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05.06.2021 in Kooperation mit Geuer & Geuer

Jiři Georg Dokoupil und Julian Schnabel im Osthaus Museum Hagen

von: GFDK - Kultur und Medien

„Malen ist für mich wie atmen.“ Julian Schnabel -„Es muss dir in den Magen schlagen. Zu viel Theorie steht nur im Weg." Jiři Georg Dokoupil

Osthaus Museum Hagen präsentiert: Jiři Georg Dokoupil und Julian Schnabel Two Czechoslovakians Walk into a Bar -Collaboration Paintings - Kuratiert wird die Ausstellung von Reiner Opoku. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Düsseldorfer Galerie Geuer & Geuer statt.

Spektakuläre Premieren-Ausstellung in Hagen: Von Sonntag, dem 27. Juni 2021, bis Sonntag, dem 15. August 2021, präsentiert das Osthaus Museum Hagen am Museumsplatz 1 dreizehn großformatige Gemälde der beiden Kunstlegenden Julian Schnabel und Jiři  Georg Dokoupil.

Unter dem Titel „Two Czechoslovakians Walk into a Bar“ werden  Werke gezeigt, die im Jahr 2015 während eines Besuchs von Julian Schnabel im Berliner Atelier Dokoupils gemeinsam realisiert wurden. Parallel dazu sind in den Kabinetträumen sowie in der Unteren Galerie auch Grafiken des New Yorker Künstlers Julian Schnabel aus den späten 70er Jahren bis 2021 zu sehen.

Hintergrund der Ausstellung:

Der Titel nimmt einerseits Bezug auf die Herkunft des Vaters von Julian Schnabel und die von Georg Dokoupil: Tschechoslowakei. Andererseits vermittelt er die lockere Atmosphäre, in der Bilder entstehen können, wenn zwei große Künstler sich verstehend begegnen.

Das Ergebnis dieses malerischen Dialogs sind faszinierende Kunstwerke, die Spontaneität und Humor versprühen: Auf den Pinselschlag des einen folgte die Antwort des anderen, auf Linie folgte Farbe, auf geschlossene Form eine offene.

Die Materialien: Acrylfarbe, Sprayfarbe, Seifenlaugen auf Leinwand und Linoleumböden. Jenseits ihrer künstlerischen Vergangenheit, die wilde und expressive Werke hervorbrachte, zeigen diese Arbeiten eine Substanz und Tiefe von beeindruckender Intensität.

Jiři Georg Dokoupil,

Jiři Georg Dokoupil, geboren in der Tschechoslowakei, ist in den 1980er Jahren Mitglied der Kölner Künstlergruppe Mülheimer Freiheit, deren Mitglieder Hans Peter Adamski (geb. 1947), Peter Bömmels (geb. 1951), Walter Dahn (geb. 1954), Jiři Georg Dokoupil (geb. 1954), Gerard Kever (geb. 1956) und Gerhard Naschberger (geb. 1955) im wild-expressionistischen Stil Bilder herstellten, die großes Aufsehen in der damals von Konzeptkunst beherrschten Kunstszene erregten.

Es war die Zeit der Neuen Wilden, die mit schwungvollem und heftigem Pinselstrich, einer kräftigen Farbigkeit expressiv abstrakte wie auch sinnlich gegenständliche Bilder in großem Format malten.

In dieser Zeit entstanden auch Gemeinschaftsarbeiten, beispielsweise jene von Dokoupil mit Walter Dahn. Nach dieser wilden Phase veränderte Jiři Georg Dokoupi seine Malerei.

Sein Drang, sich durch sehr unterschiedliche Bilder auch selbst Klarheit über Weltdinge zu verschaffen, bescherte der Kunstszene in den Jahrzehnten danach ein sehr anschauliches Bildspektrum, ein reiches Œuvre mit Werken, die er unter anderem mit Ruß, Muttermilch, Reifenabdrücken und zuletzt auch mit Seifenlaugen realisierte.

Julian Schnabel

„Alles kann Vorlage für ein Gemälde sein – ein anderes Gemälde, ein Schmutzfleck“, sagt Julian Schnabel. Die Weltbilder des 1951 geborenen New Yorker Malers, Bildhauers und Filmemachers Julian Schnabel wurden in Deutschland zum ersten Mal bewusst in der Ausstellung „Zeitgeist“ 1982 in Berlin wahrgenommen.

Die verkürzt als „expressiv-gestisch“ bezeichneten Werke, vor allem aus der legendären Serie der „Plate Paintings“ – große Gemälde mit aufgeklebten Resten von zerbrochenen Tellern –, boten eine gänzlich andere Aura, eine grenzenlose Freiheit, ein Abenteuer der Malerei ohne die aufgesetzte theoretische Fundamentierung, wie sie in diesen Jahren in den USA und zum Teil auch in Europa üblich war.

Schnabel erklärt das rückblickend so: „Es gab einen Kampf zwischen dem, was das Objekt war, und einem Bild. Wo diese beiden Dinge zusammenkamen, das war der Raum, in dem ich gearbeitet habe.“

Dieser unbändige Drang, das Alltägliche in eine Sphäre der Kunst zu bringen, dauert bis heute an: In der Malerei, der Skulptur, der Performance und – seit den 1990er Jahren bis heute – im Film.

Die feinfühligen Beobachtungen und eindrücklichen Schilderungen von existentiellen Lebenssituationen und bedrohten Lebensumständen sind auch als herausragende Qualität des Filmregisseurs Julian Schnabels festzustellen, zuletzt anschaulich vermittelt in seinem hochgelobten Film über Van Gogh „At Eternity's Gate“ (deutscher Titel: Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit).

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