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22.04.2013 ein Faible für ausgefallenes Schuhwerk

Exklusiv für freundederkuenste.de - Porträt des Monats über Bela Mavrak von Michaela Boland

von: Michaela Boland - mit 4 Bildern

Mit seiner Stimme begeisterte er nicht nur einst Lord Yehudi Menuhin, sondern brachte jüngst auch die Star-Magier Siegfried & Roy dazu, ihm vor Rührung bis in die Garderobe zu folgen, um ihn höchstpersönlich kennen zu lernen. Sein Markenzeichen: Leidenschaft und kerniges Vibrato in der durchdringenden Stimme.

Die Rede ist von Star Tenor Bela Mavrak. Seit Meister-Geiger Andre Rieu den gebürtigen Ungarn für sich entdeckt und den Wahlkölner einem weltweiten Publikum bekannt gemacht hat, ist ihm seine Zeit zu Hause ebenso rar wie kostbar geworden.

Ein paar der seltenen Momente in der Wahlheimat widmete Bela Mavrak jetzt Journalistin Michaela Boland. Was den Star-Tenor mit dem Maastrichter Erfolgs-Geiger mit der wippenden Frisur verbindet, wie er in West-Papua auf einen Kannibalen-Volksstamm gestoßen ist, aus welchem Grund er ein Faible für ausgefallenes Schuhwerk mit Augen hat und was ihm Gianni Versace vor dessen gewaltsamen Tod sagte, verriet er Boland im Gespräch. 

Porträt des Monats über Bela Mavrak von Michaela Boland  

Auf seinen nagelneuen Kaffe-Latte-Automaten ist Bela Mavrak sichtlich stolz. In der knallroten Lack-Designer Küche fügt sich die schnittige Maschine optisch perfekt ins Gesamtbild. In seiner geräumigen kernsanierten Altbau- Eigentumswohnung mit hohen Stuckdecken unweit der Kölner Musikhochschule hat sich der Tenor ungarischen Ursprungs selbst verwirklicht:

Ausgefallenes tibetisches Sitzmobiliar, das an einfachsten Wohnkomfort ostasiatischer Urstämme erinnert, im Esszimmer, kunstvolle schwarze Lackstühle aus der Zeit Napoleons des III., mit Designerstöffchen überzogenen Sitzflächen versehen, im Wohnzimmer, wirken ebenso exotisch wie die vielen Büsten, die zum Teil Gottheiten aus Kambodscha, Indonesien, West Papua oder Neu-Guinea darstellen, und überall herumstehen.

„ Ich habe aus jedem Land, in dem ich war, etwas mitgebracht“, erzählt der 43-jährige Opernsänger. „Aber den einen kambodschanischen Kopf, den ich habe, habe ich vorsichtshalber in Köln gekauft, denn nachdem er 1000 Jahre alt ist, hätte man mich wahrscheinlich lebenslänglich ins Gefängnis gesteckt, wenn ich ihn aus Kambodscha mitgebracht hätte.“  

Die Wohnung des Kölner Junggesellen ist tipp topp aufgeräumt, ein anheimelndes Feuer lodert im modernen gläsernen Minikamin und ein angenehmer, künstlich erzeugter Herbstduft verbreitet sich in sämtlichen Räumen. Auffällig: Die zahlreichen Abbildungen der Medusa (Anm. der Red: Figur aus der griechischen Mythologie: Ehemals schöne Tochter zweier Meeresgottheiten, welche aufgrund der erzürnten Pallas Athene in ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, Schuppenpanzer, langen Eckzähnen und glühenden Augen verwandelt wurde, dessen Anblick jeden zu Stein erstarren ließ als Schutz gegenüber Feinden, die es seiner Sterblichkeit wegen hätten töten können), die in Bela Mavraks Wohnung signifikant häufig auftauchen.

So ziert eine Medusa den Eingangsbereich oberhalb der Wohnungstür. Ein riesiges Abbild der griechischen Gorgone ist kunstvoll in den marmornen Fußboden seines luxuriösen Badezimmers eingearbeitet, gleichwohl befinden sich zahlreiche weitere Medusen auf Sofakissen oder Wandbildern.

„Was für eine Bedeutung hat diese Gestalt für Dich“, möchte ich wissen. „Das ist schwierig, ich kann es genauso wenig erklären wie Goethe, auf den Medusa ebenfalls eine große Faszination ausgeübt hatte. Genauso wie auf den am 15.Juli 1997 in Miami Beach erschossenen Modeschöpfer Gianni Versace. Es ist eben einfach ein mystisches Gesicht“, erklärt der Opernstar.  

Interessant erscheint jedoch die Tatsache, dass Mavrak sich in jüngeren Jahren erstmalig einmal eine Krawatte des berühmten Italo-Designers Versace gönnen und dafür sogar 160,- DM investieren wollte, nachdem dies zu noch früheren Studentenzeiten beinahe eine ganze Monatsmiete für sein damaliges acht Quadratmeter-Zimmer ausgemacht hätte.

Gesagt, getan, doch das Unheimliche: Wie sich nur eine halbe Stunde später, während er seinen Gesangslehrer besuchte, ausweislich durch die auf dem Kassenbon vermerkten Daten herausstellte, soll der Kauf der Gianni Versace-Krawatte exakt mit der Minute übereinstimmen, in der der weltberühmte Modeschöpfer noch am selben Tag durch einen Attentäter zu Tode kam. Druckmuster des besagten Kleidungsstückes: Medusen- Abbildungen.

Bezeichnend: Die Welt des italienischen Designers spiegelte sich in dem Symbol des Medusenhauptes wider, das auf die charakteristische griechische Art mit Ornamenten verziert ist. Die Wahl, die zuweilen eine fatale Faszination zuwies, wurde im Modehaus bewusst getroffen: Eine Art von Schönheit und Schlichtheit, die fesselt und verwirrt.  

„Beinahe ist es so als hätte eine Übergabe von Versaces Medusa-Faszination auf mich stattgefunden, in der Minute als er starb, denn seit ich jene Krawatte erworben hatte, war auch ich tief beeindruckt von diesem Symbol“, erinnert sich Bela Mavrak. 

Als der Opern Star, der seit vier Jahren als Gasttenor mit Andre Rieu mit jeweils 110 Konzerten pro Jahr durch Europa, Asien und Amerika reist, 1993 mit dem Gewinn der Goldenen Medaille, dem ersten Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb im italienischen Santa Margherita Ligure, aufwarten kann, kommt ein Mann zu ihm hinter die Bühne, der ihm herzlich gratuliert und seine gute italienische Aussprache lobt.

Jener Mann habe, wissentlich der Kenntnis, dass Mavrak Ungar war, zu diesem gesagt, dass man keinesfalls bemerke, dass der angehende Star kein Italiener sei. Gesiegt hatte der Sänger nämlich mit einer Arie aus Puccinis „La Boheme“. Dann verschwindet der Mann. Später fragte ihn der Festivaldirektor, ob Mavrak den „mysteriösen“ Bewunderer denn nicht erkannt habe.

Es war Gianni Versace und Bela Mavrak, der sich zum damaligen Zeitpunkt sein Einkommen betreffend noch nicht in der „Ich-trage-Versace-Outfits-Liga“ befunden hatte, zeigte sich sichtlich beschämt, den weltbekannten Modedesigner nicht erkannt zu haben. 

In unzähligen Rundfunk- und Fernsehproduktionen, sowie CD-Einspielungen von Rossinis „Petite Messe Solennelle, Vivaldis „Magnificat“ oder der Weltpremiere „In Exitu Israel“ sowie „Dixit Dominus“ von Marianna Martinez in der Kölner Philharmonie konnte Bela Mavrak sodann auf sich aufmerksam machen. In Verdis „Requiem“ debütierte er mit der Philharmonica Hungarcia in Bonn 1994.

Mit genau dieser exponierten Tenorpartie trat er nur ein Jahr später bereits im Teatro Colon in Buenos Aires und im Teatro Municipal in Sao Paolo auf, bevor er mit der Hauptrolle in „Fausts Verdammnis“ (Hector Berlioz) zum Salzburger Festspielhaus gelangte.

Von 1998 bis 2000 arbeitete Mavrak sodann auch noch als Solist am Deutschen Nationaltheater Weimar, wo er zehn verschiedene Opernrollen gesungen hat. U.a. sogar im Goethe Jahr 1999 als Weimar zur Kulturhauptstadt wurde, zwei verschiedene Faustrollen, „Magarete“ sowie „Fausts Verdammnis“. 

Die außergewöhnliche Tenorstimme Mavraks wird von der Presse als „lyrisch geschmeidig, bruchlos geführt und klangvoll“ beschrieben. Der
Opernsänger ist heute glücklich darüber, eigentlich aus einem Zufall heraus, genau das machen zu können, was er sich stets gewünscht hat.

Zu Beginn seiner Ausbildung hätte das wohl noch niemand gedacht, denn der am 07.April 1966 in Baden (bei Wien) geborene Sohn zweier ungarischer Studienräte machte auf Wunsch seines Vaters erst einmal eine Ausbildung zum MTA (medizinisch technischen Assistenten).  

„Mein strenger Vater hätte gern gehabt, dass ich Arzt werde. In dem kleinen Dorf, namens St. Michael, in dem ich innerhalb Woywodinas (Anm. der Red.: heutiges Nord Jugoslawien) aufwuchs, gab es nur eine Ärztin: Die Schwester meiner Mutter. Nachdem ihr einziger Sohn, mein Cousin, Informatik studierte, sollte ich nach dem Willen meines Vaters eines Tages ihr Nachfolger werden“, erinnert sich Bela Mavrak. Erforderlich wäre natürlich gewesen, noch ein Medizinstudium anzuschließen.

Dann kam alles ganz anders. Die Mutter Belas leitete in der Freizeit Folkloretanzgruppen und war in Kulturinteressenkreisen des Umkreises organisiert. Zu einer dieser Gesellschaften hatte auch ein gewisser Musikprofessor namens Bursac, der als Dirigent in Belgrad tätig war, gezählt. „Nachdem er meine Stimme gehört hatte, stand für ihn fest, dass ich Sänger werde“, weiß Bela Mavrak noch genau. Zunächst konnte sich der heutige weltbekannte Star-Tenor dies noch überhaupt nicht vorstellen.  

Während des Militärdienstes jedoch kam Mavrak der Umstand zugute, dass für eine Soldatenband ein Keyboarder gesucht wurde. Nachdem Bela bereits zu Grundschulzeiten Klavierunterricht genossen hatte, jedoch eigentlich froh war, das lästige Üben nach jener Zeit endlich hinter sich gelassen zu haben, machte sich seine Fertigkeit jetzt aber doch bezahlt:

„Sie haben mich nach mehreren Auditions ausgewählt, weil ich alle möglichen Stilrichtungen beherrschte. Klassik genauso wie Rock oder Pop. Das hat mir mein Leben während des Wehrdienstes sehr erleichtert, denn immer wieder durfte ich die Zeit mit Üben und Spielen in Hotels verbringen“ erläutert der Kölner. Noch in der Armee begann Bela Mavrak sogar damit, sich in kleineren Eigenkompositionen zu üben.

Nachdem er sich jedoch im Klaren darüber war, nicht ausgereift genug zu sein, um seine erdachten Melodien auch entsprechend qualifiziert niederzuschreiben, wandte er sich nach dem Wehrdienst erneut an Professor Bursac, um von diesem die Notation von Kompositionen zu erlernen.  

„Bursac ließ sich nur unter der Voraussetzung auf den Deal ein, dass ich in dem von ihm geleiteten Chor mitsang“, bestätigt Mavrak, „und dann saß ich irgendwann bei ihm am Klavier und habe etwas gesungen als er plötzlich aufstand und ohne mein Wissen einen Belgrader Gesangsprofessor der Musikhochschule anrief, um diesem mitzuteilen, dass er einen neuen Schüler für ihn habe. Dann konstatierte Bursac, dass ich Sänger werde und lamentierte so lange herum, bis er mich überzeugt hatte.“ 

Mavraks Vater hatte den Sohn eindringlich vor den Unabwägbarkeiten einer Laufbahn als Sänger gewarnt. Hatte er doch bereits ein riesiges Anwesen im Mediterranstil erbaut, in der Hoffnung, dass der Sohnemann eines Tages die erwünschte Arztkarriere antreten und sowohl die Dorfambulanz der Tante übernehmen, in jenes Anwesen verlegen und auch mit den erwünschten künftigen Enkelkindern dort leben würde.

„Jetzt wohnen meine Eltern leider allein in einem so großen Haus, da ich ja keine Geschwister habe. Das ist heute ein Problem im Winter, wenn die Kälte kommt. Dann müssen sie alles abschließen und bewohnen nur zwei Räume, da es unermesslich wäre, ein derartig großes Haus den kompletten Winter über zu beheizen.“

Heute ist der 68-jährige Vater außerordentlich stolz auf seinen weltberühmten Sohn. Die Mutter (67) war von vorneherein liberaler gegenüber der Idee eingestellt.

 
Eigentlich war Bela Mavrak ja von jeher ein Rock-Fan, vergötterte Pink Floyd und hatte bis zum Antritt seiner Gesangslaufbahn auch noch nicht eine einzige Oper gesehen. Der Mann mit den pechschwarzen Haaren und strahlend blauen Augen merkte zwar schon zu Discozeiten, dass er Songs wie „Hands up, Baby Hands up“ oder tanzbare Stücke von ABBA oder BONEY M. im Discosound musikalisch eher als langweilig empfand.

Er habe sich aber schon immer für kompliziertere Arrangements wie Synpho- oder Psychodelic-Rock interessiert. Gruppen wie Genesis oder Yes hätten da schon eher seinen Geschmack getroffen, nachdem er dort jetzt sogar eine Brücke zur Klassik erkenne.  

Bei den Mädels sei die anspruchsvollere Musik damals natürlich ebenso wenig angekommen wie bei Gleichaltrigen. Daher habe Mavrak sich auch stets mit durchschnittlich vier Jahre älteren Freunden umgeben müssen. „Als Jugendlicher sind vier Jahre Altersunterschied schon fast wie eine ganze Generation. Die Leute in meinem Alter hörten immer nur Trendmusik“ berichtet Mavrak. 

Nachdem Dirigent und Chorleiter Bursac den jungen Bela Mavrak sodann an der Belgrader Musikakademie untergebracht hatte, studierte der Ungar insgesamt zweieinhalb Jahre dort, bevor er 1991 eines Tages seinem Onkel, einem Musiker, einen Besuch abstattete. Onkel Josef Lukenich lebte nämlich schon seit fast. 50 Jahren in Düren. Gerade in dieser Zeit zeichnete sich dann auch in Jugoslawien der Konflikt zwischen Serben und Kroaten ab.

„Obwohl ich damals noch nicht ermessen konnte, dass ein Krieg bevorstehen würde, fühlte ich mich als Ungar, der mit dem politischen Konflikt, der sich da gerade zwischen den Volksgruppen vollzog, ja eigentlich nichts zu tun hatte, einfach nicht wohl“, weiß Mavrak noch wie gestern.

Onkel Lukenich, selbst Musiker und Mitbegründer der Dürener Saxophon- und Klarinetten Sparte der Musikschule, schlug dem Neffen kurzerhand vor, doch einfach nach Deutschland an die renommierte Kölner Musikhochschule zu wechseln. 

Zu dumm nur, dass die Anmeldefristen schon sechs Monate zuvor verstrichen waren als Mavrak durch Zufall und ohne es zu wissen, ausgerechnet am allerletzten Tag der Aufnahmeprüfung in der Domstadt aufschlug. Selbstverständlich wollte ihn da niemand mehr anhören, sondern man schlug ihm vor, nur kurz mit ihm zu sprechen, um ihm zu raten, was er für die Prüfung im Folgejahr schon mal lernen könne.

Dass sich Hartnäckigkeit auch selbst in dem oftmals als allzu bürokratisch verschrienen Deutschland bewähren kann, sollte der Magyar dann am eigenen Leibe erfahren. Den zuständigen Professor und Pro-Rektor Wilfried Jochims hat der Sänger nämlich dann so lange gebeten, ihn doch wenigstens anzuhören, dass dieser Bela trotz des Umstandes, dass bereits weitere, rechtzeitig angemeldete Prüflinge in der Aula warteten, sein Ohr lieh.  

„Dann habe ich dem Professor in einem Zimmer etwas aus „La Boheme“ vorgesungen“. Danach geschah das Unfassbare: Der Professor schien offenbar derartig begeistert, dass er entschied, Mavrak sofort aufzunehmen, schob den Ungarn kurzerhand irgendwie zwischen zwei andere Aufnahmeprüflinge und schleuste ihn vor die Prüfungskommission in der Aula.

Vor der kompletten Kommission entschuldigte sich der Professor zunächst dafür, jetzt noch jemanden so kurzfristig unterzujubeln, der noch nicht mal Deutsch sprechen könne, denn Bela war der Sprache damals noch in keiner Weise mächtig.

Doch wie ein Bürge gelobte der Professor vor den übrigen Entscheidungsberechtigten sodann, dafür Sorge zu tragen, dem jungen Mann vom Balkan schnellstmöglich Deutsch beizubringen. Nachdem Mavrak dann noch einmal vor der gesamten Kommission vorgesungen hatte, war er „drin“. 

Seither lebt Mavrak in Köln und hat die Stadt nicht nur kennen-, sondern auch lieben gelernt. „Ich liebe die Mentalität der Kölner. Gerade wir Ungarn sind ja auch ein temperamentvolles Volk. Die Kölner sind nicht so typisch Deutsch, sondern offen und witzig, können vor allem auch Witze ertragen, haben ihren Karneval, was zeigt, dass sie sich auch in verrückter Weise für Dinge begeistern können.

Außerdem habe ich mittlerweile so viele Freunde und Bekannte hier, dass dies mein Lebensmittelpunkt geworden ist. Die Kölner haben mich schon lange als Kölner anerkannt, das ist einfach schön.“ 

Nachdem Bela Mavrak sein künstlerisches Diplom an der Kölner Musikhochschule erhalten hat, folgen noch Privatunterricht beim weltbekannten Mailänder Tenor Franco Corelli, sowie Meisterkurse beim italienischen Operntenor Gianni Raimondi und dem schwedischen lyrischen Tenor Nicolai Gedda.

„Ich bin mehr so ein italienisch-lyrischer Tenor, weniger kopftonal“, erklärt der Sänger. „Um in der Art wie Pavarotti zu singen, bzw. all die typisch italienischen Klänge richtig zu erlernen, musst du dich schon nach Italien begeben, denn das kannst du nicht hier lernen“ erläutert er weiter.

Auf die Frage, welchen der bekannten Tenöre er selbst bewundert hat, antwortet Mavrak: „Für mich ist Pavarotti unschlagbar gewesen, weil der klare Klang seiner Stimme und der Perfektionismus wunderbar aufeinander trafen.“  

Was jetzt noch fehlt, ist eigentlich nur die passende Gefährtin an seiner Seite und die eigene Familie, von der er immer geträumt hat. „Meistens hätten Frauen gerne einen Mann an ihrer Seite, der immer dabei und dann zu Hause ist, wenn sie ihn brauchen. Und ich bin natürlich nicht immer da und da braucht man auch erst mal jemanden, der das akzeptieren und verstehen kann.

Zweitens ist es auch nicht einfach, eine Person zu finden, die all das, was ich liebe, ebenso mag. Es ist schwierig“, analysiert der Tenor, der zwischenzeitlich die Deutsche Staatsbürgerschaft hat. „Mein Problem ist auch, dass ich nicht dazu bereit bin, meine Freiheit komplett aufzugeben, weil ich dann wahrscheinlich nicht das wäre, was ich bin.“ 

In jedem Fall sollte die Zukünftige wohl die Reiseleidenschaft in abenteuerliche Länder des zuvorkommenden Sängers teilen. Bela Mavrak hält nämlich wenig von Pauschalreisen in Massentourigebiete, sondern zieht, ganz im Sinne von Indiana Jones, Trips an Orte wie Borneo, Sumatra, Burma, Kambodscha, Laos, Vietnam, dem Kongo oder Tibet eindeutig vor.

Und auch hier lässt sich der sympathische Star-Tenor nicht schnöde von Reiseleitern durch die Gegend schaukeln, sondern kämpft sich nur allzu gerne auch schon mal selbst tagelang zu Fuß durch Dschungelgebiete. 

Nur ein einziges Mal unternahm er bisher eine Reise zweimal in dasselbe Land: West Papua. Die Westhälfte der Insel Neuguinea, die politisch Bestandteil des Staates Indonesien ist, hat es dem Sänger, der als Kind schon immer gerne Archäologe werden wollte, um Ruinen, Tempel, Schätze oder gar verborgene Kulturen zu entdecken, angetan. Hier hatte er auch Gelegenheit, die Kulturen der Kombai und Korowai zu studieren.

Die Korowai bewegen sich von Verhüllungen der Genitalien abgesehen, völlig nackt durch die Wildnis und errichten ihre Behausungen in 30- bis 40 Meter hohen Baumkronen. In einer solchen durfte Bela Mavrak auch schon nächtigen als er den Stamm besuchte. Während der Sänger von seinen Reisen berichtet, verrät die Begeisterung in seiner Stimme, wie groß die Leidenschaft für dieses Hobby tatsächlich ist.

„Die Kombai“, so fährt er fort, „sind einer der letzten Kannibalenstämme.“ „Und da hast Du Dich wohlgefühlt“ will ich wissen. „Die Menschen gehen davon aus, dass man nicht einfach so sterben kann. Wenn daher ein Unglück geschieht, vermuten sie, dass eine Böswilligkeit von einem anderen Stamm dahintersteckt. Also wird der Schamane ausgesandt, den Schuldigen für das Unglück zu suchen

Er wird getötet und jeder Stammesangehörige isst von seinem Fleisch. Nur dann kann nach ihrer Auffassung das „Böse“ tatsächlich tot sein.“ In der Hoffnung, dass Bela Mavrak sich bei den Kombai nichts zu Schulden kommen ließ, frage ich ihn nach dem von ihm selbst entdeckten Stamm. 

„Das waren die Semse“ erklärt er stolz. Im Rahmen einer schwierigen Expedition tagelang durch Flüsse und tiefen Dschungel stieß Bela, der mit fünf Trägern und einem Guide unterwegs war, unerwartet auf eine Art Großfamilie in einem schwer zugänglichen Gebiet. „Die Menschen in West Papua ähneln vom Äußeren her den australischen Aborigines.

Sie leben als Sammler und Jäger und sind so eine Art Dschungel-Nomaden, bauen nur provisorische Häuser, ziehen von Ort zu Ort und sind daher schwer zu finden.“ Die Verständigung mit den eher kleinen Menschen erfolgte durch eine Frau, die der Sänger während der Expedition bei einem anderen Stamm traf. Sie war 15 Jahre zuvor dem Semse-Stamm entlaufen und beherrschte deshalb noch immer deren Sprache. „Wie geht man auf solche Menschen zu“, frage ich.

„Durch die Frau habe ich dem Stamm erst mal Geschenke zukommen lassen“, erzählt Bela Mavrak. Am besten schenke man den Menschen Naturalien wie Salz, Tabak oder Fleisch. Offenbar scheint die Stimmung in solchen Situationen dann schon mal ganz gut zu sein.

Bei früheren Reisen hatte der Star-Tenor auch schon auf andere Mittel gesetzt: Verschiedenen Bergpygmäen-Gruppen, die in 3000 m Höhe leben und im Durchschnitt nur 1,40 m Köpergröße messen, wie die Danis, Lanis oder Yalis, habe er auch schon vorgesungen, so wie sie auch ihm. „Durch Gesang kann man Freundschaft schließen, auch ohne eine Sprache zu sprechen“, weiß Mavrak.

Nachdem der Tenor ihnen vorgesungen habe, hätten diese Menschen zunächst einmal beruhigt davon ausgehen können, dass Bela keine Gefahr darstelle. Ein inbrünstiges „O Sole Mio“ hat schließlich auch schon in unseren Breitengraden so manche(n) dahin schmelzen lassen.

Die vielen Aufnahmen und Erfahrungen, die er im Dschungel machte, wird er womöglich irgendwann einmal öffentlich präsentieren. In jedem Fall, so sagt er, brauche er diese Reisen als Ausgleich zu seinem hohen Lebensstandard auf Tour, um nicht die Kontrolle über sich selbst oder sein Leben zu verlieren. 

Wann es zum nächsten Mal auf Expedition ins Ungewisse geht, steht bestimmt noch nicht fest, denn zunächst wird der Tenor erst einmal mit den zwei weiteren Platin-Tenören, Gary Bennett und Thomas Greuel gemeinsam mit Andre Rieu Frankreich bereisen. Zuerst geht es nach Marseille, anschließend finden auch Auftritte in Paris und Bordeaux statt.

Mit dem Star-Geiger Rieu versteht sich Mavrak ausgesprochen gut. „Ich lebe mit ihm von einem Ort zum anderen zusammen, denn wir fliegen zusammen, essen zusammen, wir stehen auf der Bühne zusammen, feiern Geburtstage zusammen. Er mag mich ganz sicher gern, weil ich eine verrückte und extravagante Person bin und auch gut in seine Show passe.

Besonders fasziniert ihn, dass wir drei Platin-Tenöre bisher in mehr als 400 Konzerten noch nicht einmal ausgefallen sind oder abgesagt haben, was für Tenöre fast unmöglich ist.“ 

„Worin siehst du den Vorteil in der Zusammenarbeit mit Andre Rieu“, frage ich. „Die Vorteile sind, dass man vor 30.000 bis 40.000 Leuten singt. Man hat den direkten Kontakt zu den Menschen. Spielst du in der Oper eine Rolle, bist du darin verhaftet und schaust nicht in die Augen deines Publikums, sondern hast durch deine Rollevorgaben eine Art Barriere, bist unfrei.

Hier bei Auftritten mit Andre Rieu singe ich für das Publikum, kann mit den Augen agieren, bin in der Lage, Ausdruck zu verleihen. Viele Fans sagen, es sei wie eine Massenhypnose. Es spricht die Menschen an, sie fühlen sich viel besser integriert und empfinden sich selbst wie ein Mitglied der „Showfamilie“. Die Leute gehen glücklich nach Hause und was will man mehr?“ 

Das Weihnachtfest wird der extravagante Star-Tenor, der ausgefallene Schuhe deshalb genau so gern hat wie Carry Bradshaw, weil normale für einen Indiana-Jones-Fan einfach zu langweilig wären und der daher ca. 70 Paar Schlangenleder- oder Krokodillederschuhe mit Augen sein Eigen nennt, bei seinen Eltern verbringen.

Und an Neujahr heißt es dann schon wieder „Walzer frei“ mit Andre Rieu in der Kölner Lanxess Arena. Das Motto des Tenors Bela Mavrak jedenfalls erscheint mehr als zutreffend, wenn man die Anzahl seiner begeisterten Musikfans betrachtet: „Wer das Singen recht versteht, ist aller Herzen König.“  

Weitere Infos unter: 

www.bela-mavrak.de 

www.andrerieu.com

 

 

 

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