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Reden ist silber...Schreiben ist gold

11.03.2012 Was die Medien so alles berichten

Stephan Lüring

Berlin ist immer eine Reise wert. So sollte es auch dieses Mal sein. Eigentlich ging es mir nur um den Besuch auf der ITB, dem jährlichen Treffen der Tourismusleute aus der ganzen Welt.

Seit Jahren fahre ich dorthin und das Wiedersehen mit Kollegen ist immer wieder bereichernd. Doch dann plötzlich diese Nachricht in den Onlineausgaben der bekannten Zeitungen und Zeitschriften.

Vuvuselas in Berlin ausverkauft – Bis zu 3000 Demonstranten wollen Wulff den Marsch blasen, ihm einen Schlussakkord setzen, den er nie vergessen wird

Das machte mich neugierig und so bereitete ich mich mental auf eine laute Großkundgebung vor. Noch im Hellen erkannte ich ca. 200 Presseleute, die mit Kameras und Mikrofonen „bewaffnet“ die ganzen Protestler interviewen und beim Vuvusela-blasen filmen wollten. Doch da war nichts – sogar eine viertel Stunde vor Beginn des Zapfenstreiches nur „Neugierige“ und Polizisten.

Selbst der Realsatiriker Martin Sonneborn hatte so seine Schwierigkeiten. Er war mit einer Gruppe Musikern vorbeigekommen, um den Abschied des Bundespräsidenten „in Szene zu setzen“. Die adrette NVA-Kleidung saß wie angegossen und ein gerahmtes Foto vom Bundespräsidenten machten schon Eindruck.

Die heute-Show wollte dem „Abgespiel auf Wulff“ eine ganze Sendung füllen, doch es fanden sich nur ganz wenige Leute, die etwas sagen wollten, geschweige denn eine Vuvusela dabei hatten.

Lediglich ein „Demonstrant“ hatte Unterhaltungswert. Bei jeder Staatskarosse mit Blaulicht, rief er laut: „Da saß der Maschmeyer drin. Ich habe es genau gesehen”.

700 Demonstranten zählten die Offiziellen. Ich selbst habe höchstens die Hälfte gesehen; denn „Schaulustige“ und normale „Passanten“, die wegen der Absperrungen diesen Weg nehmen mussten, wurden kurzer Hand zu Demonstranten gemacht.

Auch sah ich auf den Pressefotos nur jeweils ein bis zwei Vuvuselas. Wenn es denn insgesamt 100 waren? – Ich weiß es nicht. Ausverkauft sind sie in Berlin aber auf gar keinen Fall, denn allein in den Souvenierläden unter den Linden konnte der wache Beobachter in drei Geschäften diese Tröten in unterschiedlichen Farben kaufen.

Heike Oelker-Rosenhain schreibt dazu:

Es geht um Sensation und leider nicht mehr um Information. Und wenn es keine Sensationen gibt, dann müssen eben welche konstruiert werden. Mit freiem Journalismus hat das alles nichts mehr zutun. Das ist eine dramatische Situation, deren Auswirkungen wir nur erahnen können. Eine Falsch-Information der Bürger, um Bürgers Meinung zu manipulieren. Aber eigentlich ist das nichts Neues, keine Sensation, eben. Bürger, seid wachsam!

Links zum Thema:

Wir von der Gesellschaft Freunde der Künste, sagen DANKE, für diese Worte - KOMMENTAR VON HAPE KERKELING: WULFF ODER BILD?

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/wir_von_der_gesellschaft_freunde_der_kuenste_sagen_danke_fuer_diese_worte_kommentar_von_hape_kerke.html

Hape Kerkeling auf seiner Facebook-Homepage.

Weiter Lesen: Hape Kerkeling stellt sich weiter hinter Wullf

http://www.stern.de/kultur/tv/hape-kerkeling-bei-tietjen-und-hirschhausen-ich-bin-eindeutig-fuer-wulff-1776507.html

Montag 23.01.2012

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther kritisierte die Medien auch für ihren Umgang mit Bundespräsident Christian Wulff. Derzeit werde das Staatsoberhaupt von einer "Journalistenmeute wie ein räudiger Fuchs über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen gehetzt", schrieb der frühere sächsische Landesvorsitzende in seinem Rundbrief.

Zur Strecke gebracht

Im Fall Wulf tauchen die wirklich heiklen Fragen erst jetzt auf – Ein Kommentar

http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/zur_strecke_gebracht_1.15125869.html

Hier noch weitere hintergründe warum Christian Wulff zur strecke gebracht wurde:

http://ddpberlin.wordpress.com/2012/02/29/srafanzeige-gegen-jeden-abgeordneten-der-fur-den-esm-vertrag-stimmt-jurg-jurgens/

Quellenangabe (http://www.fbwe.de/?p=1102)

Der ehemalige Mitarbeiter Harald Schumann beim Spiegel TV, erzählt sehr interesannte Fakten zu diesem Lobbyverein Spiegel. Er zeigt, dass bestimmte Medien NICHT objektiv sind.

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07.03.2012 Streit um Wulffs Ehrensold

Frank Georg Bechyna

Alles Spekulation, die nicht weiterhilft . Prof. Carstens , der frühere ordinarius der rechte an der univ. zu Köln, würde aus einem Grund kommen : Es gibt keinen einzigen Beweis, dass sich Herr Wulff strafbar gemacht hat .

Das ist dem " Publikum " dermassen eingetrichtert worden . Gustav Heinemann war ebenfalls ein ausgewiesen sriöser Jurist : Er würde kommen, weil auch für ihn wie seinen Juristenfreund Posser natürlich galt, dass Herr Wulff als BP nichts Strafbares gemacht hat . Nichts .

Und zum zigten Mal : Herr Wulff ist kein Freiwild für Hausfrauenjuristerei . Johannes Rau , den ich auch noch 1994 das letzte Mal in einem Konzert erlebt habe, würde schon lange das Wort ergriffen haben . Rau würde aber nicht " pludern " , sondern mindestns den Mediator verkörpern .

Raus Wort hätte in der bevölkerung mehr gewicht als das aller seiner auf ihn folgenden leitgenossen um Gabriel . heuss käme nicht . Und Lübke war doch nichts anderes als eine Marionette von Adenauer . ---

Was jetzt stattfindet ist ein Warten ( gerade in der merkel - CDU ) auf den politischen Alltag . Manches an dem, was jetzt passiert ist surrealistisch . --- Eine Frage an die , die so geschichtskennerisch jetzt auftreten : Wer war noch einmal der Vater von R. v. Weizsäcker ? Genau.....

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27.02.2012 Die Grundrechte der Marktwirtschaft geopfert

Bruno Kramm 1 Bild 1 Video

Liebe Freunde, liebe Mitbürger des Internets,

als Fritz Lang vor fast 100 Jahren mit seinem Film Metropolis den Grundstein der Filmindustrie legte, war das Internet noch nicht geboren. Sein Held Freder lehnt sich gegen Unterdrückung, Zensur und die Kontrolle von oben auf und erschüttert die Grundfeste von Metropolis.

Heute bedroht die Überwachung die Grundfeste unserer demokratischen Gesellschaft im Internet bis in die Sphäre des Privaten. Neben die Bedrohung der staatlichen Überwachung tritt heute aber immer öfter die privatwirtschaftliche.

Betrachtet man die großen Krisenherde der vergangenen Jahre, so ging es dabei ausschliesslich um Wirtschaftsinteressen. Ob Rohstoffe, Patente oder Nutzungsrechte. Geld und Geschäft sind der Motor des sozialen Marktwirtschaftens. Doch aus dem Motor wurde längst eine getunte Maschine mit Allmachtsanspruch.


Ein System das die eigenen Regelwerke abseits der bürgerlichen Kontrollgremien bestimmen möchte und längst nach höherem strebt. Der Maschinenraum ist zu klein geworden, jetzt wird die virtuelle Welt erobert.
Ihre Botschafter sind Handelsabkommen wie ACTA, TRIPS und IPRED die ohne demokratische Legitimation eine wehrhafte Mauer um freies Wissen und das freie Internet ziehen.

Die Vertreter der Contentindustrie werfen uns vor, wir würden übertreiben, polemisieren und lügen, wenn wir ACTA verteufeln.

Sie werfen uns vor, wir würden unlautere Methoden nutzen um die Massen auf die Strasse zu treiben, wenn wir im Internet zum Protest rufen.

Unsere Regierung bezeichnet uns als Wutbürger und unsere Proteste als unreflektiert, wenn wir unser Recht auf demokratische Mitbestimmung einfordern.

Die konservativen Chaoten in Berlin behaupten: Überwachung sei innerhalb gesetzlicher Normen nötig aber widersetzen sich selbst der Kontrolle durch die Bürger. Wie lange hat es denn gedauert bis das weltweite Informationsfreiheitsgesetz endlich in Deutschland ankam? In Bayern sträubt sich die Landesregierung ja noch heute dagegen.

Ich frage:

Warum wurde ACTA hinter verschlossenen Türen ausgehandelt, wenn es so harmlos sein soll?

Warum wurde ACTA von einem nur im Entferntesten zuständigen Fischereiausschuss durchgewunken?

Und warum warnen sämtliche humanitäre Organisationen von Amnesty International, über Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt oder Aktionsbündnis gegen AIDS vor ACTA, wenn es so harmlos ist?

Wenn alle Punkte von ACTA bereits seit langem in Deutschem Recht verankert sind, warum braucht man dann eine Unterschrift? Und viel schlimmer – welche Teile von ACTA sind denn schon jetzt deutsches Recht?

Wie lange wollen wir uns die schleichende Aushöhlung der Freiheit im Netz eigentlich noch gefallen lassen?

ACTA ist so schwammig formuliert, das nur geschulte Anwälte die eigentlichen Absichten freischälen können.
Doch dann findet man die eigentliche Vision von ACTA: Unter dem Schutzmäntelchen fast schon poetischer Rechtsformulierungen werden Grundrechte der Marktwirtschaft geopfert und ein 200 Jahre altes Urheberrecht in Stein gemeisselt.


Ein Patentrecht, das ursprünglich nur den zeitweiligen Marktvorteil für die Entwickler sicherstellen sollte, ist längst zum Knebel der armen Länder geworden.

ACTA ist die schreiende Ungerechtigkeit gegenüber diesen Schwellenländern. In heimlicher Mission werden mit ACTA Importe und Exporte von Generika sanktioniert. Hersteller von Generika könnten dank ACTA sehr viel schneller verklagt werden. Das Ergebnis wäre, das sich die Ärmsten viele überlebensnotwendige Medikamente gar nicht mehr kaufen könnten.

Große Konzerne wie z.b.Monsanto, früher der Hersteller von Agent Orange und heute einer der aggressivsten Konzerne der industriellen Landwirtschaft, vergiftet nicht nur die Welt mit Pestiziden.

Nein, sie verbieten mit Patenten die wenigen Agrarprodukte die in den Schwellenländern produziert werden und treiben gleichzeitig mit ihren genetisch veränderten Produkten die Monopolisierung der Ernährung voran.

solche Konzerninteressen stehen hinter ACTA. Wir werden nicht mehr weiter wegsehen und dagegen kämpfen.

Ein Vergleich der Verhältnismässigkeiten öffnet die Augen.
Hätte es im antiken Griechenland bereits eine so restriktive Rechteverwertung gegeben wie jetzt, so würden wir dem hochverschuldeten Griechenland von Heute Billionen für die Fundamente der Mathematik, Physik, Philosophie und Geisteswissenschaften schulden.

Und sogar das Papier auf dem die Patente und Nutzungsrechte gedruckt wurden ist eine Entwicklung aus China, das so häufig für sein Urheberrechtliches Unrechtsbewusstsein gerügt wird.

Mir scheint: Je geringer die Schöpferische Leistung, umso höher wächst oft das Anspruchsdenken. Die Unterhaltungsindustrie ist dafür das beste Beispiel.
Sie leidet bereits seit dem Aufkommen des Internets in den 90ern unter einem unaufhaltsamen Realitätsverlust.


Ausbeuterische Nutzungsrechte an den Werken Anderer werden wie selbstverständlich auf das Internet angewendet. Einer Lobby der kalten Krieger des Kapitalismus ist jedes Mittel recht ist um die alten Erlösstrukturen zu betonieren.

Ein Beispiel zur Verhältnismäßigkeit: Wer in einem Plattenladen eine CD mitgehen lässt und erwischt wird, zahlt eine einmalige Fangprämie um 100 Euro. Dagegen werden jährlich eine halbe Million Menschen ungerechtfertigt abgemahnt, zahlen aus Angst vor zusätzlichen Prozesskosten zwischen 800 und 2000 Euro an eine Schattenwirtschaft krimineller Anwaltskanzleien und Verwerter. Das muss endlich ein Ende finden

Und all das wir mit den unhaltbaren Behauptung der Verwerter gerechtfertig, eine digitale Kopie käme dem Diebstahl in der realen Welt gleich. Dabei ist der direkte Schaden der aus einem CD Klau entsteht ungleich höher als die digitale Kopie, die eben nur eine Kopie ist.

Den Beweis, dass diese unrechtmäßig erstandenen Werke unter anderen Verhältnissen legal erworben wären, konnte die Contentindustrie bisher jedoch nicht abliefern. Mit diesen unhaltbaren Argumenten rechtfertigt die Industrie dann die Abschottung des Internets, Vorratsdatenspeicherung und Zensur. Ich übertreibe? Mitnichten.

ACTA wünscht sich, Provider in die Pflicht zu nehmen und bei Verstößen die persönlichen Daten der Nutzer herauszugeben. Das ist nichts anderes als privatwirtschaftliche Vorratsdatenspeicherung.

Und den Wächtern der Musikindustrie ist das noch lange nicht genug. Schon liebäugelt man mit dem französischen Warnstufen Modell. Ein System dessen finale Sanktion die Abschaltung des Konsumenten vom Netz bedeutet. Im Zeitalter von Skype, Onlinebanking und elektronischer Steuererklärung kommt das einem digitalen Todesurteil gleich. Und das alles nur für die Verletzung eingeräumter Nutzungsrechtes.

Wir wollen aber das Recht, im Internet Daten frei tauschen zu können um dann selbst zu entscheiden, ob uns das Werk einen Kauf wert ist.

Besonders wütend macht mich aber die Ignoranz der öffentlichen Anstalten ARD und ZDF, die eine zügige Unterzeichnung ACTAs fordern. Wenn sie dies tun, verletzen sie ihren gesetzlichen Neutralitätsauftrag.

Wenn sie uns alle hier als eine Horde unrechtsbewusster und politikverdrossener Diebe bezeichnen, beissen sie nicht nur die Hand die sie füttert, sie verpassen unserer freiheitlichen Bewegung eine schallende Ohrfeige.

Ich könnte jetzt ganz plump skandieren „Wer jetzt noch weiter GEZ Gebühren zahlt, ist selber schuld“ Ich frage aber lieber die Intendanten der ARD „Wie weit seid ihr abgehoben, euch zu erlauben, uns zu übergehen”

Abkommen wie ACTA sind nicht nur der Stacheldraht im Fleisch der Netzfreiheit, sie sind der Schleichweg in die digitale Vollkontrolle. Und wenn ich auf die folgenden Abkommen wie IPRED2 oder TPP blicke, wird mir schlecht. In dieser nicht so fernen Zukunft soll die Bufferung von Werken strafbar werden. Visualisierungen und Abbildungen könnten dann rechtlich verfolgt werden.

Das bedeutet: Popups oder Webradiostreams mit unlizensierten Inhalten ziehen eine Abmahnung nach sich. Verkleidungen als Donald Duck oder geschützer Manga Figur könnten dann strafbar werden. IPRED, die böse Schwester von ACTA streicht sogar einen der grundlegendsten Rechtsgrundsätze einer Zivilgesellschaft: Die Unschuldsvermutung.

Alleine die Kooperation von Zugangsanbieter und Rechteinhaber kann dann über Verstösse befinden und die Leitung des Nutzers kappen. Man kann schon nicht mehr von einem Raster oder Netz sprechen, nein, es geht um die lückenlose Auswertung und Kontrolle all unserer Daten, unseren Lebensraum im Internet und der Integrität unserer fundamentalen demokratischen Rechte.

Das zeigt uns aber erst recht: wir dürfen nicht leise werden.
Wir müssen auch weiterhin für unsere Rechte auf die Strasse gehen.
Wir tun das bis ACTA und all die anderen zivilgesellschaftlichen Trojaner und Spione verschwunden sind.

Wir wollen ein freies und unzensiertes Internet, denn es ist unser Instrument der Freiheit und Demokratie.

Sagt Nein zu ACTA und zeigt der Unterhaltungsindustrie den hier.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

Kommentar von Bruno Kramm - "gewohnt reißerisch"- Stefan Herwigs polemischer Artikel in der musik.woche zu ACTA

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Kommentar von Bruno Kramm - Musik braucht Freiheit - Warum Musik ein neues Urheberrecht braucht und ACTA gestoppt werden muß

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Links zu weiteren Kommentaren von Bruno Kramm:

Kommentar von Bruno Kramm - “Two Strikes” ” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft

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Kommentar von Bruno Kramm - Der feine Unterschied: Megaupload und Rapidshare …oder: „Wenn SOPA kommt sind wir alle Mr. Kimble“

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Kommentar von Bruno Kramm - Verfassungsschutz und Vorratsdatenspeicherung - “Am bayerischen Wesen soll Deutschland genesen”

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Kommentiert von Bruno Kramm - ACTA – Warum wir uns wehren müssen - ACTA ist Kafkas Alptraum der Informationsgesellschaft

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22.02.2012 Schöpferisches Angebot und kreative Nachfrage -

Bruno Kramm

Musik als Ausdruck einer unausprechlichen Metawelt ist wie alle geistigen Schöpfungen auf die vernetzte Vermittlung angewiesen. Musik und Kunst brauchen Aufmerksamkeit, kommunikative Rezeption und Vererbung. Rezeption die nur so lange bedingungslos öffentlich und frei bleibt, bis sie genügend Nachfrage erzeugt hat, so zumindest das bisherige Prinzip ihrer Vermarktung.


Vererbung die leider auch immer finanzielle Begehrlichkeiten der Rechteinhaber bei den schöpfenden Erben weckt und die kulturelle Weitergabe verhindert.
Je stärker wirtschaftlicher Druck auf die Urheber ausgeübt wird, umso stärker verpflichten sich ihre Schöpfungen dem gesellschaftlichen Konsens von Geschmack und allgemeinverständlichen Strukturen und Formen.


Die Unterhaltungsindustrie fördert jene Werke die dem Bekannten ähnlich genug sind und trotzdem wohldosiert aus dem Schatten der Vergangenheit treten, denn so ist ihr nicht nur eine breite Konsumentenantwort sicher, sondern sie kann auf bereits erprobte und erfolgsversprechende Muster der Vermarktung zurückgreifen.

Diese Wechselwirkung von breitem Konsumenteninteresse und dosierter künstlerischer Innovation ist bezeichnend für eine monopolistische Verwerterindustrie, die jahrzehntelang Produktions- und Vertriebswege kontrollierte und gleichzeitig kreative Innovationen hemmte.

“Professionelle Inspiration” und das Recht auf kreative Teilhabe

Zwar sind und waren Kulturgüter Kraft ihres Ausdruckes immer das Ventil gesellschaftlichen Wandels, der nicht per se der reinen Wirtschaftlichkeit verpflichtet sein sollte, doch die marktbasierte Nachfrage entschied bisher fast ausschliesslich über die Präsenz und Platzierung von Kunst im öffentlichen Fokus und damit über die Verbreitung.


Urheber werden und wurden häufig über ihren Erfolg in zwei Kategorien eingeteilt: Amateure, die ausschliesslich durch die Aufmerksamkeit des Publikums Entlohnung erfahren und Urheber, die von den früchten ihrer Schöpfungen leben.


Die qualitative Unterscheidung zur professionellen Liga ist fliessend, mitunter sogar umgekehrt proportional. Um diese Unterscheidung zu legitimieren, führt die gewerbliche Urheberklasse die hohen Werbungs- und Produktionskosten an.


Ein weiteres Spannungsfeld entsteht durch die Liberalisierung des Kulturbetriebs durch die neuen Netztechnologien, denn sowohl der Wegfall selektiven Repertoiremanagements als auch die freie Verfügbarkeit von Produktions- und Vertriebswegen macht die Grenzen noch fliessender.


Künstlerisches Schaffen entspricht nicht mehr dem tradierten Arbeitsbegriff unserer Gesellschaft, da sie als menschliche Äusserung ein Grundrecht wie auch die freie Sprache darstellt. Erst durch die finanzielle Entlohnung wird aus der persönlichen Ambition der öffentliche Beruf. Menschen haben das Recht sich kreativ und künstlerisch einzubringen.

Dieser Begriff der Teilhabe ist in der modernen Informationsgesellschaft selbstverständlich. Trotzdem wird die Trennung zwischen Amateuren und professionellen Schöpfern von Verwertern, Verwertungsgesellschaften und Künstlerverbänden weiterhin untermauert.

Dies findet den besonderen Ausdruck in den Verteilungsschlüsseln der Verwertungsgesellschaften und der ausschliesslichen Beteiligung von Mitglieder in den satzungsgebenden Gremien, die ihr Stimmrecht auf eine entsprechend hohe Ausschüttung von GEMA Erlösen stützen können.

Bearbeiter, Epigonen und Kopisten

Das geltende Urheberrecht verunsichert die Urheber durch Kategorisierung kreativer Prozesse. Original, Bearbeitung, Kopie und Plagiat sind musikhistorisch gewachsene Begriffe eines fliessenden Übergangs. Urheberrechtlich wurden sie durch Kriterien ersetzt, die sich nur an der Wirtschaftlichkeit orientierten.

Noch in der klassischen Musik galt das Einflechten von Zitaten und die Bearbeitung in die eigenen Werke als eine besondere Disziplin und Kunstfertigkeit, die erst durch das Aufkommen des kommerziellen Notendruckes reguliert und sanktioniert wurde.


Die produktive Entlehnung, das Zitat und die Neuwidmung von Ideen sind Bausteine der Entwicklungsbrücke, die das kulturelle Gestern mit dem multimedialen Heute verbindet. Das gilt umso stärker in einer offenen, schnelllebigen und kreativen Netzgesellschaft, welche de kulturelle Gegenwart in die Zukunft führt.


Die Orientierung am Prinzip von Angebot und Nachfrage hatte im 17.Jahrhundert ihren Ursprung und wurde im Zuge der Demokratisierung und Verbreitungsrevolution durch Massenmedien wie Radio, TV, CD und Internet immer weiter auf Produktion- und Vertriebsprozesse hin optimiert. Die schöpferische Freiheit hingegen wurde aus vermarktungsrechtlicher Überlegung Schritt für Schritt eingeschränkt.


In einem Zeitalter, das häufig den klanglichen Charakter eines Audiomems zum eigentlichen Merkmal einer kreativen Schöpfung stilisiert, vermischen sich die Begriffe Urheberrecht und Leistungsschutzrecht in einem Maße, das keine eindeutigen Unterscheidung zulässt und den Begriff der Werkhöhe ins Absurde steigert.


Die Informationsgesellschaft hingegen wandelt die Ausschliesslichkeit von Kulturgütern zu einem öffentlichen Gut und befreit den bisher ausschliesslich wirtschaftlich regulierten Markt.


Adornos Kritik an der vereinheitlichenden Kulturindustrie beschrieb bereits in der Nachkriegszeit die Unterwerfung des Nichtidentischen und Nichtverfügbaren durch die Mechanismen der verwalteten und vermarktwirtschaftlichten Welt, den Konsum.


Um seinem bisher vorwiegend ökonomisch motivierten Auftrag besser darzustellen, sollte daher der missverständliche Begriff “Urheberrecht” durch den Terminus “Verwerterrecht” ersetzt werden, denn er wird seiner historischen Bedeutung und Entwicklung weit gerechter.

Das geltende Urheberrecht wurde immer von Verlegern und Verwertern geschrieben, so bemühen Verwerter das Urheberrecht zur Illegalisierung von Urhebern und Nutzern und der Kontrolle von künstlerischem Wandel der ästhetischen Normen.

Sie behindert die eigentliche Innovationsfähigkeit von Kulturgütern indem sie den Urheber mit dem Urheberrecht eng ins wirtschaftliche Korsett schnüren, gleichzeitig ökonomisch regulierend durch Anreizmodelle wie Chartnotierungen und Preisverleihungen belohnen und künstlerische Freiheit zu Geradlinigkeit erzieht.


Auch die Verwertungsgesellschaften, allen voran die GEMA tragen dieser Abhängigkeit Rechnung, indem sie durch Multiplikationspunkte finanziellen Erfolg zusätzlich honorieren. Gleichzeitig sind Entscheidungen über Verwertungsschlüssel nur den ordentlichen Mitgliedern mit entsprechendem Mindestumsatz vorenthalten.


Diese Reduktion erzeugt neben nivellierter Kreativität eine Permanenz der Durchschnittlichkeit. Durch die reduzierte qualitative Schwelle steigt auch das Angebot von handwerklich mässig begabten Urhebern. Die Armee der Auftragskomponisten für Funk, Film, Fernsehen, Werbung, Hörspiele, Videospiele und Präsentationen ist entsprechend gestiegen.

Das wiederum verschafft den Verwertern einen ausserordentlichen Vorteil. Aufgrund des höheren Angebots an niederschwelligen Werkschöpfungen kann der eigene Ertrag durch eine geringere Honorierung der Urheber gesteigert werden. Einer minimalen Honorierung der dann viele Urheber auf Grund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks zustimmen.


Seit der Entwicklung des Internets entzieht sich jedoch die kulturelle Schöpfung und Vermittlung zusehends der Kontrolle der Verwerterindustrie. Aus dem Streit des Urheberrechts gegen die freie Verfügbarkeit von immateriellen Gütern in der Netzwelt hat sich heute längst ein Wertesystem der Privilegien legitimiert, welches die Förderung schöpferischer Leistung in den Grenzen des wirtschaftlichen Wertekanons beansprucht, jedoch der nachfolgenden Kreativgeneration die Quelle untersagt, die sie als Inspiration einer eigenen Innovationsfähigkeit benötigt.

Inflation und Diversifikation

So sehr die Verknappung von Angeboten die Nachfrage steigert, so sehr beschränkt sie die Erlösschöpfung in redundanten Systemen. Dieser Verknappung im Netz steht eine inflationäre Nutzung von übertragenen Rechten gegenüber.

Der Erstverwertung von kreativen Schöpfungen folgen besonders in den breiten Märkten der konsumorientierten Musikstile die Zweit- und Drittverwertungen, also Kopplungen an andere Medieninhalte. Die Allgegenwart durch diese Kopplungsdichte stösst auf zunehmende Ablehnung der Konsumenten und seine geringere Bereitschaft dafür zu bezahlen.


Darüber hinaus werden gerade diese Inhalte wegen ihres hohen Verbreitungsgrades häufig als Allgemeingut wahrgenommen. Dem gegenüber belegt die selten mehrteilige, aber umso erfolgreichere Vermarktung von Nischenstilen die steigende Würdigung des Konsumenten durch seinen Kaufentscheid.

Die wachsende Fangemeinde und ihre direkte Verbindung mit dem Urheber der Werke verstärkt zusätzlich das gemeinsame Erleben und die Bereitschaft, das Werk und seine Schöpfer auch finanziell zu belohnen.

Die horizontale und vertikale Diversifikation trägt deshalb einerseits für das sinkende Bedürfnis bei, die mannigfaltig gekoppelten und vermarkteten Angebote des Massenmarktes zu honorieren, unterstützt jedoch in besonderem Masse die wirtschaftliche Urbarmachung von Werken des sogenannten Longtailmarktes, der weiterhin Wachstum verzeichnet.

Die Vielzahl der gestiegenen Subgenres und ihrer begleitenden Medienpublikationen off- und online verstärken diese Tendenz zur kleinteiligen Direktvermarktung durch den Urheber.


Wertekreise

Das Urheberrecht unterliegt seit seiner Deklaration einem kulturhistorischen Wandel hin zu übertragener Nutzung. Dieser Wandel wurde immer aus dem Kompromiss zwischen technischen Neuerungen, dem kulturellen Wandel von Normen und dem wirtschaftlichen Interesse heraus angetrieben.

Die Durchsetzung der Urheberrechte stammt seinem Ursprung nach vom neoklassischen Wohlstandsmodell ab, das Schöpfungen nur durch den Anreiz der Entlohnung als prosperierendes System sieht.

Entsprechend sollen dieser Entlohnung Investitionen vorausgehen, die dann das Monopolrecht der Auswertung rechtfertigen. Doch hat sich gerade die Investition in einer Gesellschaft der frei verfügbaren Produktionsgüter und Vertriebsstrukturen als Argument überholt.


Dem gegenüber gewinnt der Anspruch der Allgemeinheit auf die frei Nutzung zunehmend Gewicht, denn neue Schöpfungen sind nicht ohne den Einfluss des umgebenden Kulturkreises möglich. Ein Kulturkreis, der durch das Internet ins Unendliche gewachsen ist und sich selbstverständlich auch andere Wertenormen der Begriffe Original, Kopie und dessen Nutzung aneignet.


Während sich der westliche Kulturkreis auf finanzielle Honorierung immaterieller Güter stützt und gegen die Idee des gemeinsamen Weiterentwickeln von Schöpfungen zu Gunsten der Mystifizierung der Genieleistung aufbaut, huldigt man im asiatischen Raum der Kopie als Ausdruck der höchsten Wertschätzung.

Das Internet hat in seiner Funktion als Kollektor und Katalysator der Paradigmen, aber auch in seiner anarchischen Struktur den Begriff der Allmende grundlegend weiterentwickelt und bereits die Praxis im Alltags nachhaltig verändert. Vorstellungen des Gemeinguts wie der Begriff der Wikipedia prägen die Wahrnehmung des Internets.

Eine Vision des Informationszeitalters die bereits seit der Geburtsstunde des Netzes in der akademischen Welt manifestiert wurde. Doch sind es gerade die marktwirtschaftlichen Angebote, die das Gratispotential des Internets für die eigenen Werbezwecke nutzen, jedoch ihre Nutzungsrechte an Inhalten unverhältnismässig mit den Standarts eines unskalierten Urheberrechts durchsetzen, das der physischen Welt entstammt.

Der Konsument nimmt daher heute die Ansprüche der Urheber häufiger als das aggressive Durchsetzen von Interessen der Konzerne als die Entlohnung der kreativen Leistung wahr und wird durch eine zunehmend verkrampfte Urheberrechtsdebatte in seinen Positionen bestätigt.

Schöpferkraft vs. Geschöpftes Produkt

Das physische Knappheitsprinzip zieht gegenüber der virtuellen Welt ein Grenze, die gerne von konservativen Vertretern eines allgemeinen Urheberrechts übertreten wird.


Die Argumentation, daß die Aneignung digitaler Immaterialgüter keine Entlohnung auf Grund der unendlichen Kopierbarkeit im Internet benötige, ist ebenso wenig haltbar wie die pauschale Gleichstellung von physischen und geistigen Gütern. Auf Grund des fehlenden Knappheitsprinzip erfährt das einzelne kopierte Immaterialgut zwar keine begründete Entlohnung, doch steht ihm gegenüber die Knappheit der schöpferischen Kraft an sich.

Im besonderen Masse jene, die künstlerisch und wissenschaftlich herausragenden gesellschaftlichen Stellenwert tragen und sich durch ihre Schöpfungshöhe auszeichnen. Verdichtung, Umdeutung und Neuschöpfung sind Summe von Eigenleistung und kulturell gewachsener Inspiration, ohne welche die Gesellschaft immer wieder vom intellektuellen Nullpunkt aus beginnend neu schöpfen müsste.


Doch gerade eine Gesellschaft,die so stark von einer Vergeistigung ihrer Werte in digitaler Form geprägt ist, muss ihre Urheber, die als Quell zeitlich und inhaltlich begrenzt sind, angemessen entlohnen.


Gerade eine vernetzte Gesellschaft des Miteinanders muss das soziologische Prinzip der gegenseitigen Beziehung und des Austausches zwischen den Bezugssystemen achten. So wird zwar dem Urheber durch die Aneignung nichts entwendet, der Benutzer erfährt aus dem Download jedoch einen Zugewinn in Form einer kulturell affirmativen Dienstleistung, Unterhaltung und Wertschöpfung.


Entlohnung schöpferischer Tätigkeit und der Wunsch nach anonymen und kostenlosem Zugriff verlangen im gleichen Zuge einen digitalen Fair Trade der eine umfassende Neugestaltung und Bewertung von Erlösstrukturen und Lizenzzahlungen fordert. Statt einer Stärkung von Eigentumsrechten an Immaterialgütern muß die schöpferische Tätigkeit an und für sich stärker entlohnt werden.

Vielfältige Förderkonzepte helfen Künstlern unmittelbar, im Gegensatz zu Regulierungsversuchen. Sowohl eine größere Verfügbarkeit von öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten, unterstützter Zugang zu Produktionsmitteln und die Bereitstellung von detailliertem Wissen bzgl. Marketing und Geschäftsmodelle, aber auch die Förderung der Selbstständigkeit und ein unkomplizierter Zugang zur Künstlersozialkasse helfen Schöpfern von geistigen Gütern bei den Kernaufgaben selbstbestimmten Urhebertums.

Fokus eines neuen Urheberrechts

Kleinteiligkeit satt Monopolisierung fördert die kulturell benötigte Diversifikation. Dabei wird das unmittelbare Interesse des Urhebers gegenüber der kulturellen Monopolisierung von Urheberrechten des letzten Jahrhunderts gewahrt.
Eine elementare Unterscheidung zwischen physischer und virtueller Welt muss massgeblich die Ausgestaltung eines modernen Urheberrechtes begleiten.


Neue Schrankenregelungen für das legale Kopieren von Inhalten aus dem Netz müssen auch die gleichzeitige direkte Wertschöpfung für Urheber ermöglichen. Darunter fallen Premiumangebote und Streamingdienste ebenso wie z.B. dezente Erhöhungen von Lehrmedienabgaben bei gleichzeitiger Sicherstellung eines angemessenen, transparenten und demokratischen Verteilungsschlüssel dieser Erlöse.

Unmittelbare Urheberlizenzen aus virtuellen Diensten und die Erweiterung transformationeller Rechte wie Bearbeitungen müssen grundlegend von den Forderungen der Verlagsbranche getrennt werden. Schutzfristen sollten auf die Lebensspanne beschränkt werden und der branchenüblichen Kopplung von Schutzfristen und Auswertungsdauer die legale Grundlage entzogen werden.


Der Fokus muß von der kurzfristigen, einseitigen und profitorientierten Werkförderung hin zur nachhaltigen Förderung von schöpferischer Leistung verschoben werden. Im gleichen Masse wie Handwerks-, Industrie- und Handelskammern ihren Mitgliedern Seminare und Massnahmen zur wirtschaftlichen Sicherung anbieten, müssen Urheber Hilfe und Unterstützung für die kleinteilige und direkte Vermarktung erhalten.

Das beinhaltet neben der finanziellen Absicherung auch die Sozial- und Altersicherung. Eine Gesellschaft die sich so sehr auf ihre Stärke im Bereich der „geistigen Güter“ beruft, muss gerade für die Schöpfer Alternativen und Lebenskonzepte eröffnen, die sowohl den Bedürfnissen einer freien Informationsgesellschaft gerecht werden, als auch dem Urheber einen kreativen und geschützten Freiraum für seine Schöpfungen und dessen direkte Vermarktung eröffnen.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

Links zu weiteren Kommentaren von Bruno Kramm:

Kommentar von Bruno Kramm - “Two Strikes” ” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_two_strikes_vergiftet_das_klima_einer_freien_gesellschaft_und_erodie.html

Kommentar von Bruno Kramm - Der feine Unterschied: Megaupload und Rapidshare …oder: „Wenn SOPA kommt sind wir alle Mr. Kimble“

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_der_feine_unterschied_megaupload_und_rapidshare_oder_wenn_sopa_komm.html

Kommentar von Bruno Kramm - Verfassungsschutz und Vorratsdatenspeicherung - “Am bayerischen Wesen soll Deutschland genesen”

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentar_von_bruno_kramm_verfassungsschutz_und_vorratsdatenspeicherung_am_bayerischen_wesen_so.html

Kommentiert von Bruno Kramm - ACTA – Warum wir uns wehren müssen - ACTA ist Kafkas Alptraum der Informationsgesellschaft

http://www.freundederkuenste.de/aktuelles/galerien/einzelansicht/article/kommentiert_von_bruno_kramm_acta_warum_wir_uns_wehren_muessen_acta_ist_kafkas_alpt

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12.02.2012 die Privatsphäre im Netz ist das erste Opfer

Bruno Kramm

Dieser Tage wurde der Bundesregierung eine folgenschwere Studie übergeben, die mindestens einen Empörungssturm ausgelöst hätte, wäre sie nicht im Windschatten der sich anbahnenden EU weiten ACTA Proteste veröffentlicht worden.

Die Forschungsstelle für Medienrecht hat im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium das “Two Strikes” Modell zur Verwarnung von Filesharing Usern geprüft und als verhältnismässiges Mittel zur Durchsetzung von Urheberrechten im Internet empfohlen.

Die gesetzliche Umsetzung wird nicht zu lange auf sich warten lassen, denn das wirtschaftsdevote Verhalten der Regierung spielt hier mindestens eine genauso große Rolle wie die Vernetzung der Verwerterlobby in Berlin. Auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie minimal die Ablehnung des ACTA Handelsabkommen in Regierungskreisen ausfällt.

Es scheint, das in Zeiten globaler Finanzkrisen die ökonomischen Interessen immer weit vor den Bürgerrechten rangieren, doch die Verhältnismässigkeit spottet hier jeglicher Beschreibung.

Weder der wirtschaftliche Erfolg noch der pädagogische Wert dieses tiefgreifenden Einschnitts in die Privatsphäre der User zeitigt Erfolg – das zumindest haben Studien, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des des französischen Hadopi Unrechtssystems “Three Strikes” erwiesen.

Sieht man einmal von den zusätzlichen Einnahmen aus den lukrativen standardisierten Abmahnungen ab, die bereits für ein einziges widerrechtlich geladenes Album bis zu Tausend Euro aufrufen, strafen die Konsumenten die Überwachung ihres privaten Datenverkehrs mit Ablehnung der herkömmlichen Angebote der Musikindustrie.

Die Umsatzzahlen der Musikindustrie in Frankreich sind seit der Einführung entsprechend gesunken. Zwar ist die klassischen P2P Nutzung zurückgegangen, doch haben sich dem gegenüber neue anonyme und professionelle Alternativen etabliert. Das Wettrüsten hat begonnen und die Privatsphäre im Netz ist das erste Opfer der französischen “Revolution du droit de la propriete immaterielle”.


Leidtragende sind in erster Linie kleinere Kreativschmieden, Independentfirmen und sich selbst vermarktende Urheber, die nur in seltenen Fällen an den industrietypischen Abmahnverfahren teilnehmen und trotzdem in den Augen der Konsumenten unter dem Generalverdacht der mangelnden Verhältnismässigkeit der drakonischen Strafen stehen, an deren Ende die Abschaltung des privaten Internetzugangs steht.

In Deutschland erfährt Der gerade erst 2008 erwirkte Auskunftsanspruch gegenüber den Providern durch die Legitimation des neuen Verwarnmodells zusätzliche Akzeptanz und fördert die niederschwelligsten Begehrlichkeiten und Ansprüche auf Herausgabe persönlicher Nutzerdaten.

So ist gerade im Zuge der sinnflutartigen Abmahnungen eine Schattenwirtschaft entstanden, die ihre zweifelhafte Rechtfertigung gegenüber vielfach unberechtigten Beschuldigungen mit unangemessenen Drohkulissen durchsetzen.

Konsumenten werden systematisch verängstigt und eingeschüchtert, Unterlassungserklärungen und Schuldgeständnisse erpresst. “Two Strikes” gießt Öl in die Flammen und rüstet das Arsenal der Verwerteranwälte noch weiter auf.

Im gesellschaftlichen Diskurs hat die Verwerterindustrie bisher nur Porzellan zerbrochen und das Gegenteil eines modernen und zukunftsorientierten Musikmarktes erreicht. Die rigide Durchsetzung von unzeitgemässen immateriellen Eigentumsvorbehalten gegenüber der individuellen Autonomie im Netz trifft auf keine gesellschaftliche Akzeptanz.

Das Verletzen des Telekommunikationsgeheimnisses für die Wahrung eines veralteten und zweifelhaften Urheberrechtes stößt bei den Konsumenten auf berechtigte Abehnung.


Die Bevorzugung der Verwerterinteressen als Vermittler zwischen den Kreativen und den Konsumenten durch die politischen Entscheidungsträger stösst mindestens auf das gleiche Unverständnis wie die unsinnige Argumentation, jedes illegal übertragene Werk wäre ohne illegale Downloads legal erworben worden.

So schaufelt die Verwerterindustrie weiterhin das eigene Grab, denn das wachsende gesellschaftliche Bedürfnis nach informellem Schutz, einer digitalen Privatsphäre und der freien Verfügbarkeit geistiger Schöpfungen im Netz ist auch den meisten Kreativen ein grundsätzliches Anliegen.

Die täglich neuen Angebote zur Selbstvermarktung gegenüber den mangelhaften Alternativen der Verwerter macht die eigentlich Kreativen langfristig unabhängig und zentriert die Beziehung zwischen Nutzer und Urheber auf ein gesundes Maß. Die Verwerter haben sich obsolet gemacht, es nur noch nicht gemerkt.

“Two Strikes” vergiftet das Klima einer freien Gesellschaft und erodiert die Basis der Kreativwirtschaft: Das Vertrauen in ein ausgewogenes Verhältnis von freier Rezeption gegenüber dem wertschätzenden Erwerb von Schöpfungen durch den Konsumenten.


Kultur, Kunst und Kreativität braucht heute mehr denn je den freiheitlichen Nährboden und Entfaltungsraum, den die Industrie ihr nicht bieten kann.

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10.02.2012 Profit als Maßstab von Gerechtigkeit

Monika Metternich

Dass aber die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sich nicht (mehr) als Partei des Sonntagsschutzes, sondern als die Partei des ungehemmten Konsums präsentiert, ist schon erstaunlich - Ein Kommentar von Monika Metternich

Köln (kath.net)
Der Sonntag als Tag des ultimativen Kaufrausches, als Tag des Handels und der Umsätze - in Deutschland schien sich bisher mehr und mehr die Meinung durchzusetzen, der Sonntag sei der hohe Feiertag der Konsums.

In diese marktorientierte Idylle dröhnten plötzlich zwei Donnerschläge, als kürzlich die Stadt Siegen als avantgardistische Vorreiterin und ihr folgend auch der Stadtrat von Bochum mehrheitlich beschlossen, den Sonntag zukünftig als „Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ gesetzlich zu schützen, ganz so, wie es auch im Grundgesetz vorgesehen ist.

„Bochum darf nicht auf den Status des Provinznestes zurückfallen“, wetterte Thomas Lenk, Vorsitzender des Bochumer Einzelhandelsverbandes, der WAZ, gegen die demokratische Bochumer Entscheidung. „Das ist ein unglaublicher Schlag ins Gesicht der Händler.“

Und Klaus Franz, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Bochum, klagte gestern beim Kölner „Domradio“: „Wir glauben, dass man erstens aus Gründen der Arbeitsplatzsicherheit im Einzelhandel und zweitens aus Gründen der Stadtentwicklung insgesamt einen solchen Alleingang nicht machen kann.

Der Einzelhandel ist darauf angewiesen, dass man im Konzert der anderen Städte - und das gilt gerade im Ruhrgebiet - gleiche Wettbewerbsbedingungen hat“.

Profit als Maßstab von Gerechtigkeit

Dass der Handel Sturm gegen die – wie wir sehen werden, äußerst vernünftige - Entscheidung der beiden Stadträte läuft, ist nicht so überraschend. Wer den Profit als Maßstab von Gerechtigkeit ansetzt, für den sind Umsätze ein besseres Argument als das Recht möglichst vieler – also auch hunderter, tausender von Verkäufern und Verkäuferinnen! – auf einen kollektiv freien Tag.

Dass aber die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sich nicht (mehr) als Partei des Sonntagsschutzes, sondern als die Partei des ungehemmten Konsums präsentiert, ist schon erstaunlich. „Wir beobachten auch, dass Familien gemeinsam einkaufen gehen, wozu in der Woche oftmals gar keine Zeit besteht“, schiebt der CDU-Mann Klaus Franz beim „Domradio“ nach.

Vielleicht darf er an dieser Stelle daran erinnert werden, dass der Samstag in unseren Breiten für fast alle – wieder einmal ausgenommen die Verkäuferinnen und Verkäufer – ein arbeitsfreier Tag ist, an dem nach Herzenslust mit der ganzen Familie eingekauft werden kann.

Die Gerechtigkeit erfordert es aber, dass an einem einzigen Tag in der Woche auch diejenigen, die ständig dem Konsum anderer zu dienen haben, einen freien Tag für sich und ihre Familien reklamieren können. Und das ist der Sonntag.

Das Argument, „die“ können sich ja auch einen anderen Tag freinehmen, zieht nämlich nicht: Denn an keinem anderen Tag ist es möglich, ganz unkompliziert ohne größere Planungen in Familie und Freundeskreis zusammen kommen zu können: Die Kinder müssen an Wochentagen in die Schule, die allermeisten Leute arbeiten unter der Woche.

Wer also ersatzweise an Wochentagen seinen freien Tag nehmen muss, bleibt allein. Er oder sie kann höchstens – einkaufen. Womit wir wieder beim Primat des Konsums wären.

Der Partei mit dem „C“ im Namen sei hier in Erinnerung gerufen, dass das 3. Gebot „Du sollst den Sabbat heiligen“ nicht nur für Juden galt, sondern ein Gesetz war, dass alle betraf: Volksgenossen und Fremde, Arme und Reiche, Gläubige und Ungläubige.

An einem Tag in der Woche sollten alle Menschen gleich sein – gleich frei. Beim Sabbat ging es nämlich nicht allein um einen Ruhetag für ein auserwähltes Volk, sondern um einen Ruhetag für alle!

Ein uraltes und dennoch überaus modernes Stück Sozialgesetzgebung, darüber hinaus aber die praktische Umsetzung eines theoretischen Postulates, welches noch heute von Menschen aller Weltanschauungen verteidigt wird und das die Stadträte in Siegen und Bochum – und dafür sei ihnen ein großes Danke gesagt! – offenbar mehrheitlich wiederentdeckt haben:

Gleich an Würde und Rechten

Dass alle Menschen gleich an Würde und Rechten sind. Im Dritten der Zehn Gebote wurde und wird dieses Axiom ganz konkret und praktisch in die Realität umgesetzt – an einem Tag in der Woche. Eine Neuentdeckung des kollektiv freien Tages auf der Basis der Gleichheit an Würde und Rechten macht also auch in einer säkularen Gesellschaft tiefen Sinn.

Der christliche Sonntag – Tag der Auferstehung Christi – war hingegen in seinen Anfängen ein Arbeitstag. Seine Bedeutung definierte sich seit jeher über die gemeinsame Danksagung („Eucharistie“) derer, die in Jesus Christus den Sohn Gottes erkennen, der der Garant für jenes dritte der zehn Gebote ist: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“.

Unabhängig von ihrem Glauben

Als Kaiser Konstantin im frühen 4. Jahrhundert den “dies solis“, den Sonnentag, zum freien Tag für die ganze Bevölkerung erklärte, verband sich das jüdische Sabbatgebot und die sonntägliche christliche Danksagung in einem Tag, der wirklich human war und auf alle Menschen – unabhängig von ihrem Glauben – ausstrahlte. Als Licht des ersten Tages.

„Erholende Ruhe und heiteres Spiel scheinen für das Leben notwendig zu sein“, sagte schon Aristoteles, und wie recht er hatte, zeigt der kollektiv freie Sonntag: In einer Tradition von 1700 Jahren hat sich dieser der Humanität dienliche Tag ins kollektive Bewusstsein geprägt als Tag der Ruhe und der Erholung für alle. Selbst die Ausnahmen spiegelten diesen Anspruch:

Heilen und Helfen, Spiel und Sport, Kunst, Musik und Theater

Heilen und Helfen, Spiel und Sport, Kunst, Musik und Theater, das gemeinsame Essen – all das sind Tätigkeiten, die dem Wohl der Menschen dienen. Handel, monetärer Wettbewerb, Konsum und Geldgeschäfte gehörten hingegen nie dazu. Bezeichnenderweise haben auf der ganzen Welt Banken und Börsen am Sonntag geschlossen.

Ein „Zurück“ hinter diesen höchst vernünftigen Maßstab der Humanität wäre ein eklatanter Kulturbruch zugunsten des Mammons.
Wer dem Mammon Priorität gegenüber der Humanität gibt, stellt sich an die Seite derer, die den Sonntag einst ganz abschafften:

Die französischen Revolutionäre, die mit ihrer wirtschaftsdienlichen 10-Tage Woche kläglich scheiterten, und die russischen Kommunisten, deren produktionsfördernde rotierende Arbeitswoche nicht mal im „Arbeiterparadies“ funktionierte und abgeschafft werden musste:

 

An einem Tag in der Woche Gemeinsamkeit

 

Die Menschen brauchen an einem Tag in der Woche Gemeinsamkeit. Ohne einen kollektiv überwiegend freien Sonntag wäre es Glückssache, als Familie, als Freundeskreis irgendwann einmal gesellig zusammentreffen zu können. Das rotierende System freier Tage funktionierte nicht einmal unter diktatorischen Bedingungen in Russland – es wird auch heute nirgends funktionieren. Unzufriedenheit und Entfremdung sind die Folgen einer totalen Vereinzelung zugunsten des Profits.

Eine Tradition von 1700 Jahren steckt einer Kultur eben in den Knochen. Und hier treffen sich die Interessen derer, die am Sonntag unkompliziert mit anderen Gemeinschaft pflegen wollen mit jenen, die den Sonntag als das feiern wollen, was er von seinen Anfängen her war:

Gegen die Interessen von Wirtschaft und Handelsverbänden

 

Als Tag des Herrn. Beide Seiten tun gut daran, einander zu respektieren und gemeinsam diesen Wunsch gegen die Interessen von Wirtschaft und Handelsverbänden durchzusetzen. Der Arbeitssonntag schafft keine Arbeitsplätze, das hat die Praxis der letzten Jahre gezeigt. Er schafft keine Gerechtigkeit, keinen Wohlstand und keinen kulturellen Gewinn.

Die jüdisch-christlichen und die Werte der Aufklärung treffen sich hier in einem wesentlichen Punkt, sodass der christliche Standpunkt problemlos auch ins Säkulare „übersetzt“ werden kann: In der Humanität, die sich nicht am Geldwert bemessen kann und darf.

Eine Abkehr davon kann nur bedeuten, Gerechtigkeit allein am Mammon zu orientieren. Wo Gerechtigkeit am Geld festgemacht wird, sind Umsätze tatsächlich ein besseres Argument als das Recht möglichst vieler auf einen menschenwürdigen, der Gemeinschaft dienlichen Sonntag.

Wenn der Profit zum absoluten Wertmaßstab von Gerechtigkeit wird, dann ist es nur eine Sache der Zeit, wann jeder sich gleichermaßen in dessen Joch einspannen lassen muss.

Produktion, Handel und Profit über die Humanität

In der Geschichte hat sich gezeigt, dass es die Christen sind, die sich gegen schreiendes Unrecht einsetzen müssen, wenn Produktion, Handel und Profit über die Humanität gestellt wurden. Während der Industrialisierung, als Menschen zugunsten von Profit und Marktwettbewerb versklavt wurden, und gegen die Rechte der Arbeiterschaft genau dieselben Argumente vorgebracht wurden, die heute Verkäuferinnen und Verkäufer zur Sonntagsarbeit zwingen, war es Bischof Emmanuel von Ketteler, der sich an die Seite der Arbeiterbewegung stellte:

„Als ich zum Bischofe geweiht wurde hat mir die Kirche, ehe sie mir die bischöfliche Weihe und Vollmacht erteilte, unter anderem die Frage vorgelegt: Willst du den Armen und den Fremdlingen und allen Dürftigen im Namen des Herrn liebevoll und barmherzig sein? – Und ich habe geantwortet:

Auf dass sie Gerechtigkeit erfahren

Ich will. Wie könnte ich also, nach diesem feierlichen Versprechen, bei einer Frage teilnahmslos sein, die mit den wesentlichsten Bedürfnissen mit einer so zahlreichen Klasse der Menschen sich beschäftigt? Wenn auch die Trennung im Glauben eine beklagenswerte Scheidewand zwischen uns errichtet hat, die noch fortbesteht, so hat doch die christliche Liebe keine Grenzen.“

Die Partei mit dem christlichen „C“ im Namen sollte sich von dieser Sichtweise eine große Scheibe abschneiden. Und Christen aller Konfessionen sollten sich auch heute wieder entschieden an die Seite all derer stellen, die zugunsten des Konsums in der Sonntagsdebatte nicht einmal mehr in der Debatte vorkommen: Die der Verkäuferinnen und Verkäufer. Auf dass sie Gerechtigkeit erfahren.

KATH.NET-Lesetipp!!!
Monika Metternich
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01.02.2012 Es erscheint schon fast nicht mehr wie ein Zufall

Bruno Kramm

Es erscheint schon fast nicht mehr wie ein Zufall: Einen Tag nach dem weltweiten Seitenblackout und SOPA/PIPA Protest wird der „Great Gatsby“ der Netzwelt, Kim Schmitz aka Mr. Dotkom aka Kim Vestor samt seinem weitverzweigten Firmenimperium in einer konzertierten Interpol und FBI Aktion hoch genommen und dann aus dem Netz getilgt.

Sicher, das Schwergewicht der New „Pirate“ Economy ist kein Beichtbruder. Zu viele Anklagen und Verurteilungen wegen obskurer Geschäfte und ein offen zur Schau getragener, lasziv dekadenter Lebensstil machen den Kosmopoliten hedonistischer Prägung nicht zum Sympathieträger.

Die Vorwürfe der amerikanischen Verwerterverbände, wohl wissentlich millionenfach Urheberrechte verletzt zu haben wiegt nicht so schwer, wie sie klingt. Denn Filehosting mag ja durch SOPA/PIPA zum Straftatsbestand mit unmittelbarer digitaler Ächtung – sprich Löschung – gereichen, ist aber noch längst nicht Kraft des Gesetzes, auch wenn wir in Europa stillschweigend mit ACTA ähnliche Reichweiten und Befugnisse für die Verwerterindustrie zulassen werden.

Der öffentlich geleakte Vorwurf, auf Anweisung urheberrechtlich geschützte Werke mannigfaltig auf die eigenen Server geschaufelt zu haben, klingt schon bedrohlicher. Zumindest, wenn man nicht weiter forscht und die Intention der Uploads hinterfragt. Man fragt sich dann jedoch im gleichen Zug, warum Rapidshare noch immer läuft.


Der “kleine” Unterschied zwischen Megaupload und den anderen Filehostern und Cyberlockers liegt in der Nähe von Mr.Dotcom zur Premiumleague der Hiphop und R&B Szene.


Noch vor kurzem versuchte die Verwerterindustrie mit großem Promotionaufwand die Youtube Megaupload Hymne auf Schmitz´ s Imperium aus dem Netz zu tilgen. Die Häme war groß, als sich herausstellte, daß der Song keinerlei Rechte der Verwerter verletzte und der Song wieder auf Youtube erschien.


Was die Industrie nicht wusste: Die Vokalparts der beteiligten Künstler von Sean „Diddy“ Combs, Kanye West, Jamie Foxx bis Alicia Keys waren alle freiwillige Leistungen. Natürlich nicht ganz selbstlos, – so lässt sich spekulieren – , haben viele Urheber aus der Unterhaltungselite wohl private Deals mit der Megaupload Plattform abgeschlossen, die sie wiederum mit Pauschalen aus den exklusiven und kostenpflichtigen Download Verträgen der Megaupload User bedienten. Diverse Zitate von bekannten Hiphop Künstlern weisen darauf hin.

Nur zu verständlich, fühlen sich viele Urheber von den fadenscheinigen Deals zwischen den Verwertern und der Streamingdienste von Spotify, über Simfy und Icloud Match nachteilig behandelt. Der Großteil der Kleinstbeträge aus diesen Verträgen landet nicht bei den Urhebern sondern bei Verlagen und Verwertern.

Sicher wären Verwertungsrechte verletzt, jedoch wäre der Straftatsbestand nur noch bezüglich der verletzten Rechte bei den Verlagen ein Vergehen, der in erster Linie die Vertragsbeziehung zwischen Urheber und Verlag betrifft.
Auch hätte Megaupload die exklusiven Auswertungsrechte gegenüber den Verwertern verletzt, aber eben auch unter Duldung der Urheber.


Zumindest die astronomische Schadenssumme, die stillschweigend unter der Annahme subsummiert wurde, die Megaupload Community hätte die Werke ohne das Angebot des Filesharers auch legal erworben, verliert ein paar Ziffern.

Ob das nun für die 50 Jahre Zuchthaus ausreicht, wie von den RIAA Anwälten hysterisch gefordert, kann man getrost bezweifeln.

Warum die Contentindustrie wie von der Tarantel gestochen auf Megaupload losging, wäre wohl klar: Würde sich das Modell der exklusiven Urheber und Megaupload als neues Geschäftsmodell für alle großen wie kleinen Rechteinhaber durchsetzen, so hätte die Verwerterindustrie nicht nur ihre Macht über Repertoires und Urheber verloren, sondern schnell das gesamte Geschäftsfeld Internet.

Und hier liegt auch der Unterschied zu Rapidshare und dem verhältnismäßig moderaten Interesse der Industrie an den anderen Filesharern: Rapidshare bleibt in seiner Nische und erfüllt das Klische des klassischen Filehosters.

Bedauerlich, das Kim Schmitz sein Erlösmodell exklusiv hielt, denn es hätte auch für viele kleinere Urheber ein attraktives Angebot dargestellt. Megaupload hätte mit der ersten realen Flatrate mächtig Wirbel in der Musikbranche erzeugt.

Somit ist der Satz „Wenn SOPA kommt sind wir alle Kim Schmitz“ sogar nur die halbe Wahrheit. Mit SOPA und ACTA wird die Verwerterindustrie die Urheber noch weiter strangulieren, die eigenen Erträge erhöhen, Kultur nivellieren und die Informationsgesellschaft zu einem abgeschlossenen Karteikasten der Verwertungsrechte verwandeln.

Bruno Kramm, Jahrgang 67, geboren in München arbeite als Musiker, Musiklabelmacher und Herausgeber eines Magazins. Darüber hinaus ist er politisch im Bereich Urheberrecht/Kultur/Medienpolitik und Tierschutz aktiv.

Bruno Kramm

kontakt@dansemacabre.de

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31.01.2012 Aufdeckung von kriminellen Taten???

Bruno Kramm

Beinahe beiläufig hat der Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes die „Rundum Sorglos“ Überwachung der Die Linke Abgeordneten, inklusive Telefon- und wahrscheinlich auch Trojaner-Einsatz zugegeben.

Der eifrige Schützer der Demokratie hatte sich noch Anfang letzten Jahres für die Verschärfung der Beobachtung linksradikaler Schattenwelten ausgesprochen, da seiner Meinung nach Indizien das Aufziehen eines neuen links terroristischen Frühlings im Stile der RAF belegen würden.

Die traurige Wahrheit der rechtsradikalen Terroranschläge auf ausländische Mitbürger zeigte die ganze Tragweite des systematischen Wegschauens auf.

Innenminister Friedrich, als Oberfranke und CSU Parteimitglied bayerische Zustände gewöhnt, sieht genauso wie sein Fraktionskollege Uhl wenig Verwerfliches im Bruch des verfassungsrechtlichen Schutzes der Abgeordneten.


Der reflexartigen Gleichstellung von links- und rechtsradikalen Taten mangelt es nicht nur an der Verkennung des Übergewichts von feigem Rechtsterror, sondern stellt mit dem Argument, NPD Abgeordnete würden ebenfalls beobachtet, die Partei Die Linke auf eine Stufe mit den Nationaldemokraten – der Spitze des Eisberges rechten Terrors.

Wer gleichzeitig über Jahre hinweg durch den fragwürdigen Einsatz von V-Leuten das Verbot der Gewalt tolerierenden NPD verhindert, Straftaten duldet, finanziert und deckt, darüber hinaus in den eigenen Reihen seit der Geburt der BRD eine Heimstättee für ehemalige SS, SA und NSdAP Gefolgschaft bot, braucht sich über den fast schon verharmlosenden Vorwurf, auf dem rechten Auge blind zu sein, nicht zu wundern.

Dass Innenminister Friedrich keinerlei Sensibilität für die Unversehrtheit der Persönlichkeitsrechte und der Privatsphäre hat, liegt sicher auch an seiner Herkunft: In Bayern ist bis heute das Informationsfreiheitsgesetz auf Landesebene nicht umgesetzt.

Der geistige Ziehvater, Franz Josef Strauß sah alles als Staats zersetzend an, was sich sozial, links oder grün mit freiheitlichen Ideen oder demokratischen Reformen beschäftigte.

Wahrscheinlich aus Furcht vor der bayerischen Räterepublik (dem kurzen Aufflammen kommunistischer Ideen in Bayern kurz vor dem nationalsozialistischen Untergang) ist auch heute noch die Angst vor linker Übernahme der Staatsraison ein Freudscher Reflex der strammen Bayern.


Christliche Scheinmoral, kleinbürgerliches Wachstumsidyll und Diskriminierung rationalisieren hier Ungleichheiten, bilden die klassenkonformen, in sich geschlossenen Milieus die bis heute den Wertekanon rechts konservativer Lager inspirieren und auch das radikale Lager anstiften.

Ihre politische Kumulation zwischen CSU, CDU und rechtem Rand instrumentalisiert je nach Bildungsniveau bis heute die gleichen Reflexe des deutschen Michels und das besonders in Bayern. Der Spagat zwischen stolzer Rückständigkeit und moderater Technisierung erhielt durch das blasierte und fremdenfeindliche Heimatgefühl die Glasur des verlogenen bayerischen Idylls.


Friedrichs medien- und netzpolitische Kompetenz versteht daher das Internet als globale Radikalisierungsplattform und die Vernetzung und Teilhabe als Gefahr für seine Vorstellung von Freiheit.


Sicherheitsmaßnahmen für die Bürger schützen besonders in Bayern vor freiheitlichen Bestrebungen mit der Behauptung, nur so sei der anständige Bürger vor Kriminalität zu schützen.

So spielt Friedrichs bayerischer Amtskollege, Innenminister Hermann die Gefahren der Vorratsdatenspeicherung und die Verletzung der Privatsphäre des Bürgers mit dem viel höheren Datenbestand der sozialen Netzwerke herunter.

Er unterschlägt dabei sowohl die individuelle Entscheidung des Bürgers, diese Daten Preis zugeben, als auch die weitflächig eingeführte Nutzung dieser öffentlichen Daten in Behörden zur Aufdeckung von kriminellen Taten. Die analytische Verknüpfung all dieser offen verfügbaren Daten mit den Möglichkeiten der Vorratsdatenspeicherung eröffnet jedoch das lückenlose Profil jedes Bürgers.


Das mag im bayerischen Maximilianeum vielleicht als traditionelle Selbstverständlichkeit gelten, darf aber nicht auf Bundesebene Fuß fassen.
Ein rechts inspirierter Verfassungsschutz und die Abschaffung datenschutzrechtlicher Standards öffnet die Tür zu einer totalitären Zukunft, die man sich und seinen Kinder ersparen möchte.

Bruno Kramm, Jahrgang 67, geboren in München arbeite als Musiker, Musiklabelmacher und Herausgeber eines Magazins. Darüber hinaus ist er politisch im Bereich Urheberrecht/Kultur/Medienpolitik und Tierschutz aktiv.

Bruno Kramm

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31.01.2012 sie mißbraucht ihre Monopolstellung

Petr Pandula

Sehr geehrte Leser, hier meine Meinung über die GEMA, mit der ich als Kulturschaffender auf Grund von gesetzlichen Grundlagen zu einer Koexistenz verdammt bin. Vorweg möchte ich betonen: Geistiges Eigentum muß geschützt werden und Dritte, die dieses nutzen, sollen selbstverständlich dafür auch eine Lizenz bezahlen.

Ich bin mit der GEMA und anderen Verwertungsgesellschaften auf mehreren Ebenen zu einer Zwangsgemeinschaft verdammt und habe mir daher gut 30 Jahre lang aus verschiedenen Perspektiven eine Meinung bilden können. Einmal als Komponist und Arrangeur, der vieles geschaffen hat und daher auch der GEMA beigetreten ist.

Leider aber für das, was meine Veranstalter für meine Konzerte bezahlt haben, fast nichts erhalten hat. Dann als Verleger, der viele Werke in Verlag genommen, bei Funk und TV eingepflegt, live auf Tour geschickt, natürlich der GEMA gemeldet hat, aber auch dafür fast nichts ausbezahlt bekam.

Dann als Boss einer Plattenfirma, die mechanische Lizenzen zahlen muß und last but not least als örtlicher Konzertveranstalter, der eine GEMA Abgabe für eine öffentliche Aufführung leisten muß. Ich stand und stehe sowohl auf der Seite der Empfänger als auch der Einzahlenden und ich sehe das klare Mißverhältnis.

Damit ein fairer Ausgleich stattfinden kann, bedarf es eines Transmissionsriemens zwischen den kreativen Machern und den Verwertern ihres geistigen Eigentums. Zwar bezeichnet sich unsere Gesellschaftsform als eine freie Marktwirtschaft, doch paradoxer Weise hat der Gesetzgeber der GEMA die Monopolstellung eingeräumt dieser Transmissionsriemen zu sein.

Leider ist die GEMA aber inzwischen degeneriert und mißbraucht ihre Monopolstellung. Sie wird ihrer vertrauenswürdigen Aufgabe nicht gerecht, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, sondern betreibt immer mehr Ziele ihrer eigenen Gewinnmaximierung.

Zudem hat sich ein unsäglicher Filz zwischen der GEMA und einigen marktführenden Verlagen und den bei Ihnen unter Vertrag stehenden Komponisten entwickelt.

Die Marktführer haben die GEMA dazu instrumentiert, eine Umverteilung der Einnahmen von unten nach oben vorzunehmen. Z.B. die Kleinkunst schafft ein riesiges GEMA Aufkommen, wird aber durch das PRO Verfahren von der Verteilung weitgehendst ausgenommen und der Überschuß wird den großen Verlagen und ihren Künstlern zugeführt.

Die Kleinkünstler wie auch ihre Veranstalter werden wie Sklaven von der GEMA ausgebeutet.

Das Perfide an der GEMA ist, daß sie vorgibt, im Sinne der Künstler zu agieren. Letztendlich treibt sie nur die Kosten von Konzerten und damit die Eintrittspreise in die Höhe. Direkte Folge davon sind immer weniger Konzerte und damit vernichtet GEMA Arbeitsplätze der Künstler.

Das Geld, das sie bei Veranstaltern kassiert, kommt im seltensten Falle auch bei den Künstlern an. Alleine bei der durch Magnetic Music organisierten Tournee des Irish Folk Festivals werden bei 28 Konzerten im Schnitt 800 Euro pro Konzert an die GEMA abgeführt.

Das sind 22.400 Euro für eine Tour! Die Tournee findet seit 37 Jahren statt. Wo sind denn bitte die ca. 800.000 Euro bzw. damals noch DM geblieben? Wir haben von keinem unserer irischen Freunde gehört, dass bei ihnen auf dem Konto eine Zahlung für die Live-Aufführung aus D eingetroffen wäre.

Als ein kleiner Verlag, der etliche bei der Tournee gespielten Stücke verlegt und der GEMA gemeldet hat, bekommen wir bei Magnetic Music gerade um die 150 Euro pro Jahr für diese Tour, was nicht einmal den Arbeitsaufwand deckt, der mit der Inverlagnahme und Meldung anfällt.

Es ist also ein Verlust, unsere Aufgabe als Verlag auszuüben und das geistige Eigentum zu schützen und zu pflegen. Ich bin selber vor Jahren unangemeldet im Hauptquartier der IMRO in Dublin aufgetaucht und habe sie mit all meinen Meldungen bei der GEMA konfrontiert und wollte wissen, ob Geld aus Deutschland gekommen ist.

Nein. Es kam nicht, sagte die IMRO nach Durchsicht der Unterlagen. Wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob die irische IMRO erhaltene Gelder nicht lieber so lange behält, bis sich selber ein Komponist meldet und seinen Anteil verlangt.

Und wenn sich eben niemand meldet, dann wird es als Bonus unter den großen Verlagen und deren Klienten abzüglich Bearbeitungsgebühr verteilt. Man sollte eigentlich die GEMA auf Unterschlagung von 800.000 Euro verklagen.

Die GEMA mutet sich wie eine aus dem Ruder gelaufene Polizeieinheit an, die bei kleinen und großen Kaufleuten Schutzgelder eintreibt, diese aber nicht abführt bzw. nur an die einflußreichen Paten abzüglich Bearbeitungsgebühr weiter leitet.

Ich bin der Meinung, daß es in Bezug auf die GEMA nicht nur jetzt um einen Kampf um paar Prozente mehr oder weniger gehen sollte. Es geht um einen grundsätzlichen Kampf, ob die GEMA überhaupt noch angesichts der Fakten einen moralischen und rechtlichen Anspruch auf die Vertretung von Urhebern erheben darf. Juristisch wird es sehr schwierig sein, der GEMA beizukommen.

Aber immerhin kann man durch eine sehr gute Informationspolitik, indem man ganz konkret Mißstände bei der GEMA regelmäßig an die Medien weiter gibt und diese an den Pranger stellt, die GEMA allmählich in die Defensive drängen. Man muß der GEMA nach und nach die moralische Daseinsberechtigung entziehen und damit in die Defensive zwingen.

Dann wird sie auch vorsichtiger werden, immer mehr vom Kuchen haben zu wollen. War es denn nicht auch bei dem Kampf des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft ( abgekürzt IDKV ) gegen die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung nicht auch so? Wurde nicht der Jäger zum Gejagten?

Zunächst standen viele von uns vermittelnden Agenten vor dem Richter und wurden angeklagt "illegale Arbeitsvermittlung" zu betreiben. Viele Kollegen standen mit einem Bein im Gefängnis, weil sie Verträge zwischen Veranstaltern und Künstlern angebahnt hatten.

Also eine illegale Arbeitsvermittlung angeblich betrieben hatten, weil die BfA diese für sich in Anspruch genommen hatte. Als nach einer Reihe von erfolgreichen Prozessen das gesetzliche Monopol der BfA aufgehoben wurde, änderte sich die Situation schlagartig zum Besseren.

Das sollte für uns Kulturschaffende ein aufmunterndes Beispiel sein, die GEMA gemeinsam zu bekämpfen. Einmal juristisch und parallel dazu auch durch gezielte Informationsarbeit, die der GEMA bei der Bevölkerung die moralische Existenzgrundlage entzieht.

Natürlich bedeutet dieser Kampf nicht, daß wir geistiges Eigentum ohne Gebühren nützen wollen. Das wird uns die GEMA bei ihrer Gegenoffensive vorwerfen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen dass geistiges Eigentum geschützt wird und die Künstler endlich das bekommen, was sie geschaffen haben.

Aktuell plant die GEMA
a.. bei Veranstaltungen bis zu 3.000 Personen eine Tariferhöhung um 2,4%,
b.. bei Veranstaltungen bis zu 15.000 Personen eine Tariferhöhung bereits in Höhe von sage und schreibe 28%
c.. und bei Veranstaltungen über 15.000 Personen eine Tariferhöhung in Höhe von immerhin 11,5%.

Doch die GEMA will weitaus mehr. Erklärtes Ziel ist ein statischer Einheitssatz von 10% im Jahre 2014. Ziel der GEMA und ihres Aufsichtsrates ist es mithin, die derzeit geltenden Effektivsätze innerhalb von 5 Jahren sukzessiv um das bis zu 5,3fache bzw. um bis zu über 400% zu erhöhen.

Und das läßt die festgeschriebene Erweiterung der Bemessungsgrundlage noch völlig außer Betracht. In ihrer grenzenlosen Gier plant die GEMA jetzt sogar eine Abgabe auf Kultursponsoring!

Eine derartige Tariferhöhung dürfte den Tatbestand des Wuchers erfüllen. Und genau das dürfte dazu führen, dass das Tariferhöhungsverlangen der GEMA schlicht unwirksam da wucherisch ist.

Angesichts der Bedeutsamkeit der Angelegenheit werden der IDKV und der VdKD (Verband dt. Konzertdirektionen ) das weitere Vorgehen in der Sache unverzüglich eng miteinander abstimmen.

Ich würde es begrüßen, wenn der IDKV und VdKD eine Klage mit dieser Begründung gegen die GEMA anstrengen würden. Man kann übrigens nicht dem Verband genügend danken für seine großartige Rolle, die er damals im Kampf gegen die BfA geleistet hat.

Eine Erhöhung der GEMA bedeutet im Klartext, daß die Kosten des örtlichen Veranstalters steigen, weil er diese Abgabe leisten muß. Jede sorgfältige kaufmännische Kalkulation hat zu Folge, daß auch ein Künstler oder seine vermittelnde Agentur den erhöhten Kosten des örtlichen Veranstalters Rechnung tragen müssen und damit auch weniger von den 100 Prozent der netto Kasseneinnahmen bekommen können. Bzw. bei einem Break immer später partizipieren werden.

Also ist eine Erhöhung der GEMA auch ein Schlag gegen die Künstler, obwohl die GEMA immer vorgibt, die Interessen der Künstler wahrzunehmen.

Ich habe meinen Grafiker einen Protestbutton kreieren lassen, den ich ab sofort auf unseren Tourneeplakaten verwenden werde. Auch auf unserer Website und bei unserer Medienarbeit. Ich stelle hiermit den Protestbutton allen anderen Kulturschaffenden zur Verfügung. Wir als Künstler und Veranstalter sind Sklaven der GEMA und es ist an der Zeit, die Ketten zu brechen und der Ausbeutung ein Ende zu bereiten.

Für diejenigen, die mehr über die Frefel der GEMA erfahren und eine Petition an den deutschen Bundestag gegen die Praktiken der GEMA unterschreiben wollen, verweise ich auf folgende Website: http://www.kult-werk.de/

Mit kämpferischen Grüßen Petr Pandula

Weitere Pressestimmen:

Pandula untermauert GEMA-Kritik, Musikwoche 17.11.2009 

Drastische Erhöhung der GEMA-Konzerttarife bedroht deutsche Veranstaltungswirtschaft, IDKV Schreiben 29.01.2009 [pdf] 

Irische traditionelle Musik und die Diskussion über Urheberrechte, Dr. Anthony McCann [pdf]

Magnetic Music
Planie 22 - 72764 Reutlingen
Tel. 07121-478605 - Fax.07121-478606
magmusic@remove-this.magnetic-music.com

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30.01.2012 Umstände beschneiden unsere Freiheit

Angelika Wende

Jedes Leben ist durch gewisse Umstände eingeengt, durch den Beruf, den Partner mit seinen Erwartungen, die Familie und ihre Belastungen, Finanzen und ähnliches mehr. Umstände beschneiden unsere Freiheit.

Was unsere Freiheit beschneidet verhindert unser inneres Wachstum.


Nun denken manche Menschen vor lauter Tun für das äußere Wachstum über das innere Wachsen nicht so viel nach. Sie haben keine Zeit, oder keine Ambitionen oder sind zu sehr beschäftigt mit dem Wollen des mehr als genug, das sie schon haben oder dem Suchen nach dem, was sie noch zu haben müssen, denken.

Seltsam aber, dass Depressionen, Angst und Burnout Erkrankungen in unserer Gesellschaft boomen. Ich sage boomen, denn diese seelischen Krankheiten sind seit einiger Zeit auf vielen Hochglanzmagazinen die verkaufsfördernden Headlines.

Was ist das denn?


Aus Krankheiten machen wir Modewörter? Es lebt der ungesunde Trend, den wir setten. Das hat doch was. Wir lesen darüber und fühlen uns nicht mehr so falsch und so allein mit unserer wachsenden individuellen und kollektiven Pathologie und weil das jetzt öffentlich ist, denken wir, alles nicht so schlimm, haben ja viele und scheint "normal" zu sein und damit lebt es sich eine Weile wieder besser mit den Depris, den Ängsten und der Erschöpfung.

Bei manchen geht das gut. Bei anderen nicht. Die verdrängen so lange was weh tut, bis es richtig weh tut, bis sie zusammenbrechen um dann endlich die Auszeit nehmen zu dürfen, die ihre Seele "verdient" hat.

Es muss zusammenbrechen, es muss so weit kommen bis nichts mehr geht. Und dann kriecht er nach oben, nach dem Zusammenbruch, der Gedanke an das innere Wachstum. Seltsames Wesen der Mensch, ein Wesen, das dem Krug gleicht, den man zum Brunnen trägt, bis er bricht. Sind wir so hohl?

Wenn der Krug zerbrochen ist, ist guter Rat teuer. Dann beginnt die Suche nach Heilmittelchen, die den zerbrochenen Krug Seele wieder kitten sollen, anstatt die Suche nach uns selbst zu beginnen, denn das könnte unter Umständen doch genau das sein, was uns der Zusammenbruch fühlen lassen will. Da meldet sich unsere Seele, die heil sein will, werden will.

Keine Zeit! Gott sei Dank gibt es doch wunderbare Pillen, die uns ganz schnell wieder befreien von unseren Seelenschmerzen und Ausfällen und die werden fleißig geschluckt, damit wir wieder fleißig sein können, dürfen - wollen? Übrigens, Gott hat die nicht erfunden, dem fiele etwas Besseres ein, wenn wir ihn lassen würden, aber wir lassen ihn nicht, denn wir haben ihn ausgeschlossen aus unserem Leben, weil er altmodisch geworden ist und eben kein Trendsetter.

Pillen einwerfen, der Seele suggerieren, es geht wieder, denn wir wollen, dass es weiter geht. Alle wollen wir das.

Aber wollen wir wirklich oder glauben wir wollen zu müssen wegen der Umstände, dem Partner, der Arbeit, der Familie? Wahr ist - wir haben uns unser Leben so eingerichtet, dass ein Loslassen einen Kraftakt bedeuten würde, der unser Lebensgerüst zerschmettern würde. Wir haben uns ein Gefängnis gebaut, das so ausbruchsicher ist wie einst Alcatraz.

Das ist eine Wahrheit an der alle Selbstbefreiung scheitert.


Aber was ist die andere Wahrheit?
Sie ist einfach und doch schwer zu leben. Sehr schwer, denn das eigene Leben lebt sich nicht allein, auch wenn manche Esoteriker oder Life Coaches uns das als leichte Übung verkaufen wollen. Es ist schwer, weil das Eigene immer ein Teil des Ganzen ist und damit ist es verbunden und determiniert vom Ganzen.

Die eigene Freiheit in ihrer Totalität zu leben ist eine Illusion. Die Freiheit beginnt zwar im Kopf, manifestiert sich aber im Zusammenspiel mit dem, was ausserhalb unserer Köpfe ist.

Das nennt man Realität, also das, worauf sich das Kollektiv seit Menschengedenken geeinigt hat und das Kollektiv scheisst erst mal auf die individuelle Freiheit des Einzelnen, denn der ist in dieses Kollektiv untrennbar eingebunden und damit von ihm abhängig und umgekehrt.

Er wird viel verlieren, wenn er die eigene Freiheit über die Grenzen des Ganzen erhebt, weil sie nämlich genau da aufhört - und da beginnt - bei der Freiheit der anderen. Ein Lösungsansatz ist - er wird Eremit und Selbstversorger im tiefen Wald oder in der Einöde irgendwo im Nirgendwo. Dann geht das mit der Freiheit. Aber wer macht das schon und wer mag das schon machen.

Also wie kommen wir aus aus dem Hamsterrad und zur Selbstbefreiung und Selbstwerdung?


Werde, der Du bist, das wusste schon Nietzsche und - er hat es auch nicht geschafft. Sein ganzes Leben war ein einziger Kampf gegen seine hämmernden Kopfschmerzen und seine schmerzenden, schlechten Augen.

Es war eine Flucht und eine Suche, ein Wandern von einem Ort zum anderen, ein Kampf gegen seine innere Zerrissenheit, ein Leiden an seiner Einsamkeit in der Welt und ein Denken für die Welt, die er verändern wollte - für die Menschen und ihr Seelenheil, für die Liebe, die er selbst nicht leben konnte und all das andere Gute und das Glück, das er selbst nicht erreicht hat.

Nietzsche war ein Mann der Worte, der erkennen musste, dass Worte zwar kraftvoll sind, denn ohne diese Kraft hätte er im eigenen Leben sicher nicht bestehen können, aber im Grunde sah er am Ende verbittert ein - dass Worte, ausser dass sie das Bewusstsein immens erweitern, am richtigen Leben nichts Wesentliches verändern wenn man nicht danch leben kann.

Das Leben will nicht nur geschrieben, nicht nur gesprochen werden - es will gelebt werden. Auch Sigmund Freud, der sich in die Psyche des Menschen eingrub um die menschliche Struktur zu erklären und zu verstehen um so die Seele zu heilen, hat sich ein Leben lang den Mund fusselig geredet, Patient für Patient, Vorlesung für Vorlesung, um am Zungenkrebs zu verenden.

Tja, was also erwarten wir von uns, wir, die wir nicht so klug sind wie diese beiden klugen Geister und wir selbst sein wollen?

Wir erwarten zu viel. Wir fordern zu viel, wir fordern das Unmögliche von uns selbst.
Immer und immerzu. In guten und in schlechten Zeiten. In gesunden und in kranken Zeiten.

Und was ist es in uns, was das fordert?


Ein sich selbst als glücklich Bezeichnender, dem ich kürzlich zu fällig begegnete, sagte zu mir: das ist das Ego, das das fordert. Das Ich, das aufgeblasene überhöhte Selbst, das ist es, das will und er sagte zu mir, dass nur der glücklich wird, der sein Ego tötet. Und einen Moment lang, nein, ein paar Tage lang, dachte ich - da ist was dran. Ich habe nachgedacht wie ich mein Ego töten kann, damit ich endlich glücklich sein kann.

Dazu musste ich mein Ego und das, was es will, erst einmal suchen gehen. Ich habe in mich hineingesehen, hinter meine Maske geschaut, die ich mit mir herumtrage, die ich mir als Schutz zugelegt habe um in dieser Welt nicht noch mehr verletzt zu werden als ich es schon bin.

Und hinter der Maske habe ich die Teile in mir gesehen, die dieses Ego nähren. Ich habe meine Angst gesehen, die viele Namen hat, die meine innere Zerrissenheit füttert und mir das Leben schwer macht und mich klein. Ich habe meine Eitelkeit gesehen, die mich von den Menschen manchmal trennt, ich habe meine Wut gesehen, die ich nicht rauslasse, sondern in mich hineinfresse und bin erschrocken.

Erst mal. Und dann kamen eine gefühlte kleine Depression und eine gefühlte große Erschöpfung zum Vorschein. Oh ja, ich bin voll im Trend der Zeit, habe ich gedacht und es über das Denken hinaus so richtig gefühlt. Und in diesem Moment wo ich fühlte und zu denken aufhörte, fiel etwas von mir ab und es fühlte sich auf einmal leichter an in mir.

Plötzlich hatte ich wieder Kraft. Ich begann an einem einzigen Tag so viel zu bewegen und zu verändern wie monatelang zuvor nicht. Und jetzt ist mir klar: Ja, das ist das Ego, das will, das mich von mir selbst trennt und von den anderen und mir meine Lebensenergie raubt.

Aber ich habe es nicht getötet, ich habe es angeschaut und langsam erkannt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, ich will nicht töten was zu mir gehört, denn das bin auch ich, denn ich bin die Summe all meiner Teile, und wenn ich einen Teil von mir töte, töte ich das Ganze, also mich und nicht nur mein Ego. Und mein Gefühl sagt mir, das ist richtig so.

Jetzt bin ich an der Stelle meiner Wahrheit angelangt, die mich den Weg weiter gehen lässt mit dem tiefen inneren Wissen, dass ich nicht mehr von mir fordere als mir gut tut und was ich auch leisten kann für mich und andere und was ich nicht mehr leisten will und nicht mehr sein will, für mich und andere.

Da beginnt er, der Weg zur inneren Freiheit und zum innerem Wachstum, der Weg hin zu dem, der ich bin. Der erste Schritt ist, mich selbst zu erkennen und mich anzunehmen mit meinem Ego, mit meinem Unvollkommensein, meiner Angst und meiner Zerissenheit.

Der zweite Schritt ist - zu mir selbst zu stehen und es auszusprechen, vor mir selbst und den anderen, denn sie sind ein Teil meiner Realität. Das ist das Ende der Überforderung und ein neuer Anfang. Es ist gut, ich darf sein - mit allem was ich bin und noch werde.

Ach, eins noch: falls der Glückliche, der mich auf mein Ego aufmerksam machte, das liest: Danke!

Angelika Wende

Vita & mehr

  • Freie Journalistin und Autorin
  • Sprecherin, Moderatorin, Schauspielerin
  • Dreizehn Jahre Fernseherfahrung als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim Sender PRO 7 in München und im Zweiten Deutschen Fernsehen
  • OFF- Sprecherin für ZDF, Arte und Phönix
  • Freie Mitarbeiterin der Allgemeinen Zeitung Mainz
  • Presse-und Öffentlichkeitsarbeit für die Eventagentur oncue, Mainz
  • Kreation, Umsetzung und Saloniere des "Silbernen Salon"
  • Kreation, Umsetzung und Moderatorin des Kultur Salons Mainz mit dem Produzenten oncue event & communication
  • Inhaberin der Agentur workingforart
  • Kuratorin für das Kulturamt der Stadt Mainz:
  • "Leben ist Form - die Bildhauerin Irmgard Biernath"
  • Kuratorin des Kunstvereins Eisenturm in Kooperation mit dem Kulturamt Mainz: "Generationen"
  • Laudatorin für den Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Rheinland-Pfalz
  • Freie Tätigkeit als Laudatorin in öffentlichen Institutionen und Galerien in Mainz, Wiesbaden, Berlin, Leipzig, Ludwigshafen, Kaiserslautern 

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