hamburger-retina

Reden ist silber...Schreiben ist gold

14.05.2019 MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

GFDK - Reden ist Silber Michaela Boland

Das Große Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

Michaela Boland:

Kommen wir nocheinmal auf Klimbim zurück. Sie sagten gerade, es sei für sie die härteste Arbeit ihres Lebens gewesen. Inwieweit hatte das mit dem Regisseur Michael Pfleghar zu tun?

Ingrid Steeger:

Ja, es war sehr schwierig. Und auch hier kommt wieder hinzu, dass wir miteinander liiert waren und dass ich ihm dann gehört habe, beruflich wie privat. Das war für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Im Nachhinein sieht man vieles anders.

Im Hinblick auf meine Jugend sagen die Leute ja auch, "deine Jugend war ja schrecklich", aber in meiner Jugend fand ich meine Jugend in Ordnung. Mit dreißig vierzig Jahren dann nicht mehr.

Aber, das ist auch vielleicht etwas, das man überlebt, wenn man es in dem Moment so sieht. Aber Klimbim war eben deshalb so schwierig, weil ich vor der Kamera nicht so agieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

Oder der  Pfleghar hat es auch einfach nur nicht so gesehen und er hat es natürlich, ich sage immer "rausgeprügelt" in Anführungsstrichen. Ich wußte nicht, dass ich komisch sein würde und er hat es mit Gewalt herausgeholt und ich habe gehorcht.

Also ich habe wieder mal gehorcht. Wie immer im Leben, habe ich auch ihm gehorcht. Und das war ja offensichtlich richtig so. Es hat nicht unbedingt Spaß gemacht, aber es kam etwas dabei heraus. Und das durfte das Publikum ja nun auch nicht merken.

Das war wichtig. Wenn wir das jetzt zusammen durchgehen würden, könnte ich ihnen jede Szene nennen, bei der ich geheult habe. Auch beim Schneemann. Das war nicht im Studio, sondern das war wirklich draußen im Schnee.

Und das im Abendkleid. Und das mußten wir zehn bis zwanzig mal drehen und da bin ich fast erforen und bin seiner Meinung nach immer falsch um den Schneemann herumgelaufen. Das war dann auch nicht komisch.

Das ganze Exklusivinterview für freundederkuenste.de lesen sie hier:

mehr

10.05.2019 ein wirkliches Zeitdokument

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Das Buch, das  Sönke C. Weiss indes in letzter Zeit am tiefsten bewegt hat, heißt Briefe an Obama, wurde von der US-amerikanischen Journalistin Jeanne Marie Laskas herausgegeben, ist jetzt im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen und kostet schlanke 22 Euro.

Die 544 Seiten - man wünscht sich auf der Stelle einen zweiten Band - sind ein wirkliches Zeitdokument.

Hintergrund: Während seiner achtjährigen Amtszeit las der US-Präsident jeden Abend zehn Briefe von Bürgern, um herauszufinden, wie es um sein Land steht, einige davon beantwortete er dann persönlich.

Er schrieb an politische Gegner, Rentner, Schulkinder, Kriegsveteranen; es geht um Gerechtigkeit, Haltung, Aufrichtigkeit, Wandel und vor allem um eines: Heimat.

Briefe an Obama bringt einen zum Lachen, zum Weinen, es erschreckt und macht glücklich. Ob es irgendwann auch mal ein Buch mit dem Titel Briefe an Merkel geben wird, ich bezweifle es, schön wär’s…

Sibylle Bergs neues Buch GRM

Auch hat mich Sibylle Bergs neues Buch GRM gefreut, wie alles, was Frau Berg schreibt, selbst wenn es stramme 640 Seiten sind, die jetzt im Hause Kiepenheuer & Witsch erschienen sind und 25 Euro kosten.

GRM steht für Grime, das Coolste, was es an Musik seit es Punk gibt und das Lebenselixier einer Gruppe Jugendlicher ist, die in einer nicht zu fernen Zukunft im Brexit-Land leben, einer orwellähnlichen Insel, wo alle, die am neuen Lebensstil mitmachen, die Gewinner sind.

Wer indes quer denkt und sich außerhalb des Systems sieht, hat keine Chance. Willkommen in der Welt von Grime und bei SB. Sybille Berg ist vielen vielleicht auch nur als Spiegel-Kolumnistin bekannt, darüber hinaus aber Autorin von 21 Theaterstücken und 14 Romanen, die in über 34 Sprachen übersetzt worden sind und die mit ihrer unverkennbaren Stimme ein Leben zeichnet, dem wir bereits heute immer näher kommen: traumlos in einer Welt ohne Visionen, wo Algorithmen den menschlichen Geist ersetzen. 

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

mehr

09.05.2019 haben und nicht haben

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Wer wirklich wissen möchte, wie die Haves and Have Nots - die Habenden und Nicht-Habenden - in der Vor-Trump-Zeit der USA tickten, als es noch Hoffnung gab, dem empfehle ich unbedingt das neue Buch von Gary Shteyngart zu lesen: Willkommen in Lake Success.

432 Seiten. 24 Euro. Sehr geschmeidig aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke übersetzt. Worum es geht: Status. Ruhm. Prestige. Perfektion.

Eines schönen Tages macht Barry Cohen, Sohn eines jüdischen Poolreinigers und millionenschwerer Hedgefonds-Manager, Schluß mit seinem privilegierten New Yorker Leben, inklusive seiner Trophäenfrau Seema und seinem an Autismus erkrankten Sohn.

Mit der Börsenaufsicht auf den Fersen flieht er in einem Greyhound-Bus aus dem Big Apple, um seine alte College-Liebe Layla in El Paso zu treffen. Nach 20 vergeudeten Jahren! Im Gepäck:

Einige Kreditkarten, die er schnell entsorgt, und seine Lieblingsuhren - ja, Barry ist ein Uhrenfetischist auf der Suche nach dem wahren Leben, bevor ihm selbst die Zeit ausgeht.

Und so fühlen wir bei jeder Seite dieses wunderbaren Buches den Herzschlag des Helden der Geschichte und sind am Puls der Zeit dabei, egal wie absurd die Charaktere auch sein mögen. Man glaubt sie, weil sie wie die USA sind. Extrem in beide Richtungen - haben und nicht haben.

Wie sein Held Barry fuhr auch der Autor Gary Shteyngart mit dem Greyhound-Bus und den „Ungewaschenen“ quer durch die USA - von New York City bis eben nach El Paso - und ließ seine Erfahrungen in seinen nunmehr vierten Roman fließen.

Ein Roadtrip, der irgendwie zwischen Melancholie, Selbstverachtung und Wehklagen schwebt und dabei noch so unsagbar lustig ist, wie ihn so nur ein jüdischer Autor beschreiben kann. Herrlich. (Nicht umsonst wurde der Autor mit dem National Jewish Book Award für Fiktion geehrt.)

Aber lesen Sie selbst oder besser noch, hören Sie Gary Shteyngart beim Lesen aus Willkommen in Lake Success zu:

Am Montag, den 6. Mai in Berlin, Geistesblüten; Dienstag, den 7. Mai in München, Literaturhaus; Mittwoch, den 8. Mai in Innsbruck, Wagner’sche Universitätsbuchhandlung und am 9. Mai in Zürich, Literaturhaus. Um Reservierung wird gebeten.

Sönke C. Weiss

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

07.05.2019 Dinner am Mittelpunkt der Erde

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zwei weitere Buchempfehlungen von Sönke C. Weiss - Keine Furcht vor Moral - Apropos Geister: Auf gerade mal 288 Seiten, die 22 Euro kosten und im Luchterhand Literaturverlag erschienen sind, erzählt der jüdisch-amerikanische Schriftsteller Nathan Englander in seinem neuen Buch Dinner am Mittelpunkt der Erde drei spirituelle Liebesgeschichten, die ineinander verwoben wie welt- und zeitumspannend sind und die man einfach, ja, lieben muß.

In Englanders Roman ist alles auf einmal: witzig, brutal, utopisch und doch wieder bodenständig. Groß und ganz geht es um Israel und Palästina, tief und wahr geht es wie immer bei großer Kunst um Liebe und Tod. Und solche Augenblicke schenkt der Autor dem Leser immer wieder. Wer keine Furcht vor moralischen Fragen hat, ist hier wohl aufgehoben. Chapeau.

Wie in der literarischen Spurensuche Shakespeare in Swahililand von Edward Wilson-Lee, Afrika-Kenner und Literatur-Experte.

Die 400 großzügigen Seiten kosten 25 Euro und sind ebenfalls im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Wilson-Lee erzählt gekonnt, mit viel Humor und Insider-Wissen, wie sich viktorianische Forscher des 19. Jahrhunderts im Namen der britischen Krone in Ostafrika auf Expedition begaben.

Im Gepäck hatten sie natürlich auch W. Shakespeare und trugen so dazu bei, dass Hamlet, Macbeth und King Lear ihre Spuren auf dem afrikanischen Kontinent ließen.

Was ganz besonders ist, denn Shakespeare, das wohl größte literarische Genie der Literatur-Geschichte, kam sofort bei den Menschen Afrikas an, es gab keinerlei Berührungsängste, die lokalen Theateraufführungen seiner Meisterwerke konnten sich in der Tat sehen lassen.

Es war, als ob Shakespeare schon immer zu Afrika gehörte. Shakespeare in Swahililand ist ein ganz besonderes Buch über einen ganz besonderen Kontinent und einen ganz besonderen Dramatiker. Famos.

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

07.05.2019 literarischer Masochismus

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ich versuche mich ja wirklich nur zu Büchern zu äußern, die ich selbst auch mag; denn jedes Buch bedeutet meine Lebenszeit, und die ist bekanntlich limitiert.

So habe ich mich nichtsdestotrotz durch die nie enden wollenden 1248 Seiten von Max, Mischa und die Tet-Offensive gekämpft, nur dass mich der Autor, Johan Harstad, Wohnhaft in Oslo, damit bestraft, dass der Held seines Buches die große Liebe seines Lebens trotz aller Bemühungen nicht bekommt, weil er zu viel quatscht.

Das ist so gemein, dem Leser gegenüber, mir. Fette 34 Euro kostet dieser literarische Masochismus, der im Rowohlt Buchverlag erschienen ist und folgende Story erzählt: Max Hansen - vermutlich zum Teil aka Johan Harstad - zieht von Norwegen in die USA.

Mit seinen Eltern, deren Ehe zerbricht, während er sich mehr und mehr fürs Theater begeistert, in einem Typen namens Mordecai seinen besten Freund findet, sich in Mischa verliebt und all das über Jahrzehnte hinweg und - wie gesagt - über 1000 Seiten langgezogen, so dass ich - und ich bin da ganz ehrlich - zum Schluß gar nicht mehr weiß, was, wem, wo, wie überhaupt passiert ist und ich irgendwann froh bin, dass der Spuk ein Ende hat, Max Hansen, selbstverliebt und wirklich eine fiese Labertasche, seine Liebe nicht kriegt.

Sie hat in der Tat etwas Besseres verdient. Und noch was vorweg: Mordecai bringt sich um. So. End of Story. 

Sönke C. Weiss

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

29.04.2019 Textschönung und-Streichung

Gottfried Böhmer, Michaela Boland

Wie unabhängig können Medien berichten? Wie arbeiten Redaktionen und Korrespondentinnen und Korrespondenten, um fundiert und ausgewogen zu informieren? Zum Tag der Pressefreiheit am Freitag, 3. Mai, setzt der NDR in seinen Programmen einen Themenschwerpunkt. Na ja, dazu haben wir auch einiges zu sagen.

„Die größten Versager, das sind heute die Medien“ – Roger Köppel, Chefredakteur der „Weltwoche” und Abgeordneter der Schweizer Volkspartei. Seit beginn der Ukraine-Krise 2013 und der damit verbundenen Berichterstattung über Russland und Putin kommen immer mehr Zweifel auf ob der Journalismus und die Medien noch Glaubwürdig sind.

Nach der schon fast schon ketzerischen Berichterstattung über Grischenland und der Euro-Krise, und zuletzt der bis heute anhaltende Mediale Krieg gegen Donald Trump, haben sich die Zweifel der Leser an der neutralität der Medien noch einmal deutlich erhöht.

Der Spiegel verlor jedes Maß

Der "Spiegel" Chefredakteur Klaus Brinkbäumer schrieb unlängst „Der US-Präsident wird zur Gefahr – Deutschland muss den Widerstand vorbereiten.“ und weiter: „Deutsch­land wird sich ge­gen den 45. Prä­si­den­ten der USA und des­sen Re­gie­rung stel­len müs­sen.“

Trump sei die Inkarnation des Bösen

Über Trump sagt der Spiegel-Chef: „Der Präsident der USA ist ein pa­tho­lo­gi­scher Lüg­ner. Der Prä­si­dent der USA ist ein Ras­sist. So re­de­te Nero, Kai­ser und Zer­stö­rer Roms; so den­ken Ty­ran­nen.“ Brinkbäumer sieht sich und den "Spiegel" als Partei, die den Kampf gegen Trump aufnimmt, und er hat die  US-Medien als Verbündete.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille, es gibt noch eine weitere:

Ein Rückblick ins Jahr 2013

Am 21. September 2013 haben wir uns mit diesem Thema beschäftigt: Der Eröffnung von weitgehenden Möglichkeiten des Missbrauchs durch die sogenannte "Autorisierung" von Interviews durch die befragten Gesprächspartner tritt die Gesellschaft Freunde der Künste, Gottfried Böhmer und Michaela Boland entschieden entgegen.

In aufgezwungener grenzüberschreitender Textschönung und-Streichung oder nachträglicher Umstrukturierung des ursprünglich Gesagten durch den Interviewpartner oder dessen Umfeld sehen wir klaren Betrug am Leser.

Hierbei wollen wir nicht mitmachen. Aus gegebenem Anlass stellen wir unseren Grundsatz daher nochmals deutlich klar: Die Freigabe von Zitaten stellt eine freiwillige Vereinbarung zwischen den Gesprächspartnern dar. Wir lehnen dies freiwillig und grundsätzlich ab.

Dass prominente Persönlichkeiten, die oftmals Vorbilder sein wollen, in den Medien gerne gut da stehen möchten, ist nachvollziehbar. Daher erhalten sie die Möglichkeit, sich in offiziell und formal korrekt angefragten Interviews ebenso darzustellen.

Betrug am journalistischen Selbstverständnis, Verlage knicken ein

Abgesehen vom Verlust der Spontanität, kann jedoch auch keinerlei Authentizität eines journalistischen Gesprächs mehr gewährleistet sein, sofern der Interviewpartner in unlimitierter Willkür nachträglich den Rotstift anszusetzen wünscht.

Dieses offenbar typisch deutsche Phänomen der vollen Kontrolle über die niedergeschriebene Widergabe eines Gesprächs in Frage-Antwort-Form durch den Interviewten, stellt nichts anderes als Zensur dar.

Medienanwälte üben Druck auf die Journalisten aus

Und diese sollten wir gerade in unserem Lande doch seit einiger Zeit hinter uns gelassen haben. Dass das gesprochene Wort hin und wieder unlesbar, da von "Ähs" und "Öhs", Floskeln, Wiederholungen, nicht zu Ende gedachten Sätzen oder Endlosphrasen durchsetzt sein kann, ist nur natürlich, jedoch für professionelle Journalisten eine behebbare Angelegenheit.

Im Rahmen des journalistischen Ehrenkodex muss sichergestellt sein, dass von Seiten des Interviewers keine Unwahrheiten oder aus dem Zusammenhang genommene Aussagen in einer Weise widergegeben werden, die den Gesprächspartner wissentlich und willentlich diskreditieren.

Interviews werden zur Farce, sie suggerieren Authentizität, sind aber oft Betrug am Leser

Bei Zuwiderhandeln eines Journalisten bleibt einem potentiell Geschädigten aber immer die Gegendarstellung oder Klage. Außerdem sucht sich der Interviewte aus, mit welchem Medium er spricht.

Zu vorbehaltlos getätigten Aussagen während eines offiziell als Interview gekennzeichneten Gesprächs jedoch, sollte der Befragte stehen. Wer lediglich an einer geschönten PR-Story interessiert ist, möge gerne einen PR-Profi engagieren und bezahlen.

Textschönung und-Streichung

Im direkten Vergleich zu Talkshows, in denen Prominente oftmals plaudern als ob es kein Morgen gäbe, schneidet die Print und Online-Welt scheinbar derzeit inkonsequenterweise deutlich rechteeingeschränkter ab, und das, obwohl es keine direkte gesetzliche Grundlage dafür gibt:

Würde jeder Talkshowgast grundsätzlich zunächst eine Sichtung und "Freigabe" des Aufgezeichneten verlangen dürfen, wäre das Format an sich gewiss längst tot.

Wortlautinterviews werden immer seltener

Ganz zu schweigen von Live-Sendungen, in denen Interviews vorgesehen sind, und welche dann gänzlich verboten werden müssten. Der Gesellschaft Freunde der Künste spricht die New York Times, die  nachträglich keine Zitate von Gesprächspartnern autorisieren lässt, insoweit aus dem Herzen.

Womöglich ist mittlerweile eine Art "journalistisches Manifest" vonnöten, in welchem es heißen könnte, "Journalisten aller (Bundes)länder vereinigt euch". Niemand ist gezwungen uns ein Interview zu geben, doch glücklicherweise sind wir auch nicht gezwungen, es mit jemandem zu führen.

Beispiel dafür, wo der Freigabe -Wahnsinn hinführen kann:

Keine journalistische Form sei in den letzten Jahren so verludert wie das Interview, warnte die damalige »taz«-Chefredakteurin Bascha Mika schon 2002.

Kampf den immer unverfroreneren Möchtegernfreigebern

Gottfried Böhmer und Michaela Boland

PS: Cord Schnibben (Spiegel 10.09.2013) fragte seine Leser wie ernst sie den Journlismus nehmen. Über das Ergebnis war er aber erstaunt, wir nicht.


"Schreiben voneinander ab, linke Zensoren, intellektueller Abwärtstrend, devote Hofberichterstattung, PR-Maschine, schlecht recherchiert, nur noch Agenturmeldungen kopiert, schlechtes Deutsch, solche Beschwerden zogen sich durch viele Leserkommentare."

Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.

"Johann Wolfgang Goethe"

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

 

 

mehr

19.04.2019 journalistische Standards

GFDK - Reden ist Silber

Es gab eine Zeit, da war Prof. Frank Überall noch nicht der Chef beim DJV, und da war der gute Mann auch noch viel nachdenklicher. 2015 hat er der GFDK noch gesagt " Nur auszuwählen nach dem Motto, was nehme ich denn jetzt aus den Agenturen, das ist kein Journalismus". Zu jener Zeit war Herr Überall noch deutlich objektiver als heute.

Prof. Frank Überall ist nun der Boss des sogenannten "Deutschen Journalisten Verbandes". In diesem sind über 35.000 Journalisten organisiert. Inkl. mehr oder weniger auch alle Mitarbeiter der deutschen Mainstreammedien, aber auch PR-Fachleute und Regierungssprecher.

In dieser Funktion (und wohl eher im Auftrag seiner Puppenspieler von Springer, Bertelsmann, Burda & Co) forderte er die deutschen Behörden auf, dem "Kreml-Propagandamedium" RT die deutsche Rundfunklizenz zu entziehen.

In diesem Interview auf Heise/Telepolis (ein von mir sehr geschätztes Medium) entlarvt sich Herr Überall in nur wenigen Sätzen selbst. Vor allem, in dem er ganz offen unterschiedliche Maßstäbe ansetzt, was Objektivität, Wahrheit und journalistische Standards angeht.

Heise fragt hier geschickt, wie Herr Überall eigentlich sein völlig idiotisches Statement RT Deutsch gegenüber im Vergleich zur "journalistischen Arbeit" von Medien wie Bild & Co rechtfertigt...

HEISE: "Fällt RT Deutsch signifikanter durch unseriösen Journalismus auf als andere Medien, die regelmäßig bei BILDblog zu Gast sind?"

FRANK ÜBERALL:
"Wie ich bereits gesagt habe: RT steht nicht für seriösen Journalismus. Deshalb sind Vergleiche mit journalistischen Medien unangebracht."

HEISE:
"Der staatliche deutsche Auslandssender Deutsche Welle hatte letztes Jahr bei den russischen Präsidentschaftswahlen zum Boykott aufgerufen. Ist Ihnen eine vergleichbare Wahlbeeinflussung deutscher Wahlen durch RT deutsch bekannt?"

Frank Überall: RT befeuert eine politische Stimmung, die der AfD nützt.

HEISE:
"Sie beklagen, RT Deutsch stelle tatsächliche Ereignisse einseitig dar. Fordert der DJV also von privaten Medienhäusern künftig Objektivität?"

FRANK ÜBERALL:
"RT ist nicht privat."

Anmerkung: "Privat" war als Gegenbegriff zu öffentlich-rechtlichen Rundfunkhäusern gemeint, die zu interner Vielseitigkeit verpflichtet sind, sog. Binnenpluralismus.

Auch das noch - gerade gefunden:

So geht Journalismus: Gerade das "Tagesgespräch" auf Bayern 2. Thema ist der SPD-Rentenvorschlag. Leute können anrufen, im Studio sitzt ein Professor, der vorgibt, alles wissenschaftlich neutral einzuordnen und der ständig von "Wir Wissenschaftler" spricht. In Wahrheit ist er in der Jungen Rentenkommission und Partei in der Debatte.

Ein Verbands-Lobbyist also, der unter dem Deckmantel der Wissenschaft gegen die SPD vom Leder ziehen darf. Diese Art Journalismus unterscheidet sich nicht mehr vom Stil in den sozialen Netzwerken, nur dass wir alle dafür Gebühren zahlen.

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

mehr

19.04.2019 Der schwarze Peter. Sich schwarz ärgern

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Zwei neue Bücher nehmen sich den Themen Afrika und Hautfarbe an und - halten uns den Spiegel vor

Von Sönke C. Weiss

Schwarzfahren. Schwarzsehen. Schwarzarbeit. Der schwarze Peter. Sich schwarz ärgern. Solange ich bewußt denken kann, versucht man mit der Farbe schwarz etwas Negatives zu verbinden. Und es scheint noch heute zu funktionieren.

So auch, wenn über den vermeintlich schwarzen Kontinent - Afrika also - gesprochen und geschrieben wird. Das Herz der Finsternis sozusagen, um bei Stereotypen zu bleiben, die mittlerweile der Maßstab sind, wonach oftmals ein ganzer Kontinent bewertet, ja beleidigt wird.

„Afrotopia“ und „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“

Jüngst sind in deutscher Sprache - endlich - zwei Bücher erschienen, die das thematisieren, die für mich zusammengehören und denen man wirklich einige Stunden seiner Zeit widmen sollte, weil sie elementar wichtig sind für unser Verständnis, was eben Afrika angeht und - Hautfarbe. Schade nur, dass solche Bücher nie von deutschen Autoren stammen:

Das erste heißt „Afrotopia“, wurde vom senegalesischen Schriftsteller Felwine Sarr, Jahrgang 1972, geschrieben und ist aus dem Französischen sehr pragmatisch von Max Henninger übersetzt worden. Die 175 Seiten (Matthes & Seitz Berlin) kosten 18 Euro und sind wohl investiert.

Sarr räumt mit Gemeinplätzen, Klischees und Pseudogewissheiten hinsichtlich Afrika auf und zeichnet das Bild eines Kontinents im 21. Jahrhundert, dessen „Imperativ lautet, zu seiner eigenen Bewegung zurückzufinden“, was umso wichtiger ist, bedenkt man, das in „35 Jahren Afrika ein Viertel der Weltbevölkerung stellen wird.“

Der Kontinent werde den höchsten Anteil an Einwohnern im Alter zwischen 15 und 45 Jahren aufweisen. Sarr schreibt: „Dieses demografische Gewicht und diese Vitalität werden das gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Gleichgewicht des Planeten verschieben.“

Ich denke, dass der Autor mit seinen im Buch aufgestellten Thesen hinsichtlich Wirtschaft, Politik und Soziales, er deckt jeden Bereich ab, wenn manchmal auch ein wenig oberlehrerhaft, richtig liegt. Seit über 20 Jahren arbeite ich in Afrika, habe dort viele Jahre gelebt und war sechs Jahre lang für ein internationales Hilfswerk in der Kommunikation tätig.

Es geht um Respekt, der eingefordert wird

Es ist faszinierend zu beobachten, wie Afrika, beziehungsweise die junge Generation, sich von Tag zu Tag mehr vom Westen emanzipiert; man will kein Abbild von Paris, London oder New York mehr sein, sondern sich als eigenständige Gemeinschaft empfinden und - wichtiger noch - ausdrücken und wahrgenommen werden, wovon Sarrs Buch in erster Linie berichtet.

Es geht um Respekt, der eingefordert wird, nicht Almosen oder Dritte-Welt-Gelaber. (Das allein schon ist meiner Meinung nach Rassismus.)

Leider findet in den deutschen Medien Afrika nur am Rande statt und die Berichterstattung konzentriert sich in seiner Einfältigkeit und Schlichtheit oftmals auf Elendsgebiete oder Konflikte.

Kultureller und geistiger Reichtum

Sarr berichtet uns aber von einer Fülle kulturellen und geistigen Reichtums, zu dem die deutsche Gesellschaft meiner Überzeugung nach noch keinen Zugang gefunden hat; wie auch, steht hier die sogenannte deutsche Leitkultur immer im Vordergrund der Debatte.

Das Zuhören fehlt dem Deutschen, nein, dem Europäer meist schwer in seinem Weltbild. Und leider gibt es auf dem deutschen Buchmarkt zu wenige Bücher, die sich Afrika widmen und keine Titel haben, wie: „Ach, Afrika.“ Anders in Großbritannien, wo. Die Kolonialzeit noch immer präsent ist, wohingegen sie in Deutschland so gut wie nie thematisiert wird, aber sollte.

So hat Reni Eddo-Lodges Buch „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ auch mit Afrika zu tun. Schreibt sie unter anderem über Großbritanniens Mitschuld am Sklavenhandel, und dass Liverpool der größte britische Sklavenhafen war.

Aber das nur zur Einleitung eines Buches, das sehr lebendig aus dem Englischen von Anette Grube übersetzt wurde und für 18 Euro bei Tropen, leider erst zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung in Großbritannien, zu kaufen ist.

Der Mangel an historischem Wissen, bei Rechten, Linken und Liberalen

Und: Jede der 263 Seiten hat es wirklich in sich. Eddo-Lodges zeigt auf, wie sich Rassismus in jeden Winkel der Gesellschaft gefressen hat, wobei sich die Beispiele der Autorin meist auf Großbritannien beziehen, man aber ohne Bedenken spiegelgleiche Parallelen nach Deutschland ziehen kann, und wie der Mangel an historischem Wissen und politischem Hintergrund den Rassismus weiterhin kultiviert und fördert, insbesondere, aber nicht nur in rechten Gruppierungen, sondern auch in der Welt der Kultur und der sogenannten Linken und Liberalen, die angeblich so weltoffen und tolerant ist.

Weltumspannender Rassismus

Apropos meine Erfahrung in der Entwicklungshilfe: Nie in meinem Leben habe ich krassere Rassisten als bei den in Afrika tätigen Hilfswerken kennengelernt. Nach dem Motto: Du lebst mein Weltbild und kriegst dafür ne Handvoll Reis... (Das N-Wort habe ich übrigens unzählige Male in diesen Kreisen gehört.)

„Ich hörte auf, mit Weißen über Hautfarbe zu sprechen, weil ich nicht glaube, dass Aufgeben ein Zeichen von Schwäche ist.

Manchmal geht es dabei um Selbsterhalt,“ schreibt Eddo-Lodges. Im englischen Original heißt es statt „Hautfarbe“ Race, also Rasse und ich weiß nicht, was unseren weltumspannenden Rassismus treffender ausdrückt, Rasse oder Hautfarbe, oder ob‘s letztendlich keine Rolle spielt.

Nichtsdestotrotz, obwohl die Autorin und Journalistin, 1989 in London geboren, nicht länger mit Weißen über das Thema sprechen wollte, scheint sie nach ihren Artikeln für The Guardian und The New York Times keine andere Wahl zu haben, denn es weiter zu tun, seit sie 2014 in ihrem Blog ihren Abschied vom „Thema Hautfarbe“ angekündigt hat. Und ich hoffe, sie wird es auch weiter tun, dieses vermutlich wichtigste Thema unserer Zeit in die Welt tragen.

Denn: Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, eben nicht weiß zu sein?

Ein Weißer wird das nie verstehen, ja nachfühlen können. Wie auch? Eddo-Lodges geht auf Spurensuche, siehe Sklaverei, und führt uns als Leser Schritt für Schritt, klar, deutlich und unmißverständlich, hinter die Fassade und in die Abgründe diskriminierender Ungerechtigkeiten in Systemen, die in der Tat weiß geprägt sind und - wichtiger noch - weiß dominiert werden.

Dabei versteht sie sich als Teil einer Bewegung, die in erster Linie dazu da ist, dass Menschen sich kennenlernen und lokale Widerstände gegen Rassismus aufbauen. Beide Bücher, „Afrotopia“ wie „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ sind für sich Offenbarungen und sehr zu empfehlen. Chapeau.

Das Mädchen und der Krieg: Die Geschichte einer Kindersoldatin von Sönke C. Weiss

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

mehr

01.04.2019 war das ein Wunschdenken?

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Oberwasser für Donald Trump: Die "Russland-Ente" sei endlich tot. "Die Illusion von der Verschwörung ist vorüber“, sagte Donald Trump. Scharfe Kritik übte Trump an den Demokraten, die die Ermittlungen zur Russland-Affäre ins Rollen gebracht hatten.

Den Sumpf von Washington trocken legen

„Sie haben mich ausspioniert, sie haben unseren Wahlkampf ausspioniert“, sagte Trump vor seinen Anhängern. „Nach drei Jahren Lügen und Verleumdungen und übler Nachrede ist die Russland-Ente endlich tot. Die Illusion von der Verschwörung ist vorüber.“

Nach der Veröffentlichung des Mueller-Reports hat Trump nun Oberwasser bis zum Anschlag. „Sorry, aber sie müssen verantwortlich gemacht werden“, und meinte damit die Demokraten, die ihn in seinem Handeln als Präsident behindert hätten. “ Mehr denn je sei es nötig, sein Wahlkampfmotto von 2016 umzusetzen, den Sumpf von Washington trockenzulegen.

Ein Debakel für die Medien

Die Untersuchung von Mueller, der beweisen sollte, dass sich Russland in den Wahlkampf 2016 eingemischt und das Trump-Lager gemeinsame Sache mit Russland gemacht hätte, konnte er nicht bestätigen. Und das ist Fakt, ob uns das gefällt oder nicht, es ändert nichts an Trumps scheinbarem Erfolg in der Sache.

Der Mueller-Bericht ist ein Debakel für die Medien, am meisten für den "Spiegel", der sich in den vergangenen Jahren fast täglich an Trump abgearbeitet hat.

Der Scheinheilige "Spiegel"

Paul Farhi, Medienreporter der "Washington Post", wird sogleich zum Interview gebeten. Die Schuld Trumps wurde in der Russlandaffäre von den Medien wie auch der "Washington Post" und der " New York Times" geradezu vorausgesetzt, war das ein Wunschdenken?

Paul Farhi meinte, bei der Russland-Berichterstattung wurden viele sehr wichtige Fakten aufgedeckt. Hallo, was für Fakten? Wieviel Frauen Trump glücklich gemacht hat oder was meint er? Und was hätte das mit Russland zu tun?

Scheinheilig fragt der "Spiegel" ihn: Hat die Russland-Story die Glaubwürdigkeit der Newsmedien generell beschädigt?

Die falsche Berichterstattung wurde nie korrigiert

Darauf er: "Die Newsmedien hätten eine selbstkorrigierende Natur, wir berichtigen falsche Berichterstattung und mit der Zeit entsteht so ein korrekter Datensatz. Viele erste Entwürfe der Geschichte sind fehlerhaft. Man fragt sich, will der uns verarschen oder will der "Spiegel" uns verarschen.

Wo und an welcher Stelle haben sich die Medien in der falschen Berichterstattung korrigiert? Wo war der korrekte Datensatz?

Und jetzt wird es lächerlich: "Unsere Aufgabe ist es, Fakten zu finden und sie den Menschen zu präsentieren. Wir sind nicht hier, um Meinungen zu ändern. Wir sind hier, um zu sagen, was wahr ist."

Welche Fakten haben sie gefunden? Was war an der Berichterstattung wahr? Und ja, sie wollten mit aller Gewalt Trump schädigen und die Meinung zu Trump ändern, das war das Ziel. Mehr Heuchelei geht nicht mehr.

Hier noch einmal ein Beispiel aus dem vergangenem Jahr:

Der Anti-Trump-Kampfsender CNN hatte einen Bericht über ein Treffen von Trump-Vertrauten mit einer russischen Anwältin im Präsidentschaftswahlkampf 2016, an dem auch Carl Bernstein beteiligt war, gesendet.

Bericht in Frage gestellt, Sender bleibt bei seiner Darstellung

In dem CNN-Bericht wurden Quellen zitiert, denen zufolge Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen gesagt haben soll, Trump habe im Vorfeld von dem Treffen gewusst. Der CNN-Bericht wurde später in Frage gestellt, nachdem eine der Quellen ihre Aussagen zurückzog. CNN hielt aber an dem Bericht fest. Warum?

Trump antwortete wie immer per Twitter und beschuldigte den Sender. Dieser werde „von innen heraus zerrissen“, weil er „einer großen Lüge überführt“ worden sei und sich weigere, „den Fehler zuzugeben“.

Man muß Donald Trump nicht mögen, ich finde seine Politik auch meistens unterirdisch, mich störte es aber wenn Medien, die der Wahrheit verpflichtet sind, Faken verdrehen und sogar Fakten verfälschen.

Zum Schluß noch ein paar Gedanken von Gabor Steingart:

"Zwischen den Medien und ihrem Publikum herrscht eine Beziehungskrise, für deren Ausbruch nicht nur eine Seite die Verantwortung trägt. Der Journalismus ist erklärungspflichtig geworden. Seine Wächterrolle wird eingefordert und angefeindet zugleich.

Was genau ist da schiefgelaufen? Was ist der Kern vom Kern unseres Berufes: Sind wir „Fehlergucker“ (Stefan Aust) oder muss ein Journalist zuerst „Haltung zeigen“, wie Anja Reschke meint? Gilt noch das Diktum des Rudolf Augstein: „Schreiben, was ist“?

Oder sind wir eine „Meute“, wie Helmut Schmidt sagte, wo keiner der Wahrheit und jeder nur dem anderen hinterherjagt? „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten“, ätzte schon Karl Kraus.

Der Medienwissenschaftler und Buchautor Prof. Norbert Bolz sieht den Meinungsjournalismus“ durch einen „Gesinnungsjournalismus“ ersetzt. Er glaubt, vielen gehe es gar nicht mehr darum, über die Welt zu informieren, sondern die Welt zu retten. Er empfindet uns als „Oberlehrer“

Auch so böse Worte wie Lückenpresse sind nicht ganz gegenstandslos."

Gottfried Böhmer

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mehr

29.03.2019 Mit der richtigen Gestik an die Macht?

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

In der US-amerikanischen Fernsehserie „Lie to me“, die von 2009 bis 2011 auch im deutschen Fernsehen lief, den Sender möchte ich hier lieber nicht erwähnen, hilft ein gewisser Dr. Cal Lightman - hervorragend dargestellt von Tim Roth - basierend auf den realen wissenschaftlichen Forschungen des weltberühmten Anthropologen und Psychologen Dr. Paul Ekman seinen Auftraggebern herauszufinden, ob gewisse Personen, wie zum Beispiel zukünftige Angestellte, Politiker, eines Verbrechens Verdächtige, lügen oder die Wahrheit sagen.

Niemand kommt aus seiner Haut

Hierzu analysiert Lightman alias Ekman neben der Körpersprache sogenannte Mikroexpressionen. Für die Nichteingeweihten: Das sind unwillkürliche Bewegungen der Gesichtsmuskeln, die auf eine wahre und/oder unterdrückte Emotionslage hindeuten. Und genau hier wird’s interessant.

Denn egal aus welcher Kultur jemand stamme, welchen Bildungshintergrund er habe und wieviel Mühe er sich gebe, aus seiner Haut komme niemand raus. Ganz wichtig: Mann wie Frau.

Heißt es und wird von Stefan Verra, Jahrgang 1973, in seinem neuen Buch „Leithammel sind auch nur Menschen: Die Körpersprache der Mächtigen“, erschienen im Ariston Verlag, 254 Seiten, 20 Euro, teilweise mit analysiert.

Seit 20 Jahren beschäftigt sich Verra, im schönen Lienz geboren, intensiv mit Körpersprache und bringt seine Erkenntnisse, die zum Teil auch aus der Instrumental- und Gesangspädagogik stammen, in seinen Vorträgen einem internationalen Publikum näher - von Europa über die USA bis hin nach China - und arbeitet darüber hinaus mit Menschen, die unter Autismus leiden, zusammen.

Leithammel und Macht

In „Leithammel“ indes widmet er sich ausschließlich der Körpersprache von sieben Weltpolitikern. Es geht unter anderem um Merkels Raute, Putins Stirn, Trumps Zeigefinger und Xi Jinpings Pokerface, das ist Chinas Chef, das eine Mischung aus Härte und Harmonie zementiert. (Wußten Sie, dass Xi grundsätzlich sein eigenes Bett mit auf Reisen nimmt, wie jetzt nach Nizza und Paris?)

Die Unglaubwürdigkeitsfalle

„Ich habe die Protagonisten nach ihrem Einfluss auf die weltweite Politik ausgewählt. Sie sollten beim Erscheinen des Buches noch im Amt sein und körpersprachlich etwas hergeben“, schreibt Verra in der Einleitung von „Leithammel“, das in erster Linie kein Buch über Politik sein will, sondern über Botschaften, die diese Menschen in die Welt streuen, um an der Macht zu bleiben.

Auftreten wird von Profis trainiert

Verra: „Nach diesem Buch werden Sie wissen, was Sie unbedingt vermeiden sollten, um nicht in die Antipathie-, die Arroganz- oder Unglaubwürdigkeitsfalle zu tappen.“

Nun, ob ich das so unterschreiben möchte, weiß ich nicht. Neben ihrer angeboren Körpersprache sind diese Menschen selbstverständlich von Profis hinsichtlich ihres Auftretens wohl trainiert. Auf diesem Niveau wird nichts dem Zufall überlassen. Trotzdem:

Das Buch macht auf jeden Fall sehr viel Spaß, zumal man das Gelernte unmittelbar in den Medien vor Augen sieht, da wir den besagten Personen im täglichen Leben kaum entkommen können und sie ein guter Einstieg in diese Materie sind, was mich erneut auf den Guru der Körper- und Mimiksprache bringt.

Paul Ekman berät neben zahlreichen Unternehmen auch das CIA wie das FBI und bietet Fernkurse in der Analyse von Mikroexpressionen an. Das ist nicht unumstritten, so er seine Studien nie durch eine sogenannte Peer-Review hat überprüfen lassen, was den Erfolg seines Geschäftsmodells bis dato aber nicht verringert hat.

„Ich weiß, dass Du lügst“ und „Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren“ heißen seine wohl bekanntesten Bücher, die ich vor Jahren mal quergelesen, mich aber nie wirklich mit auseinandergesetzt habe, da sie doch eine gewisse Ahnung von Psychologie voraussetzen und nicht für den Amateur gedacht sind.

Anders als Verra, der in seinen Shows, die sein Brot-und-Butter-Erwerb sind, in erster Linie auf den Unterhaltungseffekt setzt.

Auch in „Leithammel“ psychologisiert der Autor nicht und präsentiert mit großer Leichtigkeit seine Erkenntnisse und die Ursprünge der jeweiligen Signale. Sehr harmlos. Sehr unterhaltsam. Sehr kurzweilig. Sehr zwanglos. Doch immer nach dem Motto: „Wer mit seiner Körpersprache die momentanen Bedürfnisse des Volkes am besten widerspiegelt, gewinnt die Wahlen.“ Ach, wenn es doch so einfach wäre...

Sönke C. Weiss

Hier geht es zu unserem Feuilleton, Reden ist Silber....Schreiben ist Gold

GFDK ist ein unabhängiges Nachrichtenportal mit einer etwas anderen Sichtweise auf das Weltgeschehen.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

 

mehr
Treffer: 798
Top