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Reden ist silber...Schreiben ist gold

07.07.2020 asoziale Holländer

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Kurz und knapp, dafür saftig - Deutschland diskutiert über die Maskenpflicht im Kampf gegen Corona. Mal wieder. Dabei ist die Sache ganz einfach: Wer beim Einkaufen oder in der Bahn keine Maske trägt, handelt asozial, schreibt der Reporter Christoph Seidler vom Spiegel.

Nun ich war gestern in Holland. Dort hatte niemand eine Maske in den Geschäften auf, weil sie es auch nicht müssen. Demnach sind wohl, für das Spiegel-Männlein, alle Holländer und auch die dortige Regierung asozial. Das wird unsere lieben Nachbarn sicherlich freuen. Ich rate Herrn Seidler dringend davon ab, in der nächsten Zeit seinen Urlaub in Holland zu verbringen.

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06.07.2020 Die alpine Heimsuchung

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die alpine Heimsuchung - Ruhig sieht das Dorf aus, verlassen, keineswegs wie ein Tourismus-Ungeheuer mit 250 Millionen Euro Umsatz jährlich und 1,4 Millionen Übernachtungen bei knapp 1.600 Einwohnern. Delirium Alpinum. Ischgl in Tirol. Eine Heimsuchung.

Ein nie enden wollender Rausch. Vermutlich die Partnergemeinde von Sodom und Gomorrah. Aber auch eines der besten Skigebiete in den Alpen und Hochburg der - auf Neudeutsch - Eventkultur und seit Corona auch Drehscheibe der Ausbreitung von Covid-19 für ganz Europa und vermutlich darüber hinaus.

In seinem jüngsten Fotoband „Ischgl“ zeigt Lois Hechenblaikner Schreckensbilder dieser enthemmten und zügellosen Urlaubswelt, dass einem sofort klar wird, warum sich das Virus so rasant hat ausbreiten können:

Ausufernde Aprés-Ski-Orgien und andere Exzesse, die sprachlos machen. Hechenblaikner war mit seiner Kamera so gnadenlos mitten unter diesen Menschen, dass ich schon Anblicken seiner Fotos den Wahnsinn dieser verantwortungslosen Vergnügungsindustrie fühlen konnte.

„Ischgl“ irritiert, ist aber alternativlos, kommt einem einzigen Grenzgang nahe, verspricht und liefert eine visuelle Herausforderung, versprüht pure visuelle Wucht, der Hammer unter den neuesten Fotobüchern und geht es zur Zeit auch verkaufstechnisch durch die Decke, die dritte Auflage ist bereits im Druck, was für dieses Buchgenre sehr ungewöhnlich ist.

Alkohol. Hormonstau. Abfall. Chaos. Ich war den 240 Seiten ausgeliefert. Besonders auch wegen der Aktualität. Als „Ischgl“ bei Steidl (www.steidl.de) erschien, wurde die Quarantäne über dem Ort aufgehoben.

Der Spuk verspricht schon bald wieder zu beginnen. „Ischgl“ kostet 34 Euro, für eine Flasche Wein blättern Mann wie Frau dort schon mal 3.000 hin. Zum Wohl!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 Davis Bowie der Bücherwurm

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

David Bowie hasste Flugzeuge. So es ihm möglich war, reiste er mit dem Zug, wobei er in speziellen Koffern stets seine mobile Bibliothek mit sich führte, was für den einen oder anderen Leser eine Überraschung sein mag, aber David Bowie, einer der größten musikalischen Künstler der zurückliegenden Jahrzehnte, liebte Literatur.

Er sagte: „Die einzige Kunst, mit der ich mich jemals beschäftige, ist die, bei der ich mich bedienen kann.“ Bowie hat immer und überall gelesen, vor Konzerten, nach Konzerten, im Drogenrausch und während des Entzugs; er hat Rezensionen verfasst und sprach pausenlos über die unzähligen Werke, die er über die Jahre verschlungen hat.

Ob es Der Fremde von Albert Camus war, Madame Bovary von Gustave Flaubert, die Ilias von Homer, Unterwegs von Jack Kerouac oder Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, sie alle waren bis zu Bowies Tode 2016 im Alter von nur 69 Teil seines Lebens.

100 dieser Bücher stellt der Londoner Journalist John O’Connell jetzt mit Hilfe kurzer Essays in „Bowies Bücher“ vor; jeder gibt uns einen neuen Einblick in den Mann Bowie, wie die Literatur seine Musik beeinflusst hat und lassen uns so einen Künstler neu kennenlernen, der über vier Jahrzehnte wie kaum ein anderer die Musikwelt geprägt hat.

Die Wahl dieser Bücher stammt übrigens von Bowie selbst. Er hat sie 2013 für die Londoner Ausstellung „David Bowie Is“ zusammengestellt, eine Retrospektive seiner Karriere mit Rekordbesucherzahlen, wo sie zum Teil von der Decke des The Victoria & Albert Museums hingen.

Es sind die für ihn wichtigsten und prägendsten Bücher. Und schaut man sich die Werke genauer an, werden folgende zwei Muster deutlich:

Das erste bilden die kulturellen Elemente, die Bowies künstlerisches Empfinden formten; das zweite zeigt einen Weg durch Bowies Leben vom Kind zum Teenager und vom drogenumnebelten Superstar zum zurückgezogen lebenden Familienmenschen auf.

Bowie hat sich - zum Glück - nie in oberflächlichen Interviews oder einer selbstherrlichen Autobiografie gemein gemacht hat. (In der Bowie-Biografie „Ein Leben“ von Dylan Jones kommen nur Weggefährten und Kollegen zu Wort.)

Wer also war David Bowie? Ich denke, die Antwort steckt in seinen Lieblingsbüchern. „Bowies Bücher“ ist frisch bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen, hat knapp 400 Seiten und kostet 16 Euro. Großartig!

Sönke C. Weiss

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06.07.2020 The Atmosphere of Crime

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Als ehemaliger Polizeireporter bin ich von dem Fotoband „The Atmosphere of Crime, 1957“ des US-amerikanischen Fotografen Gordon Parks restlos begeistert:

Als das Life-Magazin Gordon Parks 1957 bat, eine Reihe von Artikeln über Kriminalität in den USA zu illustrieren, war er bereits seit fast einem Jahrzehnt fest bei Life angestellt, der erste Afroamerikaner, der diese Position innehatte.

Parks begab sich auf eine sechswöchige Reise, die ihn auf die Straßen von New York, Chicago, San Francisco und Los Angeles führte.

Im Gegensatz zu vielen seiner früheren Arbeiten fotografierte er dieses Mal in Farbe. Der daraus resultierende achtseitige Fotoessay "The Atmosphere of Crime" war nicht nur wegen seiner kühnen ästhetischen Raffinesse bemerkenswert, sondern auch, weil er Stereotypen über Kriminalität in Frage stellte, die damals in den Mainstream-Medien allgegenwärtig waren.

Parks lieferten eine farbenprächtige Darstellung einer weitgehend verborgenen Welt: Gewalt, Polizeiarbeit und Inhaftierung, gesehen mit Empathie und Offenheit.

Parks lehnte Klischees von Kriminalität, Drogenkonsum und Korruption ab und entschied sich für eine differenziertere Sichtweise, die die sozialen und wirtschaftlichen Faktoren spiegelte, die mit kriminellem Verhalten verbunden sind.

Parks tat das, was er am besten konnte: die Realität so lebendig und überzeugend aufzunehmen, dass der Betrachter die Komplexität dieser in den Revolverblättern seiner Zeit chronisch vereinfachten Situationen erkannte.

„The Atmosphere of Crime, 1957“, vor wenigen Wochen bei Steidl (www.steidl.de) für 38 Euro erschienen, enthält auf 120 Seiten eine umfangreiche Auswahl nie zuvor veröffentlichter Aufnahmen aus der Originalreportage von Parks (1912 - 2006), der als erster afroamerikanischer Fotograf und Filmemacher landesweite Beachtung in den USA fand.

Sönke C. Weiss

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05.07.2020 Klima- und Coronahysterie, Rassismushysterie

GFDK - Reden ist Silber - Klaus Miehling

Zur Klima- und Coronahysterie haben sie die Rassismushysterie hinzugefügt. Denkmäler werden besudelt oder gar gestürzt, der Film „Vom Winde verweht“ nicht mehr gezeigt, einzelne Folgen der Serie „Scrubs“ gelöscht.

Synchronsprecher der Serie „Die Simpsons“ geändert, Mohrenköpfe aus dem Sortiment genommen, nach dem Sarotti-Mohr auch die Werbefigur von „Uncle Ben‘s“ Reis eliminiert.

„Mohrenapotheken“ und „Mohrenstraßen“ umbenannt, die Flagge des US-Bundesstaates Mississippi geändert … und was die Selbstzensur nicht schafft, das zensieren die Sozialen Medien.

Man kann das nur noch als absoluten Wahnsinn bezeichnen. Wahrscheinlich hätte keine einzige dieser Maßnahmen eine Mehrheit in der Bevölkerung – trotzdem werden sie durchgesetzt. Wie kann das sein?

Warum lassen wir uns von einigen extremistischen Spinnern diktieren, wie wir uns zu verhalten haben, was wir reden und schreiben dürfen?

Das auch noch

Merkel, von der Leyen und Lagarde: „Das Damen-Trio mobilisiert gemeinsam also mehr als 2.000.000.000.000 Euro. Würde man diese Menge in 50-Euro-Scheinen der Länge nach hintereinanderlegen, könnte man 140-mal um die Erde kommen.

Alternativ könnte man - nach Berechnung des Frankfurter Mathematikprofessors Matthias Ludwig - damit das deutsche Autobahnnetz zweimal komplett bekleben - und das in Österreich und der Schweiz gleich mit dazu, inklusive Leitplanken und Standstreifen.“

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04.07.2020 Werbeboykott Facebook

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Eines muß ich mal loswerden. Ich habe 1300 "Freunde" bei Facebook, und habe in den vergangenen 10 Jahren, weder auf meiner Seite, noch bei den "Freunden" jemals einen Hasskommentar gelesen. Ok: Es hat mal einer geschrieben, der alte weiße Mann soll aufhören zu schreiben. Nun gut, damit kann ich Leben. Aber das Unternehmen und Konzerne sich nun als Wächer aufspielen, geht mir zu weit.

Die Streamingplattform Twitch hat den Account des Wahlkampfteams von US-Präsident Donald Trump vorübergehend gesperrt. Grund dafür sind Hassinhalte und der Verstoß gegen die Community-Richtlinien der Plattform, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf eine Twitch-Sprecherin berichteten.

Twitch, gehört zum Amazon-Konzern. Das Jeff Bezos und Donald Trump keine Freunde sind, ist ja auch bekannt.

Die Plattform Reddit sperrte die bei Trumps Anhängern beliebte Gruppe "The_Donald", die laut "New York Times" zuletzt knapp 800.000 Mitglieder hatte. "Gefährliche Individuen" oder Organisationen werden nun auch bei Facebook  gesperrt.

Werbeboykott gegen Facebook

Facebook ergreift unter dem Druck des Werbeboykotts erste Maßnahmen, um Hass und Hetze auf seiner Plattform den Riegel vorzuschieben. Wie das Unternehmen mitteilte, wurden rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten des rechtsextremen und regierungsfeindlichen "Boogaloo"-Netzwerks aus den USA gesperrt.

Die Bewegung bemühe sich aktiv darum, Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen anzustacheln.

In seiner Erklärung betonte Facebook, dass man gewaltverherrlichende Inhalte der Bewegung seit Monaten entferne. Nun aber gehe man noch einen Schritt weiter. Davon ist nicht nur das Boogaloo-Netzwerk betroffen.

Daneben wurden auch noch 400 weitere Gruppen und über 100 Seiten gesperrt, die gemäß Facebooks Richtlinien als gefährliche Individuen oder Organisationen einzustufen sind.

Für die freie Meinungsäußerung

Facebook wehrt sich: "Wir investieren jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in Mitarbeiter und Technologien, um unsere Plattform sicherer zu machen, schrieb der Chef der globalen Unternehmenskommunikation von Facebook, Nick Clegg.

"Wir haben die Zahl der Menschen, die für die Sicherheit unserer Plattformen zuständig sind, verdreifacht auf mittlerweile mehr als 35.000 Personen", berichtet Clegg.

Wenn Inhalte weder als Hassrede eingestuft würden noch gegen andere Richtlinien wie zum Beispiel Wahlbeeinflussung verstießen, entscheide man sich im Zweifel für die freie Meinungsäußerung."

Nick Clegg nimmt in seinem Gastbeitrag, der in Deutschland in der FAZ erschienen ist, das Netzwerk in Schutz. In den täglich mehr als 100 Milliarden Nachrichten und Interaktionen sei nur ein "winziger Bruchteil" hasserfüllt.

"Bei so vielen Inhalten, die jeden Tag veröffentlicht werden, ist das Entfernen von Hassrede wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", schreibt der Ex-Politiker.

"Wenn wir Hassrede auf Facebook und Instagram finden, verfolgen wir einen Null-Toleranz-Ansatz und entfernen sie." Mittlerweile haben sich über 300 Unternehmen dem Werbeboykott gegenüber dem sozialen Netzwerk angeschlossen. Dazu muß man Wissen, Facebook hat über sieben Millionen Kunden.

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25.06.2020 der Wegaufzeichner

GFDK - Reden ist Silber - Eva Horstick-Schmitt

Erstveröffentlichung am 15. März 2013 auf GFDK - Martin Kippenberger war ein genialer,  sich selbstinszenierender Kunst-Clown mit radikaler Selbstironie.

Ich tauche mit Respekt ein in seine verletzliche Seele beim Blick auf sein umfangreiches Werk, präsentiert in der Nationalgalerie Hamburger Bahnhof Berlin.

Sein Leben als Mischpult der Kunst, in der er der Mittelpunkt sein wollte.

Er hinterfragt in seinen Werken sich, die Gesellschaft, die Kunst, den Markt – stilmixend, mit dem Hirn und Herzen eines chaotischen und sympathischen Treppentwisters. 

Die kunstbeflissene Jetztzeitgesellschaft - ob sie sein Werk versteht?

Seine Frösche am Kreuz glänzen auf uns herab wie ein Frosch-Ermahnung, uns besser mit der Natur zu versöhnen, als sie weiter zu quälen.

Martin Kippenberger - ich sage  Dir, egal wo du gerade bist im Universum - es ist ein Genuss  zu verstehen - wenn man mit dem Herzen sieht und nicht nur mit dem Verstand.

Das Bild, welches Du von Dir vermittelst, zeigt mir einen Menschen, der auch geht, wenn ein Tor ohne Kontur ist. Deine Nase ragt ebenso vorwitzig in die Welt, wie die mich berührenden Plakate deiner Ausstellungsankündigungen mit den schrägen Slogans, die an Dadaismus erinnern lassen.

Dein umfangreiches und abwechslungsreiches Lebenswerk in Form von Installationen, Malerei, Fotografie, Grafik und mehr beeindruckt genauso wie deine Statements.

Der Martin in der Ecke - als Skulptur - erinnerte mich an meine eigene Schulzeit  "Eva in der Ecke", wie es viele erinnern wird an eine Zeit, in der das Diktat des Gehorsams galt.

Die Plakate, Malereien und Fotografien lassen nicht nur erahnen, welch ein kluger Kopf hinter dem allen stand, sondern sind der Beweis für humorvolles und zynisches "Zeit-voraus-denken".

Als permanente "Ermahnungsleuchte" im Dickicht dieser Welten sammelte Kippenberger scheinbar alles was ihm vor die Füsse fiel und verarbeitete es zu einem leckeren Menü diverser Speisen, die uns manches Mal auch im Hals stecken bleiben sollen. 

Mich beeindruckte auch der Aufbau der Show, wie sie präsentiert wurde durch die verantwortlichen Kuratoren. Das war eine Höchstleistung, wo es doch 300 Werke kreativ unterzubringen galt.

Diese Kippenberger Show lohnt sich - und es fiel mir äußerst schwer, diese Aura des Werkes zu verlassen. Ich hätte mir gern mein Zelt dort aufgebaut und mehrere Tage diese Ausstellung genossen.

Kippenberger wurde nicht nur zu Lebzeiten von Dortmund ignoriert. 

Als das U gebaut -  2010 gerade fertig geworden - verwarf man in Dortmund schnell die Überlegung den Platz vorm U  "Kippenberger Platz" zu nennen, weil er doch Frösche ans Kreuz nagelte und die Inhaber der Provinzpossen aus Dortmund nicht gerade Durchblick bewiesen haben mit ihrer Art des Denkens.

Sie bekamen die Quittung. Eine Ausstellungsanfrage des Direktors des U wurde von den "Wächtern des Werkes Kippenbergers" zu recht abgesagt.

Martin Kippenbergers Mutter hat in Dortmund eh nur  kurz seine Windeln entsorgt, denn die Familie zog meines Wissen schon frühzeitig aus Dortmund weg.

Einige private sw Bilder des jungen Kippenberger lassen erahnen, welch inniges Verhältnis er zu seiner Mutter, seiner Familie hatte.

Auf mich wirkt er durch seine Kunst wie ein Mensch, der seinen Lebens-WEG ausdrücken wollte mit anderen Mitteln.  Einer, der durch seine Rastlosigkeit etwas suchte, was in der Welt ins Abseits geriet. 

Er verlor sich vielleicht auf der Autobahn des Lebens  und ertrug das alles nur noch mit einer nicht geringen Menge an Alkohol.

1997 starb er und wurde posthum zum berühmten Aussenseiter. Ich hätte ihm von Herzen gegönnt seinen Erfolg geniessen zu dürfen, der ihm seit einigen Jahren entgegen eilt.

Er wäre 2013  60 geworden. 

Trotz gefälltem Baum, eine Wurzel lebt   - und das ist diese seine Kunst. 

Die Kunst-Wurzel in die unendlich verschlungene Tiefe der Erde mit Abzweigwurzeln in alle Richtungen.

Eva Horstick-Schmitt

2013 im Februar 

arteve.de

Kuratiert von Udo Kittelmann und Britta Schmitz, Ko-Kuratorin: Miriam Halwan

23. Februar - 18. August 2013

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin

Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin

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18.06.2020 Bücher von Starken Frauen

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ihr Weltbestseller „Eat Pray Love“ verkaufte sich 15 Millionen Mal, Elizabeth Gilberts neuestes Werk „City of Girls“ verspricht auch wieder, die Verlagshäuser reich(er) zu machen:

Vivian wird aus der Provinz in die große Stadt geschickt, New York natürlich, wohin sonst, und findet sich in einem Trubel von Musicals, Bars, Jazz und selbstverständlich fiesen Gangstern wieder, bis sie in einen Skandal verwickelt wird, der ihr Leben für immer verändert.

Oha! Genau. Die ganze Schose spielt in den Vierzigern und, das muß Mann schon sagen dürfen, ist auf Frauen gemünzt, ähnlich wie „Eat Pray Love“ gestrickt ist. Vermutlich wird „City of Girls“ auch mit Julia Roberts verfilmt werden, denn das Muster Ende gut, alles gut, trägt die 496 Seiten für nur 16,99 Euro aus dem Hause S. Fischer (www.fischerverlage.de) wohl.

„Der Funke des Lebens“ ist Jodi Picoults 27. Buch und hat wesentlich mehr Tiefgang. Es beschäftigt sich mit dem immer wieder aktuellen Thema: Wie können die Rechte schwangerer Frauen in Einklang mit den rechten ungeborener Kinder gebracht werden?

Was sich zunächst nach einer Wiederholung von „hart aber fair“ anhört, liest ich in der Tat sehr spannend: An einem warmen Herbsttag stürmt ein Schütze in eine Frauenklinik in Jackson, Mississippi, nimmt alle Anwesenden als Geiseln, darunter auch die Tochter des leitenden Polizeiunterhändlers wie eine als Patientin getarnte Pro-Leben-Aktivistin.

Viele andere Nebenpersonen, die alle ihre eigene Geschichte haben, tragen zum Plot bei, ohne nur Seitenfüller zu sein. „Der Funke des Lebens“ ist emotional aufwühlend, ohne dabei zu manipulieren.

Zumindest nicht politisch, was die Autorin, die in Princeton und Harvard ausgebildet wurde, schon mal auszeichnet und verdient zu einer der mutigsten Gegenwartsautorinnen der USA macht.

„Der Funke des Lebens“ gibt keine Antworten, was vermutlich auch die Stärke des Buches ist. Erschienen bei C. Bertelsmann (www.randomhouse.de), hat der Roman 448 Seiten und kostet 20 Euro.

Sönke C. Weiss

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15.06.2020 Zwei Bücher, Passport und Ober-Fläche

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

In seinem jüngsten Buch „Passport“ zeigt uns der französische Fotograf François-Marie Banier (www.fmbanier.com) einfach nur 29 Gesichter junger Afghanen, die er auf den Straßen von Paris porträtiert hat, die ihren Weg vom Hindukusch zum Place de la République geschafft haben, irgendwie.

Der Schriftsteller Atiq Rahimi hat die jungen Männer befragt, daraus entstanden Textfragmente, die zu den Bildern hinzugefügt wurden. Es sind Sätze, die oftmals mehr sagen und einen tiefer treffen, denn mancher Roman auf 500 Seiten. Wie zum Beispiel:

„In your eyes I am the other. Like you in the eyes of another.“ Was so viel heißt wie: In deinen Augen bin ich der Andere. Wie du das in den Augen eines Anderen bist.

„Passport“ ist ein direktes, ein ehrliches Buch, das sich wie eine Herzensangelegenheit der Autoren Banier und Rahimi anfühlt, die voller Empathie Umstände wie Exil, Fremdheit und Dazugehören in Wort und Bild in Frage stellen, so sie doch zu unserer modernen Welt dazugehören.

Das Alltägliche steht auch in Martin D‘Orgevals neuen Buch „Sur Face“ (Ober Fläche) im Mittelpunkt.

Der ebenfalls französische Fotokünstler (www.martindorgeval.com), dem man wohlgetrost als Minimalisten bezeichnen darf, zeigt uns 26 scheinbar banale Dinge auf oder in Oberflächen, wie ein Loch in einer Holzwand, einen Farbklecks auf einer Straße oder eine Zahl auf einer Häuserwand.

D’Orgevals trifft in seiner Fotokunst Aussagen zu Materie, die Sache, die alles verbindet, die sich ihm zu offenbaren scheint und sagt: ‚Ich bin das. Mach mal ein Foto.“

Die große Gabe dieses Künstlers ist, dass bevor der Auslöser klickt, er erkennt, wann sich ihm Materie offenbart. Ich vermute, er kann die Anwesenheit von Photonen wahrnehmen, was kein Witz ist.

Er erkennt das Moment. So oder so, seine Kunst erlaubt uns einen anderen Blick auf die Welt, ist verzückend und legt trotz seiner offensichtlichen Einfachheit etwas sehr Komplexes unter der „Ober Fläche“ frei.

Beide Bücher - unterschiedlich, nichtsdestotrotz auf ihre nonkonformistische Art faszinierend - sind bei Steidl erschienen (www.steidl.de). „Passport“ kostet 24, „Sur Face“ 40 Euro.

Sönke C. Weiss  

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09.06.2020 Lust auf Wandel

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Seit dem 27. Januar 2020 ist die COVID-19-Pandemie in Deutschland präsent, am 27. März trat der sogenannte Shutdown in Kraft, heute, nach den ersten Lockerungen, ist unsere Gesellschaft geteilt in Verschwörungstheoretiker, Vernünftige, Leichtsinnige und denen, die sich irgendwo dazwischen zu Hause fühlen.

Bücher gibt es selbstverständlich auch schon zu unserer neuen Zeitrechnung, zwei davon empfehle ich sehr, weil sie weg von jeglicher Hysterie angesiedelt sind, ein positives Weltbild spiegeln und Lust auf neues Gemeinwohl machen.

In „Trotzdem“ gehen der Jurist und Schriftsteller Ferdinand von Schirach sowie der ebenfalls Jurist und Filmemacher Alexander Kluge der Frage nach, was Corona für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet.

Ihr scharfsinniges Gespräch stimmt nachdenklich und bietet viele Lösungsansätze, hat Weitblick und endet mit der Frage, warum eigentlich wenden wir unsere Lehren durch Corona nicht ins Positive?

Von außen ist „Trotzdem“ - bei Luchterhand (www.randomhouse.de) erschienen - ein unscheinbares Buch, in der Flut sensationslüsterner Berichterstattung sind die 80 Seiten für nur acht Euro aber eine lohnende Reflexionshilfe.

Wie „Die Zukunft nach Corona“ des Trend- und Zukunftsforschers Matthias Horx, der auf 144 Seiten beschreibt, wie Corona unsere zwischenmenschliche Kommunikation verändert, die Art wie wir arbeiten, wie wir fühlen, denken und welche Rolle die menschliche Angst in unserer Gesellschaft spielen wird.

Es geht dem Autoren um die gesellschaftlichen Herausforderungen und wie wir diese in Zuversicht wandeln können. Grundsätzlich handelt „Die Zukunft nach Corona“, bei Ullstein (www.ullstein-buchverlage.de) für 15 Euro erschienen, von unserem Umgang mit dem Unberechenbaren und dass es keinen Weg zurück in die Vergangenheit gibt, selbst wenn sich das viele von uns erträumen oder vormachen.

Panik und Verblüffung weichen hier einer wahren Lebenserfahrung, die unser Inneres verändern wird, wodurch Corona auch zum Spiegel unserer selbst wird, unseres Wandels, auf den wir irgendwann die richtigen Antworten finden werden.

Sönke C. Weiss

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