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04.04.2020 Trotz Corona-Krise

Corona-Krise, Lufthansa-Richtlinie gefährdet die Gesundheit

von: GFDK - Kultur und Medien

Während die Regierung aktuell eine Kontaktsperre verhängt und Treffen von mehr als zwei Personen damit untersagt hat, zwingt die Lufthansa ihre Kunden dank einer neuen Richtlinie persönlich zur Post:

Ab sofort akzeptiert das Unternehmen Vollmachten zur Durchsetzung der EU-Fluggastrechte nicht mehr digital, sondern verlangt die Zusendung eines unterschriebenen Ausdrucks.

Christian Nielsen von dem Verband der Vertreter für Fluggastrechte (APRA), sieht darin ein unverantwortliches und illegales Verhalten:

“Die Lufthansa hat ihre internen Richtlinien aktuell so geändert, dass die Fluggesellschaft Vollmachten für die Durchsetzung der EU-Fluggastrechte durch Dritte nicht mehr digital akzeptiert.

Das ist einer von vielen Schritten, die Airlines aktuell gehen, um die EU-Fluggastrechte einzuschränken. Doch dieses Verhalten ist nicht nur rückständig, sondern in Zeiten von Corona auch gefährlich.

Sämtliche Virologen empfehlen den Gang nach draußen aktuell nur, wenn es wirklich notwendig ist. Die Lufthansa zwingt ihre  Passagiere durch diese Entscheidung jedoch, vor die Tür zu gehen und sich selbst sowie andere zu gefährden.

Die Airline spielt hier offensichtlich mit der Angst und Gesundheit ihrer Kunden, um weniger Entschädigungen auszahlen zu müssen. Das ist verantwortungslos. Deshalb werden wir juristisch gegen diese Klausel vorgehen und gegen Lufthansa vor Gericht ziehen.

Passagiere brauchen Unterstützung bei der Rechtsdurchsetzung

“Wer von einer Flugverspätung oder einem -ausfall betroffen ist, hat unter Umständen Anspruch auf eine Entschädigung. Dies gilt jedoch nur, wenn die jeweilige Airline auch dafür verantwortlich ist.

Die aktuellen Flugausfälle aufgrund des Coronavirus liegen beispielsweise außerhalb des Verantwortungsbereichs einer Airline. Entschädigungsforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus werden alle APRA-Mitglieder deshalb konsequent ablehnen”, erklärt Christian Nielsen von APRA und führt fort: 

“Dennoch können Passagiere ihre Rechte bis zu drei Jahre rückwirkend durchsetzen. Viele Menschen nutzen daher die Zeit zu Hause, um ihre Entschädigungsansprüche von vergangenen Flügen durchzusetzen.

Die Durchsetzung dieser Entschädigungen ist jedoch oftmals kompliziert, da sich viele Airlines bei der Auszahlung querstellen.

Die Lufthansa lehnt beispielsweise mehr als die Hälfte (52,7 Prozent) aller Entschädigungsforderungen zu Unrecht ab. Das ist eine gängige Taktik vieler Airlines.

Deshalb sollten betroffene Passagiere die Möglichkeit haben, sich Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu suchen. Dafür müssen diese jedoch eine gültige Vollmacht aufsetzen.

Die Lufthansa versucht nun gezielt, die Ausstellung solcher Vollmachten zu erschweren, um zu verhindern, dass Passagiere ihre Rechte wahrnehmen.”

Fluggesellschaften wollen EU-Fluggastrechte massiv schwächen

“Die Fluggesellschaften nutzen die aktuelle Krise, um eine alte Agenda voranzutreiben, die darauf abzielt, die Rechte der EU-Passagiere drastisch einzuschränken.

Neben der Richtlinien-Änderung bei der Lufthansa fordern einige Fluggesellschaften beispielsweise, dass sie die Hotelkosten für gestrandete Passagiere nur noch für maximal drei Nächte übernehmen müssen, auch wenn der Aufenthalt länger dauert.

Sollten sie sich durchsetzen, werden bis zu 80 Prozent der Passagiere das Recht auf Entschädigungen verlieren. Das würde einen massiven Einschnitt der Verbraucherrechte in Europa bedeuten. Dennoch wird ein entsprechender Entwurf seit Wochen im Rat der EU und zeitnah auch im Parlament diskutiert. 

Wir sind uns bewusst, dass die gesamte Flugbranche zur Zeit eine schwierige Phase durchmacht, doch dies rechtfertigt nicht, dass die eigenen Kunden mit einer Abschwächung wenn nicht sogar Verlust ihrer Rechte konfrontiert werden.

Die Airlines sollten sich daher darauf konzentrieren, wie sie ihre Fluggäste in der Not unterstützen können. Schließlich sind sie es auch die Passagiere, die als Steuerzahler die Fluggesellschaften in der Krise vor dem Aus bewahren.

Daher ist es das Mindeste, dass ihre Rechte nicht bei der ersten Gelegenheit im Gegenzug eingeschränkt werden”, sagt Christian Nielsen von APRA.

Flugprobleme: Diese Rechte haben Passagiere

Flugausfälle und -verspätungen können zu Entschädigungszahlungen in Höhe von bis zu 600 Euro pro Fluggast berechtigen. Die Höhe der Entschädigungszahlung berechnet sich aus der Länge der Flugstrecke.

Der rechtmäßige Entschädigungsanspruch ist abhängig von der tatsächlichen Verspätungsdauer am Ankunftsort sowie dem Grund für den ausgefallenen oder verspäteten Flug.

Betroffene Passagiere können ihren Entschädigungsanspruch rückwirkend durchsetzen, durchschnittlich bis zu drei Jahre nach ihrem Flugtermin.

Außergewöhnliche Umstände, auf die die jeweilige Airline keinen Einfluss hat, bewirken, dass die verantwortliche Fluggesellschaft von ihrer Kompensationspflicht befreit wird.  Dazu zählen unter anderem Unwetter oder medizinische Notfälle.

Über die APRA
Die Association of Passenger Rights Advocates (APRA) wurde 2017 gegründet, um eine einheitliche Stimme zum Schutz von Fluggästen auf europäischer Ebene zu schaffen. Die APRA hat sich zum Ziel gesetzt, Fluggäste einen maximalen Schutz zu gewährleisten.

Der Verband führt einen aktiven konstruktiven Dialog mit den europäischen und nationalen Institutionen sowie mit Fluggesellschaften, Flughäfen, nationalen Durchsetzungsstellen und anderen wichtigen Interessengruppen. 

Die APRA bietet eine Kombination aus soliden Daten, eingehenden Analysen und kollektivem Know-how, um die politischen Entscheidungsträger zu informieren und das Interesse der europäischen Fluggäste zu fördern. Zu den Gründungsmitgliedern der APRA gehören AirHelp, EUclaim und Reclamador.

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