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26.08.2019 der Fotograf Helmut Newton

Ein Weltbürger aus Berlin und das Werk eines Ausnahmeverlegers

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Eines Tages im Jahr 1997 erhielt der Fotograf Helmut Newton (1920 - 2004), ursprünglich Helmut Neustädter, Sohn einer wohlhabenden jüdischen Knopffabrikantenfamilie, in Los Angeles einen Anruf des Verlegers Benedikt Taschen, der sich in einem Hotel nur ein paar Minuten entfernt aufhielt und Newton gerne etwas zeigen wollte.

Newton ging hin, um es sich anzusehen, und rief seine Frau June wenig später an: Sie solle alles stehen und liegen lassen und sofort herüberkommen.

Das Werk eines Ausnahmeverlegers und eines Weltbürgers

Sie ging die paar Straßen zum Hotel des Verlegers und fuhr mit dem Lift zu seiner Suite, wo dieser und ihr Mann gespannt darauf warteten, was sie zu einem Projekt sagen würde, aus dem schließlich der SUMO entstand, der bei einer Benefizauktion am 6. April 2000 als teuerstes Buch des 20. Jahrhunderts versteigert wurde: für 620.000 DM.

Ein großartiges Werk, die gewagte Idee eines Ausnahmeverlegers, der das Verlagswesen gründlich aufmischen sollte.

Die Newtons waren vom ersten Moment an in das Projekt verliebt, das bislang nur ein leeres Dummy mit wenigen bedruckten Seiten war; auf einer davon sah man einen Schnappschuss, den Newton von seiner Frau in ihrer gemeinsamen Wohnung im Pariser Marais-Viertel gemacht hatte.

June Newton trug ein Ossie-Clark-Negliegé, und ihr Mann, der stets eine Kamera griffbereit hatte, bat sie, ein bisschen offenherziger zu sein. Um nur ein Beispiel aus Helmut Newton’s monumentalen Kunstbuch SUMO zu nennen. 400 ikonische Fotografien auf 464 Seiten:

Newtons Akt- und Modebilder sowie Portraits, meist entstanden im Auftrag der unterschiedlichsten Zeitschriften, eingeleitet von einem autobiografischen Text. Darin nimmt uns der Künstler mit auf eine Zeitreise, zurück in seine Ausbildungszeit bei Yva in Berlin, später nach Singapur, Australien und Paris, wo Anfang der 1960er-Jahre seine unvergleichliche Karriere als Modefotograf begann.

Zum 20. Jahrestag von SUMO zeigt das Museum für Fotografie (www.helmutnewton.com) in Berlin noch bis zum 10. November 2019 die SUMO-Werke. Parallel dazu hat der Taschen-Verlag (www.taschen.com) SUMO neu zu einem erschwinglichen Preis von 100 Euro neu verlegt, und das in der gewohnten Taschen-Qualität, die Newtons Blick auf die Schönheiten des Lebens gerecht wird.

Ausstellung und Buch empfehle ich sehr, besonders auch vor dem Hintergrund, dass es leider so wenige deutsche oder zumindest deutschstämmige Künstler gibt, die zu Weltstars geworden sind, selbst wenn Alice Schwarzer Newtons Fotos als „sexistisch“, „rassistisch“ und sogar „faschistisch“ bezeichnet hat.

Der Weltbürger Helmut Newton wurde übrigens auf eigenen Wunsch am 2. Juni 2004 in Berlin in einer Urne beigesetzt, nachdem er einige Monate zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. 

Sönke C. Weiss

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