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Reden ist silber...Schreiben ist gold

25.01.2020 Kommentar Westfalen-Blatt

GFDK - Reden ist Silber - Andreas Kolesch

Das war vor fünf Jahren, und ist bis heute so geblieben: Bielefeld (ots) - Im Jahr 2009 wurde bei Christie's in London die »Paris Bar«, ein Gemälde des angesagten Künstlers Martin Kippenberger, versteigert - 2,5 Millionen Pfund.

Die »Paris Bar« stammt aber von dem Plakatmaler Götz Valien, der sie im Auftrag Kippenbergers hinpinselte und dafür - das ist die Pointe - nur 1000 D-Mark kassierte. Aber was heißt hier »hinpinseln«?

Wer legt denn fest, wieviel ein Bild kosten darf? Und wofür brauchen reiche Sammler einen Kunstberater? Wieso konnte Helge Achenbach, dessen Prozess wegen Betrugs Schlagzeilen macht, jahrelang von Klienten jede Summe fordern, bevor er aufflog?

Über den Wert der Kunst wird philosophiert, seit es sie gibt. Ohne dass je belastbare Standards entwickelt worden wären.

»Die Kunst« im Singular gibt es ohnehin erst seit dem 18. Jahrhundert, vorher bewunderte man »die Künste« (Plural) und meinte damit Könner und ihre zumeist technischen Fertigkeiten.

Die sind bei einem Maler wie Valien vorzeigbar, bringen ihm aber bloß vierstellige Summen - von 2,5 Millionen Pfund kann der Tiroler nur träumen. Bei prominenten Künstlern rechnet der Markt allen Ernstes nach der Formel Materialwert mal Bildgröße mal Alter mal X. Dieses X wird gerne als Symbolwert bezeichnet.

Manipulation und Spekulation sind an der Tagesordnung

Marktexperten wie die Berliner Professorin für Kunsttheorie Isabelle Graw sind überzeugt, dass nur eine Handvoll Galerien, Museen und Kunstkritiker Symbolwerte hochjazzt:

»Manipulation und Spekulation sind an der Tagesordnung.« Erst dann betritt der reiche Sammler die Szene - wie der Spieler das Kasino. Mit dem Erwerb von Kunst wettet er auf ihren Bedeutungs- und Wertzuwachs.

Hohe Beraterprovisionen, auch wenn sie, wie man Achenbach vorwirft, gefakt sind, zeugen von dieser Bedeutung. Bei diesem Thema stochern Kunstberater wie Künstler im Nebel.

Achenbach erzählt, er habe in den 90ern einen Gerhard Richter für 180 000 Dollar in die USA verkauft. Kurz darauf war das Bild 15 Millionen wert. »Da wurde klar, dass mein Preis viel zu niedrig gewesen war.« So erwacht die Gier.

Joseph Beuys stellte fest: Kunst = Kapital

Und der »Malerfürst« Markus Lüpertz haut in dieselbe Kerbe, wenn er gesteht, ein Bild für zehn Millionen könne niemand mehr beurteilen: »Sie können dann doch nicht mehr sagen:

Das ist schlecht!« Was teuer ist, ist gut. »Kunst = Kapital« hat Joseph Beuys mal auf einen Zehnmarkschein geschrieben - und damit ein Kunstwerk geschaffen (hätte er »Kunst = Kommerz« geschrieben, die Szene hätte aufgeheult). Tatsächlich horten die großen Sammler heute alle dasselbe: Kiefer. Richter.

Koons. Pollock und ein bisschen Hirst. Warhol. Twombly. Rauch. Gerne auch, wie es Achenbachs Kunde Berthold Albrecht tat, alte Autos. Der New Yorker Kunsthandelsexperte Benjamin Mandel sagt, dass Leute, die Kunst nicht von Statussymbolen unterscheiden können, deswegen über Geld reden. Zur Not eben vor Gericht.

Westfahlen Blatt

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22.01.2020 Wikipedia Gläubige sollten aufpassen

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Aus aktuellen Anlass kommen wir noch einmal auf einen Artikel von Gottfried Böhmer zurück, der schon vor einigen Jahren Manipulationen bei Wikipedia angeprangert hatte. Nun wurde ein neuer Fall bekannt, der für Aufregung sorgte.

Der Wikipedia-Eintrag zu Claas Relotius soll nach einem Bericht über Monate hinweg geschönt worden sein. Bis die Manipulationen aufflogen. Der Wikipedia-Eintrag über den „Spiegel“-Fälscher Claas Relotius ist nach einer Recherche des Schweizer „Tages-Anzeigers“ manipuliert worden.

An den Versuchen, ein alternatives Bild des ehemaligen „Spiegel“-Reporters auf Wikipedia anzufertigen, waren nach der Beschreibung mehrere Autoren beteiligt. Ziel war es wohl, ein alternatives Bild des ehemaligen „Spiegel“-Reporters auf Wikipedia anzufertigen, sprich seine Taten sollten in einem besseren Licht erscheinen.

Nun hat "Welt-Online" am 22. 1.2020 einen weiteren großen Artikel über Manipulationen bei Wikipedia veröffentlicht der die Aussagen von Gottfried Böhmer noch einmal bestätigt. " Wikipedia ist das Universalmedium für alle, die Antworten suchen. Die vermeintlich neutrale Webseite prägt unsere Sicht auf die Welt. Doch die Texte dort sind oft das Werk von Manipulateuren, Aktivisten, Lügnern. Und das Problem wird immer größer."

Das es bei Wikipedia schon seit Jahren nicht mit rechten Dingen zugeht habe ich schon am 30. Oktober 2013 ausfühlich beschrieben. Nun schreibt Jens Berger von den "nachdenkseiten" wie die Wikipedia sich selbst zerstört.

Premärquellen, Relevanz, Blogs

"Für viele Menschen stellt die Wikipedia ein Internetlexikon dar, das über jeden Zweifel erhaben ist. Was in der Wikipedia steht, stimmt auch so. Weit gefehlt. Die Wikipedia mag ja für naturwissenschaftliche Einträge, bei denen es eine vergleichsweise klare Definition von „wahr“ und „falsch“ gibt, in der Tat ein ordentliches Nachschlagewerk sein.

Für das weite Feld der Geisteswissenschaften ist die Wikipedia jedoch leider auch eine Tummelwiese für Schreibtischkrieger, die unter dem Banner der „Neutralität“ dafür kämpfen, ihre eigene weltanschauliche Sichtweise zur „objektiven Wahrheit“ zu machen. Das ist genau so grotesk, wie es sich anhört."

Auf den Punkt gebracht: Primärquellen sind bei Wikipedia verpönt - Und was Zeitungen schreiben ist relevant, was Blogs schreiben irrelevant?

30. Oktober 2013 - Glaube nichts, was Du nicht selbst geschrieben hast. Diesen Leitsatz sollten sie verinnerlichen oder beherzigen. Vor allen Dingen sollten sie nicht alles glauben, was bei Wikipedia steht. Seit 2011 werden immer mehr Fälle von Manipulationen bekannt.

Im Fokus der Aufklärung steht aber nicht die deutsche Wikipedia, sondern vorwiegend englischsprachige Artikel, und das halten wir für einen Fehler. Blauäugig meinte die Sprecherin der deutschen Wikipedia-Stiftung allen Ernstens, die deutsche Wikipedia-Foundation wäre von Manipulationen nicht betroffen.

Am 22. Oktober 2013 teilte die Wikipedia-Foundation mit, dass sie 250 Accounts gesperrt hätte und mit Härte gegen gefälschte Nutzerprofile vorgehen werde, hinter denen keine echten Autoren stehen würden. Sue Gardner (Wikipedia Direktorin) erklärte, dass es mehrere 100 Profile gebe, die gegen Bezahlung Wikipedia Artikel verfassen würden.

Ärgerlich ist, dass Wikipedia so tut, als ob sie alles im Griff hätten. Diesen Eindruck wollen die Wikipedia Verantwortlichen zumindest der Öffentlichkeit vermitteln. Das dem aber in keiner Weise so ist, darauf werde ich gleich kommen.

Wikipedia betont, seit Jahren gebetsmühlenartig, immer wieder, das sie das Onlinelexikon neutral halten wollen. Noch ärgerlicher ist, dass es bei den nun gesperrten Accounts nur um britische Seiten geht, die von einer PR-Agentur namens Wiki-PR betrieben werden. Von deutschen Agenturen oder Autoren war leider keine Rede, dazu später.

Wiki-PR gab auf Anfrage unumwunden zu, dass man bei ihnen „Wikipedia-Autoren“ mieten kann und das sie große Unternehmen vertreten, um in deren Auftrag Organisationen, Produkte etc zu begünstigen. Offiziell wirbt Wiki-PR sogar damit, dass sie 45 Wikipedia-Verfasser und sogar Administratoren mit besonderen Rechten beschäftigen, deren Arbeit der kritischen Überprüfung jederzeit standhalten könnte. Wiki-PR meinte sogar in einer Stellungnahme gegenüber newscom „wir bezahlen 100 weitere Verfasser für ihre Arbeit“.

Das klingt wie Hohn und Spott

Auf Wikipedia kann man lesen, dass sich derartige Manipulationen nicht lohnen würden. Dort heisst es: „Die Möglichkeit, das es einen fachlich gleich höher qualifizierten Wikipedia-Nutzer gibt, der sich den Artikel anschaut, wird von PR Leuten in der Regel verkannt“. Ich halte diese Aussage für vollkommen verblödet.

Weiter heisst es bei Wikipedia: Die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung von Missbrauch ist aufgrund der Wikipedia internen Qualitätsanstrengungen seit Jahren kontinuierlich gestiegen. Darüber läßt sich nur lachen, wenn man bedenkt, dass Wiki-PR seine Dienstleistungen schon seit Jahren ganz fett auf ihren Internetseiten anbietet.

Und jetzt kommen wir zum Thema

Vor exakt 3 Wochen wurde ich von einer IT-Agentur mit Sitz in Wiesbaden angesprochen. Ich sei doch Journalist und ob ich auch für Wikipedia Beiträge schreiben würde. Ich habe das verneint, da ich genug andere Aufgaben hätte. Daraufhin wurde ich erstmal zu einem Kaffee eingeladen, wahrscheinlich um die Stimmung aufzubessern. Ohne lange drumherum zu reden, kam der freundliche Herr zum Thema. Ob ich nicht interessiert sei 10 bis 15.000 € im Monat dazuzuverdienen.

Ich staunte nicht schlecht, was ich denn dafür tun solle. Das wäre ganz einfach, ich sollte nur erstmal 30 bis 40 relevante Artikel zu verschiedenen Themen auf Wikipedia veröffentlichen, so wie etwa 200 Fremdartikel bearbeiten. Da mein Name als Autor für die Gesellschaft Freunde der Künste ja schon lange bekannt sei und es etliche google-Einträge gibt, hätte ich sehr schnell das Vertrauen der Wikipedia Gemeinde.

Sollte heissen, wenn die dich erstmal als Autor akzeptiert haben, schauen die auch nicht mehr so genau hin, was du schreibst oder welche Artikel, links etc du veränderst. Der freundliche Herr meinte weiter, dass er schon ein großes Netz von Journalisten hätte, die für Wikipedia  schreiben, diese würden mich zu gegebener Zeit als Administrator vorschlagen.

Anmerkung der Redaktion:

Administratoren in Wikipedia sind Benutzer, mit besonderen Rechten. Sie können zB Beiträge, links zu Artikeln und auch ganze Seiten löschen. Das Wichtigste ist aber, dass die Administratoren nicht unter Beobachtung stehen und somit bestens in der Lage sind, Artikel gegen Bezahlung zu schreiben oder zu verändern. Das kann natürlich auch jeder normale Benutzer, er muss nur vorsichtiger sein, da er unter Beobachtung steht.

Neugierig gemacht hat mich das schon, also wollte ich mehr erfahren. Wer denn die Kunden seien, fragte ich interessiert. Das seien große und kleine Unternehmen, Organisationen und zunehmend immer mehr auch Privatpersonen. Privatpersonen frage ich erstaunt? Ja, das ist ein großer Markt mit Wachstum, meint mein Gegenüber. Das wären zB Geschäftsführer von Unternehmen, Wissenschaftler, Anwälte, leitende Angestellte in gehobenen Positionen, Ärzte, Musiker, Musiklabels etc.

Also alle Leute, die von öffentlichem Interesse sind, in der Öffentlichkeit arbeiten und ihre Reputation bei Wikipedia verbessern wollen. Das Ganze wäre auch sehr einfach für mich. Um in der ersten Phase nicht aufzufallen, sollte ich erst mal kleine Veränderungen vornehmen, Artikel editieren, Rechtsschreibfehler korrigieren, links zu relevanten Inhalten setzen oder auch Zahlen aktualisieren.

Das Ganze nennt man vertrauensbildende Maßnahmen, die Administratoren würden mich schnell als regen Teilnehmer mit Kompetenz wahrnehmen und wohlwollend meine spätere Bewerbung als Administrator unterstützen. Das Ganze hörte sich wirklich sehr einfach an und nun wollte ich auch wissen, wie das mit der Bezahlung läuft.

Manipulationen bei Wikipedia lohnen sich

Für geschriebene Artikel mit Bewertungen und Verlinkungen zB das kann für ein Unternehmen aber auch für ein Produkt sein, sollte ich zwischen 800 € und 1.200 € bekommen. Bei kleineren Aufträgen, oftmals nur einen Satz ändern, damit er eine andere Bedeutung bekommt, dazu einen Verweis oder link setzen, bringt 350 € bis 500 €. Ich musst zugeben, dass dies leicht verdientes Geld ist und dachte mir noch, dass angesichts der vielen arbeitslosen Journalisten sich bestimmt genug Schreiber finden lassen. Dennoch habe ich mich höflich verabschiedet und für den Kaffee bedankt.

Die Geschichte ging mir aber nicht aus dem Kopf und ich fragte mich, wer hier schon alles manipuliert hat. Dass sich Manipulationen wie Wikipedia verkündet nicht lohnen würden, kann ich nun nicht bestätigen, ganz im Gegenteil.

Manipulationen bei Wikipedia

Im Juni 2011 wurde bekannt, dass Mitarbeit des Projekts Wiki-Watch unter Verwendung von mehreren Benutzernamen Artikel verändert haben, bei den seinerzeitigen Manipulationen ging es weitgehend um die Themenbereiche Homosexualität, Religion und Evangelismus, das wohl ein viel beachtetes Konfliktfeld ist. Im März 2012 wurde ein weiterer prominenter Fall bekannt, der Daimler-Konzern hatte einen unliebsamen Abschnitt mit dem Übertitel „Lobbying“ entfernt. Blöd war nur, dass die Imagekorrektur von einer IP-Adresse vorgenommen wurde, die zum Server von Daimler führte.

Was Daimler und andere damals noch nicht wussten, dass es seit 2007 einen sogenannten Wiki-Scanner gibt, damit kann man über zuvor eingegebene IP-Adressen herausfinden, welche Firmen und Organisationen Einträge verändert haben. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die IP-Adresse tatsächlich zu dem Unternehmen führt.

Der Daimler Konzern soll in der Vergangenheit über 30 Artikel manipuliert haben. Neu ist das auch nicht. 2008 wurde schon in einer Untersuchung festgestellt, dass jeder dritte DAX-Konzern seinen Wikipedia Eintrag manipuliert hatte.

Im September 2012 kam auch noch heraus, dass hochrangige Wikipedia Mitarbeiter (Direktoren der britischen Wikipedia-Foundation) sich fleissig als PR-Berater betätigten und Artikel für ihre Kunden an prominenter Stelle bei Wikipedia platzierten. In einem anderen Fall stellte sich heraus, dass der Wikipedia Mitarbeiter sogar eine eigene PR Agentur betreibt.

2011 kam auch heraus, dass eine PR Agentur ebenfalls mit Sitz in England hunderte von Wikipedia Einträgen umgeschrieben hatte. Die PR Agentur teilte den Reportern des Independent seinerzeit auf Nachfrage mit „man habe ein Team um Wikipedia in Ordnung zu bringen“.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wikipedia in Ordnung bringen.

Festhalten können wir, das Wikipedia an Glaubwürdigkeit verloren hat. Die PR Agenturen lernen täglich hinzu, wie man die Kontrollen und Überprüfungen aushebeln kann. Im November 2012 vermeldete Wikipedia den 1,5 Millionsten Artikel für die deutschsprachige Wikipedia. Wer bitte könnte 1,5 Millionen Artikel 30 Millionen Verweise und Verlinkungen überwachen, wahrscheinlich nur die NSA.

Ich muss zugeben, dass ich meine Schadenfreude nicht ganz verbergen kann. Bei Wikipedia haben sich in der letzten Zeit ganze Benutzergruppen und Administratoren zusammengeschlossen, die sich wie Halbgötter aufspielen und ihnen nicht genehme Artikel, ganze Seiten und links komplett löschen.

Vielleicht sollte ich folgendes noch erklären:

Der ein oder andere wundert sich vielleicht darüber, warum es Unternehmen, Organisationen und Personen so wichtig ist, bei Wikipedia gut auszusehen und warum sie sich das was kosten lassen.

Eines vorweg: Die hierfür aufgewendeten Honorare sind spottbillig, man kann sogar sagen, fast geschenkt. Gehen sie mal ins Internet und suchen nach einer Person, Produkt, Unternehmen, Organisation, Stiftung usw. In fast allen Fällen erscheint auf Seite 1 der google Suche der Wikipedia Eintrag. In vielen Fällen ist es sogar der erste Eintrag unter den Top 10. Wenn der user dort nun lesen kann, wie toll ihr Unternehmen, ihr Produkt, ihre Weltanschauung oder sie selbst sind, haben sie gewonnen.

Wikipedia Gläubige sollten aufpassen

Noch besser, fast alle Journalisten machen ihr Quellenstudium bei Wikipedia und geben die dort vorgefundenen Informationen in ihren Artikeln als eigene Erkenntnis weiter. Besser geht es doch nicht. Um ein deratiges Ergebnis in der Google Suche zu erzielen, müssten sie eine SEO (Suchmaschinen Marketing) Agentur beauftragen. Die Honorare für solche Ergebnisse liegen bei den SEO-Agenturen zwischen 10 bis 100.000 €. Da ist das Honorar für den Schreiberling doch fast umsonst.

Gottfried Böhmer

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21.01.2020 Die Schande Europas

GFDK - Reden ist Silber -Sönke C. Weiss

Das Café Procope in Paris, in dem ich diesen Artikel schreibe, war einst der bevorzugte Treffpunkt junger Revolutionäre.

Hier stellte der damals junge Rechtsanwalt Georges Danton den ersten Botschafter der noch jungen Vereinigten Staaten in Frankreich Benjamin Franklin, Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung mit einer vorangestellten ersten Menschenrechtserklärung, zur Rede:

„Die Welt ist nichts als Ungerechtigkeit und Elend. Hinter eurer Erklärung steht keinerlei Justiz oder Militärgewalt, die Respekt verschaffen könnte.“ Franklin antwortete ihm: „Falsch! Hinter dieser Erklärung steht eine beträchtliche, unvergängliche Macht. Die Macht der Schande.“

Das war um 1776, und heute, fast 250 Jahre später, sollten wir, die Bürger der Europäischen Union, diese Macht der Schande wieder anwenden, politisch, denn der moralische Verfall auf den Europa, nein wir zusteuern, ist fast nicht mehr aufzuhalten.

Genau darum geht es in Jean Zieglers neuem Buch „Die Schande Europas“, das am 20. Januar bei C. Bertelsmann auf Deutsch herausgekommen ist und 15 Euro kostet.

Kurz zum Autor: Jean Ziegler ist Soziologe und war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, von 2009 bis 2019 Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats und ist heute noch immer als dessen Berater tätig.

Also ein Mann mit moralischem Gewicht. Im Mai zurückliegenden Jahres nun besuchte Herr Ziegler das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos und schildert auf 143 erschütternden Seiten seine Begegnungen mit Geflüchteten, die von ihrem Leidensweg berichten, dass einem Seite für Seite der Atem stockt und man sich als EU-Bürger nur noch schämen möchte; in der Tat, nur noch schämen.

Denn die unmenschliche Realität dieser so genannten Hotspots ist bar jeder Vorstellungskraft. Unterdessen hat die EU, immerhin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, die Sicherung ihrer Außengrenzen nicht nur massiv verstärkt, sondern akzeptiert den Tod schutzsuchender Menschen, die von den Institutionen FRONTEX und Europol regelrecht gejagt werden, ohne mit der Wimper zu zucken.

Widerlicher noch: die humanitäre Rhetorik, auch gerne von der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwendet, ist nichts als Kosmetik in Zeiten inhumaner Praxis, wo EU-Mitgliedstaaten, die sich einer humanitären Lösung verweigern, keine Sanktionen zu fürchten brauchen, wie es ihnen die Antrittsrede von der Leyens zwischen des Zeilen versprochen hat.

Kurzum: „Die Schande Europas“ ist für mich bereits heute das wichtigste Buch 2020. Es ist verständlich geschrieben, ohne Polemik, immer sachlich, und haut einen gerade wegen seiner nüchternen Schilderung um, dass man am liebsten aufschreien möchte:

„Warum macht ihr das?“ Oder besser gesagt: „Warum lassen wir das zu?“ Denn es sind wir, die Bürgerinnen und Bürger, die über die Macht der Schande verfügen.

Es ist an uns, etwas zu verändern. Von alleine tut sich nämlich nichts. Danke, Jean Ziegler, für diesen erneuten Weckruf. 

Sönke C. Weiss

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16.01.2020 Männer allein für Ruhm und Ehre

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Der Brite Robert F. Scott und Roald Amundsen aus Norwegen lieferten sich Ende des Jahres 1911 und am Anfang des Jahres 1912 einen Wettlauf zum Südpol. Wer erreichte als Erster den Südpol? Die Entscheidung endete dramatisch.

„Wären wir am Leben geblieben, ich hätte eine Geschichte erzählen müssen von Kühnheit, Ausdauer und vom Mut meiner Gefährten, die das Herz eines jeden Briten gerührt hätte“, schrieb Scott (1868 - 1912) in seinem Polartagebuch, das unter dem Titel „Letzte Fahrt“ in der Edition Erdmann (www.verlagshausroemerweg.de) erschienen ist und den Forscher Scott als Romantiker spiegelt.

„Dichtes Schneegestöber und vom Sturm aufgejagte Schneewehen. Himmel und Erde verschwammen ineinander, nichts war zu sehen. Trotzdem ging es glänzend vorwärts“, heißt es in Amundsens pragmatischen Aufzeichnungen „Die Eroberung des Südpols“, ebenfalls in der Edition Erdmann erhältlich.

Beide Bücher, oder besser gesagt, beide Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie das gleiche Ziel vor Augen hatten. Amundsen (1872 - 1928) hatte sich sein Leben lang akribisch auf diese eine Reise vorbereitet und überließ nichts dem Zufall.

Mit Schlitten und insgesamt 116 Hunden bewegten er und sein Team sich übers ewige Eis; Scott dagegen lehnte Hunde als „unbritisch“ ab und verließ sich auf sibirische Ponys und Motorschlitten, was ihm und seinen Männern zum Verhängnis wurde.

Amundsen erreichte schließlich am 14. Dezember 1911 als erster Mensch den Südpol - nach 2.600 Kilometern in 99 Tagen. Als Scott am 17. Januar 1912 eintraf, fand er ein Zelt vor, auf dem die norwegische Flagge wehte.

Auf dem Rückweg kamen er und seine Männer ums Leben und wurden erst im November 1912 von einem Suchtrupp gefunden. Beide Bücher sind außerordentlich spannend.

Das Ausmaß an Enttäuschung spricht indes aus jeder Zeile am Ende von Scotts Tagebuchs, das er in der Tat bis zu seinem letzten Atemzug führte, während Amundsens Expeditionsbericht nur kurz davon entfernt war, in Dutzende Sprachen übersetzt zu werden und ihn zum berühmtesten Abenteurer seiner Zeit machen sollte.

Während seine Aufzeichnungen eher Beobachtungen sind und einen wissenschaftlichen Charakter haben, sein Bericht ist mit rund 180 Seiten nur etwa halb so lang wie der seines Kontrahenten, haben Scotts Darstellungen auch und gerade einen ästhetischen Wert, denn sie zeichnen in eindringlicher Weise die Autobiographie eines Mannes nach, der mit großem Mut und Willenskraft einem tragischen Schicksal trotzt, was ihn bis heute in seiner Heimat, obwohl er versagt hat, zum Helden macht.

Wenngleich sich beide Männer nie persönlich kennengelernt haben, ihre Biografien werden für alle Ewigkeit miteinander verwoben sein.

Beide Tagebücher sind mit Karten, Fotos und Erläuterungen ergänzt worden und kosten je 24 Euro. Sie spiegeln eine Zeit, als viele Teile der Welt noch unbekannt waren und Männer allein für Ruhm und Ehre ihre Leben aufs Spiel setzten. 

Sönke C. Weiss

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15.01.2020 Gulu ist überall in Afrika

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Meine erste Reise nach Gulu war im Jahr 2003, ein gutes Dutzend weiterer Aufenthalte folgten bis heute; im November 2018 und September 2019 entstand diese Fotoreportage, die aus etwa 150 Aufnahmen besteht und versucht, ein umfassendes Porträt dieser Stadt zu formen und von der ein kleiner Auszug hier zu sehen ist.

Doch wo zum Teufel ist Gulu?

Gulu liegt in Norduganda nahe der Grenze zum Südsudan. Es leben dort rund 150.000 Menschen. Die meisten von ihnen gehören der Volksgruppe der Acholi an. Von 1987 bis 2006 führte die Widerstandsarmee des Herrn, eine militärisch-religiöse Kultbewegung, einen Bürgerkrieg gegen die Zivilbevölkerung, den die Weltöffentlichkeit so gut wie nicht wahrnahm.

Es gab mehr als 100.000 Tote, gut zwei Millionen Menschen wurden zu Binnenflüchtlingen, schätzungsweise 100.000 Kinder wurden als Kindersoldaten mißbraucht, in den letzten Kriegsjahren suchten Nacht für Nacht Zehntausende Jungen und Mädchen aus den Gemeinden rund um Gulu Schutz in der Stadt und wurden so zu sogenannten Nachtpendlern, die ich selbst erlebt habe.

Die Regierung in Kampala sah dem jahrelangen Morden untätig zu, weil politische wie soziale Veränderungen schon immer ihren Anfang in Gulu genommen hatten und die Volksgruppe der Acholi dem heutigen Präsidenten Yoweri Museveni von jeher ein Dorn im Auge war und ist; unter anderem, weil die Mehrheit der Opposition Acholi sind.

So hoffte man denn, dass sich die nun selbst auslöschen würden. Diese Untätigkeit, man hätte den Konflikt auch als passiven Genozid bezeichnen können, hatte in der Tat zur Folge, dass sich die Kultur der Acholi vielfach aufgelöst hat und nicht viel von dem einst stolzen Volk übrig ist.

Die internationale Gemeinschaft, die viel Hilfe versprochen und wenig geliefert hat, die internationalen Hilfswerke, die meist viel zu spät kamen und dann viel zu schnell zum nächsten Konflikt weitergezogen sind, statt beim Aufbau einer neuen Zivilgesellschaft zu helfen, sie alle haben die Acholi mit ihrer posttraumatischen Lebenssituation so gut wie allein gelassen; doch es geht voran in Gulu.

Die Wunden des Krieges heilen langsam, trotz aller Probleme wie Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, häuslicher Gewalt und Armut. Eine neue Generation wächst heran. Sie strahlt Zuversicht, Mut und den Willen zur Eigenständigkeit aus.

Gulu entwickelt sich zu einer vibrierenden Schnittstelle zwischen dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo und eben Uganda. In gewisser Weise ist Gulu für mich archetypisch für Afrika.

Denn trotz aller Schwierigkeiten lieben die Menschen ihre Heimat, die sie nicht verlassen wollen. Auch das möchte ich mit diesem Langzeitprojekt zum Ausdruck bringen. Wo zum Teufel ist Gulu? Gulu ist überall in Afrika.

Sönke C. Weiss

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15.01.2020 „Allein und frei“ von Vivienne de Watteville

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Seit über 20 Jahren bereise ich Afrika, habe dort viele Jahre lang gelebt, Bücher über den Kontinent geschrieben, Filme gemacht und mit Hilfe von Fotos versucht, die Menschen in ihrer Alltäglichkeit einen Augenblick lang festzuhalten.

Ehrlich und mit Respekt. Diese Aufrichtigkeit, die ich mir zur Maxime gesetzt habe, ist mir in einem Buch begegnet, das jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache in der Edition Erdmann (www.verlagshausroemerweg.de) erschienen ist. Der Titel: „Allein und frei“.

Die Autorin: Vivienne de Watteville. Der Inhalt: 1923 bricht Vivienne mit ihrem Vater, einem passionierten Großwildjäger, zu einer anderthalbjährigen Safari nach Kenia, Uganda und dem ehemaligen Belgisch-Kongo auf, an deren Ende dieser von einem Löwen getötet wird.

1928 kehrt Vivienne zurück, dieses Mal ohne Gewehr, aber mit einem Fotoapparat. Denn sie will nicht mehr jagen, sondern dokumentieren, sich mit der Natur und den Tieren versöhnen und über eine Welt berichten, in der der Mensch genauso Teil des Universums ist wie jede Pflanze, jede Kreatur.

In ihrem Tagebuch, das im Druck 301 Seiten lang ist und 22 Euro kostet, bricht sie mit den Verhaltensmustern der Kolonialzeit und liefert ein faszinierendes Werk, in dem jeder Satz wahr klingt und aus der Seele zu kommen scheint: „Der Natur kannst du dich auf zweierlei Weise nähern.

Du kannst bewaffnet und als Feind in den Urwald gehen - oder dich freundlich in etwas hineinbegeben, das nicht nur dir, sondern auch allen anderen Lebewesen gehört. Dazwischen gibt es nichts.“

Viviennes Reise ist ihre schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, der Tod des geliebten Vaters, und gleichzeitig und wichtiger noch eine Abbitte gegenüber den Tieren, die er und sie so hemmungslos gejagt hatten, und dem Kontinent Afrika, den sie nun zum ersten Mal in seiner untrüglichen Pracht begreift.

Wir begegnen einer Frau, die darum ringt, unabhängig zu sein, die lernt, auf eigenen Beinen zu stehen, den heikelsten Situationen mutig zu begegnen und der es allmählich gelingt, ihre Einsamkeit auszuhalten und aus dieser schließlich Bewusstsein und Lebensfreude zu schöpfen, was das Geschilderte, selbst wenn es schon bald 100 Jahre her ist, sehr aktuell wirken läßt, insbesondere in seiner Sprache und Übersetzung von Klaudia Ruschkowksi, die den inneren Ton der Autorin haargenau trifft.

„Allein und frei“ ist ein ungewöhnliches und mutiges Buch, das mir weiß Gott den Atem geraubt hat. Leider ist Vivienne, die 1930 geheiratet und zwei Töchter bekommen hat, 1957 mit nur 57 Jahren viel zu jung an Krebs gestorben.

Ihre Erlebnisse und Eindrücke indes werden ewig leben. Ich wünschte, es gäbe mehr Bücher wie dieses. Vergesst Hemingways Macho-Afrika-Männerphantasien, lest über Vivienne de Wattevilles Rückkehr nach Afrika, ein unvergessliches Erlebnis.

Sönke C. Weiss

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15.01.2020 Die Reisenden von Regine Porter

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

In den USA ist Regina Porter vor allem durch ihre Dramen bekannt geworden, ihr erster Roman wird derzeit groß gefeiert und ist jetzt auch in deutsch mit dem Titel „Die Reisenden“ bei S. Fischer erschienen. Worum es geht:

Wir folgen zwei Familien durch sechs Jahrzehnte US-Geschichte von den 50er- bis hin zu den Obama-Jahren. Die schwarzen Christies und die weißen Vincents, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verschmelzen zu einem einzigen Familienepos, während sie gemeinsam nach Versöhnung suchen, nachdem Agnes Christie von einem weißen Polizisten mißbraucht wird.

Die Autorin, Afroamerikanerin aus den Südstaaten der USA, hat mit ihrem Buch eine aufgeweckte Analyse des heutigen Amerikas im Schatten von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Erniedrigung geschrieben, springt in ihrem Narrativ aber gerne von Zeitfenster zu Zeitfenster, so dass es nicht immer einfach ist, die Charaktere im Blick zu behalten.

(Zum Glück gibt es am Ende des Buches eine Liste der handelnden Personen.)

Nichtsdestotrotz: Porter beeindruckt immer wieder durch die Leidenschaft für ihre Zeitreisenden, den Humor in ihrer Prosa und das Gespür für menschliche Schwächen und menschliches Drama, ohne dabei ins Melodrama abzuschweifen.

„Die Reisenden“ ist ein überaus gelungener Debütroman einer Autorin mit einer wichtigen Stimme, der gleichermaßen geschickt von Tanja Handels aus dem Amerikanischen übersetzt wurde, 375 Seiten hat und 22 Euro kostet.

Sönke C. Weiss

Regina Porter studierte am renommierten Iowa Writer’s Workshop und erhielt mehrere Schreibstipendien. Sie ist eine vielfach ausgezeichnete Theaterautorin, sie arbeitete u.a. mit Playwrights Horizons, New York Stage & Film und The Women’s Project zusammen.

Ihre bisherigen Texte wurden in der Harvard Review veröffentlicht. Porter wurde in Savannah, im US-Bundesstaat Georgia, geboren, und lebt heute in Brooklyn.

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08.01.2020 Redefreiheit

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die Debatte über das "Umweltsau"-Lied des WDR nimmt kein Ende. In einem offenen Brief wird WDR-Intendant Tom Buhrow wegen seiner Entschuldigung für den "Umweltsau"-Song des WDR nun von einer Horde von TV-Autoren angegriffen, die allesamt von den Gebühren der Bürger leben und sich dafür wohl selber feiern. Nun fordern sie sogar seine Entlassung.

Ihre Solidarität gelte den Kollegen und Kolleginnen vom WDR, das ist aber nur vorgetäuscht, denn das Ziel ist der  WDR-Intendant Tom Buhrow, und der soll gehen.

"Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt", so schreiben die über 40 TV-Autorinnen und -Autoren die den Brief unterzeichnet haben. Zu den Unterzeichnenden gehören auch die Autoren von absoluten Qualitässendungen wie Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale", "Dark" oder der "heute Show".

Tom Buhrow hatte sich nach der heftigen Welle von Kritik an dem Song zu Recht entschuldigt, in dem ein Kinderchor vom WDR missbraucht wurde. - " Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau.“

Mit der Entschuldigung hätte er seine Mitarbeiter "aufs Fahrlässigste allein gelassen", so die Autorinnen und Autoren. Für die Schreiberlinge scheint ein Rücktritt Buhrows die logische Folge seines Verhaltens zu sein.

Wörtlich: "Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen."

Großmütter wurden pauschal als Umweltsau diffamiert, und die Kritiker sind laut Definition der Medien nun Demokratiezerstörer und Nazis.

Den Vogel schossen Anja Reschke und "Spiegel Online“-Mitarbeiterin Margarete Stokowski ab.

Don Alphonso schrieb dazu auf "Welt-Online" - Das ist ein Tweet von Anja Reschke, ihres Zeichens Moderatorin der Sendung „Panorama“ der ARD und des „Zapp“-Medienmagazins sowie die Leiterin der Abteilung Innenpolitik im NDR-Fernsehen.

Was sie lobt, ist der Tweet der „Spiegel Online“-Mitarbeiterin Margarete Stokowski, die dort auch schon Gewalttaten implizierende Sprüche wie „Antifa ist Handarbeit“ verbreitet hat. Stokowski verwendet allen Ernstes für den Streit um das Umweltsau-Lied den Begriff „Terror“ und bezeichnet die Kritiker als „Nazis“, und Frau Reschke stimmt diesem Framing begeistert zu.

Soviel zu den Qualitätsjournalisten. Aber der NDR Rundfunkrat hält sich und den Sender für absolut vertrauenswürdig. Donnerwetter und ich sage nur: Anja Reschke, Gottes-Geistes schwache Kinder.

Das ZDF hat den Tweet inzwischen nach der Kritik – oder in Sprachentgleisungsbegriffen von „Spiegel Online“ „Terror von Nazis“ – gelöscht.

Schon vor wenigen Tagen hatte die WDR-Redakteursvertretung behauptet, ihr Intendant Tom Buhrow sei bei dem Streit um das "Umweltsau-Video" den eigenen Mitarbeitern in den Rücken gefallen.

Zum Schluß habe ich ein Zitat von Peter Sloterdijk

Der Philosoph Peter Sloterdijk ," wir haben uns – unter dem Deckmantel der Redefreiheit und der unbehinderten Meinungsäußerung – in einem System der Unterwürfigkeit, besser gesagt: der organisierten sprachlichen und gedanklichen Feigheit eingerichtet, das praktisch das ganze soziale Feld von oben bis unten paralysiert.

Die sogenannte „Öffentlichkeit“, der politisch-publizistische Raum, die Sphäre der vorgesagten und nachgesagten Meinungen ist auf eine Weise durchsterilisiert und homogenisiert, dass man meinen möchte, fast alle, die bei uns öffentlich das Wort nehmen, kämen geradewegs aus dem Desinfektionsbad".

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05.01.2020 Die WDR-Redakteursvertretung

GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Die Rot-Grünen Gesinnungskrieger des WDR greifen nun ihren Intendanten an, weil der sich für die "Umweltsau" entschuldigt hat. Was anderes habe ich von denen auch nicht erwartet, da der Sender für seine Gesinnung bekannt ist.

Was die WDR-Redakteursvertretung unter "Rundfunkfreiheit" versteht, ist einfach erklärt. Alles was links steht ist willkommen, alles was nach bürgerlich klingt, ist rechts. So einfach ist das. Den WDR Redakteuren geht es in erster Linie um ihre Freiheit, die Freiheit der Anderen kann man getrost ignorieren.

Jüngst hat die Instrumentalisierung eines Kinderchors zu Zwecken grüner Agitation und Propaganda für erheblichen Unmut gesorgt („Oma ist eine Umweltsau“ vom WDR-Kinderchor, „Oma ist eine Nazisau“ vom Antifa-affinen WDR-Mitarbeiter Danny H.).

Rot-Grüne Gehirnwäsche

Der Chorleiter des WDR-Kinderchorliedes, Zeljo Davutovic, meinte unverblümt in einem Interview des Deutschlandfunks wörtlich:

„Mir persönlich liegt viel daran, diese Offenheit der Kinder zu nutzen. Den Kindern kann man alles präsentieren, wenn sie jung sind, wenn sie im ersten, zweiten, dritten Schuljahr sind. Das nutzen wir positiv.“ Der Mann ist anscheinend richtig stolz auf seine WDR-Propaganda-Arbeit.

Schon 2012 warnten Maxeiner & Miersch in der “Welt”: Anstatt sie zum selbstständigen und kritischen Denken zu erziehen werden immer mehr Kinder in Deutschland ökologisch indoktriniert. Denn die grüne Wirtschaft braucht Propaganda.

Nun versucht der WDR seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. In der WDR-Sendung Aktuelle-Stunde wird seit Tagen behauptet, der Shitstorm gegen das "Umweltsau-Video" des WDR Kinderchors sei von "Rechten-Blasen inszeniert worden. Von den 40.000 Kommentaren auf der WDR Facebook-Seite ist keine Rede mehr.

Die WDR-Redakteursvertretung behauptet, ihr Intendant Tom Buhrow sei bei dem Streit um das "Umweltsau-Video" den eigenen Mitarbeitern in den Rücken gefallen.


In dem Statement, über das zuerst das Medienmagazin Übermedien berichtet hat, heißt es: "Wir sind - wie sicher viele von Euch - fassungslos. Nee, wir sind fassungslos über eure Gesinnung.

Weiter heißt es: Natürlich nicht über eine Satire, die Geschmackssache sein darf; nein, wir sind fassungslos, dass der Programmchef von WDR2 ein Video mit einem satirischen Kinderlied löschen lässt, und vor allem auch darüber, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u.a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt, statt ihnen in Zeiten inszenierter Empörungswellen gegen den WDR und den ÖRR (öffentlich-rechtlichen Rundfunk) den Rücken zu stärken." Damit, so die Redakteursvertreter, sei die innere Rundfunkfreiheit verletzt worden.

Die Vorgeschichte:

Nun was soll ich dazu noch sagen? Vom WDR habe ich nichts anderes erwartet. Ich schaue täglich die Aktuelle Stunde des WDR, nicht weil ich die Sendung so gut finde, ganz im Gegenteil. Ich schaue mir die Sendung an, um zu verstehen was die Macher des WDR im Schilde führen.

Während der HR (Hessischer Rundfunk) der MDR oder auch der Norddeutsche Rundfunk in ihren Regional- Sendungen vorwiegend über Land und Leute der Region schöne Geschichten bringen, beschäftigt sich der WDR mit der großen Weltpolitik.

2019 waren die Lieblingsthemen des WDR Donald Trump, Boris Johnson und fast täglich und sehr umfangreich die Rechten, die AfD, und Berichte über Rechtsradikale. Mitunter hat man den Eindruck, der WDR sieht hinter jedem Baum einen NAZI.

Auf einen ganz besonderen "Freien Mitarbeiter" des WDR kommen wir später noch zu sprechen. Das neue Lieblingsthema des WDR ist aber nun das Klima und die lieben Kids von Fridays for Future, die täglich in den Himmel gelobt werden.

Umweltsäuige Großmütter?

Zum Jahresende beweist der Sender noch einmal was er für eine Gesinnung hat, und dafür ist ihm auch der Kindesmissbrauch noch Recht. Um den Bürgern ein besseres, nach den Vorstellungen des WDR, besseres Umweltbewustsein einzubleuen, drehte man kurzerhand ein Video mit dem WDR-Kinderchor.

Eine Instrumentalisierung von Kindern und ein "beschämendes" und "ideologisches" Video warfen viele dem WDR vor. 40.000 Kommentare verzeichnete die Facbook-Seite des WDR. "Warum sendet man so eine Unverschämtheit?", schrieb eine Nutzerin empört auf Facebook über das Lied.

Der folgende Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie verkommen große Teile unserer Eliten sind und was sie bezwecken.

Das Video des WDR erinnert an einen Tweet der Umweltschutzbewegung Fridays for Future zu Weihnachten. Darin hieß es: „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“

Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen

Nun mußte ein altes Kinderlied herhalten: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, das vom WDR kurzerhand umgetextet wurde und von Kleinkindern, die nicht mal wissen, was sie da singen, vorgetragen wurde.

Der neue Text geht so: „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau.“ Weiter heißt es: „Meine Oma fährt mit ´nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator.“

Zum Thema Fleischkonsum sangen die Kinder: „Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounterfleisch so gut wie gar nix kostet. Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau.“

Auch  das Reiseverhalten gefällt dem WDR nicht, und so geht es weiter: „Meine Oma fliegt nicht mehr, sie ist geläutert, geläutert, geläutert. Stattdessen macht sie jetzt zehnmal im Jahr ‘ne Kreuzfahrt. Meine Oma ist doch keine Umweltsau.“

Am Ende des Videos sagten die Mädchen mit ernstem Blick in die Kamera: „We will not let you get away with this.“ Auf Deutsch: „Wir werden euch damit nicht davonkommen lassen.“

Kritiker werden attakiert

Dass die Kinder offenbar instrumentalisiert wurden, streitet der WDR aber ab, und beruft sich auf eine Satire. Richtig gut fand das Video Jan Böhmermann, der dazu schrieb:

Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau“, schrieb er. Und in einem weiteren Tweet hieß es: „Ihr kleinen Umweltsäue würdet doch, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Kinderchor alle drei Strophen des "Deutschlandliedes" singen lassen. Und zwar nicht zum Spaß.“

Der freie Mitarbeiter des WDR, der Journalist Danny Hollek, legte noch einmal nach: „Lass mal über die Großeltern reden, von denen, die jetzt sich über #Umweltsau aufregen. Eure Oma war keine Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau

Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) Frank Überall verteidigte den WDR und das Video. Er meinte im „Deutschlandfunk“ die Vorwürfe, dass der WDR Kinder instrumentalisiert habe, „absurd und bösartig“. Wer hier bösartig ist, soll ein jeder mal für sich entscheiden.

Auch das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert den WDR derweil für die Löschung des umstrittenen „Umweltsau“-Videos. „Das ist eine völlig überzogene Reaktion, ausgelöst durch einen Shitstorm im Netz“, sagte Sprecher Uwe Kamp zu Watson. Ich sag mal so: Gott beware uns vor diesem Kinderhilfswerk, bringen sie ihre Kinder in Sicherheit.

Auch der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Unfughilfe, Jürgen Resch, hat sich hinter den WDR gestellt.
"Derzeit werde versucht, die Kinder und Jugendlichen von Fridays for Future zu diskreditieren"meint der Umweltritter.

Denunzieren und Umerziehung

Nur der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki sprach von einer Instrumentalisierung der Kinder. "Dass ein Kinderchor missbraucht wird, um zu denunzieren und Umerziehung zu betreiben", erinnere "fatal an die untergegangene DDR", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Oma war eine Nazisau? Hirnfurz eines Geistesgestörten

Zum Schluß dieser miesen Geschichte noch ein paar Hintergrundinfos zu WDR-Journalist und Antifa-Aktivist Danny Hollek.

Bundesweit sorgt ein Tweet des WDR,-Journalisten Danny Hollek für Empörung, der unsere Großmütter pauschal als "Nazisäue" beleidigt. Viele Parteien und Organisationen fordern - vollkommen zurecht - die sofortige Entlassung.

Was bisher noch keiner weiß: Hollek stammt ursprünglich aus Lünen und war dort in Antifastrukturen aktiv. Nach einem gewalttätigen Überfall auf einen Familienvater auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt gehörte er zu den Tatverdächtigen, gegen die zwischenzeitlich ermittelt wurde.

Er betrieb den linksextremen Blog sechel.it, ehe er nach Düsseldorf verzog und dort als "Journalist" rechte Demonstrationen begleitete. Seit vielen Jahren ist er als "dannytastisch" bei Twitter aktiv, früher nannte er sich dort zudem "Danny Marx". Das sind die Leute, die der WDR beschäftigt.

Auf den Protest antwortete der WDR, der Mitarbeiter habe diese Aussage privat, nicht im Namen des Senders publiziert. Na da können wir ja beruhigt sein oder besser nicht.

Schwache Entschuldigung

Der WDR-Intendant Tom Buhrow meldete sich zu Wort, allerdings klang das nicht nach einer Entschuldigung, und was sein kranker Vater damit zu tun hat, hat sich mir auch nicht erschlossen.

„Das Video mit dem verunglückten Oma-Lied war ein Fehler“, sagte Buhrow. „Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür.“ Er rufe aus dem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Siegburg an, in dem sein 92-jähriger Vater seit Heiligabend sei.

„Er sitzt neben mir, und ich kann sagen: Er ist keine Umweltsau. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet.“ Der WDR wolle Menschen nicht spalten, sondern einen „Beitrag zu einem besseren Klima in unserem Land“ leisten."

"Welt-Online kommentierte das so: "Das Ganze war schon ein unglaublicher Ausrutscher, da heißt die Maus keinen Faden ab, und gewachsen ist diese Kommentarkultur auf dem Humus eines immer mehr von Information wegführenden Sendeauftrags, der auf Erziehung, Belehrung und schließlich schwarzgrüne Propaganda hinausläuft.

Und ja liebe Freunde, für 2020 erwarte ich keine Besserung.

Gottfried Böhmer

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04.01.2020 Träumen von Afrika

GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Wie eine Reisende auf einem Schiff England verläßt, nach Afrika reist, dort zwölf Monate lang durch die heutigen Länder Nigeria, Kamerun und Gabun zieht, der Fachwelt noch gänzlich unbekannte Fischarten entdeckt und Lebensweisen der Einheimischen kennenlernt, das Bild des sogenannten Primitiven revolutioniert, sich gegen Sklavenhandel und für die Rechte der afrikanischen Ureinwohner einsetzt.

All das und noch viel mehr beschreibt Mary-Henrietta Kingsley in ihrem Buch „Reisen in Westafrika“, neu übersetzt von Niels-Arne Münch, das 24 Euro kostet und im Verlagshaus Römerweg (www.verlagshaus-roemerweg.de) in der Edition Erdmann erschienen ist und 480 Seiten umfasst.

Und all das in den Jahren 1894/95, in denen die meisten Frauen noch an Kinder, Kirche und Küche gefesselt waren. Nicht MK. Sie war keine gewöhnliche Reisende. Als ein Krokodil versucht, in ihren Einbaum zu klettern, zieht sie ihm einen Schlag mit dem Paddel über den Kopf.

Während der Regenzeit besteigt sie den 4095 Meter hohen Kamerunberg, was sie zur ersten Frau auf seinem Gipfel macht. Sie stürzt in eine Fallgrube voller spitzer Pfähle, und dank ihrer guten Entscheidung, entgegen dem Rat ihrer Freunde in England, auch in Afrika keine Männerkleidung zu tragen, klettert sie unverletzt wieder raus.

Kurzum: „Reisen in Westafrika“ ist ein ein großer Bericht einer großen Entdeckerin und Abenteuerin, die aber nie auf dicke Männerhose macht, sondern uns schlicht und ergreifend Einblicke in die afrikanische Lebenswelt der Vergangenheit gibt, wozu ich dann folgenden Bildband empfehle:

„Great Escapes Africa“ von Angelika Taschen, erschienen im gleichnamigen Verlag (www.taschen.com), 360 Seiten Umfang.

Marokko. Botswana. Namibia. Südafrika. Uganda. Ruanda. Und viele Länder mehr. Vom ehemaligen Palast eines marokkanischen Paschas über das legendäre Mount Nelson Hotel in Kapstadt bis zu einem mobilen Serengeti Safari Camp, das nur eine Handvoll Zelte hat, führt uns die Autorin zu weiß Gott magischen Orten Afrikas, die aber nicht nur nach Kriterien wie Luxus oder Ambiente ausgewählt wurden, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Ursprünge der Menschheit vermitteln.

Neben den einfühlsamen Beschreibungen und atemberaubenden Fotos liefert das Buch wichtige Informationen wie Wegbeschreibungen, Kontaktdaten und weitere Buchtips mit Ortsbezug.

„Great Escapes Africa“ ist ein wirklich aufwendig wie wohl recherchiertes Buch und für den Preis von 40 Euro hinsichtlich seiner Qualität, Schönheit und Nützlichkeit ein Muß für jeden Träumer.

  1. Insbesondere vor dem Hintergrund der bevorstehenden Kältemonate, in denen jeder Augenblick der Flucht in eine wärmere Welt willkommen ist.

Sönke C. Weiss

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