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06.09.2019 heute mal wieder zwei schöne Bücher

Blackbird ist ganz großes Kino für die Phantasie, und Charles Bukowski kommt mit voller Wucht

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Dass Matthias Brandt ein bemerkenswerter Schauspieler ist, dem widerspricht sicher niemand; dass er darüber hinaus auch schreiben kann, hat der Sohn Willy Brandts - für unsere Leser aus Österreich und der Schweiz:

Willy Brandt war mal deutscher Bundeskanzler - bereits vor drei Jahren mit seinem Erzählband „Raumpatrouille“ bewiesen; jetzt ist sein erster Roman mit dem Titel „Blackbird“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, kostet 22 Euro, ist kurzweilige 275 Seiten lang und katapultiert den Leser zurück in die Zeit, als Bilitis ins Kino kam.

Wäre heute gar nicht mehr möglich mit MeToo, etc. - und dieser absolut schreckliche Song „A Horse with no Name“ alle Mädchenherzen höher schlugen ließ. Kurzer Teaser:

Es geht um den 15-jährigen Morten Schumacher, alias Motte, seinen besten Freund Bogi, der schwer erkrankt ist, ein Mädchen namens Jacqueline Schmiedebach, die sein Leben auf den Kopf stellt und all die Herausforderungen, die man so als Teenager zu bewältigen hat.

Und das reicht schon als Inhalt, auf den es eigentlich gar nicht ankommt, sondern auf die Atmosphäre und Authentizität, die der Autor uns ganz grandios aufs Papier zaubert. „Blackbird“ ist ganz großes Kino für die Phantasie und wird noch viele Generationen erfreuen. Apropos:

Schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos

Das tut der Kult-Autor Charles Bukowski, leider 1994 viel zu früh verstorben, schon seit Anfang der 70er Jahre, obwohl ihn die Universitätseliten bis heute nicht so schätzen, wie er geachtet werden sollte.

In dem neuen Gedichteband „Liebe“ - 252 Seiten, elf Euro, ebenfalls Kiepenheuer & Witsch - schreibt Bukowski schonungslos, maßlos, verwegen, gnadenlos und voller Seele über die Liebe, die manchmal eine Zumutung ist und dann doch wieder das Leben ausmacht.

Ich zitiere: „wach sitze ich im Bett und lausche deinem Schnarchen,getroffen habe ich dich beim Warten auf den Bus,und jetzt bestaun ich deinen Rücken,leichenblass und gesprenkelt,mit Sommersprossen wie von Kindern,und die Lampe legt den unlösbaren Kummer dieser Welt auf deinem Schlaf ab.“

Also wem da nicht die Tränen kommen. Eines noch: Übersetzt hat die Gedichte, die über die Jahre in zahlreichen US-Publikationen erschienen waren, Jan Schönherr, der wirklich ein Gespür fürs amerikanische Englisch hat, sonst würde das Buch nicht so leben. Und das tut’s. Mit voller Wucht.

Sönke C. Weiss

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