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06.12.2009 25.02.2010, Leipzig – Gewandhaus, 20 Uhr

Interview mit Frank Schätzing - Einblick in seine Arbeit als Schriftsteller und einen Vorgeschmack auf die neue Show

von: ARGO-Konzerte

„Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen“. Ende Februar geht Bestsellerautor Frank Schätzing mit seiner Multimedia-Show [LIMIT] – LIVE! auf Tour Mit seinem neuen Thriller LIMIT hat der Kölner Erfolgsautor Frank Schätzing im Nu die Bestsellerlisten erobert. 

Schon vor der Buchpremiere im Oktober waren 350.000 Exemplare des neuen Schätzing-Krimis vorbestellt. Im November sind bereits 500.000 Bücher verkauft. Eine Sensation! Ab 24. Februar geht der Bestsellerautor nun auf Tournee – und das wird keine Lesereise. Die Besucher erwartet ein multimediales Showkonzept, das Perfektionist Frank Schätzing bis ins Detail selbst in Szene setzt.

Spannende Filmsequenzen, Einspieler, Dialoge und Leseelemente werden dabei zu einem unterhaltsamen Ganzen verwoben. Im Interview gibt Frank Schätzing Einblick in seine Arbeit als Schriftsteller und einen Vorgeschmack auf die neue Show.  

Wie kamen Sie zur Idee für Ihren neuen Roman? Oder kam die Idee zu Ihnen? 

Sowohl als auch. Meist sind es die Randnotizen, an denen ich hängen bleibe, Themen,über die noch nicht jeder spricht, die aber das Zeug zu mehr haben. So las ich Ende der Neunziger etwas über Helium-3, ein Edelgas-Isotop, das im Mondstaub eingelagert und nur dort zu finden ist.

Das Zeug versprach alle unsere Energieprobleme zu lösen, wenn man es nur vom Mond zur Erde schaffen könnte. Die Vorstellung, dass wir den Trabanten künftig als Wirtschaftszone nutzen, setzte in meinem Kopf sofort einen Film in Gang.

Haben Sie sich mit dem Mond und der bemannten Raumfahrt erst im Rahmen Ihres Romans intensiv beschäftigt oder gab es da vorher schon ein großes Interesse für dieses Thema? 

Ich war immer schon neugierig und wollte alles verstehen, möglichst praxisnah, so dass es Spaß macht. Richtig für Astrophysik und Raumfahrt entflammt bin ich schließlich durch Stephen Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“. Sein Werk war die Initialzündung für Bücher wie „Der Schwarm“, „Nachrichten“ und jetzt LIMIT.

Ich wusste also schon einiges, trotzdem war die Zusammenarbeit mit Physikern und Astronauten von entscheidender Bedeutung für LIMIT. Grundsätzlich fasziniert mich am Mond, am Universum, an der Tiefsee und an fremden Ländern, was Menschen zu allen Zeiten fasziniert hat: die Überwindung von Grenzen, der Schritt ins Unbekannte, die Erweiterung von Wissen, letztlich Erkenntnis.

Wie lange haben Sie an Ihrem neuen Roman gearbeitet? 

Ich habe ein Jahr lang nur recherchiert und dann zwei Jahre geschrieben, währenddessen aber weiter Recherchen betrieben. Hauptsächlich Raumfahrttechnologie, aber auch geopolitische Zusammenhänge, Historie und Zukunft Chinas, Energiewirtschaft und so spaßige Sachen wie Sex in der Schwerelosigkeit.  

Nach so langer, intensiver Schreibarbeit ist der Schritt in die Öffentlichkeit sicher nicht leicht. Was liegt Ihnen mehr – das Eremitendasein als Schriftsteller oder das Rampenlicht? 

Das Eremitendasein liegt mir überhaupt nicht. Ich bin gerne unter Menschen, in bevölkerten Räumen, unter freiem Himmel, ich liebe Gesprächslärm und Musik. Schon darum habe ich mir angewöhnt, in Cafés oder auf Reisen zu schreiben.

Nur wenn ich Zugriff auf Unterlagen brauche, die ich nicht ständig mit mir rumschleppen kann, gehe ich ins Büro, ansonsten suche ich menschliche Nähe. Hinzu kommt, dass ich mich auf Bühnen sauwohl fühle – je größer, desto wohler. Ich bin immer schon gerne aufgetreten.  

Mit „Der Schwarm“ haben Sie die Messlatte für Ihr neues Buch sehr hoch gelegt. Ist das neue Buch den hohen Anforderungen gewachsen? 

2004, als der „Schwarm“ auf den Markt kam, dachte ich, ich warte ein paar Wochen, bis der Hype abgeflaut ist, und dann schreibe ich den Nachfolger. Aber aus den Wochen wurde ein Jahr, und als ich 2005 endlich loslegen wollte, hatte sich eine gewaltige Barriere in meinem Kopf aufgebaut. Nach einem Megaerfolg wie dem „Schwarm“ stehst du unter Druck, ob du willst oder nicht.

Ich hatte einen Berg überquert, ohne es zu merken, jetzt sah ich einen vor mir aufragen! Ich hatte erstmals im Leben das Gefühl, gegen mich selbst antreten zu müssen – nicht eben die ideale Ausgangsbasis, wenn du ein neues Buch schreiben willst. Also machte ich was anderes, spielte Gitarre, schrieb Soundtracks für Hörbücher, verfasste ein Sachbuch und wurde den Krampf im Hirn darüber wieder los.

Als ich dann mit den Recherchen zu LIMIT begann, stellte ich fest, dass mich der „Schwarm“-Erfolg nicht länger beeindruckte. Ich hatte einfach Lust,wieder eine Geschichte zu erzählen, und basta. Ob die was Besonderes geworden ist,ob sie den Anforderungen standhält, müssen andere beurteilen.  

Warum werden Menschen, die den „Schwarm“ mit Begeisterung gelesen haben,auch Ihr neues Buch gut finden? Kurzum: was wird ähnlich, was wird anders sein? 

Wer LIMIT liest, reist in eine mögliche Zukunft, ins Jahr 2025, nach Shanghai, Berlin, London und Venedig, nach Afrika und zum Mond. Es geht um Energiewirtschaft, um den Machtpoker multinationaler Konzerne, um die Zukunft der bemannten Raumfahrt - sehr actionreich, mit etwas mehr Humor als im „Schwarm“, und Sex gibt’s natürlich auch – in der Schwerelosigkeit.

Das könnte „Schwarm“-Lesern auch darum gefallen, weil der Weltraum und die Tiefsee gar nicht so weit auseinander liegen. In beiden Fällen tauchst du ein ins Unbekannte, Unerforschte, hier wie da trittst du die Reise in dein eigenes, dunkles Selbst an.

Am Grunde des Pazifiks, auf dem Mond, auf fremden Planeten oder am Rand des Universums sucht der Mensch letztlich immer den Menschen, will er Antworten auf die immer gleichen Fragen: Woher kommen wir, wer sind wir, wohin gehen wir?  

Ihr Buch ist im Oktober erschienen, der Rummel war riesig. Jetzt gehen Sie jedoch nicht klassisch auf Lesereise, sondern erst Ende Februar auf Tournee. Warum? 

Um zwischendurch aufzutanken. Die letzten Monate, die ich an LIMIT gesessen habe, waren ein Wettrennen gegen die Zeit, weil ich das Buch unbedingt zur Frankfurter Buchmesse rausbringen wollte.

Im anschließenden Medienrummel blieb keine Zeit, auch noch Auftritte zu konzipieren, und mein Programm ist ja ein bisschen aufwändiger als herkömmliche Lesungen. Außerdem, nach so einem Mammutprojekt wie LIMIT muss man erst mal zu Atem kommen. Es war mir wichtig, wieder mehr Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden zu verbringen.  

Warum wird es eine Show und keine Lesung? 

Wegen der Schauwerte. Das Thema hat viel Unterhaltungspotenzial für eine Multimedia-Show. Außerdem war ich nie ein Freund klassischer Lesungen. Es gibt tolle Performer unter den Autoren, aber die meisten erwecken doch eher den Eindruck, als fühlten sie sich in der Rolle des Vorlesers unwohl.

Sie müssen eine Stunde an einem Tisch sitzen, quälen sich mit ihren eigenen Texten rum, und der Zuhörer kriegt Rückenschmerzen oder schläft ein. Ich möchte das Publikum in eine fremde Welt entführen, auf anregende, aufregende Art.  

Was sieht und erfährt der Besucher der Show, was im Buch nicht zu finden ist? 

Genau darum geht es – mehr zu bieten als vorgelesene Texte. Bei LIMIT - Live arbeite ich, wie schon bei der „Schwarm“-Tour, mit großer Leinwand, Filmeinspielern und Musik, die sich wie ein Soundtrack durchs Programm zieht. Ich spreche über Zukunftsvisionen, über Hintergründe der Story, es gibt kabarettistische Einlagen und ein paar nette Gags, um LIMIT auf der Bühne lebendig werden zu lassen.

Man soll sich wie im Kino oder auf einem Popkonzert fühlen. Insbesondere die Filmeinspieler sind hochklassig, teils hollywoodreif getrickst. Das ZDF hat mir phantastisches Material zur Verfügung gestellt, aber auch die ESA, die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft DLR.  

Wieviel Frank Schätzing steckt in der Produktion? 

Das kreative Konzept habe ich im Alleingang entwickelt, in der technischen Umsetzung mit Profis gearbeitet.   

Man sagt, Sie produzieren auch die Musik selbst… 

Stimmt, ich komponiere sie und spiele das meiste selbst ein. Hier und da assistieren im Studio Musiker, wenn ich ein Instrument nicht beherrsche. Im „Future-Check“ etwa, einer filmischen Reise in die nahe Zukunft, lebt die Musik stark vom Einsatz einer Solovioline, dafür konnte ich eine tolle Geigerin gewinnen. Die Musik nimmt während der Show dieselbe Funktion ein wie Filmmusik, sie dient als dramaturgischer Verstärker und schafft Stimmungsbilder.  

Sie wenden sich, das zeigen auch die gewählten Veranstaltungsorte, an ein großes Publikum. Wie wollen Sie gewährleisten, dass auch in großem Rahmen der Funke überspringt

Das kann man nicht gewährleisten, nur versuchen. Es funktioniert umso besser, je weniger man sich von der Größe des Veranstaltungsorts und der Vielzahl der Besucher beeindrucken lässt. Gerade, wenn man mit Special Effects arbeitet, ist es wichtig, auf der Bühne gelassen und authentisch zu bleiben, einfach man selbst.

Ich habe die Feststellung gemacht, dass die Größe einer Location keine Rolle spielt, wenn die Chemie zwischen Künstler und Publikum stimmt. Man muss selbst Spaß haben an dem, was man da tut, und diesen Spaß auf die Ränge übertragen. Dann kann sich bei einem Riesen-Event eine intime Atmosphäre einstellen.

Bereits mit dem „Schwarm“ waren Sie auf Tournee und wurden vom Publikum gefeiert. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit nutzen Sie in der Vorbereitung auf die neue Tournee? Was wird neu, anders, noch besser sein? 

Beim „Schwarm“ gab es eine deutliche Trennung zwischen Film und Performance. Solange ich auf der Bühne agierte, liefen keine Filme, wurden welche gezeigt, war von mir nichts zu sehen. Bei LIMIT werden alle Elemente stärker ineinander verwoben, Sound, Vision, Performance.    

Tickets sind an den bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 01805/607070 (0,14€/Min. / Mobilfunkpreise können abweichen) sowie im Internet unter www.argo-konzerte.de  erhältlich

Carolin Hilzinger

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