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Reden ist silber...Schreiben ist gold

22.08.2013 ein nachruf auf eine Legende

GFDK - Gottfried Böhmer

Wir möchten uns an dieser Stelle nicht mit Aufzählungen all der Stars, die Fritz Rau im Rahmen seiner Karriere und seines Lebens als legendärer Konzertveranstalter nach Deutschland geholt hat beschäftigten, das machen ja schon unsere Qualitätsmedien, den ganzen Tag und zur genüge.

Über 35 Jahre galt Fritz Rau neben Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann als der wichtigste und einflußreichste Konzertveranstalter in Deutschland. Der oft cholerische Rau galt für viele Künstler als Übervater der Musik- und Konzertszene. Nun ist die Legende im Alter von 83 Jahren in Kronberg an einem Schlaganfall gestorben.

Kofferträger, Visionär und Freund der Künstler

Fritz Rau begann seine schillernde Karriere 1955 als Kofferträger für den Musikmanager Horst Lippmann. Neben seinem Jurastudium arbeitete der junge Rau quasi Nebentätig als Tourneeleiter für diverse Jazzgrößen.

Lippmann, so wird erzählt, hatte Rau beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt 1954 daran gehindert, sich ohne Eintrittskarte in ein Konzert zu schummeln, wofür Rau ihn „Arschloch“ titulierte: So sollen sie sich kennen gelernt haben.

1963 bot ihm der mittlerweile zum Freund gewordene Lippmann eine Partnerschaft an. Daraufhin wurde die Konzertagentur "Lippmann und Rau" gegründet. Das erste große Ding war die Organisation des American Folk Blues Festivals und über Nacht wurde Fritz Rau ein Begriff in der internationalen Konzertszene.

Leidenschaft für die Jazz-, Indie- und Bluesmusik

Zu Anfang konzentrierte sich Rau vornehmlich auf die Jazz-, Indie- und Bluesmusik, deren Konzerte er mit viel Leidenschaft managte. Ehe man sich versah wurde die Agentur Lippmann und Rau der Branchenprimus. Fritz Rau sagte einmal, "die Welt hat einen Anwalt weniger und einen Kartenverkäufer mehr", so Fritz Rau zu seiner Entscheidung Konzertveranstalter zu werden.

Wenn Rau rief, kamen die Stars

Die Arbeitsaufteilung in der Agentur war klar geregelt. Lippmann holte die besten Musiker unter Vertrag, Rau machte die Organisation und Finanzen. Das erfolgreiche Duo bestimmte schnell, was in Deutschland auf den Konzertbühnen stand. Ohne jeden Zweifel kann man sagen, dass Rau einen großen Einfluss auf die Popularmusik genommen hat, vielleicht hat er sie sogar geprägt, zumindest mitbestimmt.

Kofferträger: eine maßlose Untertreibung

Der Förderer der deutschen Jazzmusik blieb aber bescheiden. Gerne bezeichnete er sich als Kofferträger (so hat er begonnen) für musikalische Stars. Und weil er ein guter Kofferträger sei, habe man ihm auch andere Dinge machen lassen, Konzerte veranstalten zum Beispiel.

Die Musiker aus aller Welt schätzten an Fritz Rau seine Professionalität, seine Zuverlässigkeit und seinen Arbeitsethos. Auch wenn er zuweilen ein aufbrausendes Wesen war, das die Nerven seiner Mitmenschen des öfteren strapaziert haben soll. Das brachte ihm, so wird es zumindest kolpotiert, den Spitznamen "Ayateollah Kollerie".

Nach den Jazzkonzerten in den 60-er Jahren, die Rau als Veranstaltungen gegen den Rassissmus verstand und den Folkkonzertreihen als Kampf gegen Militärismus, begann er 1970 sich dem Rock und Pop (Popularmusik) zu widmen, dessen größter Veranstalter er wurde.

Die Impresarios der Konzertmacher

Im Laufe der Jahre bekamen Lippmann und Rau aber auch Konkurrenz, da sich das Konzertbusiness zu einer Geldmaschine entwickelte. Schließlich gab es einen riesigen Kuchen zu verteilen, die Umsätze stiegen europaweit, schon bis in die 90er Jahre auf über 4,5 Mrd DM und Deutschland galt als wichtigster Markt. Auf der Bühne erschienen nun mit Marek Lieberberg, Marcel Avram und Matthias Hoffmann - drei neue Mitspieler, die an dem Kuchen naschen wollten. Zwei von diesen ist es wie sich später herausstellte nicht recht bekommen (verschluckt).

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1970 gründete Marek Lieberberg mit Marcel Avram die Konzertagentur Mama Concerts. Die beiden Newcomer waren vom ersten Tag an erfolgreich und eine starke Konkurrenz zu Rau. 1986 trennten sich beide im Streit und für Fritz Rau taten sich neue Perspektiven auf. 1989 fusionierte die Rau Agentur mit der von Marcel Avram geleiteten Agentur Mama Concerts.

In der Folge dominierten Rau und Avram über viele Jahre den deutschen Rock- und Popmarkt. Mit über 120 Millionen Mark Umsatz stiegen die Beiden schon 1992 zur größten Konzertagentur Europas auf. Das Ende dieser äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit (Geldquelle) läutete 1997 die Staatsanwaltschaft und das Finanzamt ein.

Mit einem Bein im Gefängnis

Marcel Avram, der Mann mit den vielen Pässen, wurde 1997 verhaftet und wegen Steuerbetrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Süddeutschen Zeitung sagte Fritz Rau beim Prozess gegen seinen damaligen Partner Marcel Avram "wir stehen doch mit einem Bein im Gefängnis". Eine Verurteilung seines Partners werde auch seine Existenz vernichten, er werde dann aus der gemeinsamen Agentur Mama Concerts aussteigen.

Dem Spiegel sagte er, "er fühle sich zu alt und gesundheitlich nicht auf der Höhe die Geschäfte alleine weiterzuführen". Weiter klagte Rau im Spiegel "Die Behörden hätten offenbar kein Verständnis für Avrams 30-jährige Kulturarbeit, fernab hochsubventionierter Staatstheater, wir stehen da wie Sittenverderber". An den Äußerungen von Fritz Rau ließ sich erkennen das er sichtlich geschockt war.

Na ja, auf die Freundschaft mit Marcel Avram sollt sollte man aber auch nicht setzen. Der liebe Marcel verklagte 2002 seinen "guten Freund" Michael Jackson, der ihn 1998 sogar im Münchner Knast besucht hat auf 21 Millionen Dollar.

Im Folge der Ereignisse wurde die Fritz Rau GmbH gegründet und der gute Fritz arbeitete von da an als unabhängiger Produzent- und Tourneeorganisator. Ohne jede Frage, Fritz Rau gehörte zu den großen Zeitzeugen einer Gründerzeit, die das Konzert- und Musikgeschäft nachhaltig gestaltet hat.

Ein Tag ohne Musik wäre ein verlorener Tag, hat Rau oft gesagt. 2004 zog sich Fritz Rau aus dem aktiven Konzertgeschäft zurück. 2005 veröffentlichte er seine Memorarien unter dem Titel "50 Jahre Backstage - Erinnerungen eines Konzertveranstalters".

Seinen langandauernden Erfolg erklärte er so "Herzblut, Angstschweiß und Freudentränen", das hat mich wohl über die Zeit gerettet.

So clever wie ein Haifisch

Seinen 80. Geburtstag feierte er mit 2500 Gästen und vielen prominenten Gratulanten aus der "Fritz-Rau-Familie" in der Frankfurter Alten Oper. Wolfgang Sandner, der Laudator des Abends, würdigte die besondere Menschlichkeit Raus im "Haifischbecken" des Showgeschäfts: "Er ist nie selbst ein Haifisch gewesen. Aber er war so clever wie ein Haifisch."

Mit bewegenden Worten verabschiedet sich Udo Lindenberg laut dpa

Mit bewegenden Worten hat Udo Lindenberg, 67, am Dienstag auf den Tod von Fritz Rau reagiert. "Ein letztes Ahoi, mein Abenteurer-Freund und großer Bruder Fritz Rau. Du warst immer schon ein Pionier – jetzt reist du schon mal vor, irgendwann folg ich dir...", schrieb Lindenberg am Dienstag in Anlehnung an seinen Songtext "Stark wie Zwei".

"Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Amy (Winehouse), Kurt (Cobain) und Michael (Jackson). Mach die Bühnen klar, Fritze, da oben – hinter den Sternen – the show goes on", schrieb er in einer Mitteilung. "Du bleibst immer dabei – stark wie zwei", meinte Lindenberg. "Du bist nicht von uns gegangen – du bist nur vor uns gegangen. Für immer – dein kleiner Bruder Udo L.

Ach ja, das hatte ich noch vergessen:

Der vierte im Bund der Konzert Impresarios Matthas Hoffmann wurde ein Jahr nach Marcel Avram gleichfalls der Steuerhinterziehung angeklagt und zu einer mehjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das Ende der Konzert Impresarios?

Auch Marek Lieberberg ist seit 2000 nicht mehr Herr im eigenem Haus. Am 1. July 2000 übernahm die CTS Eventim AG aus München 51 Prozent der Anteile an MLK. Was auf die Bühne kommt entscheidet wohl nun der Ticketanbieter aus München und Lieberberg darf noch ein wenig mitspielen. Eventim hat sich durch Übernahmen von Mehrheitsbeteiligungen an weiteren Veranstaltern wie Semmel Concerts, Argo Konzerte und auch Peter Rieger etc, den Konzertmarkt in Deutschland unter den Nagel gerissen.

Marcel Avram gab nach Ende seiner Haftzeit die Agentur Mama Conzerts auf. Ende 2000 ließ er mitteilen, dass er mit der Deutschen Entertaniment (DEAG) von Peter Schwenkow kooperieren werde. Gemeinsam so ließ er verlauten werden beide die Firma Entertaniment One AG mit Sitz in Zürich führen. Avram legte großen Wert darauf, dass er kein Angestellter von seinem ärgsten Konkurrenten Schwenkow sei, und er weiterhin die Geschäfte aus Israel leiten werde.

Die DEAG erwarb 70 Prozent der Anteile an der von Marcel Avram als Generalbevollmächtigsten geführten Entertaniment One AG. Auch diese "Freundschaft" währte nicht lange. 2005 beendete Avram die Zusammenarbeit mit der DEAG. PS: Was aus der 70 Prozent Beteiligung der DEAG geworden ist konnte ich nicht ermitteln.

Wenn ihr wissen wollt, wen der gut Fritz in Deutschland auf die Konzertbühnen geholt hat, dann folgt dem link auf Wikipedia.

Gottfried Böhmer

Freunde der Künste,
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17.08.2013 Sogar Robbie Williams outete sich als Fan

GFDK - Gottfried Böhmer

Zuletzt glänzte Helene Fischer auf dem Hessentag, wo sie in dem ausverkauften Auestadium 18.000 Schlagerfans begeisterte. Nun ist das aber nichts neues. 5 Millionen Alben hat sie bisher verkauft, ihre Shows sind phänomenale Inszenierungen, die mittlerweile internationale Beachtung finden und sie sind natürlich immer ausverkauft. Zudem hat sie auch eine eigene Fernsehshow.

Das 1,58 m große Fliegengewicht zieht das Publikum, wo immer sie auftritt, in seinen Bann. Es muss wohl eine tiefe Liebe der Deutschen zu Helene Fischer geben, denn nicht anders lassen sich diese Erfolge erklären.

Mittlerweile will Helene Fischer aber mehr. Sie will sich, so wie sie sagt, nicht nur auf die Schlagersängerin beschränkt werden. Ihre Moderation der Echo-Preisverleihung 2013 war schon ein Wink, wohin die Reise gehen könnte. Nach ihrem TV-Auftritt im "Traumschiff" ist nun auch ein Kinofilm mit Helene Fischer als Besetzung der Hauptrolle in Vorbereitung. Die Fans wird es freuen.

Sogar Robbie Williams outete sich als Fan von Helene Fischer. Am Abend der Echo-Preisverleihung soll er hin und weg gewesen sein von der charmanten schönen Helene. "Sie hat so eine Frische und Herzenswärme", meinte der sichtlich begeisterte Robbie, "sehr sexy, diese Lady...."

Kommt Helene Fischer für Markus Lanz?

Mittlerweile schlagen sich die Chefs der deutschen TV-Sender um Helene Fischer. Bei zunehmend sinkenden Einschaltquoten wollen alle von der Bildschirmpräsenz des Multitalents profitieren. Denn eins ist sicher, wenn die Fischer auf Sendung ist, stimmen die Quoten.

Es soll sogar Gerüchte geben, dass das ZDF darüber nachdenkt, den erfolglosen Markus Lanz "Wetten, dass...." durch Helene Fischer zu ersetzen.

Dazu sagen wir, wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Die in Sibirien geborene Helene ist ohne Zweifel ein Glücksgriff für die deutsche Unterhaltungsindustrie. Keinen Auftritt absolviert sie unter 2 Stunden und jede Minute, so das Publikum und die Fans, ist sie ihr Geld wert. Ihre Bühnenshows krönen 12 Tänzer, die sie vorwiegend aus Los Angeles geholt hat. Mindestens 6 mal wechselt sie während ihrer Show ihre Kostüme und sieht dabei immer blendend aus.

Erstaunlich ist auch, und das spricht für die Künstlerin, dass selbst die überaus kritischen Medien, wie FAZ, Spiegel, STERN etc die oft kein gutes Haar an "Schlagersternchen" lassen, an Helene Fischer nichts auszusetzen haben. Das könnte aber auch daran liegen, dass sie nichts privates nach aussen läßt und somit Spekulationen wenig Spielraum gibt. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass sie schon seit 2005 mit Florian Silbereisen liiert ist, die Öffentlichkeit aber erst 2008 davon erfahren hat. 

Helene Fischer ist der kommende Superstar

Fans und Kritiker sind sich aber einig, Helene Fischer ist der kommende Superstar in Deutschland, der alles vereint, was sich die deutsche Seele so wünscht. Sie ist bodenständig, hat keine Starallüren, ist zu allen freundlich, soll sehr humorvoll sein, ist sehr hübsch und sexy und kann Menschen für sich einnehmen.

Am 5. August ist die sympathische Künstlerin 29 Jahre jung geworden und wir gratulieren nachträglich.

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Fakten-Check Helene Fischer:

Geboren am 5. August 1984 in Krasnojarsk/Sowjetunion; Ausbildung als staatlich geprüfte Musicaldarstellerin an der Stage & Musical School in Frankfurt/M.; erster TV-Auftritt am 14. Mai 2005 in der ARD. Auszeichnungen: 4 Echos, 3mal Goldene Henne, 5mal Krone der Volksmusik, 1 Goldene Kamera

Helene Fischer geht auch 2014 Live auf Tour durch Deutschland. Ihr neues Album “Farbenspiel” erscheint am 4. Oktober.

  • Im August 2008 gab Fischer ihre Beziehung zu Florian Silbereisen bekannt. Die beiden seien seit Ende Mai 2008 ein Paar.
  • 2012 stand Helene Fischer erstmals als Schauspielerin vor der Kamera. Im ZDF übernahm sie in der Fernsehreihe Das Traumschiff die Rolle der Reiseleiterin Franziska Stein. Die Erstausstrahlung dieser Folge erfolgte am 1. Januar 2013.
  • Seit dem 28. Januar 2010 ist die Marke Helene Fischer im deutschen Markenregister eingetragen.
  • Seit dem 21. Oktober 2011 wird bei Madame Tussauds Berlin die Wachsfigur von Helene Fischer gezeigt. Die Wachsfigur wurde nicht in dem Museum selbst enthüllt, sondern am 15. Oktober 2011 in der Fernsehsendung „Herbstfest der Abenteuer“ mit Florian Silbereisen.
  • Seit Dezember 2012 engagiert sich Helene Fischer als sogenannter „Schutzengel“ für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Ausbeutung durch Prostitution und Pornographie im Verein roterkeil.net.
  • Nachdem Helene Fischer im Jahr 2012 selbst die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Musik National“ erhielt, trat sie bei der Verleihung 2013 als Laudatorin auf und überreichte den Preis dem „Grafen“ von Unheilig
  • Seit 2013 steht Fischer bei Universal Music Publishing unter Vertrag, nachdem sie vorher ihre Alben unter der Leitung von EMI Music veröffentlichte.
  • Für die Neuauflage der ZDF-Zeichentrickserie Die Biene Maja sang sie den Titelsong mit gleichem Text neu ein. Am 29. März 2013 erfolgte die Erstausstrahlung im ZDF

Gottfried Böhmer

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11.08.2013 Vertrauen Sie keinem JEMAND

GFDK - Gottfried Böhmer

Sommer, Sonne, Urlaubsfreuden, sollte man meinen. Das kann aber auch anders kommen. Der Urlaub kann für Arbeitsnehmer zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Bevor Sie also verreisen, fragen Sie Ihren Anwalt nach den Nebenwirkungen.

Passend in der Urlaubszeit hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt in seinem neuesten Urteil bekräftigt, dass eine Kündigung während des Urlaubs rechtsgültig ist, wenn die Einspruchsfrist von 3 Wochen nicht gewahrt wird. Das Bundesarbeitsgericht geht davon aus, das Hausbriefkästen täglich geleert würden. Ob die Kündigung den Mitarbeiter erreicht und dieser die zur Kenntnis nehmen kann, sei unerheblich.

Arbeitsnehmer sollten dafür sorgen, dass während ihres Urlaubs "JEMAND" regelmäßig ihre Post durchwühlt. Ansonsten läuft die Frist innerhalb einer Kündigungsschutzklage zulässigen Zeit ab. (Es gilt das Datum der Zustellung).

Das wirft nun einige Fragen auf:

1. Wer soll dieser "JEMAND" sein, ein Familienangehöriger? Aber was wenn die Familie hunderte von Kilometer weg wohnt?

2. Ein Nachbar? Aber was wenn man sich mit allen verkracht hat? Diese Fragen hat das Gericht in Erfurt nicht beantwortet, aber es kommt ja noch besser.

Der ominöse "JEMAND" müßte ja nicht nur den Briefkasten leeren, da wohl kaum auf dem Briefumschlag in großen Lettern steht "Sie sind gekündigt", müßte dieser "JEMAND" die gesamte Post während Ihrer Abwesenheit öffnen. Stellen Sie sich mal vor, Sie bekämen Post von Ihrem Notar über eine Erbschaft, Post von Ihrem Arzt, der Sie über Ihre HIV Infektion informiert oder der Bank, die Ihnen mitteilt, dass alle Ihre Kredite gekündigt sind, all das soll unser "JEMAND" nun brühwarm über Sie erfahren.

Vertrauen Sie keinem JEMAND

Auch müßte dieser "JEMAND" nun auch wissen, wo und wie er Sie erreichen kann, um Sie von den Neuigkeiten und der Kündigung zu informieren. Dazu fällt mir gerade ein, dass eine unserer Mitarbeiterinnen nächste Woche für 5 Wochen in Schottland wandern geht. Und schon angekündigt hat, dass sie auch per Handy schlecht erreichbar sein wird.

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Hier wird der Kündigungsschutz durch die Hintertür eingetreten. Als Arbeitsgeber könnte ich diese Information nun nutzen, um der Mitarbeiterin zu kündigen, ohne das sie die Möglichkeit hat, dieser zu widersprechen. Das Bundesarbeitsgericht untergräbt das vom Grundgesetz garantierte Briefgeheimnis, in dem es einen "JEMAND" dazu Befugnis erteilen will, Ihre Post zu öffnen.

Schluss mit dem Briefgeheimnis

Das Briefgeheimnis ist laut der Verfassung ein garantiertes Grundrecht, das die Unverletzbarkeit von Briefen garantiert. Dabei dürfen nach § 94 STPO verschlossene Briefsendungen nicht einmal von der Polizei und der Staatsanwaltschaft geöffnet werden. Nur ein Richter ist dazu befugt.

Mit einer Einschränkung: Aufgrund des Besatzungsrechts dürfen die Geheimnisse der Besatzungsmächte sowie die Geheimdienste BND, MAD und der Verfassungsschutz das Briefgeheimnis verletzen.

Die Lösung

Wir haben aber die Lösung für Sie gefunden. Während Ihres Urlaubs bestellen Sie einen Richter (nicht ganz billig), der Ihren Briefkasten täglich leert und die Post liest.

Da dieser der Verschwiegenheitspflicht unterliegt, darf er das, was er da liest nicht ausplaudern noch gegen Sie verwenden. Auch sollten Sie sich während Ihres Urlaubs ein Satellitentelefon zulegen (Funkloch), damit der Richter Sie auch in den Schottischen Highlands erreichen kann.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Urlaub.

Gottfried Böhmer

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10.08.2013 haben die grünen ihre finger im Spiel?

Gottfried Böhmer - Luise Bruche

Haben die Grünen ihre Finger im Spiel? Charlotte Roche ist entsetzt

Anmerkung der Redaktion: Wir vermuten, dass die Grüne Verbotspartei hier ihre Finger im Spiel hat. Nach unbestätigten Gerüchten sollen Jürgen Trittin, Claudia Benedikta Roth sowie Cem Özdemir heftigst interveniert haben, damit der Trailer zum Kinofilm FEUCHTGEBIETE gesperrt wird. Jürgen Trittin, so wird gemunkelt soll seine besten Kontakte bei den Bilderbergern ins Spiel gebracht haben.

Nach den Enthüllungen der letzten Wochen gibt es keinen Zweifel mehr: die USA und ihre Geheimdienste haben nichts als unser Wohl im Sinn – und die großen Internetkonzerne helfen dabei nach Kräften!

Endlich nimmt sich jemand der Sache an und greift durch!

Aber es geht nicht nur um Kontrolle, inzwischen nehmen die Platzhirsche aus den USA auch endlich ihre erzieherische Aufgabe wahr, die deutsche Jugend vor der sexuellen Verrohung zu schützen: So wurde der Trailer zum Kinofilm FEUCHTGEBIETE – leichtsinnigerweise von der FSK ab 12 Jahren freigegeben – von Facebook, Google & YouTube wegen „sexuell expliziter und aufreizender Inhalte“ als nicht jugendfrei von ihren Plattformen verbannt bzw. für werbliche Nutzungen gesperrt. Endlich nimmt sich jemand der Sache an und greift durch!

Die Sittenwächter haben sich durchgesetzt

Aus Rücksicht auf unsere amerikanischen Freunde, aber auch alle Menschen, die sich schon beim Anblick ihres eigenen Körper ekeln, wollen wir helfen, unsere Jugend zu schützen. Daher bieten wir ab sofort eine zensierte Version des Kinotrailers zu FEUCHTGEBIETE an. 100% jugendfrei. Versprochen

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PS: Die von Gottfried Böhmer ins Spiel gebrachten Vermutungen wollten die Günen nicht bestätigen

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09.08.2013 Wie sich Menschen doch ändern können

Konstantin Wecker und Gottfried Böhmer

Letzte Meldung 09. August 2013:

Auch das noch,
Der verschlüsselte E-Mail-Service den wohl auch Edward Snowden benutzt hat hat seinen Dienst  eingestellt. Die US-Behörden wollten sich anscheinend Zugriff auf die Kundendaten verschaffen. Ladar Levison sieht sich gezwungen den E-Dienst zu schließen. Er will so schreibt er, sich nicht schuldig machen "an möglichen Verbrechen am amerikanischem Volk beteiligen zu sein". Ladar Levison schreibt das er über die Hintergründe seiner Entscheidung nicht sprechen dürfe.

Wiesbaden - München 2. August 2013.

Der Albtraum ist wahr geworden. Seit gestern wissen wir, dass wir in einem allüberwachenden Staatssystem leben, der millionenfachen Rechtsbruch begeht. Der unbegrenzte Datenzugriff des Staates auf unsere Daten hat uns zu gläsernen Bürgern gemacht, die  der totalen Kontrolle unterliegen.

Ohne Zweifel können wir von einem Generalangriff auf die Bundesbürger und das Grundgesetzes sprechen. Die Totalüberwachung des Internets, der Zugriff auf die Kommunikationsdaten aller Bürger , die bei Google, Facebook, Microsoft und Apple gespeichert sind, hat tiefgreifende Folgen für uns Alle.

Auf Deutsch, die haben uns am Arsch.

So werden z.B. alle Kommunikationsvorgänge aller deutschen Bürger, die das Internet benutzen verdachtsunabhängig gespeichert, und soll so das Argument zur Identifikation Verdächtiger dienen.

Aber wer ist nun der Verdächtige?

Wer zum Beispiel mehrfach kritische Artikel über die USA bei Spiegel, Welt, FAZ usw gelikt hat und auf Facebook empfiehlt, dürfte nach diesen Kriterien wohl schon verdächtig sein. Jeder ist ein potenzieller Terrorist, das ist die Kernaussage des Prism-Programms.

Wer sich kritisch mit dem deutschen Staat auseinandersetzt oder das Rechtssystem anzweifelt, ist wohl schon ein Staatsfeind. Das ganze könnte man mal zu Ende denken. Da das System weiss, wo wir uns aufhalten, was wir einkaufen, mit wem wir befreundet sind, was wir denken und mit wem wir telefonieren oder schreiben, haben wir unsere Souveränitätsrechte als Bürger unwiderbringbar eingebüst.

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Das ist der feuchte Traum von Georg Orwell und der innere Reichsparteitag der Überwachungspolitiker.

Für uns stellt sich noch ein anderes Problem. Da wir davon ausgehen können, dass alle Internetportale und Blogs mit mehr als 10.000 Besuchern im Monat einer ganz gezielten Überwachung unterliegen, da sie ja eventuell meinungsbildend sind und somit unter Generalverdacht stehen, macht uns das natürlich einige Sorgen.

Es stellt sich die Frage, in wieweit Journalisten, Autoren und Mitarbeiter dieser Portale einer besonderen Überwachung unterliegen.

Und zu guter letzt, möchte ich auch noch folgendes sagen. Die Heuchelei der Opposition in den letzten Wochen war kaum zu ertragen. Seit 2006 also auch unter Rot-Grün waren die Bundesregierungen von der Überwachungswut der NSA nicht nur informiert, sie haben sie auch umfänglich genutzt.

"XKeyscore" sammele Unmengen von Daten. Inhalte der Kommunikation würden für drei bis fünf Tage gespeichert, Verbindungsdaten für 30 Tage. Innerhalb eines solchen 30-Tage-Zeitraums im Jahr 2012 seien 41 Milliarden Daten zusammengekommen. XKeyscore ist ein System zur umfassenden Auswertung und Erfassung von Internet- und Telefonkommunikation.

E-Mails können in Echtzeit mitgelesen werden:

Demnach können NSA-Mitarbeiter beispielsweise in Echtzeit die E-Mails von Nutzern lesen sowie ihre Suchen im Internet oder Einträge in sozialen Netzwerken verfolgen.

Pro Monat sollen 500 Millionen Datensätze aus Deutschland beim US-Geheimdienst einlaufen.

In Echtzeit können sie beobachten, was eine Zielperson tippt. Über eine Zusatzfunktion namens "DNI Presenter" können sie auf sämtliche Facebook-Chat-Inhalte einer Person zugreifen. Auch können sie rückwirkend überprüfen, was jemand im Internet gesucht hat. Überall und zu jeder Zeit.

Sollten Sie ein Telefon besitzen, dass mit Googles mobilen Betriebssystem Android ausgerüstet ist, schmeißen Sie es besser gleich weg. Über eine bestimmte Software können die feinen Herren das Mikrophon dieser Telefone aktivieren und alle Gespräche mithören und aufzeichnen.

PS: Eine Studie hat ergeben, dass 80% aller Mobiltelefone auch nachts nicht ausgeschaltet werden, na, was die NSA da wohl aufzeichnet? Die meisten Geheimisse sollen ja im Bett ausgeplaudert werden.

Gottfried Böhmer


Und nun ein Wort von Konstantin Wecker

Liebe Freunde,
der frühere Bundesinnenminister Otto Schily rät der SPD, die Ausspähaffäre um den US-Geheimdienst NSA nicht im Wahlkampf zu thematisieren. Die größte Gefahr gehe vom Terrorismus aus, nicht von Geheimdiensten, sagte Schily dem SPIEGEL. Die Furcht vor dem Staat trage "wahnhafte Züge".
Prism und Tempora, Datenspeicherung und Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA - alles kein großes Problem für Otto Schily.

Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagte Schily, man solle nicht so tun, als ob die größte Gefahr für die Menschen in Deutschland von der National Security Agency ausgehe: "Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der Organisierten Kriminalität aus. Ich finde manches Getöse, was da im Moment zu hören ist, nicht angemessen."

Und:“Law and Order sind sozialdemokratische Werte.“

Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily, der sich für die Einführung biometrischer Ausweisdokumente stark machte, damit dem elektronischen Reisepass und dem elektronischen Personalausweis den Weg ebnete und heute in den Aufsichtsräten der Firmen sitzt, die von der Einführung dieser neuen Ausweisdokumente profitieren.


2005 Schily peitschte die neuen biometrischen Pässe über eine EU-Verordnung durch und machte sich schon früh für die Zöglinge des ePasses – den ePerso und die elektronische Ausländerkarte – stark.
Die übereilte Einführung der neuen Ausweise war nicht zum Schaden von Schily. Er wurde Mitglied in den Aufsichtsräten von byometric® systems AG und SAFE ID Solutions AG, die just jene Produkte für die biometrische Erkennung anbieten, welche für die neuen Pässe erforderlich ist.

Doch nicht nur das. Schily war auch Anteilseigner von SAFE ID Solutions. Dieses für Bundesbeamte unziemliche Verhalten brachte ihm Korruptionsvorwürfe ein, die ihm in einem weiteren Fall zum Verhängnis wurden. Von Siemens nahm er 140.000 Euro für Beratungshonorare, welche er nur widerwillig deklariert hatte. Weil er die Auskunft verweigert hat, für welche Dienste er bezahlt wurde, verhängte ihm das Bundestagspräsidium ein Ordnungsgeld in Höhe von 22.000 Euro.

Wie sich Menschen doch ändern können.

Als Strafverteidiger der ausserparlamentarischen Linken unterschrieb er noch die mahnenden Worte einer Erklärung der „Humanistischen Union“, in der es wörtlich heißt: „Man bekämpft die Feinde des demokratischen Rechtsstaats nicht mit dessen Abbau, und man verteidigt die Freiheit nicht mit deren Einschränkung“ (1978).


(Quelle:Digitalcourage e.V. Wurde 1987 als FoeBuD von den Künstlern padeluun und Rena Tangens in Bielefeld ins Leben gerufen und setzt sich für Bürgerrechte, ungehinderte Kommunikation und Datenschutz ein)

Konstantin Wecker

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06.08.2013 Max' kulinarische Kolumne

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Das letzte Mal Urlaub habe ich im Harz Anfang der 1960er Jahre gemacht. Natürlich bin ich in der Zwischenzeit hin und wieder einmal durch die Region gefahren. Ein Kurzurlaub 2013 aber war dazu angetan, sich dort auch in Sachen Kulinarik umzuschauen. Was ich entdeckt habe, war durchwachsen und hat durchaus Reserven.

Ein Quartier im unmittelbaren Umfeld des legendären Brocken war dank Internet schnell gefunden. In waldreicher, ruhiger Gegend war Benneckenstein das Ziel. Die Unterkunft, das in die Jahre gekommene, aber durchaus sehenswerte und mit (fast) allem Komfort modernen Wohnens versehene ****Hotel Harzhaus (treffender kann man es nicht bezeichnen).

Die Zimmer sind geräumig, vom Ambiente her nicht unbedingt aufregend, aber eben mit den Standards dieser Hotel-Kategorie ausgestattet. Gewünscht hätte ich mir zumindest noch einen Mini-Kühlschrank. Aber diverse Getränke hätte man sich aufs Zimmer bringen lassen können. Nicht ratsam an heißen Tagen.

Das Restaurant befindet sich im Wintergarten. Der ist schlicht, aber ansprechend ausgestattet und bietet einen herrliche Sicht auf den Harz. Der versprochene Brockenblick war allerdings etwas übertrieben. Vielleicht in den Zimmern zwei Etagen höher... Die angrenzende Gaststube gibt sich harzhaft rustikal. Am Tresen kann man gemütlich sitzen, ein Bier, einen Schierker Feuerstein oder Mixgetränke genießen.

Und bei schönem Wetter bevorzugen die Gäste, ihr Mahl auf der geräumigen Terrasse mit dem Blick auf das weitläufige Wildgehege einzunehmen. Wenn die Tische etwas anderes als den Plaste-Deckenbelag in "Strickausführung" aufweisen würden, könnte man sich hier richtig wohlfühlen. Von einem 4-Sterne-Haus sollte man da etwa mehr Geschmack und Sinn für's Detail erwarten können.

Die Küche des Hauses hat im wesentlichen gehalten, was man erwarten durfte. Keine Spitzenküche, aber solide zubereitet, wenn auch im Detail nicht unbedingt alles selbst zubereitet. Die Saucen nicht aufregend, aber keine Einheitssauce für alles. Erstaunlich gut und auf den Punkt gegart die offensichtlich selbst hergestellten Bandnudeln. Auch die angebotenen Suppen, rustikalen Steakgerichte und Gerichte wie Roulade oder Rostbrätel kann man mit Genuss verspeisen. Zum Glück wird das alles, wie anderswo sehr oft, nicht unter dem Motto "Futtern wie bei Muttern" angepriesen.

Bier geht auch regional

Enttäuscht war ich vom Bierangebot. Aus dem Fass gab's König Pilsener und Hasseröder Schwarzbier. Das helle Hasseröder dagegen nur aus der Flasche. Das ist für mich inakzeptabel. Nichts gegen KöPi, aber im Harz möchte ich das regionale Bier auch aus dem Fass verkosten. Und Schwarzbier ist wegen seiner teils süffigen süßlichen Note eben nicht jedermanns Geschmack.

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Ich bin auf Radeberger umgestiegen. Auch nicht schlecht, aber eben nicht regional. Kleiner Minuspunkt ebenso wie die Tatsache, dass man den Rotwein ziemlich warm (nicht zu verwechseln mit temperiert) serviert. Die Weinauswahl selbst war akzeptabel und von guter Qualität

Das Frühstücksbuffet hat für mich keine Wünsche offen gelassen. Ich wollte ausgedehnt und deftig frühstücken. Das kann man sehr ausgiebig und vielseitig. Gut, die Eier waren durchweg "hart", aber wohl von glücklichen Hühnern, weil ohne Stempel. Wäre eine Idee, auch "weichere" Eier anzubieten. Rühreier auf Wunsch, nicht so mein Ding. Ansonsten große Vielfalt an Wurst, Käse, Schinken, Fisch und diverse süße, aber auch gesunde Leckereien.

Mehr Liebe zum Detail kann nicht schaden

Die Vollkornbrötchen und das Brot waren frisch und sehr schmackhaft. Die normalen Brötchen dagegen im sprichwörtlichen farblos. Sie sahen aus, wie "schon mal gegessen", würde man in meiner früheren Heimat, dem Erzgebirge, sagen. Probiert habe ich sie jedenfalls nicht. War mir zu unansehnlich und zu wenig knackig. Geschmacks- aber auch Ansichtssache...

Auch die Käseplatte am Abend habe ich mir nach Ansicht am Nachbartisch verkniffen. Da war, außer dem berühmten Harzer Käse, wenig Regionalität zu erkennen. Schnittkäse kann ich auch zu Hause essen. Das Candle-Light-Dinner am ersten Abend dagegen war recht in Ordnung. Die Rinderkraftbrühe mit Flädle hatte eine dezent-würzige Note und war eine passende Einstimmung.

Als Hauptgang ein sehr schmackhaftes Hähnchenfilet im Speckmantel und einer raffinierten Beigabe von Salbeiblättern. Das Sorbet war allerdings noch ziemlich tiefgefroren und das Dessert stammte wohl eher aus dem Hause Dr. Oetker und Co. Drei Übernachtungen mit Frühstück und Dinner für 100 Euro, da kann man aber insgesamt nicht meckern. Und einen Begrüßungssekt gab's auch...

Echt gut war übrigens der Service. Die Kellnerinnen durchweg fesch, adrett, sehr freundlich und aufmerksam. Da fehlte auch der kommunikative Draht zum Gast und so manches humorige Wort nicht. Mein Motto: "Hier bin ich Gast, hier will ich es sein..."

Der Harz könnte kulinarisch anziehender sein

So weit, so gut. Harz ist aber nicht nur in Benneckenstein. Um es vorwegzunehmen: Kneipen, Restaurants aller Couleur sowie Hotels und Pensionen für alle Ansprüche gibt es en masse. Manche sehen von außen einladend, manche von innen ausladend (und umgekehrt) aus. Für die Hochsaison im Sommer (der Harz setzt ja auch sehr auf Wintersport) war mir das Angebot insgesamt etwas dürftig.

Dagegen waren die Gerichte, was man so sehen konnte, oft auf übervollen Tellern serviert. Wer da an frische Kost glaubt. Ich jedenfalls nicht. Und die Angebote in vielen "Schaukästen" waren alles andere als harzhaft. Schnitzel mit Pommes oder Kartoffelsalat kann ich auch zu Hause essen, preisgünstiger und besser. Mir ging immer wieder das Wort Regionalität durch den Kopf. Sollten die Gastronomen (meist) nur einfallslos sein, oder nur dem Geschmack und dem Preisdenken der Masse unterliegen? So ganz preiswert waren nämlich diese Angebote auch nicht. Preiswert und gut gehrt auch anders.

Sichtbare und wohl auch (m)essbare Qualität gibt's natürlich auch. Wernigerode und Schierke (aber auch Quedlinburg im Vorland) sind da wohl die ost-harzlichen Paradepferde. Da gibt's schon schmucke Cafes und Restaurants, die mit einem breitgefächerten und anspruchsvollen Angebot aufwarten.

Für Gourmets empfehlen sich das Gothische Haus in Wernigerode (da spielt Küchenchef Ronny Kallmeyer sein ganzes Können aus) oder im *****Landhaus "Zu den Rothen Forellen" in Ilsenburg (ist für mich eher Harzvorland). Im letzteren Haus kocht dort (wieder) der gebürtige Sachsen-Anhaltiner Thomas Barth, der wohl an die Sterneküche seines Vorgängers Axel Kammerl anknüpfen möchte. Leider hat es meine Zeit nicht erlaubt, diese Häuser aufzusuchen. Das hole ich nach. Versprochen.

Der Gipfel war geprägt vom kulinarischer Einfallslosigkeit

Aber klar, wer in den Harz fährt, sucht nicht unbedingt Gourmet-Spitzenküche. Ich möchte dort originäre, frische Küche nach Art der Region genießen. Das ist der Kreativität der Küchenchefs keine Grenze gesetzt. Und wer sich auf die Reise mit der romantischen Brockenbahn auf den höchsten Berg im nördlichsten Mittelgebirge macht, dem schmeckt auch ein deftige Erbsensuppe oder eine kräftige Gulaschsuppe im urigen Bahnhofslokal in Schierke.

Alles zu seiner Zeit, und in Wanderschuhen muss man auch nicht ein nobles Restaurant  aufsuchen, nur, um damit anzugeben. Was nicht heißt, dass man im Touristensaal dazu gezwungen werden muss, sein Bier selbst zu zapfen.  Das ist keine gute Aussicht und keine Ansichtskarte für dieses schöne Fleckchen Erde. Mal ganz abgesehen von der dort vorwiegend angebotenen Fertigkost als Gipfel von kulinarischer Einfallslosigkeit.

Michael H. Max Ragwitz "der Harz hat durchaus Reserven"

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01.08.2013 Heiligendamm - Aufbruch in eine neue zeit

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Anmerkung der Redaktion: Letzte Meldung 1. August 2013.

Das Grand Hotel Heiligendamm hat nach eineinhalb Jahren einen neuen Eigentümer. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Paul Morzynski aus Hannover hat das Luxushotel gekauft. Über den Kaufpreis wurde stillschweigen vereinbart, Paul Morzynski der schon an einem anderen Hotel beteiligt ist möchte den Hotelbetrieb weiter führen. Das Grand Hotel Heiligendamm beschäftigt etwa 240 Mitarbeiter die sich nun auf eine neue Zukunft freuen können.

Für Heiligendamm am Ostseestrand gibt es 2013 gleich zwei Jubiläen und damit Grund zum Feiern. Genau genommen sogar drei. 1793 gründete der mecklenburgische Großherzog Friedrich Franz I. das erste deutsche Seebad. 20 Jahre später wurde der bekannte Weiße Pavillon im Herzen Bad Doberans eröffnet und vor 10 Jahren wurde das Grand Hotel Heiligendamm wiedereröffnet.

Kein Wunder also, dass die Stadtväter des Heilbads Bad Doberan eine facettenreiche Festwoche organisiert hatten. Die Palette der Veranstaltungen reichte von Sonder-, Miniatur- und Fotoausstelungen über Großherzoglich kulinarische Genüsse, kreiert von Spitzenkoch Tillmann Hahn im Weißen Pavillon sowie im Torhaus und der Klosterküche, bis hin einem tollen Doberaner Klostermarkt, Oldtimertreffen, Lesungen, dem Historischen Anbaden im Stadtteil Heiligendamm und einer riesigen Jubiläums-Kaffeetafel von 220 Metern Länge am Grand Hotel in der Weißen Stadt am Meer, wie Heiligendamm auch genannt wird.

Essen und Trinken

Für die Macher des Grand Hotels war eine festliche Gala im Ballsaal des renommierten Hauses Anlass, kurze Reminiszenz zu den vergangenen 10 Jahren zu halten und dann optimistisch in die Zukunft zu blicken. Der neu berufene Direktor Tim Hansen verwies in einer kurzen, aber sehr persönlichen Rede auf die Turbulenzen, die die etwa 240 Mitarbeiter des Hotels seit der Insolvenz der Fundus-Gruppe von Investor Anno August Jagdfeld und dem Ausstieg der Kempinski-Hotelgruppe als Betreiber des Luxushotels zu überstehen hatten.

Kulinarisches Deutschland

Nun seien aber mit den neuen Eigentümern, zweier Berliner Immobilienfirmen, die Weichen für die Zukunft gestellt worden. Hansen:"Wir haben durch- und zusammengehalten. Das hat uns auch über diese schwierige Zeit gebracht. Nun werden wir mit vereinten Kräften dafür sorgen, dass ein neues Konzept zum Erfolg geführt wird."

Die Gala verstehen Tim Hansen und seine Mitarbeiter in diesem Sinne als Aufbruch in Zukunft. Und sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt, den illustren Gästen einen unvergesslichen Abend zu bieten. Champagner-Empfang mit wundervollen Amuse Bouche Kreationen, dezente Begrüßungsmusik. Und dann der Einlass in den prächtig herausgeputzten historischen Ballsaal als Ort eines sogenannten Dine around, oder auch Walking Dinner. Dazu muss man wissen, dass im Ballsaal und dem Kurhaus Restaurant Stationen einzelner Köche aufgebaut wurden, die Ihre Kreationen den Gästen sozusagen live zubereiteten und anboten.

Reisenews und Reisetipp

Neben Sternekoch* Ronny Siewert und Küchenchef Steffen Duckhorn sollten eigentlich noch Küchenchefs der Selektion Deutscher Luxushotels teilnehmen. Die aber konnten, aus welchen Gründen auch immer, nicht anreisen. Keineswegs nur Ersatz aber waren die hochkarätigen Freunde von Ronny Siewert*, dem Ruf des Kollegen gern gefolgt sind.

Mit von der Partie waren der gebürtige Neustrelitzer Jörg Lawerenz* vom Walk'schen Haus in Weingarten bei Karlsruhe, Christoph Rainer** vom Hotel Restaurant Villa Rothschild in Königstein im Taunus sowie Alexander Ramm vom benachbarten Jagdhaus in Heiligendamm.

Was die fünf Koch-Künstler anboten waren wahrlich raffinierte Speisen mit ganz unterschiedlichen kompositorischen Nuancen. Allein die aufwändige Zubereitung der Gerichte, bei der die Gäste ja zuschauen konnten, war eine Augenweide. Und erst recht der Genuss sorgte für einen Gaumenkitzel der ganz besonderen Art.

Christoph Rainer sorgte für asiatischen Sommer, Jörg Lawerenz zelebrierte einen köstlichen Rehrücken, Alexander Ramm veredelte eine Eismeerforelle und Steffen Duckhorn zauberte ein feines Steak-Tatar und traditionellen Labskaus "auf seine Art". Gastgeber Ronny Siewert schließlich wartete mit einer Variation von Gänseleber und einem exzellent zubereiteten Shortrib auf.

Mecklenburg-Vorpommern ist eine Reise wert

Da fällt es schwer, sich für einen Favoriten zu entscheiden. Alle Speisen zeugten von hoher Kochkunst und waren so perfekt in Szene gesetzt, dass es geschmacklich keine Abstriche gab. Trotzdem bleibt wie immer alles Geschmackssache. Als Fleischgenießer war ich vom Rehrücken, dem Shortrib, aber auch dem, dem raffiniert gewürzten asiatischen Sommer sehr angetan. Meine Frau dagegen lobte die Forelle, die Gänseleber und das Steak-Tatar in höchsten Tönen.

Zur geschmacklichen Abrundung war ein grandioses Dessertbuffet aufgebaut. Ich, der es lieber deftig mag, bediente mich aber lieber ausgiebig am tollen Tölzer Kasladen von Susanne Hofmann und an der Austern Bar (!). Köstlichkeiten ohne Ende. Meine Frau dagegen ließ sich von den Desserts und der toll aufgemachten Degustation feinster Schokoladen verführen. Zeit also, danach auch den einen oder anderen Tanz zu wagen. Die Live-Band hatte einen Sound drauf, der gar trefflich zum Anlass und Ambiente passte.

Chapeau an die Organisatoren dieser Gala - da stimmte alles. Und die teilnehmenden Damen erhielten sogar noch einen Rosenstock mit einer Jubiläumsrose, die der Erbgroßherzogin Alexandrine von Mecklenburg (einer Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II.) gewidmet ist, die ebenfalls in Heiligendamm gewohnt hat.

Fazit: Eine solche Veranstaltung lässt das Potenzial ahnen, dass in dem Grand Hotel am Meer steckt. Hier herrscht auch eine sehr angenehme Atmosphäre zwischen Gast und Mitarbeitern. Ronny Siewert zeigte sich von Gala hocherfreut: " Es ist schön, mit zufriedenen Gästen ins Gespräch zu kommen, die den guten Ruf von Hotel und Küche buchstäblich in die Ferne tragen. Und ich freue mich sehr, dass meine geschätzten Kollegen die Gala auf so hohem Niveau unterstützten. Ich denke, das lässt auf eine gute Zukunft hoffen. Hier wird jeder an seinem Platz seinen Beitrag dazu leisten."

Die Speisen im Einzelnen:

Ronny Siewert*
Gänsleber, Holunderblüte, grüner Pfeffer und Erdnusskrokant
Shortrib, BBQ Rilette, Kräutercreme und eigene Jus

Steffen Duckhorn
Steak-Tatar, Spargelsalat und Landeivonaigrette
Labskaus auf seine Art

Jörg Lawerenz*
Rehrücken im Gewürzsud pochiert & lackiert, Brokkoli, Mispeln und Basmati

Christoph Rainer**
Asiatischer Sommer Tom Kha Gai, Jakobsmuschel, Hummer und Ponzu

Alexander Ramm
Konfierte Eismeerforelle, grüner Spargel, Kartoffel, Liebstöckel und Rhabarber-Apfel-Schaum

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30.07.2013 Warum weniger kein Genussverzicht sein muss

GFDK - Michael H. Max Ragwitz

Die Nachricht überrascht schon: Erika Bergheim, die man getrost zu den weltweit besten Köchinnen zählen darf, wird künftig nicht mehr im noblen Sternerestaurant Nero des Schlosshotel Hugenpoet in Essen kochen. Das Schloss an sich aber verlässt sie nicht, sondern wird künftig mit ihrer bewährten Küchencrew im Hugenpöttchen, der legeren Alternative zum Nero, arbeiten.

Der Grund dafür ist simpel: Das sternengekrönte Gourmetrestaurant wird geschlossen, die Besitzer des Schlosshotels offensichtlich nicht mehr bereit sind, den Aufwand für die Sterneküche mit dem Hotelbetrieb zu subventionieren.

Dafür haben sie jetzt ein ganz simples Rezept: Das Hugenpöttchen zieht von der Remise ins Schloss und bietet wohl auch künftig kreative, originäre Landhausküche an, die sich durch Frische und handwerklich erstklassige Zubereitung aller Speisen auszeichnet. Das soll offensichtlich auch den Gast anziehen, der sich bisher vor dem Sterne-Status und den damit (manchmal) verbundenen steifen Ritualen eines solchen Restaurants scheute.

Das sternengekrönte Gourmetrestaurant wird geschlossen

Essen und Trinken

Man erwarte auch ohne das Sternerestaurant, heißt es aus dem Hause Hugenpoet, künftig sowohl internationale als auch einheimische Gäste aus der unmittelbaren Umgebung. Gegessen werden soll zwanglos, ganz, wie Gast es beliebt, und ohne jeden Gourmet-Verhaltenskodex. So es diesen denn gibt...

Da hüpft der Gaumen buchstäblich vor Begeisterung

Ich meine, dieses neue Rezept macht das Haus sympathisch und im besten Sinne des Wortes anziehend. Eben eine solche unverkrampfte, nicht auf einen Stern fixierte Philosophie wünscht man sich mehr, ohne damit a priori gegen Sterneküche zu argumentieren. Das Ganze offenbart für mich aber noch einen anderen Aspekt: Essen ohne Sterneanspruch muss auf keinen Fall auch Genussverzicht bedeuten. Man darf wohl nicht erwarten, dass Erika Bergheim künftig weniger ambitioniert und weniger gut kocht.

Ergo: Der Stern ist für mich nicht das Maß aller kulinarischen Dinge. Ich kenne eine stattliche Anzahl von Köchen, deren Küche exzellent ist, die aber gern auf den Stern verzichteten. Der ist nämlich oft (immer) mit einem großen Aufwand verbunden, der manchmal in keinem ökonomischen Verhältnis zum Ergebnis, sprich: Erlös, steht. Warum sich also nicht auf die Tugenden besinnen und authentische, nicht weniger anspruchsvolle Küche zu bieten.

Frei nach Goethe: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein...

Es gibt außerdem, da werden mir die Kenner der Szene sicher zustimmen, eine Vielzahl an Köchen landauf, landab, die so exzellent kochen, dass sie den Stern durchaus verdient hätten. Aber dazu bedarf es auch einer gewissen Aufmerksamkeit durch eben diese Szene. Auch Michelin ist längst nicht so unabhängig wie man das immer gern kommuniziert. Was auch immer man in diese Feststellung interpretieren könnte.

Ich jedenfalls schätze die Leistungen der "einfachen" Köche mit authentischer, frischer Küche nicht minder als die eines Gourmet-Tempels. Wenn ein Koch in Thüringen sich vortrefflich auf regionale Küche versteht und ohne Fertigprodukte ein köstliches Mahl zaubert, hat das für mich den gleichen Stellenwert wie ein Vier-Gänge-Menü im Zwei-Sterne-Haus. Denn es ist, das sollten wir nie vergessen, immer noch eine Frage des Geschmacks. Und der darf aus meiner Sicht nicht mit dem Status eines Restaurants zu tun haben.

Es ist in diesem Sinne beachtlich, was beispielsweise Landgasthöfe und kleinere Restaurants abseits aller voller-Teller-für-kleines-Geld-Mentalität an originärer kulinarischer Kreativität und Qualität zu bieten haben. Da läuft einem nicht nur das Wasser im Munde zusammen, sondern hüpft der Gaumen buchstäblich vor Begeisterung. Das ist für mich ebenso hohe Kochkunst wie die bei Tim Raue in Berlin, Thomas Bühner in Osnabrück oder Heinz O. Wehmann in Hamburg.

Es sollte in diesem Zusammenhang auch nachdenklich machen, wenn Sterneköche sogar ganz bewusst aus der Riege der Koch-Meriten aussteigen, um neue kulinarische Ideen umzusetzen und dem Gast ein Geschmackserlebnis zu bieten, das mit vielen Facetten kombiniert ist.

Tillmann Hahn, der noch im vorigen Jahr in der Yachthafen-Residenz Hohe Düne in Rostock-Warnemünde auf Sterneniveau kochte, setzt jetzt gemeinsam mit seiner Frau im Torhaus in Bad Doberan ein Projekt um, das mehr als den Geschmackssinn anregen soll. Unter dem Motto "Einfach nur das Beste - das Leben ist zu kurz um schlecht zu essen" bietet er eine wunderbare Mixtur aus Kulinarik, Kunst und Kultur an.

Kunst, Kultur und Kulinarik

Auch Michael Laumen, erster Sternekoch in M-V steigt nach einer Ruhephase wieder ins kulinarische Geschehen ein. Man darf gespannt sein, worum es sich handelt. Ich werde in Kürze darüber berichten. Köche wie Benedikt Faust dagegen hat es nach erfolgreichen Jahren auf Rügen wieder in die Heimat nach Würzburg verschlagen. Man darf sicher sein, dass er auch dort ein Meister seines Fachs bleiben und weiter auf dem Zettel der Michelin-Tester stehen wird. Muss aber nicht sein, meint er. Qualität ist entscheidend. Der Stern eher schmückendes Beiwerk.

Das alles sind meiner Überzeugung nach Angebote, die Schule machen und von den Gästen dankend angenommen werden. Frei nach Goethe: Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein... Jeder Koch hat in diesem Zusammenhang seine ganz eigene Daseinsberechtigung und seine eigene Philosophie, sich zu verwirklichen.

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Ich jedenfalls kehre zum Beispiel gern bei Stefan Rottner in Nürnberg, bei Barbara Siebert in der Sächsischen Schweiz, Sebastian Syrbe in Binz, Peter Franke im Spreewald, aber auch bei Christian Lohse oder Danijel Kresovic in Berlin ein. Ganz nach meinem Geschmack, nach Lust, Laune und Anlass. Und, das sollte man nicht unterschätzen, nach dem aktuellen Pegelstands meines Geldbeutels...

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30.07.2013 Unbequem? Verrückt.Weggesperrt...

GFDK - Konstantin Wecker

Eilmeldung: München 06. August 2013


Das Oberlandesgericht Nürnberg (OLG) hat die sofortige Freilassung von Gustl Mollath und die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet.

Gustl Mollath kommt frei

am 30. Juli 2013 schrieb Konstantin Wecker

Liebe Freunde,
die Entscheidung ist gefallen: Gustl Mollath muss in der Psychiatrie bleiben. Neue Fakten und Zeugen? Egal. Verfahrensfehler? Ja, aber nicht absichtlich begangen. Solche Methoden vermutete man bisher in ganz anderen politischen Systemen als im demokratischen Deutschland. Der Umgang mit dem Mann aus Nürnberg ist zum Verzweifeln, schreibt die SZ.


Was mit Herrn Mollath getrieben wird, rückt Bayern wieder mal in die Nähe eines Unrechtsstaates. Es soll uns wohl allen eindringlich zeigen, dass man sich gefälligst nicht mit Banken und Politikern anlegen soll. Hätte der Mann jemanden totgeschlagen, wär er heute bei guter Führung schon wieder in Freiheit. Und im Gegensatz zur geschlossenen Psychiatrie ist ein bayrischer Knast wie ein Luxushotel. Jetzt sollten wir alle für Gustl Mollath kämpfen, denn so etwas kann jedem von uns widerfahren:

xyyx

Unbequem? Verrückt. Weggesperrt...

P.S:
Der Beschluss des Regensburger Landgerichts hat mir ein fast schon vergessenes Lied aus vergangener Zeit in Erinnerung gebracht....
(Hab leider keine You Tube Version gefunden)

Was macht der Herr Richter, wenn er Feierabend hat?
Hat er dann das Gerechtsein erstmal satt,
wird er dann eventuell mal banal
und sucht den richtigen Fernsehkanal?

Berichtet er seiner Frau, dass er statt zu richten
nur seinen Kragen gerichtet hat?
Oder hat er was, was er niemandem nennt,
und freut sich tierisch aufs Wochenend?

Denn am Sonntag, am Spielplatz, um dreiviertel zehn,
da läßt der Herr Richter sein Schwänzlein sehn.
Er braucht halt nun mal das Klein-Mädchen-Geschrei
als Ausgleich für seine Rechthaberei.

Ich glaube, das nimmt einen ganz schön mit,
wenn man täglich Sitte und Anstand vertritt.
Und hat nicht Angst vorm Jüngsten Gericht,
wer im Namen des Herrn dauernd Urteile spricht?

Ja, da kann´s schon mal sein,
daß einem ganz schön schlecht ist,
wenn man tagsüber hauptberuflich im Recht ist.
Aber wenn´s in der Seele so richtig brennt,
dann denkt der Herr Richter ans Wochenend:

Denn am Sonntag, am Spielplatz, um dreiviertel zehn,
da läßt der Richter sein hm... hm... sehn.
Ach hätt er das alles nur früher getrieben,
dann wär uns ein Richter erspart geblieben.

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Konstantin Wecker

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23.07.2013 Ein Kommentar von Michael Hesemann

GFDK - Michael Hesemann

Es ist schäbig, jetzt hämisch zu fragen, ob es denn klug von Matthias Matussek gewesen ist, in die „internationale Show“ des Berliner Kiez-Clowns Kurt Krömer zu gehen. Denn es ist immer leicht, dem Opfer eine Mitschuld anzudichten. Natürlich wussten die Neunmalklugen auch immer schon, dass man als Frau nicht allein in einem arabischen Land lebt; „selber schuld“ also, wer dort vergewaltigt und dann noch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird.

„Selber Schuld“ auch, wer in einer Diktatur auf die Straße geht, friedlich für mehr Freiheit demonstriert und mit Reizgas-Röte im Krankenhaus erwacht. „Selber schuld“, wer sich in Ägypten als Christ zu erkennen gibt. Oder im Dritten Reich nicht den Arm zum Hitlergruß hob. So denkt der Spießer, um gleich eine Ausrede für seine mangelnde Zivilcourage parat zu haben. Bloß nicht anecken! Man sieht ja, was dabei herauskommen kann.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt

Doch Matussek eckt an, mehr noch: Der Mann ist eine ständige Provokation. Wäre er nicht Deutschlands brillantester Kulturjournalist, man hätte ihn beim SPIEGEL längst weggemobbt. Bekennender Katholik, noch dazu Papstfan, beim Blatt eines Rudolf Augstein, dessen Jesus-Buch eine ganze Generation in Glaubenszweifel gestürzt hat. Ja, kann das denn überhaupt gut gehen? Es funktioniert, was wiederum für den SPIEGEL spricht.

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Dort hat er „heilige Narrenfreiheit“. Seine Bestseller sorgen im Gegenzug dafür, dass die SPIEGEL-Edition in der DVA schwarze Zahlen schreibt.
Bücher werden heutzutage in Talkshows verkauft, das weiß jeder Brancheninsider. Ein Autor, der eine Einladung ausschlägt, ist schlechterdings ein Idiot. Das aber würden Matussek nicht einmal seine Gegner unterstellen. Warum auch? Er ist nicht auf den Mund gefallen, kann schlagfertig kontern, hat Humor und treue Augen.

„Arschloch“, „Puffgänger“

Da kann er noch so unbequeme Dinge sagen, man mag ihn trotzdem. Jedenfalls die potenzielle Zielgruppe, an die sich seine Büchern richten. Eigentlich kann also nichts schiefgehen, wenn er vor die Kameras tritt. Das dachte sich jedenfalls Matussek, als er von Krömer eingeladen wurde. Ein bisschen smalltalk, vielleicht kleine Gehässigkeiten, absurde Situationen wohlmöglich - Klippen jedenfalls, die der Hanseat Matussek mit der Nonchalance eines Feuilleton-Grandseigneurs schnell umschiffen könnte. Wie gesagt, so dachte er wohl.

Stellvertretend für uns alle am TV-Pranger

Dass sich eine Late Night Show der öffentlich-rechtlichen ARD als TV-Pranger erweisen würde, dass man seine öffentliche Hinrichtung durch gezielten Rufmord plante, das konnte er nun wirklich nicht ahnen. Als Katholik glaubt Matussek zunächst einmal an das Gute im Menschen. Auch wenn ihm in dieser Situation zumindest daran starke Zweifel gekommen sein mögen.


Jedenfalls wurde Matussek, der gekommen war, um über seinen Glauben und sein neuestes Buch zu sprechen, dem Publikum gleich bei der Begrüßung als „hinterfotziges Arschloch“ vorgestellt. Wie nett! Was im Alltag für eine Anzeige wg. Beleidigung ausgereicht hätte, soll im Fernsehen wohl witzig sein. Doch dann ging es tatsächlich auch um Religion. „Sind Sie für den Zölibat?“, bohrte der Moderator mit der Präzision eines Pennälerblättchen-Reporters.

Matussek antwortete direkt und ohne Umschweife: "Der Zölibat ist eine mutige und respektable Entscheidung für eine Bindung an den Himmel und an die Gemeinde." Mit der nächsten Frage bewies Krömer, wie wenig er von seinem Thema oder seinem Gast wusste: "Und Sie? Halten Sie sich an den Zölibat?" Wieso sollte er das? Matussek ist weder katholischer Priester noch Mönch, auch kein Seminarist oder Numerarier beim Opus Dei. Nicht einmal das kirchliche Gebot, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten, gilt für ihn mehr.

Als Heuchler sollte Matussek dargestellt werden

Denn Matussek ist verheiratet und stolzer Vater eines Sohnes. So erwiderte er kurz, knapp und ehrlich: „Nein, für mich ist das nichts, ich bin verheiratet.“ Krömers Schlussfolgerung stattdessen: "Also gehen Sie nach der Sendung in den Puff?" Natürlich verwehrte Matussek sich energisch gegen den unterstellten Ehebruch. Doch es nutzte nichts. „Ich halte fest: Sie sind ein Puffgänger!“, konstatierte Krömer in kretinöser Konsequenz. Für den Rest der Sendung, ad infinitum et ad nauseam, war der streitbare Katholik Matussek nur noch der „Puffgänger“.


Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Oder gerade nicht? Für jeden, der halbwegs logisch denken kann, ist die Absicht offensichtlich. Der überzeugte Katholik sollte nicht nur durch das „heiße Eisen“ Zölibat, den Stein des Anstoßes in unserer übersexten und daher umso unbefriedigteren Gesellschaft, der Diktatur des Hedonismus, provoziert werden. Es ging vor allem darum, ihn zu desavouieren. Gebetsmühlenartig wiederholt, musste ja etwas von Krömers miesem Mantra haften bleiben. Ein „Spitzname“, der seinen Gast eine halbe Ewigkeit lang verfolgen würde: Matussek, der Puffgänger.

Steht die "künstlerische Freiheit" eines infantilen Dilettanten über der Menschenwürde?

Das war’s wohl mit der Glaubwürdigkeit als prominenter Fürsprecher des Katholizismus. Nein, als Heuchler sollte Matussek dargestellt werden. „Wenn der so lange darauf herumreitet, muss schon etwas dran sein“, denkt der naiv-gutgläubige TV-Zuschauer. Verfügt Krömer vielleicht über Insiderwissen? Nur wer Matussek besser kennt, weiß, was er wirklich nach seinen Vorträgen und Talkshows treibt. Dass er dann schnellstmöglich ins Auto oder den nächsten Zug steigt, um bald wieder bei seiner Frau und seinem Sohn zu sein.

Die zwar einerseits wissen, wie absurd diese Unterstellung ist – und trotzdem völlig unverschuldet zu Krömers größten Opfern geworden sind. Denn welche Frau leidet nicht darunter, dass ihr Mann als „Puffgänger“ diffamiert wird.

Wir sind alle Matussek!

Matussek versucht, mit einer einstweiligen Verfügung die Ausstrahlung dieses Krömer’schen Kretinismus zu verhindern. Dessen Management und Produktionsfirma beruft sich auf die vielzitierte und längst überstrapazierte „künstlerische Freiheit“. Gestattet diese, dass ein prominenter Katholik öffentlich vorgeführt, gebrandmarkt und diffamiert werden kann? Wird das Strafgesetzbuch, das bei Ehrverletzung (& 185 StGB) und Verleumdung (§ 187 StGB) mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren droht, dadurch automatisch außer Kraft gesetzt?

Steht die "künstlerische Freiheit" eines infantilen Dilettanten über der Menschenwürde? Lässt jeder Talkshow-Gast seine Würde in der Garderobe zurück, wenn er das Kolosseum unserer Zeit betritt? Darf das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Plattform zur öffentlichen Desavouierung eines unbequemen Autors dienen, der das Pech hat, einer religiösen Minderheit anzugehören? Ist etwa der Bildungsauftrag der durch unsere TV-Gebühren finanzierten ARD durch solche Peinlichkeiten erfüllt? Kann es sein, dass wir weiterhin gezwungen werden, für Rufmord und Schauhinrichtungen auch noch zu bezahlen?


Machen wir uns nichts vor: es ging nicht einmal um Matussek. Er stand stellvertretend für uns alle am TV-Pranger. Wer sich für die Kirche und für den Zölibat einsetzt, der ist in der medialen Öffentlichkeit, geprägt von Christophobie im Allgemeinen und Kathophobie im Speziellen, zum Abschuss freigegeben. Gestern Lohmann, heute Matussek, morgen … warten wir’s ab.
Bis dahin aber gilt: Wir sind alle Matussek!

Und was schreibt Alexander Wallasch dazu:

"Und dieser Kurt Krömer hat sogar physiologisch keinen Arsch in der Hose. Er ist also ein Angstarsch mit zu großem Wohnzimmer bei der ARD.

Eine Maulhure ohne Arsch nur noch mit ein bisschen schäbigem Mut ausgestattet, sich – und noch viel mehr seine Gäste – auf der Bühne zum Hansel zu machen."

www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7215-kurt-kroemer-vs-matthias-matussek

Letzte Meldung:

Der Publizist Henryk M. Broder bescheinigte Matussek, "uncool" zu sein.

Reden ist silber...Schreiben ist gold

Michael Hesemann

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

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