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13.07.2019 was ist, wenn man weder Lesen noch Schreiben kann

Wenn man auf dem Amt nur Bahnhof versteht

von: GFDK - Kultur und Medien - Theater

Essen. „Ziehen Sie eine Wartenummer. Begeben Sie sich in Zimmer B14. Setzen Sie sich. Füllen Sie dieses Formular aus. Lesen Sie sich diese Belehrung gründlich durch. Unterschreiben Sie, dass Sie alles verstanden haben.“

So sieht der Alltag für Besucher einer Behörde aus. Doch was ist, wenn man weder richtig lesen noch schreiben kann? Der Analphabetismus wird in unserer Gesellschaft zumeist tabuisiert, und das, obwohl in Deutschland 6,2 Millionen Erwachsene betroffen sind. Für mehr als die Hälfte von ihnen ist Deutsch übrigens die Muttersprache.

Um dieses Thema aufzugreifen hat das Schauspiel Essen das Berliner Game-Theater-Kollektiv machina eX beauftragt, ein Spiel zu entwickeln, bei dem die Probleme, die Analphabeten in ihrem praktischen Leben haben, für Nicht-Betroffene erfahrbar werden:

Entstanden ist das theatrale Adventure-Game „Sign Here“, das das Publikum ab Samstag, dem 28. September in der Maxstraße 54 aufs Amt schickt.

Die Räumlichkeiten einer ehemaligen Tanzschule, die das Schauspiel Essen in den vergangenen Jahren bereits als Aufführungsstätte („Skin Deep Song“, „Der Spalt“) genutzt hat, werden zum Schauplatz einer Bürokratie-Simulation, in der die Besucher zu Spielern werden und gegen Vorschriften, Paragraphen und Sonderbedarfsfeststellungserklärungen kämpfen müssen.

Welche Strategie führt zum Erfolg? Unterwürfigkeit, Beschwerde, grenzenlose Geduld? Und was passiert mit denen, die sich in dieser Welt nicht zurechtfinden?

machina eX forscht seit 2010 an der Schnittstelle von Theater und Computerspiel. Dabei kombiniert das siebenköpfige Medientheaterkollektiv moderne Technologien mit Mitteln des klassischen Illusionstheaters und schafft so immersive, spielbare Theaterstücke, die zugleich begehbare Computerspiele sind.

Bisher hat das Kollektiv etwa zwanzig Live-Games entwickelt, u. a. für die Schillertage Mannheim, den Steirischen Herbst, die Münchner Kammerspiele, das Belluard Festival Fribourg und das Transform Festival Leeds.

Zudem wurden mit dem Goethe-Institut Budapest Pro­jekte realisiert. 2019 erhält machina eX die Tabori Auszeichnung des Fonds Darstellende Künste.

Für Konzept und Gamedesign bei der Uraufführung „Sign Here“ zeichnet machina eX verantwortlich, die Inszenierung übernimmt Kollektiv-Mitglied Yves Regenass.

Es wirken mit: Lea Beie, Anne Eigner, Martin Schnippa, David Simon.

Die Koproduktion von machina eX und Schauspiel Essen wird gefördert von der Brost-Stiftung.

Ab 19 Uhr zeitversetzter Einlass nach jeweils 10 Minuten. Eintritt bei der Premiere: € 19,00.

Nächste Termine: 29. September, 4., 5., 6., 10., 11., 12. Oktober; Maxstr. 54; Eintritt: € 17,00.

Karten unter 0201/81 22-200

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