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Reden ist silber...Schreiben ist gold

10.12.2013 Nach 80 Jahren ist schluß mit lustig

GFDK - Gottfried Böhmer

Hamburg-Neustadt. Aus die Maus Nikolaus heißt es nun für die 1933 gegründete Buchhandlung Laatzen. Am 23. Dezember wird der Laden geschlossen und Deutschland ist wieder um eine Buchhandlung ärmer. Die 1933 gegründete Traditionsbuchhandlung am Stephansplatz muß sich künftig auf den Versand konzentrieren.

Deutsche Innenstädte bald ohne Buchhandlungen?

Die allgemeine Verlagerung des Buchgeschäfts ins Internet, und eine langjährige Baustelle vor der Tür hätten zu starken Umsatzeinbußen geführt, begründet Inhaber Lauritz Laatzen die Schließung. Er will sich am 11. Dezember mit einem Fest verabschieden. Zwischen 10 und 19 Uhr wird zu jeder vollen Stunde ein Text gelesen. Jeder Kunde, der etwas kauft, erhält eine Erinnerung an die Buchhandlung geschenkt.

Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen haben es in den letzten Jahren zunehmend schwerer gegen den Online-Buchhandel wie etwa dem des großen "A" anzukommen. Am 06.12.2013 haben die Freunde der Künste deshalb zu einem Flashmob gegen Amazon aufgerufen an dem sich viele Freunde beteiligt haben.


Die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff hatte erst kürzlich zur Eröffnung der internationalen Buchmesse in Wien die Gelegenheit für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon genutzt:

"Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

"Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage".

"Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht".

"Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!"

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

 

Der Verleger Christopher Schroer schrieb am 15. Februar einem offenen Brief an den Amazon Chef Jeff Bezos der auch bei den Freunden der Künste veröffentlicht wurde.

Wir geben den Brief hier noch mal im Wortlaut wieder:

"Heute nehmen wir Abschied, wir kündigen unsere Zulieferer- wie auch Kundenkonten. Mit sofortiger Wirkung. Ohne Wenn und Aber und mit allen Konsequenzen.

Seit Jahren ist es uns als Verlag ein Dorn im Auge, dass Sie an kleine Zulieferer wie uns überzogene Rabattforderungen von 55% stellen. Nein, es muss ja, um mit dem Buchpreisbindungsgesetz konform zu sein, heißen: 50% Rabatt plus 5% Lagerkosten. Dass aber Waren, die nachweislich Durchlaufposten sind, auch ohne Lagerung diese 5% zusätzlichen Kosten verursachen, war uns schon immer unverständlich.

Luftige Buchungstricks und Gewinne maximieren

Auch haben wir akzeptiert, dass Sie mit luftigen Buchungstricks bei der Umsatzsteuer Ihren Gewinn maximieren; dass Sie von kleinen Zulieferern verlangen, Rechnungen zu stellen, die dann ins EU-Ausland versandt werden müssen; dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen "Marketplace"-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen. Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und diese somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind.

Amazon nutzt seine Marktmacht rigoros aus

Dass Sie Ihre Marktmacht gegenüber Ihren "Partnern" rigoros ausnutzen, sollte wohl jedem klar sein: Lebendig erinnern wir uns an Ihre Aktion gegenüber den "Independent Publishers" in Ihrem Heimatland, wo Sie neue Konditionen diktierten. Wer nicht mitzog, der wurde einfach ausgelistet, dessen Bücher waren urplötzlich nicht mehr verfügbar.

Aber, das haben wir hingenommen, zwar nicht ganz freiwillig, denn will ein Kleinverlag von Endkunden wahrgenommen werden, ist es zwangsläufg verpflichtend, bei Ihnen gelistet zu sein. Amazon macht sichtbar, und wer nicht bei Ihnen gelistet ist, der ist bei Endkunden auch nicht "seriös" – oder: Was es bei amazon.de nicht gibt, gibt's nirgends.

Wirtschaftlich trägt sich Ihr Geschäftsmodell für uns nicht. Hat es im übrigens noch nie. Zu überzogen sind Ihre Forderungen, wir fühlen uns nicht als Partner behandelt, sondern als Bittsteller, der bitte, bitte, bitte seine Bücher über Ihre Plattform vertreiben darf und zwar zu Konditionen und Verträgen, die Sie diktieren.

Nun aber bringt die aktuelle Berichterstattung das Fass zum Überlaufen: Sie behandeln Menschen wie Ware. Menschen, die in eine Notlage geraten sind, die Arbeit dringend brauchen. Diese Menschen, Ihre Arbeitnehmer, Ihr "Humankapital" behandeln Sie mit genauso unfairen Praktiken, die Sie schon uns haben angedeihen lassen.

Auf eine Wiederholung der Vorwürfe verzichten wir an dieser Stelle, stehen diese noch im Raum und sind aufmerksamen Zeitgenossen durchaus in lebendiger Erinnerung.

Respektvolles wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

Aber als Ergänzung sei hinzugefügt, dass unsere Ansprechpartner ebenfalls größtenteils nicht in Deutschland sitzen, sondern − so unser Verdacht – in Indien. Wie wohl hier die Menschen behandelt werden? Menschen, denen ein Staat weniger Schutz und Rechte gibt, als auf unserem europäischen Boden.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme in einer Geschäftsbeziehung halten wir für unabdingbar. Egal, ob es dabei um Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Vertriebspartner geht.

Sie sind, waren es nie und werden es auch wohl zukünftig nicht werden: ein Unternehmen, das Menschen wie Menschen, das Verlage wie Partner, das Kunden wie Könige und Kaiser behandelt. Ein Unternehmen, welches sich u.a. dem Kulturgut "Buch" verschreibt und soziale und ethische Grundsätze beachtet.

Wir können daher nur unsere Konsequenzen ziehen und sagen "Adieu!".

Und eigentlich sind wir froh darüber, einen so schwierigen Geschäftspartner los zu sein."

Anmerkung der Redaktion:

Christian Lindner will die Bürger vor dem Konzernkapitalismus schützen?. Das sagte er zumindest dem Cicero im Foyegespräch am 24. November. Lindner mahnte die Kartellrechtliche Prüfung von Google und Youtube an, wie er Amazon dabei vergessen konnte bleibt uns ein Rätsel. Christian Lindner " Eine der „großen ordnungspolitischen Schlüsselaufgaben“ sei das Problem, dass Großkonzerne wie etwa Google sich „überhaupt nicht an der Finanzierung unseres Gemeinwesens“ beteiligten, während Familienunternehmen enorme Lasten zu tragen hätten.

Wir fragen uns nun, was Lindner sich dabei denkt. Dass Google Amazon und Co so gut wie keine Steuern in Deutschland auf ihre Milliarden Umsätze/ Gewinne zahlen, ist allen Parteien seit über 10 Jahren bekannt. Warum hat seine FDP ihre Regierungsverantwortung nicht genutzt, um diesen kläglichen Zustand zu ändern?

Das klingt nach Heuchelei

Die Konzernmacht der besagten Unternehmen konnte gerade nur deshalb entstehen, weil sie im Gegensatz zu allen deutschen Unternehmen keine Steuern zahlen mussten. Irgendwie klingt das nach Heuchelei. Erstaunlich ist auch, dass bei den jetztigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen kein Wort zu einer zukünftigen Besteuerung dieser Unternehmen auf der Tagesordnung steht.

Für die deutsche Politik scheint es bequemer zu sein, sich die Steuern beim Mittelstand und den sogenannten Besserverdienenden abzugreifen. Und wenn das nicht reicht, kauft man eben noch ein paar gestohlene Steuer CDs aus der Schweiz und Luxemburg an. Amazon & Co dürfen weiterhin ihre Gewinne verschieben.

Bestellen Sie hier ihre Bücher www.chsbooks.de

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07.12.2013 Es gibt keine anständigen Kriege

GFDK - Jürgen Todenhöfer

Liebe Freunde, die bittersten Kapitel meines Buches „Du sollst nicht töten“ beschreiben die Vergewaltigung afghanischer Taliban durch Kampfhunde im US-Foltergefängnis Bagram und die brutale Vergewaltigung eines irakischen Widerstandskämpfers durch einen GI im Flughafengefängnis Bagdad – vor den Augen gefesselter irakischer Mädchen .

US-Gefängnis Bagram: Taliban durch Hunde vergewaltigt

Was wäre geschehen, wenn die Taliban in Afghanistan amerikanische GI’s auf Hockern festgebunden und durch Hunde vergewaltigt hätten? Was, wenn in Bagdad irakische Widerstandskämpfer einen GI vergewaltigt hätten – und amerikanische Frauen mit Gewalt gezwungen hätten zuzuschauen?

Jeder kennt die Antwort. Ein Aufschrei wäre durch die Welt gegangen. Die USA hätten die Orte dieser grauenvollen Schandtaten mit Raketen dem Erdboden gleichgemacht.

Freiheit, Menschenrechte und Demokratie?

Warum geht kein empörter Aufschrei durch die Welt, wenn westliche Soldaten afghanische oder irakische Kämpfer in fürchterlichster Weise demütigen, zerbrechen und seelisch töten? Hatten wir den Afghanen und Irakern nicht Freiheit, Menschenrechte und Demokratie versprochen?

Hass, Demütigung und Vernichtung

Warum liegt über diesen beiden Verbrechen ein bleierner Mantel des Schweigens? Ist muslimisches Blut wirklich so billig? Kann mir jemand diese bittere Frage beantworten?

Euer
Jürgen Todenhöfer

Eine emotional nicht einfache, durchaus empörte, aber auch sehr informative Lektüre „aus erster Hand“.

Jürgen Todenhöfer, geboren 1940, war bis 2008 Manager eines europäischen Medienunternehmens, davor 18 Jahre lang Bundestagsabgeordneter und Sprecher der Unionsparteien für Entwicklungshilfe und Rüstungskontrolle. Er schrieb die Bestseller "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?", "Andy und Marwa – zwei Kinder und der Krieg", "Warum tötest du, Zaid?" und "Teile dein Glück". Mit seinen Buchhonoraren hat er u.a. ein Kinderheim in Afghanistan und ein Kinderkrankenhaus im Kongo gebaut sowie ein israelisch-palästinensisches Versöhnungsprojekt finanziert.

15,99 €

Thalia.de


Das Buch kostet 19,99 Euro. Wie man auf seiner Facebook-Seite lesen kann, erhält Herr Todenhöfer davon knapp 1 Euro. Das Honorar geht uneingeschränkt an schwer verletzte amputierte syrische Kinder.

Es gibt keine anständigen Kriege.

Anmerkung der Redaktion: Sebastian Riemer in der Rhein-Neckar-Zeitung am 4.12.2013

Egon Bahr traf in der Ebert-Gedenkstätte Heidelberger Schüler

Egon Bahr schockt die Schüler: "Es kann Krieg geben"


Egon Bahr: "Hitler bedeutet Krieg", habe sein Vater 1933 zu ihm gesagt. Als Heranwachsender habe er das nicht geglaubt. Und so sei das jetzt wieder: "Ich, ein alter Mann, sage euch, dass wir in einer Vorkriegszeit leben." Und die jungen Leute, sagte er, würden es ihm nicht glauben.
Bahr schlägt einen Bogen, wie es nur ein politisch versierter Zeitzeuge kann: von Hitler über den Kalten Krieg bis zur seiner Ansicht nach größten Gefahr der Gegenwart - dem Internet. "Wir weigern uns, zur Kenntnis zu nehmen, dass es das erste Mal wäre, dass eine bahnbrechende neue Erfindung nicht für den Krieg missbraucht wird."

Das Internet als die Atombombe des 21. Jahrhunderts?


Der wichtigste Tipp Bahrs an die Schüler? "In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt."

Das werden die Schüler sicher nie vergessen.

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07.12.2013 beispiellose Bedrohung unserer Demokratie

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde, es gibt viele Gründe, gegen eine große Koalition zu sein. Der meines Erachtens entscheidende ist die Entmündigung der Opposition. Eine Demokratie ohne Opposition ist keine Demokratie, sondern ein Erfüllungsgehilfe neoliberaler Wirtschaftsinteressen. Und vor allem in Hinblick auf dasTransatlantische Freihandelsabkommen (TAFTA) eine Katastrophe.

Im Endeffekt können wir dann in naher Zukunft Bürgerinitiativen und Volksabstimmungen vergessen, da den großen Konzernen immer die Möglichkeit gegeben sein wird, dagegen zu klagen. Ja - Staaten zu verklagen, wenn die Gesetze zu sozial sind!! Ein Beispiel von vielen, um damit an die Diskussionen um meinen letzten Beitrag anzuknüpfen. Lori Wallach schreibt in der Le Monde diplomatique:


„Das amerikanische Fleischinstitut (AMI) empört sich, die Europäische Union bestehe auf ihrem "ungerechtfertigten" Verbot von Fleisch, das unter Einsatz von Wachstumshormonen erzeugt wurde. Diese Mittel, wie etwa Ractopamin, sind wegen der Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier in 160 Staaten - darunter allen EU-Ländern, aber auch Russland und China - verboten oder eingeschränkt. Auch der Verband der US-amerikanischen Schweinefleischproduzenten (NPPC) hat seine Wünsche:

Eine beispiellose Bedrohung unserer Demokratie

"Die US-Schweinefleischproduzenten werden ein Ergebnis nur akzeptieren, wenn es das EU-Verbot für den Einsatz von Ractopoamin im Produktionsprozess beseitigt." (Ich hoffe sehr, dass die radikalen Tierschützer sich auch auf anderen politischen Gebieten ebenso radikal für die Gesellschaft so engagieren).
Der SPIEGEL schreibt zu Recht: „Der Alptraum eines Grünen- oder Linken-Abgeordneten geht so:

Es ist Sitzungstag, Redner von Union und SPD loben sich stundenlang gegenseitig. Irgendwann darf die Opposition ein eigenes Thema setzen, aber nur ganz kurz und erst zu später Stunde, wenn das Fernsehen nicht mehr überträgt. In einer Regierungskrise wird der Wunsch nach einem Untersuchungsausschuss laut - und prompt abgeschmettert.

Die Koalition kann den Daumen senken, wann immer sie will.

Nun wollen sie uns Sand in die Augen streuen mit der Wahrung der sogenannten Minderheitsrechte im Koalitionsvertrag. In der Union steigen allerdings die Sympathien für das Modell einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Das bringt ungefähr so viel, wie wenn sich die Deutsche Bank freiwillig selbst verpflichtet nicht mehr zu betrügen.


Auch nach dem Tod des verehrten Meisters stört Dieter Hildebrandts Stoersender. Wir machen weiter Dieter!!!

Anmerkung der Redaktion zum Thema:

Monsanto ist kurz davor, seinen größten Coup aller Zeiten zu feiern, doch wir haben noch bis zum Wochenende Zeit, dazwischenzufunken.

Die Transpazifische Partnerschaft ist ein Geheimabkommen zwischen zwölf Staaten, das Unternehmen beispiellose Macht verleihen würde. Vor globalen Gerichtshöfen könnten sie unsere Regierungen wegen Gesetzen verklagen, die Bürgern den Vorrang vor Unternehmen geben! Von der Kennzeichnung von Gen-Lebensmitteln bis zur Internetfreiheit ‒ alles könnte davon betroffen sein. Wikileaks hat die Geschichte aufgedeckt und nun bildet sich Widerstand. Doch in 48 Stunden wollen die Unternehmen den Deal bereits besiegeln.

Es ist wahnsinnig, doch wir können es stoppen ‒ 3 Länder sind noch zögerlich und wenn sie jetzt einen Rückzieher machen, könnte der Deal ins Wasser fallen. Fordern wir Entscheidungsträger in Chile, Neuseeland und Australien mit einem globalen Aufschrei zur Standfestigkeit auf. Verhindern wir, dass Unternehmen soviel Macht ergattern, bevor Monsanto die Korken knallen lässt. Unterzeichnen Sie jetzt und verbreiten Sie die Aktion:

http://www.avaaz.org/de/no_champagne_for_monsanto_loc/?bcTbHdb&v=32145

Die aufgedeckten Entwürfe der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) lesen sich wie eine lange Wunschliste der Großkonzerne ‒ über ein undurchsichtiges Gerichtssystem könnten Unternehmen unseren Regierungen standardmäßig ihren Willen aufzwingen. Diese Gerichtshöfe könnten Marken-Medikamente begünstigen und den Zugang zu Generika einschränken. Sie könnten Zigarettenfirmen befähigen, unsere Regierungen unter dem Vorwand zu verklagen, dass Gesundheitsvorschriften ihre Profite schmälern! Es ist so verrückt, dass man es kaum glauben mag.

Dennoch hat fast niemand von der Transpazifischen Partnerschaft gehört. Die Verhandlungsinhalte sind so streng geheim, dass sie selbst unseren gewählten Gesetzgebern unbekannt sind  einzig die Verhandlungspartner und 600 Firmenlobbyisten haben Zugang. Nun sind Texte ans Licht gekommen, die viele Politiker und Bürger aus Chile, Neuseeland und Australien schockiert haben. Sie versuchen der Schikane der Firmenlobbies und auch den USA die Stirn zu bieten ‒ dort setzt man alles daran, einen Deal zu besiegeln, bevor er von der Öffentlichkeit unter die Lupe genommen wird.

Die Transpazifische Partnerschaft betrifft uns alle ‒  sie verletzt unsere Rechte und untergräbt unsere Demokratie. Und das nur, um Unternehmen die Profite zu sichern. Uns bleiben nur noch ein paar Tage, um dies zu verhindern. Machen Sie jetzt mit und verbreiten Sie die Aktion:

http://www.avaaz.org/de/no_champagne_for_monsanto_loc/?bcTbHdb&v=32145

Gegenüber mächtigen Großunternehmen, die unsere Regierungen mit ihren Geldbeuteln steuern, kommt man sich oft unbedeutend vor. Doch die wahre Macht hat nicht das Geld, sondern die Bürger. Unsere Bewegung hat immer wieder bewiesen, dass wir unsere Rechte gegen übermäßigen Unternehmenseinfluss verteidigen können: Bei zahlreichen Versuchen der Internetzensur ‒ von SOPA und PIPA über ACTA und CISPA ‒ sind wir eingeschritten. Gemeinsam können wir erneut mit vereinten Kräften diese beispiellose Bedrohung unserer Demokratie anfechten.

Voller Hoffnung,

Alice, David, Jooyea, Alex, Aldine, Julien, Ricken und das Avaaz-Team

PS - Viele Avaaz-Kampagnen werden von Mitgliedern gestartet. Starten Sie jetzt Ihre eigene Petition, zu irgendeinem Thema - ob regional, national oder global: http://www.avaaz.org/de/petition/start_a_petition/?cl=3651982978&v=32145

QUELLEN: 

Trans-Pacific Partnership: WikiLeaks veröffentlicht Copyright-Kapitel von Handelsabkommen (Spiegel Online)
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/wikileaks-veroeffentlicht-copyright-kapitel-von-handelsabkommen-a-933401.html

Wikileaks veröffentlicht Details von Verhandlungen (Süddeutsche Zeitung) 
http://www.sueddeutsche.de/digital/freihandelsabkommen-tpp-wikileaks-veroeffentlicht-details-von-verhandlungen-1.1818005

Wikileaks veröffentlicht geheimes Kapitel der Transpazifischen Partnerschaft (The Guardian) (Englisch)
http://www.theguardian.com/media/2013/nov/13/wikileaks-trans-pacific-partnership-chapter-secret

Vollfassung des enthüllten Entwurfstexts (Wikileaks) (Englisch)
http://wikileaks.org/tpp/ 

Das Transpazifische Partnerschaftsabkommen ist alles andere als ein “Freihandelsabkommen” (The Guardian) (Englisch)
http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/19/trans-pacific-partnership-corporate-usurp-congress 

Beschleunigung birgt Risiken für das pazifische Handelsabkommen (Seattle Times) (Englisch)
http://seattletimes.com/html/businesstechnology/2022349766_biztaltoncol01xml.html

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04.12.2013 10.000 EURO FÜR AMNESTY INTERNATIONAL

Axl Klein - Gottfried Böhmer

10.000 EURO FÜR AMNESTY INTERNATIONAL AUS DEM PROJEKT ZORN! Nachdem nun die erste Ausstellung von ZORN in Köln super erfolgreich zu Ende ging, kann ich mitteilen, dass bisher 10.000 Euro aus dem Verkauf der Bilder Amnesty International gehen!

Das ist ganz großartig und an dieser Stelle möchte sich der Künstler Axl Klein nochmals herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Portraitserie bedanken! Ein riesen Danke auch an die Michael-Horbach-Stiftung, die uns Ihre wunderbaren Kunsträume in Köln absolut kostenfrei für die Ausstellung zur Verfügung gestellt und das Projekt so sehr unterstützt hat!

Michael Horbach (Horbach Stiftung) präsentierte die Fotoserie ZORN des Saarbrücker Fotografen Axl Klein. 55 großformatige Portraits prominenter Zeitgenossen, bekannt aus Literatur, Film, Funk und TV, Autoren, Schauspieler, Musiker, und Moderatoren verteilt auf 3 großzügige Räume erwarteten die geladenen Gäste und Besucher.

Axl Klein wollte wissen, wie sich ZORN in den Gesichtern von Menschen ausdrückt. Axl Klein fuhr mit seinem Assistenten Mattias Wittekind durch ganz Deutschland. Die Studios mietete er direkt vor Ort, mit Ausnahme von Markus Lanz, der stellte nicht nur sich, sondern direkt auch sein Hamburger Fernsehstudio zur Verfügung. 

Blicke des ZORNS in den Gesichtern

Axl Klein hat vor dem Beginn seines Projektes 150 Künstler angefragt, mehr als die Hälfte hat sofort abgewunken oder erst gar nicht reagiert. Prominente sehen sich lieber auf dem roten Teppich oder in guter Laune-Stimmung. ZORN, so Axl Klein ist nicht der Moment für Eitelkeiten.

Reiner Idealismus

Als Türöffner erwies sich Amnesty International, die die Schirmherrschaft für das Kunstprojekt übernommen hatten. An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass Axl Klein das Projekt ZORN aus reinem Idealismus verwirklicht hat. Der gesamte Verkaufserlös der Werke (abzüglich der Printproduktion) spendet der Künstler und Fotograf Amnesty International.

Großformatige Bilder in bestechender Qualität

Axl Klein konnte sich die fast zweijährige Arbeit nur leisten, weil er als Werbefotograf das Projekt querfinanzieren konnte. Die großformatigen Bilder in bestechender Qualität sind zu einem für den Kunstmarkt unglaublichen Preis von 1.250 Euro zu erwerben. Auch die Verkaufserlöse des gleichnamigen Buchtitels ZORN, das ab Mitte September im Buchhandel erscheint, gehen an Amnesty International.

Die Ausstellungseröffnung durch Roger Willemsen war für viele Gäste ein absolutes Highlight des Abends. Was Willemsen mit Wortgewalt, Sprachwitz und Ironie pointiert zum Thema ZORN vortrug, stimmte nachdenklich, brachte aber auch die Zuhörer an vielen Stellen zum lachen. Der Schriftsteller Matthias Altenburg hat mal über Willemsen gesagt "das er schon drei kluge Sätze gesagt hat, bevor man den eigenen dummen, den man auf der Zunge hat noch verwerfen könnte" Das kann ich nun bestätigen.

Das Publikum klebte an seinen Lippen. Der ZORN so die Erkenntnis, ist allgegenwärtig, steckt in jedem von uns und ist nicht selten eine Triebfeder der Veränderung.


Ein großes Dankeschön auch an Benjamin Knur von "studio das" – meiner Agenturvertretung! Auch er arbeitete honorarfrei fortwährend für dieses Projekt und trug maßgeblich zu dem tollen Erfolg bei!

Alle 55 großformatigen Portraits werden übrigens vom 27.2. – 13.4.2014 im „Unesco Weltkulturerbe Völklinger Hütte“ / Saarland erneut gezeigt.

Die Bilder stehen weiterhin - in limitierter Auflage von 5 - zugunsten von Amnesty zum Verkauf. Größe: 1,6m x 1,2m / Lambdabelichtung hinter Acryglas.
Das Buch mit allen Portraits der Serie ist im Gollenstein Verlag erschienen – das Autorenhonorar geht ebenfalls zugunsten von Amnesty.

Die Liste der Portraitierten umfasst:

Barbara Auer, Hugo Egon Balder, Dietmar Bär, Gabi Bauer, Frank-Markus Barwasser, Meret Becker, Carolyn Breuer, Peter Brugger, Jochen Busse, Thomas D, Samy Deluxe, Olli Dittrich, Anke Engelke, Herbert Feuerstein, Annette Frier, Chris Geletneky, Gentleman, Wolke Hegenbarth, Swantje Henke, Christoph Maria Herbst, Klaas Heufer Umlauf, Guildo Horn, Carolin Kebekus, Michael Kessler, Henning Krautmacher, Bettina Lamprecht, Leonard Lansink, Markus Lanz, Roman Lob, Peter Lohmeyer, Bjarne Mädel, Matthias Matschke, Lena Meyer-Landrut, Antoine Monot Jr., Silvia Neid, Sonsee Neu, Magdalena Neuner, Wolfgang Niedecken, Matthias Opdenhövel, Patrice, Axel Prahl, Frank Schätzing, Denis Scheck, Andreja Schneider, Nadine Schori, Devid Striesow, Heinz Strunk, Mina Tander, Konstantin Wecker, Oliver Welke, Julia Westlake, Daniel Wiemer, Roger Willemsen, Joko Winterscheidt, Ranga Yogeshwar


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Alle Infos zu ZORN auf der Projektseite: www.zorn-projekt.de

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02.12.2013 angst und bange um unsere Bürgerrechte

GFDK - Gottfried Böhmer

Wie sich die Zeiten, die Worte, Taten und Handlungen in wenigen Wochen ändern können. Das hat uns gerade die SPD vorgemacht. Aber wer wundert sich darüber? Erinnern wir uns mal kurz. Noch vor 8 Wochen hat die SPD im deutschen Bundestag einen Untersuchungsausschuss zur NSA Affäre gefordert und das Thema, weil es sehr medienpräsent war und viele Bundesbürger beschäftigte, suggestiv auch zu ihrem Wahlkampfthema gemacht, um damit auf Stimmenfang zu gehen.

Naja, das ist der Schnee von gestern. Schon beim Eintritt in die Koalitionsverhandlungen wollte die "alte Tante" SPD schon nichts mehr von einem Untersuchungsausschuss wissen, der zur Aufklärung der NSA Aktivitäten und deren milliardenfachen Datendiebstahls in Deutschland aufklären könnte. Nur die blauäugigen SPD Wähler sind dem Wahlkampfgetöse auf den Leim gegangen, aber nicht nur in dieser Frage, das ist aber heute nicht unser Thema.

Dass die SPD zu keiner Zeit willens war etwas zur Aufklärung beizutragen, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass die SPD in ihren Regierungsjahren mit Schröder und Merkel über alle Aktivitäten der US Geheimdienste bestens informiert waren. Dass der größte Teil, der geheimen Verträge mit den USA nach der Wiedervereinigung unter der Regierungsverantwortung der SPD geschlossen wurde, ist heute zumindest kein Geheimnis mehr.

Frank-Walter Steinmeier steckt bis zum Hals im NSA Sumpf

Dass der Oppositionsführer im deutschen Bundestag Frank-Walter Steinmeier, der auch 6 Jahre als Geheimdienstkoordinator und weitere 4 Jahre als Bundesausenminister fungierte bis zum Hals im NSA Sumpf steckt, würden die Genossen heute lieber nicht als Gegenstand eines Untersuchungsausschusses sehen. Dass Herr Steinmeier in wenigen Wochen wieder ein hohes Ministeramt bekleiden wird, ist heute schon so gut wie sicher. Dass die SPD die Vorratsdatenspeicherung nun im Koalitionsvertrag mit der CDU aufgenommen hat, hätte niemanden verwundern dürfen.

Eines kann ich ihnen heute schon prognostizieren:

Der Deutsche Michel wird es in wenigen Jahren noch mal bedauern, dass die FDP die der Vorratsdatenspeicherung niemals zugestimmt hätte, nicht mehr im Deutschen Bundestag vertreten ist.

Kubicki will Bürger- und Freiheitsrechte in den Mittelpunkt liberaler Politik stellen

»Die Verteidigung der Bürger- und Freiheitsrechte solle künftig im Mittelpunkt liberaler Politik stehen, erläuterte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wir können nicht zulassen, dass der Staat in immer größerem Ausmaß in die Privatheit der Menschen eingreift, da muss es Widerstand geben."«

Der britische Überwachungsforscher Steve Wright sagte kürzlich im Interview mit Jakob Steinschaden: Das Militär ändert seine Doktrin, nach der jeder ein Ziel werden kann. Es geht nicht mehr um Beobachtung, sondern um Targeting, und das ist der Punkt, an dem die Leute nervös werden. Wir haben Jahrzehnte ohne Kriege hinter uns, aber historisch gesehen wird das nicht immer so bleiben. Einem Staat die Fähigkeit zu geben, jeden Bürger orten zu können, ist sehr gefährlich.

Viele liegen einfach dem PR-Gag auf und glauben, ein wenig Freiheit für mehr Sicherheit aufzugeben. Ich denke, es wäre dumm zu glauben, dass irgendeine Regierung die Geheimdienste angreifen könnte. Es wird Untersuchungen geben und eine Debatte um das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit geben, aber niemand wird sie aufgeben wollen.

Steve Wright hat 1998 den Bericht für das EU-Parlament über das Spionagesystem Echelon verfasst und forscht seit den 1970ern zur NSA.

Jakob Steinschaden ist seit sieben Jahren publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist.

Vorratsdatenspeicherung

Die Vorratsdatenspeicherung stellt 80 Millionen Menschen in Deutschland unter einen Generalverdacht. Das Wissen, dass jeder Schritt, jeder Anruf und jede Mail, jeder Zugriff aufs Internet nun vom Staat nachverfolgt werden kann wird unserer freien und offenen Gesellschaft nachhaltigen Schaden zufügen. Mitten im größten Überwachungsskandal des digitalen Zeitalters ein derartiges Überwachungsgesetz zu verabschieden zeugt von Lernresistenz und mangelnder Weitsicht.

Dazu erklärt die Piratenpartei durch Katharina Nocun, Politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland:

Es wird einem Angst und bange um die Bürgerrechte

»Mit dem Beschluss, alle bei deutschen Telekommunikationsanbietern anfallenden Verbindungs- und Standortdaten zu speichern, um mögliche Straftaten oder organisierte Kriminalität zu bekämpfen, schießt die Koalition nicht nur mit Kanonen auf Spatzen: Sie setzt das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung und wesentliche Grundrechte außer Kraft.

"Ein Dammbruch für unsere Freiheit und informationelle Selbstbestimmung"

Einmal gespeicherte Daten wecken Begehrlichkeiten. Hier helfen auch keine Lippenbekenntnisse, die Zugriffsrechte restriktiv zu gestalten oder Speicherfristen kurz zu halten. Ganz grundsätzlich ist die Glaubwürdigkeit der großen Koalition schon jetzt durch die bereits gebrochenen Versprechen nach den Enthüllungen der NSA-Spionagetätigkeiten beschädigt.

Statt in die Totalüberwachung der Bürger zu investieren, sollte die Regierung in soziale Prävention, eine bessere Ausstattung und Ausbildung der Ermittlungsbehörden und die zielgerichtete Ermittlung bei begründetem Verdacht setzen. Dass die Vorratsdatenspeicherung keine besseren Ermittlungserfolge bringt, sondern nur eine noch umfassendere Kontrolle und Gängelung der Bürger ermöglicht, ist durch eine Studie des Max-Planck-Instituts bereits in der Vergangenheit bewiesen worden.«

Die Piratenpartei hat darauf hingewiesen dass die Vorratsdatenspeicherung "die Unschuldsvermutung und damit das Fundament unseres Verständnisses von Recht außer Kraft setzt". Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung der Piratenpartei hat die SPD-Basis die ja noch dem Koalitionsvertrag zustimmen müssen die Pläne bei ihrem Mitgliederentscheid zu stoppen. "Alle unsere täglichen Kontakte und Bewegungen erfassen zu wollen, ist ein Vorhaben unerhörten Ausmaßes", moniern die Piraten.

Auch die Digitale Gesellschaft ist von dem Ergebniss des vorgelegten Vertrages erschütert, dass Schwarz-Rot "die Überwachungsinfrastruktur mit hohem Missbrauchspotenzial erneut einführen" will.

Die Drei Tricks der Überwachungslobby auf Spiegel.de

Wenn kein Anschlag passiert, liegt es an der Überwachung. Wenn ein Anschlag passiert, liegt es an mangelnder Überwachung. Politik und Öffentlichkeit sind der perfiden Verkaufstaktik der Überwachungslobby auf den Leim gegangen - eine Analyse der Argumentationstricks. Eine Kolumne von Sascha Lobo mehr...

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27.11.2013 Aktionstag am 06.12.2013 gegen Amazon

Sibylle Lewitscharoff - Gottfried Böhmer

Unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen haben es in den letzten Jahren zunehmend schwerer, gegen den Online-Buchhandel wie etwa dem des großen "A" anzukommen. Am 06.12.2013 gehen als "Antwort" darauf so viele Menschen wie möglich, die Bücher lieben, in ihre Lieblingsbuchhandlung und unterstützen sie bewusst mit einem Kauf. Ob, wo und wie viel bleibt selbstverständlich euch überlassen. Sie ist nicht in eurer Nähe? Ein Online-Bestellservice der zugehörigen Buchhandlung unterstützt genauso gut!


Die Eröffnungsrede der internationalen Buchmesse in Wien nutzte die Büchnerpreisträgerin Sibylle Lewitscharoff für eine leidenschaftliche Tirade gegen Amazon: "Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben - was leider nicht sehr wahrscheinlich ist - werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken."

Sibylle Lewitscharoff über junge Leute und Literaturstudenten die mal selber Bücher schreiben wollen.

"Hin und wieder kam ich in den letzten Jahren in Kontakt mit Literaturstudenten oder jungen Leuten, die selber Bücher schreiben wollen. Eine kuriose Erfahrung insofern, als etliche von ihnen erschreckend wenig gelesen hatten, zumindest kaum die wirklich erstklassigen Werke der Moderne. Es kostet Mühe, sie zum Kauf eines Buches zu überreden, obwohl sie in der Hoffnung leben, dermaleinst würde jemand ihre eigenen Bücher kaufen. Natürlich findet sich da inmitten einer großen Schar Ignoranten auch immer wieder ein Lesefex, an den sich Freude und Hoffnung klammern, dass es mit der Wirksamkeit hochmögender Literatur nicht vorbei ist."

Links Denken aber....???

Aber da ist noch etwas anderes, und es erbost mich zutiefst. Einige amerikanische Großfirmen, allen voran Amazon, sind ja bereits eifrig beschäftigt, elektronische Buchdienste anzubieten. In meinem Umfeld, das in jungen Jahren links eingestellt war und gern die Fahnen wider den Monopolkapitalismus hisste, ist eine staunenswerte Entwicklung vonstattengegangen: Ausgerechnet bei einem Monopolisten wie Amazon, der so ziemlich alles in den Schatten stellt, was Karl Marx einst über den Monopolkapitalismus schrieb, bestellen sie ungeniert.

Aktionstag am 06.12.2013

Wenn ich eine Firma hasse, dann diese! Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Klub eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.

Seriöse Betreuung, Herstellung und Vertrieb des gedruckten Buches jedoch sei, so Sybille Lewitscharoff eine arbeitsintensive Angelegenheit, für die eine ganze Branche mit einer Vielzahl von Angestellten nötig sei. "Nur um den einen Strawanzel, der das Buch geschrieben hat, geht es beileibe nicht."

Jedenfalls halte ich dem gedruckten Buch, den erstklassigen Verlagen und den Buchhändlern, die ich liebe, die Treue, schwatze vergnügt mit ihnen und lasse mich von ihnen auch gern auf etwas hinweisen, was mir bisher entgangen ist. Nichts lieber, als eine ordentliche Summe in eine Buchhandlung zu tragen. Dort soll Ihr Geld hin, werte Leser! Es soll nicht im Rachen einer Firma landen, die Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und den wenigen, die für sie arbeiten, Hungerlöhne zahlt!

Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben

Komme, was wolle, ich glaube an die Zukunft des Buches zwischen zwei Deckeln und werde nicht davon ablassen, neue Lieblinge für schönes Geld bei einem Buchhändler zu erwerben. Nun sei das Glas auf die Verlagsmitarbeiter und Buchhändler erhoben – ich wünsche ihnen gute Umsätze und ein gedeihliches Leben!

Sibylle Lewitscharoff, zählt zu den bedeutendsten Autoren der Bundesrepublik. 2011 gewann sie den Deutschen Buchpreis, 2013 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Zuletzt erschien von ihr bei Insel "Pong redivivus".

Mit den  vorliegenden Textauszügen hat Sibylle Lewitscharoff die sechste internationale Buchmesse "Buch Wien" eröffnet. Den gesamten Text finde ihr im unter aufgeführten link.

Der Verleger Christopher Schroer schrieb am 15. Februar einem offenen Brief an den Amazon Chef Jeff Bezos der auch bei den Freunden der Künste veröffentlicht wurde.

Wir geben den Brief hier noch mal im Wortlaut wieder:

"Heute nehmen wir Abschied, wir kündigen unsere Zulieferer- wie auch Kundenkonten. Mit sofortiger Wirkung. Ohne Wenn und Aber und mit allen Konsequenzen.

Seit Jahren ist es uns als Verlag ein Dorn im Auge, dass Sie an kleine Zulieferer wie uns überzogene Rabattforderungen von 55% stellen. Nein, es muss ja, um mit dem Buchpreisbindungsgesetz konform zu sein, heißen: 50% Rabatt plus 5% Lagerkosten. Dass aber Waren, die nachweislich Durchlaufposten sind, auch ohne Lagerung diese 5% zusätzlichen Kosten verursachen, war uns schon immer unverständlich.

Luftige Buchungstricks und Gewinne maximieren

Auch haben wir akzeptiert, dass Sie mit luftigen Buchungstricks bei der Umsatzsteuer Ihren Gewinn maximieren; dass Sie von kleinen Zulieferern verlangen, Rechnungen zu stellen, die dann ins EU-Ausland versandt werden müssen; dass Sie sich vertraglich einen unglaublichen Skontorahmen einräumen lassen. Dass neue, frisch angelieferte Titel in Ihrem eigenen "Marketplace"-Anbieterkonto als Mängelexemplare auftauchen. Und dass Sie Kommissionswaren remittieren, die Sie nicht pfleglich behandelt haben und diese somit vom weiteren Verkauf ausgeschlossen sind.

Amazon nutzt seine Marktmacht rigoros aus

Dass Sie Ihre Marktmacht gegenüber Ihren "Partnern" rigoros ausnutzen, sollte wohl jedem klar sein: Lebendig erinnern wir uns an Ihre Aktion gegenüber den "Independent Publishers" in Ihrem Heimatland, wo Sie neue Konditionen diktierten. Wer nicht mitzog, der wurde einfach ausgelistet, dessen Bücher waren urplötzlich nicht mehr verfügbar.

Aber, das haben wir hingenommen, zwar nicht ganz freiwillig, denn will ein Kleinverlag von Endkunden wahrgenommen werden, ist es zwangsläufg verpflichtend, bei Ihnen gelistet zu sein. Amazon macht sichtbar, und wer nicht bei Ihnen gelistet ist, der ist bei Endkunden auch nicht "seriös" – oder: Was es bei amazon.de nicht gibt, gibt's nirgends.

Wirtschaftlich trägt sich Ihr Geschäftsmodell für uns nicht. Hat es im übrigens noch nie. Zu überzogen sind Ihre Forderungen, wir fühlen uns nicht als Partner behandelt, sondern als Bittsteller, der bitte, bitte, bitte seine Bücher über Ihre Plattform vertreiben darf und zwar zu Konditionen und Verträgen, die Sie diktieren.

Nun aber bringt die aktuelle Berichterstattung das Fass zum Überlaufen: Sie behandeln Menschen wie Ware. Menschen, die in eine Notlage geraten sind, die Arbeit dringend brauchen. Diese Menschen, Ihre Arbeitnehmer, Ihr "Humankapital" behandeln Sie mit genauso unfairen Praktiken, die Sie schon uns haben angedeihen lassen.

Auf eine Wiederholung der Vorwürfe verzichten wir an dieser Stelle, stehen diese noch im Raum und sind aufmerksamen Zeitgenossen durchaus in lebendiger Erinnerung.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme sind für Amazon Fremdwörter

Aber als Ergänzung sei hinzugefügt, dass unsere Ansprechpartner ebenfalls größtenteils nicht in Deutschland sitzen, sondern − so unser Verdacht – in Indien. Wie wohl hier die Menschen behandelt werden? Menschen, denen ein Staat weniger Schutz und Rechte gibt, als auf unserem europäischen Boden.

Respektvolles Wirtschaften, faire Umgangsformen und gegenseitige Rücksichtnahme in einer Geschäftsbeziehung halten wir für unabdingbar. Egal, ob es dabei um Kunden, Mitarbeiter, Zulieferer und Vertriebspartner geht.

Sie sind, waren es nie und werden es auch wohl zukünftig nicht werden: ein Unternehmen, das Menschen wie Menschen, das Verlage wie Partner, das Kunden wie Könige und Kaiser behandelt. Ein Unternehmen, welches sich u.a. dem Kulturgut "Buch" verschreibt und soziale und ethische Grundsätze beachtet.

Wir können daher nur unsere Konsequenzen ziehen und sagen "Adieu!".

Und eigentlich sind wir froh darüber, einen so schwierigen Geschäftspartner los zu sein."

Anmerkung der Redaktion:

Christian Lindner will die Bürger vor dem Konzernkapitalismus schützen?. Das sagte er zumindest dem Cicero im Foyegespräch am 24. November. Lindner mahnte die Kartellrechtliche Prüfung von Google und Youtube an, wie er Amazon dabei vergessen konnte bleibt uns ein Rätsel. Christian Lindner " Eine der „großen ordnungspolitischen Schlüsselaufgaben“ sei das Problem, dass Großkonzerne wie etwa Google sich „überhaupt nicht an der Finanzierung unseres Gemeinwesens“ beteiligten, während Familienunternehmen enorme Lasten zu tragen hätten.

Wir fragen uns nun, was Lindner sich dabei denkt. Dass Google Amazon und Co so gut wie keine Steuern in Deutschland auf ihre Milliarden Umsätze/ Gewinne zahlen, ist allen Parteien seit über 10 Jahren bekannt. Warum hat seine FDP ihre Regierungsverantwortung nicht genutzt, um diesen kläglichen Zustand zu ändern?

Das klingt nach Heuchelei

Die Konzernmacht der besagten Unternehmen konnte gerade nur deshalb entstehen, weil sie im Gegensatz zu allen deutschen Unternehmen keine Steuern zahlen mussten. Irgendwie klingt das nach Heuchelei. Erstaunlich ist auch, dass bei den jetztigen schwarz-roten Koalitionsverhandlungen kein Wort zu einer zukünftigen Besteuerung dieser Unternehmen auf der Tagesordnung steht.

Für die deutsche Politik scheint es bequemer zu sein, sich die Steuern beim Mittelstand und den sogenannten Besserverdienenden abzugreifen. Und wenn das nicht reicht, kauft man eben noch ein paar gestohlene Steuer CDs aus der Schweiz und Luxemburg an. Amazon & Co dürfen weiterhin ihre Gewinne verschieben.

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24.11.2013 Bürgerstiftung Hospiz Hamburg in Not

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde, ein Hospiz ist ein Ort, an dem man in Würde und so schmerzfrei wie möglich sterben kann. Ich habe oft darüber geschrieben, denn ich engagiere mich schon lange für die Hospizbewegung. Ich habe heute Nachmittag, zusammen mit meinem Freund Jo, in Fulda, in einem Hospiz gesungen, weil es den Menschen dort nicht mehr möglich ist, ins Konzert zu kommen.


Meine Mutter durfte in München in einem Hospiz sterben, liebevoll betreut und gepflegt von den Ärzten und Pflegekräften, denen ich immer dankbar sein werde. Ich bewundere Menschen, die nicht nur am eigenen Leid leiden, sondern versuchen auch anderen beizustehen, denen das Schicksal übel mitspielt. Die sich dem Nächsten nähern, beistehen, Hilfe leisten. (Interessant, wie in unserer Leistungsgesellschaft das Hilfe leisten immer an letzter Stelle der Leistungen kommt.)

Bürgerstiftung Hospiz Hamburg in Not

Der Tod wird ausgeklammert aus unserem Leben, wer sich mit dem Tod auseinandersetzt und sich der Vergänglichkeit allen Seins bewusst ist, der ist nicht mehr so leicht manipulierbar in dieser ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Gesellschaft. Er wird wie alle selbstbewusst denkenden Menschen überflüssig.

Nun haben die Hamburger das grosse Glück, dass in nächster Zeit ein bereits fertig gestelltes Hospiz eröffnet werden kann. Wenn nicht - ja so unglaublich absurd es klingt- wenn nicht der böse Nachbar wäre.
Die Gründe gegen das Hospiz sind so ekelerregend peinlich, dass man kaum wagt es auszusprechen.
Eventuell sinkende Grundstückspreise und ein Leichenwagen der ein paar mal im Monat vorbeifährt und die Ruhe (!) dieses Ehepaars stören könnte.


So wie es aussieht, hat der Kläger Chancen und das Hospiz muss wieder abgerissen werden.
Hoffen wir auf einen mutigen und mitfühlenden Richter.


Empört Euch!
Die Kläger können vielleicht ja auch nichts für ihren Starrsinn. Sie sind die gehirngewaschenen Marionetten eines Systems, das ihnen täglich eintrichtert, dass Mitgefühl ein Minusgeschäft sei und ein Leichenwagen immer nur für anderen bestimmt.


Uns jedenfalls hat der heutige Besuch bei diesen großartigen Menschen im Herz-Jesu- Krankenhaus gezeigt, wie wertvoll es ist sich zu umarmen und wie sehr der Tod dem Leben inne wohnt.


Um es mit Rilke zu sagen:
Der Tod ist groß
Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

Konstantin Wecker

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20.11.2013 Das schlechte Gewissen der Nation ist tot

GFDK - Konstantin Wecker

Liebe Freunde! - Dieter Hildebrandt ist tot! Ich bin völlig erschüttert und aufgelöst von dieser Nachricht. So kurios das klingen mag, wenn jemand mit 86 Jahren stirbt: sein Tod kommt als ein unerwarteter Schock über uns.


Noch vor wenigen Monaten habe ich Dieter live erlebt. Alle waren ganz fasziniert von seiner impulsiven Vitalität. Satte drei Stunden ist er auf der Bühne gewesen und hat gesprüht vor Geist und Witz wie eh und je! Und tatsächlich haben wir ihn gerade jetzt ganz dringend gebraucht. Ich meine, ich kannte ihn wirklich sehr gut. Ich verdanke Dieter mein erstes, richtig großes Konzert, damals in der Lach- und Schießgesellschaft: mit 21 Jahren!

Das schlechte Gewissen der Nation ist tot

Aber so wütend, wie in den letzten Jahren, habe ich ihn nie vorher erlebt. Dieter Hildebrandt war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land, über den Verfall des Geistes, Korruption, maßlose Bereicherung und öffentliche Niedertracht. Dieter Hildebrandt war alarmiert und hatte das dringende Gefühl, dass etwas Dramatisches passieren muss, um das Ruder herumzureissen. Dieter war angriffslustig – und er hat angegriffen.


Und wie! Dieter hat sich auch außerhalb der Bühne immer vehementer eingemischt. Er hat sein ganzes Gewicht als moralische und geistige Instanz in die Waagschale geworfen. Er das Projekt StörsenderTV aus der Taufe gehoben. Das wird uns bleiben und das ist ganz wichtig: der Störsender muss weiterleben und weiterwachsen!


Bleiben wird uns auch das Werk und die Erinnerung an einen grandiosen Kabarettisten, Schauspieler, Autor und fabelhaften Menschen – aber plötztlich fehlt da ein Freund, ein Vorbild, die Ehrlichkeit, der Anstand, der Scharfsinn und die Klugheit des Dieter Hildebrandt.


Servus, Dieter
Ich kann es nicht fassen.
Was für eine Lücke wird da gerissen.

Konstantin Wecker

Anmerkung der Redaktion:

Dieter Hildebrandt stellte er mit seinem Freund, dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch, das Online-Kabarett-Projekt Störsender.tv auf die Beine. "Es ist ein großer Verlust", sagte Hanitzsch, "für uns alle". Am Mittwoch stand auf der Startseite des Projekts: "Danke, lieber Dieter, für alles."

"Ich muss mal ... zur Reparatur" hieß es in den vergangenen Wochen auf der Homepage von Dieter Hildebrandt Ende August hatte er noch gesagt: "Wäre ich ein Schiff, müsste ich in die Werft. So muss ich nun Reparaturarbeiten an mir durchführen lassen und kann von Anfang September bis Mitte Oktober nicht auftreten."

Dieter Hildebrandt

"Politisches Kabarett ist Notwehr"

"Die da oben haben angefangen"

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20.11.2013 „Sonntags Tod“ - will ich sehen

GFDK - Heinrich Schmitz

Carla Berling, bisher bekannt für autobiografische Romane wie „Vom Kämpfen und vom Schreiben“, „Die Rattenfänger“ oder wechseljahrsgeprägten Humor der „Jesses Maria“-Reihe, hat einen Kriminalroman geschrieben. Einen westfälischen. „Sonntags Tod“ ( http://www.amazon.de/Sonntags-Tod-Carla-Berling-ebook/dp/B00FGUDG5A) .

Als Rheinländer fragt man sich natürlich sofort:“ Ja kann dat dat dann?“ und beginnt vorsichtig mit der Lektüre. Westfalenland ist ja nicht so unbedingt unser Ding. Rehme und Bad Oeynhausen sind reale Orte, deren Unterhaltungswert von uns linksrheinischen ja eher im Bereich einer Rehaklinik für Hüftoperierte eingeordnet werden. Eher finster, unlustig und uninteressant. Kommt wahrscheinlich von den alljährlich im TV zu bewundernden „Karnevalsveranstaltungen“, die weniger Stimmung ins heimische Wohnzimmer transportieren, als jeder durchschnittliche Leichenschmaus im Rheinland.

Spannend wie stimmig

Und dann geht das ganze auch noch mit einer Beerdigung los. Ira Wittekind, eine Journalistin, trifft dort auf ihre Vergangenheit und landet in einer wahren Familiensaga, die ebenso spannend wie stimmig ist.

In der kleinen Stadt Rehme, wo man meint die Welt sei in Ordnung, ja die Zeit sei sogar stehen geblieben hat der Hotelier Richard seine Frau Verena und sich selbst getötet. Ira Wittekind kehrt zur Beerdigung ihrer früheren Freundin an den Ort zurück, in dem sie als Kind gelebt hat. Die Reporterin ist im Rahmen einer Reportage über Polizeiarbeit dabei, als stark verweste Leiche in einer Messiwohnung aufgefunden wird. Und dann ermittelt sie die Zusammenhänge zwischen dem Tod ihrer Freundin, dem Toten in der Wohnung und einem schrecklichen Geschehen in der Vergangenheit.

Ohne Massenmörder und oberschlaue Kommissare

Die Geschichte entwickelt einen Sog, der den Leser ebenso wie die nach und nach ermittelnde Journalistin immer tiefer in die finsteren Geheimnisse der Bewohner des Hofes Eskendor hineinzieht. Da braucht es weder einen irren Massenmörder noch einen oberschlauen Kommissar, hier fließt eine Erzählung. Nichts klingt konstruiert, nichts aufgesetzt. Spätestens ab dem 2. Kapitel kann man nicht mehr aufhören zu verfolgen, wie die Geschichte weitergeht.

Die einzelnen Personen werden so plastisch geschildert, dass man einen in dunklen Farben gehaltenen Krimi vor seinem geistigen Auge sieht. Ruhig, aber in jeder Phase spannend. Psychologisch stimmig. Und sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die Dialoge sind zum Teil in einem knorrigen Dialekt, der einem gleich im Ohr bleibt.

Schnapskonsum und eigenartiger Humor

Nebenbei erfährt man einiges über die Mentalität der Westfalen, ihren Schnapskonsum und ihren durchaus vorhandenen, eigenartigen Humor. Trotz oder gerade wegen des ruhigen Erzählflusses entwickelt sich eine Hochspannung, die einen das Buch nur ungern aus der Hand legen lässt. Irgendwann geht es neben dem was denn nun wirklich passiert ist noch mehr um die Frage, warum es passiert ist bzw. warum es passieren musste. Man beginnt zu zweifeln, ob das offenbar den Westfalen prägende Sprichwort „Schweigen ist Gold“ nicht vielleicht doch gründlich falsch ist, ob es nicht eher die Ursache manchen Unglücks ist.

Als bekennender TV-Krimi-Konsument musste ich in der Vergangenheit manch unstimmigen Krimi gefallen lassen. Unrealistische Polizeiarbeit, unrealistische Geschichten, videoclipähnliche Schnitte. Das ließe sich einfach ändern, wenn ein Produzent einfach diesen Westfalenkrimi machen würde. Ira Wittekind ist eine ermittelnde Journalistin, die ich gerne im TV sehen würde. Und nicht nur einmal. Die Antwort auf die rheinische Eingangsfrage, ob Carla Berling einen Krimi schreiben kann, lautet ohne Wenn und Aber,“ Un dat dat dat kann!“.

Heinrich Schmitz ist Strafverteidiger, Kolumnist und ein viel beachteter Autor des
The European das Debatten-Magazin.

 

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18.11.2013 Na gut mein Sohn.....

Georg Wilhelm von Fürstenberg

Das Internet als Plattform der Begegnung ist vermutlich die innovativste, unfreiwilligste Erfindung des 20 Jahrhunderts. Niemand hätte gedacht, dass diese Plattform, die für den Kontakt von Wissenschaftlern erdacht wurde in der Zukunft zur Informationsbörse, Date-Plattform, Datenautobahn für Unzähliges und Sprachrohr für Jedermann würde.

Die entwickelte Eigendynamik des Mediums macht klar, es war Zeit für die globale Vernetzung. Eine nächste Ebene menschlicher Kommunikationsform. Das ist natürlich nur ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft. Den sowohl die Dummen, als auch die Klugen nutzen das Internet. Das Internet ist demokratisch, anarchisch und noch relativ frei. Abgesehen von einigen staatlichen und privateren Stalking Aktionen, denen man als versierter User vorbeugen kann.

Es hat auch gegenüber der echten Offline Welt einen großen Vorteil. Besonders lästige Nutzer, die klickt man hier einfach weg. Da gibt es vielerlei Wege. Doch versucht mal in der offline Welt da draußen, eure Nachbarn auf die“ignoriert“ Liste zu setzen.

Natürlich ist es so, dass durch die häufige Dominanz der Dummen und der Dummheit viel Gutes und Interessantes verdorben wird. Doch wer gut zu unterscheiden weiß, dem kann das Internet helfen, sich die Welt noch viel intensiver zu erschließen. Wer klug zu trennen weiß, zwischen on und off, besonders auf emotionaler Ebene. Wer versteht, dass hinter den Nullen und Einsen der binären Zahlencodes, deren sich unsere Kommunikationsmaschinen, die PCs, Laptops, Tablets und Handys bedienen, zwar auch Menschen stehen, aber oft hinter einer Maske, der kann mit diesem Medium wunderbar umgehen und in die beiden Welten gut verknüpfen.

Wer diese einfache Regel missachtet, setzt beim Umgang mit dem Medium Internet die Dramen der offline Welt im Internet nur fort. Das ist dumm. Im Laufe der Jahre, die ich nun schon mit dem Internet lebe, das zum Teil auch meinen Lebensunterhalt finanziert, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass online leben erschreckend real sein kann.

Bis vor einiger Zeit lächelte ich noch über online Date's, doch auch da musste ich verstehen, dass es zwar richtig ist wie ich im allgemeinen darüber denke. Es ist eine ziemlich blöde Fleischbeschau, oft Zeit und Geldverschwendung. Viele Fake's und falsche Träume, besonders bei kommerziellen Anbietern.  Doch es ist in seltensten Fällen möglich, im Internet einen Partner kennen und lieben zu lernen, wenn man nicht sucht, sondern sich einfach findet.

Das Internet ist ein Teil unser Lebensrealität und Qualität geworden. Doch frei bin ich nur, solange ich noch offline gehen kann.

Und eins muss ich noch erwähnen, wenn wir uns nicht bequemen den Unterschied zwischen “real life“ und der Internet PC Welt besser zu trennen, werden wir spätestens in einer Generationen unseren Kindern so die Welt erklären müssen.

Sohn
"Papa, wie bin ich auf die Welt gekommen?"

Vater
"Na gut mein Sohn, ... irgendwann müssen wir dieses Gespräch wohl führen. Also, der Papa hat die Mama in einem "chatroom" kennen gelernt. Später haben der Papa und die Mama sich in einem "cyber café" getroffen und auf der Toilette hat die Mama ein paar "downloads" von Papas "memory stick" machen wollen. Als Papa dann fertig für das "uploaden" war, merkten wir plötzlich, dass wir keine "firewall" installiert hatten.

Leider war es schon zu spät, um “cancel" oder "escape" zu drücken, und die Meldung "Wollen Sie wirklich uploaden?" hatten wir in den "Optionen" unter "Einstellungen" schon am Anfang gelöscht. Mamas Virenscanner war schon länger nicht "upgedated" worden und kannte sich mit Papas "Trojaner" nicht so recht aus.
Wir drückten die "Enter" Taste und Mama bekam die Meldung:

"Geschätzte Download-Zeit 9 Monate!"

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