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17.05.2017 Ihr Motto - „Ich gebe nie auf!“

Porträt des Monats - Die Galeriestin Ulrike Adler - Mit Leidenschaft und vollem Einsatz

von: GFDK - Andrea Croneder

Seit 2003 führte Ulrike Adler (*1972, Konstanz) die Galerie Adler in Frankfurt am Main. Sie vertritt junge, ausdrucksstarke Positionen der zeitgenössischen Kunst, von denen sie bereits einige erfolgreich in bedeutenden Sammlungen und Museen unterbringen konnte.

Nach einem BWL Studium mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft und Marketing in Verbindung mit  einigen Jahren Berufserfahrung, wuchs der Wunsch etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Verschiedene Tätigkeiten bei Start Ups im In- und Ausland, vermittelten ihr Erfahrungen in der Unternehmensgründung – und vor allem die prickelnde Aufbruchstimmung der New Economy.

Schließlich war klar, dass „ein Weg zurück in die Finanzmärkte bzw. in ein großes Unternehmen plötzlich nicht mehr in Frage kam, der Austausch mit Gründern war zu spannend.“

Die Frage, weshalb sie sich gerade die Kunstszene aussuchte, ist einfach beantwortet:

Im Jahr 2000 war das Internet noch jung und eine Internetgalerie eine absolute Marktlücke. Zudem war Kunst schon immer ihre Leidenschaft.

2001 wagte sie schließlich den entscheidenden Schritt und gründete mit www.BigArt.de die erste Internetgalerie Deutschlands. Ein Geschäftskonzept, die ihr umgehend zahlreiche Auszeichnungen einbrachte.

Die Idee war so einfach wie genial und das nötige Selbstvertrauen hatte sie ebenfalls.

Den Nutzen sah sie darin, besonders Laien das Finden, Aussuchen und Kaufen von Kunst zu erleichtern. Kunstsuchende, die bei BigArt surften, sollten dies auch ohne Fachwissen tun und sich das endlose Abklappern von Galerien sparen können.

Auswahl und Erwerb eines Werks sollte über einfache Kriterien wie Kategorie, Material, Farbe, Breite, Höhe und Preisklasse ermöglicht werden. Die sich an die Vorauswahl anschließende persönliche Beratung durch Ulrike Adler, inklusive einer Besichtigung der Wohnung des Interessenten und einem Besuch beim Künstler, war dazu gedacht, alle Gegebenheiten und Wünsche aufeinander abzustimmen.

BigArt.de fungierte als Vermittler zwischen Künstlern, Sammlern und Kunstinstitutionen und war gleichzeitig ein Forum für alle Kunstinteressierten, die sich über aktuelle Ausstellungen und wichtige Geschehnisse in der Szene informieren wollten.

Durch die Realisierung von Shows und Atelierbesuchen konnte Adler die im Internet geknüpften Kontakte zusammenführen und erreichte auf diese Weise eine optimale Verknüpfung von virtueller und realer Welt.

Bereits nach zwei Jahren stellte sie fest, dass ihr Wunsch, sich mehr für ihre Künstler zu engagieren, sie zu fördern und auf Messen vorzustellen, bedeutete, dass sie eine „echte“ Galerie gründen müsste.

Und das, obwohl „es eigentlich nie mein Traum“ war „eine Galerie zu führen“ wie sie selbst rückblickend sagt. Neben der Möglichkeit sich effektiver einsetzen zu können, war es vor allem das Bedürfnis, eine Plattform für jene Künstler zu schaffen, mit deren Richtung und Aussage sie sich identifizieren konnte.

Die Entdeckung der in Boston lebenden Videokünstlerin Alex McQuilkin, deren Arbeiten sie 2003 auf der Armory Show zum ersten Mal sah, untermauerte diesen Entschluss. Die Begeisterung für Künstler, die sich in ihren Werken mit den Widersprüchen des Lebens auseinandersetzen, die auch vor Tabubrüchen nicht zurückschrecken, war geweckt und die Richtung der Galerie damit vorgegeben.

Ulrike Adler ist sich sicher, dass eigenwillige Positionen und existenzielle Themen immer Bestand haben, ganz egal wie kontrovers sie diskutiert werden, denn:

Die Kernfragen des Lebens beschäftigen uns alle und sind deshalb auch häufig Thema in der Kunst. Seichte Themen und dekorative Motive fesseln den Betrachter nur für kurze Zeit.“    

2006 nutzte Ulrike Adler ihre zahlreichen geschäftlichen wie privaten Verbindungen nach New York, wo sie ein halbes Jahr gelebt hatte und wo sie bis heute die Hälfte ihrer Zeit verbringt, um dort eine Zweigstelle zu eröffnen.

Zwei Jahre später lief der Mietvertrag der Dépandance aus und eine massive Mieterhöhung bewegte Adler dazu, die Galerie zu schließen und stattdessen nur noch ein Büro zu unterhalten. Gerade noch rechtzeitig, um den schlimmsten Folgen der Finanzkrise zu entgehen.

Momentan konzentriert sie sich in New York vor allem auf die intensive Kontaktpflege zu Sammlern und Kunstbetrieben.

Die durch die Krise hervorgerufene schwierige Finanzsituation schreckt sie nicht, obgleich sie sie durchaus realistisch einschätzt:

„Kunst ist kein Grundnahrungsmittel. Wir werden jetzt eher wieder Käufermärkte sehen, die Preise werden sich nicht mehr überschlagen. Wer über ein genügend großes Polster verfügt, und dazu zählen doch viele langjährige Sammler, der lässt sich nur wenig beirren.

Aber auch viele junge Leute, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, interessieren sich für Kunst, ob für die eigenen vier Wände oder die Mini-Sammlung. Wenn da der Job in Gefahr gerät, werden allerdings schnell andere Prioritäten gesetzt. Für mich heißt dies: intensiven Kontakt zu den Sammlern und Interessenten halten und wachsam sein, wie sich das Geschäft entwickelt.“

Vor circa zwei Jahren, als die Arbeit drohte, überhand zu nehmen, stellte Ulrike Adler Saskia Dams ein, wodurch die Galerie einen deutlichen Auftrieb erfuhr. Die junge Kunsthistorikerin, die sich ebenso versiert wie engagiert für Kunst und Künstler einsetzt, sorgt dafür, dass sich Ulrike Adlers Wunsch

„das Galerieschifflein mit allen seinen Mitruderern heil durch die stürmische See“ zu bringen, erfüllt.

Dabei wird sie außerdem noch durch drei freie Mitarbeiter unterstützt, die jeweils da anpacken, wo Not am Mann ist und den Erfolg der Galerie als persönliche Angelegenheit sehen.

Die vergangenen Jahre waren aufreibend und anstrengend – Urlaub oder Verschnaufpausen gönnt sich Ulrike Adler kaum, denn der Aufgabenberg wächst stetig und die Verantwortung ist hoch. Gerade die jungen, noch nicht etablierten Künstler leben oft von der Hand in den Mund und sind auf das Geld aus Galerieverkäufen angewiesen, um sich Materialien und Ateliermieten leisten zu können.

Die Motivation trotz all der größeren und kleineren Belastungen und Schwierigkeiten immer weiter zu machen, liegt zum einen darin, dass es der Galeristin viel Freude macht, junge Künstler zu entdecken, aufzubauen und zu etablieren. Zum anderen wäre da noch ihr Leitsatz, der sie so entschieden und voller Optimismus durchhalten lässt: „Ich gebe nie auf!“

 

 

 

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