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Reden ist silber...Schreiben ist gold

11.07.2022 die ARD-Weltspiegel-Moderatorin

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Mit ihrem Buch „Afghanistan“ hatte die ARD-Weltspiegel-Moderatorin Natalie Amiri die fast schon einmalige Gelegenheit, die jüngste Geschichte Afghanistans neu zu schreiben; doch leider verlieren sich die gut 250 Seiten auf wohl gemeinte Erklärungen und einige Gespräche, die die Autorin auch über Skype hätte führen können, anstatt vor Ort zu fahren, was sie 2021 gemacht hat und wohl 20 Jahre früher schon mehrfach.

Ihr Buch indes läßt sich auf folgende simple Formel bringen: `Der Westen hat versagt, die Zivilbevölkerung leidet mal wieder, vor allem die Frauen.`Richtig.

Aber es fehlen die Zusammenhänge, die beispielsweise Ahmed Rashid in seinem grandiosen Buch „Sturz in Chaos“ analysiert.

Auch schafft es Frau Amiri nicht, den Leser durch ihren Schreibstil zu fesseln, so wie es eine Annemarie Schwarzenbach bei ihren Reiseberichten aus Afghanistan gelungen ist.

Der Leser merkt einfach, dass die Autorin vom Fernsehen kommt, ihr die Kamera fehlt und sie mit Worten wenig umzugehen weiß, sie gar nur eine Moderation ist, aber keine Journalistin.

Frau Amiri spricht mir ihren Lesern, als seien sie leicht limitiert im Kopf.

Fernsehsprache eben. Bedauerlich. Ich war übrigens auch mehrfach in Afghanistan, habe dort sogar geholfen, ein Kind zu entbinden. 

So lernt man ein Land und seine Menschen kennen. Nicht durch Sätze wie: „In Afghanistan leben viele Völker.“ Aufbau Verlage (www.aufbau-verlage.de). 22 Euro. 

Sönke C. Weiss

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05.07.2022 Knast-Leben in Deutschland

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Hohe Betonmauern, massive Stahltüren, kleine, enge Zellen. Totale Kontrolle. So sieht meist die Realität von rund 70000 Menschen aus, vornehmlich Männer, die derzeit in Deutschland inhaftiert sind.

Nur wie lebt es sich auf acht Quadratmetern ohne Küche, Bad, Internet und Handy? Und wer hat wirklich das Sagen, die Vollzugsbeamten oder der härteste Knacki?

Burkhard Benecken, von Beruf Strafverteidiger, beschreibt in seinem Buch „Inside Knast" den knallharten Alltag in deutschen Gefängnissen.

In seinem ungeschönten Report, der authentischer nicht sein könnte, läßt er seine inhaftierten Mandanten zu Wort kommen. Wie eine junge Frau, die im Frauentrakt schwanger wird; bis zu einem Mehrfachmörder, der über eine Kontaktbörse immer wieder Frauen kennenlernt.

Die gut 200 Seiten sind ein exklusiver Einblick in eine Welt, mit der man nach Lesen der Lektüre nichts zu tun haben will. So schockierend sind die Schilderungen des Autoren.

Und genau das ist die Stärke des Buches, das als Präventivmaßnahme an insbesondere kriminell gefährdete Jugendlich gegeben werden sollte.

Mit diesem Buch in der Tasche kann sicher so manche schiefe Bahn vermieden werden. Riva Verlag (www.rivaverlag.de). 19,99 Euro.

Sönke C. Weiss 

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30.06.2022 Die Tiermörder

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

International berühmt geworden ist der österreichische Regisseur und Autor Ulrich Seidl mit seiner genialen „Paradies Trilogie", die in keiner Art und Weise dem Garten Eden ähnelt.

Ebenso wenig tut dies seine Dokumentation „Safari", in der deutsche und österreichische Jagdtouristen in den Weiten der afrikanischen Wildnis Zebras, Giraffen und andere Tiere erlegen, dabei vor Aufregung weinen, um anschließend für ein Foto mit dem toten Wesen zu posieren.

„Safari" heißt nun auch Seidls neuer Bildband über die Frage, wie man Tod und Natur, westlichen Kolonialismus und eine unterdrückte sogenannte dritte Welt im Rahmen fotografischer und filmischer Einstellung wertfrei für sich sprechen läßt.

Dazu der Autor: „Es gab Redakteurinnen und Fernsehleute, die ernsthaft die Meinung vertraten, dass das Zeigen vom Töten von Tieren einem Fernsehpublikum nicht zumutbar ist.

Da muss man sich zwangsläufig fragen, in welcher scheinheiligen und heuchlerischen Welt wir eigentlich leben. Woher kommt dieses Beharren auf Vertuschung, um zum Wohle der Zuschauerinnen und Zuschauer zu zensurieren und zu tabuisieren?"

Viele Tierschützer und vegane Fleischhasser werden vermutlich beim Anblick von „Safari" aufjaulen, wenn sie die dargestellten Machtverhältnisse in diesem Bildband sehen, doch die Botschaft des Herzeigens einer Trophäe - hier getötete Tiere, andere bevorzugen Autos oder Frauen - bleibt uns Menschen eigen und spiegelt eine Form des Tourismus, der noch heute praktiziert wird.

Texte von unter anderem Sibylle Berg versuchen Dialoglücken zwischen uns und dem Visuellen zu schließen. Doch meist reicht das nicht geschriebene Wort aus. Kehrer Verlag (www.kehrerverlag.com), 176 Seiten, 39,90 Euro. 

Sönke C. Weiss

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28.06.2022 Der Märchen Onkel aus der Ukraine

GFDK - Reden ist Silber

Wolodymyr Selenskyj meldet seit Wochen Erfolge seiner Amee über die Russen, die in unseren Medien zum besten gegeben werden.

"Feindliche Durchbruchsversuche abgewiesen. “
    
"Vorstoß bis zu 30 km Tiefe. “
    
"Feindliche Stellungen zertrümmert. “

"Russische Armee verliert hunderte Kämpfer – sorgt aber für steten Nachschub"

Das Problem ist nur, weder die Ukraine noch unsere Medien, die all diese Meldungen von Selenskyj verbreiten, konnten uns bisher keinen einzigen getöteten Russen präsentieren.

"Selenskyj spricht von »historischem Tag«, Ukraine droht mit Zerstörung von Krim-Brücke"

Zum 100. Tag des krieges verkündigte er ". Die russischen Truppen seien in 3620 Ortschaften der Ukraine einmarschiert, 1017 davon seien wieder befreit worden.

Die dümste Frage stellt am 18. Juni aber ein Pole, "Will Deutschland am Ende gar nicht, dass die Ukraine gewinnt?"

Hallo, ist irgendjemand auf dieser Welt, davon ausgegangen, das die Ukraine diesen Krieg gewinen Könnte? Und wie kommt eigentlich jemand auf die verblödete Idee, Deutschland könnte der Ukraine zum Sieg verhelfen?

Es liegt in der Natur der Dinge, dass die ukrainische Seite versucht, den Westen in den Krieg hineinzureden. Das gilt sowohl für Selenskyj als auch für den ukrainischen Botschafter in Deutschland. Dabei finden sie in den deutschen Journalisten willige Mitarbeiter.

Wie enttäuschte Theaterbesucher, die gern mehr Spektakel gesehen hätten, werfen manche Journalisten dem Kanzler Scholz seine vorsichtige Haltung vor. Das erinnert an aus dem Ruder gelaufene Theaterkritik, sagte Peter Sloterdijk in einem Gespräch mit DPA und Welt-Online.

Vor Jahren meinte der Papst, ein weiterer Weltkrieg würde in Stücken und Brocken ausbrechen – so sei es nun auch gekommen. Der Krieg sei „in gewisser Weise entweder provoziert oder nicht verhindert worden“. Offensichtlich gehe es auch um den Verkauf von Waffen.

Papst Franziskus hat die Weltgemeinschaft angesichts des Ukraine-Kriegs dazu aufgefordert, sich vom üblichen Gut-Böse-Schema zu lösen. Das katholische Kirchenoberhaupt sagte, manch einer möge ihm an dieser Stelle entgegenhalten, er sei pro Putin.

„Nein, das bin ich nicht. So etwas zu sagen, wäre vereinfachend und falsch. Ich bin einfach dagegen, die Komplexität auf die Unterscheidung zwischen Guten und Bösen zu reduzieren, ohne über die Wurzeln und Interessen nachzudenken, die sehr komplex sind“, betonte Franziskus. Das sagte er den europäischen Kulturzeitschriften des Jesuitenordens in einem Interview.

Am 23.05.2022 klärt uns Gabor Steingart in seinem Morning Briefing einmal auf, wie die Lage wirklich aussieht.

Wolodymyr Selenskyj meldet täglich gegnerische Verluste, spricht von zurück eroberten Teilgebieten und verkündete dann am Wochenende den finalen Schlag: Die Ukraine habe der russischen Armee „das Rückgrat gebrochen“, sagte Selenskyj in einem am Samstag ausgestrahlten Fernsehinterview: "Sie werden die nächsten Jahre nicht mehr auf die Beine kommen."

Wer mit der langjährigen Leiterin des Nato Foresight Teams, Dr. Stefanie Babst, spricht, der bis vor Kurzem ranghöchsten Frau in der europäischen Nato, kommt zu gänzlich anderen Erkenntnissen als Selenskyj. Demnach hat die Ukraine keineswegs der russischen Armee das Rückgrat gebrochen, sondern – im Gegenteil – sie wird von eben jener Armee erwürgt. Frau Babst spricht von der Boa-Constrictor-​​Strategie:

    
Die Russen sind von drei Seiten auf die Ukraine losgestürmt und versuchen jetzt nicht nur militärisch die ukrainischen Streitkräfte zu dezimieren, sondern auch mit wirtschaftlichen Mitteln die Versorgungslinien abzuschneiden. Man sieht das ganz deutlich im Süden am Asowschen Meer und am Schwarzen Meer:

Drei Hafenstädte wurden bereits eingenommen. Die letzte noch verbleibende freie ukrainische Hafenstadt Odessa liegt unter Belagerung."

Zählt man die ebenfalls besetzten Republiken Donezk und Luhansk im Südosten der Ukraine und die bereits 2014 von Russland eroberte Krim dazu, dann, sagt Frau Babst, bleibt nur noch ein ukrainischer Rumpfstaat übrig. Das sei das eigentliche Ziel der russischen Generalität:


Russland will die Ukraine in einen Rumpfstaat verwandeln, ohne Anbindung zur See und ohne die wirklich sehr wichtige industrielle östliche Basis, also im Donbass. “Zugleich stoße Russland immer wieder militärisch auch in den Westen der Ukraine vor, mit dem aus ihrer Sicht klaren Ziel:


Die russische Regierung möchte damit das Stresslevel in der ukrainischen Bevölkerung weiter hoch halten. Es ist schrecklich, unter andauerndem Beschuss oder Sirenenalarm zu leben. 

Henry Kissinger scheut sich nicht, das politisch Unkorrekte auszusprechen. Er deutete in seiner Videobotschaft für das Davos-Forum an, die Ukraine solle auf die russisch besetzten Gebiete auf der Krim und auf Teile des Donbass im Zuge einer Beilegung des Krieges verzichten. Er sagte wörtlich:


"Verhandlungen sollten innerhalb der nächsten zwei Monate beginnen, bevor die Situation zu Aufständen und Spannungen führt, die nicht mehr leicht zu überwinden sein werden." Kissinger warnte den Westen davor, sich immer tiefer in das militärische Abenteuer des Ukraine-Krieges zu verstricken. Man solle die Machtposition Russlands innerhalb Europas nicht unterschätzen. Der Westen möge im eigenen Interesse besser nicht zur Niederlage Russlands beitragen.

Gabor Steingart fragt seine Leser: 

Was eigentlich sind meine, Ihre Quellen der Information. Ich glaube: Demokratie braucht Fakten.

Um es mit Kurt Tucholsky zu sagen:
 "Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat."

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24.06.2022 Die Wilhelm Tells Story

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Welche Geheimnisse und Sehnsüchte machen ein Leben aus? Darum geht es in Jonathan Lees neuem Buch „Der große Fehler", der jüngst bei Diogenes (www.diogenes.ch) erschienen ist und den die britische Zeitung The Guardian als besten Roman des Jahres bezeichnet:

Als Sohn eines mittellosen Farmers wurde Andrew Haswell Green zum Selfmademan. Ohne ihn gäbe es weder den Central Park noch die Public Library, den Bronx Zoo, das American Museum of Natural History und das Metropolitan Museum of Art. Er war auch an bedeutenden Projekten wie dem Riverside Drive, dem Morningside Park und dem Fort Washington Park beteiligt.

Als er an einem Freitag den 13. im Jahr 1903 83-jährig vor seiner Haustür erschossen wird, erschüttert der Mord ganz New York City.

Eine überraschende Spurensuche beginnt, die über knapp 370 Seiten ihren Spannungsbogen nicht verliert. Eine wahre Geschichte über die Stadt, die niemals schläft. Grandios.

Ebenso unwiderstehlich ist der neue Roman von Joachim B. Schmidt mit dem schlichten Titel „Tell", in dem der Autor Wilhelm Tells Story neu und anders erzählt, einzigartig und frisch:

Tell, Eigenbrötler, Querulant, Wilderer, ist nicht nur ein Antiheld, sondern gleichzeitig ein zeitloser Jedermann, der in 100 schnellen Sequenzen einem explosiven Showdown entgegenfiebert, die jedem Hollywood-Blockbuster das Wasser reichen können.

Um diesen etwa 300 Seiten zu verfallen, muß man nicht mal den echten Tell kennen. Wow, wow, wow. Ebenfalls Diogenes. 23 Euro. 

Sönke C. Weiss

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22.06.2022 Die Mär von der Tatenlosigkeit

GFDK - Reden ist Silber

Erst unlängst äußerte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Deutschland „sich entscheiden" müsse, und nicht der Versuch unternommen werden sollte „einen Spagat zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland" zu machen.

Angesichts der massiven Unterstützung seitens der Bundesrepublik scheint es doch auf der Hand zu liegen, dass sich Berlin längst entschieden hat. Handelskontor-News gibt in einer neuen Infografik einen Überblick.

Nach aktuellen Daten hat Deutschland bis dato 780.000 ukrainische Flüchtlinge aufgenommen: von allen Nicht-Anrainerstaaten mit Abstand am meisten.

Zum Vergleich: auf Platz 2 landet Tschechien mit einer Anzahl von 373.965. Großbritannien – von Selenskyi nicht selten für seine Unterstützung gelobt – beheimatet unterdessen 70.500 Flüchtlinge aus dem leidgeplagten Land.

Dabei leistet Deutschland nicht nur häufig unterschätzte humanitäre Hilfe. Folgt man den Daten der Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), dann kommen aus der Bundesrepublik die viertgrößten Militärhilfen für die Ukraine.

So sollen seit seit der Invasion bereits Militärhilfen aus Deutschland in Höhe von 1,4 Milliarden Euro in die Ukraine geflossen sein. Hiermit inbegriffen: Waffen und Ausrüstung sowie finanzielle Hilfe für militärische Zwecke.

Wie die Infografik aufzeigt, haben lediglich Polen, Großbritannien sowie die USA mehr Militärhilfe geleistet. Allerdings ist dies lediglich eine Lesart. Je nach Kriterien oder beispielsweise auch in Relation zur Wirtschaftskraft fallen die Platzverteilungen deutlich anders aus.

Bisher sind in Folge der russischen Invasion etwa 7,6 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Wenig Hoffnung macht auch ein Blick auf andere Konflikte rund um den Globus: meldete das Team rund um den Conflict Barometer im Jahr 2019 beispielsweise noch 15 Kriege, waren es 2020 bereits 20 an der Zahl.

Andere Daten zeigen indes, dass im Jahr 2022 (Schätzung) weltweit 104 Millionen Menschen wegen Konflikten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen fliehen müssen: gegenüber dem Jahr 2010 ein Anstieg von 154 Prozent.

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05.06.2022 Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug

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„Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“, ein amerikanischer Klassiker, ist eines der größten Antikriegsbücher der Welt.

Der Roman konzentriert sich auf den berüchtigten Brandbombenanschlag auf Dresden im Zweiten Weltkrieg und ist das Ergebnis dessen, was der Autor Kurt Vonnegut als einen 23-jährigen Kampf beschreibt, um ein Buch darüber zu verfassen, was er selbst als amerikanischer Kriegsgefangener miterlebt hat.

Es kombiniert Science-Fiction, Autobiografie, Humor, historische Fiktion und Satire in einem Bericht über das Leben von Billy Pilgrim, dem Sohn eines Friseurs, der zum Wehrpflichtigen, zum Augenoptiker und zum Entführten von Außerirdischen wurde.

Billy erlebt wie Vonnegut die Zerstörung Dresdens als Kriegsgefangener, und wie bei Vonnegut ist dies der entscheidende Moment seines Lebens.

Im Gegensatz zum Autor erlebt er auch Zeitreisen oder das „Lösen in der Zeit“. Billy Pilgrims Odyssee spiegelt die mythische Reise unseres eigenen zerbrochenen Lebens, während wir nach einem Sinn in dem suchen, was wir am meisten fürchten.

Ausgehend von diesem grandiosen Werk der Weltliteratur übersetzten der Schriftsteller Ryan North und der Zeichner Albert Monteys diese in sich zeitlose Story in die Sprache eines äußerst gelungenen Graphic Novels.

Doch gleichgültig, wie krass und abgefahren dieser Klassiker scheint, „Schlachthof 5“ ist ein großartiger realistischer Roman, ob als Textbuch oder Comic.

Der erste Satz lautet: „All das ist mehr oder weniger passiert.“ Im ersten Kapitel erzählt uns Vonnegut, wie schwer es war, das Buch zu schreiben, wie schwer es für ihn war, mit dem Krieg umzugehen.

Er erzählt uns, dass seine Charaktere echte Menschen waren, obwohl er alle Namen geändert hat. „Ein Typ, den ich wirklich kannte, wurde in Dresden erschossen, weil er eine Teekanne genommen hatte, die ihm nicht gehörte.

Ein anderer Typ, den ich wirklich kannte, drohte damit, seine persönlichen Feinde nach dem Krieg von bewaffneten Söldnern töten zu lassen.“

Und später, als seine Charaktere, die mit den geänderten Namen am Schlachthof 5 ankommen, erinnert er uns daran, dass er dort bei ihnen ist und mit ihnen leidet. Bis zu seinem Tod 2007.

Vor dem Hintergrund des derzeitigen Ukraine-Krieges, der durch Waffenlieferungen vermutlich noch unabsehbar verlängert wird, ist „Schlachthof 5“ Pflichtlektüre. Erschienen bei Cross Cult (www.cross-cult.de), 192 Seiten, 35 Euro. 

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03.06.2022 weibliche Widerstandskraft

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2004 fotografierte ich auf Wunsch einer Ärztin eine Operation im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Die Patientin war nicht nur von Milizen vergewaltigt, sondern ihr war auch die Vagina durch Gegenstände wie Gewehrkolben und Stöcke vollständig zerstört worden.

Noch nie in meinem Leben hatte ich Spuren solcher Gnadenlosigkeit gesehen oder gar dokumentiert.

Die Filme habe ich später der Ärztin mit nach England gegeben, wo sie für Ausbildungszwecke verwendet wurden, alles unter der Supervision von Dr. Denis Mukwege, dem auch die Klinik in Goma unterstand und der 2018 den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz für die Gesundheit und Rechte von Frauen erhielt.

In seinem Buch mit dem Titel „Die Stärke der Frauen“ erzählt Dr. Mukwege, wie ihn weibliche Widerstandskraft lehrte, an eine bessere Welt zu glauben.

Auf gut 400 Seiten verwebt der weltbekannte Gynäkologe seine eigene dramatische Lebensgeschichte mit den Schicksalen seiner Patientinnen und anderen Frauen, die seinen Weg begleitet haben.

Sein Appell zeigt, was ein einzelner Mensch bewegen kann, und ist zugleich ein Plädoyer für eine grundlegende Veränderung im Rollenverständnis zwischen Männern und Frauen; alles vor dem Hintergrund des über 20 Jahre andauernden Konfliktes in der Süd-Kivu-Region der DRC, dem bis heute über eine Million Menschen zum Opfer gefallen sind, ohne das die Weltgemeinschaft relevanten Schutz und nachhaltige Hilfe angeboten hat.

„Die Stärke der Frauen“ ist trotz seiner grausamen Thematik ein Buch voller Hoffnung und Respekt. Erschienen bei C. Bertelsmann (www.cbertelsmann.de). 26 Euro. 

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29.05.2022 Mit Filz und Fett zum Kunst-Weltstar

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Scharlatan oder Weltkünstler? Dazwischen gibt es wohl keine Meinung. Die Rede ist von Joseph Beuys. Seine Präsenz in der Kunstszene ist noch heute spürbar, aus der Kunstgeschichte ist er nicht wegzudenken.

Selbst 36 Jahre seit seinem Tod im Jahr 1986, vor wenigen Tagen wäre er 101 geworden. Sein Image mit Filzhut, Jeans und Anglerweste ist Teil des kollektiven Gedächtnisses; er demokratisierte die Westdeutsche Kunstausbildung und perpetuierte zugleich den Geniekult des 19. Jahrhunderts.

Für ihn waren alle Menschen Künstler, aber seine Kunst blieb für viele Betrachter unverständlich. In seinem Buch „Joseph Beuys - Kunst, Kapital, Revolution“ stellt der Autor Philip Ursprung sich und dem Leser folgende Frage: Welche Rolle spielt der Mann aus Kleve heute?

Ursprung begibt sich auf eine zeithistorische Reise zu 24 zentralen Beuys-Schauplätzen und bietet dabei einen umfassenden Einblick ins Gesamtwerk des Künstlers im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhang der Bundesrepublik Deutschland.

(Beuys war Gründungsmitglied der „Grünen“). Letztendlich läßt sich sein Werk so zusammenfassen: Provokation bedeutet im Kern nichts anderes als Produktion.

Und produktiv war Beuys Zeit seines Lebens. Zumeist mit seinen Lieblingsmaterialen Filz und Fett. In „Joseph Beuys“ reist der Leser zu diesen Werken und führt uns zu unerwarteten Einsichten.

Also Scharlatan oder Weltkünstler? Das muß jeder für sich entscheiden. Ich persönliche entscheide mich für Letzteres. 336 Seiten. C.H. Beck (www.chbeck.de/nachhaltig). 29,95 Euro. 

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28.05.2022 Augenblick Frau

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Der Kopf einer am Boden liegenden Frau, das halbe Gesicht ist verschüttet, die Augen geschlossen. Der starke Hell-Dunkel-Kontrast betont die Gesichtsform, die leicht gewölbte Stirn, das Halbrund der Augenlider, den eleganten Schwung der Nase, die leicht gewellten Haare.

Den Rahmen konventioneller Rollenbilder und Klischeevorstellungen von Weiblichkeit zu sprengen und in Frage zu stellen, ist das zentrale Thema von Marielis Seylers Fotografie, jetzt präsentiert in einem beeindruckenden Band mit dem Titel „Momentum Frau - Being in the Moment of a Woman“ aus dem Hause Hirmer (www.hirmerverlag.de).

Seylers Frauenbilder entziehen sich jedweder ideologisierenden Behauptungen. Sie sind intime Stories, die zu einem unentwegten Augenblick einer intuitiven, emphatischen und poetischen Seharbeit verschmelzen.

Es sind Fotos von narrativer wie berührender Schönheit. Marielis Seyler wurde 1942 in Wels, Österreich, geboren und besuchte die legendäre Graphische Lehr- und Versuchsanstalt Wien, in der sie ihre fotografische Ausbildung absolvierte.

Nach langjährigen Aufenthalten in Japan und Europa begann sie in den 1980er Jahren in Wien ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie.

Im Fokus stehen dabei die Themen Natur sowie Frau. Abgerundet wird der Fotoband „Momentum Frau“ mit Essays und einem ausführlichen Interview mit der Künstlerin, in dem sie auf ihr Werk eingeht. 144 Seiten. 65 Abbildungen. 35 Euro. 

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