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24.07.2020 Che wurde zum Mythos, seine Popularität

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche,“ sagte er einst. Noch heute sehen manche in ihm einen Terroristen, andere einen Helden. Am 9. Oktober 1967 wurde Ernesto „Che“ Guevara, marxistischer Revolutionär und Mitkämpfer der kubanischen Revolution, von bolivianischen Streitkräften gefangen genommen und erschossen.

Che wurde zum Mythos, seine Popularität - bis hin zur Werbeikone - ist bis heute ungebrochen. Jetzt hat das zweite Mitglied der Familie Guevara ein Buch über ihn herausgebracht.

„Mein Bruder Che“ ist bei Tropen (www.tropen.de) erschienen, kostet 22 Euro und hat 352 Seiten, die sein jüngerer Bruder Juan Martín, der wegen seiner politischen Aktivitäten und der Beziehung zu Che mehr als acht Jahre lang hinter Gittern der Militärjunta saß, gemeinsam mit der französischen Journalistin Armelle Vincent mit sehr viel Leben gefüllt hat.

Juan Martín läßt Che wieder aufleben, berichtet von einer Zeit, die er 1959 inmitten der kubanischen Revolution an seiner Seite erlebte und präsentiert uns einen idealistischen Abenteurer ebenso wie einen engagierten Intellektuellen, der alles war, Arzt, Freund, Kampfgefährte, charismatisch und grausam, ein Frauenheld und Menschenfreund, ein echter Typ eben, der den Kongo genauso befreien wollte wie Bolivien und ganz Lateinamerika.

Der Mythos Che ist unerträglich,“ schreibt Juan Martín, „die Menschen kennen nur eine völlig entstellte Ikone.“ Diese in der Tat einzigartige Familienbiografie, in der Che zwar der Mittelpunkt, aber nicht das ganze Universum ist, gibt intime Einblicke in das Leben eines Mannes, der bis in die Gegenwart eine Quelle der Inspiration geblieben ist.

Ob gerechtfertigt oder nicht, sei dahingestellt. „Mein Bruder Che“ auf jeden Fall liest sich spannend und hat sehr viel Herz. Das allein reicht schon.

Sönke C. Weiss

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17.07.2020 Glyphosat ist mit Sicherheit krebserregend

GFDK - Reden is Silber - Gottfried Böhmer

Hier noch mal ein schöner Bericht von Anfang März 2017 - Der gesundheitsschädliche Düngestoff Nitrat verseucht unser Grundwasser wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ und „Tagesschau.de“ aus dem aktuellen Nitratbericht, den die Bundesregierung an die EU-Kommission übermittelte mitteilte.

Eine Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter kann nach Angaben der EU-Kommission erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen haben. Bedenklich ist sie insbesondere für schwangere Frauen und Kleinkinder. Verursacher ist aus Sicht des Bundesumweltministeriums die Landwirtschaft, die Nährstoffe in Form von Gülle oder Kunstdünger auf die Felder ausbringt.

Donnerstag, 19. Januar 2017 - Die Wasserpreise in Deutschland könnten wegen der Nitratverschmutzung laut einem aktuellen Gutachten der Wasserwirtschaft um fast zwei Drittel steigen. "Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden", sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Erst stirbt das Tier, dann der Mensch

Feldhamster sterben in Deutschland aus
, mahnen die Deutsche Wildtier Stiftung und andere Experten. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) von 2012 längst keine Exemplare mehr, auch in Nordrhein-Westfalen sind die kleinen Nager ausgestorben. In Baden-Württemberg leben nicht einmal mehr 100 Feldhamster, bundesweit sind Experten zufolge inzwischen weniger als 100.000 verblieben.

Schon bald keine Wald- und Wiesenvögel mehr in Deutschland. "Die kleinen Vögel verhungern"

Die Feldlerche kämpft ums nackte Überleben - sie wird auf der Roten Liste in Deutschland als gefährdet eingestuft. Der WWF sieht die intensivierte Landwirtschaft als Ursache. Bei Rebhühnern gab es demnach seit 1980 ein Minus von 90 Prozent, bei Turteltauben und Braunkehlchen sind es um 70 Prozent.

Bayer, BASF und Syngenta verklagen die Europäische Kommission. Ihr Plan: Ein Verbot von Neonikotinoiden zu kippen -- Pestizide, die massenhaft Bienen töten. Erst enormer öffentlicher Druck hatte das EU-Gesetz überhaupt ermöglicht. Wir können uns jetzt nicht zurücklehnen und der Pestizid-Industrie das Feld überlassen, während die Bienen für immer verschwinden.

Sollte es den Wirtschaftsgiganten gelingen, Europa in die Knie zu zwingen, wäre das eine Katastrophe für den weltweiten Bienenbestand. Bayer and Co. stellen ihre Profite über das Wohlergehen der gesamten Erde -- zeigen wir ihnen, dass wir das nicht hinnehmen!

Der Dokumentarfilmer, Filmproduzent und Autor Andreas Kieling postet auf Facebook ein Video, in dem er auf das Krebsrisiko von Glyphosat hinweist. Womit er nicht gerechnet hat: Hunderte von "Agraexperten" , "Landschaftsgärtner" und "Landwirte" meldeten sich zu Wort und beschimpften Kieling der Unwissenheit, Inkompetenz und Falschbehauptung.

Halbwisser und Walldorf Schüler?

Die Wenigen, die Kielings Meinung teilten, wurden als  weichgespülte Halbwisser und Walldorf Schüler beschimpft, und das war noch harmlos. 1182 "Experten" haben sich mit Schaum vor dem Mund zu Wort gemeldet. Viele fühlten sich persöhnich angegriffen oder waren der Meinung, Kieling würde der gesamtem Landwirtschaft schaden.

Eine übermächtige Lobby im Bundestag?

Der größte Aufreger war dabei die Sikkation, die in Deutschland zwar verboten ist, aber trotz Verbot häufig angewendet wird. Es gibt so gut wie keine Kontrollen und die Lobby ist übermächtig. Kieling hat in dem kurzen Beitrag allerdings nicht behauptet, dass alle Landwirte sich nicht an das Verbot halten. Ein großes Problem sind zudem die Importe, wer will für die seine Hand in Feuer legen?

Es war grauenhaft zu lesen wie hier ein Gift von vielen Menschen verteidigt wurde. Gift gehört nicht auf unsere Felder, Böden und nicht in unsere Nahrung. Auch wenn wir nicht alle Aussagen von Herrn Kieling zustimmen können, hat er den Kern getroffen und der besagt ohne wenn und aber:

Glyphosat ist mit Sicherheit krebserregend

Glyphosat ist ein Totalherbizid, das vor der Aussaat von Kulturpflanzen auf die Felder ausgebracht wird. Es tötet alle Pflanzen in kürzester Zeit ab, die Menschen sind später dran. Dann kommt das Saatgut in den Boden. Leider darf auch noch immer fast reifes Getreide, zur einheitlichen Abreife, mit Glyphosat gespritzt werden.

Das Gift steht stark im Verdacht krebserregend zu sein. Selbst bei Großstädtern, die keinen direkten Kontakt zu Glyphosat hatten, ist das Mittel im Urin nachgewiesen worden. Trotzdem hat die EU Kommission den Beschluss, ob das Herbizid weiterhin zugelassen werden soll, auf weitere 18 Monate verschoben.

Allein in der Schweiz werden jährlich 300 Tonnen Glyphosat verkauft und in Deutschland wird derzeit laut Erhebungen der Universität Göttingen auf 39 Prozent der Ackerflächen Glyphosat gespritzt. Betroffen sind insbesondere Winterraps, Hülsenfrüchte, Wintergerste und Sommergetreide.

Verharmlost und geleugnet

(Zentrum der Gesundheit schreibt zu diesem Thema) – Glyphosathaltige Unkrautvernichter werden tonnenweise eingesetzt – nicht nur in der Landwirtschaft, auch vom Hobbygärtner. Sie heissen Roundup oder Glyfos und werden vom berüchtigten Gentech-Konzern Monsanto hergestellt. Die schädlichen Auswirkungen auf Natur und Mensch werden verharmlost oder gar geleugnet.

Glyphosat-Rückstände tauchen in allen Grundnahrungsmitteln auf: In Weizen und somit in vielen Mehlprodukten (Teig- und Backwaren), in Mais, Soja und Zucker. Stichproben ergaben Rückstände in Haferflocken. Natürlich sickert das Mittel auch ins Grundwasser und gelangt auf diese Weise früher oder später ins Trinkwasser.

Glyphosat vernichtet alles

Es regnet und das Glyphosat wird von Ihren Wegen in den nächsten Weiher gespült. Glyphosat ist für Gewässer hochtoxisch. Je nach Dosis vernichtet Glyphosat im Wasser nahezu alles, was darin lebt und wächst – ob nun Fische, Molche, Frösche, Libellenlarven, Algen oder Wasserpflanzen.

Wer Roundup eine Schädlichkeit nachweisen kann, wird von Monsantos Anwälten zum Schweigen gebracht. Nun hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeschaltet. Ihre Untersuchungen haben ergeben, dass Glyphosat sehr wohl schädlich ist und auch Krebs auslösen kann. Die Studie zeigt auf, dass insgesamt fünf Organophosphate, die als Herbizide oder Pestizide zum Einsatz kommen, krebserregend sind. Darunter befindet sich auch das Herbizid Glyphosat.

Die Studie hat ergeben, dass diese Supstanzen bei Tieren definitiv und bei Menschen höchstwarscheinlich Krebs auslösen. Krebs-Experten aus 11 Ländern kamen eindeutig und einstimmig zum Schluß, das Roundup bei Tieren Krebs auslösend wirkt. Wer jetzt noch glaubt, dass der Mensch verschont bleibt, sollte sich ins Krankenhaus begeben.

Die Wissenschaftler konnten laut der WHO-Studie überzeugende Beweise vorlegen, dass das Herbizid Lymphdrüsen und Lungenkrebs auslöst. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Glyphosat in menschlichen und tierischen Zellen DNA und Chromosonschäden verursacht.

Glyphosat-Rückstände in Mehl, Zucker und Haferflocken

Wer nun glaubt, Glyphosat betreffe nur Landwirte, die direkt mit dem Mittel hantieren, hat sich getäuscht:

Seit 1996 wird glyphosatresistente Gensoja in Europa als Futtermittel eingesetzt. In der EU werden jährlich etwa 36 Millionen Tonnen überwiegend Gen-Sojabohnen und -schrot eingeführt. Allein Deutschland importiert etwa Dreiviertel der Eiweißfuttermittel, überwiegend Gen-Soja. Über Eier, Milch und Fleisch gelangt Glyphosat auf unsere Teller.

Aktuelle Studien belegen gravierende gesundheitliche Risiken von Glyphosat, POEA und AMPA schon bei geringsten Konzentrationen. Besonders besorgniserregend sind Hinweise auf eine hormonelle Wirkung. Auch Krebs, Zelltod, Fruchtbarkeitsstörungen, Schädigung des Erbguts, der Embryonalentwicklung, der Leber und der Niere zählen zu den Folgen.

Krebsrate bei Kindern verdreifacht

In ländlichen Regionen Lateinamerikas, (hier hat Monsanto fast eine Weltmachtstellung) in denen glyphosatresistente Pflanzen angebaut werden, wird Roundup nahezu flächendeckend per Flugzeug versprüht. Menschen, die dort leben, sind schutzlos ausgeliefert. Dort hat sich von 2000 bis 2009 die Krebsrate bei Kindern verdreifacht. Die Rate der Fehlgeburten und Fehlbildungen stieg nahezu um das Vierfache an.

Drei Meinungen auf Facebook zum Thema

"Glyphosat IST erwiesenermaßen schädlich. Der Krebs"verdacht" wird immer nur zur verharmlosenden Ablenkung vorgeschoben, ist aber gar nicht das Hauptproblem. Glyphosat verursacht genetische Schäden, Fehlgeburten und Missbildungen wie Offener Rücken bei Tier und Mensch, wie empirische Studien ergeben haben. DAS gehört endlich zur Kenntnis gebracht, anstatt die Alibi-Meinung der EU und der unkritischen Journaille wiederzugeben".

"Früher hat Monsanto ja behauptet, Roundup würde in 2 Wochen biologisch abbaubar. Damit wurde Werbung gemacht. Deswegen sind auch die Landwirte so drauf abgefahren. Erst eine französische Studie hat ergeben, dass das Zeug nur zu 10% pro JAHR im Boden abgebaut wird. Was das bei 2 mal pro Jahr spritzen für Boden und Grundwasser bedeutet, kann ja jeder ausrechnen".

"Ich arbeite in einem Wasserwerk für einen großen Wasserversorger. Unsere Wasserproben die wir täglich machen und seit Jahren aufzeichnen zeigen, dass die Nitratwerte stetig steigen. Zur Zeit halten wir die Grenzwerte locker ein, aber keiner weiß wie es in ein paar Jahren aussieht. Es dauert natürlich Jahre, bis der Cocktail aus Gülle und Gift im Grundwasser angelangt ist".

Das Problem: Nitrat kann nicht auf natürliche Weise rausgefiltert werden. (Bei uns wird mit Kies gefiltert auf ganz natürlicher Weise ohne Chlor oder ähnlichem). Es müssten spezielle Filteranlagen gebaut werden, die sehr teuer sind. Der Kunde muss dann die Kosten tragen. Der Mensch macht sich durch die kranke Art von Landwirtschaft selber kaputt. Wir verschmutzen unser eigenes Trinkwasser. Ohne Trinkwasser kein Leben".

Das Monsanto Tribunal

Der berühmte deutsche Sänger Konstantin Wecker ist Botschafter des Monsanto Tribunals. "Wir müssen beginnen uns zu wehren gegen die Übermacht von Konzernen und in diesem Fall gegen einen Konzern, der nachweislich mit Umweltgiften unsere Erde zerstört."

Angela Merkel will das Gift - Merkel will für Glyphosat kämpfen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich für eine weitere Verwendung des umstrittenen Pestizids Glyphosat in der Landwirtschaft stark. Sie werde sich dafür einsetzen, dass das Mittel auf wissensbasierter Grundlage weiterhin eingesetzt werden kann, sagte Merkel am Donnerstag (18. August 2016) auf einem CDU-Agrarforum in Boldekow (Mecklenburg-Vorpommern).

Studien würden laut Merkel belegten, dass die Risiken nicht sehr groß seien. Leider konnte Merkel nicht belegen welche Studien das sind. Das haben wir von ihr auch nicht erwartet. Zuletzt hatte die WHO das Mittel für möglicherweise krebserregend qualifiziert.

70 Prozent sind für Merkel keine Mehrheit

In der Koalition kam es zum Streit, weil die SPD-Minister sich gegen eine Verlängerung der Zulassung in der EU ausgesprochen haben. Der SPD-Parteivorstand schrieb am Freitag auf Twitter: "Merkel ist für weiteren Glyphosat-Einsatz – wir bleiben beim NEIN! Im Zweifel für die Verbraucher- und Umweltschutz." 70 Prozent aller Deutschen wollen das Gift nicht mehr auf den Feldern, aber 70 Prozent sind für Merkel noch lange keine Mehrheit.

Das Geschäft mit der Agrarchemie

9. September 2016: Der US-Konzern Monsanto geht für 66 Milliarden Dollar an den deutschen Dax-Konzern Bayer. Die Übernahme soll bis Ende 2017 abgewickelt werden. PS: Blackrock ist der größte Aktionär bei Bayer und Blackrock ist auch der größte Aktionär bei Monsanto. Wer hat hier wen gekauft?

Ich habe meine eigene Theorie

Die Gifte, auch Glyphosat und viele andere wurden erstmals Mitte/ Ende der 60 er und dann massiv in den gesamten 70er Jahren eingesetzt, um bessere Ernteerträge zu erzielen. Umweltstandards hatte es seinerzeit so gut wie nicht gegeben. Eine Prüfung auf schädliche Auswirkungen auf den Menschen hatte nicht stattgefunden.

Nun sind früher Menschen auch an Krebs erkrankt, nur waren das in der Regel die älteren Semester. Heute erkranken und sterben viele im Alter von 25-45 und das ist sehr ungewöhnlich. In meinem eigenen Freundes und Bekanntenkreis sind es schon sechs, die letzte erst vor vier Wochen.

Geschädigte Zellen lösen Krebs aus

Die Theorie: da die Gifte sehr massiv und ohne jede Kontrolle in den 70er Jahren eingesetzt wurden, sind sie angefangen von der Babynahrung in allen Lebensmitteln gelangt. Wenn Kleinkinder und Jugendliche im Wachstumsalter diese Gifte aufgenommen haben und Zellen geschädigt wurden, besteht höchstwahrscheinlich die Möglichkeit, dass eine Krebserkrankung einige Jahrzehnte später ausbricht.

Und nun rechnen Sie einmal zurück. Die in den 70ern bis Mitte der 80er Jahren geborenen, sind genau die Generation, die heute vermehrt an Krebs erkrankt und stirbt. Das ist natürlich nur meine Theorie. Da es keine Möglichkeit mehr gibt, nachzuweisen wie viele dieser Gifte und in welcher Dosierung sie eingesetzt wurden. Das Motto war damals "viel hilft".

Das Todesurteil

Die ahnungslosen Landwirte konnten ja nicht wissen, was sie da auf ihre Felder hauen. Ich bin mir aber sicher, dass die Chemiekonzerne für den Tod von tausenden junger Frauen und Männer verantwortlich sind. Mord verjährt nicht. Der Gifttod ist ein Morddelikt. Wir müssen die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen. Vom deutschen Lande frisch auf den Tisch kann auch ein Todesurteil sein.

Ihr Gottfried Böhmer

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17.07.2020 Die Bürger werden gnadenlos zurückschlagen

GFDK - Reden ist Silber - Rainer Kahni

Erstveröffentlichung am 31.03.2017, aber immer noch lesenswert, auch weil sich nichts geändert hat.  Zur Zeit wird Angela Merkel in den "Echokammern" der Medien wieder als Bundeskanzlerin gelobt. Der "Schulz-Effekt" scheint verpufft zu sein und die CDU hat Oberwasser.

Ein Rückblick sei da gestattet.

11. Dezember 2016 - Wolfgang Bosbach äußerte sich auf Welt-Online zum CDU Parteitag, der Krönungsmesse für Angela Merkel, und das ließ tief blicken. Ob die Merkel-CDU überhaupt noch etwas mit Demokratie zu tun hat, sollte man sich mal Fragen. Vermissen werde er Parteitage mit Sicherheit nicht, so Bosbach.

Viel zu viele Rituale seien etabliert worden, beklagte er. „Das beginnt schon am Vorabend des Parteitags, wenn hochmotivierte Landesvorsitzende den Delegierten im Detail erklären, wie sie sich zu verhalten haben, wie sie sich bei Abstimmungen zu entscheiden haben und wen sie zu wählen haben.

Langer Applaus für Merkel und Ruhe in Frieden

Auch Erklärungen, wie lange man für die Bundesvorsitzende diesmal zu applaudieren habe, wollte Bosbach nicht mehr hören. Wenn dann auch noch Anliegen von Parteimitgliedern „an die Bundestagsfraktion überwiesen“ würden, könne er nur noch lachen. „Das heißt in der Mehrheit der Fälle: Ruhe in Frieden.“

Und so kam es wie es kommen mußte. 89,5 Prozent der fast 1000 Delegierten huldigten der Königin und sprachen Angela Merkel das "Vertrauen" aus. Damit bleibt Angela Merkel zwei weitere Jahre im Amt, und wir haben sie noch sehr lange als Bundeskanzlerin an der Backe.

Offene Worte von Rainer Kahni für Frau Angela Merkel: "Was wir geschafft haben, sucht seinesgleichen!" Wohl wahr, Frau Bundeskanzlerin! Sie haben es geschafft, eine deutsche Verfassung gemäss Artikel 146 GG zu verhindern. Sie haben es geschafft, immer wieder gewählt zu werden, obwohl jedes Ihrer Wahl zugrunde liegende Wahlgesetz grundgesetzwidrig war.

Sie haben es geschafft, dass zwei Bundespräsidenten IHRER Wahl aus dem Amt ausschieden. Sie haben es geschafft, dass Deutschland sich auf internationalem diplomatischen Parket mit den Stimmenthaltungen zu Libyen und Palästina bis auf die Knochen blamierte! Sie haben es geschafft, dass Ihnen Isreal keine drei Tage später eine lange Nase zeigte und neuen Landraub ankündigte.

Deutschland hat jede Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler verloren

Sie haben es geschafft, dass Deutschland jegliche Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler zwischen den Fronten in der arabischen Welt verloren hat. Sie haben es geschafft, dass Deutschland in zahlreiche schmutzige Kriege auf der ganzen Welt verwickelt wurde, die allesamt grundgesetzwidrig sind. Sie haben es geschafft, Deutschland in der Euro-Krise von der hässlichsten Seite zu zeigen:

"Irgendwann wird Angela Merkel von ihren eigenen Leuten gemeuchelt"

Mit einer masslosen Arroganz und neu erwachtem Chauvinismus ziehen Sie über die "faulen" Menschen in Südeuropa her und zwingen Sie mit immer härteren Spar-Diktaten in den Ruin, ohne den Menschen durch ein gleichzeitiges Investitionsprogramm neue Hoffnung zu geben.

Sie haben es geschafft, dass Deutschlands Wirtschaft mit neun Millionen Billiglöhnern, Leiharbeitern und ohne gesetzliche Mindestlöhne unlauteren Wettbewerb in Europa und der ganzen Welt betreiben kann, um dort die Volkswirtschaften zu ruinieren und zu Hause die Reichen reicher werden zu lassen.

Reallöhne so niedrig wie 1991

Sie haben es geschafft, dass seit 1991 die Reallöhne in Deutschland um 20,7% gesunken sind, während ihre Klientel immer reicher wurde. Sie haben es geschafft, die Armutsberichte zu fälschen, um Ihre Klientel - Politik zu verschleiern.

Gleichzeitig haben Sie es geschafft, dass Deutschland zum dritt - grössten Waffenexporteur der Welt wurde. Sie haben es geschafft, dass Deutschland mit Österreich und Tchechien die einzigen Länder von 27 EU - Staaten sind, die nicht einmal die Mindestanforderungen an einen demokratischen Rechtsstaat erfüllen.

Sie habn es geschafft, das Deutchland keine Trennung von Judikative, Executive, Legislative und keine Trennung von Kirche und Staat kennt. Und nun werden Sie wahrscheinlich erneut mit einem Ergebnis zur CDU - Parteivorsitzenden gewählt, das Diktatoren von Unrechtsstaaten vor Neid erblassen lassen würde.

Angela Merkel ist alternativlos und daher ohne Gegenkandidat

Sie haben es ja schliesslich auch geschafft, dass es gar keinen Gegenkandidaten bei der Wahl gibt. Richtig Frau Dr. Merkel: Wenn sich in Deutschland zwei Kandidaten um ein Amt bewerben, dann ist die Partei zerstritten, wenn es nur einen Kandidaten gibt, dann ist das eine Wahl. Ja, Frau Dr. Merkel, Sie haben uns alle geschafft.

Marc Friedrich und Matthias Weik habe auf Focus-Online eine Prognose gewagt die man beachten sollte.
 

"Die Wahlen sind eine Abrechnung mit den Eliten. Trump wurde nicht zum Präsidenten gewählt, weil er so ein toller Hecht ist, sondern weil die Menschen es satthaben, dass sich das oberste Prozent der Bevölkerung ausschließlich um sich selbst kümmert und sich bereichert, während der Rest auf der Strecke bleibt und obendrein für dumm verkauft wird.

"Sollten die Eliten nicht ganz schnell anfangen umzudenken, werden die Bürger mit einer urdemokratischen Waffe gnadenlos zurückschlagen – mit ihrem Wahlzettel. Dann werden in Zukunft noch ganz andere Personen als Donald Trump das Zepter der Macht ergattern. Der Ball liegt jetzt bei denen oben. Wenn sie nicht beginnen, etwas zu Gunsten aller Menschen, anstatt nur ihresgleichen zu verändern, dann werden sie abgewählt werde

Rainer Kahni, besser bekannt als Monsieur Rainer, ist Journalist und Autor von Polit - und Justizthrillern. Er ist am Bodensee aufgewachsen, lebt jedoch seit vielen Jahren in Paris und bei Nizza. Seine Muttersprache ist deutsch, seine Umgangssprache ist französisch. Er ist Mitglied von Reporters sans frontières und berichtet für Print - Radio - und TV - Medien aus Krisengebieten.

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16.07.2020 ein streng gehütetes Familiengeheimnis

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Unschuldige Täter“ - erschienen für 22 Euro bei Tropen (www.tropen.de) - heißt der neue Roman des erfolgreichsten japanischen Kriminalschriftstellers Keigo Higashino: In dem malerischen Küstenort Harigaura findet eine Konferenz zur Erschließung von Bodenschätzen statt.

Das Thema polarisiert; die eine Seite der Bevölkerung fürchtet um die Zerstörung der Natur, die andere hat nur Reichtum im Sinn; doch als die Leiche eines Mannes gefunden wird, stößt Kriminalkommissar Kusanagi auf ein streng gehütetes Familiengeheimnis, das von der Vergangenheit bis in den heutigen Tag reicht.

Higashino schafft es auch in diesem Buch, aktuelle politische Ereignisse mit Fiktion zu verschmelzen und seiner Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, insbesondere wenn es darum geht, den Anschein zu wahren, dabei überrascht er den Leser immer wieder und hält einen Spannungsbogen über 428 Seiten, die süchtig nach mehr machen.

Übersetzt hat „Unschuldige Täter“ Ursula Gräfe, die 2019 mit dem Noma Award for Translation of Japanese Literatur ausgezeichnet wurde.

Um Wahrnehmung vs. Wirklichkeit geht es auch im neuen Roman des russischen Autoren Andrej Kurkow mit dem Titel „Kartografie der Freiheit“ oder anders gesagt: Europäischer Traum, lebst du noch?

Es ist die Nacht, in der sich die Grenzen öffnen; drei junge Paare entschließen sich, ihre Heimat Litauen zu verlassen und ihr Glück in Westeuropa zu suchen. London, Paris, egal, Hauptsache weg.

Menschlich packend schildert Kurkow die Lebenswege seiner Heldinnen und Helden, gleichzeitig erzählt er die Geschichte einer Generation „neuer“ Europäer.

Hoffnungen und Enttäuschungen wechseln sich ab, uns „alten“ Europäern wird auch hier der Spiegel vorgehalten und stellt so manches Wertesystem in Frage, insbesondere der Begriff Leitkultur bekommt so eine neue und ehrlichere Bedeutung, als uns so mancher Politiker zu suggerieren versucht.

(Der Autor bezeichnet sich übrigens selbst als Europa-Optimist und Europa-Realist.) „Kartografie der Freiheit“, erschienen bei Haymon (www.haymonverlag.at) im zauberhaften Österreich, ist ganz gewiß kein Somermärchen, selbst wenn es um Träume geht. Die 624 Seiten kosten 29,90 Euro.

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11.07.2020 Alles begann am 25.5.2020

GFDK - Reden ist Silber - Matthias Hausladen

Ein Leser wendet sich an unsere GFDK Redaktion und berichtet über die Zustände in den Niederbayrischen Krankenhäusern. Das Erstaunlichste ist, in den letzten Monaten, sind unsere Krankenhäuser und das Personal über den grünen Klee in den Medien und von den Politikern gelobt worden.

Nur, dass was wir hier zu Lesen bekommen haben, sollte zu denken geben, wie es vor allen um unsere älteren Patienten bestellt ist. Ist das alles nur ein schöner Schein, der uns da vorgegaukelt wird?

Hier nun der Brief

Alles begann am 25.5.2020, mein an Herzinsuffizienz leidener Großvater muss sich wegen Wasserödemen in Behandlung begeben. Er wird bis 29.5 von seinen Beschwerden befreit und will nach Hause.

Da kommt der Oberarzt ins Spiel (der erste im Bunde, der der deutschen Sprache nicht allzu mächtig ist) und verweist auf die schlechten Nierenwerte, die unbedingt behandelt werden müssen.

Aus purer Angst lassen wir uns dazu überreden. Doch schnell wird klar, er verträgt die Medikamente nicht. Es geht jeden Tag mehr und mehr abwärts. Auch nach mehrmaligen Gesprächen hören die Ärzte nicht mit der Behandlung auf.

Als mein Großvater, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und 50 Jahre Unternehmer war die Schwester auffordert die Infusion zu beenden, wird dem Wunsch nicht entsprochen.

Im Gegenteil der Oberarzt kommt mit dem Stationsarzt (dieser spricht noch schlechteres Deutsch) und erklärt ihm "hier passiert was er sagt" und die Infusion bleibt. Es geht weiter abwärts, nichts geschiet.

Durch Corona kann nur meine Mutter in Krankenhaus. Schließlich bricht mein Großvater die Behandlung ab und geht auf eigenen Wunsch nach Hause. Unser Hausarzt hat bis heute keinen vernünftigen Abschlußbericht.

Mein Großvater wurde innerhalb 5 Tage pflegebedürftig und ist jetzt nach 5 Wochen einigermaßen erhohlt.

Am 26.6. geht es mit meiner Großmutter weiter. Der Hausarzt überweist sie in stationäre Behandlung mit dem Verdacht eines sich nähernden Schlaganfalls. Sie wurde am 30.6. 84 Jahre alt.

Als der Krankenwagen in einem anderen Kreiskrankenhaus angekommt stellen die Ärzte Fieber fest. Anstatt einen Schnelltest zu machen, wird der normale Test (der einige Tage dauert) veranlasst.

Meine Großmutter kommt auf die Corona Station und nichts geschieht. Ich muss vorweg nehmen, die Schwester auf der Corona Station hat sich vorbildlich gekümmert.

Doch kein Arzt ist ans Telefon zu bringen und meine Großmutter versteht keinen dort, wen wundert es,  da keiner deutsch spricht. Die Tage vergehen sie bekommt Infusionen und Katheter gelegt. (Man muss wissen, am Freitag Vormittag ist sie noch Auto gefahren), da die Entzündungswerte hoch sind. OK. Das verstehe ich. Aber es geht um keinen sich nähernden Schlaganfall mehr, sondern nur noch ob der Corona Test positiv oder negativ ist. Sonst nichts.

Am Montag, endlich die erlösende Nachricht - kein Corona. Sie kommt auf die Innere. Das Thema Schlaganfall ist längst erledigt und wird auch nicht mehr verfolgt. Jetzt komme ich ins Spiel.


Ich schlage im Krankenhaus auf. Meine Großmutter mittlerweile durch das viele liegen wackelig auf den Beinen hangelt sich vom Bad gerade zum Bett. Ich komme gerade noch rechtzeitig, da beim Bett nicht mal die Feststellbremse angezogen ist. Ich will ein Gespräch mit dem Stationsarzt.

Die Dame weiss von nichts und ganz ehrlich ich war sehr bemüht, hab aber fast nichts verstanden. Es geht hin und her. Sie behandeln den Sauerstoffmangel und die Entzündungswerte.

Mehr wollen wir auch gar nicht mehr. Plötzlich meldet sich der medizinische Dienst. Ansage: "Ihre Mutter verweigert jegliche Hilfe". Gegenfrage: "braucht sie den Hilfe"? Dann wurde mir in perfekten Deutsch erklärt, dass sich meine Großmutter gerade zum Pflegefall entwickelt und wir tätig werden müssen.

Die junge Dame hat einen Wind gemacht, unglaublich. Ein Pflegedienst muss her, ein Sanitätshaus benannt werden. Was wir machen. Es kommt wie es kommen muss, nicht das genannte meldet sich, sondern das, dass die Dame will.

Ich hätte nicht mal interveniert, wenn sie nicht so auf einen bestimmten Pflegedienst bestanden hätte. Plötzlich habe ich das Gefühl bekommen da steckt Methode dahinter. Ich bin fest überzeugt, dass sich die Zusammenarbeit lohnen wird. 

Jetzt ist meine Großmutter zu Hause, ein Pflegebett steht im Wohnzimmer und die Welt dreht sich weiter. Sie selbst sagte mir, dass sie ca. 8 Ärzte gesehen hat und nur eine junge Ärztin sprach deutsch.

Sie hat nichts verstanden und fühlte sich überrannt und übervorteilt. Zumindest gibt es einen Arztbericht und einen Befund. Unser Hausarzt muss jetzt den Blutdruck einstellen, weil die das nicht machen konnten. Was soll ich dazu noch sagen.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich nur so ärgere oder ob es mich einfach nur traurig macht wie mit unseren Alten umgeganen wird...

Matthias Hausladen

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07.07.2020 Schicksalsmelodie

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

„Liebe heißt, nie um Verzeihung bitten zu müssen.“ Erinnern Sie sich noch an diesen Satz? Na klar. „Love Story“ von Erich Segal. Seit 50 Jahren der Klassiker der Liebes-Literatur. Jetzt bei Fischer (www.fischerverlage.de) für 12 Euro in einem handlichen Kleinformat für die Hosentasche wunderbar neu aufgelegt.

Hier noch mal kurz eine Zusammenfassung für die Nichteingeweihten: Oliver, aus reichem Hause, und Jenny, aus ärmlichen Verhältnissen, sind zwei Studenten, die sich Hals über Kopf ineinander verlieben und allen Hindernissen zum Trotz heiraten, auch dass Oliver enterbt wird, kann sie nicht davon abhalten.

Ohne Geld sind sie glücklich und alles scheint perfekt für sie zu laufen, doch dann erfährt das Paar, dass ihre Liebe nicht von Dauer sein kann.

„Love Story“ wurde 1970 äußerst erfolgreich mit Ryan O’Neal und Ali McGraw in den Hauptrollen verfilmt, die Titelmusik, in Deutschland als Schicksalsmelodie bekannt, erhielt sogar einen Oscar.

Ich empfehle Buch wie Film, beide sind zeitlos schön und romantisch, und lassen einen an die ewige Liebe glauben, selbst wenn sie unseren beiden Helden nicht vergönnt ist.

Die 70er Jahre waren auch der Höhepunkt in der Karriere von „Joni Mitchell“, die David Yaffe in der gleichnamigen Biografie sehr eindrucksvoll porträtiert.

Brillant führt uns der Autor durch Mitchells Entwicklung als Musikerin, voller imposanter Beschreibungen über die Entstehung jedes einzelnen Albums von Song to a Seagull bis Shine aus dem Jahre 2007.

Dutzende Interviews mit der Künstlerin selbst - oftmals innerlich zerrissen, verletzlich in ihrer ganzen Person, ein Freigeist des Lebens - sowie Freunden und Geliebten - zum Beispiel Leonard Cohen und David Crosby - liegen den 583 kurzweiligen Seiten zugrunde und ist der Musik Mitchells würdig, die übrigens wunderbar zur Lektüre von „Love Story“ passt.

„Joni Mitchell - Ein Porträt“ ist bei Matthes & Seitz Berlin (www.matthes-seitz-berlin.de) erschienen und kostet 28 Euro.

Was ich indes schade finde: In der US-amerikanischen Originalausgabe heißt das Werk „Reckless Daughter“ - also Rücksichtslose Tochter. Ein Titel, der der Künstlerin wirklich gerecht wird und den sie mit Stolz trägt.

Sönke C. Weiss

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07.07.2020 asoziale Holländer

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Kurz und knapp, dafür saftig - Deutschland diskutiert über die Maskenpflicht im Kampf gegen Corona. Mal wieder. Dabei ist die Sache ganz einfach: Wer beim Einkaufen oder in der Bahn keine Maske trägt, handelt asozial, schreibt der Reporter Christoph Seidler vom Spiegel.

Nun ich war gestern in Holland. Dort hatte niemand eine Maske in den Geschäften auf, weil sie es auch nicht müssen. Demnach sind wohl, für das Spiegel-Männlein, alle Holländer und auch die dortige Regierung asozial. Das wird unsere lieben Nachbarn sicherlich freuen. Ich rate Herrn Seidler dringend davon ab, in der nächsten Zeit seinen Urlaub in Holland zu verbringen.

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06.07.2020 Die alpine Heimsuchung

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die alpine Heimsuchung - Ruhig sieht das Dorf aus, verlassen, keineswegs wie ein Tourismus-Ungeheuer mit 250 Millionen Euro Umsatz jährlich und 1,4 Millionen Übernachtungen bei knapp 1.600 Einwohnern. Delirium Alpinum. Ischgl in Tirol. Eine Heimsuchung.

Ein nie enden wollender Rausch. Vermutlich die Partnergemeinde von Sodom und Gomorrah. Aber auch eines der besten Skigebiete in den Alpen und Hochburg der - auf Neudeutsch - Eventkultur und seit Corona auch Drehscheibe der Ausbreitung von Covid-19 für ganz Europa und vermutlich darüber hinaus.

In seinem jüngsten Fotoband „Ischgl“ zeigt Lois Hechenblaikner Schreckensbilder dieser enthemmten und zügellosen Urlaubswelt, dass einem sofort klar wird, warum sich das Virus so rasant hat ausbreiten können:

Ausufernde Aprés-Ski-Orgien und andere Exzesse, die sprachlos machen. Hechenblaikner war mit seiner Kamera so gnadenlos mitten unter diesen Menschen, dass ich schon Anblicken seiner Fotos den Wahnsinn dieser verantwortungslosen Vergnügungsindustrie fühlen konnte.

„Ischgl“ irritiert, ist aber alternativlos, kommt einem einzigen Grenzgang nahe, verspricht und liefert eine visuelle Herausforderung, versprüht pure visuelle Wucht, der Hammer unter den neuesten Fotobüchern und geht es zur Zeit auch verkaufstechnisch durch die Decke, die dritte Auflage ist bereits im Druck, was für dieses Buchgenre sehr ungewöhnlich ist.

Alkohol. Hormonstau. Abfall. Chaos. Ich war den 240 Seiten ausgeliefert. Besonders auch wegen der Aktualität. Als „Ischgl“ bei Steidl (www.steidl.de) erschien, wurde die Quarantäne über dem Ort aufgehoben.

Der Spuk verspricht schon bald wieder zu beginnen. „Ischgl“ kostet 34 Euro, für eine Flasche Wein blättern Mann wie Frau dort schon mal 3.000 hin. Zum Wohl!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 Davis Bowie der Bücherwurm

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David Bowie hasste Flugzeuge. So es ihm möglich war, reiste er mit dem Zug, wobei er in speziellen Koffern stets seine mobile Bibliothek mit sich führte, was für den einen oder anderen Leser eine Überraschung sein mag, aber David Bowie, einer der größten musikalischen Künstler der zurückliegenden Jahrzehnte, liebte Literatur.

Er sagte: „Die einzige Kunst, mit der ich mich jemals beschäftige, ist die, bei der ich mich bedienen kann.“ Bowie hat immer und überall gelesen, vor Konzerten, nach Konzerten, im Drogenrausch und während des Entzugs; er hat Rezensionen verfasst und sprach pausenlos über die unzähligen Werke, die er über die Jahre verschlungen hat.

Ob es Der Fremde von Albert Camus war, Madame Bovary von Gustave Flaubert, die Ilias von Homer, Unterwegs von Jack Kerouac oder Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, sie alle waren bis zu Bowies Tode 2016 im Alter von nur 69 Teil seines Lebens.

100 dieser Bücher stellt der Londoner Journalist John O’Connell jetzt mit Hilfe kurzer Essays in „Bowies Bücher“ vor; jeder gibt uns einen neuen Einblick in den Mann Bowie, wie die Literatur seine Musik beeinflusst hat und lassen uns so einen Künstler neu kennenlernen, der über vier Jahrzehnte wie kaum ein anderer die Musikwelt geprägt hat.

Die Wahl dieser Bücher stammt übrigens von Bowie selbst. Er hat sie 2013 für die Londoner Ausstellung „David Bowie Is“ zusammengestellt, eine Retrospektive seiner Karriere mit Rekordbesucherzahlen, wo sie zum Teil von der Decke des The Victoria & Albert Museums hingen.

Es sind die für ihn wichtigsten und prägendsten Bücher. Und schaut man sich die Werke genauer an, werden folgende zwei Muster deutlich:

Das erste bilden die kulturellen Elemente, die Bowies künstlerisches Empfinden formten; das zweite zeigt einen Weg durch Bowies Leben vom Kind zum Teenager und vom drogenumnebelten Superstar zum zurückgezogen lebenden Familienmenschen auf.

Bowie hat sich - zum Glück - nie in oberflächlichen Interviews oder einer selbstherrlichen Autobiografie gemein gemacht hat. (In der Bowie-Biografie „Ein Leben“ von Dylan Jones kommen nur Weggefährten und Kollegen zu Wort.)

Wer also war David Bowie? Ich denke, die Antwort steckt in seinen Lieblingsbüchern. „Bowies Bücher“ ist frisch bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen, hat knapp 400 Seiten und kostet 16 Euro. Großartig!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 The Atmosphere of Crime

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Als ehemaliger Polizeireporter bin ich von dem Fotoband „The Atmosphere of Crime, 1957“ des US-amerikanischen Fotografen Gordon Parks restlos begeistert:

Als das Life-Magazin Gordon Parks 1957 bat, eine Reihe von Artikeln über Kriminalität in den USA zu illustrieren, war er bereits seit fast einem Jahrzehnt fest bei Life angestellt, der erste Afroamerikaner, der diese Position innehatte.

Parks begab sich auf eine sechswöchige Reise, die ihn auf die Straßen von New York, Chicago, San Francisco und Los Angeles führte.

Im Gegensatz zu vielen seiner früheren Arbeiten fotografierte er dieses Mal in Farbe. Der daraus resultierende achtseitige Fotoessay "The Atmosphere of Crime" war nicht nur wegen seiner kühnen ästhetischen Raffinesse bemerkenswert, sondern auch, weil er Stereotypen über Kriminalität in Frage stellte, die damals in den Mainstream-Medien allgegenwärtig waren.

Parks lieferten eine farbenprächtige Darstellung einer weitgehend verborgenen Welt: Gewalt, Polizeiarbeit und Inhaftierung, gesehen mit Empathie und Offenheit.

Parks lehnte Klischees von Kriminalität, Drogenkonsum und Korruption ab und entschied sich für eine differenziertere Sichtweise, die die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren spiegelte, die mit kriminellem Verhalten verbunden sind.

Parks tat das, was er am besten konnte: die Realität so lebendig und überzeugend aufzunehmen, dass der Betrachter die Komplexität dieser in den Revolverblättern seiner Zeit chronisch vereinfachten Situationen erkannte.

„The Atmosphere of Crime, 1957“, vor wenigen Wochen bei Steidl (www.steidl.de) für 38 Euro erschienen, enthält auf 120 Seiten eine umfangreiche Auswahl nie zuvor veröffentlichter Aufnahmen aus der Originalreportage von Parks (1912 - 2006), der als erster afroamerikanischer Fotograf und Filmemacher landesweite Beachtung in den USA fand.

Sönke C. Weiss

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