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Reden ist silber...Schreiben ist gold

18.08.2020 Ob als Amateur oder als Profi

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Seit 1994 fotografiere ich professionell. Zunächst für Tages- und Wochenzeitungen wie Magazine. Damals noch analog. Später folgten eigene Ausstellungen und Verkäufe an Sammler.

Ebenfalls analog, heute jedoch nur noch digital, obwohl ich meine alte Leica M6 schon vermisse. Fakt ist: Wurden 2008 noch knapp 120 Millionen Digitalkameras weltweit verkauft, waren es 2017 nur noch 25 Millionen.

Schon längst hat die Smartphone-Kamera die Kompaktkamera ersetzt. Auch ich entwickle mehr und mehr eine Affinität für das iPhone als Werkzeug meines Vertrauens.

Insbesondere das iPhone 11 schätze ich sehr und habe es bereits im „Feld“ ausprobiert. Mein Urteil: Ob als Amateur oder als Profi, die Bildqualität dieses Mobiltelefons kann vielleicht (noch) nicht Schritt mit großen Kameras halten, doch genügt sie meist vollkommen.

Besonders in der Straßenfotografie, wo man möglichst unsichtbar sein will. Dazu kommt, dass sich die Fotos sofort auf dem iPhone bearbeiten, verwalten und teilen lassen.

Doch wie bei jedem elektronischen Gerät bedarf es auch hier einiger Übung und Zeit. Das Handbuch „iPhone 11 & 11 Pro“ von Markus Schelhorn - kürzlich für 22,90 Euro im dpunkt.verlag (www.dpunkt.de) erschienen - ist insbesondere für Einsteiger ein wirklich empfehlenswerter Lehrer.

Der mit den technischen Grundlagen beginnt, dann praxisnah, leicht verständlich und mit vielen visuellen Beispielen erklärt, wie man mit einem iPhone wirklich dufte Landschaften, Panoramas und Portraits fotografiert; auch die Makro- und insbesondere spannende Nachtfotografie kommen nicht zu kurz.

Auf 150 Seiten vermittelt „iPhone 11 & 11 Pro“ die Freude am kreativen Fotografieren und das Entdecken von Neuem, ohne dafür ein Technikexperte sein zu müssen, das übernimmt der Autor, der sich seit über 20 Jahren im IT-Journalismus unterwegs ist und weiß, wie man für ein Publikum schreibt, das nicht vom Fach ist, aber fachgerecht arbeiten will. Ein Muß für jeden iPhone-Fotografen.

Sönke C. Weiss

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17.08.2020 Benediction - Kostbare Tage

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Es geht um Liebe, Weisheit und Trost. Auch Kent Harufs Roman „Benediction“, bereits 2013 in den USA erschienen, und jetzt in der deutschen Fassung unter dem Titel „Kostbare Tage“ bei Diogenes (www.diogenes.ch) erhältlich, spielt in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado:

Es ist der letzte Sommer für Dad Lewis, der zu seinem Sohn Frank keinen Kontakt mehr hat und dessen Tochter Lorraine ihren Vater nur aus Pflichtgefühl besucht. Die Tage vergehen ruhig.

Dad Lewis hängt zumeist seinen Erinnerungen nach und spricht mit den Toten wie den Lebendigen. Denn seine Tage sind gezählt, vermutlich wie die des Autoren beim Schreiben des Buches, der 2014 nach langer Krankheit verstarb.

„Kostbare Tage“ - Benediction, auf deutsch Segen, passt besser zur Story - ist ein ruhiges und sehr wohl erzähltes Buch, das einen in eine Stadt mitnimmt, die es zwar nicht gibt, aber irgendwie doch überall auf der Welt.

Ein wenig wie Thornton Wilders „Unsere kleine Stadt.“ Kent Haruf war einer der wirklich großen amerikanischen Schriftsteller, der zutiefst berührt.

„Kostbare Tage“ hat 345 Seiten und kostet 24 Euro. Rye Curtis, der noch in seinen 20er Jahren ist, befindet sich auf dem besten Weg, eine ebenfalls große amerikanische Stimme zu werden.

Sein Debütroman „Cloris“, der bei C.H. Beck (www.chbeck.de) erschienen ist, 351 Seiten hat und 24 Euro kostet, ist in der Tat makellos.

Nachdem sie auf wundersame Weise einen Flugzeugabsturz überlebt hat, muss sich die 72-jährige Texanerin Cloris durch die unbarmherzige Wildnis der Bitterroot Mountains im Norden der USA schlagen.

Im zweiten Plot des Romans geht es um die Rangerin Debra, deren Ex-Mann mit drei Frauen in drei anderen Bundesstaaten verheiratet war und die ihre Tage nur mit viel Merlot übersteht.

Curtis’ Figuren kämpfen sich in dieser ungewöhnlichen Abenteuergeschichte mit Lebensklugheit und Mut durch ihre eigenen Wildnisse und sehen am Ende mit einem neuen Blick auf ihr altes wie neugeborenes Leben. Ein ganz famoser Roman. Chapeau!

Sönke C. Weiss

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14.08.2020 Neues Buch - Ich fühl’s nicht

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Liv Strömquist, 1978 in Lund, Schweden, geboren, ist eine der einflußreichsten feministischen Comiczeichnerinnen unserer Zeit.

Das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe, heißt „Der Ursprung der Welt“ und befaßt sich mit dem, was als „das weibliche Geschlechtsorgan“ bezeichnet wird.

Strömquist analysiert die historische Konstruktion der Vulva und ist dabei nicht nur informativ, sondern auch verdammt lustig.

Eine Kulturgeschichte eines Organs sozusagen, das schon Gustave Courbet als „Ursprung der Welt“ bezeichnete. Ihr neues Buch „Ich fühl’s nicht“ ist ein Plädoyer für eine von den Zwängen der Konsumgesellschaft befreite Liebe.

So nimmt sie sich zum Beispiel den US-Schauspieler Leonardo DiCaprio vor, der in den zurückliegenden Jahren zahllose Beziehungen zu Supermodels hatte, woraus aber nie eine Liebesbeziehung wurde.

Was läuft da bis heute schief im Hause DiCaprio? Die Autorin entmystifiziert unsere Sexualität, rechnet immer wieder mit dem nach wie vor wohl kultivierten Patriarchat ab, tut dies aber  auf eine absolut coole Art und Weise.

Die studierte Politikwissenschaftlerin ist eine Künstlerin mit Mission, deren Gesellschaftskritik auf Fakten beruht und die mit einer spürbaren Freude an Sprachwitz und Ironie ihre ausdrucksstarken Zeichnungen komplimentiert.

In Deutschland erscheinen Strömquists Bücher im avant-verlag (www.avant-verlag.de). „Der Ursprung der Welt“ hat 140 Seiten und kostet 19,95 Euro,

„Ich fühl’s nicht“ ist 176 Seiten stark und für 20 Euro zu haben. Beide Bücher empfehle ich uneingeschränkt. Auch und insbesondere Männern.

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14.08.2020 ein treuer Bewunderer Werner Herzogs

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Wilhelm Ernst Wenders, besser bekannt als Wim Wenders, wurde am 14. August 1945 in Düsseldorf geboren und feiert somit seinen nunmehr 75. Geburtstag. Weltbekannt wurde der Regisseur mit Filmen wie „Paris, Texas“ (1984),

„Der Himmel über Berlin“ (1987) und „Buena Vista Social Club“ (1999), um nur einige seiner Arbeiten zu nennen. Aber um ehrlich zu sein, in Sachen Film bin ich Herzogianer, also ein treuer Bewunderer Werner Herzogs.

Andererseits liebe ich Wim Wenders‘ Fotoarbeiten, wie zum Beispiel den Band „Wim Wenders: Sofort Bilder - 403 Polaroids und ihre Geschichten dazu“, der eine illustrierte Autobiographie seiner frühen Jahre ist und wunderbar zu diesem Ehrentag passt.

Obwohl der Band eigentlich Weltmensch heißen müßte, denn die 403 Bilder sind mit 36 kleinen Geschichten zu einem bunten Strauß globaler Erinnerungen gebunden, in denen Wenders das Lebensgefühl der 1960er, 1970er und 1980er Jahre beschwört.

USA, Japan, Island, die Schweiz, Frankreich: mal poetisch, mal humorvoll, mal lakonisch - aber immer liebevoll erzählt er von der Aufbruchsstimmung im deutschen Film, von seinen Dreharbeiten, dem diskreten Charme des deutschen Provinzkinos und seinen berühmten Freunden wie Peter Handke, Sam Shepard, Annie Liebovitz, etc.

Wenders sortiert seine photographischen „Notizen“, wie er sie nennt, in diesem Buch nicht thematisch, sondern nach Geschichten, seinen eigenen Erzählungen aus einem Leben, das bis heute geprägt ist von Heiterkeit, Abenteuerlust und Neugier.

„Wim Wenders: Sofort Bilder“ ist bei bei Schirmer/Mosel (www.schirmer-mosel.com) erschienen, hat 320 Seiten und kostet 19,80 Euro. Ein wirklich zeitloses Buch. Wie der Künstler selbst. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Wenders.

Sönke C. Weiss

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13.08.2020 Buch über Donald Trump

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Grausamkeit. Inkompetenz. Gleichgültigkeit. Narzissmus. Scheinwelt. Monstrosität. Toxisch. Das sind nur einige der immer wiederkehrenden Vokabeln in Mary L. Trumps Buch „Zu viel und nie genug:

Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf“ über ihren Onkel Donald Trump, den derzeitigen US-Präsidenten, das jüngst bei Heyne (www.randomhouse.de) für 22 Euro erschienen ist.

Die Autorin, eine promovierte klinische Psychologin, schildert präzise, wie ihr Onkel in einer Atmosphäre heranwuchs, die ihn für sein Leben zeichnete und ihn schlussendlich zu einer Bedrohung für die ganze Welt machte. Sie schreibt:

„All das ist das Resultat davon, dass man Donald fortwährend hat durchgehen lassen und er nicht nur für seine Misserfolge, sondern auch für seine Verfehlungen belohnt wurde - gegen die Tradition, gegen den Anstand, gegen das Gesetz und gegen seine Mitmenschen.“

Mary L. Trumps Insiderperspektive gibt uns einen intimen wie erschreckenden Einblick in den mächtigsten wie unberechenbarsten Mann der Welt, der je an der Spitze einer Weltmacht stand, wogegen Reagan, Nixon, Bush Senior und Junior wahren Humanisten ähneln.

Vor dem Hintergrund, dass wir uns wohl auf vier weitere Jahre Trump einstellen müssen, sollte diese bissige wie ehrlich anmutende Biografie zur Pflichtlektüre eines jeden Demokraten werden; ein Lehrstück, wie man keine Politik machen sollte, außer im Reality-TV. Packende wie erschütternde 288 Seiten.

Sönke C. Weiss

Das sollte man aber auch Wissen

Mary L. Trump ist eine registrierte Anhängerin der Demokratischen Partei und unterstützte Hillary Clinton bei der US-Präsidentschaftswahl 2016. Nach einem Erbschaftsstreit mit ihrem Onkel Donald Trump im Jahr 2000 ist ihr Verhältnis zueinander zerrüttet.

Mit ihrer Familie lebte sie die ersten Jahre in einem „heruntergekommenen“ Apartment im Stadtviertel Jamaica in Queens, ganz im Gegenteil zu Donald Trump der mit goldenen Löffeln aufwuchs.

Der Großvater von Mary L. Trump, hat von seinem ältesten Sohn, ihrem Vater, Fred Trump dem Bruder von Donald Trump, ein schwer Alkohliker nicht viel gehalten. Oh ja, der Stachel sitzt tief.

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08.08.2020 Demonstranten sind keine „Covidioten“

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„Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“?

zuerst zitiere ich mal die Berliner Zeitung vom 1. August 2020. Da heißt es, und so haben es auch alle anderen Medien am Vormittag geschrieben: "Den Beginn machte ein Aufzug von Corona-Gegnern am Samstagvormittag Unter den Linden sowie in der Friedrichstraße.

Laut Polizeisprecherin waren dafür 1.000 Teilnehmer angemeldet worden – am Ende waren es in der Spitze 17.000. Auf dem Boulevard vor dem Pariser Platz standen die Demonstranten dicht gedrängt.

So, und diese Demonstranten wurden daran gehindert auf die Straße des 17. Juni zu kommen. Dort vor dem Brandenburger Tor war die größte Ansammlung der Demonstranten. Hier waren es nach Darstellung der Medien 20.000. So weit so gut. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Zahlen der Medien, als auch die des Veranstalters nicht stimmen.

Nur eines ist erstaunlich, es war die Polizei und nicht der Veranstalter, die zunächst mehrere Meldungen von 1.3 Millionen Demonstranten in Berlin verbreitete. Auf Facebook und Twitter verbreitete sich das wie ein Lauffeuer. Und dann, auf einmal waren diese Meldungen weg, und es wurde nur noch von 20.000 Demonstranten geschrieben und gesprochen.

Nun meldete sich der Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU)

Die Äußerungen von Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz (CDU) über die Corona-Demonstration am vergangenen Samstag in Berlin haben Kritik ausgelöst. Vaatz hatte der Berliner Polizei in einem Gastbeitrag für die Plattform „Tichys Einblick“ vorgeworfen, die Teilnehmerzahl der Kundgebung mit Methoden, die an die DDR erinnerten, kleingerechnet zu haben.

Zu Beginn seines Beitrages betonte Vaatz, dass er „die Festlegungen der Regierungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für richtig und ihre Befolgung für erforderlich“ halte. Er attestierte der Regierung und den Medien aber einen Glaubwürdigkeitsverfall und kritisierte unter anderem:

In ein Wespennest gestochen?

„Die dreiste Kleinrechnung der Teilnehmerzahlen der Demo vom 1. August durch die Berliner Polizei entspricht in etwa dem Geschwätz von der, Zusammenrottung einiger weniger Rowdys‘, mit der die DDR-Medien anfangs die Demonstrationen im Herbst 1989 kleinrechneten.“ Die Organisatoren der Demo in Berlin sprachen von bis zu 1,3 Millionen Teilnehmern.

Jetzt hagelte von allen Seiten Kritik

Der politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, warf Vaatz vor, „den demokratischen Rechtsstaat und die freie Presse“ zu denunzieren. „Die CDU muss diesem Mist widersprechen“, schrieb er auf Twitter.

Liebe Freunde, eine "freie Presse" gibt es schon lange nicht mehr, vielleicht hat es sie sogar nie gegeben.

Vaatz habe „in ein Wespennest gestochen“. meint der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Fischer, und verteidigte Arnold Vaatz.

Noch dümmer gehts nimmer

Den wohl dümmsten Kommentar zur Corona-Demo in Berlin lieferte der ehemalige Herausgeber der „Welt“-Gruppe Thomas Schmid, "Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat sich bei einer Demonstration eine Minderheit so vehement gegen die Mehrheitsgesellschaft gestellt wie bei den Corona-Protesten in Berlin.

Da ging ein aggressiver Wohlstandsegoismus auf die Straße". Er meinte im vollen Ernst, " Das waren Erben der spätbundesrepublikanischen Prosecco-Kultur, der Spaßgesellschaft. Es hatte sich in Berlin der Wohlstandsegoismus, ja Wohlstandschauvinismus auf die Straße begeben."

Unverschämtheit der Woche

„Das kann man sich kaum ausdenken: Der Vorsitzende der ‚AG Migration und Vielfalt‘ der SPD Aziz Bozkurt fordert die Abschiebung der Demonstranten von Berlin. Auf twitter schreibt der türkischstämmige Politiker zu einem Artkel über die Demonstration der Corona-Maßnahmen-Kritiker in Berlin: ‚Ich fordere: härtere Gesetze, um diese Lebensgefährder abschieben zu können. Egal wie. Egal wohin. Einfach raus aus meinem Land.“

Nun, es soll sich jeder selber seinen Reim drauf machen, welsche Zahlen nun stimmen. Sicher ist nur, der Politik kann es nicht Recht sein, wenn es tatsächlich über eine Millionen waren.

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31.07.2020 wie schnell ein Weltbild zerstört ist

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Lydia Mischkulnig ist eine der spannendsten und unkonventionellsten literarischen Stimmen Österreichs. „Die Richterin“ heißt ihr jüngster Roman, ist bei Haymon (www.haymonverlag.at) erschienen, hat 296 Seiten und kostet 22,90 Euro.

Es ist ein sprachgewaltiges Psychogramm, das Einsichten in die Welt einer Asylrichterin gibt: Täglich bestimmt Gabrielle über das Leben von AsylbewerberInnen. Aufgrund ihrer Urteile dürfen diese Menschen bleiben oder müssen gehen.

Doch sind es tatsächlich rational nachvollziehbare Gründe, auf denen Gabrielles Entscheidungen fußen, oder wirken dabei unbewußt auch persönliche Sympathien mit?

Als das Gerücht gestreut wird, jemand wolle sich an Gabrielle rächen, gerät ihr sonst so wohl organisiertes Leben aus den Fugen; als sie ihren Mann auch noch in ihren Kleidern erwischt, ist bald nichts mehr so, wie es einst war.

Lydia Mischkulnig ist eine bildstarke und präzise Beobachterin, die uns zeigt, wie schnell ein Weltbild zerstört ist, worum es unter anderem auch im neuen Roman der Schweizer Autorin Zora del Buono „Die Marschallin“ geht, die von ihrer Großmutter nicht nur den Vornamen, sondern auch ein Familienverhängnis geerbt hat, die alte Dame nämlich war in einen Raubmord verwickelt, was zwar viele Jahre her ist, nichtsdestotrotz Spuren bis in die Gegenwart hinterläßt:

Großmutter Zora folgt am Ende des Ersten Weltkriegs ihrem Mann nach Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen die Faschisten führen.

Zora ist herrisch, temperamentvoll und begabt und ja, fanatisch. Ihrem Weltbild müssen sich alle unterordnen, was die Familie bis heute beeinflusst. Zora del Buono erzählt eine Geschichte von Liebe, Kämpfen, des Hasses und des Verrats.

„Die Marschallin“ ist bei C.H. Beck (www.chbeck.de) erschienen, hat 382 lebenspralle Seiten, die uns ein Familienschicksal zeigen, das wir so schnell nicht vergessen werden. Ein großes Epos eben. Für gerechtfertigte 24 Euro.

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27.07.2020 Geheime Quellen und Connaisseur

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Ist schon fast unglaublich, dass Commissario Brunetti zum bereits neunundzwanzigsten Mal in Venedig ermittelt. „Geheime Quellen“ heißt Donna Leons neuer Roman, der auf 336 Seiten unter anderem die Verschmutzung des Wassers zum Thema hat, beziehungsweise, wie die einstige Wahlheimat der Autorin bis zum Ausbruch von Corona immer mehr unter dem Massentourismus gelitten hat, so dass sie in die Schweizer Berge gezogen ist, statt die Zerstörung Venedigs weiter zu beobachten.

Ihr Alter Ego aber, Commissario Brunetti, hat keine Wahl, als dort zu bleiben und das Böse zu bekämpfen: Es ist ein heißer Sommer, die Hitze ist kaum zu ertragen.

Als Vittorio Fadalto auf dem Rückweg von der Arbeit mit dem Motorrad tödlich verunglückt, glauben zunächst alle an einen Unfall.

Bis Brunetti sich in einem tiefen Sumpf von Umweltsünden, Korruption und Geldgier wiederfindet, in dem auch Gewalt ein Zahlungsmittel ist, wo man für ein Glas eklige Brühe schon mal einen Euro bezahlen muß, wo aus den Wasserhähnen ein tödliches Gemisch sprudelt.

„Geheime Quellen“ ist hochaktuell und spannend, ohne dass wir den Charme des Commissarios vermissen müssen, dessen Schöngeist an eine Zukunft der Lagunenstadt glauben läßt.

Ein gleichwohl spannender Krimi ist der nunmehr zwölfte Fall des französischen Chef de police Bruno Courrèges von Martin Walker. In „Connaisseur“ - auf Deutsch Kenner - wird eine junge Frau tot im Brunnen eines Lustschlösschens gefunden.

Wollte sie eine Katze vorm Ertrinken retten, oder war es Mord? Bruno, Gourmet und begehrter Junggeselle, ermittelt. Und das, obwohl er sich eigentlich als Neumitglied einer Wein- und Trüffelgilde Foie gras und anderen Köstlichkeiten widmen wollte.

Eine Spur führt ihn schließlich zum Anwesen einer berühmten Tänzerin und Widerstandsheldin: Josephine Baker. Auch hier gelingt es dem Autoren, Politisches in eine spannende Geschichte zu betten, die dazu noch an einem Ort spielt, der zum Träumen einlädt.

Périgord, das gastronomische Herz Frankreichs, wo der Verfasser dieses Textes 1999 übrigens geheiratet hat und wo es schöner eigentlich kaum sein kann, ist die Kulisse der Bruno-Romane.

„Connaisseur“ hat 437 Seiten und macht richtig Lust auf diesen Landstrich und auf die dortige Küche. Schließlich muß es ja nicht immer Kaviar sein. Beide Bücher sind bei Diogenes (www.diogenes.ch) erschienen und kosten je 24 Euro.

Sönke C. Weiss

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25.07.2020 Zeichen aus der rechtsextremen Szene

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Völkische Symbole am Ärmel – Uniformierte junge Mädchen wandern durch Sachsen meldet "Welt-Online". Neueste Bilder zeigen eine Gruppe junger Frauen vor der Altbaukulisse auf dem Dresdner Neumarkt. Offenbar musizieren die jungen Mädchen, sie halten Liederbücher oder Instrumente in den Händen.

Die jugendlich wirkenden Frauen tragen weinrote Matrosenhemden und knielange blaue Röcke. Manche haben ihre Haare mit Tüchern bedeckt, sie tragen Wanderschuhe oder Sandalen. Auffällig sind die schwarzen Embleme mit weißer Fahne und einer stilisierten Sonne darauf, die auf ihren Ärmeln prangen.

Laut der Sprecherin des Vereins Dresden Nazifrei, Annalena Schmidt, handelt es sich bei diesem Symbol um die „schwarze Fahne“, das Symbol des Freibunds.

Die Jugendorganisation sieht sich in der Tradition von völkischen Jugendbünden in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und wird der Strömung der Neuen Rechten zugeordnet.

Bereits am Dienstag waren in der Nähe der sächsischen Stadt Rathen im Elbsandsteingebirge Fotos von uniformierten Mädchen gemacht worden.

Die jungen Frauen auf diesem Foto tragen lange schwarze Röcke und beigefarbene Blusen. Auf ihren Ärmeln ist der Wotansknoten zu sehen – ein germanisches Zeichen aus der rechtsextremen Szene. Laut Schmidt ist die Gruppe in der Sächsischen Schweiz bisher noch nicht in Erscheinung getreten und kann daher keiner konkreten Organisation zugeordnet werden.

Was an dem Wotansknoten nun "Rechts"sein soll, hat sich mir aber noch nicht erschlossen. Bei Wikipedia steht dazu: "Der oder die Valknut, deutsch auch Wotansknoten, ist ein germanisches Symbol, bestehend aus entweder drei ineinander verschlungenen Dreiecken oder einem in sich verknoteten Polygon mit sechs Ecken, ähnlich der Triqueta.

Die Herkunft des Wortes valknute ist ungewiss; es ist zusammengesetzt aus valr ‚im Kampf erschlagener Krieger‘ und knut ‚Knoten‘." Von einer "Rechten-Symbolik" ist bei Wikipedia nichts zu lesen.

Der Sprecherin von Dresden Nazifrei Schmidt zeigt sich alarmiert über die Bilder. Zwar handle es sich bei rechtsradikalen Jugendbünden nicht um neue Phänomene.

Oftmals seien die Kinder und Jugendlichen, die dort Mitglied sind, schon von klein auf in völkisch-rechtsradikalen Familien aufgewachsen und erzogen worden, schrieb Schmidt WELT. „Für uns neu und alarmierend war das so offene Auftreten in Dresden in der Altstadt oder auch am Tag zuvor, als die Gruppe durch die Neustadt lief.“

Wie der Sender RTL am Donnerstag berichtete, hat die Dresdner Polizei angekündigt, dass sich das Dezernat Staatsschutz um den Fall kümmern werde.

Fazit: Junge Mädels in schönen Röcken und Blusen, die mit Liederbüchern und Instrumenten musizierend auftreten sind Nazis, und sollen von der Polizei und dem Staatsschutz verfolgt werden. PS: Auch Wanderschuhe und Sandalen sind in Deutschland sehr verdächtig.

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25.07.2020 Kunst hassen - eine enttäuschte Liebe

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Lassen Sie mich kurz die heilige Dreifaltigkeit des Kunstbetriebs auflisten:

Zum einen gibt es da den Galeristen, der entscheidet, was dem Zeitgeist entspricht, daneben den Kunstredakteur, der einen wohl gemeinten Artikel zu diesem Künstler des Zeitgeistes verfasst und natürlich ein dafür geeignetes Magazin, das diesen Bericht an ein Publikum transportiert, welches darauf vertraut, hier nun wahre Kunst präsentiert zu bekommen, was natürlich meist Unsinn ist, denn was ihm anvertraut wird, ist oftmals nur die Wahrnehmung des Kunstbetriebs, der sich selbst über Wasser hält, obwohl ihm dieses, gerade in Zeiten von Corona, bis zum Hals steht.

In ihrem Buch „Kunst hassen - eine enttäuschte Liebe“, gerade in einer Neuauflage bei Tropen (www.tropen.de) für wohl investierte acht Euro erschienen, rechnet die Journalistin Nicole Zepter auf 135 Seiten mit diesem Zirkus ab.

„Wer Kunst liebt, darf Kunst hassen,“ schreibt sie. Alles andere sei verlogen, die Kunst stecke fest in einem tiefen sakralen Horror musealer Architektur.

"Warum müssen wir in Museen schweigen? Warum müssen wir – weil das Objekt im Museum steht – ein paar kaputte Stangen, die aneinander geschraubt sind, bewundern? Warum ist jeder zweite Künstler, „der beste seiner Generation“? Und wer bestimmt das eigentlich?"

Selbstverständlich kokettiert die Autorin mit dem Begriff „Hass“. Eigentlich liebt sie die Kunst. Es ist der Kunstbetrieb, den sie verachtet, das System, von dem insbesondere der Künstler abhängig ist, der den Betrachter für dumm erklärt, weil ihm die heilige Dreifaltigkeit zeigen will, was er zu denken, zu fühlen hat.

Das System braucht die Kontrolle und wird sie bis aufs Blut verteidigen, ähnlich wie ein Putin oder Trump, fällt mir dazu ein. Kann es sein, dass der Kunstbetrieb gar neofaschistisch ist?

Kunst hassen“ ist nicht für Spezialisten, sondern für eine breite Leserschaft geschrieben, es bietet keine Lösungen, sondern hält der Kunstszene lediglich dem Spiegel vor und ist ein Plädoyer für die wahre Kunst, die freier ist als jedes Museum, in das sie gezwängt, wo sie verwaltet und eingeordnet wird.

Ein wirklich famosen Buch, das Pflichtlektüre an jeder Kunsthochschule sein sollte.

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