hamburger-retina

Exklusiv Interviews

05.08.2017 Ganz schön cool kommt sie daher

GFDK - Michaela Boland

Medina, die Tochter einer Hippie-Frau und eines chilenischen Widerstandskämpfers singt in englischer Sprache und in ihrer Muttersprache dänisch. Mitlerweile hat Medinna in ihrer Heimat bereits dreifachen Platin-Status erreicht. 2010 hat Michaela Boland für die GFDK Medina getroffen und ein langes Gespräch mit ihr geführt.

Ganz schön cool kommt sie daher, die junge Dame. Medina lautet ihr wohlklingender Name und obwohl ihr gar nicht bewusst war, dass sie denselben mit einer westlichen Gegend in Saudi-Arabien teilt und er „ Die erleuchtete Stadt“ bedeutet, scheint sie immerhin ein Gespür dafür zu haben, wie man selbst zum Leuchtkörper am Firmament wird.

Die 27-jährige Künstlerin aus Dänemark ist nämlich derzeit im Begriff, ihren zweiten Smash-Hit in unseren Charts zu landen. Nach „You and I“, dem Titel mit absoluter Ohrwurmqualität, mit dem ihr hier in null Komma nichts eine Top Ten - Platzierung innerhalb der Media Control Single Charts gelang, legt die Dänin jetzt nach:

„Welcome to Medina“ ist ihr erstes internationales, absolut hitverdächtiges Album und seit dem 23.07.2010 auf dem Markt. Mit dem gewissen Timbre in der Stimme, das von Erlebtem zeugt und einem Auftreten, das einen, wie auch immer gearteten, jedoch in jedem Fall bleibenden Eindruck hinterlässt, ist eines sichergestellt:

Wer die Frau mit dem LOVE-Tatoo auf der rechten Handkante einmal getroffen hat, vergisst sie bestimmt nicht.

Entdeckt wurde die schnell gelangweilt wirkende Medina schon 2007. Damals arbeitete sie noch als Kellnerin in einer Sandwich-Bar und soll Eigenkompositionen vor sich hin „geträllert“ haben, so wie immer mal wieder, wenn sie sich im Betrieb „allein gewähnt“ habe.

So steht es zumindest im offiziellen Pressetext. Kein schlechtes Erfolgsrezept, denn als das dänische Musik-Produzentenduo „Providers“ (Rasmus Stabell und Jeppe Federspiel) wie so oft einmal wieder im Take-away-Food-Restaurant vorbeischaute, wurde es auf die hübsche junge Frau aufmerksam, lud sie kurzerhand ein und produzierte mit ihr. A star was born.

Fast wie im Märchen. Da kommt einem doch glatt der alte Human League Titel „Don`t you want me“ in den Sinn, dessen Textzeilen ebenfalls lauten „You were working as a waitress in a cocktailbar, when I met you. I picked you out, I shocked you up and turned you around.

Turned you into someone new”…..Ob sie sich seit ihrem Aufstieg zum Popstern tatsächlich in jemand anderen verwandelt hat oder immer noch dieselbe unangestrengte Persönlichkeit wie früher ist, versuchte Michaela Boland im Gespräch mit der toughen Medina herauszufinden 

Michaela Boland:

Sagt dir der alte Human League Titel „Don`t you want me“ zufällig noch etwas?

Medina:

Oh ja, ich kenne den Song.

Michaela Boland:

Erinnern dich die Textzeilen dieses Hits auch in gewisser Weise an deinen Karrierestart? Du hast ja auch mal als Kellnerin in einem Schnellrestaurant gejobbt, bevor dich die Produzenten Jeppe und Stabell entdeckt und sozusagen „da raus“ geholt haben. 

Medina:

Also ich habe in diesem Laden einfach nur Sandwiches gemacht als diese Jungs hereinkamen und mich gefragt haben, was ich da hörte. Da antwortete ich ihnen, dass es meine eigene Musik sei.

Michaela Boland:

Stimmt es, dass du regelmäßig in diesem Laden gesungen hast, wenn du dich allein glaubtest, so wie es in deiner offiziellen Presse-Biografie steht? Und vor allem, wann ist man denn in einem Schnellrestaurant tatsächlich einmal unbeobachtet und merkt nicht, dass zufällig ein bekanntes Produzententeam vor einem steht, während man singt und immer noch glaubt, man sei allein?

Medina:

Es war kein Restaurant, es war eine Sandwich-Bar. Und ich habe gar nicht gesungen, sondern an der Stereoanlage herumgespielt.

Michaela Boland:

Und wie ging es dann weiter?

Medina:

Sie kamen eben herein, so wie jeden Tag, hörten meine Musik und fragten mich, was das sei. Ich antwortete ihnen, dass ich das sei. Sie stellten sich als Produzenten vor und luden mich ein. Und dann fingen wir ein Jahr später an, zusammen zu arbeiten.

Michaela Boland:

Das klingt ja wie im Märchen. Mit Sicherheit träumen Tausende junger angehender Sänger und Sängerinnen von so einer Gelegenheit.

Medina:

Also ich habe niemals irgendwelche Versuche unternommen, die „richtigen Leute“ zu treffen. Diese Dinge sind einfach geschehen. Deshalb könnte ich auch nicht sagen, was andere Leute tun könnten, um das zu erreichen, denn ich weiß es nicht.

Michaela Boland:

Hast du womöglich insgeheim schon immer gehofft, dass du irgendwann einmal eine erfolgreiche Künstlerin sein würdest?

Medina:

Nein, ich habe mich eigentlich einfach nur treiben lassen. Aber ich arbeite hart. Ich bin ein Workaholic und würde nicht aufhören, an etwas zu arbeiten bis es zu Ende gebracht ist.

Michaela Boland:

Nachdem du vom Produzententeam entdeckt und eingeladen wurdest hat es noch ein ganzes Jahr gedauert, bevor die erste dänische Single „Kun for mig“(nur für mich) herauskam. Warum hat es noch so ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch genommen, bevor es endlich richtig losging?

Medina:

Weil ich sie ein ganzes Jahr lang nicht angerufen habe. Ein Jahr ist einfach so verstrichen, bevor ich zum Hörer gegriffen habe.

Michaela Boland:

Warum nur?

Medina:

Die Zeit ist irgendwie so verstrichen. Ich weiß nicht. Das ist einfach passiert. Ja, und dann habe ich sie angerufen und schon drei Monate später hatten wir das erste Album draußen. Ich habe ja zwei Alben in dänischer Sprache und eins in Englisch. 

Michaela Boland:

Ist Medina eigentlich dein wirklicher Name?

Medina:

Es ist mein Vorname.

Michaela Boland:

Medina lautet ja auch der Name einer westlichen Stadt innerhalb Saudi-Arabiens. Er bedeutet: „ Die erleuchtete Stadt“. Weißt Du insoweit, warum Deine Eltern Dir diesen Namen gegeben haben?

Medina:

Das ist eine lange Geschichte. Aber eigentlich habe ich selbst meinen Namen vor sieben Jahren gewechselt. Von Andrea zu Medina.

Michaela Boland:

Aus welchem Grund hast Du Dir gerade diesen Namen ausgesucht?

Medina:

(Seufzt leicht ermüdet) Ach, ich habe das einfach deshalb gemacht, weil ich mich zu der Zeit in einer Lebensphase befand, in der ich einige Wechsel gebraucht habe.

Michaela Boland:

War dir die Bedeutung von Medina bekannt?

Medina:

Nein, nicht zu dieser Zeit. Ich habe ihn nicht ausgewählt, weil er irgend etwas bedeutet, sondern, weil ich den Namen liebe. Es ist ein wunderschöner Name.

Michaela Boland:

Er klingt wirklich sehr schön. Liest du eigentlich gerne?

Medina:

Nein, ich lese nicht.

Michaela Boland:

Aus welchem Grund?

Medina:

Ach, das ist nicht so meins.

Michaela Boland:

Du bist 27 Jahre alt, wann genau bist du geboren?

Medina:

Im November, Ende November.

Michaela Boland:

Du willst es nicht ganz genau verraten. Was bist du für ein Sternzeichen?

Medina:

Schütze.

Michaela Boland:

Beschäftigst du dich mit Dingen wie Astrologie? Glaubst du an so etwas?

Medina:

Ja, tue ich, irgendwie. Ich glaube zumindest an das Vertrauen.

Michaela Boland:

Kannst du typische Merkmale eines Schützen wie Dir benennen?

Medina:

Oh, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Ich bin auch nicht dermaßen in der Materie drin, dass ich jetzt wüsste, was Schützen typischerweise tun. Aber ich glaube an viele spirituelle Dinge.

Michaela Boland:

Bist du ein Einzelkind oder hast du noch weitere Geschwister?

Medina:

Ich habe noch einen großen Bruder und eine kleine Schwester.

Michaela Boland:

Haben die beiden auch etwas mit der Musikbranche zu tun?

Medina:

Ja, unbedingt. Mein Bruder ist ein Produzent. Meine kleine Schwester spielt Harfe und bewirbt sich derzeit um einen Platz an der Musikhochschule. Sie macht allerdings Klassik.

Michaela Boland:

Wäre es insofern in weiterer Zukunft denkbar, dass ihr beiden Schwestern einmal ein gemeinschaftliches Musikprojekt auf die Beine stellt?

Medina:

Oh ja. Sehr gerne sogar.

Michaela Boland:

Das klingt nach einer sehr künstlerisch begabten Familie. Was machen oder machten Deine Eltern beruflich?

Medina:

Mein Vater ist Ingenieur und meine Mutter, ich weiß gar nicht, wie man das genau bezeichnet, jedenfalls leitet sie Projekte in der Stadt.

Michaela Boland:

Also haben sie nichts mit dem MusicBiz zu tun. Waren sie erfreut als du in diese Branche eingestiegen bist?

Medina:

Ja, sie unterstützen mich in allem, was ich mache.

Michaela Boland:

Es gibt ja auch Eltern, die ihren Kindern nahe legen, zuerst einmal eine herkömmliche Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren, bevor sie sich in die Unabwägbarkeiten einer Musikkarriere begeben.

Medina:

Nunja, das haben meine Eltern natürlich versucht, aber sie kennen mich nur allzu gut. Ich gehe stets meinen eigenen Weg.

Michaela Boland:

Dein Vater kommt aus Chile, deine Mutter ist Dänin. Wo und wie haben sich deine Eltern kennen gelernt?

Medina:

Sie haben sich getroffen als mein Vater aus Chile ausgewiesen wurde. Er war ein Flüchtling und kam nach Dänemark. Meine Mutter hatte beruflich mit den Flüchtlingen zu tun. Auf diese Weise haben sie sich kennen gelernt.

Michaela Boland:

Hast du selbst einen engen Bezug zu Chile? Wie gut kennst du das Land?

Medina:

Ich war natürlich schon dort. Werde auch wieder hinfahren, wenn ich die Zeit dazu habe. Ich liebe es. Es ist ein wunderschönes Land, das so viele unterschiedliche Seiten hat. Es gibt ebenso Berge wie große oder auch ganz kleine Städte. Es gibt eben eine so große Vielfalt dort.

Michaela Boland:

Sprichst du denn dann auch Spanisch?

Medina:

Nicht so viel.

Michaela Boland:

Gibt es noch Verwandtschaft väterlicherseits in Chile?

Medina:

Oh ja. Sie sind noch immer in Chile.

Michaela Boland:

Wie eng ist der Kontakt zwischen dir und diesem Teil der Familie?

Medina:

Es ist jetzt nicht so, dass sie ich ständig anrufen würde, aber hin und wieder spreche ich mit meiner Cousine. Sie war erst vor wenigen Monaten wegen einer Konferenz in Dänemark. Aber so ein ganz dicker Kontakt besteht zu ihnen allen eigentlich nicht.

Michaela Boland:

Wie viele Sprachen sprichst du eigentlich tatsächlich?

Medina:

Ich spreche Dänisch und Englisch.

Michaela Boland:

Dänisch ist ja deine Muttersprache. Habt ihr innerhalb eures Schulsystems denn nicht auch die Möglichkeit, abgesehen von Englisch, weitere Fremdsprachen zu erlernen?

Medina:

Na gut, also ich hatte zwar auch Deutsch in der Schule. Aber darin war ich wirklich schlecht. Wie soll ich sagen, das war einfach nicht meine Sprache und ich war so mies darin, dass ich aufgegeben habe.(lacht).

Michaela Boland:

Und da habe ich immer geglaubt, dass skandinavische Sprachen der Deutschen, im Gegensatz zu den romanischen Sprachen, wesentlich näher kämen.

Medina:

Nun, ich muss sagen, wenn ich etwas lese, dann verstehe ich es manchmal, aber ich kann es überhaupt nicht sprechen. Es ist ein großer Unterschied zwischen dem reinen Zuhören und dem Sprechen, wie ich finde.

Michaela Boland:

Was für einen Schulabschluss hast du absolviert?

Medina:

Volksschule. (Anm. d.Red: Die Schulbildung beginnt in Dänemark mit der neunjährigen Volksschule/ „Folkeskole“,. Nach der Abschlussprüfung „FSA“/“Folkeskolens Afgangsprøve“, die einem anspruchsvollen Hauptschulabschluss gleichzusetzen ist, bieten sich den dänischen Schülern je nach Eignung mehrere Wege an, wie beispielsweise Gymnasium, Handelsgymnasium oder technisches Gymnasium).

Und dann habe ich mich durch jede Menge unterschiedliche Kurse und alle möglichen Dinge, die ich ausprobieren wollte, geschlagen. Ich belegte Architektur für einen Monat, weil ich dachte, dass es interessant sein könnte. Ich bekam so viel über den geschichtlichen Aspekt mit. Außerdem habe ich Kosmetik Kurse absolviert.

Michaela Boland:

Heißt das, du bist nicht auf Maskenbildner angewiesen, sondern kannst dich für jedweden Auftritt selbst schminken?

Medina:

Oh ja, das mache ich immer. Dann belegte ich übrigens auch noch das Fach Bekleidungsdesign. Das habe ich ganze zwei Semester gemacht. Ich war eben einfach immer unterwegs und habe versucht, all die Dinge zu tun, die ich machen wollte. Aber tatsächlich habe ich lediglich die dänische Volksschule absolviert.

Michaela Boland:

Von wann bis wann geht denn diese Schulform bei Euch?

Mediana:

Die Volksschule beginnt, wenn man ein
Kind ist und geht bis zum Alter von 15 Jahren.

Michaela Boland:

War es für deine Eltern in Ordnung, dass du nicht weiter gemacht hast?

Medina:

Nun, sie wollten, dass ich auf das Gymnasium gehe und all das. Ich habe es auch gemacht, aber das war nichts für mich. Ich weiß, dass sie recht traurig darüber waren, dass ich runter geflogen bin, weil ich nie anwesend war. Und daher wollte mich die Schule natürlich auch nicht mehr länger dort haben. Aber, ich bin eben einfach eine Künstlerin und nicht so sehr der Schul-Typ.

Michaela Boland:

Heißt das, dass dir eigentlich von Anfang an glasklar war, dass du jene bestimmte Richtung, nämlich die einer Musikerin, einschlagen wolltest?

Medina:

Nein, ich bin eben einfach mehr ein Freigeist. Ich brauche etwas in meinen Händen zu tun. Ich kann einfach nicht in der Schule hocken. Es ist schlichtweg zu langweilig. Du hast mich ja vorhin schon gefragt, ob ich Bücher lese und ich tue es nicht. Ich bin da einfach nicht so drin. Also was ich mache ist, ich schaue Filme.

Michaela Boland;

Was für Filme siehst du bevorzugt?

Medina:

Eigentlich alle Arten von Filmen. Vielleicht nicht gerade Horror-Filme. Aber das mache ich auch nicht all zu oft, weil es mich ansonsten schnell langweilt.

Michaela Boland:

Offensichtlich musstest du geradezu Künstlerin werden. Doch, was hättest du getan, wenn es mit der Musikkarriere nun nicht so gut geklappt hätte?

Medina:

Nun, das werde ich immer gefragt und ich habe darauf keine Antwort. Ich weiß es nicht. Ich habe immer einfach nur so mein Leben gelebt und zwar genau in der Art und Weise wie ich es wollte und das brachte mich an die unterschiedlichsten Orte. So wie beispielsweise heute hierher.

Michaela Boland:

Seit wann machst du Musik?

Medina:

Als ich jünger war spielte ich in den Bands der Grundschule. Auch in Club-Bands. Ich habe sogar Schlagzeug und Klavier gespielt. Ich habe einfach alles Mögliche ausprobiert.

Michaela Boland:

Hast du es richtiggehend erlernt, diese Instrumente zu spielen?

Medina:

Das habe ich mir selbst beigebracht, indem ich hingehört habe. Ich kann keine Noten lesen und kenne mich auch nicht mit Notenschlüsseln aus.

Michaela Boland:

Interessierst du dich eigentlich auch für bildende Kunst?

Medina:

Ja. Ich habe jüngst damit angefangen sie mehr und mehr zu schätzen. Was ich übrigens auch schon immer geliebt habe, war das Ballett und die Oper. Klassische Musik liebe ich ebenfalls. Und zu Hause höre ich mir sehr viel Jazz-Musik an.

Ich liebe klassische Kunst auch wesentlich mehr als moderne Kunst. Jedoch lerne ich noch über die Kunst. Ich kenne nicht die ganzen Namen der großen Künstler, aber ich bin dabei, das so langsam zu erfassen. Das ist alles sehr interessant.

Michaela Boland:

Du magst das Ballett. Wie oft hast du Zeit für Ballettbesuche?

Medina:

Augenblicklich bleibt kaum Zeit. Aber da mein Freund als professioneller Tänzer in dem Stück „My fair Lady“ mitgewirkt hat, habe ich mir vor einiger Zeit die Vorstellung im „Royal Ballett“ angesehen. Er beginnt in Kürze mit einer Ausbildung an einer Schauspielschule.

Zwar hat er bereits in unterschiedlichen TV-Serien mitgewirkt, aber er benötigt natürlich eine offizielle Schauspielausbildung. Jedenfalls war das das letzte mal, dass ich da war. Und davor sah ich das schönste Ballett namens „Silk“. Hast du schon davon gehört?

Michaela Boland:

Bisher noch nicht. Was hat es ausgemacht?

Medina:

Es ist einfach wundervoll. Das solltest du dir anschauen. Es war so toll, dass sie es in Kopenhagen gleich zweimal aufführen mussten. Sie hatten die besten Kritiken aller Zeiten.

Michaela Boland:

Hast du außer der Musik, die du ja zu deinem Beruf gemacht hast, auch noch andere Hobbys. Treibst du beispielsweise Sport?

Medina:

Ich mache keinen Sport. Dazu habe ich nicht wirklich die Zeit. Manchmal gehe ich laufen. Das ist für mich wie eine Art Meditation. Du verlierst da irgendwie deine Gedanken bei jedem Schritt. Aber das ist auch schon alles.

Michaela Boland:

Du unternimmst nichts weiter um deine gute Figur in Form zu halten?

Medina:

Das liegt nur daran, dass ich die ganze Zeit auftrete. Ich verbrauche jede Menge Energie auf der Bühne.

Michaela Boland:

Tanzt du viel in innerhalb deiner Bühnenshow?

Medina:

Nein, ich mache eigentlich nur so mein Ding. Ich bin keine Tänzerin. (lacht).

Michaela Boland:

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass ich auf der Seite deiner Plattenfirma unter Deiner Rubrik den Aufruf  zu einem Chupa ChupsWettbewerb gesehen habe, bei dem Fans sich selbst zu deinem Hit „You and I“ tanzend filmen und jenen Film hochladen können.

Das ganze wird dann technisch so bearbeitet, dass es am Ende so aussieht als tanze der jeweilige Fan gemeinsam mit dir zu deinem Hit. Da kann man dich ja bereits mit coolen Moves bewundern. Überlegst du dir deine Choreografien selbst oder erhältst du sie vorgegeben?

Medina:

Da kannst du schon mal sehen, dass ich keine Tänzerin bin. Aber niemand sagt mir, was ich zu tun habe. Bei diesem Mal jedoch haben sie es mir gesagt, weil es eben für etwas bestimmtes war.

Michaela Boland:

Haben deine dänischen Fans es ausschließlich begrüßt, dass du nun in erster Linie in englischer Sprache singst oder hat es die irgendwer übel genommen?

Medina:

Keineswegs. Nur Leute mit hässlicher Persönlichkeit würden darüber enttäuscht sein. Die Menschen freuen sich darüber, dass ich meinen Traum weiterentwickle und sie unterstützen mich. Sie lieben das Album. Es gibt natürlich ein paar Leute, die ihre eigene Meinung bezüglich der englischen Version haben und sie mögen die dänische einfach lieber.

Aber im Allgemeinen glaube ich einfach, dass die Menschen begrüßen, was auch immer ich zu geben habe. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht ins Internet gehe und mir den ganzen Mist durchlese.

Michaela Boland:

Das machst du nicht?

Medina:

Nein, nie.

Michaela Boland:

Tatsächlich niemals? Immerhin ist es dein Publikum.

?

Medina:

Naja, manchmal. Aber das ist nicht, worauf ich mich fokussiere. 

Michaela Boland:

Nach allem, was du erzählst, hat es den Anschein als seiest du mehr oder weniger einfach so in deine Musikkarriere hineingerutscht. Ab welchem Zeitpunkt ist sie dir so richtig wichtig geworden?

Medina:

Nun, ich habe ja nicht wirklich davon geträumt, sondern es ist einfach so passiert. Und als ich damit begonnen habe, im Studio Aufnahmen zu machen, erst da habe ich angefangen, von einer Musikkarriere zu träumen und ich dachte, wow, das könnte möglicherweise eines Tages mal etwas werden.

Mein Traum war es, das einfach die ganze Zeit machen zu können, weil ich es so sehr liebe. Dennoch schloss dieser Traum eine ganze Reihe Dinge, die ich irgendwie tun muss, um in diesem Business zu sein, nicht ein. Aber das ist einfach ein Teil dessen, was ich liebe und daher muss ich es akzeptieren.

Michaela Boland:

Wer waren deine Helden zu Teenagertagen?  

Medina:

Ich hatte niemals Idole. Ich mochte lediglich einige unterschiedliche Musikrichtungen. Beispielsweise mochte ich die Sachen von „Rage Against the Machine“, „Roxette“, und „Sade“, die ich noch heute liebe. Mein Blickwinkel ist da recht weit gefasst. Ich liebe so viel Musik. Aber ich bin beispielsweise auch noch nie im Leben zu Konzerten gegangen. Dafür bin ich nicht so der Typ.

Michaela Boland:

Welche Kollegen schätzt du heute aus professioneller Sicht? Was hältst du zum Beispiel von Lady Gaga oder den Pussycat Dolls, in deren Vorprogramm du ja schon aufgetreten sein sollst.

Medina:

Lady Gaga ist nicht so bedeutend. Sie hat im Prinzip dasselbe gespielt wie ich. Als ich vor ein paar Monaten hier das erste Interview gegeben habe, haben sie mich alle gefragt, wie es sich denn anfühle, Lady Gaga zu treffen. Und ich antwortete, „oh, das habe ich wohl glatt vergessen“.

Ich respektiere sie und so und sie macht auch eine gute Show, aber es ist nicht so, dass ich jetzt sonderlich beeindruckt wäre. Und was die Pussycat Dolls anbelangt, die wurden gecancelt. Aber ich wollte das sowieso nicht machen, insofern ist es o.k. Es ist eben einfach was es ist, nämlich Arbeit.

Michaela Boland:

Wie kannst du zu Hause am besten entspannen?

Medina:

In erster Linie bei Jazz. Ray Charles. Manchmal aber auch Rock Music, wo ich nun aber nicht einzelne Namen der Interpreten benennen könnte. Ich mag übrigens auch LADYHAWK, wobei sie keine Rockvertreterin ist.

Michaela Boland:

Erinnerst du dich noch an dein erstes Mal auf der Bühne, wie sich das angefühlt hat? Nachdem du ja nicht gerade wie besessen darauf hingearbeitet hast, ein Star zu werden, dürfte dieses Erlebnis für dich ja wohl eher entspannt abgelaufen sein, oder?

Medina:

Oje, das ist bestimmt neun Jahre her oder so. Oder vielleicht sogar noch länger, denn ich war ja eigentlich schon seit Kindheitstagen auf der Bühne, denn ich spielte ja in Schulbands oder auch in Clubs. So war ich das natürlich schon gewöhnt. Aber ich war trotzdem, glaube ich, verdammt nervös.

Michaela Boland:

Wie sieht es heute aus?

Medina:

Keineswegs. Ich meine, ich habe im letzten Jahr mehr als 200 Konzerte gegeben. Wenn ich da noch nervös wäre, würde ich glauben, dass irgend etwas nicht stimmt. Das einzige Mal in meinem Leben, dass ich so richtig nervös war, war als ich live beim Geburtstag der dänischen Königin Margrethe aufgetreten bin.

Und weil ich während der Monate zuvor so wahnsinnig beschäftigt war, und zudem noch einen Song aus den 40-er Jahren hierfür zu lernen hatte, und die damalige Sprache ist ja dermaßen anders als jene, die wir heutzutage sprechen, konnte ich diesen Song erst einen Tag vor dem geplanten Auftritt am Königinnen-Geburtstag lernen Live auf dem Schirm und unmittelbar vor der Königin stehend.

Und ich muss dazu sagen, bei jedem Auftritt zuvor an diesem Tag und auch einen Tag später, habe ich das ganze immer wieder versaut. Ich vergaß ständig den Text. Das einzige Mal, das es geklappt hat, war, als ich es vor der Königin live performen musste.

Michaela Boland:

Nun, das bedeutet doch offensichtlich, dass du präsent bist, wenn es darauf ankommt.

Medina:

Also, ich bin auf der Bühne fast gestorben. Und ich betete zu Gott, mir bitte nicht meine Knie wegsacken zu lassen, weil sie die ganze Zeit über gezittert haben. Aber es hat dann doch alles geklappt.

Michaela Boland:

Bist du Royalistin?

Medina :

Nein, ich weiß nichts über ihre Angewohnheiten. Aber ich war beeindruckt, denn es ist eine feine Sache, vor der Königin zu stehen. Und einen Knicks zu machen, wie eine Lady. All das hat in meiner Vorstellung bisher eigentlich nicht existiert, zumindest bis ich sie einmal persönlich getroffen habe. Es ist ja fast wie im Märchen mit Gold überall.

Sich vorzustellen, dass jemand in einem Schloss wie diesem aufwuchs, das ist verrückt. Ich bin da mit Aura Dion an der Hand umhergelaufen, denn sie ist auch dort aufgetreten und wir sind da wie zwei kleine Mädchen umherspaziert, haben alles bewundert und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das war schon sehr lustig.

Michaela Boland:

Der wievielte Geburtstag von Königin Margrethe war es?

Medina:

Der 70-ste.

Michaela Boland:

Konntest du Prinzgemahl Henrik und vor allem die schöne Prinzessin Mary ebenfalls treffen? Waren sie auch vor Ort?

Medina:

Oh ja.

Michaela Boland:

Was hältst du von Mary, die ja zeitweilig im Inland ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war, nachdem sie angeblich zuviel Geld für edle Kleidung ausgegeben haben soll?

Medina:

Ich finde, sie ist so süß. Und sie macht ihren Job nahezu perfekt. Na, und wenn Geld für sie da ist, das sie ausgeben kann, dann soll sie es doch ausgeben.

Michaela Boland:

In deiner Heimat Dänemark bist du längst ein Star. Du warst 2009 die meist gegoogelte Person in deinem Land, hast den Preis bei den MTV Europe Music Awards als beste dänische Interpretin nach Hause geholt.

Jetzt startest du deine Karriere auch im restlichen europäischen Ausland. Fühlt sich das hier und jetzt vergleichbar an, wie damals, als du in Dänemark begonnen hast oder ist es einfach etwas anderes, wenn man ja eigentlich weiß, dass man woanders schon längst ein Star ist? 

Medina:

Es fühlt sich schon recht ähnlich an. Aber dieses Mal ist es fast so, als sei ich gar nicht da, um es zu sehen, weil es in so viele unterschiedliche Länder und auch Bundesländer geht, dass einen das ganz schön beansprucht.

Insoweit habe ich natürlich auch gar keine Vorstellung davon, wie weit es in Wahrheit schon gediehen ist. Deshalb sitze ich einfach ganz still da, so wie ein kleines Mädchen, einfach ruhig abwartend und sehe, was passieren wird. Gerade fühlt es sich an, wie die berühmte Ruhe vor dem Sturm.

Michaela Boland:

Bekommst du eigentlich etwas von dem jeweiligen Land, in dem du gerade arbeitest, mit?

Medina:

Meinst du, ob ich etwas zu sehen bekomme? Also hier habe ich mir heute natürlich den Dom angesehen.

Michaela Boland:

Und bist du die Treppen auch zu Fuß hoch bis ganz nach oben in die Spitzen gestiegen?

Medina:

Nein, ich war nur für fünf Minuten da drin. Ich hatte auch einmal einen halben Tag frei als ich in Athen war. Und da bin ich ganz allein herum gelaufen und schaute mir die Akropolis an.

Michaela Boland:

Hast du bei so etwas dann auch schon mal Gelegenheit mit Landsleuten ins Gespräch zu kommen?

Medina:

Nein.

Michaela Boland:

Du schreibst ja deine eigenen Songs. Wie gehst du dabei vor? Hast du in Abständen eine Inspiration oder kannst du dich auf Kommando hinsetzen und einfach etwas Neues produzieren?

Medina:

Wir machen das immer im Studio. Ich sage meinen Leuten, in was für einer Verfassung ich bin und ich sage, was ich mir vorstelle und dann fangen sie damit an, irgendetwas zu machen. Ich beginne dann damit, etwas zu schreiben. Ich bin eine schnelle „Schreiberin“.

Für „You and I“ also der dänischen Originalversion habe ich gerade mal 15 Minuten gebraucht. Es ist einfach so, dass, wenn ich eine Idee habe, dann ist es leicht für mich, das aufzuschreiben.

Natürlich kommt es auch vor, dass mir einmal ganz plötzlich etwas in den Sinn kommt. Dann nehme ich mir immer vor, es sofort aufzuschreiben, damit ich es nicht vergesse. Aber meistens mache ich es dann doch nicht.

Michaela Boland:

Bist du häufiger guter oder häufiger schlechter Stimmung, wenn du ins Studio kommst?

Medina:

Völlig unterschiedlich. Das einzige, was wir immer verabreden, ist, dass ich dann und dann komme. Manchmal bin ich gut drauf, manchmal traurig und wenn es mir schlecht geht, dann komme ich einfach gar nicht.

Michaela Boland:

Auf deinem neuen Album gibt es einen Titel namens „Selfish“. Es war zu lesen, dass du gerade hier sehr viel Persönliches hinein gepackt haben sollst.

Medina:

Wo hast du das denn gelesen?

Michaela Boland:

Ebenfalls in deiner offiziellen Vita, die dein Label versendet. Du sollst geäußert haben, dass du beim nächsten Freund einfach auch mal Egoismus walten lassen würdest. Stimmt das? 

Medina:

Also ich habe ja einen Freund und ich habe ihn auch schon relativ lange. In erster Linie ist „Selfish“ ein Song, der sich vornehmlich um die eigennützigen Verhaltensweisen eines Menschen, die ja jeder von uns aufweist, dreht.

Einfach jemand, der sagt, heute machen wir es genauso wie ich es will, Widerspruch ausgeschlossen. So gesehen geht es einfach um Dominanz und zwar auch in sexueller Hinsicht.

Michaela Boland:

Aus Skandinavien kamen schon einige sehr erfolgreiche Künstler mit Weltkarrieren. Abba, a-ha, Roxette oder die Olsen Brothers. Gibt es da womöglich ein Geheimrezept? Was die englische Sprache anbelangt, in der sie hauptsächlich singen, so scheinen jene Bands ja auch regelmäßig derartig sicher zu sein, dass man manchmal den Eindruck gewinnen könnte, sie seien native Speakers.

Medina:

Ein Geheimrezept gibt es natürlich nicht. Und was die Sprache betrifft, muss man sagen, in Deutschland wachsen die Kinder ja leider mit Filmen auf, die allesamt komplett synchronisiert sind.

Das halte ich für einen Fehler. Als ich ein Kind war gab es nur Filme auf Englisch, die untertitelt waren. Dadurch habe ich soviel gelernt. In Deutschland gibt es so viele Leute, die kein Englisch sprechen.

Michaela Boland:

Du hast mit Sicherheit jetzt etwas von den tragischen Ereignissen während der Duisburger Loveparade mitbekommen. Was ging dir als Künstlerin, die ja regelmäßig vor großen Menschenmassen auftritt, durch den Kopf, als du von dieser Tragödie gehört hast?

Medina:

Furchtbar. Ich weiß nicht, warum es passiert ist, ich habe nur gehört, dass viele Menschen gestorben sind. Ich frage mich natürlich, wie sie es kontrollieren können, wenn über eine Million Leute kommen und sie alle sich in abgesperrten Bereichen bewegen sollen.

Ich bin bereits einmal bei einer dänischen Loveparade aufgetreten. Wahrscheinlich wird diese dann in Kopenhagen künftig noch größer werden, wenn die Loveparade hierzulande nicht mehr stattfinden wird.

So etwas Schlimmes kann ja nur geschehen, wenn Menschen panisch werden und einfach über einander her trampeln. Möglicherweise standen ja auch einige unter Drogen, so dass sie gar nicht bemerkt haben, dass sie auf andere traten.

Michaela Boland:

Bleibt zu hoffen, dass solche Katastrophen künftig vermieden werden können.

Bei dir steht ab Herbst hier endlich deine Welcome to Medina-Tour an. Hierfür und für deinen weiteren Weg viel Erfolg und vielen Dank für dieses Interview.

 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

 

mehr

04.08.2017 Brillante Stimme, Traummaße, und bildschön

GFDK - Michaela Boland

Im Juni 2010 bat uns EMI mit der Sängerin Nádine aus Südafrika ein Exklusivinterview  zu führen. EMI hatte großes vor mit der Sängerin, also machte unsere Redaktion sich auf den Weg nach Köln um Nádine zu sprechen. Das ist jetzt sieben Jahre her und wir haben nichts mehr von Nádine in Deutschland gehört.

Da hat EMI wie in vielen anderen fällen mal wieder den Mund zu voll genommen. Aber man höre und staune, in ihrer Heimat Südafrika ist Nádine tatsächlich ein großer Star geworden. 2010 hat Michaela Boland das Gespräch für uns geführt.

Das Zeug zum Weltstar hat sie mit Sicherheit. Brillante Stimme, Traummaße, ein bildschönes Gesicht und vor allem eins: Köpfchen! Während die Welt ihr Augenmerk auf Südafrika legt, um unter Vuvuzela-Getöse fieberhaft zu verfolgen, wie das „Runde“ ins „Eckige“ befördert wird und Freud und Leid sich abwechseln, hat sie ihre Heimatstadt Johannesburg kurzfristig verlassen, um hierzulande Markt und Herzen zu erobern.

Nádine lautet schlichtweg der Name der zierlichen Südafrikanerin, die Großes vorhat. Das außergewöhnliche Zeichen auf dem „á“, welches man schnell zum französischen Accent aigu zu deklarieren gewillt ist, stellt in Wahrheit einen „Akkuut“ dar, erläutert mir Nádine als wir uns zum Interview in Köln treffen.

Was es genau damit auf sich hat, wird sie mir später noch verraten. In jedem Fall verleiht dies ihrem Namen sogleich eine besondere Note und derselben wird die Trägerin durchaus gerecht.

Im kuscheligen Aufenthaltsraum ihrer Plattenfirma empfängt mich die smarte Sängerin mit ihrem belgischen Manager, Hugo, herzlich am frühen Vormittag. Offenes Lächeln, strahlend weiße Zähne, große grüne Augen, und dunkelblonde lange Haare lassen auf den ersten Blick vermuten, dass Nádine vielmehr ein Model denn eine Sängerin ist.

Auf die an sie gerichtete Frage, ob sie jemals gemodelt habe, antwortet die schöne Nádine sogleich:

„Ich? Ach Du liebes Bisschen, nein. Es ist nett, dass du das annimmst, aber, nee, ich bin kein Model. Ich betrachte mich nicht in der Weise und sage mir selbst, oh ja, ich sollte modeln. (lacht). Ich habe mich sogar schon über mich selbst schlapp gelacht als ich einmal versucht habe, zu posieren. Wenn es um ein Album-Cover geht, bekomme ich es zwar schon hin. Aber, jetzt, wo Du es so sagst, (lacht erneut herzlich), vielleicht sollte ich es ja mal versuchen, ich würde es bestimmt lieben.“

Womöglich gar keine so schlechte Überlegung, denn immerhin ist der 28-Jährigen durchaus klar, dass Popstars von heute im Gegensatz zu solchen von vor 20 oder 30 Jahren nicht einfach schon dadurch ein Star werden, dass sie einen großartigen Song herausbringen.

So weiß die Sängerin nämlich, dass es ausgesprochen wichtig sei, dass Künstler innerhalb der durch die Globalisierung doch verhältnismäßig „klein“ gewordenen Welt sichtbar sein, also nicht nur singen, sondern bestenfalls auch noch etwas anderes machen sollten, um dauerhaft präsent zu bleiben. Wenn sich eine Gelegenheit böte, würde die Südafrikanerin diese denn auch gerne wahrnehmen.

Nádine`s Englisch klingt mit einem Akzent, der gar nicht typisch südafrikanisch anmutet, sondern eher an ein Gemisch aus Amerikanisch und Südafrikanisch erinnert, wenn sie spricht, einfach sympathisch.

Womöglich liegt es ja daran, dass ihre Muttersprache Afrikaans ist und sie Englisch erst als zweite Sprache erlernt hat. Talentiert jedenfalls scheint sie in dieser Hinsicht zu sein, denn schon seit Monaten büffelt Nádine aus Lust und Laune unsere deutsche Sprache.

Mit ihrem natürlichen Charme und der offenen Art gewinnt die Sängerin bereits seit vielen Jahren die Herzen ihres Publikums. In ihrer Heimat hat die junge Frau vom schwarzen Kontinent nämlich bereits eine beachtliche Karriere zu verzeichnen.

Ganze zehn Alben hat die in Durban geborene Nádine schon herausgebracht. Jetzt scheint die Zeit reif, auch Deutschland für sich zu gewinnen. Am 20.Juni hatte sie bereits einen großen TV-Auftritt mit ihrem aktuellen Titel „Made up my mind“ im ZDF-Fernsehgarten.

Wie es weitergeht, hat mir der charismatische Star, der übrigens wegen unseres zeitigen Interviewtermins aufs Frühstück im Hotel verzichten musste, im Gespräch verraten.  

Michaela Boland:

Du hast schon 10 Alben herausgebracht und bist seit vielen Jahren im Geschäft. Warum kommst du gerade jetzt nach Deutschland, um deine internationale Karriere zu starten und aus welchem Grund nicht schon früher?

Nádine:

Es war natürlich immer ein Traum, früher her zu kommen. Ich hätte das toll gefunden, allerdings hatte ich vorher nie das Gefühl, schon bereit dazu sein. Gerade im Hinblick auf das richtige Album mit den richtigen Songs.

Für meinen Karrierestart in Deutschland wollte ich einfach das Gefühl haben, dass alles passt. In Südafrika hatte ich ja mein Management vor Ort. Und es ist ja nicht so, dass du einfach so in ein Land kommen und sagen kannst: „Hey, hier bin ich, ich bin die Stimme des Jahres.“

Schließlich gibt es Tausende großartiger Sänger da draußen und wundervolle Künstler, so dass man einfach zuerst sicherstellen muss, das alles stimmt, bevor man einen solchen Schritt wagt. Angefangen bei der Web-Site, über das Album, die Songs, einzelne Tracks sowie dein Songwriting.

Michaela Boland:

Ab wann hast du dann genau gewusst, dass die Zeit nun reif ist, weil plötzlich alles „pass

Nádine

Vor zwei ein halb Jahren habe ich meinen Manager, der in Belgien sitzt, gefunden, und von dem Moment an, da wir einander getroffen haben, wussten wir, „o.k., wir werden in Europa und dem Rest der Welt zusammen arbeiten“. Seither wollten wir gemeinsam an einem Album arbeiten.

Also haben wir sofort damit begonnen, nach geeigneten Songs zu suchen. Manchmal weißt du einfach, wenn du bestimmte Menschen triffst, dass es funktioniert. Es ist schlichtweg ein gutes Gefühl, wenn man sich in dieser Hinsicht vollkommen sicher fühlt.

Michaela Boland:

Wie ging es dann weiter?

Nádine:

Wir nahmen ein Album auf. Zuerst dachten wir dabei an die Niederlande mit gutem Material und Demos. Doch dann gingen wir nach Belgien und anschließend nach Schweden. Und ja, es war von Anfang an, da wir planten, Europa anzugehen, klar, dass das erste Land, in das wir gehen würden, Deutschland sein würde.

Denn es ist so ein großes Land, das in puncto Musik einfach stark ist. Daher sind die Standards, die es zu erfüllen gilt, recht hoch. Nachdem wir das Album in Schweden aufgenommen hatten, haben wir bereits vor zwei Jahren mit der EMI Kontakt aufgenommen.

Aber jedes Mal war bei ihnen irgendetwas anderes los. Eine andere Album-Veröffentlichung, ein anderer Künstler, also, der Zeitpunkt schien einfach damals noch nicht richtig. Und das ist der Grund, warum ich eben jetzt komme.

Michaela Boland:

Denkst du, dass man für unterschiedliche Länder unterschiedliche Songs benötigt? Würde insoweit ein Hit, der in Südafrika oder Amerika gut funktioniert, nach deinem Dafürhalten hierzulande womöglich weniger gut laufen?

Nádine:

Ich glaube, der Punkt ist, dass man natürlich sogenannte Nummer 1 Hits weltweit findet, die in jedem Land funktionieren. Aber der Stil der „Jeden-Tag-Musik“, die man zwischen all den Number One-Hits findet, ist auf jeden Fall unterschiedlich. Besonders in Südafrika.

Dort ist alles recht Schlager-orientiert. Irgendwo zwischen Schlager und tanzbarer Pop-Musik. Das war insoweit natürlich nicht der Stil, den ich hier in Deutschland präsentieren wollte.

Ich wollte weder mit Schlager, noch mit reinem tanzbarem Pop identifiziert werden. Ich möchte für glaubhaften Emo- (Anm. d. Red.: Emotional Hardcore; bezeichnet ursprünglich ein Sub-Genre des Hardcore-Punk und zeichnet sich durch stärkere Betonung von Gefühlen aus) oder Pop-Rock stehen.

In Südafrika, wo das Album bereits vor anderthalb Jahren veröffentlicht wurde, habe ich extra drei oder vier Afrikaans-Tracks hinzugefügt. Denn das ist ja meine Muttersprache.

Michaela Boland:

Welche Sprachen sprichst du ansonsten?

Nádine:

Afrikaans, dann meine als zweites erlernte Sprache, Englisch. Und ich vermag es, ein wenig Holländisch zu verstehen und im Rahmen von Grundkenntnissen auch zu sprechen. Es ist ja auch dem Afrikaans ein wenig ähnlich, aber leider nicht genauso. Darüber hinaus noch eine weitere afrikanische Sprache. Und nun versuche ich es mit Deutsch.

Ich habe ein paar Deutschstunden bei einem Deutsch-Professor genommen. Ich habe zu ihm gesagt, dass ich im Juni zurückkehre und er dann doch bitte ausschließlich Deutsch mit mir sprechen möge, zwar langsam aber ich möchte es gerne versuchen.

Michaela Boland:

Was kannst du denn schon alles?

Nádine:

Ich habe bisher nur ein wenig Grundwissen. Ich kann mich vorstellen. (Anm.d. Red.: spricht nun mit niedlichem Akzent, der an die Art erinnert, wie Bürger der Niederlande häufig deutsche Wörter aussprechen, auf Deutsch weiter). Guten Tag, ich heiße Nádine, komme aus Südafrika. Meine neue Single ist „Made up my mind“. Ich habe Hunger. Auf Wiedersehen.“

Michaela Boland:

Da hast du die wichtigen Punkte während deiner Promo-Tour hier ja schon mal gut auf den Punkt gebracht.

Nádine:

Ja, es ist für mich wirklich wichtig, auch die Sprache zu erlernen. Ich habe neben meiner afrikanischen jetzt ja auch eine deutsche Web-Site. (Anm. d. Red.: www.nadine.net )

Michaela Boland:

Jetzt hast du gerade die Single-Auskopplung von Deinem Album „This time I know“, „Made up my mind“ erwähnt. Zu lesen war allerdings, dass in Südafrika ein ganz anderer Titel von dir, nämlich „This time I know it`s for real“ veröffentlicht wurde. Warum startest du mit dieser schönen Ballade, die doch überall funktionieren sollte, nicht auch in Deutschland?

Nádine:

Grundsätzlich ist es ja so, dass ich in Südafrika bereits als Künstlerin etabliert bin. Wenn es also eine große Ballade gibt, von der wir glauben, „oh ja, die wollen wir auf den Markt schießen“, dann können wir das auch problemlos tun.

Dann sagen die Leute einfach, „oh, Nádine macht zwar gewöhnlich mehr Pop, aber hör dir doch jetzt mal diesen wunderschönen Song an“. Aber in Deutschland werde ich ja jetzt gerade erst als Newcomer, als neue Künstlerin vorgestellt.

Deshalb ist für mich wichtig, dass die Menschen, die jetzt zum ersten Mal einen Song von mir hören, mich nicht für immer und ewig auf eine Balladensängerin festlegen. Schön fände ich, wenn sie mich als Pop-Rock-Künstlerin wahrnehmen würden, die möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt irgendwann mal eine Ballade vorstellt.

Michaela Boland:

Inwieweit kannst du selbst entscheiden, was du wann veröffentlichst?

Nádine:

Die Plattenfirma hat natürlich großen Einfluss darauf. Gerade auch weil ich mir natürlich darüber im Klaren bin, dass ich keinerlei Erfahrung als Künstlerin hier in Europa habe.

Ich habe jetzt eine TV-Show und ein Live-Konzert in Belgien gemacht, aber deshalb bin ich ja noch keine erfahrene europäische Künstlerin und insofern möchte ich ja auch nicht so herüber kommen wie eine große Diva, die hier hereinspaziert und bestimmt, unbedingt diesen oder jenen Song zu wollen oder gar nur dieses spezielle Wasser zu trinken.

So bin ich einfach nicht. Daher ist mir auch wichtig, dass die Plattenfirma einen Daumen darauf hält. Aber natürlich bin in alles mit involviert. Mein Manager hält mich kontinuierlich darüber auf dem Laufenden, was geschieht.

Nur so kannst du als Künstler wachsen. Ich möchte eben alles wissen, sogar, wenn irgendjemand sagt, dass er Nádine an sich oder einen Song nicht mag.

Michaela Boland:

Du bist gerade jetzt zur WM, die ja in Deiner Heimat stattfindet, hierher gekommen. Interessierst du dich für Fußball?

Nádine:

Wenn ich dir verraten würde, wie verrückt ich danach bin und wie sehr ich das Ganze verfolge, würdest du es mir nicht glauben. Wenn ich unterwegs bin oder wann immer ich ein Spiel nicht verfolgen kann, dann werde ich stets unmittelbar mit Infos gefüttert. Die bekomme ich per E-Mail direkt auf meinen Blackberry.

Diese und jene Spiele laufen gerade und das und das passiert jetzt gerade. Man muss natürlich dazu sagen, dass in Südafrika eigentlich Rugby eine Art Nationalsport ist.

Dieser Sport erhält normalerweise die größte Aufmerksamkeit. Fußball ist immer mehr eine Art afrikanische Kultur gewesen. Aber ich glaube, die Fußball- Weltmeisterschaft, die nun dort abgehalten wird, schafft es ganz einfach, unterschiedliche Kulturen zusammen zu bringen.

Ich für meinen Teil habe schon die vergangene Weltmeisterschaft, die in Deutschland statt fand, begeistert verfolgt. Ein Freund aus Groß Britannien hat mich daran geführt.

Er sagte mir, „schau dir doch mal zwei Spiele an“, und sofort verliebte ich mich in diesen Sport. Seitdem sitze ich da und fiebere vor dem Bildschirm mit, rege mich auf, wenn ein Spieler mal zu aggressiv wird und brülle vor der Mattscheibe herum. Bis jetzt habe ich jedes einzelne Spiel verfolgt.

Michaela Boland:

Dann weißt du bestimmt auch, gegen wen dein Land zuletzt gespielt hat?

Nádine:

Na klar, das war Uruguay. Zu Beginn des Spiels als Uruguay ein Tor erzielt hatte und dann noch mal in der zweiten Halbzeit, da war die Mannschaft schon recht niedergeschlagen und ich habe gedacht, oh kommt Jungs, ihr seid die ganze Zeit so emotional und habt euch dermaßen angestrengt, nur um unser Land stolz zu machen.

Dann in der Nachspielspielzeit, es waren ja schon 90 Minuten vorüber, da gab es dann in der zweiten oder dritten Minute noch ein weiteres Tor für Uruguay. Plötzlich stand es 3 : 0 und das hat meiner Meinung nach ihren Antrieb total zerstört. Es hat mir nahezu das Herz gebrochen. Und ich bete dafür, dass sie das vorerst letzte Spiel das sie haben, machen werden.

Michaela Boland:

Treibst du selbst auch Sport?

Nádine:

Wenn ich in Südafrika bin, spiele ich Squash in einer Halle. Und ob du es glaubst oder nicht, ich habe damit angefangen, Golf zu spielen. Es ist ein großartiger Sport, wenn du einmal drin bist.

Michaela Boland:

Was hast du da für ein Handicap?

Nádine:

(lacht) 155! Nein, wahrscheinlich noch 36. Ich habe schon an einigen Turnieren teilgenommen. Es ist wie in der Musik für mich. Du bist in einem Team. Ich mag es beispielsweise nicht, etwas zu tun, was alle anderen auch tun.

Wenn also alle anderen Sänger plötzlich Yoga machen, muss ich das nicht auch haben. Ich möchte nicht so sein, wie alle anderen Leute, sondern mache gerne mein eigenes Ding. Golf passt da ganz gut. Es ist ein großartiger Sport, wie ich finde.

Michaela Boland:

Bist du eigentlich verheiratet, verlobt oder lebst du in einer Beziehung?

Nádine:

Ich bin im höchsten Grade nicht verheiratet (lacht). Nein, definitiv nicht. Zuerst einmal bin ich in Südafrika immer umhergetourt und habe Shows gemacht. Es ist schwierig, ständig unterwegs zu sein und gleichzeitig einen Ehemann zu haben, den du dann nicht jeden Tag sehen kannst.

Deshalb war für mich schon zu Beginn meiner Karriere, eigentlich schon in der Kindheit, ganz klar, dass ich in meinem Leben nicht früh heiraten würde. Ich bin einfach nicht die Art Mensch, die heiraten möchte und sehr viel Zeit ausschließlich ins Eheleben investieren will. Zumindest solange ich noch vorhabe, es weltweit mit meiner Musik zu etwas zu bringen.

Michaela Boland:

Und was geschieht, wenn du plötzlich Mr. Right triffst? Oder hast du ihn vielleicht sogar schon längst getroffen?

Nádine:

Ich glaube, wir befinden uns immer im Zweifel darüber, ob wir womöglich Mr. Right schon längst vor uns haben. Es kommt darauf an, was du in deinem Herzen fühlst. Ich habe jemanden in meinem Leben. Jemand, der mir sehr viel bedeutet.

Aber für mich kommt es auch ein bisschen darauf an, wo er gerade lebt. Ich bin ja nicht sehr häufig zu Hause. Meine Hunde wollen mich ja sogar schon beißen, wenn sie mich sehen. Südafrika war ja einmal mein Zuhause, wo ich immer war. Aber jetzt fühlt es sich schon langsam so an, als ob Belgien mein Zuhause würde.

Ich verbringe zwischenzeitlich so viel Zeit dort, plane mein Leben und tue alle möglichen Dinge. Und auch wenn ich immer mal wieder zurück nach Südafrika komme, lasse ich jetzt schon viele Dinge, die ich in Europa kaufe, hier und bringe sie gar nicht mehr erst mit in meine alte Heimat.

Somit fühlt es sich gerade so an als hätte ich zwei Zuhause. Und deshalb: Selbst, wenn es Mr. Right ist, den ich da in meinem Leben habe, ich bin schon immer extrem fokussiert gewesen. Das heißt, ich werde mit Sicherheit keine Babies in meinen Zwanzigern haben. Das wäre einfach nichts für mich.

Michaela Boland:

Liegt es denn dann bei dir überhaupt im Rahmen des Möglichen? 

Nádine:

Ich werde auf jeden Fall einmal heiraten. Und ich werde auch Kinder haben. Hoffentlich werden sie die frechsten Kinder von Deutschland. (lacht).Nein, aber ganz im Ernst.

Ich sehe einfach nicht, dass ich innerhalb der nächsten sechs oder sieben Jahre heiraten werde. Jetzt muss ich zunächst einmal meinen Weg gehen. Außerdem, wenn du Musik machst, bist du ja auch irgendwie mit deiner Karriere verheiratet und genauso empfinde ich es.

Ich mache das Ganze ja schon seit 15 Jahren. Manche Sängerinnen haben ja einen Freund oder Ehemann und wenn dann Treffen mit dem Manager oder Entscheidungen anstehen, die die Musik betreffen, kommen die mit und reden hinein.

Für mich wäre so etwas ein absolutes No-go. Ein Ehemann oder Freund muss auf alle Fälle seinen eigenen Job haben und nicht ständig mit mir herum hängen. Mein Geschäft ist mein Geschäft.

Michaela Boland:

Als Deutscher erlebt man es noch hin und wieder, dass man im Ausland auf ein düsteres Kapitel unserer Vergangenheit angesprochen wird. Südafrika hatte auch mal einen sehr unschönen Abschnitt in seiner Geschichte. Passiert es dir auch noch heute, auf das 1994 beendete Apartheid-System angesprochen zu werden?

Nádine:

Mit dieser südafrikanischen Angelegenheit ist es für mich exakt dasselbe wie mit der deutschen Geschichte. Selbst wenn wir kein Teil mehr jener Generation sind, die diese Dinge geschehen ließ.

Was auch immer in der Vergangenheit passiert ist, wir sind ja alle lediglich ein Ergebnis der Vergangenheit. Und zwar in dem Sinne, dass wir einfach die nächste Generation sind, die danach geboren wurde.

Aber natürlich muss man den Menschen Fragen darüber stellen. Erst vor zwei Tagen saß ich in einem italienischen Restaurant und ein Mann fragte mich, „das kann doch nicht sein, dass sie aus Südafrika kommen, denn sie sind doch weiß.“ Und ich dachte, wo kommst du denn her? Siehst du kein fern?

Wir haben gerade die WM dort, siehst du denn nicht, was im Fernsehen läuft? Ein Engländer fragte mich sogar mal vor fünf Jahren, ob wir in Südafrika Betten hätten. Ich antwortete, ja, haben wir.

Wir haben sogar Fünf-Sterne-Hotels. Aber wenn es um die Geschichte geht und um Apartheid, glaube ich einfach, dass es traurig ist, wenn Menschen mental immer noch derart darin verhaftet sind. Ich halte es so: Denke an die Vergangenheit, betrachte die Zukunft und kombiniere es, weißt du.

Und vor allem: Ziehe ein Résumé. Aber wenn du kontinuierlich nur in der Vergangenheit lebst oder konstant die Zukunft planst, dann verpasst du die Gegenwart und lebst nicht im Heute.

Ich glaube auch, dass die Deutschen mit Sicherheit langsam müde werden, immer wieder von Leuten angesprochen zu werden mit, „ Ah ja, also, du weißt ja, wie war das denn mit Eurer schlimmen Vergangenheit und mit Hitler und so“.

Da willst du doch am liebsten sagen, „Ey, Mann, wenn du das wissen willst, dann geh und hol dir ein Buch darüber und lies es, ich war nämlich kein Teil davon. Wenn du es gelesen hast, kannst du kommen und wir können über die Welt von heute sprechen“.

 Ich glaube, der Unterschied ist, hier in Deutschland hat innerhalb der Politik alles längst ins tägliche Leben zurückgefunden. Alles ist ruhig, während wir in Südafrika in vielerlei Hinsicht noch recht emotional empfinden. Wir fühlen, dass viele Dinge sich in eine negative Richtung gedreht haben.

Es gibt eine hohe Kriminalitätsrate im Land. Ich denke einfach, dass wir unsere Infrastruktur im Lande richtig hinbekommen müssen und alles, was damit in Zusammenhang steht, dann, ist es einfach ein perfekter Ort. 

Michaela Boland:

Wen bewunderst du in der Musikbranche?

Nádine:

Es gibt viele Künstler, zu denen ich aufsehe. Das muss nicht unbedingt wegen eines bestimmten Songs sein, sondern kann schon wegen der Art und Weise sein, wie sie ihre Karriere aufgebaut haben. Dennoch ist es für mich sehr wichtig, nicht allzu sehr auf sie zu sehen.

Es ist nämlich ganz leicht, seine eigene Identität zu verlieren. Besonders wenn man zu sehr auf andere Leute fokussiert ist und das, was diese Menschen tun. Ich möchte niemanden imitieren, sondern einfach gerne meine ganz eigene Karriere aufbauen.

Michaela Boland:

Für dein aktuelles Album „This time I know“ hast du dir einen schwedischen Produzenten, Nick Manic, ausgesucht, der bereits mit Roxette , Celine Dion und den Backstreet Boys gearbeitet hat. War das ausschlaggebend für dich?

Nádine:

Für mich war das nicht das entscheidende Kriterium. Es ist mir lediglich wichtig, dass Produzent und Künstler gut zusammen arbeiten können. Und ich fühlte ganz offensichtlich, dass wir das können. Was aber in der Tat ganz bedeutend war, war die Art des Sounds, den wir suchten.

Wenn man sich den Sound anhört, also den amerikanischen Einfluss, aber absolut einzigartigen Sound eines schwedischen Produzenten mit Bands wie Roxette und ABBA, dann tendierst du einfach dazu zu sagen, „o.k., ich will ein bisschen hiervon und ein wenig davon. Und jetzt müssen wir etwas erschaffen“

. Ich bin daher sehr glücklich über meine Entscheidung. Denn jetzt hat das Album meiner Meinung nach jede Menge Glaubwürdigkeit, aber ebenso auch Ecken und Kanten. Das ist gut, weil manchmal etwas, das zu glaubwürdig ist, leicht mit langweilig gleichgesetzt werden kann.

Übrigens ein weiterer Grund dafür, warum wir nicht mit einer Ballade hier gestartet sind. Ich will etwas mit Energie und etwas, das stark ist, aber natürlich auch nicht etwas wovon der Hörer sagt, „gut, jetzt habe ich das mal gehört, aber nach einem Monat langweilt mich das Album“. Ich muss also etwas mit Substanz bieten.

Michaela Boland:

Wenn es mit der Musikkarriere nicht geklappt hätte, was wärst du dann geworden?

Nádine:

Als ich so zwischen zehn und zwölf Jahre alt war, wollte ich gerne Ärztin werden. Aber dann haben wir ja damit begonnen, ein Album aufzunehmen.

Michaela Boland:

Dann hast du ja bereits als Schülerin deine Karriere begonnen?

Nádine:

Ja, sicher. Ich glaube, so etwas hat eine ganze Menge mit den Eltern zu tun. Mit dem Interesse welches Eltern der Musik oder Wissenschaften entgegenbringen, denn das beeinflusst ein Kind sehr stark. Ich bin immer mit Musik zu Hause aufgewachsen.

Ich habe zwar nie gedacht, dass ich einmal singen würde. Dann wurde ich älter und wir sagten einfach, o.k., lass uns doch mal zwei oder drei Songs aufnehmen.

Der Mann der das aufgenommen hatte, fragte mich dann, ob ich denn nicht einfach ein ganzes Album aufnehmen wolle, weil er glaubte, dass dies ein Erfolg werden könnte. Es hat dann insgesamt drei Jahre gedauert bis das Album endlich fertig war.

Mit 15 musste ich dann die Entscheidung treffen, ob ich die Schule zu Ende mache oder ob ich meine Musik mit 100%-igem Einsatz verfolgen wollte und nur Teilzeitweise zur Schule gehen würde.

Denn irgendwann erreichst du einfach einen Punkt an dem du weißt, dass du jetzt entweder alles für deine Sache geben musst oder aber verlieren wirst. Dann habe ich mich eben dazu entschlossen, die Schule zu verlassen und weiterhin Privatunterricht zu nehmen damit ich mit meiner Musik als Vollzeitbeschäftigung fortfahren konnte.

Das war auch zu der Zeit als ich mein erstes Platin-Album in Südafrika hatte. Daher war es wirklich eine extrem wichtige Entscheidung, die ich damals zu treffen hatte.

Michaela Boland:

Haben deine Eltern ebenfalls mit Musik zu tun?

Nádine:

Auf der Seite meiner Mutter. Daher kam eine ganze Menge Dass ich singe, ist für mich wie einen Traum zu leben. Das kommt gar nicht mal nur durch den Einfluss einer Mutter oder Großmutter, sondern genauso durch ganz andere Leute.

Es ist ja häufig bei jungen Mädchen so, die irgendwann sagen, „oh, ich möchte auch mal studieren und Ärztin werden oder sie sehen eine Sängerin und sagen, die mag ich und diesen Song. Vielleicht könnte ich ja auch Sängerin werden.

So ist das Leben doch. Schließlich kann man sich nicht einfach hinsetzen und sagen, „morgen beginne ich eine Modelkarriere“. Das sind Dinge, die sich über eine gewisse Zeit entwickeln und eines Tages wirst du dir darüber bewusst. Es ist harte Arbeit, wenn du dann, wie bei mir, damit beginnst, etwas zu erschaffen, wie das Songschreiben und das Marketing zu starten.

Michaela Boland:

Haben deine Eltern deinen Weg von Anfang an unterstützt?

Nádine:

Na ja, ich war ganz gut in der Schule. Meine Noten waren immer gut und eigentlich war vorgesehen, dass ich einmal studiere. Ich wollte das definitiv. Und auch mein Vater hätte gerne gesehen, dass ich studiere. Es brauchte eine Weile bis er meine Musik akzeptierte aber heute ist er stolz auf mich.

Michaela Boland:

Hast du noch Geschwister?

Nádine:

Nein, ich bin Einzelkind .Ich wuchs zumindest allein auf. Das war manchmal ein wenig einsam. Aber was gut ist, ist dass ich auf meinen Reisen durch die Musik jede Menge neue Leute kennen lerne. Wenn man nämlich ohne Brüder und Schwestern aufwächst, scheint man offener zu sein.

Hat man im Gegensatz dazu eine große Familie, zu der man einen engen Kontakt hat, scheint man sich manchmal gegen alles andere abzukapseln. Ich musste häufig alles Mögliche mit mir selbst ausmachen, dann ist man in seiner eigenen Welt und es fühlt sich an, als sitze man in einer abgeschirmten Blase. Das passiert mir manchmal noch immer und das ist die beste Zeit um Songs zu schreiben.

Michaela Boland:

Du schreibst also deine eigenen Songs?

Nádine:

Ja, das mache ich. 

Michaela Boland:

Einzelne oder alle Songs?

Nádine:

Es würde mich äußerst beunruhigen, Michaela, ein komplettes Album ausschließlich mit den Songs von nur einem einzigen Künstler aufzunehmen. Das würde recht eindimensional werden. Wenn jemand zum Beispiel sagt, ich singe nur über dieses oder jenes Thema und nur das will ich in Umlauf bringen. Dann wären ja alle Songs entsprechend eingefärbt

Michaela Boland

Bist du ein gläubiger Mensch?

Nádine:

Ich bin sehr religiös und ich bin nicht abergläubig. Beispielsweise finde ich nicht, dass das Schicksal streng vorgegeben ist oder das alles aus einem bestimmten Grund passiert. Ich finde, da ist kein Grund ersichtlich, warum manche Kinder hungern müssen oder andere sterben.

Es macht doch keinen Sinn, wenn das passiert. Ich denke, alles, was wir tun, schlägt irgendwo kleine Wellen aber, wenn es zum Beispiel zu Büchern wie „THE SECRET“ oder ähnlichen kommt, glaube ich immer, dass da hinter den Kulissen so viel geschieht, dass man wirklich aufpassen muss, womit man „abgefüttert“ wird. Da gibt es einfach diese Bücher, die wir lesen sollen.

Da frage ich mich, ist das nicht womöglich Teil eines größeren Plans, um uns alle dazu zu bringen, in einer bestimmten Art und Weise zu denken? Fast wie in dem Film „Matrix“, wo jeder dazu gebracht wird, in derselben Weise zu denken.

Dabei sind sie am Ende alle nur Figuren in einem Spiel. Manche Menschen sagen ja vehement, dass sie nicht an die Bibelglauben, dafür glauben sie aber an „THE SECRET“ Was macht das für einen Sinn?

Ich würde nie sagen, dass ich dies oder das niemals lesen würde, denn dann weiß ich ja nicht, was andere Leute sagen und denken. Da gibt es einfach so viele Einflüsse im Leben, dass ich immer sage, „hör dir alles an und folge deinem Instinkt und deinem Herzen“.

Ich denke, das Leben ist das, was du daraus machst- Ich glaube, dass alle Elemente des Lebens dich in eine bestimmte Richtung schieben. Manchmal fühlst du auch schon vorher, was eintreten wird. Allerdings muss man auch etwas dafür tun. Man kann nicht sagen, in zehn Jahren werde in den USA sein und ewig in Europa bleiben.

Michaela Boland:

Was hat es denn nun mit dem Schriftzeichen oberhalb deines Namens auf sich? 

Nádine:

Gewöhnlich ist es in Südafrika so, dass wenn ein Name Nadine lautet, man ihn entweder Nadine oder Nädine ausspricht. Ich wurde aber nun mal als Nädine geboren, daher hat man mir dieses sogenannten „Akkuut“ über das a gesetzt, was es zum „ä“ macht.

Als ich dann nach Europa kam, haben wir erst mal realisiert, dass das nicht jeder versteht. Also hat man mir vorgeschlagen, den Akkuut einfach wegzulassen.

Da habe ich aber dann interveniert und gesagt, „hey, ihr könnt mir doch nicht meinen Akkuut nehmen. Verändert von mir aus meine Haare aber nicht meinen Namen. Dann hat man noch vorgeschlagen, den Namen komplett zu wechseln.

Aber das wollte ich auch nicht, denn ich bin in Südafrika schon als Nádine bekannt, trete ja bereits ohne meinen Nachnamen auf. Also haben wir den Akkuut jetzt zu einer Art Logo gemacht.

Michaela Boland:

Wie geht es in den nächsten Tagen für dich weiter?

Nádine:

Jede Menge PR-Termine und am 23. fliege ich erst mal wieder zurück nach Südafrika, worauf ich mich freue. Denn so verpasse ich nicht die große Geburtstagsparty meiner besten Freundin. Allerdings überlege ich schon die ganze Zeit, was ich ihr wohl schenken könnte. 

Michaela Boland:

Liebe Nádine, für deinen weiteren Weg ganz viel Erfolg und vielen Dank für dieses schöne Interview.  

Nádine wurde am 28.02.1982 in Durban (Südafrika) geboren. Später zog sie nach Johannesburg. Seit Teenagertagen steht sie bereits auf der Bühne und stellte somit lange bevor man überhaupt an so etwas wie Casting-Shows gedacht hätte, schon ein Teen-Idol dar.

Mit 15 veröffentlichte sie ihr ersten Album. Heute blickt die Künstlerin auf insgesamt zehn veröffentlichte Alben zurück, von denen sich bisher 500 000 Exemplare verkauft haben. Mit 150 Konzerten pro Jahr gehört Nádine zu den erfolgreichsten Popstars Südafrikas. 

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der WDR- Sommer-Unterhaltungsshow „Hollymünd“ in Köln-Bocklemünd.. Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „Studio Eins“.

Als Redakteurin und On-Reporterin bei „Guten Abend RTL“ lieferte sie täglich spannende Reportagen aus ganz NRW. Auf 3-Sat moderierte sie die Kultur-Talkshow „Doppelkopf“, für TV NRW präsentierte sie mit „Casinolife“ die erste deutsche Casino-Show rund um eine Million Euro Gewinn aus Dortmund-Hohensyburg. Boland arbeitet darüber hinaus als Sprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und

Porträt des Monats

© Michaela Boland - Gesellschaft Freunde der Künste    

 

 

 

mehr

15.07.2017 Mit Elisabeth-Weinen zu Erfolg

GFDK - Gottfried Böhmer

Es gibt viele interessante Menschen, Unternehmer und Unternehmen die mit tollen Ideen weitreichendes bewirken und mit ihren Produkten unser Leben schöner oder angenehmer machen. In der Regel werden diese Leistungen nur regional medial gewürdigt.

Menschen, Marken und Produkte

Das wollen wir hier auf GFDK.de ändern. Wir wollen ihnen diese Menschen und Unternehmen und natürlich auch ihre Produkte etwas näher bringen, und stellen sie ihnen bei uns vor.

300.000 mittelständige Unternehmer wirken und schaffen in Deutschland, ihre Leistungen wollen wir mit einem kurzen Portrait würdigen. Die Frage ist doch, wer sind die Menschen hinter den Marken und Produkten, und was treibt sie an.

Auf dem Sprung nach ganz oben

Die Winzerin Elisabeth Rücker ist auf dem Sprung in die Wein-Oberliga. Ihre Weine sind ehrliches schnörkelloses Handwerk und werden gerade von der österreichischen Top-Sommellerie entdeckt.

Ihre eigene Linie unter dem Namen "Elisabeth-Weine" produziert Elisabeth Rücker schon seit 2008, 2019 soll sie das elterliche Weingut im Weinviertler Unterretzbach übernehmen und alles zusammenführen. "Als Diplom-Sommelière und nach meinem Weinmanagement-Studium und fünf Jahren Verkauf bei Wein & Co fühle mich fit für die große Aufgabe".

Mit Elisabeth-Weinen zum Erfolg

Bis dahin habe ich auch die Bio-Zertifizierung und kann so richtig loslegen«, sieht die Weinviertler Winzerin, die am Weingut der Eltern seit neun Jahren für den Keller zuständig ist, ihrer Zeit als Betriebsleiterin voller Freude entgegen.

Einen Namen macht sie sich seit ein paar Jahren mit ihren "Elisabeth-Weinen", die in so renommierten Häusern wie der Hospiz Alm am Arlberg, bei der Wild21erin in Innsbruck oder auf der Angereralm in St. Johann in Tirol auf der Weinkarte geführt werden.

„Wein zu machen, ist für mich etwas sehr persönliches. Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens und ich gebe damit viel von mir preis. Wie ich bin und was ich tue kommt vielleicht manchmal etwas schräg rüber. Aber nur wenn Gewohntes durchbrochen wird, entsteht etwas Neues. Ich habe meiner Weinlinie meinen eigenen Namen gegeben: Elisabeth. Das steht für authentischen Charakter aus dem Herzen des Weinviertels.“

Eine junge Frau hält die Wein-Fahne hoch

"Elisabeth Rücker ist ein junges, dynamisches Talent. Ihre Weine sind schnörkellos, klassisch mit der richtigen Portion Frische und haben dennoch Tiefgang. Sie bringt ins Glas, was die Natur bietet. Ihre Etiketten sind kleine Kunstwerke, die ihre Freude am Weinmachen ausdrücken. Elisabeth Rücker imponiert", zeigt sich Annemarie Foidl, Eigentümerin der Angerer Alm und Präsidentin der Sommelierunion Austria, von der jungen Winzerin beeindruckt.

Im Ausland und auf der ProWein, die Elisabeth-Weine werden in die Schweiz und nach Deutschland exportiert und finden sich dort in einer steigenden Anzahl an Vinotheken, Hotels und Restaurants. Einer der Gründe für die Beteiligung an den wichtigen Messen wie der im März anstehenden ProWein in Düsseldorf. Elisabeth Rücker schenkt dort in der Halle 17 unter der Standnummer C01C bei den Jungen Wilden Winzern ihre Weine aus.

Und wenn im Mai die bedeutendsten Weinfachleute der Welt nach Wien zur Sommelier-Europameisterschaft anreisen, ist Elisabeth Rücker ebenfalls unter den Winzerinnen und Winzern, die ihre Weine im Rahmen des vinophilen Wettbewerbs präsentieren.

Ihr Credo, mit Weinarbeit Gewohntes durchbrechen

Elisabeths Philosophie. Elisabeth Rücker konzentriert sich auf die Kreisläufe der Natur, weshalb biologische Bewirtschaftung als Basis für »gute Weine« für sie zwingend notwendig ist. Weiter in die Zukunft gedacht, sieht sie sich biodynamisch arbeiten.

Es sind aber auch die asiatischen Weisheiten, die die Winzerin beeinflussen. So ist sie davon überzeugt, dass die fünf Elemente Feuer, Wasser, Erde, Holz und Metall aus der chinesischen Lehre ihre Wirkung auf den Wein entfalten. Dieser Wirkung schenkt sie Beachtung und nimmt in ihrer Arbeit darauf Bezug.

Da alle Weine künftig ausschließlich durch ihre Hände gehen sollen, wird das Weingut seine Größe beibehalten. Wachstum strebt die Winzerin nur qualitativ an.

Elisabeths Weingut und das Weingut Rücker. Elisabeth Rücker stellt ihre Weingärten und die ihrer Familie, insgesamt 21 Hektar, gemeinsam mit dem Vater auf biologische Bewirtschaftung um. Für acht Hektar ist sie seit 2008 eigenverantwortlich und füllt die Weine unter ihrem Label. Die Weingärten der Eltern umfassen dreizehn Hektar, die samt Betrieb 2019 an sie übergeben werden. Die wichtigsten Lagen der Rückers heißen Innere Bergen und Halblehen.

Elisabeths Sortenspiegel. 60 % Grüner Veltliner, 10 % Riesling, 15 % Chardonnay, 15 % Zweigelt, der Rest verteilt sich auf Pinot Noir und Cabernet Sauvignon.

Junge Wilde Winzer. Elisabeth Rückers Zug nach vorne ließ sie 2012 Mitglied der österreichischen Vereinigung »Junge Wilde Winzer« werden, wo sie seit Beginn an dabei ist und als einzige Frau die Fahne hoch hält. Gemeinsam mit dieser aufstrebenden innovativen Gruppe vertieft sie ihre Marketing-Aktivitäten und beteiligt sich an Veranstaltungen und Messen.

Wer die junge Winzerin und ihre Weine kennenlernen wollte, konnte das im März auf der Weinmesse ProWein in Düsseldorf.

Elisabeth – Weingut Rücker
Herrengasse 1
2074 Unterretzbach
Österreich
Tel. +43 664 427 99 35, E-Mail office@elisabeth-wein.at

mehr

22.06.2017 Von der Aktfotografie zur Kunst

GFDK - Gottfried Böhmer

Aktualisiert am 17.6.2017 - Model und Fotografin, geht das? Die 28 jährige Künstlerin Flora P. ist den Lesern von Freunde der Künste schon seit 2011 bekannt. Damals sagte sie den Freunden der Künste, dass sie den Niedergang der Sinnlichkeit bedauert und die unschuldige Nacktheit verloren geht. Dem wolle sie nun mit sinnlichen Foto-Werken entgegentreten.

Die Selbstporträts der jungen Künstlerin sind, so Flora P. "kein Objekt der Begierde, sondern ein Bild von Weiblichkeit und Gefühlen". Dass der Aktfotografie immer noch vorgeworfen wird, sie schade der Emanzipation oder reduziere Frauen als Objekte, kann Flora P. nicht nachvollziehen.

Aktfotografie und Selbstdarstellung als neue Kunstform

Nachdem Flora P. jahrelang als Model gearbeitet hat, begann sie sich selbst zu fotografieren. Für ihre Fotos sucht sie sich ausgewählte Orte aus, das kann schon mal in Indien, vor der Kulisse am Hudson in New York oder eben im alten Telegraphenamt in Wien sein.

Auch die Steinlandschaft an der Küste Kroatiens und die Wüste Thar gehörten schon zu den ausgewählten Orten. Publikum kann Flora P. bei ihrer Arbeit auch nicht gebrauchen und so liegen die Plätze an denen sie sich fotografiert meistens im verborgenen.

Von der Aktfotografie zur Kunst

Seit der ersten Veröffentlichung ihrer Bilder im Playboy 2009 sowie zahlreicher Artikel in Magazinen und renomierten Foto und Kunstzeitschriften hat Flora P. ihre Fotokunst stetig verbessert und sensibilisiert. Flora P. schafft den Spagat zwischen der oft als "billig" aber auch hochgepriesenen Aktfotografie, die man oft auf dem Art-Magazin.de zu sehen bekommmt. Die Künstlerin ist ganz ohne zweifel eine Klasse für sich geworden.

Fotografisches Porträt von Indien

Ganz am Rande bemerkt, hat es Flora P. 2013 sogar mit einer 24 bebilderten Fotoserie "Indien: Boden in Licht und Farben" auf Zeit Online Reisen gebracht. Zeit Online: "Seit sechs Monaten reist die österreichische Künstlerin Flora P. mit Zügen und Bussen durch Indien. Ihre Ziele sind Tempelanlagen und Paläste, Wüstendörfer und Flusslandschaften. Alle Stationen ihrer Reise dokumentiert sie in ihrem Foto-Blog Daily India. Ihre Aufnahmen von Straßenszenen und Begegnungen unterwegs spiegeln vor allem die Farbenpracht und Vielfalt des Landes wider.

Dem KURIER sagte sie "Ich habe schon seit meiner Kindheit einen starken Bezug zu diesem Land, seinen Religionen und Bräuchen. Mich fesselt die Schönheit von Landschaft, Tier und Mensch, der Minimalismus, ihre Sitten, die Entwicklung des Landes und die vielen Gegensätze. Überall wartet ein Widerspruch. Als ob man sich in einer Zeitreise durch die Steinzeit und moderner Zukunft bewegt."

Model - Fotografin - Selbstauslöser

Ihren perfekt inszenierten Fotos, die sie sorgsam und bis ins letzte Detail durchdenkt, kann man es nicht ansehen das Flora P. per Selbstauslöser fotografiert. Die Bildwelten der Künstlerin haben eine Qualität gewonnen, dass sich wahrscheinlich kaum noch ein Fotograf traut, sie für ein Fotoshooting anzusprechen.

Wie sensibel sie bei ihrer Foto-Kunst vorgeht, konnte sie in der jüngst entstandenen Fotoserie Self/Wonderland unter Beweis stellen. Ein weiterer Glanzpunkt ihres Könnens. Flora P. verbrachte eine Stunde im Gehege mit einer Wölfin, und das wollte gut vorbereitet sein, schließlich ist das kein Schoßhündchen. Das Ergebniss sind traumhaft schöne Bilder voller Anmut und Fantasie. Dass es sich um Aktfotografie handelt, verschwindet fast im Hintergrund.


Flora P.: „Ich bin eine grosse Wolfsliebhaberin und besitze selbst auch einen wolfähnlichen Hund. Nachdem ich mich viel mit diesen Tieren beschäftige und ungefähr weiss, wie sie ticken, war ich schon gut vorbereitet. Diese Wölfin auf dem Kussbild war sehr scheu und es musste alles sehr schnell gehen. Sie sind sehr hektisch und ein scharfes Bild zu bekommen, ist nicht leicht. Ein Wolf ist arbeitswillig, aber er sagt dir, wann er genug hat. Und das muss man dann respektieren. Es war auf jeden Fall spannend mit so einem mächtigen Tier zu arbeiten.”

Stolz - Nähe - Distanz

Flora P. geboren 1984, entdeckte ihr Interesse an der Fotografie als Aktmodel. Heute arbeitet Flora als Fotografin und Künstlerin weltweit. Flora P. ist ihre eigene und einzige Darstellerin. Inmitten der Überflutung entblößter Darstellungen kontert Flora P. den Niedergang der Sinnlichkeit. Flora P. ist nackt, elegant, unabhängig, verletzlich und sublim.

Kunstvoll-ästhetische Entkleidung von Körper und Seele

Ihre Selbstportraits entstehen oft an kühlen Orten, urbanen Skylines oder Traumlandschaften. Die Fotos sind roh, sexy und doch von unglaublicher Ruhe und Subtilität. Im ersten Augenblick steht die Nacktheit der Bilder im Vordergrund. Doch die intensive Körpersprache kommt in den Vordergrund und die Nacktheit entkoppelt sich vom restlichen Bild.

Man hat das Gefühl sie entschwindet und verwandelt sich in elegante und weiche Bildform. Ihre Selbstportraits sind eine Kombination von hemmungsloser Phantasie und Technik. Bilder sind nie "Schaufenster" des Zufalls, es sind szenische Aufführungen, intime Momente, verführerische Offenbarungen und verspielte Haltungen. Flora P.´s Fotos verleiten dazu den Boden der Realität zu verlassen und einen Moment Teil Ihrer Phantasien zu sein.

Zwischen Kontrolle und Sehnsucht

Kaum etwas ist schwieriger als sich immer wieder neu zu inszenieren. Flora P. beherrscht diese Kunst und perfektioniert sie. Das wichtigste Motiv ist sie selbst. Die Motivation für diesen Schritt war der Wunsch durch ihre Posen nicht nur den Visionen anderer Fotografen Gestalt zu geben, sondern auch eigene Ideen mit der Kamera zu verfolgen. 

Das TRIP Magazin schrieb: "Auch wenn man immer die gleiche Person sieht, sind die fotographischen Kunstwerke doch sehr variantenreich. Auf ausgedehnten Reisen und an besonderen Schauplätzen inszeniert Flora immer neue faszinierende Bildwelten, die vielschichtige Geschichten erzählen".

Flora P. hatte immer wieder das Gefühl, dass sie nur selbst diese Idee von Akt umsetzen kann."

In einem Interview sagte Flora P.: “Ich glaube man sehnt sich wieder mehr nach einer sinnlicheren bzw. intimeren Form der Aktfotografie, in welche der Betrachter sich mehr hinein fühlen darf. Ich spiele zwar gerne mit Erotik, aber in meinen Fotos geht es viel mehr um mich selbst bzw. meine Persönlichkeit.”

Ausserdem sind nun auch über Floras Website ihr Selfs Kalender erhältlich ( 41 cm x 31,5 cm, Digitaldruck, 300g Papier, signiert, 48 Euro + Versand 55 Euro).

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

13.06.2017 echt und raw

GFDK Redaktion

Heute wollen wir Euch ein Update von der Ausnahme Sängerin, Künstlerin und Musikerin Femme Schmidt geben. Bereits 2012 ist sie uns aufgefallen mit ihrer wahnsinnigen, rauchigen Stimme und tollen Songs. Schon ihr Name ist eine Herausforderung für den gewohnten Sprachgebrauch. Ihre glamouröse Optik hat Schmutz unter den Nägeln.

Mit der selben Nonchalance, mit der sie diese Widersprüche in sich vereint, wandelt Femme Schmidt auch über ihr verzweigtes musikalisches Spielfeld: Tarantino trifft auf Bond, Jazz auf urbane Beats, während die Belle de Nuit mit rauchig-warmer Stimme und hymnenhaften Hooks ihre kratzenden Gitarren, gurgelnden Synthie-Bässe und orchestralen Streicher zu etwas ganz Eigenem verwebt.

Femme Schmidts Pop Noir ist Stilbruch aus Prinzip.Weil sie es so will. Weil sie so ist: „Eine endgültige Femme Schmidt wird es wahrscheinlich niemals geben, dafür habe ich zu viele verschiedene Facetten in mir. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass daran irgend etwas Falsches ist. Ganz im Gegenteil: Das bin ich. Und ich liebe es, diese Widersprüche auszuleben. Alle Unsicherheiten und Zwänge abzuwerfen und einfach Ich zu sein– echt und raw.“

Femme Schmidt - Pop Noir

Der direkte Weg wäre kurz gewesen. Luftlinie liegen nur wenige Meilen zwischen zweitem Album und Debüt, zwischen dem Londoner Stadtteil Kensaltown und den ehemaligen Sleeper Sounds Studios, in denen Femme Schmidt 2011 gemeinsam mit Guy Chambers ihr selbst betiteltes Debütschrieb, aufnahm und produzierte. Doch die Route von einem Album zum nächsten führt selten nur geradeaus.

Nach der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums spielte Femme Schmidt ausgedehnte Clubtouren in Deutschland, eine Arena-Tour in Australien als Support von Sir Elton John, dazu Shows in Paris und Wien als Gast von Lionel Richie. Zuletzt begleitete sie Pop-Ikone Bryan Ferry auf dessen Deutschland-Tournee.

Den größten Bogen aber schlug Femme Schmidt auf der Suche nach dem richtigen Umfeld für neue Ideen und neue Songs. Ganz bewusst: „Jedes Album ist wie eine Reise mit einem unbekannten Ziel. Guy und ich kannten uns zu gut, um etwas aufregend Neues zu erschaffen, zumindest war das mein Gefühl. Ich musste raus aus meiner comfort zone.“ 

Von Berlin in die große Welt

Vom heimatlichen Berlin aus ging es erneut um die halbe Welt. Femme Schmidt arbeitete und schrieb mit renommierten Größen wie John Ingoldsby, Peter Vettese und Eurythmics-Mastermind Dave Stewart genauso wie mit eher den Insidern bekannten Songschreibern. „Es entstanden viele Songs, die auf ihre Art und Weise großartig sind - aber das, was ich für mein neues Album suchte, ist mir auf der Reise nicht begegnet:

Mein Partner in Crime. Diesen fand ich schließlich in James Bryan, mit dem ich in den Kensaltown Studios als ersten Song ,To The Edge‘ schrieb. Dieser Song beschreibt passend,dass man etwas wagen muss, um Neues zu schaffen; den Sprung ins Unbekannte - in der Hoffnung, dass dort irgend jemand ist, der einen auffängt.“

Schmidt ließ sich auffangen. Von James Bryan, mit dem Femme Schmidt den Großteil der Songs des Albums RAW schrieb. Von Glen Scott, der federführend die Produktion übernahm, in Kooperation mit dem Hamburger Produzenten Andreas Herbig. Und von der Studio-Gemeinschaft in Martin Terefes Kensaltown Kreativ-Komplex im Zentrum von London. Komplettiert wurde das “RAW-Team” schließlich durch den mehrfachen Grammy-Gewinner  Michael Brauer, der in den Electric Lady Studios in New York das finale Mixing übernahm.

Femme Schmidts neues Album RAW

Femme Schmidt nahm sich für ihr zweites Album Freiheit und Zeit, vertiefte sich intensiv in Ideen, Songs und Sounds. Und das Ergebnis entspricht ihr deutlich hörbar: Schmidts Stimme ist markant wie zuvor,doch ihren Pop Noir legt sie auf RAW deutlich rauer, direkter und energiegeladener an. Und anders als auf ihrem Debüt war nun nicht mehr der Herzschlag einer Metropole erste Inspirationsquelle, sondern vor allem ihr eigener:

„Die persönliche Reise der letzten zwei Jahre hat vieles in mir verändert. Ich beobachte mittlerweile weniger das Drumherum, ich konzentriere mich vor allem auf mich. Bei meinem Debüt war ich noch der Voyeur und habe alles von außen betrachtet und beschrieben. Jetzt bin ich mitten drin.“ Quelle: Warner Music

mehr

07.06.2017 Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit

Berlin Classics - Hasko Witte

Christiane Karg im Booklet-Interview "Mir gefällt diese Möglichkeit, einen roten Faden innerhalb einer Thematik zu spannen, fernab von Komponist, Musikstil oder eines geschlossenen Opus.

Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit. Der Gedanke, das Publikum für eine Stunde in eine andere Welt zu entführen, ist jedoch sehr spannend und ich hoffe, dass es Burkhard Kehring und mir auch mit dieser Aufnahme gelingen wird."

Die in Feuchtwangen/Bayern geborene Sopranistin Christiane Karg begann ihre musikalische Laufbahn bereits in ihrer Kindheit mit Klavier-, Blockflöten- und Tanzunterricht.

Nach dem Abitur studierte sie am Mozarteum Salzburg Gesang bei Prof. Heiner Hopfner und schloss ihr Magisterstudium »Oper/Musiktheater« mit Auszeichnung ab. Hierfür wurde ihr die Lilli-Lehmann-Medaille der Stiftung Mozarteum verliehen.

Im Konzertfach konnte sich Christiane Karg früh mit den bekannten Partien in den kirchenoratorischen Werken von Johann Sebastian Bach, Händel, Pergolesi, Mozart, Haydn, Schubert und Mendelssohn profilieren.

Zu den wichtigen Engagements der jüngeren Vergangenheit gehören ihre Konzerte mit Händels »Messias« beim Schleswig-Holstein Musik Festival, die Eröffnung des Bachfestes in Salzburg, ihr Auftritt bei den Festspielen Herrenchiemsee mit Mendelssohns »Elias« unter Enoch zu Guttenberg sowie die konzertanten Aufführungen von Haydns Oper »L’isola disabitata« unter Nikolaus Harnoncourt im Musikverein Wien.

Engagements der aktuellen Saison führten Christiane Karg u. a. zum Frankfurter Museumsorchester mit Haydns »Schöpfung«, zum Mozarteum Orchester Salzburg mit Mendelssohns Lobgesang, in die Philharmonie Essen mit Mahlers Achter Symphonie (3. Sopran) und auf eine Weihnachtstournee mit dem Windsbacher Knabenchor.

Ein besonderes Anliegen ist für Christiane Karg die Gestaltung von Liederabenden. Nach Erfolgen beim Heidelberger Frühling, den Niedersächsischen Musiktagen, dem Festival RheinVokal und einem Liederabend mit Liveaufnahme beim NDR in Hamburg (Messiaen/Carter) begeisterte Christiane Karg beim Schleswig-Holstein Musik Festival mit ihrem Rezital »Tausendundeine Nacht«: »Ein Feuerwerk aus Liebe und Leidenschaft mit perfekter Stimme interpretiert.

Christiane Karg in absoluter Bestform bewies mit diesem Abend erneut ihr Ausnahmetalent.« (Hamburger Abendblatt). Mit diesem Programm war sie inzwischen auch in der Kölner Philharmonie und dem Musikverein Wien zu erleben.

An der Seite von Wolfram Rieger gastierte sie zu Beginn der aktuellen Saison mit dem Liederabend »Ein Blumenliederstrauß« bei der Schubertiade in Vilabertrán/Spanien. Für Mai 2010 ist das Duo zur Schubertiade nach Hohenems eingeladen.

Die »Nachwuchskünstlerin des Jahres 2009« (Opernwelt) profiliert sich durch ihre darstellerische Intensität auf der Opernbühne: Sie trat 2006 bei den Salzburger Festspielen mit den Mozart-Partien der Melia und des Weltgeistes auf und war dort 2007 als Madame Silberklang in »Der Schauspieldirektor« zu erleben.

Nach einem Engagement im Hamburger Opernstudio wechselte Christiane Karg zu Beginn der Spielzeit 2008/2009 als Ensemblemitglied an die Oper Frankfurt, wo sie unter anderem Susanna und Musetta sang und in der aktuellen Saison als Pamina und Servilia debütierte.

In der vergangenen Saison stand die Sopranistin außerdem als Ismene in Mozarts Oper »Mitridate« am Theater an der Wien auf der Bühne und war mit den Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott am ETA Hoffmann Theater mit Haydns »L’isola disabitata« zu erleben.

Für ihre Darstellung des Ighino in Pfitzners »Palestrina« an der Bayerischen Staatsoper München unter Simone Young im Sommer 2009 erhielt sie ausgezeichnete Kritiken.

Nach ihrem Erfolg als Musetta in der Neuinszenierung von Andreas Homoki an der Komischen Oper Berlin kehrt sie in dieser Saison als Norina für eine neue Produktion des »Don Pasquale« an dieses Haus zurück. Für den Sommer 2010 ist sie von den Salzburger Festspielen eingeladen, den Amor in Dieter Dorns Gluck-Inszenierung von »Orfeo ed Euridice« unter Riccardo Muti zu singen.

Christiane Karg war Preisträgerin beim internationalen Gesangswettbewerb »Neue Stimmen 2007« und wurde 2008 mit einem Sonderpreis in der Kategorie Lied-Oratorium beim Internationalen Gesangswettbewerb Francisco-Vinas in Barcelona ausgezeichnet.

 

PRESSESTIMMEN:

Die Zeit
"...das vokale Ereignis des Abends, Christiane Karg als Palestrinas Sohn Ighino."

Süddeutsche Zeitung
"Diese mit Verständnis untermauerte Unfähigkeit produziert die Trauer des “Palestrina“ , die besonders schön bei Christiane Kargs Ighino, dem Sohnes Komponisten, herauskommt.

Karg singt einen phantasiebegabten Jungen, dem Um- und Zusammenbruch der Welt des Vaters größte Angst bereiten. Was ist da für ein Ahnen und Stocken in Kargs Stimme, die so ganz ohne histrionische Mätzchen eine ins Leben pubertierende Kinderseele portraitiert."

Stuttgarter Zeitung
"Herausragend: die von der Frankfurter Oper ausgeliehene Christiane Karg als Ighino."

Münchner Merkur
" Denn im Heer der Kardinäle, Bischöfe, Legaten, Patres gab es keine Schwachstelle. Eher einzelne Höhepunkte. Den ersten setzte gleich zu Beginn Christiane Karg als Palestrinas Sohn Ighino. Sie entzückte mit innigem Silbersopran und bannte das Publikum mit ihrer eindringlichen Darstellung eines alten, zerquälten Kindes. "

Crescendo
"Herausstechend, weil mit einer rein-silbrigen Sopranstimme voller Liebe und Zartgefühl beschenkt ist Christiane Karg als Ighino. Den Namen wird man sich merken müssen - etwa als Strauss‘ Sophie oder Zdenka! "

Kölner Stadtanzeiger - Gerhard Bauer
"Christiane Karg mit einem großartigen Debüt
Die stillen Sensationen sind die schönsten, und das Kölner Debüt von Christiane Karg im philharmonischen Zyklus „Die Kunst des Liedes“ fällt unbedingt in diese Kategorie.

Ein in allen Lagen ebenmäßiger, frischer, klarer Sopran - leicht klingend, noch leichter anspringend, emotional bezwingend. Die Höhe blüht und weitet sich, das Forte strahlt, das Pianissimo trägt, technische Probleme in Ton-, Farb- und Phrasenbildung scheinen nicht zu existieren.

Die großartige stimmliche Befindlichkeit entspricht dem jugendlichen Alter der Künstlerin, die differenzierte Gestaltungskunst aber verrät schon jetzt Wissen, Reife und Intuition. … führte Christiane Karg in Köln vor. Mustergültig artikuliert, in der Stimmung erfasst, im Ausdruck reich differenziert – man kam aus dem Staunen kaum heraus. …Hier mag man sich in Kolorit, Harmonik und fantastisch freier Form durchaus wie in „1001 Nacht“ fühlen – und Christiane Karg schwebte, lockte, zauberte in und aus dieser Welt. "

Generalanzeiger Köln - Christoph Zimmermann
"Eine echte Entdeckung
Karg, Ensemblemitglied in Frankfurt, darf nach dem Kölner Eindruck zu den herausragendsten Talenten im Lied-Genre gezählt werden. …in den Suleika- Gesängen vermochte Christiane Karg mit Pianofinessen und zarten Höhen zu begeistern. …der Sopran Christiane Kargs schwebte nur so durch Raum und Zeit."

Lübecker Nachrichten
"Dann geschieht es. Gleich nach der Pause. Wie Prinzessin Scheherazade zieht die Sopranistin ihre Zuhörer in den Bann... Wie flüssiges Glas zerfließt nun ihr Sopran in hell lodernden Flammenwogen... Mit Christiane Karg ist am Dienstag Abend ein wahrer Stern über der Lübecker Bucht in den Himmel geschossen."

Hamburger Abendblatt
"Christiane Karg in absoluter Bestform bewies mit diesem Abend erneut ihr Ausnahmetalent. Der Reichtum an Klangfarben, makellos in Höhe und Tiefe, aus dem ihre Stimme scheinbar mühelos schöpft, ließ sämtliche Schattierungen von Liebeslust und -leid vor den inneren Augen ihrer Zuhörer entstehen."

Die Welt
"Die junge Regisseurin vertraut der Magie des Gesangs, die uns am Premierenabend die Sinne benebelt: Mit Christiane Karg als Calisto-Primadonna geht ein jugendlich dramatischer wie koloratursahniger Opernstern am Sopranhimmel auf."

Kieler Nachrichten
"Die Sopranistin Christiane Karg, die jetzt aus dem Opernstudio an die Oper Frankfurt und damit an eines der derzeit interessantesten Häuser Deutschlands wechselt, glänzt in der Titelpartie mit einem Feuerwerk an Stimm(ungs)nuancen, gibt die sanft säuselnde, die aufmüpfige, lüsterne, tonlos enttäuschte und ins Schicksal ergebene Calisto."

Financial Times Deutschland
"Aus dem hervorragenden Ensemble beeindruckt besonders Christiane Karg mit ihrer klaren, weichen Stimme als von Jupiter getäuschte Nymphe Calisto."

Bild
"Im neuen „La Calisto“ an der „Opera stabile“ (der kleinen Bühne der Staatsoper) spielt sie die Hauptrolle: Christiane Karg, gebürtige Bayerin, ausgebildet in Salzburg, seit 2007 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper. Ihre Stimme ist großartig, ihre Präsenz unglaublich. Der kleinen Bühne gab sie eine gewisse Größe. Das Publikum dankte es ihr mit Riesenapplaus, mit Jubeln und Trampeln."

Welt online
"Die beste Show und die beste Stimme liefert auch hier Musette: Christiane Karg beginnt als blöd-arrogant durch die Gegend stöckelnde Paris Hilton und verleiht der Rolle im letzten Akt eine tiefe menschliche Dimension."

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
"Der „Star“ des Abends kam aus Frankfurt, wo die junge Sängerin ab sofort am dortigen Opernhaus engagiert ist – Christiane Karg gestaltete mit gefühlvollem, in der Mittellage wohlig und wärmend geführtem Sopran eine miniaturhafte Traumreise.

Die Britten-Lieder stellen höchste Anforderungen, Karg stand sie mühelos, immer kantilenenhaft und lyrisch durch. Da wächst eine Ausnahme-Stimme heran. Ihre Purcell-Zugabe vereinte noch einmal Anmut und Adel: bei ihr und dem Orchester."

Edel:Kultur
Hasko Witte - Promotion
Neumühlen 17
22763 Hamburg

mehr

17.05.2017 mit einer originellen Idee berühmt werden

Michaela Boland

Seine Lexika der Rechtsirrtümer machten ihn zum Star: Über 100 Fernsehauftritte und 850.000 verkaufte Buchexemplare sprechen für sich. Nie zuvor wurde Juristerei auf so populäre Weise alltagstauglich gemacht. In allen wichtigen TV-Produktionen des Deutschen, Österreichischen oder Schweizer Fernsehens waren seine Werke längst Thema.

Doch, wer ist der Mann hinter der gescheiten Idee, juristische Volksmythen auf so amüsante Weise aufzuklären und in bare Münze zu verwandeln? 

Ein paar Antworten im Porträt des Monats über DR. RALF HÖCKER von Michaela Boland  

Er verfügt über einen geschliffenen Ausdruck, perfekte Manieren und immerhin ein solch attraktives Äußeres, dass ihn Heiratsanträge seiner Fans nach TV-Auftritten zuhauf erreichen. Seinen Intellekt hat er bereits in jungen Jahren gewinnbringend und vor allem medienwirksam eingesetzt, denn bisher gelang es wohl noch keinem Juristen, in solch rasantem Tempo und mit einer derart originellen Idee, berühmt zu werden: Dr. Ralf Höcker ist:

DER JURA-MEDIENSTAR!

Irrtümer wie: Innerhalb einer bestimmten Frist könne man von jedem Vertrag ohne Begründung zurücktreten, oder, was man geschenkt bekommt, dürfe man auf jeden Fall behalten, klärt der promovierte Rechtsanwalt in seinen Lexika ebenso auf, wie die unwahre Annahme, dass es den Straftatbestand der Zechprellerei gebe, sowie den Mythos, dass man reduzierte Ware nicht umtauschen könne, wenn sie fehlerhaft ist.

Als Autor zeichnet Höcker für das „Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2004), „Neues Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2005) sowie „Das dritte Lexikon der Rechtsirrtümer“ (2008) verantwortlich. Außerdem verfasste er die bei Langenscheidt erschienene Pocket- Ausgabe von „ Anwalt-Deutsch/ Deutsch-Anwalt“ (2009), sowie als Co-Autor das „Lexikon der kuriosen Rechtsfälle“ (2007)..  

Eine lichtdurchflutete moderne Kanzlei im Herzen Kölns. Die schicke Adresse am Friesenplatz steht der avantgardistischen und klar strukturierten Einrichtung des Rechtsanwaltsbetriebs in nichts nach. Große, vornehmlich weiß eingerichtete Büroräume mit dann und wann einmal geschickt gesetzten Grünakzenten, bieten insgesamt sechs promovierten Anwältinnen und Anwälten in der renommierten Kanzlei „Höcker Rechtsanwälte“ nicht nur ausreichenden Platz, sondern wohl auch ein äußerst angenehmes Arbeitsklima. Dies ist die Schaffensstätte meines heutigen Gesprächspartners.

Ralf Höcker (38) öffnet mir am Sonntagnachmittag höchstpersönlich die Tür. Der 1,89 m große, mittelblonde Jurist war am Vorabend erst spät zurück nach Köln gekommen, nachdem er in Bayreuth einen Vortrag über sein Fachgebiet, Medienrecht, gehalten hatte.

 Im edlen hellgrauen Hemd, schwarzen Samt Jackett und dunklen Jeans wirkt der Rechtsirrtums-Experte heute wesentlich legerer als man ihn von seinen Fernsehauftritten her kennt. Von seinem luxuriösen Eckbüro im vierten Stock aus hat man einen schönen Blick über die Stadt und den Kölner Dom mittelbar im Visier. 

„Hast Du eine Lebensphilosophie“, beginne ich das Gespräch. Spontan antwortet der gebürtige Kölner überzeugt: „ Man sollte nur tun, was einem Spaß macht.“ Dies scheint Höcker für sich umgesetzt zu haben. Hatte er sich doch bereits bei der Frage nach der Berufswahl nach eigenem Dafürhalten hundertprozentig richtig entschieden.

 Obgleich er sich zunächst kurzfristig auch einmal für Psychologie, Archäologie und ernsthaft, ohne dass Mathe jemals „sein Ding“ gewesen wäre, sogar für ein BWL-Studium interessiert. Dann habe ihn jedoch der gewonnene Einblick ins Studium der Rechtswissenschaften seines alten Freundes, Gregor Tüsing, auf die rechte Idee gebracht. Tüsing ist heute Professor an der Universität Bonn.

 Für Ralf Höcker wurde aber schon im Studium klar, dass für ihn ausschließlich der Anwaltsjob in Frage komme: „Für ein Ziel zu kämpfen, es am Ende zu erreichen und sich mit dem Mandanten darüber zu freuen, das ist, was Spaß macht und immer wieder den Antrieb gibt.“

 Der Umgang mit Sprache war für den Anwalt auch ein Anreiz. Dies mag kaum verwundern, denn der unverheiratete Rechtswissenschaftler ist nicht nur ausgesprochen eloquent und rhetorisch versiert, sondern verfügt auch über eine durchaus angenehm wohlklingende Stimme. Wer ihn so erlebt, wird ihn, mit seinen ebenmäßigen Gesichtszügen, klaren blauen Augen und frech ins immer noch jungenhafte wirkende Gesicht, gekämmten Haaren, einfach sympathisch finden.

Doch so wie er das Kämpferische an seinem Job liebt, so setzt sich Höcker auch für seine Mandantschaft ein, zu der zahlreiche Prominente zählen. Am eigenen Leibe konnte das ein ostdeutscher Bürger im vergangenen Jahr erleben, der Höckers Mandantin Heidi Klum, wider besseres Wissen und ohne Erlaubnis auf einem Werbeplakat für eine von ihm veranstaltete Party abdruckte.

 Dr. Höcker erstritt einen Schadensersatz in mehrstelliger Höhe für das deutsche Top Model, die der verklagte Hartz IV-Emfpänger von Jenny Elvers-Elbertzhagen aus Mitleid zur Verfügung gestellt erhielt. „Schadet es im Allgemeinen grundsätzlich Deinem Image, wenn Du als Rechtsirrtumsexperte, der für viele mit Sicherheit auch als Anwalt gerade für die kleinen Leute wirkt, wenn Du beispielsweise einen ALG II-Empfänger verklagst“, will ich von Höcker wissen.

 „Gar nicht“, erläutert der Jurist, „Meinem Image schadet es nur, wenn ich irgendetwas falsch mache, auch kleine Leute können sich daneben benehmen und Fehler machen und wenn man dann als Anwalt für seinen Mandanten dagegen vorgeht, dafür hat ja eigentlich jeder Verständnis.“  

Ralf Höcker wurde am vierten März 1971 in Köln geboren. Sein Vater arbeitete 40 Jahre als diplomierter Maschinenbauingenieur, bevor er in Rente ging, seine Mutter ist Hausfrau. Der jüngere Bruder verdingt sich als Immobilenmakler. Gerade Höcker Senior ist wahrscheinlich gar nicht mal so unbeteiligt am Faktum, dass Filius Ralf auf die Idee mit den Rechtsirrtümern kam.

 Schon vor langer Zeit stellte Ralf Höcker fest, dass Menschen an sehr viele Dinge glauben, die nichts mit der Realität zu tun haben, die sich aber festsetzen, weil sie immer wiederholt werden. So wollte selbst sein eigener Vater, dem früheren Jura-Studenten in den Anfangssemestern nicht abnehmen, dass der Unterschied zwischen Mord und Totschlag nicht darin zu sehen ist, dass Mord geplant sei und Totschlag im Affekt geschehe, wie viele glauben.

 Vater Höcker jedenfalls wollte dies damals nicht wahrhaben und empfahl seinem Sohn, doch einfach noch ein paar Semester zu studieren. Heute wird der Vater dem Sohne wohl Glauben schenken. Denn der klärte die Bevölkerung in seinen Büchern derart gut über sämtliche juristischen Unwahrheiten auf, dass ein pfiffiger Veranstalter auf die Idee kam, aus Höckers Gedankengut eine Bühnenshow zu konzipieren. In 20 deutschen Städten überzeugte der Anwalt sodann auch noch als Entertainer im Rahmen des komplett ausgelasteten Bühnenprogramms: „Ein§pruch! Die große Rechtsirrtümer-Show“. 

„Wolltest Du schon immer auf die Bühne“, frage ich ihn. „Also mich hat es mit Sicherheit schon immer auf die Bühne gezogen“, erläutert Höcker, „ich bin schon zu Schulzeiten in der Theater AG gewesen, wo ich gemerkt habe, dass mir die Bühne Spaß macht.“ Und so etwas habe man in gewissen Situationen natürlich auch im Gerichtssaal, fügt er trocken hinzu.

 Ob einem bei so viel Erfolg nicht auch zwangsläufig Neid entgegenschlägt? „So direkt sagt es einem natürlich keiner, aber hintenrum bekommt man schon das eine oder andere mit“ erzählt Ralf Höcker. „Es gibt Lästereien, die über drei Ecken angetragen werden, bei denen ich mir vorstellen könnte, dass es Neid ist. Da heißt es, meine Bücher seien schlecht und das kommt besonders häufig von Anwälten, die auch als Buchautoren tätig sind“, konstatiert der überzeugte Kölner.

 Interessant sei daran jedoch, dass Höcker um ein Vielfaches mehr Bücher verkauft habe, als jene “Lästesterschwestern“. Während der Anwalt an seinem Schreibtisch sitzend einen Blick ins Netz auf die Seite freundederkuenste.de werfen möchte, bemerke ich auf dem Wandsteckboard hinter ihm zwei Paar globige Turnschuhe, oberhalb der Mandantenakten dekorativ drapiert.

 „Was hat es damit auf sich“, möchte ich wissen.

"Das sind gefälschte Nikes“, berichtet der Kölner Jurist. In einem Prozess war es darum gegangen, dass die unechten Markenschuhe ohne Kenntnis des Importeurs von der Nichtechtheit hergebracht wurden. „Die Schuhe habe ich mir hier, in Absprache mit der Firma Nike, mal so hingestellt“, sagt Höcker, der damals den Importeur vertreten hatte und fügt hinzu, dass Nike darauf verzichtet habe, dass die beiden Paare vernichtet würden und sie deswegen jetzt hier stehen dürften.  

Auf die Frage, wie es denn mit der eigenen sportlichen Betätigung aussehe, erinnert sich der Jura-Medienstar an vergangene Zeiten: „Ich habe früher mal Sport gemacht, womit ich jetzt mal langsam wieder anfangen sollte, schließlich heißt es, mit 20 kann man Sport machen, mit 30 soll man Sport machen und mit 40 muss man Sport machen“, witzelt Höcker.

 Seine frühere auserkorene Disziplin war Judo: „Ich war kurz vorm braunen Gurt, hatte aber noch blau.“ Diesen Sport könnte er sich auch mal wieder vorstellen, wenngleich er auch vor nicht allzu langer Zeit erst unter Beweis stellen konnte, dass er seine frühere Grifftechnik nach wie vor drauf hat: Bei einem Bar-Besuch mit einem Freund stieß Höcker auf einen Jackendieb, der es auf das Kleidungsstück seines Freundes abgesehen hatte. „Den habe ich bemerkt und dann hat er da herum randaliert.

 Da nahm ich ihn in den Haltegriff und habe gewartet bis die Polizei da war.“ Held Höcker findet, dass gerade das Schöne an dieser Sportart sei, dass sie nicht brutal, sondern nur dazu geeignet scheint, den Gegner kampfunfähig zu machen ohne ihn zu verletzten. Ob er dieses Motto auch seinen Studenten vermittelt? In jedem Fall scheint er riesig bei ihnen anzukommen.

 Seit September 2008 lehrt der Jurist nämlich auch an der Cologne Business School Fächer wie Medienrecht oder internationales Privat- oder Handelsrecht. Von seinen Studenten hat Höcker einen kleinen silbernen Pokal mit der Aufschrift: „Lecturer of the year“ geschenkt bekommen, welcher jetzt ebenfalls auf dem Regal hinter seinem Schreibtisch Platz gefunden hat.  

In seiner eigenen Ausbildung hat Höcker, der nach dem deutschen Jura-Studium und der Promotion zum Dr. iur. auch noch ein Studium in London in Interlectual Property Law absolvierte und den LL.M (Master of Laws) erwarb, auch unterschiedliche Stagen in großen internationalen Anwaltssozietäten durchlaufen, bevor er sich später selbständig machte .

Du warst bei Willoughby & Partner in London sowie bei der ebenso international renommierten Kanzlei Linklaters, Oppenhoff & Rädler tätig. „Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen“, möchte ich wissen.

 „Vor allem zwei Mandanten“ erwidert Höcker, “Sonst hätte ich das nämlich nicht gemacht mit der Selbständigkeit. Ansonsten habe ich natürlich viel gelernt. In solchen Großkanzleien erhält man Schliff. Man lernt einfach den Anspruch, dass jeder Schriftsatz, der herausgeht, perfekt sein muss. Man hatte ja Chefs, die hoch spezialisiert waren und jede Entscheidung auswendig kannten.

 Wenn man da mal kleine Fehler gemacht und nicht gründlich genug recherchiert hat, hat man das aber sehr deutlich zu spüren bekommen.“ Die vernünftige Arbeitseinstellung praktiziere er „zur Freude“ seiner Kollegen nun auch in seinem Betrieb. Dort beginnt sein Arbeitsalltag zwar vormittags erst zwischen 10. 00 oder 11.00 Uhr, endet dafür aber auch nicht von 22.00 oder 23.00 Uhr am späten Abend.

 Zum Leben nutzt der in einer Beziehung lebende Höcker, der sich selbst als „ehrgeizig“, „umtriebig“ und mit Sicherheit „als Macher“ bezeichnet, dann das Wochenende. Doch zu 90 Prozent sei er in der Kanzlei tätig, die Unternehmen und Prominente im Medien- und Markenrecht vertritt. Alle anderen Aktivitäten, wie Vorlesungen, Managerseminare und Auftritte integriere er in den Kanzleialltag.  

Auftritte wird es in Zukunft noch jede Menge geben. Nach der erfolgreichen Pilotierung eines TV-Formates auf Grundlage seiner Rechtsirrtümer-Bücher im Juni dieses Jahres wird „RTL jetzt wohl auch im Frühjahr eine Staffel mit sechs neuen Folgen Einspruch – die Show der Rechtsirrtümer senden“, verrät der Anwalt, der die Show gemeinsam mit einer Moderatorin präsentieren wird.

 Es läuft also alles Rund, für den Mann der früher einmal, die Farbe Rot und die Zahl Sieben zu seinen Glücksbringern erkoren hatte. Dass sich das Thema Rechtsirrtümer in allzu naher Zukunft einmal auslaufen könnte, glaubt der Anwalt, dessen Herz nicht sonderlich an Sachen hängt und der etwas ruhelos alle zwei Jahre umzieht, nicht: „ Die Rechtsirrtümer sind ja nur ein Vehikel, um juristische Themen anzusprechen.

 Ich selber kann mir schon nicht alles merken, was ich geschrieben habe und lese mitunter in meinen eigenen Büchern. Wie soll sich ein Normalverbraucher da alles auf einmal merken? Das heißt, das, was ich erzähle hat eine Halbwertszeit von vielleicht einem Jahr, dann haben es die meisten wieder vergessen und dann kann man es den Leuten wieder neu in Erinnerung rufen.

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein, auf die neue Show und darauf, was sich der pfiffige Anwalt aus Köln in Zukunft noch so alles einfallen lassen wird, um den Menschen das für Laien oft unverständliche Recht auf so ausgefallene witzige Weise ein Stückchen näher zu bringen.

links:

http://www.hoecker.eu/

http://de.wikipedia.org/wiki/Ralf_H%C3%B6cker

 

mehr

17.05.2017 Ihr Motto - „Ich gebe nie auf!“

GFDK - Andrea Croneder

Seit 2003 führte Ulrike Adler (*1972, Konstanz) die Galerie Adler in Frankfurt am Main. Sie vertritt junge, ausdrucksstarke Positionen der zeitgenössischen Kunst, von denen sie bereits einige erfolgreich in bedeutenden Sammlungen und Museen unterbringen konnte.

Nach einem BWL Studium mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft und Marketing in Verbindung mit  einigen Jahren Berufserfahrung, wuchs der Wunsch etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Verschiedene Tätigkeiten bei Start Ups im In- und Ausland, vermittelten ihr Erfahrungen in der Unternehmensgründung – und vor allem die prickelnde Aufbruchstimmung der New Economy.

Schließlich war klar, dass „ein Weg zurück in die Finanzmärkte bzw. in ein großes Unternehmen plötzlich nicht mehr in Frage kam, der Austausch mit Gründern war zu spannend.“

Die Frage, weshalb sie sich gerade die Kunstszene aussuchte, ist einfach beantwortet:

Im Jahr 2000 war das Internet noch jung und eine Internetgalerie eine absolute Marktlücke. Zudem war Kunst schon immer ihre Leidenschaft.

2001 wagte sie schließlich den entscheidenden Schritt und gründete mit www.BigArt.de die erste Internetgalerie Deutschlands. Ein Geschäftskonzept, die ihr umgehend zahlreiche Auszeichnungen einbrachte.

Die Idee war so einfach wie genial und das nötige Selbstvertrauen hatte sie ebenfalls.

Den Nutzen sah sie darin, besonders Laien das Finden, Aussuchen und Kaufen von Kunst zu erleichtern. Kunstsuchende, die bei BigArt surften, sollten dies auch ohne Fachwissen tun und sich das endlose Abklappern von Galerien sparen können.

Auswahl und Erwerb eines Werks sollte über einfache Kriterien wie Kategorie, Material, Farbe, Breite, Höhe und Preisklasse ermöglicht werden. Die sich an die Vorauswahl anschließende persönliche Beratung durch Ulrike Adler, inklusive einer Besichtigung der Wohnung des Interessenten und einem Besuch beim Künstler, war dazu gedacht, alle Gegebenheiten und Wünsche aufeinander abzustimmen.

BigArt.de fungierte als Vermittler zwischen Künstlern, Sammlern und Kunstinstitutionen und war gleichzeitig ein Forum für alle Kunstinteressierten, die sich über aktuelle Ausstellungen und wichtige Geschehnisse in der Szene informieren wollten.

Durch die Realisierung von Shows und Atelierbesuchen konnte Adler die im Internet geknüpften Kontakte zusammenführen und erreichte auf diese Weise eine optimale Verknüpfung von virtueller und realer Welt.

Bereits nach zwei Jahren stellte sie fest, dass ihr Wunsch, sich mehr für ihre Künstler zu engagieren, sie zu fördern und auf Messen vorzustellen, bedeutete, dass sie eine „echte“ Galerie gründen müsste.

Und das, obwohl „es eigentlich nie mein Traum“ war „eine Galerie zu führen“ wie sie selbst rückblickend sagt. Neben der Möglichkeit sich effektiver einsetzen zu können, war es vor allem das Bedürfnis, eine Plattform für jene Künstler zu schaffen, mit deren Richtung und Aussage sie sich identifizieren konnte.

Die Entdeckung der in Boston lebenden Videokünstlerin Alex McQuilkin, deren Arbeiten sie 2003 auf der Armory Show zum ersten Mal sah, untermauerte diesen Entschluss. Die Begeisterung für Künstler, die sich in ihren Werken mit den Widersprüchen des Lebens auseinandersetzen, die auch vor Tabubrüchen nicht zurückschrecken, war geweckt und die Richtung der Galerie damit vorgegeben.

Ulrike Adler ist sich sicher, dass eigenwillige Positionen und existenzielle Themen immer Bestand haben, ganz egal wie kontrovers sie diskutiert werden, denn:

Die Kernfragen des Lebens beschäftigen uns alle und sind deshalb auch häufig Thema in der Kunst. Seichte Themen und dekorative Motive fesseln den Betrachter nur für kurze Zeit.“    

2006 nutzte Ulrike Adler ihre zahlreichen geschäftlichen wie privaten Verbindungen nach New York, wo sie ein halbes Jahr gelebt hatte und wo sie bis heute die Hälfte ihrer Zeit verbringt, um dort eine Zweigstelle zu eröffnen.

Zwei Jahre später lief der Mietvertrag der Dépandance aus und eine massive Mieterhöhung bewegte Adler dazu, die Galerie zu schließen und stattdessen nur noch ein Büro zu unterhalten. Gerade noch rechtzeitig, um den schlimmsten Folgen der Finanzkrise zu entgehen.

Momentan konzentriert sie sich in New York vor allem auf die intensive Kontaktpflege zu Sammlern und Kunstbetrieben.

Die durch die Krise hervorgerufene schwierige Finanzsituation schreckt sie nicht, obgleich sie sie durchaus realistisch einschätzt:

„Kunst ist kein Grundnahrungsmittel. Wir werden jetzt eher wieder Käufermärkte sehen, die Preise werden sich nicht mehr überschlagen. Wer über ein genügend großes Polster verfügt, und dazu zählen doch viele langjährige Sammler, der lässt sich nur wenig beirren.

Aber auch viele junge Leute, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, interessieren sich für Kunst, ob für die eigenen vier Wände oder die Mini-Sammlung. Wenn da der Job in Gefahr gerät, werden allerdings schnell andere Prioritäten gesetzt. Für mich heißt dies: intensiven Kontakt zu den Sammlern und Interessenten halten und wachsam sein, wie sich das Geschäft entwickelt.“

Vor circa zwei Jahren, als die Arbeit drohte, überhand zu nehmen, stellte Ulrike Adler Saskia Dams ein, wodurch die Galerie einen deutlichen Auftrieb erfuhr. Die junge Kunsthistorikerin, die sich ebenso versiert wie engagiert für Kunst und Künstler einsetzt, sorgt dafür, dass sich Ulrike Adlers Wunsch

„das Galerieschifflein mit allen seinen Mitruderern heil durch die stürmische See“ zu bringen, erfüllt.

Dabei wird sie außerdem noch durch drei freie Mitarbeiter unterstützt, die jeweils da anpacken, wo Not am Mann ist und den Erfolg der Galerie als persönliche Angelegenheit sehen.

Die vergangenen Jahre waren aufreibend und anstrengend – Urlaub oder Verschnaufpausen gönnt sich Ulrike Adler kaum, denn der Aufgabenberg wächst stetig und die Verantwortung ist hoch. Gerade die jungen, noch nicht etablierten Künstler leben oft von der Hand in den Mund und sind auf das Geld aus Galerieverkäufen angewiesen, um sich Materialien und Ateliermieten leisten zu können.

Die Motivation trotz all der größeren und kleineren Belastungen und Schwierigkeiten immer weiter zu machen, liegt zum einen darin, dass es der Galeristin viel Freude macht, junge Künstler zu entdecken, aufzubauen und zu etablieren. Zum anderen wäre da noch ihr Leitsatz, der sie so entschieden und voller Optimismus durchhalten lässt: „Ich gebe nie auf!“

 

 

 

mehr

17.05.2017 Man fragt sich: Wo habe ich das schon einmal gesehen?

Dr. Ulrich Heimann

Beginnen wir damit, ein Bildinventar anzulegen, uns einen Überblick über die Requisiten der ganz eigenartig reizvollen, phantastischen Bildwelten Marina Sailers zu verschaffen.

In älteren Bildern werden wir als Betrachter oft in Innenräume versetzt, angefüllt mit Postermöbeln, Stühlen, Betten, Kissen, üppig floralen Stoffen, Teppichen,  Kleiderständern, Lampen, Treppenhäusern mit reich verzierten Geländern.

Gelegentlich werden diese Räume bewohnt von einer träumerischen weiblichen Person, meist mehr oder weniger ausgeprägt  ein Selbstbild der Künstlerin, manchmal als Gips- oder Marmorbüste.

Außerdem werden die Innenräume bevölkert von Adlern, Tauben, Schwänen und verschiedenen exotischen Vögeln; von Katzen, Schmetterlingen, Möpsen, Tigern und Fischen.

Die Fische tummeln sich (wenn sie nicht unter unseren Augen den Adlern zum Opfer fallen) im Wasser, das auf vielen Bildern von einer offenstehenden Tür her die Räume überflutet und Gegenstände wie Schuhe, Bücher, Farbflaschen, Bilder in Bewegung versetzt.

In jüngster Zeit entführt Marina Sailer den Betrachter hinaus ins Freie: auf einer Brücke, an einem See, im Wald handelt das Bildgeschehen, bei dem die Künstlerin nurmehr Regie führt statt selbst zu agieren. Denn neuerdings tritt die Künstlerin in ihren Bildern nicht mehr als Selbstporträt kostümiert auf, sondern ihre Präsens in den Bildern zeigt sich in dem, was sie schildern.

Oftmals hat dieses – in den Augen eines Mannes sehr weibliche – Bildinventar etwas an sich, das es uns irgendwie bekannt vorkommen lässt. Man fragt sich: Wo habe ich das schon einmal gesehen? und findet im eigenen Bildgedächtnis recht schnell Antworten:

Dieser Fußboden erinnert mich an eine Zeichnung Picassos aus der Zeit um 1920; dieser Wald  – einschließlich des Farbauftrags – an Max Ernst, die Stoffe oder die Geländer an Matisse, der Tiger an Delacroix. Das sind aber nur die Konnotationen eines Betrachters; wenn man die Künstlerin fragt, versichert sie, sie wisse meist nicht so genau, von woher ihr Unterbewusstsein ihr die Bilder zuspiele.

Wenn sie sich doch erinnert, bekommt man  – verbunden mit dem Vergnügen eines Aha-Erlebnisses – bereitwillig Auskunft: diese nackte Frau auf einem altertümlichen Fahrrad stammt von einem Bild aus einem Band mit pornographischen Fotografien aus dem 19. Jahrhundert; dies ist eine „Real doll“, mit der sich irgendein Rockstar hat fotografieren lassen.

Jedenfalls wird deutlich, wie sich Marina Sailers Phantasien bebildern: sie bedienen sich – wie ein Großteil der aktuellen Kunst – aus dem uferlosen Haushalt, den die flottierende Bilderflut unserer Tage bereitstellt.

Auffällig ist dabei die häufige Bezugnahme auf künstlerische Bildwelten von den „Klassikern“ bis in die aktuellste zeitgenössische Malerei. Beispielsweise mach sich neuerdings eine neonfarbene, giftig-vulgäre Nuance in Marina Sailers Kolorit bemerkbar, dem man bei so manchem anderen Zeitgenossen ebenfalls begegnen kann.

So bieten ihre Bilder sich den Betrachtenden als Konfigurationen aus heterogensten Elementen und Quellen dar, die sich jedoch – selbst wenn man um deren Herkunft weiß – keinesfalls dauerhaft enträtseln lassen; vielmehr bestehen die Bilder und die Geschichten, die sie erzählen, unerschütterlich auf ihrer Hermetik, auf ihrer Privatheit, auf ihrer Undechiffrierbarkeit.

Es sind ausnahmslos Bilder von rückhaltloser Subjektivität, in denen Marina Sailer ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Träume und ihren Humor verarbeitet. Diese Verarbeitungen von wie auch immer – im Tagtraum oder in Wirklichkeit – erlebter (vor allem gesehener) Wirklichkeit sind sichtlich weniger Resultat von Reflexion als vielmehr von Intuition. 

Zwei Stichwörter - Heterogenität der Bilder sowie ihr erzählerischer Charakter, ihre narrativen Eigenschaften - bedürfen einer kurzen Erläuterung. Mit dem Narrativen, dem Erzählerischen der Bilder ist gemeint, dass Marina Sailers Bilder sich als Fixierungen von Momenten aus geheimnisvollen Erzählungen geben.

Diese fixierten Momente sind keine „fruchtbaren Augenblicke“ im Sinne Lessings, lassen also keine Rückschlüsse auf ein „Davor“ und ein „Danach“ zu, bieten keine Möglichkeit, ein im „fruchtbaren Augenblick“ kulminierendes Geschehen schlüssig zu rekonstruieren.

So stehen sich alle Faktoren der Erzählung in den Augen der Betrachtenden unverbunden und einander fremd gegenüber, so sehr wir Betrachtenden auch ihre ursprüngliche Stimmigkeit spüren.

Für Novalis, einen der frühromantischen Vordenker der künstlerischen Moderne, ist genau diese Heterogenität unverzichtbares Ferment aller modernen – und wir Heutigen können ergänzen: auch und erst recht der postmodernen Kunst. Poesie sei, so schrieb Novalis in seinen Fragmenten, offenbartes Gemüt, und weiter, als habe er Bilder wie die von Marina Sailer vor Augen:

„In unserem Gemüt ist alles auf die eigenste, gefälligste und lebendigste Weise verknüpft. Die fremdesten Dinge kommen durch Einen Ort, Eine Zeit, Eine seltsame Ähnlichkeit, einen Irrtum, irgend einen Zufall zusammen. So entstehen wunderliche Einheiten und eigentümliche Verknüpfungen.“

In Kunstwerken sei, so Novalis keine Einheit als die Einheit des Gemüts, und „nichts ist poetischer als als alle Übergänge und heterogene Mischungen“. (Fragmente und Studien II Nr. 337, 343, 419, 221, in: Novalis, Werke, Tagebücher und Briefe, Bd. 2, München 1978)

Die Einheit dieser heterogenen Kompartimente stellt sich in Marina Sailers Bildern vor allem über die malerische Handschrift her; die Fabulierlust der Malerin teilt sich auch als lustvolle Malerei mit, und so steckt sie uns Betrachtende an, unter das Interieur ihrer zur eigenen Dezentrierung animierenden Innenräume und unter die Requisiten ihrer Landschaften auch unser Innenleben, unsere Phantasien, Wahrnehmungen und Konnotationen zu mischen. 

Dr. Ulrich Heimann, Kunstakademie Düsseldorf

mehr

06.05.2017 Sie würde auch in der Wildnis leben

Arndt von Themroc

Wenn sich jemand in unsicheren Zeiten aufmacht um Menschen in aller Welt kennenzulernen und seine Erfahrungen in Musik ausdrückt, so ist dies etwas sehr Verbindendes und Schönes. Seit sie 15 Jahre alt ist, bereist die Sängerin und Komponistin Tabea Mangelsdorf (Tabeah) aus Abenteuerlust und Interesse am Menschen die Welt.

Die gebürtige Potsdamerin hat nun mit ihrer Band Tabeah ihr Debut-Album „Stars at Eye-Height" veröffentlicht, auf dem sie mit poetischen Songs ihren Erfahrungen Ausdruck gibt.

Arndt von Themroc hat für die Freunde der Künste mit Tabea Mangelsdorf (Tabeah) über ihre musikalischen Ursprünge, Einflüsse und Ziele gesprochen.

Woher kommst du/ihr?

Ich komme aus Potsdam. Seit ich 16 Jahre alt bin, bin ich von dort aber immer wieder ausgeflogen und habe in Australien, den USA, Indien und Brasilien gelebt. Nach meinem Pop-Gesangsstudium in Osnabrück ziehe ich gerade wieder nach Berlin. Meine Bandmitglieder kommen aus Hannover, Münster, Detmold, Ostfriesland und Spanien.

Seit wann machst du Musik?

Ich habe schon als kleines Kind Musik gemacht. Flöte natürlich und irgendwann habe ich immer mehr Klavier gespielt. Aber gesungen habe ich erst mit 18, denn ich war ein total introvertierter Stummfisch! Ab dem Zeitpunkt habe ich dann immer mehr Konzerte gesungen.

Was bedeutet der Bandname? Warum habt ihr diesen Namen ausgewählt?

Ich habe damals lange überlegt wie wir als Band heißen sollen. Aber diese Musik bin einfach ich! Tabeah ist daraus entstanden, dass ich meinen Namen Tabea um ein `h´ erweitert habe. Es symbolisiert meine Künstlervision. In der hebräischen Handschrift wird das `h` wie ein offener Kanal gezeichnet und das hat so eine Art spirituelle Bedeutung. Und das ist auch was ich als Künstlerin sein möchte: ein offener Kanal für etwas Größeres.

Was sind deine/eure musikalischen Einflüsse?

Die Musiker aus meiner Band kommen aus sehr verschiedenen Stilen. David K. Ehlers (keys) kommt hauptsächlich aus dem Hip Hop und R’n’B, Claas-Henning Dörries (bass) aus dem Post-Rock, Christian Grothe (git) ist sehr viel in der Ambient-Szene unterwegs und unser Drummer Simon Jurczewski steht auf Elektro. Ich selber bin mit klassischer Musik aufgewachsen und habe vier Jahre klassischen Gesang in den USA studiert, bevor ich mich entschied meine eigene Musik zu machen und Pop zu studieren.

Das hört man in den klassischen Streicher Arrangements und vielleicht den eigenwilligen, Song-unähnlichen Strukturen der Lieder. Irgendwann habe ich Jonsi (den Sänger von Sigur Ros) für mich entdeckt. Aber ich höre eigentlich alles was mich irgendwie berührt und mitnimmt. Doch wenn ich komponiere schreibe ich das, was mir kommt erst mal ungefiltert auf, ohne dabei auf Stil zu achten.  

Und ich habe als Kind mehr gemalt als gesprochen. Das hat einen großen Einfluss, denn wenn ich komponiere, male ich innerlich oft bunte Fantasiewelten und weite Landschaften.

Wie schreibt und entwickelt ihr eure Songtexte? Hast du selbst Dinge erlebt und Erfahrungen gemacht in denen es in deinen Songtexten geht?

Die Texte schreibe alle ich. Einige Texte entstehen durch Lebensgeschichten, die mir Menschen auf meinen Reisen in Indien, Israel, Palestina oder Exiltibet erzählten. In anderen Texten bin ich sehr politisch und stelle vieles in Frage. Die Songs der neuen CD geben meinen Sehnsüchten nach innerer Lebendigkeit, verspielter Wildheit und absoluter Freiheit einen Ausdruck.

Was erwartet den Hörer auf eurem Album?

Man wird eingehüllt in eine Klangdecke und in neue Welten entführt.  Mal flüstert die Musik zerbrechlich zart, mal tänzelt alles im witzelndem Pizzicato und mal wird in einer Epik der Spannungsbogen bis an die Grenze gedehnt, dass man am Ende der Reise gerade noch das Gefühl hat, heil angekommen zu sein.

Sphärische und orchestrale Gitarren- und Streicherklänge getrieben von der Rhythmusgruppe und eine unverkennbar expressive Stimme, die klar darüber fliegt. Es sind kunstvolle Lieder, fast Pop, nicht so recht Post-Rock, viel Weltmusik mit klassischen Elementen und Melodien wie Filmmusiken.

Auf diesem Album begegnet man einem riesigen Löwen der genug hat von der Kleinlichkeit der Welt und in seinem Traum zu größeren Horizonten fliegt. In Just For Now geht es zur Ursprünglichkeit im Leben und um den Drang wild durch den Wald zu toben anstatt eine Leistungs-Machine zu sein. Paper Piano dreht alles humorvoll auf den Kopf um die Welt mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

Jedes dieser Kunstwerke will zur Freiheit und zur inneren Lebendigkeit. Spielerisch und fantasievoll, wild und herausfordernd oder ganz ursprünglich spirituell. Der Alltag ist oft sehr schnell und vollgestopft, aber von der Intimität und Tiefe dieser Musik darf man sich in Ruhe berühren lassen und vielleicht lang verschlossene Räume in sich öffnen.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich liebe Jonsi, Henryk Gorecki, Vince Mendoza, Ane Brun, Joni Mitchell, Cassandra Wilson, Arve Henriksen, Simin Tander, viele der Arabischen und Afrikanischen Künstler und viele mehr.

An welchen weiteren Musik-Genres bist du noch interessiert?

Traditionelle Afrikanische und Arabische Musik. Da steckt oft so eine uralte Tiefe drin.

Was würdest du tun, wenn du nicht Musiker/in geworden wärst?

Tolle Frage. Ich würde in der Wildnis leben, oder mich als Aktivistin für die Urvölker der Welt einsetzen oder vielleicht ein Wandernomade sein. Träumerein.

Wie sehen eure Live-Shows aus?

Man sitzt dort mit seinem Wein, sieht acht total vertiefte Musiker und lässt sich wie von einer Filmmusik, in eine Welt aus feinen und total epischen Klangspektren mitreißen. Viele fühlen sich danach gereinigt, berührt, erhoben und mit etwas Vergessenem in sich verbunden fühlen. Das ist schön.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir wollen immer mehr Leute mit unserer Musik erreichen natürlich! Mein Traum ist es mit einem Visual Artist zusammen zu arbeiten und an ungewöhnlichen Orten wie Höhlen, Ruinen und Kratern Konzerte zu veranstalten.

Wir arbeiten schon am nächsten Album, welches erdiger, roher und noch viel mehr Weltmusik wird. Es zieht mich auch wieder Richtung mehr Einfachheit. Es bleibt spannend.

mehr
Treffer: 176
Top