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Reden ist silber...Schreiben ist gold

26.12.2019 SPD mit weniger Prozent als mein Bier

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die 15 Prozent Partei SPD will die Grüne Verbotspartei zu Weihnachten nochmal überholen. Und zwar mit Verboten. Die Deutschen sollen nur noch Autos kaufen, die der SPD genehm sind.

Anfangen wollen sie mit einem Neuzulassungsverbot von Pick-up-Trucks. Aber das ist ja wohl erst der Anfang, Porsche und alles was schneller ist als 100Km/h werden dann folgen. Die SPD-Trottel, die nur noch Wahlen verlieren, suchen nun ihr Heil in neuen Verboten.

Freie Fahrt für freie Bürger

Der stellvertretende SPD-Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch hat sich für ein Neuzulassungsverbot von Pick-up-Trucks ausgesprochen. Man müsse überlegen, welche Fahrzeuge man auf den Straßen wolle, sagte er, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland als Weihnachtsbotschaft an die Deutschen.

Besonders klimaschädliche Fahrzeuge will er nicht mehr zulassen, also fast die halbe Fahrzeugflotte in Deutschland. Die dabei verlorenen Arbeitsplätze sind dem SPD-Trotteln völlig schnuppe, so wie sich das für eine Arbeiterpartei auch gehört.

„Um ordnungsrechtliche Eingriffe werden wir nicht herumkommen“, meinte er. Man merke sich: Verbote werden mit, "ordnungsrechtlichen Eingriffen" kaschiert, so macht man das bei der SPD.

Der SPD Neidhammel

Miersch erneuerte die SPD-Forderung nach einer Geschwindigkeitsobergrenze auf deutschen Autobahnen: „Wir werden ernsthaft über ein Tempolimit reden müssen. Hier kommt der Neidhammel in ihm durch: "Der Porsche-Fahrer mit dem 100.000-Euro-Auto muss sich genauso daran halten wie der Fahrer eines Kleinwagens.“

Ein Tempolimit sei sozial gerecht, meint diese SPD-Birne, und meint dabei nur, dass Leute, die sich ein großes oder teures Auto leisten können, der SPD so oder so schon immer ein Dorn im Auge waren. Doch in der Union findet der SPD-Plan keine Unterstützung.

Scheuers Nein macht die SPD so richtig sauer. Von einer "bockigen Blockadehaltung" spricht der schlimmste SPD-Geselle Ralf Stegner, die größte SPD-Plattbirne im Handelsblatt.

Auch die SPD-Chefin Saskia Esken pustet ins gleiche Horn. "Ein Tempolimit auf unseren Autobahnen ist gut für den Klimaschutz, dient der Sicherheit und schont die Nerven der Autofahrer", so Esken. Es wäre gut, wenn Frau Esken unsere Nerven wenigstens Weihnachten schonen würde, und der unselige Stegner aus der Politik verschwindet, wie es sogar nicht Wenige der SPD-Anhänger wollen.

Im Oktober hatte die Grüne-Verbotspartei im Bundestag ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen gefordert und war kläglich gescheitert. 126 Abgeordnete stimmten dafür 498 dagegen. Und so soll es bitte bleiben.

Wie habe ich schon vor fünf Jahren geschrieben: Bald hat die SPD weniger Prozent als mein Bier. Prost Neujahr.

Gottfried Böhmer

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22.12.2019 Auf der Suche nach Drehorten

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Vor wenigen Tagen sah ich im Fernsehen einen wunderbareren Fotografen, dessen Arbeit ich seit Jahrzehnten bewundere, als dieser in Stockholm der Verleihung des Literaturnobelpreises beiwohnte, den sein Freund Peter Handke erhalten hatte.

Ich meine natürlich Wim Wenders, für dessen Film „Der Himmel über Berlin“ Handke einst das Drehbuch lieferte, der mich aber als Filmemacher nicht so sehr beeindruckt, denn als eben als Fotograf. Zwei Fotobände möchte ich diesbezüglich empfehlen.

Zum einen „Written in the West Revisited“, der bei Schirmer/Mosel (www.schirmer-mosel.com) erschienen ist und 39,80 Euro kostet. Zum Inhalt: Auf der Suche nach Drehorten für seinen Film „Paris, Texas“ durchstreifte Wenders 1983 mehrere Monate lang den Westen der USA.

Seine entstandenen Bilder strahlen bei aller Professionalität die sehr persönliche Beziehung aus, die er während seiner einsamen Reise zu diesem Land entwickelte. 2001 kehrte Wenders zurück und fotografierte erneut, 16 neue Aufnahmen sind der Neuausgabe mit 108 Seiten hinzugefügt worden.

Written in the West Revisited“ ist in der Tat ein Klassiker und zeigt die Schönheit eines Landes, das ein Trump nie zerstören wird. „Places, strange and quiet“ ist im Hatje Cantz Verlag (www.hatjecantz.com) erschienen, kostet 24,80 Euro, spielt auf 140 Seiten in vielen Ländern dieser Welt und wirkt wie ein globales Dankeschön an unseren einzigartigen Planeten.

Kalifornien, Armenien, Deutschland, Italien, Japan. Um nur einige Orte zu nennen, an denen Wenders wie in einer Zeitkapsel über Jahrzehnte seine Bilder gemacht hat, die aber zeitlos sind und atemlos machen.

Wie gesagt, Wenders Filme wirken auf mich immer sehr dickflüssig, seine Fotos indes machen das Unsichtbare sichtbar: das Prinzip Mensch. In Zeiten des Klimawandels machen diese Bücher sogar irgendwie Mut.

Sönke C. Weiss

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21.12.2019 tourismus-kampagne

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Um Menschen für die lokalen Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren, verfremdet Fridays for Future mit ihrer Greta historische Tourismusplakate, damit keiner mehr Bock hat da Urlaub zu machen. Fred & Farid haben mit ihrer Agentur FF Los Angeles die Kampagne entwickelt.

Es gibt immer noch Menschen, die glauben nicht an den Klimawandel, und das geht gar nicht meint unsere Greta, daher hat Greta eine Werbeagentur beauftragt diese Ignoranten nun umzuerziehen.

Und ich muß zugeben, das ist zwar heimtückisch, aber nicht schlecht gemacht. Allerdings frage ich mich ja nicht zum ersten Mal, wer bezahlt die Agentur, wer zahlt Gretas erste klasse Tickets usw.

Um die Klimaleugner zu bekehren, konfrontiert Fridays for Future rund um die Aktivistin Greta Thunberg in lokalen Tourismuskampagnen die Menschen direkt mit den Auswirkungen des Klimawandels mit Plakaten in ihrer Region. Die sollen sich mal richtig erschrecken.

Das Ziel der Kampagne ist: Wenn jemand direkt von der Erderwärmung betroffen ist, interessiert er sich auch für das Problem, beschäftigt sich damit und möchte im besten Fall etwas dagegen unternehmen, so die Botschaft der Agentur und Fridays for Future.

Das ganze nennt man auch Propagenda, aber was solls solange die Klima-Aktivisten, mit der Klimapanik gute Geschäfte machen können. Die Wohlstandskinder und Soja-Latte-Trinker bestimmen nun was in Deutschland für eine Politik gemacht wird, und die Verzichtsideologie der "Grünen" macht sich überall breit.

"Wer wählt die Grünen? Die mit dem größten CO2-Fußabdruck" meint der Philosoph Ludger Heidbrink, er hält die Deutschen für Umweltheuchler. Das sagte er zumindest dem "Spiegel".

Nur Dieter Nuhr darf sich noch über die Aktivistin Greta Thunberg lustig machen. So sagte er in seinem Jahresrückblick: „Das arme Mädchen. Gleich mehrere Bischöfe verglichen sie im Sommer mit Jesus. Aber sie lief nicht übers Wasser, sie brauchte ein Segelboot.“

„Mir tut Greta leid, und ich habe mich teilweise auch gefragt, wie Eltern es zulassen können, dass ihr Kind derartig in die Mühlen der Zeitgeschichte gerät. Aber die Eltern haben wahrscheinlich Besseres zu tun: Sie sonnen sich in ihrer Rolle als Maria und Josef“, witzelte Nuhr.

„Und nein - Ich habe nichts gegen Greta, aber: Sie ist nicht der Messias. Das ist Jürgen Klopp. Ich bin der festen Überzeugung, dieser Mann könnte auch den Klimawandel aufhalten, aber er hat noch Vertrag in Liverpool“

Dieter Nuhr weiter: "Das ganze Jahr bestand aus Verboten, Shitstorms, Hysterie, Panik." 

"Ich hatte noch nie so oft das Gefühl, die hamse nicht mehr alle."

"Wir leben in narzisstischen Zeiten, der Mensch sieht sich gerne als Held."

"Es war das Jahr des allgemeinen Realitätsverlusts."

Dieser Realitätsverlust gipfelte am am 28.11.2019 im EU-Parlament mit dem Klima-Notstand, der die Klimareligion der Gretinisten und die Klima -Notstands-Kampagne so richtig in Fahrt brachte. Und nun Frage ich mich, meine Scheiße, was kommt noch?

Vieleicht ist das ja hilfreich: Notstand ist der Zustand gegenwärtiger Gefahr für rechtlich geschützte Interessen, dessen Abwendung nur auf Kosten fremder Interessen möglich ist, kann man bei  Wikipedia lesen, und führt weiter aus, dass mit dem § 34 StGB ein Rechtfertigungsgrund gemeint ist, der mitunter auch die Rechtswidrigkeit einer tatbestandsmäßigen Handlung beseitigen kann.

Kurz, wer im Notstand ist, der kann auch Dinge tun, die sonst nicht möglich sind – etwa bei Naturkatastrophen die Bewegungsfreiheit einschränken und Evakuierungen anordnen, oder Zwangseinquartierungen vornehmen. Och nöö, wahrscheinlich werden bald alle die nicht der Meinung von Greta oder den "Grünen" sind weggesperrt.

Auch das noch: Wolfgang ist auch genervt. Der langjährige CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach zeigt sich in einem Interview im RTL-Podcast genervt vom Hype um Greta Thunberg. „Mittlerweile kippt bei mir die Stimmung. Wenn aus ihrer Bahnfahrt ein Hype entsteht, der größer ist als der Wirbel um die bescheidenen Ergebnisse der Weltklimakonferenz von Madrid, dann verstehe ich das nicht mehr“.

Gottfried Böhmer

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19.12.2019 Das war die Wahrheit, aber nur die halbe

GFDK - Reden ist Silber

Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, liegt hier vollkommen falsch, Greta Thunberg hätte ja auch ein Foto von sich machen können wie sie in der ersten Klasse des ICE gesessen hat, aber nöö sie postet ein Foto, das suggeriert wie die arme Greta auf den Boden des ICE sitzen muß. Und ich frage mich auch, wer bezahlt eigentlich ihre erste Klasse Tickets und nicht nur diese. Ich habe hier gleich zwei Fake-News der Klimakinder.

Lieber Herr Böhmer,

die Deutsche Bahn greift Greta Thunberg an. Das ist zwar äußerst ungeschickt. Aber der Twitter-Dialog zwischen Konzern und Mädchen ist andererseits auch sehr lehrreich. Während sich die Bahn kleingeistig und aggressiv präsentiert, zeigt Greta wahre Größe.

Angefangen hatte der Beef mit einem Selfie, das Greta Thunberg auf Twitter gepostet hatte, neben ihrem Gepäck auf dem Boden eines ICE sitzend. Der anschließende Kommunikationsverlauf im Social-Media-Kanal zeigt vorbildlich, wie man es nicht machen sollte (Deutsche Bahn) und wie man professionell damit umgeht, wenn dich jemand dissen will (Greta Thunberg).

„Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Bahnreisen groß ist“, schreibt die Klimaaktivistin. Ein versöhnlicher Schwenk auf ein gemeinsames, größeres Ziel. Problem gelöst.

Gabor Steingart fast es so zusammen: PR-Wirbel um Greta Thunberg. Via Twitter verbreitete sie ein Bild, das sie mit ihren gepackten Taschen auf dem Boden zwischen den Waggons eines Zuges zeigt: das Leiden der jungen Greta. Ihr Zug sei „überfüllt“ gewesen, teilte sie ihren 3,6 Millionen Followern mit.

Nur die halbe Wahrheit von Greta

Das war die Wahrheit, aber nur die halbe. Wenig später saß die Klimaaktivistin – umrahmt von ihrem Team – auf einem für sie reservierten Sitzplatz in der 1. Klasse. Diese Bilder allerdings sah ihr Publikum nie.

Auch die der Mär von den angeblich 500.000 Öko-Demonstranten in Madrid hat sich als Lüge herausgestellt. Ausgerechnet die "taz" hat das aufgedeckt. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern.

Die Begeisterung kannte keine Grenzen. „500.000 Menschen auf den Straßen in Madrid. „Großartig – der Protest lebt“, twitterte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, jubelte die deutsche Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer. Auch Greenpeace und die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn verkündeten die gewaltige Zahl von Menschen, die aus Anlass der Weltklimakonferenz vor einer Woche in der spanischen Hauptstadt demonstriert haben sollen.

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13.12.2019

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Boris Johnson ist nicht der Clown, den die deutschen Medien aus ihm machen wollten. Die Wahlempfehlungen der Hamburger Redaktionen und die Warnhinweise zu den Tories, formuliert von den Meinungsführern aus Berlin-Mitte, haben nichts genützt. Boris Johnson hat die Wahl haushoch gewonnen.

Boris Johnson, die Zielscheibe des deutschen Hasses

Boris Johnson fährt den größten Sieg seit Thatcher ein, und die deutschen Medien haben sich ein weiteres Mal blamiert. Der "Spiegel" kommentierte den Sieg von Johnson wie folgt: "verloren haben Anstand, Aufrichtigkeit und Integrität." Was soll man dazu noch sagen?

Weiter behauptet der "Spiegel", Boris Johnson sei der unbeliebteste Premier der Geschichte und hat die Wahl trotzdem klar gewonnen. Och nee, Donnerwetter, wusste bisher nicht, dass man als unbeliebtester Politiker eines Landes Wahlen klar gewinnen kann.

Die Krönung, der "Spiegel" beleidigt auch noch die Wähler. Bei „Spiegel Online“ wurden die Wähler mit Gänsen verglichen, die zu Weihnachten die falsche Entscheidung getroffen haben.

Die deutschen Medien haben hinreichend deutlich gemacht, dass es nicht okay ist, diesen Mann und seine Partei zu wählen. So oder so ähnlich formulierte es Ulf Poschardt, Chefredakteur der "WELT".

Poschardt meinte weiter: " Diese neue ungebrochene deutsche Sehnsucht, es dem Rest der Welt beizubringen, wie er zu denken und zu wählen hat, ist nicht nur ahistorisch, sondern einfach auch auf interessante Art selbstvergessen."

Die deutschen Besserwisser haben wie schon bei Donald Trump ins Klo gegriffen

Ulf Poschardt stellt richtiger Weise fest: Wenn die Bürochefin der ARD in London auf ihrem Twitteraccount kaum von einer Anti-Johnson-Aktivistin zu unterscheiden ist und gar nicht mehr spürt, wie anmaßend und unjournalistisch das sein kann, muss man sich nicht wundern, warum viele deutschen Medien so falsch lagen in ihren Prognosen und rituellen Grabreden auf Boris Johnson. Da war der Wunsch Vater der Berichterstattung.

Trullala aus Berlin greift tief ins Klo

Ulrike Guérot, eine der „Vordenkerinnen“ der Berliner Republik konnte nicht tief genug ins Klo greifen, und verglich die Wahl von Boris Johnson mit der Wahl von Adolf Hitler 1933. Die Trullala kann ja nicht alle Tassen im Schrank haben. Wenn solche Leute unsere politischen Vordenker sein sollen, sollten wir anfangen nachzudenken.

Peter Handke, der Nobelpreisträger für Literatur 2019 zu den viel beschworenen europäischen Werten

"Europäische Werte, das ist ein Schmäh. Alle tiefen, feinen, zarten Werte der Menschheit sind überall. Die Augen der Menschen sind ein Wert, die Blicke, die Augen. Und nicht die europäischen Werte. Arschlöcher. Wenn die das anführen, dann als Erpressung und als Rechthaberei. Die sollen aufhören, aus den europäischen Werten eine Axt gegen andere zu machen. Leute, die so reden, sind das neue Gesindel.“

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13.12.2019 dichte Porträts und Milieustudien

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Vivian Maier eine eine photohistorische Sensation - Weltberühmt aber erst nach ihrem Ableben. Es muß nicht immer Netflix sein. Denn Fotobände sind sehr schöne Weihnachtsgeschenke, die man sich während der Festtage gemeinsam anschauen kann.

Hier zwei sensationelle Schätze einer Fotografin, die eigentlich keine war und von der niemand etwas wußte, bis ein Immobilienmakler und ein Stadthistoriker bei einer Zwangsversteigerung per Zufall auf ihr Lebenswerk stießen und es einem breiten Publikum weltweit präsentierten.

Die Antithese unserer Zeit

Die Rede ist von Vivian Maier, 1926 geboren, von Beruf Kindermädchen, die seit den 50er Jahren ein unglaubliches photographisches Werk geschaffen hat: in über 100.000 Aufnahmen dokumentiert sie auf technisch und ästhetisch höchstem Niveau den amerikanischen Alltag in den Straßen von New York und vor allem Chicago und hat sich somit, ohne es zu wissen oder vielleicht gar zu wollen, zu einer Ikone der Straßenfotografie gemacht.

So heißt eines ihrer Bücher eben „Street Photographer“, ist bei Schirmer/Mosel (www.schirmer-mosel.com) erschienen und kostet 39,80 Euro. Auf 136 Seiten sehen wir das unverstellte Leben.

Es sind spannende Konstellationen auf den Straßen der besagten Metropolen, dichte Porträts und Milieustudien im Stil der Neuen Sachlichkeit. Meisterhaft. Ein weiterer umwerfender Bildband widmet sich ihrer vortrefflichen Fotokunst, die Vivian Maier neben der Dokumentarfotografie ebenfalls über Jahrzehnte unter Ausschluss der Öffentlichkeit pflegte.

Hier findet sie ihre Motive als Flaneurin vor allem in ihrer nächsten Umgebung. Porträts, Selbstporträts, surreale Stillleben aus Schaufenstern, Ladenfronten und Straßenschildern überraschen mit außergewöhnlich sicherem Blick für Komposition und Farbgefühl.

Sie sind von einer photographischen Geistesgegenwart, die alle Unterschiede aufhebt, die die Geschichtsschreibung bis heute zwischen Berufs- und Amateurfotografie aufgerichtet hat, und man könnte von einem Bilder-Tsunami sprechen, den Vivian Maier mit ihren schöpferischen Erfindungen, ihren Bildern auf eigene Rechnung, auf auch dem Feld der Farbfotografie entfacht.

„Die Farbfotographien“, ebenfalls bei Schirmer/Mosel erschienen, kostet 58 Euro und hat 240 Seiten. Festzuhalten bleibt, die Frau war ein Ausnahmetalent. Leider hat sie zu ihren Lebzeiten keines ihrer Bilder publiziert. Vivian Maier verstarb im April 2009 in einem Pflegeheim in Chicago. Sie war allein und mittellos. 

Sönke C. Weiss

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10.12.2019 Bücher, des Menschen größtes Geschenk

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Hier noch sechs hübsche Buchempfehlungen für den Gabentisch. Fangen wir mit etwas Leichtem an und arbeiten uns vor: Wo ist das Glück? Immer da, wo du nicht bist. So läßt sich Otto Jägersberg Kurzprosaband „Liebe auf den ersten Blick“ wunderbar zusammenfassen. Auf 274 Seiten streift der Blick des Autoren des Menschen größtes Geschenk, die Liebe.

Beim Lesen darf gerne gelacht und geweint werden, denn diese Mini-Essays sind geistreich, komisch, immer tief und halten, was das Buch verspricht, pures Leseglück für 24 Euro. Fünf Euro weniger kostet Ian McEwans Roman „Die Kakerlake“, die ähnlich beginnt wie eines der größten Werke der Literaturgeschichte:

„Als Jim Sams, klug, doch beileibe nicht tiefgründig, an diesem Morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in eine ungeheure Kreatur verwandelt.“ Eben noch eine Kakerlake, ist Jim nun als Mensch aufgewacht, aber nicht irgendein Mensch, nein, als der britische Premierminister.

In dieser bitterbösen politischen Satire, Jim soll Boris Johnson spiegeln, verneigt sich McEwans, der große englische Erzähler vor Kafka, um eine Welt zu zeigen, die kopfsteht. „Die Kakerlake“, stramme 133 Seiten kurz, hat entsprechend Biß und wird fraglos das Buch werden, das die Brexit-Ära am Genauesten reflektiert und ist wie „Liebe auf den ersten Blick“ bei Diogenes erschienen.

Aus dem Hause Hanser kommt Botho Strauss’ neuestes Buch mit dem schönen Titel „zu oft umsonst gelächelt“, das 22 Euro kostet und auf 213 kurzweiligen Seiten die Unbestimmtheit zwischen Mann und Frau zeichnet.

Strauss schenkt uns kleine Episoden, die mal wie eine Nahaufnahme, mal wie eine Totale anmuten, gleichbleibend präzise sind, die Strauss wie ein Forscher auf Spurensuche ausgewählt hat, um uns stetig zu ermahnen: laßt die Liebe nicht aussterben. Ein kleines Buch eines großen Schriftstellers, der auch mit 75 Jahren noch ein Meister seiner Kunst ist.

Vortrefflich geschrieben ist auch Ronan Farrows Enthüllungsbuch „Durchbruch“, in dem er auf 504 nicht im Geringsten langweiligen Seiten schildert, wie er den Weinstein-Skandal (#metoo) enthüllt und den mächtigsten Mann Hollywoods zu Fall bringt.

Hammer! Konkret geht es um Missbrauch, Vertuschung und Einschüchterung, insbesondere aber um den Zeitgeist der Epoche Trump, die solch eine in großen Teilen verrohte Gesellschaft überhaupt zuläßt. Farrow ist übrigens der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen. Das Time Magazine hat ihn kürzlich mit in die Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt aufgenommen.

„Durchbruch“ kostet 24 Euro und ist bei Rowohlt erschienen. Ebenso wegweisend ist Jonathan Safran Foers jüngstes Werk „Wir sind das Klima!“, das für 22 Euro bei Kiepenheuer & Witsch zu haben ist. Bereits mit seinem Buch „Tiere essen“ hat Foer einen globalen Bestseller geliefert, hier widmet er sich auf 328 Seiten dem komplexen Thema des Klimawandels und unserer Angst vor den Konsequenzen, liefert darüber hinaus gleichwohl Lösungsvorschläge, die bereits beim Frühstück anfangen.

„Wir sind das Klima!“ hebt nie den moralischen Zeigefinger, und ich brauchte mich beim Lesen auch nicht zu schämen. Im Gegenteil. Ich fühlte mich auf der Stelle motiviert, mit einem wacheren Blick durch die Welt zu gehen. Ein unerläßliches Buch für unsere fragile Zeit, in der die persönliche Freiheit immer wieder als Maßstab aller Dinge genommen wird, was mich zu meiner letzten Empfehlung dieser Kolumne bringt:

Klaus Viewegs Biographie „Hegel.“ Auf 673 Seiten plus Anhang erfahren wir, wie das Grundmotiv der Freiheit den gesamten Denk- und Lebensweg des 1770 geborenen Philosophen durchzogen hat und uns bis dato beeinflußt. Es ist die erste umfassende deutschsprachige Hegel-Biografie seit 175 Jahren, die mich eines gelehrt hat: ohne Hegels Geist ist die Moderne nicht zu fassen.

Wirklich begrüßenswert an der Biografie ist, dass sie aus Dutzenden von kleinen Kapiteln besteht, die den Leser nicht überfordern, sondern das Leben Hegels wie ein Puzzle zusammenfassen und vor allem würdigen. „Hegel“ gibt’s bei C.H. Beck und kostet famose 34 Euro. So, ich hoffe, für jeden Geschmack ist hier heute etwas dabei.

Sönke C. Weiss

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05.12.2019 Pro und Kontra

GFDK - Reden ist Silber - Philipp Egger

Im Prinzip unterscheidet sich die Zensur im Internet nicht besonders groß von den kontrollierten Inhalten der Massenmedien. Allerdings hat das Internet natürlich auch den Vorteil, dass von einigen Ländern verbotene Inhalte, auch über die Grenzen hinaus zu finden sind.

In Deutschland als Beispiel sind spezielle Texte über die NS-Kriegsverbrechen verboten, die amerikanischen Server hingegen haben mit diesen Veröffentlichungen kein Problem, da sie sich nach ihren Rechtsprechungen auf die Meinungsfreiheit berufen. Für rund die Hälfte der deutschen Internetbenutzer dient das Netz als beliebteste Informationsquelle in Hinsicht auf die täglichen Nachrichten weltweit.

Pro und Kontra der Internetzensur

Internetzensur ist in erster Linie dazu da, vor allem die Jugend und natürlich auch die gesamte Bevölkerung vor Terrorismus und Kriminalität zu schützen. Befürworter der Zensur sind der Meinung, dass die Gewaltverherrlichung, Kinderpornografie, rassistische Inhalte und rechtsextreme Artikel auf keinen Fall durch dieses schnelle und weitverbreitete Medium publik gemacht werden sollten.

Aber auch andere kriminelle Handlungen wie Internetbetrug, die Verletzung von Urheberrechten und das Versenden von Viren und Spam-Mails sollten laut den Befürwortern unbedingt unterbunden werden.

Sicherlich sind die Argumente der Befürworter der Internetzensur überzeugend. Allerdings haben auch die Gegner der Netz-Sperren Recht, wenn sie ein freies Internet fordern und sich gegen das Ausspähen der persönlichen Daten durch den Staat wehren.

Die meisten vorgeschlagenen Internetsperren sind leider nur Sichtblenden, da kriminelle Inhalte ja nicht gelöscht werden, sondern nur durch technische Eingriffe und spezielle Filter verborgen sind. Solche Webseiten sind also bei diesen Maßnahmen nur selten durch Zufall anzutreffen.

Wer aber bewusst nach einschlägigem Material sucht, wird trotzdem mit etwas Aufwand fündig, da die Seiten ja noch vorhanden sind. Es ergibt sich daraus eine wichtige Frage, warum die kriminellen Seiten nur versteckt werden und nicht gelöscht.

Warum werden kriminelle Inhalte nur versteckt und nicht einfach entfernt?

Angeblich ist das Entfernen von einschlägigen Webseiten nur mit einem extrem großen Aufwand möglich oder es funktioniert überhaupt nicht. Allerdings ist diese Aussage nicht berechtigt, wie aus mehreren Studien der Universität von Cambridge hervorgeht. Vor allem Seiten mit kinderpornographischen Inhalten bleiben deutlich länger im Internet sichtbar, als Webauftritte mit illegalen Inhalten.

Grund dafür ist, dass das BKA auf ausländische Behörden Rücksicht nimmt und die notwendigen Schritte über internationale Organisationen einleitet.

Die Seiten im Ausland können also laut unseren Behörden nicht direkt gelöscht werden. Auch bleiben die meisten strafbaren Inhalte nicht lange auf ihren Domains. Bis also die notwendigen Schritte von der Regierung eingeleitet werden, ist die Webseite schon längst auf eine andere Domain gewandert.

Der offizielle Dienstweg zum Löschen der kriminellen Inhalte ist also deutlich wichtiger und vor allem auch mit mehr Aufwand verbunden, als die praktischen Filter und Sichtblenden.

Auffallend ist übrigens auch, dass Banken so gut wie überhaupt keine Probleme damit haben, betrügerische Pishing Seiten sofort aus dem Internet entfernen zu lassen, wo es um das Spionieren von Bankkunden geht. Der Aufwand hierzu dauert nur einige Stunden, warum werden dann Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten erst nach einem Monat gelöscht?

Was bringen eigentlich die Internetsperren?

Nachdem die Inhalte auch weiterhin im Netz stehen, bringen die Netzsperren eigentlich überhaupt nicht viel. Die kriminellen Täter werden dadurch nur vorgewarnt und können ihre Inhalte auf anderen Domains veröffentlichen. Auch sind sie in der Lage erst einmal zu überprüfen, ob sie überhaupt auf einer Sperrliste stehen oder nicht.

Bis die notwendigen Schritte zur Entfernung eingeleitet sind, haben sie ihre Spuren schon längst verwischt und vielleicht auch noch die gewünschte Aufmerksamkeit ihrer Leser erweitert. Kriminelle können die vorhandenen Sperrsysteme zu ihrem Vorteil benutzen, um frühzeitig gewarnt zu werden.

Ansonsten gibt es natürlich auch viele Interessensgruppen, die mit Internetsperren im Prinzip nur ihre eigenen Ziele verfolgen möchten. Wer Sperren umgehen will, braucht sich nur für unzensierte DNS-Server zu entscheiden.

Nicht umsonst werden die bereits vorhandenen Sperren von IT-Experten als völlig wirkungslos eingestuft, da sich auch komplette Laien aufgrund der technischen Schwächen automatisch in alternativen Servern eintragen lassen können. Zensur im Internet bringt eigentlich nur dann den gewünschten Erfolg, wenn auch wirklich effizient gegen die Kriminalität gekämpft wird und nicht nur gegen unerwünschte Inhalte auf den Webseiten.

Gesperrte Inhalte in Deutschland

Die meisten gesperrten Webseiten in Deutschland beziehen sich auf die Urheberrechtsverletzungen und nicht auf kriminelle Seiten. Im Prinzip sind die Online-Inhalte ziemlich frei. Allerdings wurde von Google GEMA-geschützte Musikvideos bei Youtube gesperrt, weshalb die meisten populärsten Videos bis November 2016 für die User auch nicht verfügbar waren.

Erst nach der Einigung mit den Lizenzrechten konnte dieses Problem von Google gelöst werden. Übrigens sperrte auch Facebook einige Posts, die sich mit Holocaustleugnungen und mit Rechtsextremismus beschäftigten.

Ansonsten gab es in Deutschland natürlich auch etliche Versuche, politisch kritische Webseiten zu entfernen, die aber als deutliche Einschränkung der Pressefreiheit eingestuft wurden. Mittlerweile haben sich aber die meisten Internetbenutzer bereits an die gegebene Internetzensur gewöhnt, da die Gegner als engagierte Aktivisten eingestuft werden, die sich massiv für mehr Transparenz im Internet einsetzen.

Philipp Egger ist ein professioneller Redakteur und ein erfahrener Content Manager bei Essayhilfe. Sie können auch ihn direkt über Facebook erreichen.

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04.12.2019 Weihnachtsgeschenke für den Gabentisch

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Apropos 1. Weihnachten. Wie ihre Kunst, ist auch das jüngste wie das umfassendste Buch zum Werk von Christo (84) und Jeanne-Claude (2009 verstorben) wie ein Geschenk verpackt.

Auf 616 Seiten erzählt und vor allem zeigt „Christo and Jeanne-Claude“ die Schaffensgeschichte dieses in der Tat außergewöhnlichen Künstlerpaares, das mit der Verhüllung von Bauwerken weltberühmt wurde: wie die Pariser Brücke Pont Neuf, der Berliner Reichstag oder für den Herbst 2020 geplant, die Verhüllung des Triumphbogens, ein nationales Heiligtum der Franzosen.

Welch eine Ehre. Bis zu zehn Millionen Euro wird diese Aktion kosten, das Geld dafür treibt Christo - wie immer - allein auf. „Ich möchte nichts erklären oder rechtfertigen müssen. Darum geht es in der Kunst: die Freiheit ist ihre Intention. Aber die Freiheit hat auch ihren Preis.

Man braucht viel Geduld und gute Nerven“, sagt Christo zu seiner Arbeit, die Grenzen überschreite, öffentlich wie privat zugleich sei. In Paris liegen die Wurzeln der Kunst von Christo und Jeanne-Claude, dort nun scheint sich der Kreis auch zu schließen, selbst wenn Jeanne-Claude die Verwirklichung ihres lebenslangen Traumes selbst nicht mehr miterleben wird: der Arc de Triomphe.

Apropos 2. Verhüllung. Kreationen aus 70 Jahren Dior-Geschichte präsentiert der fesselnde Bildband „Dior Lindbergh“ auf 520 Seiten, mit dazu kommt ein zweiter Band mit dem Titel „Archives“, der die grandiose Fotografie Peter Lindberghs wie in einer Retrospektive würdigt.

Beide Bände sind in einem hochwertigen Schuber vereint. Kurzer Rückblick: 1978 ging der damals 30-jährige Lindbergh von Deutschland nach Paris und begann eine internationale Karriere in der Modefotografie. Nichtsdestotrotz kann man seine Arbeit in keine bestimmte Kategorie pressen.

Seine Aufnahmen sind eine Art kreativer Dialog zwischen den diversen Modernen des letzten Jahrhunderts und der aktuellen Moderne, der Neo-Avantgarde, wenn man so möchte. Oder anders gesagt:

Peter Lindbergh, der am 3. September diesen Jahres 74-jährig verstorben ist, war ein Unikat, ein Meister seines Handwerks. In „Dior Lindbergh“ sehen wir Models während der Rushhour am Times Square in New York City. Einige der Aufnahmen sind unscharf, andere gestochen scharf und unmittelbar.

Zusammen strahlen sie eine beeindruckende Vitalität aus, die sich auf brillante Weise durch das Buch zieht. „Christo and Jeanne-Claude“ wie „Dior Lindbergh“ sind bei Taschen (www.taschen.com) erschienen, kosten je 150 Euro und sind wunderbare, zeitlose Weihnachtsgeschenke, die auch weit über die Festtage hinaus Freude bescheren.

Sönke C. Weiss

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03.12.2019 In seiner Sammlung „Vier Stücke“

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Selbstverständlich habe auch ich seinerzeit, so um 2005, Daniel Kehlmanns wohl berühmtestes Buch gelesen. Ein Weltbestseller, der sich bis dato weltweit über sechs Millionen Mal verkauft hat. Nichtsdestotrotz konnte ich dem Werk rein gar nichts abgewinnen. Es war mir zu bildungsbürgerlich, um ehrlich zu sein, roch schon aus der Ferne nach Feuilleton und viel zu kluger Konstruktion. Nach dem Motto:

Der Autor ist cleverer als sein Publikum. Kehlmanns weiteren Bücher und die davor habe ich seitdem, muß ich ehrlicherweise zugeben, nur noch kurz angelesen. Doch jetzt habe ich eine ganz andere Seite dieses Schriftstellers kennengelernt, die des Dramatikers. Grandios.

In seiner Sammlung „Vier Stücke“ - bei Rowohlt für 24 Euro erschienen - schafft es Kehlmann tatsächlich, Leben auf die Bühne zu bringen. Glaubhaftes Leben. Unbedingt empfehlenswertes Leben, und wer bislang noch kein Theaterstück gelesen hat, sondern nur als Darstellung kennt, hier einige Anmerkungen meinerseits:

Zu wissen, wie man ein Stück liest, ist keine komplexe oder entmutigende Angelegenheit. Wenn Sie einen Roman lesen und der Schriftsteller Ihnen einen Sonnenuntergang beschreibt, lesen Sie nicht nur die Worte, Sie „sehen“, was die Wörter beschreiben, und wenn der Romancier ein Gespräch beendet, „hören“ Sie still, was Sie automatisch lesen, ohne darüber nachzudenken.

Warum ist dann davon auszugehen, dass ein Spieltext für den Leser weitaus schwierigere Probleme bereitet? Am einfachsten ausgedrückt: Theaterstücke sind Literatur und während sie den meisten Menschen durch Aufführungen zugänglich sind, sind sie vollständige Erfahrungen ohne sie.

Ich bin davon überzeugt, dass bei einer ordnungsgemäßen Aufführung alles verschwinden sollte - Schauspielerei, Regie, Design, sogar das Schreiben - und allein die Absicht des Autors bleiben sollte. Fatal ist die Annahme, dass die Interpretation auf einer Ebene mit der Schöpfung des Stücks steht.

Natürlich ist Ihre Lektüre eines Stücks auch eine Meinung, eine Interpretation, aber Sie haben weniger Hände und weniger Verstand zu beseitigen, um sich mit dem Autor auseinanderzusetzen. Kehlmanns „Vier Stücke“, ohne in weitere Details gehen zu wollen, sind ein großes Vergnügen. Sein oben erwähnter Weltbestseller hieß übrigens „Die Vermessung der Welt.“

Sönke C. Weiss

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