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17.09.2020 „Sontag - Die Biografie“

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 2020 für die beste Biografie, kommt Benjamin Mosers Buch „Sontag - Die Biografie“ allen Erwartungen nach.

Auf 928 Seiten schafft es der Autor ein Bild dieser außergewöhnlichen Frau zu zeichnen, in dem ihre legendär glamouröse Erscheinung ebenso gewürdigt wird wie ihr schneidender Verstand.

Ja, die US-amerikanische Schriftstellerin war in der Tat ein intellektuelles Wunderkind, das Originalität besaß und über postabstrakte Malerei ebenso eloquent schreiben konnte wie über Pornografie oder Fotografie bis zu ihrer eigenen Krebserkrankung, an der sie Ende 2004 im Alter von 71 Jahren in New York starb.

Moser, 1976 in Houston, Texas, geboren, durfte für sein monumentales Werk zahlreiche bislang unveröffentlichte private Notizen auswerten und erstmals Lebensgefährten wie die weltberühmte Fotografin Annie Liebovitz zu Susan Sontag befragen, was aus dem Buch ein Meilenstein der modernen Biografieliteratur macht, zumal es auch ein Bild Amerikas zeichnet, das Sontag entscheidend mit geprägt hat.

„Sontag - Die Biografie“ kommt aus dem Hause Penguin (www.penguin-verlag.de) und kostet 40 Euro. Ebenso wegweisend ist John Dos Passos „USA-Trilogie“, die jüngst zeitgemäß von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl übersetzt und vom Rowohlt Verlag (www.rowohlt.de) neu herausgegeben wurde.

Dieses Buch ist in der amerikanischen Literatur einzigartig, da es wegen der epischen Gestaltung eine umfassende gesellschaftliche Perspektive bietet.

Es besteht aus drei Büchern: „Der 42. Breitengrad“ (1930), „1919“ (1932) sowie „Das große Geld“ aus dem Jahre 1936. Darin zeichnet Dos Passos mit sarkastischem Humor und scharfem Auge für soziale Fragen ein unvergessliches Kollektivporträt der USA, das bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat.

„USA-Trilogie“ ist ein Querschnitt durch einen Kontinent wie seiner Menschen, die hier eine Stimme auf 1648 Seiten erhalten und so bis heute ein Gehör finden. Dafür sind 50 Euro nicht zu viel Geld investiert.

Zumal die US-Wahlen bevorstehen und man durch dieses Buch zu verstehen lernt, warum Amerikaner so ticken, wie sie ticken.

Sönke C. Weiss

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10.09.2020 Das Verschwinden des Dr. Mühe

GFDK - Marketing News - Sönke C. Weiss

Wir befinden uns im Berlin der 30er Jahre. Über Nacht verschwindet ein angesehener Arzt. Am Ufer eines Sees findet man seinen verlassenen Sportwagen.

Bei den Mordermittlungen stoßen die Beamten indes auf das kriminelle Doppelleben des Doktors, das uns zu den Abgründen einer bürgerlichen Existenz am Vorabend des Dritten Reiches führt.

Autor Oliver Hilmes, Jahrgang 1971, hat die Akten dieses aufsehenerregenden Kriminalfalls im Berliner Landesarchiv entdeckt und die Ereignisse anhand historischer Dokumente rekonstruiert.

Auf packende Weise und höchst raffiniert. „Das Verschwinden des Dr. Mühe“, im Penguin Verlag (www.penguin-verlag.de) für 20 Euro erschienen, hat 240 dramaturgisch faszinierende Seiten, auf die Oliver Hilmes aufbauen kann.

Bernhard Schlink, Jahrgang 1944, muß niemandem mehr etwas beweisen. Seine Werkliste spricht für sich, oftmals wurden seine Geschichten erfolgreich verfilmt.

Auch international. Wie „Der Vorleser“ mit Kate Winslet und Ralph Fiennes. Sein jüngstes Werk „Abschiedsfarben“ ist ebenso grandios wie bedrückend.

Wie der Titel es schon verrät, geht es um Abschiede, solche, die schmerzen, andere, die befreien, es geht um Vertrauen und Verrat, um das Gelingen wie Scheitern der Liebe, insgesamt sind es neun Geschichten auf ebenfalls 240 Seiten, die das gesamte Spektrum der verschiedensten Lebensphasen von Menschen abdecken, die noch offen für ihre Ängste, ihre Hoffnungen und ihre Träume sind, egal in welchen Verstrickungen sie sich selbst verworren haben.

Abschiedsfarben“ ist ein wunderbarer Erzählband einer unserer größten Autoren der Gegenwart, der für immer zeitlos bleiben wird. Selten habe ich solch ein mitnehmendes Buch gelesen. Erschienen bei Diogenes (www.diogenes.ch). Preis: 24 Euro.

Sönke C. Weiss

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09.09.2020 ein schickes Geschenk zu Weihnachten

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als die ersten Rap-Platten aus den USA nach Europa kamen, sahen wir Menschen, die wie aus einer anderen Welt schienen. Und sie erzählten uns von ganz eigenen Themen und Problemen, eigenen Codes und einem ganz eigenem Weltbild.

Vor allem aber war es die Musik, die Tabus brach und so Geschichte geschrieben hat. Bis heute. Der Kalender „The Art of Hip Hop Covers“, für 2021 erschienen bei Seltmann Publishers, zeigt 365 dieser außergewöhnlichen Covers:

Von Grandmaster Flash & The Furious Five über Boogie Down Production bis hin zu LL Cool J zu seinen besten Zeiten.

Jeder Tag birgt eine neue Überraschung mit Musikuntermalung dank SPOTIFY-Codes. 24,80 Euro kostet das Prachtstück. Bestellbar auch direkt unter www.seltmannundsoehne.com Innerhalb Deutschlands versandkostenfrei, wie es das Haus anbietet.

Apropos Angebot. Wem Hip Hop wenig sagt, dem kann dieser Verlag nichtsdestotrotz für 2021 mit sehr schönen Kalendern, die ja auch immer ein schickes Geschenk zu Weihnachten sind, beglücken. Nur einige Beispiele:

„The Famous Die Young“ - 365 illustrierte Kurzportraits (zu) früh verstorbener Legenden und Persönlichkeiten (29,80 Euro); „A Flower A Day“ - jeder Tag beginnt mit einer extravaganten Blume im close-up (35 Euro); oder bereits seit vielen Jahren mein persönlicher Favorit „Photodarium Private 2021“ - täglich ein neues erotisches Polaroid von frivol bis kunstvoll für 35 Euro.

Wie gesagt, für jeden Geschmack ist hier etwas dabei und jedes Jahr wird das Sortiment größer. Einfach mal auf der Internetseite stöbern. Lohnt sich.

Sönke C. Weiss

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08.09.2020 Eine deutsche Affäre

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Politikverdrossenheit. Geringe Wahlbeteiligungen. Demokratie in der Krise? Oder war das gar schon immer so? Bedurfte es besonderer Anstrengungen, um Menschen zur Wahl zu bewegen? Hedwig Richter ist Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München.

Ihr jüngstes Buch heißt „Demokratie - Eine deutsche Affäre“, ist bei C.H. Beck (www.chbeck.de) erschienen, hat 400 Seiten, kostet 26,95 Euro und geht diesen Fragen nach. Die Autorin erzählt die Geschichte der Demokratie als eine Chronologie von Fehlern, Zufällen und Lernprozessen.

Und dies anschaulich wie erfrischend. Dabei konzentriert sie sich auf Deutschland, auch um zu zeigen, wie geschichtlich in unterschiedlichen Epochen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart die Wege zu Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sind.

„Demokratie - Eine deutsche Affäre“ ist ein optimistisches Buch, wunderbar zu lesen und ein starkes Manifest für ein womöglich utopisches Projekt namens Demokratie, womit das nächste Buch wenig zu tun hat.

Als Joseph Kardinal Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wird, titelt die Bild-Zeitung:

Wir sind Papst! Nun hat sich Peter Seewald, ehemals Redakteur beim Spiegel und beim Stern, erneut „Benedikt XVI.“ vorgenommen und diesen - ich schreibe dies absolut wertfrei - außergewöhnlichen Menschen auf 1184 lebendigen Seiten porträtiert.

Herausgekommen ist ein faszinierendes Werk, das nicht nur die unvergleichliche Karriere des Sohnes eines Gendarmeriemeisters hinter den Mauern des Vatikans zeichnet, sondern darüber hinaus die historischen Brüche des 20. und 21. Jahrhunderts spiegelt.

Wen das interessiert und ein lebendiges Bild des emeritierten Papstes möchte, das insbesondere den Menschen Joseph Ratzinger in einem neuen Licht zeigt, ist hier wohl aufgehoben.

Egal welcher Konfession er oder sie angehört. „Benedikt XVI.“ kostet 38 Euro und ist bei Droemer (www.droemer-knaur.de) erschienen. Ich empfehle beide Sachbücher, die für mich irgendwie auch zusammengehören, sehr.

Sönke C. Weiss

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03.09.2020 eine besondere Hinterlassenschaft

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die wirklich ganz famose Ausstellung „Untold Stories“, die zur Zeit im Düsseldorfer Kunstpalast (www.kunstpalast.de) zu sehen ist und bis zum 27. September 2020 verlängert wurde, ist darüber hinaus die erste von Peter Lindbergh selbst kuratierte Werkschau.

Der 1944 geborene und in Duisburg aufgewachsene Fotograf hat zwei Jahre an der Präsentation gearbeitet. Seine Zusammenstellung von 140 Arbeiten aus den frühen 1980er-Jahren bis in die Gegenwart ermöglicht einen eingehenden Blick auf das umfangreiche Schaffen des Starfotografen, der im September zurückliegenden Jahres in Paris gestorben ist.

Spannend ist, dass ein Großteil der Aufnahmen noch nie gezeigt wurde und nicht die Mode, sondern der Mensch selbst im Vordergrund steht.

„Untold Stories“ ist in der Tat eine besondere Hinterlassenschaft eines Jahrhundertfotografens, der es aus dem Ruhrgebiet in die Metropole der Kunst und Kultur geschafft hat.

Aus dem Hause Taschen (www.taschen.com) kommt der gleichnamige Fotoband zur Schau, der 320 Seiten hat und 60 Euro kostet.

Ergänzt werden die Fotos durch ein ausführliches Gespräch über die Entstehung von „Untold Stories“ sowie eine Hommage von Wim Wenders an seinen Freund und Weggefährten. Buch und Ausstellung sind grandios und unbedingt empfehlenswert.

Sönke C. Weiss

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27.08.2020 Corona-Demo in Berlin verboten

GFDK - Reden ist Silber - Klaus Miehling- Gottfried Böhmer

Es ist schon unglaublich, wie gut der Plan der „Eliten“ funktioniert: Man erkläre ein normales Grippevirus für hochgefährlich und halte die vermeintliche Anzahl der Infektionen durch immer mehr (unzuverlässige) Tests hoch.

Schon kann man die absurdesten Vorschriften durchsetzen und sogar Grundrechte einschränken.

Man sollte meinen, dass die Tyrannen den Bogen längst überspannt haben, aber die Mehrheit hängt noch immer gläubig an den Lippen der Kanzlerin, eines fachunkundigen Gesundheitsministers, eines Tierarztes und eines gezielt ausgesuchten Virologen, der schon bei der Schweinegrippe im Irrtum war und dessen Dissertation verschollen ist.

Da können hunderte Virologen widersprechen und ebensoviele logisch denkende Blogger und Vlogger Zahlen und Fakten auf den Tisch legen – aber man lässt nur die „offizielle“ Darstellung gelten, nach dem Motto:

Ich glaube nur den Medien, zu deren Finanzierung ich vom Staat gezwungen werde. Wäre ja sonst schade um das Geld.

Am Wochenende soll es wieder eine Großdemonstration in Berlin geben, und davor wird schon einmal gewarnt, gehen sie blos nicht hin, lautete die Botschaft.

Am Wochenende planen verschiedene Bündnisse eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung in Berlin. Der Verfassungsschutz warnt vor einer Unterwanderung der Proteste durch Rechtsextreme. Berlins Innensenator erkennt eine klare Strategie.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat vor einer Unterwanderung der Corona-Proteste durch Rechtextremisten gewarnt. „Hier geht es eindeutig um die Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, sagte Geisel dem „Tagesspiegel“ (Dienstag). „Es geht längst nicht mehr um Kritik an Entscheidungen, die die Regierung in Pandemie-Zeiten treffen musste.“

Wer Seite an Seite mit Rechtsextremisten marschiere, verspiele jede Legitimation im demokratischen Meinungsaustausch, sagte der SPD-Politiker. Aus deren Umfeld hieß es, es würden Millionen Teilnehmer erwartet, schreibt die tagesschau. Die Polizei hatte auf Anfrage von tagesschau.de allerdings mitgeteilt, die Veranstalter hätten rund 22.500 Personen angemeldet.

Boris C.kommentiert das auf "Welt-Online" so

Leider muss man heute mit seiner Meinung sehr vorsichtig sein. 2.000 positive PCR Tests am Freitag letzte Woche bedeutet nicht 2.000 Coronakranke. Sondern eben nur positive Tests, falsch Positive und Symptomfreie inbegriffen.
Tatsächlich liegen 223 Patienten heute, mitten in der "zweiten Welle"  auf Intensivstationen. Was bedeutet das jetzt alles?

Wer das laut hinterfragt, ist Coronaleugner. Wer wegen unverständlicher Massnahmen, hohen Strafen, um sich greifendes Denuntiantentum demonstriert, ist dann schnell plemplem oder gleich Coronaleugner und Nazi. Ja klar.
So einfach ist das. Was dabei am Ende herauskommt, kann man in Nordkorea sehen. Wehret den Anfängen und hört auf, alle unbequemen Nachfrager zu diffamieren und abzuwürgen. Nicht der Bürger, die Politik ist in der Schuld, alle Massnahmen zu begründen und zu erklären. Und zu befristen. Noch

Sabine P. kommentiert

(Es handelt sich auch um keine "Corona-Demo" (Ihre Überschrift), sondern eine Demonstration gegen die Einschränkung der Grundrechte. Dazu folgendes: "In der Antwort auf eine Anfrage des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe räumt der Berliner Senat ein, dass er keine Anhaltspunkte dafür besitzt, dass in der Demonstration am 1. August 2020 „Tag der Freiheit“ gegen Corona-Maßnahmen extremistische beziehungsweise verfassungsfeindliche Kräfte eine Rolle gespielt hätten".

Michael W.meinte:

 "Am Wochenende planen Corona-Leugner eine Demonstration in Berlin. Der Verfassungsschutz warnt vor einer Unterwanderung der Proteste durch Rechtsextreme. Berlins Innensenator erkennt eine klare Strategie."

Man sollte kaum glauben das die es mit den selben Mitteln versuchen wie 1989 in Leipzig die Demos schlecht manchen zu wollen, obwohl sie doch eigentlich wissen müssten das der Trick mit dem Systemfeind nicht mehr funktioniert.

Am 26.August schlägt die Bombe ein. Der Berliner Senat läßt die Demo um die Freiheit der Grundrechte verbieten. Berlin hat mehrere Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen verboten. Grund sei, dass sich die Teilnehmer nicht an Hygieneregeln halten.

Anscheinend haben die Politiker regelrecht Panik vor dem Ansturm der Demonstranten. Das es ihnen nicht um die Einhaltung der Hygieneregeln geht beweisen die Aussagen von Innensenator Geisel.

Das Ding findet statt“

Corona-Skeptiker wollen trotz Verbot nach Berlin reisen

Der Berliner Innensenator Geisel (SPD) kündigte bereits ein konsequentes Vorgehen der Polizei an, sollten sich große Menschenansammlungen bilden. „Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.“

Geisel erklärte zudem, dass die im Vorfeld angekündigten Zeltlager in Berlin nicht geduldet werden. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Berlin zu einem großen Campingplatz für vermeintliche Querdenker und Verschwörungsideologen gemacht wird.“

Nach Einschätzung von Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang würden Rechtsextreme nicht die Führung der Corona-Demos haben.

Das auch noch: Die Polizei hat in ihrer Verbots-Verfügung für die Demonstration gegen die Corona-Politik die Teilnehmerzahlen der letzten Demonstration auf einmal deutlich nach oben korrigiert. Mehrfach nennt die Polizei nun die Zahl von 30.000 Demonstranten am 1. August in Berlin. Zuvor hieß es immer, es wären nur 20.000 gewesen.

Ich wage mal eine Prognose: Das Gericht wird das Demo-Verbot aufheben. Die Polizei, die dem Innensenator Geisel (SPD) unterstellt ist wird dann am Samstag die Demo auflösen. So geht Demokratie

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26.08.2020 Ein Ausflug nach Potsdam

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Diese Stadt in einem Bericht abzuarbeiten, das ist unmöglich. Zu facettenreich, zu lebendig und bunt ist Potsdam, die Hauptstadt Brandenburgs, kurz vor Berlin gelegen.

Und würde meine Tochter Nina hier nicht zum Wintersemester ihr Jurastudium beginnen, sicher wären wir kürzlich nicht dorthin gefahren und hätten dann wirklich etwas verpasst.

Was für eine schöne Stadt ist Potsdam doch geworden, über 155 Millionen Euro Sanierungsgelder sind überall sichtbar.

Wir haben das Wochenende dort wirklich genossen und Nina hat einen Vorgeschmack auf das bekommen, was sie ab Oktober erwarten wird.

Was wir empfehlen: Zum Übernachten eignet sich die Altstadt-Pension (0331-5854070) in der Charlottenstraße hervorragend.

Die Apartments sind einfach gestaltet, haben Internet und - vielleicht in Zeiten von Corona für den einen oder anderen Besucher wichtig - sind mit Küchen ausgestattet und liegen im Herzen Potsdams, von wo aus wir das Französische wie das Holländische Viertel wunderbar zu Fuß erreichen konnten, wie auch das Schloss Sanssouci mit seinem grandiosen Park, wo unsere Entdeckungsreise begann, nachdem wir uns im Buena Vista Coffee Club (www.buenavidacoffee.de) für den Tag gestärkt hatten. Herrlich.

Double Expresso Macchiato und eine Vitrine voller kleiner Leckereien, himmlisch. Apropos: Potsdam verfügt über ausgezeichnete Restaurants, wie das vietnamesische Le‘s Cyclo (www.lecyclo.de), wo wir am liebsten die Speisekarte hoch und runter gegessen hätten.

Gekocht wird traditionell nordvietnamesisch von der Besitzerin Thai Thao Le selbst. Grandios. Ganz wichtig: unbedingt bequeme Schuhe tragen, Potsdam lädt zum Spazieren ein und das haben wir auch wahrgenommen, zumal die Verkehrsführung total chaotisch ist und ich so meine Nerven schonen konnte.

Außerdem nimmt man vom Wagen aus seine Umgebung nicht wahr. Bei Potsdam wäre das eine Sünde. Nirgendwo in Deutschland begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart intensiver denn hier.

Einst Symbol für den preußisch-deutschen Militarismus, trafen wir heute auf eine diverse Kunst- und Kulturszene, die im Wachsen zu sein scheint.

20.000 Studenten tragen sicher dazu bei, dass sich Potsdam irgendwie total jung anfühlt, trotz seiner über 1000 Jahre alten Geschichte.

Wir haben uns den Park Babelsberg angeschaut, sind entlang dem ehemaligen Stadtkanal flaniert, machten einen Spaziergang um den Heiligen See, einen Rundgang auf der Nikolaikirche, der einem einen grandiosen Blick über die Stadt gewährt, haben die Villen in der Mangerstraße bestaunt und sind über die Glienicker Brücke gegangen, wo während des Kalten Krieges die Spione ausgetauscht wurden, um nur einige Punkte zu nennen.

Wie eingangs erwähnt, Potsdam hat enorme Vielfalt zu bieten und - wichtiger noch - ist wirklich cool dabei, nicht anstrengend oder gar spießig.

Im Gegenteil. Darüber hinaus haben wir uns sagen lassen, dass die Havelstadt mit ihren rund 160.000 Einwohnern als eine der familienfreundlichsten in Deutschland gilt.

Das ist doch mal ein echtes Lob. Eines haben wir auf jeden Fall sofort gespürt, die Atmosphäre war entspannt und die Menschen wirkten ebenso, trotz der 35 Grad im Schatten.

Nina freut sich auf ihr Studium und ich mich, sie möglichst oft in Potsdam zu besuchen. Dann schau ich mal bei Günther Jauch vorbei...

Sönke C. Weiss

Reiseliteratur:

Potsdam und Umgebung von Kerstin Sucher und Bernd Wurlitzer. Erschienen bei Marco Polo (www.marcopolo.de). 132 Seiten mit herausnehmbarer Karte. 12,99 Euro. Ein echter Klassiker, bei dem man nichts verkehrt machen kann und vielen digitalen Extras. Übersichtlich gegliedert und für jeden Geschmack etwas dabei. Ein Muß.

Glücksorte in Potsdam von Sybille Wesenberg. Erschienen bei Droste (www.drosteverlag.de). 168 Seiten. 14,99 Euro. Ein sehr persönliches Buch mit vielen Insidertipps. Man merkt, wie sehr Frau Wesenberg ihre Stadt liebt, und das steckt an. Sehr schön.

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25.08.2020 in der Denunziationsgesellschaft

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Wie man einen unliebsamen Politiker hinrichtet, damit haben unsere Qualitäts-Medien reichlich Erfahrung. Haltungsjournalismus, Manipulation und Fake-News in der Denunziationsgesellschaft.

Man möge sich bitte daran erinnern:

Nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ im Mai 2019 Sequenzen von Aufnahmen veröffentlicht hatten, in denen suggeriert wurde, dass der österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache bestechlich sei und daraufhin eine Hetzjagd gegen ihn lostraten, stellt sich nun heraus, dass nichts davon stimmt.

Strache ohne Amt und Würde

Strache war daraufhin als Parteichef der FPÖ und Vizekanzler zurückgetreten. Die Affäre kostete der FPÖ die Beteiligung an der Regierung und landete in der Opposition. Und Strache kostete es Amt und Würde.

Unerwartete Wendung in der Affäre um das geleakte Ibiza-Video und den damals gestürzten ehemaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache: Wie die Tageszeitung Österreich“ berichtet, entlasteten neue Textstellen aus den Akten der Staatsanwaltschaft den ehemaligen FPÖ-Politiker.

Das Transkript von weiteren fünf Minuten des Videos lege demnach nahe, dass Strache es damals offenbar ablehnte, rechtswidrige Handlungen für Spenden einer angeblichen russischen Oligarchennichte zu begehen.

Die FPÖ-Spitzenpolitiker Strache und Johann Gudenus wurden mit versteckter Kamera dabei gefilmt, wie sie einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte Angebote unterbreiteten, die den Eindruck der Korrumpierbarkeit erweckten.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache lehnte das Angebot ab

Auf das Angebot der falschen Oligarchin sagte Strache demnach in dem abgehörten Gespräch: „No way, mach ich nicht. Und bei mir nur gerade Geschichten, ganz gerade Geschichten“.

Dass Strache das Angebot des Lockvogels ablehnte, beweist noch eine weitere Textpassage der Videoabschrift, dort sagt Strache:"Mit jedem anderen Scheiß machst du dich angreifbar, und ich will nicht angreifbar sein. Ich will ruhig schlafen. Ich will in der Früh aufstehen und sagen: Ich bin sauber.“

Auch den ehemaligen Klubobmann der FPÖ, Johann Gudenus, könnte das Material entlasten: Er sagte laut der Abschrift, dass „wir nichts Illegales machen, Punkt.“

Straches Anwalt Johann Pauer sprach von einer bewusst nachteiligen Auswahl der veröffentlichten Stellen des Videos. „Festzuhalten ist, dass bisher nur ein kleiner Teil des Ibiza-Videos transkribiert worden ist.

Die noch zu erwartende weitreichendere Transkription wird deutlicher aufzeigen, dass die Auswahl der veröffentlichten Passagen bewusst nachteilig für Heinz-Christian Strache erfolgten“, so Pauer gegenüber „Oe24“.

Und nun stellt sich hier eine Frage: Lag dem "Spiegel" und der "Süddeutschen-Zeitung" auch dieses Material vor? Wenn ja, dann hätten sie die gesamte Öffentlichkeit getäuscht, und noch schlimmer, sie hätten sich in die politische Angelegenheit eines anderen Staates eingemischt. Das ist das, was genau diese Blätter, doch immer Putin vorwerfen.

Einen Tag vor Veröffentlichung des Ibiza-Videos antwortete Heinz-Christian Strache per WhatsApp auf Fragen des SPIEGEL und der "Süddeutschen Zeitung":

Ja, es habe damals im Juli 2017 auf der Insel einen Abend in "lockerer, ungezwungener und feuchtfröhlicher Urlaubsatmosphäre" gegeben. Er habe auf "die Notwendigkeit der Einhaltung der österreichischen Rechtsordnung" bei dem Treffen mit einer vermeintlichen Oligarchennichte "mehrmals hingewiesen".

Abgetaucht

Weder der "Spiegel" noch die"Süddeutsche" und auch Jan Böhmermann, noch das ZDF und die ARD, die ja alle über Strache hergefallen sind, haben sich zu den neuen Erkenntnissen bisher geäussert. Allesamt auf Tauchstation gegangen.

Jan Böhmermann, der an einem Spielfilm über die Ibiza-Affäre arbeitet, muß nun wohl das Drehbuch umschreiben, ob das Lästermaul nun aber Lust hat, den Film zu vollenden, wage ich zu bezweifeln.

Schon vergessen? Weil sie die Ibiza-Affäre aufgedeckt haben, sind Journalistinnen und Journalisten von Spiegel und SZ mit dem Reporterpreis in der Kategorie Investigation ausgezeichnet worden. Mal sehen ob die ihre Preise nun zurückgeben.

Gottfried Böhmer

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25.08.2020 Spaghetti al pomodoro

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Gibt es auf der Welt etwas, das typischer italienisch ist als Spaghetti? Aus dem Verlag Klaus Wagenbach (www.wagenbach.de) ist jetzt ein wunderbarer Geschenkband mit dem eben leckeren Titel „Spaghetti al pomodoro“ erschienen, in dem die Geschichte eines Mythos gescheit und unterhaltsam beschrieben wird.

Nein, es geht nicht um Butternudeln mit Soße, unter deren Herrschaft der eine oder andere sicher aufgewachsen ist, sondern selbstverständlich um Pasta und alles, was ein Liebhaber dieser kulinarischen Spezialität unserer italienischen Brüder und Schwestern über den Gegenstand seiner Leidenschaft wissen sollte.

Maccheroni, Tagliatelle, Vermicelli: Von den Ursprüngen dieser Teigspeise führt uns der Autor Massimo Montanari, der an der Universität von Bologna den Studiengang „Geschichte und Kultur der Ernährung“ leitet, über die Geburt der Spaghettiindustrie bis hin zum gegenwärtigen Status dieser Leibspeise von Millionen von Menschen wie der Erfindung der mediterranen Diät.

Er räumt mit Halbwahrheiten und Vorurteilen auf und zeigt, wie das Lob des Herkunftsgebiets zu Intoleranz und Fanatismus führt und die Ursprünge der Pasta mystifiziert werden.

Pasta kommt aus China? Fake news. „Spaghetti al pomodoro“ hat 144 Seiten, kostet 18 Euro und ist - neben einem kleinen Meisterwerk über die Mutter aller italienischen Gerichte - sehr schön in rotem Leinen gebunden. Buon appetito

Sönke C. Weiss

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19.08.2020 Der französische Starreporter

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„Was aber ist wichtiger? Einen Schleier über die Tatsachen zu werfen oder klar zu sehen?“ Der Klarsicht seiner großen Reportagekunst verdankte Albert Londres (1884 - 1932) in Frankreich seinen Ruf:

berühmter Berichterstatter im Namen aufklärerischer Ideale für die einen, skandalöser Verächter der Nation für die anderen.

„Afrika, in Ketten“ versammelt zwei Berichte aus den Kolonien, in denen der Journalist auf Französisch-West und -Nordafrika der 1920er Jahre blickt.

Es sind zwei Klassiker einer frühen Kritik am Kolonialismus in einem Band, dessen Geschichte Europa sich bis heute nicht stellt, erschienen in der Anderen Bibliothek (www-die-andere-bibliothek.de) für 44 Euro.

Londres Weg führt ihn von Dakar über Bamako und Timbuktu nach Niger und weiter in den Sudan, bis er im Kongo den Äquator überquert.

Sein Gegenstand ist das Leben der weißen „Staatsbürger Frankreichs“ und der schwarzen „Untertanen“ in den sogenannten Überseegebieten, die willkürliche Rechtsprechung der Kolonialverwalter und die Geschicke der zahllosen Glücksritter, die fern von Europa zu schnellem Reichtum zu gelangen versuchen.

Der französische Starreporter forderte einen humaneren Kolonialismus, auch ihm, dem Reformer, lag damals der Gedanke noch fern, den Kolonialismus gänzlich abschaffen zu wollen.

„Die Veröffentlichung dieser Arbeit soll eine schändliche Tat von mir sein. Von vielen Seiten wird sie mir vorgeworfen.

Ich kann mir die Ohren nicht genug zuhalten,“ schreibt der Vorreiter des investigativen Journalismus im Vorwort zu „Afrika, in Ketten“, das auch ein sprachliches Meisterwerk darstellt, lebendig und für ein modernes Publikum von Petra Bail und Yvan Goll aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt.

Diese Reportagen, insgesamt 376 Seiten lang, sind Teil der Vorgeschichte eines Afrikas, das uns in der Zukunft mehr und mehr beschäftigen wird.

Sönke C. Weiss

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