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01.04.2020 Ein archetypisches Schicksal

Grenzüberschreitende Abgründe - Die Praxis der Denunziation

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Ich bin mir nicht sicher, ob sich das folgende Buch für die gegenwärtige Zeit von Corona eignet, wo jeder Augenblick der Leichtigkeit zählt, ich empfehle es trotzdem sehr. Es heißt „So ich noch lebe...“ und ist die Niederschrift einer Suche:

Am 07. Juli 1944 wird der Zollbeamte Hugo Paterno - am 19. Dezember 1896 in Bludenz geboren - in München-Stadelheim hingerichtet und wird so eines der vielen Opfer der im Nationalsozialismus so alltäglichen wie willkürlichen und folgenschweren als auch erbarmungslosen Praxis der Denunziation.

Ein archetypisches Schicksal also, das sein Enkel Wolfgang Paterno auf 300 kurzweiligen Seiten erzählt. Auf seiner Odyssee findet er Neid, Rachelust, Missgunst, Gehässigkeit, Wichtigtuerei und alle anderen menschlichen Abgründen, die man sich nur vorstellen kann.

Die gespiegelten Ungerechtigkeiten in „So ich noch lebe...“ machen wütend, am Ende war ich indes froh, es bis dahin gelesen zu haben, weil es dem Autor gelingt, die weißen Flecken und Leerstellen einer Existenz endlich mit Leben und Respekt zu füllen.

Was das Buch nicht ist: eine Abrechnung oder gar historische Abenteuergeschichte, wo ein guter Held gegen die bösen Nazis kämpft und gewinnt.

Was es dagegen sehr wohl zeigt: wie gewöhnlich und gesellschaftlich akzeptiert die Barbarei dieser Epoche war. „So ich noch lebe...“ spielt grenzüberschreitend - Deutschland, Österreich und in der Schweiz - ist im Haymon Verlag (www.haymonverlag.at) erschienen und kostet 24,90 Euro.

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