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27.03.2019 Urheberrecht und Urhebergesetz

Wer aus Content Wertschöpfung zieht, ohne zu bezahlen ist ein Schmarotzer

von: GFDK - Marketing News - W&V Rolf Schröter

Rolf Schröter, Ressortleiter Marketing bei W&V, äußert sich zum Urheberrecht und Urhebergesetz.

Lieber Herr Böhmer,

hat das Europäische Parlament heute die Meinungsfreiheit kassiert?

Nein. Nach wie vor hat jeder das Recht, seine Meinung frei zu äußern und zu verbreiten. Werden Plattformen nun Uploadfilter einsetzen müssen? Höchstwahrscheinlich. Denn sie profitieren bisher von den Vorteilen, wie Publisher zu arbeiten, ohne sich um die Nachteile zu kümmern, die damit im klassischen Bereich einhergehen, insbesondere die journalistische Sorgfaltspflicht.

Der Youtuber, der nun Angst hat, vom Uploadfilter ausradiert zu werden, hat zu Recht Angst. Diese Gefahr droht. Und sie zeigt, dass ein Abhängigkeitsverhältnis entstanden ist, das als unveränderlich hingenommen wird.

Dieses Abhängigkeitsverhältnis lässt sich auf die ökonomische Formel bringen: Ich gebe kostenlos Content und erhalte im Gegenzug Aufmerksamkeit und Reichweite.

All die Content-Lieferanten auf den Plattformen sind über die Jahre hinweg zu Reichweiten-Junkies geworden. Profitiert haben in erster Linie die Plattformen. Sie steuern die Algorithmen und damit die ökonomischen Stellschrauben. Und haben mit diesem Modell sagenhaft verdient.

Gleichzeitig sind die Plattformen zu Gatekeepern der Meinungsbildung geworden. Siehe die Tweets von Donald Trump. Früher sprach man von der Presse als der "vierten Gewalt" im Staat – neben der Gesetzgebung, der Regierung und der Justiz. Mittlerweile hat die Presse diese Macht zu einem großen Teil an die Plattformen weitergereicht.

Und jetzt? Die Meinungsbildung auf Plattformen ist zu einem Problem der Demokratie geworden. Das ist die inhaltliche Perspektive. Die ökonomische Perspektive fühlt sich ähnlich an: Die Datenmacht der Plattformen ist zu einem Problem des Wettbewerbs geworden.

Mit den Uploadfiltern wollen Plattformen vermeiden, in die Haftung zu geraten. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Sie wollen keine Veranstalter sein, keine Publisher. Weil das Arbeit ist und Geld kostet. In der Praxis wäre das konsequent gar nicht umsetzbar. Plötzlich entstünden Heerscharen von redaktionellen Arbeitsplätzen. Wer sollte die bezahlen?

Wer aus Content Wertschöpfung betreibt, ohne dafür zu bezahlen, ist ein Schmarotzer.

Wer kann sich dagegen wehren? Firmen können versuchen zu kämpfen. Verlage tun das. Aber der Youtuber?

Eine Möglichkeit, aus diesem Abhängigkeitsverhältnis herauszukommen, ist das Urheberrecht. Ist das neue Urhebergesetz ideal? Nein. Ist es trotzdem notwendig? Ja.

Einen schönen Abend wünscht

Rolf Schröter

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