahlweise an bessere oder schlechtere Zeiten gleich.
Aber wollen wir den totalen Markt? Wollen wir ihn, wenn nötig, totaler und radikaler als wir ihn uns überhaupt erst vorstellen können?
Was mich antreibt, sind Ekel, Angst und Ohnmacht.


Im Sozialismus gab es Staatsbetriebe, heute kommt es mir so vor als würden sich mehr und mehr Betriebsstaaten entwickeln, in denen Politikern demokratische Alibifunktion zukommt, und die sich selbst angreifen, um Energiekriege zu führen, oder die Patente auf Leben anmelden, um mit dem genetischen Bauplan Macht über biologische Ressourcen zu erlangen. Terror wird als Vorwand genommen, Demokratie auszuhöhlen und repressive Instrumente der Kontrolle und Überwachung zu installieren. Ich sehe aus dem Kontext von Handelsunionen das Generieren neuer Superstaaten, völlig undemokratisch und an der Stimme des Volkes vorbei. Gesetze werden von Lobbygruppen geschrieben, oder von Kanzleien, die gleichzeitig Konzerninteressen vertreten. Im Wettlauf um die Globalisierung ist der Neoliberalismus an erster Stelle. Aber Kapitalismus braucht keine Demokratie.
Zu welch moralischen Sternstunden die moderne Kunst in unserer schönen neuen Welt fähig ist, darüber durfte ich mich in einer kunsttheoretischen Kotblüte eines gewissen Boris Groys belehren lassen. Der Autor vergleicht allen Ernstes die Exzesse in Abu Ghraib mit einer Kunstperformance. Die darin ersichtliche postheroische, zur Freiheit einladende Würdelosigkeit des Westens, sieht er als probates Mittel im symbolischen Tausch mit dem Märtyrertod der Terroristen.


Den „gelassenen“ postheroische Umgang mit Krisen sehe ich als blasierte Stilisierung, und zugleich als Offenbarungseid vor einer vermeintlich komplexen Welt, in der der gesunde Menschenverstand sich seines Naturrechts nicht mehr sicher sein darf, selbst legitime Urteile fällen zu können. Zum Beispiel darüber, dass das Zinssystem einer Versklavung gleichkommt, oder dass drei riesige Stahlkonstruktionen nicht mit zwei Flugzeugen fachgerecht zerlegt werden können. Die Selbsterniedrigung und Entwürdigung in der modernen Kunst so wie Groys sie positiv formuliert, sehe ich viel eher, ohne mich selbst auszuschließen, als psychologische Kompensation der eigenen Machtlosigkeit. Auf einem der nächsten Bilder sei ihm eine Folterbank reserviert.


 
Schattenseiten - Peter Feiler

Lakonisch und unbewegt sitzt ein Mann, die Bierdose in der Hand, ein aufgeschlagenes Buch auf den Beinen auf der Bank einer Bahn, die an fleischfarbenem Rauch spuckenden Industriegebäuden vorüber fährt. In seinem offenen Hemd liegen seine Eingeweide brach; Kopf und Gesicht sind nur Sehnen und Knochen, aus denen glanzlose Augen in Nichts starren als hätte man die Haut, den Schutz gegen die Außenwelt abgezogen und festgestellt, dass sich nichts Geheimnisvolles hinter der äußeren Hülle verbirgt, kein Funke, keine Leidenschaft, nur sich in der Leere auflösende, dumpfe Einsamkeit, abgeschottet von dem Geschehen um ihn herum: eine zweite, weibliche Figur, nackt bis auf noch weniger als die bloße Haut, Arme und Beine in Schmerzen verkrümmt scheint sich in Agonie aufzulösen, während nackte Kinder wie Kobolde durch das Bildfeld tanzen…

Eine Szene, die direkt in die Monotonie des Alltäglichen, in den freudlosen Alltagstrott der scheinbar immer gleichen Irgendjemande in einer inventarisierten Umgebung blickt und deren Innerstes im wahrsten Sinne nach Außen kehrt: Es offenbart sich ein Blick auf eine verheerende Gefühlswelt der Protagonisten in der weiten Spanne zwischen völliger Resignation, Sinnsuche und einem fast existentialistischen Weltschmerz (S-Bahn-Szene, 2002).

Die Experimentierfreudigkeit und Vielseitigkeit, die in den Arbeiten Peter Feilers (*1981, Halle an der Saale) zum Vorschein kommen, machen seine Arbeiten schwer greifbar. Doch die Fülle von Themen, von orgiastischen über ganze Weltsysteme bis hin zu einer beiläufigen Kritik der hoch intellektualisierten Egomanie der Gegenwart (das Paradoxon einer individualisierten Gesellschaft, 2001), die er wie in einem Wirbel in seinen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Bildern behandelt, drehen sich um das zentrale Thema der Abgründe des menschlichen Seins.

Durch das ungewöhnliche Medium Buntstift relativiert Peter Feiler seine Groteskerien mit einer pastellartigen Farbigkeit und gibt dem brisanten Topos dessen, „was der Mensch dem Menschen antun kann“ (Peter Feiler) eine unschuldig-kindliche Patina, die in starkem Kontrast zu den anzüglichen, fast pornografischen Posen mancher seiner Protagonisten steht:

In der „Reifeprüfung“ (2002) verbirgt sich eine latente Aggressivität in Gestus und Mimik der Protagonisten hinter der sanften Farbgebung und filigranen Ausführung der übergroßen Blätter der giftigen Dieffenbachia und zieht den Betrachter in den Bann ihres Detailreichtums, nur um ihn derart in falscher Sicherheit wiegend mit der vollen Brutalität der schwärzesten Seite der menschlichen Seele zu konfrontieren: Missbrauch, Vergewaltigung, Folter, Kinderschändung, die Peter Feiler mal nur angedeutet, mal in krasser Bildlichkeit vor Augen führt. „Ich bin kein Missionar“, sagt Feiler über sich selbst, „Ich will die Menschen nicht ändern. Aber vielleicht kann ich sie dazu bringen, dass sie durch die Auflehnung gegen die Provokation etwas Gutes entdecken.“

„Sex hat sehr ambivalente Konnotationen“ erklärt Feiler, und so konzentrieren sich seine orgiastischen Federzeichnungen vor Allem auf die negativen, manischen Aspekte eines zum Industrieprodukt degradierten Geschlechtsakts. Es wimmelt von nackten Leibern, offenen Wunden, von zugleich abstoßenden und faszinierenden Details, von Gier, Geilheit, Selbstverletzung und der psychotischen Lust an Schmerz und Zerstörung – ein Porträt der Schattenseiten der menschlichen Seele (Feier, 2003), deren Konsequenzen er in der Zeichnung „Der letzte Mensch“ (2002) vorschlägt: Mit glänzenden schwarzen Augen lauert eine Spinne dem alten, gebrochenen Mann auf, hinter dem ein Knochenmann – sein Alter Ego? Die Hybris selbst? – sich vor der kolossalen Architektur im Hintergrund aufbäumt.

Das epische Ausmaß seiner offenen Erzählweise, die sich aus einzelnen Fragmenten und Bruchstücken zu einem verwirrenden Geflecht unterschiedlichster Zusammenhänge spinnt, lässt ein Weltengemälde entstehen, in dessen Figurengewimmel Menschen mit gigantischen Insektenlarven kämpfen, bierbäuchige Reiter über die Dächer einer unwahrscheinlichen, einer unmöglichen Stadt galoppieren und sich kopfüber fast wie ein Mond eine alternative Welt ins Bild schiebt. Die Grenzen zwischen Spaß und Horror zerfließen. Bruchstückhaft aufflackernde Szenen greifen ineinander, wirbeln in ein Blitzlichtgewitter widersprüchlicher Assoziationsketten: Peter Feiler spielt das Sichtbare gegen das Bemerkbare aus (Hüpf, Hopf, 2003). Er bietet keine Lesrichtung an, er verzichtet auf den roten Faden und zwingt den Betrachter, sich auf die Komplexität, die Verknotungen und humorvollen Details eines selbstreferentiellen Systems einzulassen und eine eigene Geschichte daraus zu formen. © Katharina Klara Jung, 2006

 

Weitere Kunstwerke von Peter Feiler finden Sie in unserer Bildergalerie Kunstwerke.

 

Peter Feiler wird durch die Galerie Adler Frankfurt vertreten:

Galerie Adler Frankfurt - New York
Hanauer Landstraße 134, 60314 Frankfurt, Germany, +49 (0)69-43053962

mail@remove-this.galerieadler.com, www.galerieadler.com



Biografie:

Peter Feiler
*1981, Halle an der Saale

2008           Meisterschüler bei Professor Valérie Favre
2002-2007  Universität der Künste, Berlin mit Professoren Wolfgang Petrick,  Daniel Richter und Valérie Favre

Einzelausstellungen

2009  Gruppenausstellung Peter Feiler, Frankfurt am Main
2007  Mankind - Nature - Technology, Galerie Adler, New York, USA
2006  Karzinome, Galerie Adler, Frankfurt am Main
          Peter Feiler, Galerie Gerken, Berlin


Gruppenausstellungen

2010 Dead_Lines, Kunsthaus Zürich, Zürich, Switzerland (to be confirmed)
         Dead_Lines, Von der Heydt Museum, Wuppertal
         Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
2009 Art4Kids, Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
         I am not dead but I am divided, Ballhaus Ost, Berlin
2008 I am not dead but I am divided, Alte Papiermuehle, Rostock
         PHANTAKALIFRAGILISTIGEXPIALIGETISCH, Galerie ADLER, Frankfurt
         I am not dead but I am divided, Projektraum Satellit, Galerie Anita                       Beckers, Frankfurt
         Thieme Art Award, Art Amsterdam, Niederlande
2007 Face up, Galerie Adler, New York, USA
         Three Part Harmony: Definition, Delicacy, and Detail in Drawing, Curator's  Office, Washington, USA (kuratiert von Andrea Pollan und Dr. Fred Ognibene)
2006 Durchgenallt, Kunstkabinett Regensburg, Regensburg
         Durchgeknallt, Fahrradhalle und Portikussi, Offenbach
         Junge Berliner Künstler, Galerie Claudius, Hamburg
2005 Peter Feiler, Michael Wutz and Constanze Haas, Galerie Gerken, Berlin
         Subjektive Obsession, Art Frankfurt, Frankfurt
 
 
Sammlungen
Collection Alexander Hoorn, Leiden, Niederlande
Sammlung Jean Pigozzi, Schweiz
Museum of Old and New Art, Australia
Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
Miniature Museum of Contemporary Art, Amsterdam, Niederlande
JoMo Art Collection, Belgium


Preise
Thieme Art Award, Niederlande, Shortlist

 

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06.12.2009 25.02.2010, Leipzig – Gewandhaus, 20 Uhr

ARGO-Konzerte

„Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen“. Ende Februar geht Bestsellerautor Frank Schätzing mit seiner Multimedia-Show [LIMIT] – LIVE! auf Tour Mit seinem neuen Thriller LIMIT hat der Kölner Erfolgsautor Frank Schätzing im Nu die Bestsellerlisten erobert. 

Schon vor der Buchpremiere im Oktober waren 350.000 Exemplare des neuen Schätzing-Krimis vorbestellt. Im November sind bereits 500.000 Bücher verkauft. Eine Sensation! Ab 24. Februar geht der Bestsellerautor nun auf Tournee – und das wird keine Lesereise. Die Besucher erwartet ein multimediales Showkonzept, das Perfektionist Frank Schätzing bis ins Detail selbst in Szene setzt.

Spannende Filmsequenzen, Einspieler, Dialoge und Leseelemente werden dabei zu einem unterhaltsamen Ganzen verwoben. Im Interview gibt Frank Schätzing Einblick in seine Arbeit als Schriftsteller und einen Vorgeschmack auf die neue Show.  

Wie kamen Sie zur Idee für Ihren neuen Roman? Oder kam die Idee zu Ihnen? 

Sowohl als auch. Meist sind es die Randnotizen, an denen ich hängen bleibe, Themen,über die noch nicht jeder spricht, die aber das Zeug zu mehr haben. So las ich Ende der Neunziger etwas über Helium-3, ein Edelgas-Isotop, das im Mondstaub eingelagert und nur dort zu finden ist.

Das Zeug versprach alle unsere Energieprobleme zu lösen, wenn man es nur vom Mond zur Erde schaffen könnte. Die Vorstellung, dass wir den Trabanten künftig als Wirtschaftszone nutzen, setzte in meinem Kopf sofort einen Film in Gang.

Haben Sie sich mit dem Mond und der bemannten Raumfahrt erst im Rahmen Ihres Romans intensiv beschäftigt oder gab es da vorher schon ein großes Interesse für dieses Thema? 

Ich war immer schon neugierig und wollte alles verstehen, möglichst praxisnah, so dass es Spaß macht. Richtig für Astrophysik und Raumfahrt entflammt bin ich schließlich durch Stephen Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“. Sein Werk war die Initialzündung für Bücher wie „Der Schwarm“, „Nachrichten“ und jetzt LIMIT.

Ich wusste also schon einiges, trotzdem war die Zusammenarbeit mit Physikern und Astronauten von entscheidender Bedeutung für LIMIT. Grundsätzlich fasziniert mich am Mond, am Universum, an der Tiefsee und an fremden Ländern, was Menschen zu allen Zeiten fasziniert hat: die Überwindung von Grenzen, der Schritt ins Unbekannte, die Erweiterung von Wissen, letztlich Erkenntnis.

Wie lange haben Sie an Ihrem neuen Roman gearbeitet? 

Ich habe ein Jahr lang nur recherchiert und dann zwei Jahre geschrieben, währenddessen aber weiter Recherchen betrieben. Hauptsächlich Raumfahrttechnologie, aber auch geopolitische Zusammenhänge, Historie und Zukunft Chinas, Energiewirtschaft und so spaßige Sachen wie Sex in der Schwerelosigkeit.  

Nach so langer, intensiver Schreibarbeit ist der Schritt in die Öffentlichkeit sicher nicht leicht. Was liegt Ihnen mehr – das Eremitendasein als Schriftsteller oder das Rampenlicht? 

Das Eremitendasein liegt mir überhaupt nicht. Ich bin gerne unter Menschen, in bevölkerten Räumen, unter freiem Himmel, ich liebe Gesprächslärm und Musik. Schon darum habe ich mir angewöhnt, in Cafés oder auf Reisen zu schreiben.

Nur wenn ich Zugriff auf Unterlagen brauche, die ich nicht ständig mit mir rumschleppen kann, gehe ich ins Büro, ansonsten suche ich menschliche Nähe. Hinzu kommt, dass ich mich auf Bühnen sauwohl fühle – je größer, desto wohler. Ich bin immer schon gerne aufgetreten.  

Mit „Der Schwarm“ haben Sie die Messlatte für Ihr neues Buch sehr hoch gelegt. Ist das neue Buch den hohen Anforderungen gewachsen? 

2004, als der „Schwarm“ auf den Markt kam, dachte ich, ich warte ein paar Wochen, bis der Hype abgeflaut ist, und dann schreibe ich den Nachfolger. Aber aus den Wochen wurde ein Jahr, und als ich 2005 endlich loslegen wollte, hatte sich eine gewaltige Barriere in meinem Kopf aufgebaut. Nach einem Megaerfolg wie dem „Schwarm“ stehst du unter Druck, ob du willst oder nicht.

Ich hatte einen Berg überquert, ohne es zu merken, jetzt sah ich einen vor mir aufragen! Ich hatte erstmals im Leben das Gefühl, gegen mich selbst antreten zu müssen – nicht eben die ideale Ausgangsbasis, wenn du ein neues Buch schreiben willst. Also machte ich was anderes, spielte Gitarre, schrieb Soundtracks für Hörbücher, verfasste ein Sachbuch und wurde den Krampf im Hirn darüber wieder los.

Als ich dann mit den Recherchen zu LIMIT begann, stellte ich fest, dass mich der „Schwarm“-Erfolg nicht länger beeindruckte. Ich hatte einfach Lust,wieder eine Geschichte zu erzählen, und basta. Ob die was Besonderes geworden ist,ob sie den Anforderungen standhält, müssen andere beurteilen.  

Warum werden Menschen, die den „Schwarm“ mit Begeisterung gelesen haben,auch Ihr neues Buch gut finden? Kurzum: was wird ähnlich, was wird anders sein? 

Wer LIMIT liest, reist in eine mögliche Zukunft, ins Jahr 2025, nach Shanghai, Berlin, London und Venedig, nach Afrika und zum Mond. Es geht um Energiewirtschaft, um den Machtpoker multinationaler Konzerne, um die Zukunft der bemannten Raumfahrt - sehr actionreich, mit etwas mehr Humor als im „Schwarm“, und Sex gibt’s natürlich auch – in der Schwerelosigkeit.

Das könnte „Schwarm“-Lesern auch darum gefallen, weil der Weltraum und die Tiefsee gar nicht so weit auseinander liegen. In beiden Fällen tauchst du ein ins Unbekannte, Unerforschte, hier wie da trittst du die Reise in dein eigenes, dunkles Selbst an.

Am Grunde des Pazifiks, auf dem Mond, auf fremden Planeten oder am Rand des Universums sucht der Mensch letztlich immer den Menschen, will er Antworten auf die immer gleichen Fragen: Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir?  

Ihr Buch ist im Oktober erschienen, der Rummel war riesig. Jetzt gehen Sie jedoch nicht klassisch auf Lesereise, sondern erst Ende Februar auf Tournee. Warum? 

Um zwischendurch aufzutanken. Die letzten Monate, die ich an LIMIT gesessen habe, waren ein Wettrennen gegen die Zeit, weil ich das Buch unbedingt zur Frankfurter Buchmesse rausbringen wollte.

Im anschließenden Medienrummel blieb keine Zeit, auch noch Auftritte zu konzipieren, und mein Programm ist ja ein bisschen aufwändiger als herkömmliche Lesungen. Außerdem, nach so einem Mammutprojekt wie LIMIT muss man erst mal zu Atem kommen. Es war mir wichtig, wieder mehr Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden zu verbringen.  

Warum wird es eine Show und keine Lesung? 

Wegen der Schauwerte. Das Thema hat viel Unterhaltungspotenzial für eine Multimedia-Show. Außerdem war ich nie ein Freund klassischer Lesungen. Es gibt tolle Performer unter den Autoren, aber die meisten erwecken doch eher den Eindruck, als fühlten sie sich in der Rolle des Vorlesers unwohl.

Sie müssen eine Stunde an einem Tisch sitzen, quälen sich mit ihren eigenen Texten rum, und der Zuhörer kriegt Rückenschmerzen oder schläft ein. Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen, auf anregende, aufregende Art.  

Was sieht und erfährt der Besucher der Show, was im Buch nicht zu finden ist? 

Genau darum geht es – mehr zu bieten als vorgelesene Texte. Bei LIMIT - Live arbeite ich, wie schon bei der „Schwarm“-Tour, mit großer Leinwand, Filmeinspielern und Musik, die sich wie ein Soundtrack durchs Programm zieht. Ich spreche über Zukunftsvisionen, über Hintergründe der Story, es gibt kabarettistische Einlagen und ein paar nette Gags, um LIMIT auf der Bühne lebendig werden zu lassen.

Man soll sich wie im Kino oder auf einem Popkonzert fühlen. Insbesondere die Filmeinspieler sind hochklassig, teils hollywoodreif getrickst. Das ZDF hat mir phantastisches Material zur Verfügung gestellt, aber auch die ESA, die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft DLR.  

Wieviel Frank Schätzing steckt in der Produktion? 

Das kreative Konzept habe ich im Alleingang entwickelt, in der technischen Umsetzung mit Profis gearbeitet.   

Man sagt, Sie produzieren auch die Musik selbst… 

Stimmt, ich komponiere sie und spiele das meiste selbst ein. Hier und da assistieren im Studio Musiker, wenn ich ein Instrument nicht beherrsche. Im „Future-Check“ etwa, einer filmischen Reise in die nahe Zukunft, lebt die Musik stark vom Einsatz einer Solovioline, dafür konnte ich eine tolle Geigerin gewinnen. Die Musik nimmt während der Show dieselbe Funktion ein wie Filmmusik, sie dient als dramaturgischer Verstärker und schafft Stimmungsbilder.  

Sie wenden sich, das zeigen auch die gewählten Veranstaltungsorte, an ein großes Publikum. Wie wollen Sie gewährleisten, dass auch in großem Rahmen der Funke überspringt

Das kann man nicht gewährleisten, nur versuchen. Es funktioniert umso besser, je weniger man sich von der Größe des Veranstaltungsorts und der Vielzahl der Besucher beeindrucken lässt. Gerade, wenn man mit Special Effects arbeitet, ist es wichtig, auf der Bühne gelassen und authentisch zu bleiben, einfach man selbst.

Ich habe die Feststellung gemacht, dass die Größe einer Location keine Rolle spielt, wenn die Chemie zwischen Künstler und Publikum stimmt. Man muss selbst Spaß haben an dem, was man da tut, und diesen Spaß auf die Ränge übertragen. Dann kann sich bei einem Riesen-Event eine intime Atmosphäre einstellen.

Bereits mit dem „Schwarm“ waren Sie auf Tournee und wurden vom Publikum gefeiert. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit nutzen Sie in der Vorbereitung auf die neue Tournee? Was wird neu, anders, noch besser sein? 

Beim „Schwarm“ gab es eine deutliche Trennung zwischen Film und Performance. Solange ich auf der Bühne agierte, liefen keine Filme, wurden welche gezeigt, war von mir nichts zu sehen. Bei LIMIT werden alle Elemente stärker ineinander verwoben, Sound, Vision, Performance.    

Tickets sind an den bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 01805/607070 (0,14€/Min. / Mobilfunkpreise können abweichen) sowie im Internet unter www.argo-konzerte.de  erhältlich

Carolin Hilzinger

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07.11.2009 Azadeh und Somayeh Alizadeh waren der Hingucker

Michaela Boland

Köln. An schönen Frauen mangelte es beim jüngsten Kölner Kulturtreff im Zollhafen keinesfalls. Die Modeltauglichen Freiburger Schwestern Azadeh und Somayeh Alizadeh jedenfalls waren der Hingucker des Abends.

Zum ersten Mal nahmen die Kauffrau und die Erzieherin an der beliebten Veranstaltung, deren Einladungen namentlich erfolgen und nicht übertragbar sind, teil und zeigten sich von der Stimmung begeistert.

Organisator und Ex-EMI-Promotion-Manager Winni Ebert hatte seine illustren Gäste diesmal zur Zusammenkunft ins neue In-Lokal Sportsbar in schmucker Umgebung und mit direktem Blick auf den Rhein geladen. 300 Vertreter aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren bei lauer Sommernachatmosphäre mitten im Frühling gerne erschienen, um kulturelle Neuigkeiten und Visitenkarten auszutauschen.

Bei Fingerfood, Kölsch, Sekt und Wein ließ es sich wahlweise unter „geschlossenem“ oder freiem Himmel wunderbar plaudern. So erzählte Schauspieler Ralf Richter beispielsweise vom neuen geplanten Internetprojekt, bei welchem Castingshows persifliert werden und Protagonist „Kalle“ eine Braut („Olle“) suchen soll..

Ex-WDR 2- Moderator, Robert Treutel, besser bekannt als Comedian „Bodo Bach“, der für seine Telefonscherze bekannt ist, unterbrach sein erfolgreiches 3. Tourneeprogramm „Viertel nach Bach“ nach Stationen in Hamburg und Kiel gerne für einen Zwischenstop in Köln, bevor es schon bald in Hessen weitergeht.

Seit acht Jahren steht der Comedian, der als Hörfunkmoderator der Kultsendung „Schlagerralley“(WDR 2) und „Musik Convoy“ (WDR Fernsehen) bekannt wurde, auf der Bühne. „Manchmal muss man die Leute vor sich selbst schützen, weil sie so viel erzählen“, weiß der gebürtige Hesse.

Auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm, bei dem er sein Publikum ganze zwei Stunden unterhält, ruft er als Bodo Bach solche Nummern, an, die ihm die Leute geben und treibt zur Belustigung der Anhängerschaft vor Ort live seinen Schabernack mit ahnungslosen „Opfern“ zu Hause.

Ebenfalls unter den Gästen: WDR-Musikredakteurlegende Werner Hoffmann. Seinen wie nagelneu blitzenden russischen GAZ, unmittelbar im Eingangsbereich der Feier-Location geparkt und fast an einen antiken Opel Admiral erinnernd, ließ der pensionierte WDR-Mann gerne von jedem bewundern.

Rosarot erscheint derzeit wohl nahezu alles für Schauspieler und Partysänger Willi Herren. Grund: Der ehemalige Lindenstraßen- und RTL- Dschungel-Camp-Star ist frisch verliebt. Seit vier Monaten treibt die hübsche 25-jährige Diplom-Eventmanegerin, Kanika Kaltenberg den einst skandalumwitterten Mimen zur Bestform an.

Mit frisch gebleachten Zähnen und körperlich topfit erzählt er denn auch, wie er sich um Freundin Kanikas Willen für eine echte Kuh einsetzte und prompt in einen Rechtsstreit verwickelt wurde. Hintergrund: Kanika hatte Mitleid mit einem noch kleinen Rindvieh, welches sein Bauer aufgrund von Problemen mit dem rechten Vorderbeinchen für den Schlachthof vorgesehen hatte.

Held Herren läutete eine Rettungsaktion für Kalb „Anita“ ein und fotografierte die junge Kuh auf des Bauers Weide. Dieser verklagte Willi Herren darauf hin wegen des Rechts am Bild an seiner Kuh, erzählt der Schauspieler. Über Dieter Bohlen weiß er eine ganze Menge: Horst Hültenschmidt.

Der erfolgreiche Verleger (Gallery Art of Music – GAM) war nämlich etliche Jahre als Promotor für den Pop-Titan im Einsatz. Weil er nur Augen für Werner Hoffmans GAZ hatte, plauderte der Unternehmer, der auch Metallica, die Scorpions und Bon Jovi betreute, an diesem Abend aber nicht aus dem Nähkästchen.

Dass nicht nur Frauen das Geheimnis langanhaltender Jugend gepachtet haben, stellten die Musikproduzenten Oliver Schmidt und Jürgen Backes von den Labels SWOP MUSIC aus Pulheim und Culture of Music unter Beweis. Das schlichte Geheimnis der beiden Mid-Vierziger:

Während Oliver bei Lektüre von Dan Brown im Garten entspannt, ist Jürgens Jungbrunnen die einjährige Tochter Penelope. Auch gesehen: Hedwig- Neven -DuMont-Bruder Charles von Auersperg , Consultant Ralf Metternich und Unternehmer Ralf Kleinherne.

Der nächste Kulturtreff, weiß Mitorganisatorin Gloria Herskamp, wird bereits Anfang Juni im Hotel The New Yorker im Stadtteil Mülheim stattfinden.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

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01.11.2009 Im Kölner „Past & Future“, der lauschigen Astro Bar

MICHAELA BOLAND - 10 Bilder

Im Kölner „Past & Future“, der lauschigen Astro Bar mit Restaurant, tagte jetzt der erste „Künstlerstammtisch“ seiner Art (Anm. d. Red.: freundederkuenste.de berichtete).

Wenn Ex-RTL Kommunikations-Chef Hendrik Schmidt und Jung-Moderatorin Julia Fröhlich (Lifestyler TV) Sekt schlürfen, sich Malerin Sigrun Nenzel statt mit Ehemann Volker Nenzel (Ex-WDR Unterhaltungsredakteur/ Boulevard Bio) ausnahmsweise mit Star-Kostümbildner Hans van Almsick ( www.tausend-schoen.com ) an leckerer Paella gütlich tut und anschließend heiße Rhythmen lateinamerikanischer Klänge in anmutigen Tanzfiguren einiger Gäste Ausdruck finden, dann ist der etwas andere Künstlertreff angesagt.

Gastro-Inhaberin Aida Le Pesqueur hatte sich mit tatkräftiger Unterstützung der Kölner Malerin Ursula Wandel überlegt, wie man Künstler aus unterschiedlichsten Bereichen vereinen und zu regem Gedankenaustausch bringen könnte.

Die Antwort lag regelrecht auf der Hand: In der gemütlichen Atmosphäre des „Past & Future“ in der Hamburger Straße bei kostenfreiem Begrüßungsdrink, spanischem Essen und anregender Musik fiel es den zahlreichen Gästen nicht im Geringsten schwer, schnell miteinander ins Gespräch zu finden und später sogar das Tanzbein zu schwingen.

Die besondere Mischung der Geladenen ermöglichte dann auch solchen Kunstschaffenden den Dialog , die ansonsten eher selten miteinander in Berührung kommen.

So bekamen Kabarettistin Sylvia Brecko, die noch am 04.06.2010 mit ihrem aktuellen Programm „Liebling, wir müssen reden“ im Kölner Ateliertheater zu sehen ist, und der portugiesische Salsa-Tanzguru Vitor Manuel Jorge doch einiges zu Lachen als sie fürs gemeinsame Foto posierten ohne sich zu kennen

Ob Jorge, der behauptet, dass deutsche Männer ihre Hüften nicht bewegen könnten, seine Meinung nach diesem Abend revidierte, wird er erst beim nächsten Mal verraten.

Moderationssternchen Julia Fröhlich (27) berichtete begierig vom neu geplanten Eigenprojekt, nämlich einer neuen TV-Doku über den neusten Tanztrend aus den USA, „Sumba“, einer Mischung aus Aerobic, Salsa und Merengue.

Die hübsche Sprachstudentin, die selbst bereits seit Jahren begeistert lateinamerikanisch tanzt, ist derzeit jeden ersten und dritten Freitagabend um 21.00 Uhr bei Center TV Köln zu sehen.

Glas-Objekt-Künstlerin Bärbel Weides aus Porz , u.a. bekannt durch TV-Auftritte wie der WDR-Hobbythek mit Jean Pütz, erzählte beim Essen schmunzelnd, wie Moderator und Spätvater Pütz sie noch heute bei jedwedem Aufeinandertreffen begrüße, nachdem sie seinerzeit recht freizügige gläserne Exponate für die Sendung angefertigt habe.

Hendrik Schmidt, erster Pressechef des TV-Senders RTL, schwelgte an diesem Abend wohl in vergangenen Zeiten und erinnerte sich bei Tisch an seine gemeinsame Studienzeit mit Rudi Dutschke. Auch der späteren. Terroristin Ulrike Meinhof, welche er früher gekannt habe, bescheinigte er außergewöhnlich hohe Intelligenz, allerdings völlig falsche Handlungsansätze.

Tanz-Veranstalterin Gloria Herskamp und Freundin Monica Zepeda Martinez verließen die Veranstaltung bereits bei Zeiten Anlass: Herskamp rief jetzt das neuartige Folklore-Event „Inovidables Noches Latinas“ mit Chanconier Carlos Mordes ins Leben, für welches es noch jede Menge vorzubereiten galt.

Percussion-Künstler Erik Gonzales überzeugte die Gäste bei einer fetzigen „unplugged“ Trommel- Darbietung bereits kurz vor dem Essen von seinem Können.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die sich gerade durch gemütliche Ungezwungenheit auszeichnete. So will Veranstalterin Aida Le Pesqueur ihren Künstlerstammtisch künftig denn auch regelmäßig einmal pro Monat stattfinden lassen.

link zu „Past & Future“ DIE BAR VON HEUTE MIT DEM BLICK AUF MORGEN – MICHAELA BOLAND HAT SIE FÜR UNS BESUCHT

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

Foto 1: Hendrik Schmidt und Michaela Boland
Foto 2: Aida Le Pesqueur und Erik Gonzales

Foto 3:  Sigrun Nenzel und Hans van Almsick

Foto 4: Sylvia Brecko und Vitor Manuel Jorge

Foto 5:  Bärbel Weides

Foto 6: Julia Fröhlich

Foto7:  Uli Kross und Uschi Wandel

Foto 8:  Aida Le Pesqueur und Vitor Manuel Jorge

Foto 9:  Erik Gonzales

Foto 10 Monica Zepeda Martinez und Gloria Herskamp

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16.08.2009

Dieter Reitz - mit 5 Bildern

Oliver Kunkels Arbeitsstil begründet sich hauptsächlich auf einen konzeptionellen Rahmen, ohne sich allerdings darauf festzulegen. Diese Vorgehensweise führt zu intuitiven, emotionalen Arbeiten, die auch ohne Beschreibung existieren können.

Da er von der konzeptionellen Kunst kommt, richtet sich sein Hauptaugenmerk auf den menschlichen Körper, entweder auf seinen eigenen oder auf die physischen oder psychologischen Reaktionen des Betrachters, der animiert wird zu agieren bzw. seine Gefühle zu zeigen.

Durch seine Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, Körperteilen, Körpersäften - thematisiert er soziologische Phänomene, ihre soziokulturellen Auswirkungen, ihre doppelte Bedeutung; der Mensch im Allgemeinen und die gesellschaftlichen Einflüsse aufzeigend, denen er ausgesetzt ist.

Die Wahl des Mediums hängt ab von der Konzeption bzw. der Idee. Auf diese Art und Weise verbindet er verschiedenartige Materialien und Medien; die Ergebnisse variieren:

Die meisten Werke sind Skulpturen, Videos, Installationen, Performance und Fotos, meist sind sie miteinander verbunden. Mit der bewußten Einbeziehung der Reaktionen des Betrachters bietet er Möglichkeiten zur Selbstreflektion und macht auf die Zerbrechlichkeit unserer Zivilisation aufmerksam.

Oliver Kunkel war Student von Rosemarie Trockel an der Kunstakademie Düsseldorf, und von Valie Export, Stahl Stenslie, Peter Zimmermann, Marcel Odenbach und Juergen Klauke an der Kunsthochschule Köln.

Künstlerseite: www.oliverkunkel.com

Galerie: Dieter Reitz Berlin

Böttgerstraße 18 | D-13357 Berlin

T: ++49 (0)30-28 047 056

www.galeriedieterreitz.de

 

Bilder:

1) Bluecoast office cologne, 2008

2) Sleeping Beauty Syndrome I, 2008

3) Roadkill, 2007, 3 D modeled lambda print

4) -6) Little plastic surgery, 2006, installation and video

 

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29.05.2009 25 Jahre - ein traum wird wahr

Pop-Star Robin Gibb von den legendären Bee Gees befindet sich nach fünf Jahren jetzt wieder auf Deutschland Tournee.  Seit dem ersten Mai tourt er durch die größten Hallen unseres Landes und begeistert seine Fans im Rahmen des Programms „An Evening of Bee Gees Greatest Hits“. Einer seiner wohl größten Fans ist Moderatorin Michaela Boland. Im Alter von 13 Jahren hatte sie 1983 beschlossen, den Mega-Star zu interviewen. Dass es 25 Jahre bis dahin dauern und hierfür notwendig sein würde, erst einmal Journalistin zu werden, hatte sie damals zunächst zwar nicht gedacht, wurde dann jedoch eines Besseren belehrt. In Oberhausen war es nun endlich soweit, der Juliet-Sänger nahm sich Zeit zum Plausch.

 

Michaela Boland:        

Robin, Du hast in Deinem bisherigen Leben schon jede Menge Tourneen hinter Dir. Genießt Du es heute anders, live auf der  Bühne zu stehen, als beispielsweise vor 20 bis 30 Jahren?

 

Robin Gibb:          

Ja, der Unterschied ist, dass wir heute einen so großen Katalog an Liedern haben. Wir sind sehr stolz darauf, ihn im Laufe der Jahre immer weiter aufgefüllt zu haben. Die meiste Zeit unseres Lebens haben wir Songs geschrieben, was wir auch immer sehr genossen haben. Das erreicht zu haben, was wir erreicht haben, ist etwas, worauf wir sehr stolz sind. In diesem Bewusstsein heute auf der Bühne zu stehen und diese Lieder zu singen, ist insofern schon etwas anderes.

   

Michaela Boland:        

Nach welchen Kriterien hast Du bei all Euren Hits entschieden, welche Songs Bestandteil Deines aktuellen Tourprogramms sein sollen und welche nicht?

 

Robin Gibb:          

Es gilt immer sicherzustellen, nicht zu viele Wiederholungen einzubauen. Da gibt es ja eine riesige Auswahl. Und natürlich sind da einige Songs, die man lieber singt als andere. Und da gibt es ja auch Lieder, die wir für andere Leute geschrieben haben und die wir selbst nicht aufgenommen haben, die ich diesem Programm zum ersten Mal singe. Wie z.B „Woman in Love“ für Barbra Streisand, „Islands in Stream“,  „Emotion“ das Beonce mit Destiny`s Child interpretiert und zum Welterfolg gemacht wurde, „Heartbreaker“ (Dionne Wawrick), also alles Lieder, die wir normalerweise nicht auf der Bühne singen würden. Aber nichts desto trotz  sind es nach wie vor unsere Songs. Insoweit ist es dann lediglich eine Frage, wie man jene Lieder herüberbringt. Also jedes Mal, wenn wir uns auf eine Show vorbereiten, gehen wir den ganzen Katalog durch und überlegen uns, was wir wie machen. So einfach ist das.

 

Michaela Boland:        

Manche Besucher des Konzerts haben unterschiedliche Lieder vermisst.

 

Robin Gibb:            

Nun, die Menschen möchten natürlich immer, dass man ganz bestimmte Songs singt. Doch das würde den Rahmen unweigerlich sprengen.

 

Michaela Boland:        

Ein Stück innerhalb des Programms hast Du einem gewissen DJ gewidmet. Was hat es damit auf sich?

 

Robin Gibb:          

Ja, das ist ein brandneuer Song, der bisher noch nicht mal veröffentlicht wurde. Er ist Alan Freeman gewidmet, der ein Pioneer Disc-Jockey in den 60-er Jahren war. Er hat insoweit Pionierarbeit hinsichtlich britíscher Musik und  dem Songwriting betrieben, als dass er den Weg für britische Musik in die Staaten geebnet hat, die Beatles eingeschlossen. Er brachte als einer der Ersten britische Musik in die USA und hat eine Plattform hierfür  geschaffen. Das soll eine Ehrerbietung an ihn sein.

 

Michaela Boland:        

In der Regel hat die Musik der BeeGees einen sehr beschwingenden Charakter. Es macht einen irgendwie fröhlich, wenn man ein Stück von Euch hört, selbst wenn man kurz zuvor noch schlechte Laune hatte. Was ist das Geheimnis dieser Gabe, anderen Menschen ein gutes Gefühl vermitteln zu können?

 

Robin Gibb:                

Das ist eigentlich kein Geheimnis. Ich glaube, das, was unser Manager, Robert Stigwood, einmal zu uns sagte als wir das erste Mal zurück nach England kamen und wir übrigens stets in Erinnerung behalten haben, ist der Grund. Er meinte: „Schreibt 40 Jahre in der Zukunft, schreibt über menschliche Gefühle!“ Und das haben wir immer beherzigt, wir sind immer solchen Songs verhaftet geblieben,  mit denen auch die Leute einmal würden etwas anfangen können, die da noch gar nicht geboren waren. Mit menschlichen Gefühlen können sich nun mal alle identifizieren. Und das ist etwas, was die Menschen offenbar immer verbindet, Junge ebenso wie Alte. Es ist ein Teil von ihnen, sie finden sich selbst in den Stücken wieder. Ich glaube, das ist der Grund, das sind die Zutaten. Schlicht und ergreifend: Emotion, Melodie und menschliche Beziehungen.

 

Michaela Boland:      

Hattest Du eigentlich auch jemals ein Idol?

 

Robin Gibb:                

Roy Orbison. Er wurde Jahre später dann ein persönlicher Freund. Er war meine erste Inspiration als ich sehr jung war. Die erste und letzte Platte, die ich jemals gekauft habe, war von ihm.“Crying“ Ich war elf Jahre alt und lebte noch in Brisbane. He war einfach bahnbrechend und neuartig.

 

Michaela Boland:        

Was war der schönste Moment in Deiner Karriere?

 

Robin Gibb:

Musik zu schreiben. Wir begannen ja Musik zu schreiben als wir acht Jahre alt waren. Wir hörten immer Radio und wir drei forderten uns gegenseitig dazu heraus, einmal einen Song zu schreiben, der auch mal im Radio gespielt werden würde. Ich glaube wirklich, das Schönste in unserer Karriere war und ist stets, das Komponieren. Ein Komponist sein zu dürfen. Wir sind niemals darin unterrichtet worden. Das ist alles ist immer einfach in unseren Köpfen gewesen. Musik lässt Dich irgendwie ganzheitlich fühlen, sie kann Dich zu einem anderen Ort tragen, sie hat einfach so viel zu bieten, vielmehr als nur Worte. Es fühlt sich schlichtweg gut an, dazu in der Lage zu sein, Musik komponieren zu können.

 

Michaela Boland:        

Was hättest Du eigentlich für einen Beruf ergriffen, wenn Du keine Musikkarriere gemacht hättest?

 

Robin Gibb:                

Oh, Zimmermann oder Schreiner! Nein, keine Ahnung. Ich habe nie in Betracht gezogen, etwas anderes zu tun, weil ich immer genossen habe, das zu tun, was ich mache. Ich glaube, ich hatte immer Spaß. Ich hätte nicht irgendetwas tun können, nur um Geld zu verdienen, ohne es zu lieben.

 

Michaela Boland:        

Inwieweit interessierst Du Dich für Dich für bildende Kunst?

 

Robin Gibb:                

Ich mag photographische Kunst sehr. Manchmal interessiere ich mich auch für Malerei, aber es ist eher die Photografie, die es mir angetan hat.

 

Michaela Boland:        

Ist es für  jemanden, wie Dich, der stets ursprüngliche eigene Musik gemacht hat, schwer zu verstehen, wie heutzutage Pop-Stars in Castingshows „hergestellt“ werden?

 

Robin Gibb:                

So richtig komme ich da in der Tat nicht mit. Ich meine, das sind natürlich nur Fernsehshows. Es sind gutgemachte Sendungen, ich bezeichne sie als gelenktes Fernsehen. Das hat nichts mit guter Musik zu tun, sondern mit guter TV-Unterhaltung. Dort geht es um Einschaltquoten. Und deshalb ist es eigentlich schwierig zu behaupten, dass aus ihnen Stars hervorgingen. Ob es tatsächlich um Talent geht, weiß ich nicht. Alles, was ich eigentlich daraus schließe, ist lediglich, dass Plattenfirmen heute völlig anders sind als zu der Zeit als wir im Musikbusiness anfingen. Also, wenn man eine große Bandbreite an Songs hat, ist das natürlich gut, aber wo sind die neuen Acts, die heutzutage ihre Karriere beginnen, wie sollen sie sich diese große Bandbreite erschaffen, die beispielsweise Leute wie wir, Lennon/Mc Cartney, Abba, Queen oder Elton John haben. Wo sind diese neuen Acts?

 

Michaela Boland:        

Hältst Du es denn grundsätzlich für möglich, neue Bands dieser Größenordnung zu erschaffen?

 

Robin Gibb:                

Nein, nicht in dieser Industrie.

 

Michaela Boland:        

In den frühen 90-igern gab es einen Bee-Gees Hit mit dem Titel odinary lives. Wie gewöhnlich lebst Du eigentlich tatsächlich?. Könnte man Dich beispielsweise zu Hause auch mal im Garten beim Einpflanzen von Blumenzwiebeln antreffen?

 

Robin Gibb:                

Nein, eher nicht. Songs sind zwar biografisch, doch sie zu schreiben ist ein bisschen wie schauspielern. Du stellst Dir eine andere Person in diesem Song vor, aber du gibst nicht notwendigerweise das Leben wieder, dass Du selbst lebst. Ich glaube zwar, dass die Menschen die Vorstellung mögen, dass es sich um Dich selbst handelt, aber wenn Du das tätest, würdest Du ja irgendwann zusammenbrechen. Du kannst natürlich nicht all das sein, worüber Du so schreibst, aber Du kannst über Gefühle schreiben, was wir ja stets gerne tun und immer getan haben. Ich glaube einfach, letztendlich geht es doch immer nur um die Umwandlung der Vorstellungskraft in einen Song.

 

Michaela Boland:        

Als vorsitzender Präsident der Dachgesellschaft der Verwertungsgesellschaften ( International Confederation of Societies of Authors and Composers /CISAC), welche sich für den Schutz der Kreativ-Schaffenden im Hinblick auf Verwertungsrechte einsetzt, hast Du jüngst massive Urheberrechtsverletzungen in den Ländern China, Russland, Afrika und Indien beklagt und jene Länder diesbezüglich öffentlich scharf kritisiert. Was kann man Deiner Meinung nach tun, um zu verhindern, dass der weltweiten Musikindustrie durch diese Länder weiterhin Verluste in Millionenhöhe entstehen, weil dort Urheberrechte oftmals mit Füßen getreten werden?

 

Robin Gibb:                

Zunächst einmal sei gesagt, dass es nicht ausschließlich um Autoren und Komponisten geht, sondern weltweit auch um Designer, Drehbuchautoren, Texter also Kreative allgemein. Es geht darum, die Urheberrechte dieser Menschen zu schützen. Es geht um Immaterialgüterrecht, das Recht am geistigen Eigentum. Es ist schlimm, wenn plötzlich jemand anderer Dein geistiges Eigentum besitzt und daran verdient. Fakt ist ja, auch bei dem, was ein Kreativer schafft, geht es um ein Produkt, im Prinzip genauso wie bei körperlichen Gegenständen. Die eben erwähnten Länder, gerade Russland und China bezahlen ja in dieser Hinsicht noch nicht einmal ihre eigenen Leute. Sie sind, was das anbelangt, auf einem Stand, auf dem die USA, Europa oder das United Kingdom bereits Mitte des 18. Jahrhunderts befand. Das gibt es noch sehr viel zu tun, das schafft man wohl nicht über Nacht auch in diesen Ländern den Kreativ-Schafenden zu ihren ihnen zustehenden Rechten zu verhelfen. Es geht zunächst mal darum, ein öffentliches Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen, gerade auch in diesen Ländern. Ich hoffe, es wird ein Wandel stattfinden. Man muss eben in den Ländern darüber sprechen.

 

Michaela Boland:        

Noch eine letzte Frage…

 

Robin Gibb:                

Ja, ich bin männlich, ich bin nicht homosexuell..(lacht).

 

Michaela Boland:        

Spürt man als Popstar eigentlich auch die Auswirkungen der augenblicklichen Weltwirtschaftskrise?

 

Robin Gibb:                

Also als Songwriter leben ja nicht wirklich auf Kredit. Und das ganze ist ja mehr oder weniger eine Kreditknappheit. Wir werden ja direkt bezahlt. Nur wenn Du leihst, spürst Du ja die Effekte. So gesehen ist es eigentlich ein Glücksfall in dieser Branche zu sein.

 

Michaela Boland:        

Herzlichen Dank für dieses Interview und viel Spaß bei Deinen weiteren Deutschland Auftritten in Hannover (17.05.2009) und Frankfurt (19.05.2005)

Siehe hierzu auch unsere Konzertempfehlung.

  

ROBIN GIBB wurde am 22.Dezember 1949 als drittes Kind von Barbara und Hugh Gibb, einer Sängerin und einem Drummer aus Manchester, in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man, geboren. Gemeinsam mit seinem um 35 Minuten jüngeren Zwilling, Maurice, und dem drei Jahre älteren Bruder Barry, stellten sie als Bee Gees die erfolgreichste Familien-Pop-Band aller Zeiten dar. Neben Maurice (gest. 2003) und Barry wuchs Robin mit der älteren Schwester Lesley und dem Nesthäkchen Andy (gest.1988) auf.

Bereits im Alter von sechs Jahren hatten Robin und seine Brüder erste öffentliche Auftritte in Manchester, wohin die Familie 1953 wieder zurück gezogen war. Schon im Kindesalter  bastelten Robin, Maurice und Barry sich Gitarren und traten damit im Kino als Band auf. In Wirklichkeit taten sie nur so als ob sie spielten und im Hintergrund lief eine Platte. Als diese jedoch einmal zerbrach, sangen sie selbst und hatten so großen Erfolg damit, dass am nächsten Tag die Zeitung darüber berichtete.

Damit war der Grundstein für ihre Musikkarriere gelegt. 1958 wanderte die Familie Gibb nach Australien aus. Hier fanden die musikalischen Brüder bald wieder die Möglichkeit, öffentlich aufzutreten: Sie sangen an einer Rennstrecke in den Pausen der Rennen. Auf diese Weise wurde ein bekannter australischer DJ auf sie aufmerksam, der mit ihnen ein Demotape aufnahm. Um die Musik der Jungen vermarkten zu können, kreierte man den Namen Bee Gees, der für Brothers Gibb steht.

Die Band begeisterte die Australier mit harmonischen Gesängen und Robin, der in den meisten Liedern die erste Stimme sang, steuerte das hohe Falsett bei, das zum Markenzeichen der Bee Gees wurde. Verstärkt durch Gitarrist Vince Melouney und Schlagzeuger Colin Petersen hatten sie im Frühjahr 1967 ihren ersten weltweiten Millionen Erfolg mit der düsteren Ballade „New York Mining Desaster 1941“. Es folgten weitere Hits wie „To love somebody“, Massachusetts“, „World“, „Words“, I`ve got a massage to you“ u.v.a. Die Bee Gees wurden innerhalb kürzester Zeit als größte Konkurrenz der Beatles gehandelt.

Ende 1969 löste sich die Gruppe auf, nachdem sich die Brüder zerstritten hatten. Als erster verließ Vince Melouney, dann Robin Gibb und dann Colin Petersen die Band. Die einzelnen Mitglieder schlugen Solopfade ein, dabei war Robin der Erfolgreichste. Mit „Saved by the bell“ hatte Robin im selben Jahr einen weltweiten Hit. Das Soloalbum „Robin`s Reign“ folgte 1970. Nach 15-monatiger Trennung fanden die Brüder wieder zusammen und feierten in den 70er Jahren unzählige Erfolge u.a mit der Filmmusik zu "Saturday Night fever“, mit welchem sie die Disco Ära maßgeblich prägten. Dieser Soundtrack zum Film mit Welthits wie „Stayin`alive“, „Night Fever“ und „How deep is your love“ machte die Bee Gees zu Mega Stars. Das Album ist bis heute der zweitmeistverkaufte Soundtrack in den USA. Nur „Bodyguard“ von Whitney Houston ging dort häufiger über den Ladentisch.

Als es in den 80ern wieder etwas ruhiger um die Bee Gees wurde, brachte Robin weitere Soloalben heraus, die ebenfalls Hits hervorbrachten. Der bekannteste davon war „Juliet“ von dem Album „How old are you?“ Er landete mehrere Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. 1984 erschien das Album „Secret Agent“ mit dem Single Hit „Boys do fall in Love“. 1985 veröffentlichte Gibb das Album „Walls have eyes“. Die Auskopplungen „Like a Fool“ und „Toys“ wurden von den Radiostationen rauf und runter gespielt.

Nach einer Pause, in denen die Bee Gees wieder gemeinsam aktiv gewesen waren, veröffentlichte Robin dann erst 2003 wieder ein Soloprojekt. Mit dem Album „Magnet“ und dem Single Hit „Please“ begeisterte der Sänger nicht nur seine Fans. In 2006 folgte dann noch ein Weihnachtsalbum mit dem Titel „My Favourite Christmas Carols“. Im Jahre 2007 nahm Robin gemeinsam mit der Pop-Band US 5 den Bee Gees-Klassiker „Too much heaven“ erneut auf.

Das offizielle Ende der Pop-Gruppe Bee Gees wurde im September 2006 bekannt, nachdem Robin und Barry bereits am 12. Januar 2003 den Verlust ihres Bruders Maurice, der plötzlich und unerwartet verstarb, hinnehmen mussten. Künftige gemeinsame Projekte von Robin und Barry würden nunmehr nicht mehr unter dem Namen Bee Gees, sondern Brothers Gibb veröffentlicht werden .Robin Gibb war in erster Ehe mit der Sekretärin Molly Hullis verheiratet. Aus dieser Ehe gingen Sohn Spencer Gibb (36) und Tochter Melissa Gibb (34) hervor. Die Ehe wurde 1980 geschieden. In zweiter Ehe ist der Sänger, Texter und Komponist mit Dwina Murphy Gibb verheiratet. Aus dieser Ehe stammt Sohn Robin-John Gibb (26). Aus einer Affäre mit seiner Haushälterin, Claire Yang, ging Gibbs bisher jüngste Tochter, Snow Evelyn Robin Juliet Gibb (sechs Monate), hervor. Im Mai 2004 erhielt Robin Gibb in Manchester die Ehrendoktorwürde der Universität.

 

MICHAELA BOLAND ist Journalistin und TV-Moderatorin. Für den Westdeutschen Rundfunk stand sie nach dem Jura-Studium seit 1996 als jüngste deutsche Fernsehmoderatorin eines Unterhaltungsformates für die sonntagnachmittägliche Sommer-Familien-Talk-Show „Hollymünd“ vor der Kamera. In der ARD präsentierte sie neben ihrer Tätigkeit als Redakteurin der creatv-Fernsehproduktions GmbH für die daily Talk-Formate „Hans Meiser“ und „Oliver Geissen“, die Vorabend Live-Show „Studio Eins“. Als Guten-Abend-RTL-Reporterin berichtete Michaela über spannende Themen aus ganz NRW. Außerdem war sie Gastgeberin der Freitag-Abend-Gala-TV-Show „Casino Life“auf TV NRW.

 

 

 

 

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