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24.09.2019 Wer schützt unsere Konzerne?

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Aus aktuellem Anlass noch einmal unseren Artikel vom 20. Juni 2018. Heute hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen die aktuellen VW-Funktionäre Herbert Diess und Hans Dieter Pötsch sowie den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Martin Winterkorn, erhoben.

20. Juni 2018: Mit trockenen Worten gab die Staatsanwaltschaft München II bekannt, dass Audi-Chef Rupert Stadler sein Büro mit einer Gefängniszelle eintauschen muss. Als Haftgrund wird Verdunkelungsgefahr genannt. Seit einer Woche wird Stadler als Beschuldigter geführt. Aber Hallo, Verdunklungsgefahr? Was soll der denn noch verdunkeln?

Schande über Deutschlands Staatsanwälte

Vorgeworfen wird ihm "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung" im Zusammenhang mit dem "Inverkehrbringen von mit manipulativer Abgassteuerungssoftware ausgestatteten Diesel-Kraftfahrzeugen auf dem europäischen Markt.

"Zusammen mit Beamten des Landeskriminalamtes vollstreckten die Staatsanwälte den Haftbefehl am Montagmorgen in Ingolstadt.

Ein Machtwort der Regierung?

Das Pikante daran, noch bis vor vier Wochen, hat die gleiche Staatsanwaltschaft noch nicht einmal einen Anfangsverdacht gegen Audi-Chef Rupert Stadler gesehen. Da fragt man sich, woher kommt der Sinneswandel oder der Auftrag?

Oder gibt es da einen anderen Zusammenhang? Am Montag, den 11.06.2018, also vor einer Woche, besuchte Daimlerchef Dieter Zetsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin, um die verdächtig hohen Abgaswerte etlicher Mercedes-Modelle zu erklären.

Scheuer habe Zetsche eingeladen, heißt es in der offiziellen Verlautbarung. Man könnte auch sagen: Zetsche wurde einbestellt - und durch Scheuers anschließend angeordneten Rückruf Hunderttausender Fahrzeuge öffentlich abgewatscht, schrieb der "Spiegel". Ist Rupert Stadler nur ein Bauernopfer?, frage ich mich.

Michael Kröger schrieb: Der Verkehrsminister täte gut daran, diplomatischer vorzugehen, sonst spielt er Donald Trump in die Hände.

Bekannt, gefürchtet und berüchtigt, die Jäger aus München

Die Staatsanwaltschaft München hat schon auf viele Top-Manager von Deutschland die Jagd eröffnet. Darunter auf Siemens, MAN, Ferrostaal und die BayernLB. 2006 eröffneten die Münchner Jäger die Jagd auf Siemens Top Manager. Der Vorwurf lautete, Siemens habe mit einem System der schwarzen Kassen Aufträge erkauft.

Wer schützt unsere Konzerne?

Dass die US-Konzerne, wie General Electrics und die Franzosen, also die direkten Konkurrenten von Siemens, Bestechungsgelder zur weltweiten Aufragsbeschaffung einsetzen, hat für die bemitleidenswerte Staatsanwaltschaft in München keine Rolle gespielt und auch nicht für den Bundesgerichtshof. Schwarze Kassen zur Auftragsbeschaffung steht eben nur den ausländischen Konzernen zu.

Der Deutsche Saubermann

Hauptsache man kann den deutschen Saubermann spielen und dabei auch noch nachhaltig der deutschen Wirtschaft schaden. Glaubt irgendein Depp, dass es ein US-Staatsanwalt wagen würde, sich mit den US-Konzernen-Managern anzulegen, um ein US-Unternehmen zu schädigen? Das machen nur die Deutschen.

Niemals würde das geschehen. Für die Amerikaner gilt der Grundsatz, jeder Dollar der in einer US-Kasse landet, ist ein guter Dollar, und die US-Manager verrichten einen gute Job. Ein Us-Staatsanwalt würde wegen Landes und Hochverrat wohl selber im Knast landen.

Ralf-Dieter Brunowsky stellt die richtige Frage: "Will man jetzt alle Vorstände von Daimler, VW, Audi, Porsche und BMW in Untersuchungshaft bringen? Will Deutschland sich den neben der Telekommunikation wichtigsten industriellen Ast absägen, auf dem es sitzt?"

Ganz am Rande bemerkt:

Siemens hat in den vergangenen Jahren sich von einer ganzen Reihe an Industriebeteiligungen und Sparten getrennt, für die man nicht mehr genug Aufträge bekommen hatte. Das wird die Ausländer gefreut haben, auf die deutsche Staatsanwaltschaft ist eben Verlaß.

Die Deutschen Manager machen nach Lesart der deutschen Justiz aber keinen guten Job, wenn sie Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen und erhalten. Wenn die deutsche Schlüsselindustrie in die Knie geht und die ersten Massenentlassungen anstehen, können sich die Arbeitnehmer in München bedanken.

Das Recht des Stärkeren

Mal eine Frage, was soll das dumme Gerede vom "Dieselbetrug"? Die Franzosen und Amerikaner produzieren und verkaufen die größten Dreckschleudern der Welt. Bei Ford und Fiat-Chrysler in Amerika kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus und trinkt darauf ein gutes Gläschen mit einem besondern Dank an die Münchener Staatsanwaltschaft.

Michael Kröger: "Ist es also sinnvoll, Industriekonzerne öffentlich zu desavouieren, und damit Leuten wie Donald Trump weitere Argumente für sein nationalistisches Heimatschutzprogramm zu liefern? Denn der US-Präsident wird, wie seine Vorgänger in der Vergangenheit auch, diese Steilvorlage nutzen.

Gegen Volkswagen zum Beispiel trieb das US-Justizministerium noch unter Barack Obama die Ermittlungen mit Hochdruck voran". Na ja, so weit können die in München nicht denken.

Und weiter: Im Wettbewerb von Nationalstaaten finden die Grundprinzipien unserer gesetzlichen Regelwerke allerdings nur eingeschränkt Anwendung. Hier gilt das Eigeninteresse als oberste Triebfeder des Handelns. Und nicht erst seit Donald Trump das Recht des Stärkeren. Das kann man beklagen, doch an der Tatsache führt kein Weg vorbei.

Was hat Seehofer noch Ende letzen Jahres gesagt: Ein Verbot von Verbrennungsmotoren zerstört unseren Wohlstand. Genau, nur die Deutsche Justiz weiß das nicht.

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24.09.2019 Pommesgabelaktion aus Plastik

GFDK - Reden ist Silber - Eva Maria Horstick

Eva Maria Horstick hat für die GFDK ja schon so einige Ausstellungen besucht und besprochen, nur dieses mal war sie ein wenig überrascht, oder besser gesagt irritiert.

Ich habe mich wahrlich erschrocken, dass ein Künstler sich es erlaubt im "HEUTE" eine Pommesgabel Installation aus Plastik zu machen, aber nicht aus Naturgesichtspunkten, sondern aus seiner künstlerischen Sicht. Das hat sich mir nicht erschlossen.

Pommesgabelaktion aus Plastik im Dortmunder U

Aber ohne sich dabei Gedanken zum Thema Plastik zu machen. Offensichtlich, denn das war nicht sein Ansinnen. Gerade war noch in Dortmund eine DEMO für die Natur und dann das U mit der Plastik-Installation? Das fand ich ziemlich ausserirdisch.

„Mythos Grill“

Auch wenn die Idee gut erscheint, ich fand es trotzdem sehr befremdlich. Das Thema „Mythos Grill“ von Matthias Schamp – hat es in sich. An den Fotos kann man  erkennen, dass dort Menschen davor sitzen und Pommesgabeln in Farben zu sortieren haben.

Das machen sie auch und lassen sich dabei filmen. Auf die Frage an den Künstler, was das soll, sagte er daraus entsteht ein Video, welches dann bei Ausstellungen gezeigt wird.

Er hat es nicht mit dem Thema Nachhaltigkeit oder sonstwie verbunden, es geht um Pommesgabeln, die so oder so schon verboten sind in den meissten Ländern ,aber in Dortmund. im U noch Verwendung finden in einer  Präsentation, wo es  darum geht, die Gabeln nach Farben zu sortieren.

Das ist für mich eher Kindergartenniveau, eine Idee, aber sicher nicht mit Plastikgabeln. Auf der Rückseite des U war eine Mega Videoinstallation, die wirklich wunderbar ausschaute. Die Idee zur Installation kam offenbar von Studenten. Ebenso befanden sich andere Aktionen im U, die sicher auch sehr spannend waren. Dass Kunst in Dortmund angekommen ist, mag ich nicht mehr bezweifeln.

Schöne Projekte in Dortmund , die sich durchaus mit der grossen Welt da draussen messen können. Allerdings die Pommesgabelaktion in der Jetztzeit , gerade wo wir im Plastik ersticken,  ist für mich nicht nachvollziehbar.

So nett es auch ausschaut und Kinder  und Erwachsene zum Mitmachen anregen soll bleibt doch die Frage nach dem Sinn einer solchen Aktion im Jahr 2019.

Museumsdirektoren und Verantwortliche sollten sich einfach mal Gedanken machen wie derartiges wirken könnte im öffentlichen RAUM.

Da wird eine Pommesgabel aus Plastik zum Pinsel erkoren. Hier erhält Dortmund , das U , sicher den Nachhaltigkeitspreis. Ironie aus .

Ansonsten war das Programm beeindruckend und auch gut besucht.

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20.09.2019 einmal im leben Afrika besuchen

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Wenn ich bereits als Kind irgendetwas wußte, so wußte ich, dass ich am falschen Ort in die falsche Familie geboren wurde. Mit meinem Traum nach Afrika zu reisen, konnten meine Eltern ebenso wenig etwas anfangen, wie mit meinem Wunsch, mein Leben der Kunst zu widmen.

Eine Liebeserklärung an Afrika

Aber ich habe es gemacht, bin nach Afrika gereist, zum ersten Mal 1998 auf Einladung der Welthungerhilfe, habe später dort viele Jahre gelebt, knapp 40 afrikanische Länder bereist, Bücher über den Kontinent geschrieben, Filme und Fotoausstellungen gemacht, die wunderbarsten Menschen kennengelernt und bin momentan mal wieder in Uganda, wo ich vor einigen Jahren mein Theaterstück „Butterflies of Uganda“ am Nationaltheater in Kampala, der Hauptstadt, inszeniert habe.

Mein Freund Henning Mankell, den ich aus Mosambik kannte, und ich wollten das Stück, es behandelt das Trauma und die Gegenwart von Kindersoldaten, auf Afrikatour bringen, doch daraus wurde leider nichts mehr, nachdem Henning 2015 viel zu früh verstarb.

Kein Blick für die Schönheiten des afrikanischen Kontinents

„Afrika ist voller Schmetterlinge, leider sehen das die Menschen in Europa nicht“, sagte er zu mir, als wir zuletzt über Skype telefonierten. Wir sprachen über den Verrat der Massenmedien, die uns Halbwahrheiten erzählen, die uns den Vorwand geben, auf Afrika zu pfeifen; wie die Kunst, die vermutlich letzte Domäne, in der künstliche Grenzen wie Rasse und Herkunft keine Bedeutung haben.

Nun kann man nicht von allen Menschen erwarten, dass sie Afrika so intensiv bereisen, wie es Mankell und ich tun, beziehungsweise getan haben.

Nichtsdestotrotz kann ich es jedem empfehlen, mindestens einmal in seinem Leben Afrika zu besuchen, sei es zu einer Safari, einem Badeurlaub oder einfach nur um am Viktoriasee die atemberaubende Schönheit dieses Kontinents zu bewundern.

Denn was einem hier begegnet ist zu groß, um es sich durch die Medien klein-klein in Stückchen vorlegen zu lassen. Der europäische Winter wird sicher wieder lang. Vielleicht Zeit, ihn in Afrika zu verkürzen?

Einige Tipps:

Über www.booking.com buche ich seit Jahren sorgenfrei Unterkünfte in Afrika, die meist bis wenige Tage vor Anreise kostenlos stornierbar sind. In Kampala empfehle ich das Speke Hotel, am Viktoriasee das Victoria Royal Hotel. Beide helfen auch gerne bei der weiteren Reiseplanung. Apropos:

Dumont (www.dumontreise.de) hat eine Reise-Handbuch-Serie (24,99 Euro in Deutschland, 26,99 Euro in Österreich) zu Afrika: „Namibia“ von Dieter Losskarn ist eine wahre Entdeckungsreise ins Land der Herero, „Kenia/Tansania“ von Daniela Eiletz-Kaube, Steffi Kordy und Diana Schreiber führt von den Tierparadiesen Masai Mara und Serengeti auf den Kilimanjaro und zu den Traumstränden von Lamu und Sansibar;

„Das Südafrika Buch“ präsentiert die ganze Welt in einem Land: zwischen Atlantik und Indischem Ozean, Naturlandschaften, die ihresgleichen suchen - 39,95 Euro in Deutschland, 41,10 Euro in Österreich, erschienen im Kunth Verlag.

Und besonders empfehlen möchte ich „kapstadt & kapprovinz“, ebenfalls von Dieter Losskarn und bei Dumont erschienen. Ein überraschend anderer Reiseführer, mal mitten im Leben, mal im Nirgendwo, individuell, stylish und sehr umweltbewußt mit lesenswerten Geschichten und Porträts:

18,90 Euro in Deutschland, 20,40 Euro in Österreich. Ganz famos. Und wer über jedes Land Afrikas, immerhin 50, etwas lernen möchte, der sollte sich „Die Welt“ kaufen. Ein Reiseführer für wirklich alle Länder dieser Erde, erschienen bei Lonely Planet für 29,99 Euro (Deutschland) und 31,99 Euro (Österreich).

Mit diesem Buch hält man in der Tat die Welt in seinen Händen. 40 Jahre Reiseerfahrung sind hier eingeflossen. Ein ultimatives Nachschlagewerk. Hammer

Sönke C. Weiss

Sönke C. Weiss, ist ein international ausgezeichneter Journalist (u.a. Nominierung für den Pulitzer-Preis) und Buchautor, er hat mehrere Jahre lang in Afrika gelebt und bereist den Kontinent seit 1998.

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08.09.2019 Die Gier nach Gold im Regenwald

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als Sebastiao Salgado, der seine berufliche Karriere als Fotograf 1973 in Paris begann und für zahlreiche internationale Agenturen wie auch Magnum arbeitete, zum ersten Mal nach Serra Pelada kam, war er sprachlos.

Die Gier nach Gold im Regenwald

Vor ihm sah er ein riesiges Loch mit einem Durchmesser von vielleicht 200 Metern und fast genauso tief. In ihm ein Gewimmel von mehreren zehntausend Männern, kaum bekleidet.

Ungefähr die Hälfte von ihnen schleppte schwere Säcke über breite Holzleitern nach oben, während die anderen über schlammige Abhänge zurück in den Schlund der Grube rutschten. Natürlich wußte der Fotograf, was sie dort taten.

Sie suchten nach Gold

Und Salgado war zu dieser entlegenen Bergkuppe am Rande des Amazonas-Regenwaldes in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Pará gereist, um sie zu fotografieren: in schwarz-weiß. Das war 1986, und verschaffte ihm ein Ansehen, das er bis zu diesem Zeitpunkt in der Welt der Dokumentarfotografie nicht hatte.

Alle wichtigen Zeitschriften dieser Welt veröffentlichten das Serra-Pelada-Portfolio. Daraus entstanden ist nun ein Buch, das schlicht „Gold“ heißt, im Taschen-Verlag (www.taschen.com) erschienen ist und 50 Euro (CHF 70) kostet, was absolut gerechtfertigt ist bei dieser Qualität eines Fotobuches.

Die 208 Seiten zeigen ein ganz außergewöhnliches Werk, ein biblisches Epos, das nur ein Ausnahmefotograf so einfangen kann. Die Fotos haben eine Unmittelbarkeit, die der Betrachter noch immer, über 30 Jahre nachdem sie aufgenommen worden sind, als absolut zeitgenössisch erlebt und fesselt.

Heute ist die Goldmine geschlossen, aber Salgados Aufnahmen lassen das überwältigende Drama des Goldrausches wieder aufleben, dass die Gier nach Gold so leicht nicht zu stillen ist und es scheint, als stünde die Zeit in schwarz-weiß irgendwie still.

„Gold“ gibt es übrigens auch als Collector’s Edition von 1.000 signierten Exemplaren für 800 Euro und als Art Edition von 100 Exemplaren und einem signieren Print, Preis auf Nachfrage. Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt...

Sönke C. Weiss

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06.09.2019 heute mal wieder zwei schöne Bücher

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Dass Matthias Brandt ein bemerkenswerter Schauspieler ist, dem widerspricht sicher niemand; dass er darüber hinaus auch schreiben kann, hat der Sohn Willy Brandts - für unsere Leser aus Österreich und der Schweiz:

Willy Brandt war mal deutscher Bundeskanzler - bereits vor drei Jahren mit seinem Erzählband „Raumpatrouille“ bewiesen; jetzt ist sein erster Roman mit dem Titel „Blackbird“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, kostet 22 Euro, ist kurzweilige 275 Seiten lang und katapultiert den Leser zurück in die Zeit, als Bilitis ins Kino kam.

Wäre heute gar nicht mehr möglich mit MeToo, etc. - und dieser absolut schreckliche Song „A Horse with no Name“ alle Mädchenherzen höher schlugen ließ. Kurzer Teaser:

Es geht um den 15-jährigen Morten Schumacher, alias Motte, seinen besten Freund Bogi, der schwer erkrankt ist, ein Mädchen namens Jacqueline Schmiedebach, die sein Leben auf den Kopf stellt und all die Herausforderungen, die man so als Teenager zu bewältigen hat.

Und das reicht schon als Inhalt, auf den es eigentlich gar nicht ankommt, sondern auf die Atmosphäre und Authentizität, die der Autor uns ganz grandios aufs Papier zaubert. „Blackbird“ ist ganz großes Kino für die Phantasie und wird noch viele Generationen erfreuen. Apropos:

Schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos

Das tut der Kult-Autor Charles Bukowski, leider 1994 viel zu früh verstorben, schon seit Anfang der 70er Jahre, obwohl ihn die Universitätseliten bis heute nicht so schätzen, wie er geachtet werden sollte.

In dem neuen Gedichteband „Liebe“ - 252 Seiten, elf Euro, ebenfalls Kiepenheuer & Witsch - schreibt Bukowski schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos und voller Seele über die Liebe, die manchmal eine Zumutung ist und dann doch wieder das Leben ausmacht.

Ich zitiere: „wach sitze ich im Bett und lausche deinem Schnarchen,getroffen habe ich dich beim Warten auf den Bus,und jetzt bestaun ich deinen Rücken,leichenblass und gesprenkelt,mit Sommersprossen wie von Kindern,und die Lampe legt den unlösbaren Kummer dieser Welt auf deinem Schlaf ab.“

Also wem da nicht die Tränen kommen. Eines noch: Übersetzt hat die Gedichte, die über die Jahre in zahlreichen US-Publikationen erschienen waren, Jan Schönherr, der wirklich ein Gespür fürs amerikanische Englisch hat, sonst würde das Buch nicht so leben. Und das tut’s. Mit voller Wucht.

Sönke C. Weiss

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03.09.2019 Im Gruselkabinett deutscher Unternehmen

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Normalerweise schreibe ich nicht über Aufreger mit Bluthochdruckgarantie, die kriegt man morgens schon in der Tageszeitung mit geliefert; aber in dieser Kolumne will ich mal eine Ausnahme machen.

Wiebke Köhlers Buch „Schach der Dame“ versammelt Erfahrungsberichte von Führungsfrauen aller Hierarchien im Management und zeigt auf, wie sich diese im herrschenden Machtgefüge behaupten - oder auch nicht.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit plakativen Beispielen aus dem Gruselkabinett deutscher Unternehmen und zeigt auf, wie das System der Machtspiele funktioniert, die Regeln eben, die ähnlich wie beim Schach sind, deshalb auch der Name des Buches, das die Autorin frisch im Eigenverlag veröffentlicht hat.

19,80 Euro für 210 Seiten bei www.bod.de - was mich vermuten läßt, dass sich andere Verlage - mit Männer als Entscheidungsträgern vielleicht - nicht dran getraut haben, denn insbesondere der zweite Teil ist wirklich lesenswert und kurzweilig:

Was lernt „frau“ aus den Ungeheuerlichkeiten und Dummheiten deutschen Machomanagements? Ähnlich versumpft scheint, nein, ist die politische Talkshowlandschaft im deutschen Fernsehen, glaubt man Oliver Webers Buch „talkshows hassen“, das jetzt bei Tropen erschienen ist und zwölf Euro kostet.

Die 155 Seiten sind so eine Art letztes Krisengespräch, denn unsere Gesellschaft, da gebe ich dem Autoren recht, ist politisiert wie lange nicht, der Diskussionsbedarf ist hoch:

Doch in den politischen Talkshows ist davon nichts zu spüren. Weber, der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Mannheim studiert und unter anderem für die FAZ schreibt, erklärt mit Beispielen aus dem Reigen der üblichen Verdächtigen - Anne Will, Sandra Maischberger, Günther Jauch, etc

Wie ein einst demokratisierendes Fernsehformat zu einer Redemaschinerie der Selbstdarsteller verkommen ist und was das über unsere Gesprächskultur aussagt. Fazit:

Man kann es niemanden verübeln, wenn er sich vom politischen Geschehen abwendet, sollten die politischen Talkshows bei uns der einzige Zugang zur Welt der Politik sein. Und darauf einen Dujardin, hätte Herr Augstein gesagt...

Sönke C. Weiss

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02.09.2019 Die Sprache ist ein Geschenk

GFDK - Reden ist Silber - Teresa Pütz

Liebe Leserin, lieber Leser,
wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir die Sprache verlieren? Diese Frage bewegte die amerikanische Linguistin Christina Dalcher so sehr, dass sie einen Roman darüber schrieb.

"Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus

In "Vox" wird in einem Amerika der nahen Zukunft allen Frauen und Mädchen ein Tageslimit von 100 Wörtern verhängt. Wenn Sie wissen, dass der Durchschnittsmensch tagtäglich ungefähr 16.000 Wörter äußert, sind 100 Wörter … nichts.

Wie will man sich mit so wenigen Wörtern Gehör verschaffen? Wie kann man sein Leben führen, für seine Rechte einstehen, für seine Träume kämpfen, wenn einem die Stimme genommen wird?

Im Verlag hat Dalchers Debüt niemanden zum Verstummen gebracht, wir konnten gar nicht aufhören, mit den Kollegen und Freunden darüber zu sprechen. Wir sind uns einig, diese erschreckende Dystopie trifft vor dem Hintergrund des aktuellen politischen Klimas einen Nerv. Mundtot, das möchte niemand von uns sein.

Die Sprache ist ein Geschenk

So wünsche ich mir, dass Sie "Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus und der Unterdrückung lesen, aber auch als Gedankenspiel, das Ihnen das Geschenk der Sprache vor Augen führt, dieses erstaunlich komplexe Vermögen, das wir so oft als selbstverständlich betrachten – und das uns zu Menschen macht.

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz.

Das ist der Anfang.

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Aber das ist nicht das Ende.

Mit herzlichen Grüßen,
Teresa Pütz
Lektorin für Internationale Literatur bei S. Fischer

Christina Dalcher pendelt zwischen den Südstaaten und Neapel. Die gebürtige Amerikanerin, zu deren Helden Stephen King und Carl Sagan zählen, promovierte an der Georgetown University in Theoretischer Linguistik und forschte über Sprache und Sprachverlust.

Ihre Kurzgeschichten und Flash Fiction erschienen weltweit in Magazinen und Zeitschriften, u.a. wurde sie für den Pushcart Prize nominiert. "Vox" ist ihr Debütroman.

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27.08.2019 Verbrechen gegen die Menschlichkeit

GFDK - Reden ist Silber

Vor einigen Tagen laß ich einen Artikel in der FAZ, der mich stundenlang so traurig gestimmt hat, dass der ganze Sonntag für mich erledigt war, weil mir ein Bild nicht mehr aus dem Kopf ging, auch heute noch nicht.  Die grüne Lunge der Welt ist in Lebensgefahr, und mit ihr die ganze Tierwelt.

Verbrechens gegen die Menschlichkeit

Der bedeutendste Naturfotograf Brasiliens Araquém Alcântara hat einen Artikel zu den Bränden im Amazonas Regenwald geschrieben. Was diese Brände für die einheimiche Tierwelt bedeuten, ist erschütternd, und es bleibt einem alles im Hals stecken.

Er schreibt: "Ich war dort und habe es gesehen. Und ich habe fotografiert. Ich bin Augenzeuge dieses Verbrechens gegen die Menschlichkeit." Dazu veröffentlichte Araquém Alcântara ein Foto, welches das ganze Leid der Tierwelt symbolisiert. Beim Anblick dieses bildes brennt jedem Tierliebhaber und Tierschützers die Seele.

Das Foto des erblindeten Ameisenbären in Abwehrstellung ging um die Welt und ist zum Sinnbild geworden. Am 19. August, dem Weltfotografietag, hat er das Foto des Ameisenbären veröffentlicht. Er war verbrannt, blind, erschöpft, schreibt er.

Doch als er mich spürte, richtete er sich auf, um sich zu verteidigen. Der Ameisenbär, den es nur hier gibt, steht für den Amazonas, der sich mit letzter Kraft zu verteidigen versucht.

Ein Fünftel aller 1,5 Millionen Pflanzen- und Tierarten der Welt lebt im Amazonasregenwald, und die werden gerade von Menschen vernichtet. Das muß aufhören. Da nützt es auch nichts, dass Papst Franziskus zum beten für den Wald aufruft, es muß gehandelt werden. PS: wo ist eigentlich diese Greta abgeblieben? Ach ja, die ist ja auf einer Luxusjacht um die Welt zu retten.

Gabor Steingart schrieb kurz und knapp: " Während die Staatenlenker im Luxushotel „Hôtel du Palais“ im Nobelbadeort der französischen Elite tagen, verbrennen edle Tropenhölzer und verkohlen seltene Wildtiere.

 Der Glaube an eine bessere Welt hat Feuer gefangen. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der sich selbst „Kapitän Kettensäge“ nennt, hat die Rodung des Regenwaldes zum Teil seiner politischen Agenda gemacht.

Der Amazonas-Regenwald brennt – und diese Feuer werden sich bis zum Beginn der Regenzeit von keinem Militär und keiner Feuerwehr stoppen lassen. Das sagt der Filmemacher Nikolaus Tarouquella-Levitan, der für ARD, ZDF und Arte annähernd 30 Mal in die entlegensten Gebiete des Amazonas vorgedrungen ist.
Der Filmemacher gibt uns wenig Anlass zur Zuversicht. Seine Kernaussagen zu Gabor Steingart im Morning Briefing:
    

Das ist eine Katastrophe mit Ansage. Das war allen klar, nachdem Brasiliens Präsident Bolsonaro die Wahl gewonnen hatte, dass in der nächsten Trockenzeit Amazonien brennen wird wie nie zuvor. Er hat schon vor Amtsantritt die Farmer ermutigt, Schutzgebiete zu missachten. Er hat gesagt, das sind alles nicht gehobene Schätze, Amazonien muss erschlossen werden.“


Tarouquella-Levitan beschreibt die Erschließung des Regenwaldes wie folgt:
    

Erst holt man das Holz raus, dann brennt man das, was übrig ist, ab. Dann kommen die Rinder. Und wenn das Gras für die Rinder nicht mehr wächst, dann kommt das Soja hinterher mit sehr viel Chemie, häufig aus deutscher Produktion. Bayer macht wunderbare Geschäfte in Brasilien.“


Über seinen Gemütszustand lässt uns der Filmemacher nicht im Zweifel:
    

Ganz ehrlich, ich bin verzweifelt. Das ist schrecklich, was da passiert. Es gab in den letzten 50 Jahren keinen Moment, wo sich mal für Amazonien irgendetwas zum Guten gewandt hätte. Die Zerstörung wurde höchstens mal verlangsamt. Und jetzt ist sie wieder auf Vollgas. Das ist eine Katastrophe für die Menschheit."

Kommentar von Martina Stephany, Leiterin der Abteilung für Nutztiere und Ernährung bei VIER PFOTEN, zu den Feuern im Amazonas Regenwald und ihrer Verbindung zur Fleischindustrie:

„Täglich entfachen neue, außer Kontrolle geratene Feuer im Amazonas Regenwald und verursachen verheerende Schäden. Unzählige Wildtierarten fallen dieser Umweltkatastrophe zum Opfer.

Auch uns Menschen betrifft das, denn der Amazonas wird nicht umsonst als ‚grüne Lunge unserer Erde‘ bezeichnet und spielt eine tragende Rolle beim Aufhalten des Klimawandels.

Die Brandrodung ist eine traditionelle Vorgehensweise beim tropischen Ackerbau, um landwirtschaftlich genutzte Flächen und Weideflächen für Nutztiere freizumachen. Mehr als die Hälfte des Regenwaldes befindet sich in Brasilien, dem weltweit führenden Exporteur von Rindfleisch.

Im brasilianischen Regenwald leben rund 200 Millionen Rinder. Laut dem Global Forest Atlas der Yale School of Forestry and Environmental Studies ist die Viehzucht der größte Treiber der Waldzerstörung in jedem Amazonasland und macht 80% der derzeitigen Abholzungsraten aus.

Die Intensivtierhaltung verschwendet massive Mengen an Land, Futter, Energie und Wasser und verursacht weltweit das Leid von Milliarden von Tieren.

Wir Menschen müssen handeln, indem wir weniger Fleisch konsumieren, Fleisch durch pflanzliche Alternativen ersetzen und hohe Tierschutzstandards verlangen.

VIER PFOTEN betrachtet die Fleischindustrie, allen voran die Intensivtierhaltung, als eine der größten Hürden im Kampf gegen Klimawandel und sie ist auch für die Zerstörung des Regenwaldes durch die aktuellen Feuer mitverantwortlich.

Deshalb fordert VIER PFOTEN die großen Lebensmittelunternehmen auf, effektive Maßnahmen zu ergreifen, um solche Katastrophen zu verhindern, die Zahl der Tiere in der Massentierhaltung zu verringern und endlich den Planeten zu retten."

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26.08.2019 der Fotograf Helmut Newton

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Eines Tages im Jahr 1997 erhielt der Fotograf Helmut Newton (1920 - 2004), ursprünglich Helmut Neustädter, Sohn einer wohlhabenden jüdischen Knopffabrikantenfamilie, in Los Angeles einen Anruf des Verlegers Benedikt Taschen, der sich in einem Hotel nur ein paar Minuten entfernt aufhielt und Newton gerne etwas zeigen wollte.

Newton ging hin, um es sich anzusehen, und rief seine Frau June wenig später an: Sie solle alles stehen und liegen lassen und sofort herüberkommen.

Das Werk eines Ausnahmeverlegers und eines Weltbürgers

Sie ging die paar Straßen zum Hotel des Verlegers und fuhr mit dem Lift zu seiner Suite, wo dieser und ihr Mann gespannt darauf warteten, was sie zu einem Projekt sagen würde, aus dem schließlich der SUMO entstand, der bei einer Benefizauktion am 6. April 2000 als teuerstes Buch des 20. Jahrhunderts versteigert wurde: für 620.000 DM.

Ein großartiges Werk, die gewagte Idee eines Ausnahmeverlegers, der das Verlagswesen gründlich aufmischen sollte.

Die Newtons waren vom ersten Moment an in das Projekt verliebt, das bislang nur ein leeres Dummy mit wenigen bedruckten Seiten war; auf einer davon sah man einen Schnappschuss, den Newton von seiner Frau in ihrer gemeinsamen Wohnung im Pariser Marais-Viertel gemacht hatte.

June Newton trug ein Ossie-Clark-Negliegé, und ihr Mann, der stets eine Kamera griffbereit hatte, bat sie, ein bisschen offenherziger zu sein. Um nur ein Beispiel aus Helmut Newton’s monumentalen Kunstbuch SUMO zu nennen. 400 ikonische Fotografien auf 464 Seiten:

Newtons Akt- und Modebilder sowie Portraits, meist entstanden im Auftrag der unterschiedlichsten Zeitschriften, eingeleitet von einem autobiografischen Text. Darin nimmt uns der Künstler mit auf eine Zeitreise, zurück in seine Ausbildungszeit bei Yva in Berlin, später nach Singapur, Australien und Paris, wo Anfang der 1960er-Jahre seine unvergleichliche Karriere als Modefotograf begann.

Zum 20. Jahrestag von SUMO zeigt das Museum für Fotografie (www.helmutnewton.com) in Berlin noch bis zum 10. November 2019 die SUMO-Werke. Parallel dazu hat der Taschen-Verlag (www.taschen.com) SUMO neu zu einem erschwinglichen Preis von 100 Euro neu verlegt, und das in der gewohnten Taschen-Qualität, die Newtons Blick auf die Schönheiten des Lebens gerecht wird.

Ausstellung und Buch empfehle ich sehr, besonders auch vor dem Hintergrund, dass es leider so wenige deutsche oder zumindest deutschstämmige Künstler gibt, die zu Weltstars geworden sind, selbst wenn Alice Schwarzer Newtons Fotos als „sexistisch“, „rassistisch“ und sogar „faschistisch“ bezeichnet hat.

Der Weltbürger Helmut Newton wurde übrigens auf eigenen Wunsch am 2. Juni 2004 in Berlin in einer Urne beigesetzt, nachdem er einige Monate zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. 

Sönke C. Weiss

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22.08.2019 "Was habe ich falsch gemacht?"

Rainer Kahni und Gottfried Böhmer

Das war unser Artikel vom 23.04.2016. Und nun eine Frage, hat sich daran etwas geändert?  Das war erbärmlich - Mangels anderer Alternativen war Rainer Kahni gezwungen, am Sonntag abend die allsonntagabendliche Talkshow der Supermoderatorin Anne Will anzusehen. Das Thema war wichtig, die Präsentation war trostlos.

Auf die verzweifelte Frage der Putzfrau "Was habe ich falsch gemacht?" wurde die einfache Frau von elegant gekleideten Politikern, Journalisten, Unternehmern und Wissenschaftlern mit Statistiken zugeschüttet. Sie hat 45 Jahre gearbeitet und erwartet eine Rente an der Armutsgrenze. Die Renten sind eben nicht sicher. 50 % der Rentner erwarten eine Rente unterhalb der Armutsgrenze.

Die Rentner in die Trostlosigkeit entlassen

Die Sozialdemokraten in enger Zusammenarbeit mit den Grünen haben es fertiggebracht, die Rentner in die Trostlosigkeit zu entlassen. Während sie selbst Renten kassieren, für die sie niemals eingezahlt haben und für die ein Arbeiter rund 300 Jahre gearbeitet haben müsste.

Um die gescheiterte Riesterrente wurde herumgeeiert, als ob eine Krankenschwester noch das Einkommen hätte, in die Riesterrente einzubezahlen. Die EZB hat mit ihrer Null-Zinspolitik die Sparer kalt enteignet.

So sieht also die Solidarität bei den Alten, Kranken, Rentnern und sozial Schwachen in der Bundesrepublik Deutschland aus. Auf die nächstliegende Idee, alle Erwerbstätigen, auch Beamte und Selbständige, gesetzlich zu verpflichten, in die Rentenkassen einzubezahlen, kam niemand der Gäste.

Das wäre Solidarität. Das ist in Österreich, in der Schweiz, in Frankreich und in vielen Ländern Europas so. Deutschland schont diese Klientel. Das ist der eigentliche Skandal. Und was ist die Lösung für die Herrschaften? "Anpassung an Lebenserwartung Schäuble fordert höheres Rentenalter"

SPD feiert Mindestlohn

Einer der Wissenschaftler rechnete bei Anne Will vor, das bei einem Mindestlohn von 13 Euro ein Arbeiter/in 45 Jahre Knechten muß um eine Rente von 840 Euro zu erhalten. Davon könnte er niemals leben. Darauf können sie sich ein Ei schlagen, und den politikern in die Fresse. Die SPD läßt sich heute noch für einen Mindestlohn von 8.50 feiern, einen der niedrigsten in ganz Europa.

Hat Anne Will nur ein Herz für die Oberen 100.000?

Hat es Tucholsky noch erlebt? Hat es Lichtenberg noch erlebt? Hat es Heinrich Heine noch erlebt? Hat es Brecht noch erlebt? Hat es Schopenhauer noch erlebt? Haben es Goethe und Schiller noch erlebt?

Ich wage es nicht, mich mit diesen grossen Deutschen zu vergleichen. Doch auch ich werde es nicht mehr erleben, dass sich die Deutschen gegen das offensichtliche Unrecht erheben.

Gleichwohl muss ich weiterarbeiten, weil ich einfach nicht einsehen mag, dass sich die Oberen 100 000, die Politiker, die Lobbyisten, die Medienzaren und die arroganten Pinsel der New Economy über das arbeitende Volk erheben und lustig machen.

Es kann nicht sein, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung in Ihrer Dumpfheit sich eine Demokratie vorspielen lässt, die keine ist.

Es darf nicht sein, dass die Mehrheit der Deutschen sich mit einem Almosen als Lohn zufrieden gibt, ihre Löhne, Steuern und Abgaben in die Rentenkassen entrichtet, während Selbständige und Beamte nie in die Sozialkassen einbezahlt haben und im Alter leben, wie Gott in Frankreich.

Wann, Deutsches Volk, wehrt ihr Euch gegen dieses Unrecht, wann erhebt ihr Euch, wann steht ihr auf? Wollt ihr ewig als dummes Volk von der ganzen Welt ausgelacht werden? DEMOKRATIE JETZT ODER NIE, oder ihr bleibt ewig Untertanen. Das Buch wird Ende April lieferbar sein.

Deutschland ist ein sehr ungerechtes Land

Aber nicht nur die Rentner sind betrogen. Die Deutschen zahlen einen Spitzenwert an Steuern und Abgaben und so bleibt kaum etwas übrig, um sich gegen die Altersarmut zu schützen. Das ist den Herren in den feinen Anzügen aber auch egal. Arbeitnehmer müssen in Deutschland deutlich mehr Steuern und Abgaben zahlen als in den meisten anderen Ländern der ganzen Welt.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am 12. April 2016 veröffentlicht wurde. Nur Belgier und Österreicher müssen mehr Steuern und Abgaben abführen.

Der Generalsekretär der OECD Angel Gurría sagte schon am Dienstag, 13. Mai 2014 in Berlin: Gute Löhne. Ein faires Steuersystem. Gleiche Chancen. Ausreichende Bildungsinvestitionen. Nichts von dem sieht die OECD in Deutschland mehr gewährleistet.

Jakob Augstein schrieb am 15. Mai 2014, "Ob die Sozialdemokraten in der Regierung saßen oder nicht - die soziale Schere hat sich in Deutschland immer weiter geöffnet. 1970 verfügte das oberste Zehntel der Gesellschaft über 44 Prozent des gesamten Nettogeldvermögens. 2011 waren es 66 Prozent. (Anmerkung der Redaktion, 2016 sind es vieleicht schon über 80 Prozent.)

Kein Wunder. Unser Steuersystem begünstigt die Unternehmen und die Reichen. Achtzig Prozent des Steueraufkommens stammen aus Lohn- und Verbrauchssteuern. Nur zwölf Prozent aus Unternehmens- und Gewinnsteuern. Die Arbeitnehmer wurden im Stich gelassen. Am schlimmsten haben die Gewerkschaften versagt".

Um es gleich noch mal zu sagen, das hier ist keine Neiddebatte. Hier geht es um Gerechtigkeit und das was in Deutschland passiert, immerhin haben wir mittlerweile eine Staatsquote von 81 Prozent, und das hat mit Gerechtigkeit nichts mehr zu tun. Das ist Ausbeutung.

4 Jahre im Bundestag bringen mehr als ein Leben lang arbeiten

Nach nur einer Legislaturperiode bekommt ein Bundestagsabgeordneter im Ruhestand mehr Bezüge als ein Geringverdiener durch seine gesamte Lebensleistung erwirtschaften kann.

Das bedeutet, das ein Abgeordneter innerhalb einer einzigen Legislaturperiode bereits Anspruch auf 932 Euro Ruhegeld erwirtschaftet, wie Focus Online berichtet. Die aktuellen Diäten der 630 Bundestagsabgeordneten steigen dann ab Juli 2016 von 9082 auf 9327 Euro brutto im Monat.

Fast schon süffisant hat Augstein angemerkt, dass der Bürger sich darauf verlassen hat, dass die Parteien, die Gewerkschaften und die Medien sich der Sache der Gerechtigkeit annehmen würden. Alle drei haben nach unserer Meinung die Bürger, den Steuerzahler regelrecht in die Pfanne gehauen.

Dazu ein paar schöne Zahlen: 1989 hat ein DAX Vorstand durschnittlich 500 000 DM verdient. 2010 verdiente ein DAX Vorstand im Durchschitt 6 Millionen Euro (12 Millionen DM) 1998 war das zwanzigmal so viel wie das Einkommen eines Arbeitnehmers, heute verdienen die Herren das zweihundertfache.

DAX, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sagen wir.

Augstein schrieb: Die Medien und Gewerkschaften haben den Weg in die Ungleichheit freundlich begleitet. Ich gehe da noch weiter: Politiker, Gewerkschaften und die Leitmedien haben in gemeinsamer Zusammenarbeit dafür gesorgt, dass es ihnen sehr prächtig geht. Und man war sich einig, dass der Reichtum der "ihren" nur zu steigern ist, wenn die anderen (das Volk, der gemeine Bürger) arm werden und auch bleiben. GESCHAFFT.

Einkommens-Armut in Deutschland

In Deutschland, leben Millionen Menschen mittlerweile in (Einkommens-Armut) Der Großteil ihres Einkommens dient der Absicherung elementarer Lebensbedürfnisse, aber zu mehr reicht es auch nicht. Fast 40 Prozent der Deutschen verfügen trotz harter Arbeit über kein Vermögen, also nicht mal ein paar Spargroschen. Dank an die Bundesregierung und ihrer Vorgänger.

Und die nächste Schweinerei wird gerade hinter unserem Rücken vorbereitet. Das transatlantische Freihandelsabkommen kurz TTIP für Transatlantic Trade and Investment Partnership wird uns noch ärmer machen. VERSPROCHEN. Dass alle deutschen Großkonzerne das Abkommen lieber heute als morgen hätten, sollte nun niemanden verwundern.

Und warum werden auf Verlangen der USA die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen GEHEIM geführt und nicht, wie in einer Demokratie üblich, öffentlich diskutiert, fragte unlängst unser Autor Rainer Kahni.

"Die Menschen sind grundsätzlich unzufrieden, weil sie den Eindruck haben, im Bundestag gibt es keine Unterschiede mehr zwischen den Parteien." Das sagte vor einigen Tagen Carsten Linnemann (CDU) Chef der Mittelstandsvereinigung.

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

Gottfried Böhmer ist seit 1997 künstlerischer Direktor der Gesellschaft Freunde der Künste und Redaktionsleiter der GFDK.

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