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19.08.2018 Die Sprache ist ein Geschenk

Nur 100 Wörter - Mundtot, das möchte niemand von uns sein

von: GFDK - Reden ist Silber - Teresa Pütz

Liebe Leserin, lieber Leser,
wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir die Sprache verlieren? Diese Frage bewegte die amerikanische Linguistin Christina Dalcher so sehr, dass sie einen Roman darüber schrieb.

"Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus

In "Vox" wird in einem Amerika der nahen Zukunft allen Frauen und Mädchen ein Tageslimit von 100 Wörtern verhängt. Wenn Sie wissen, dass der Durchschnittsmensch tagtäglich ungefähr 16.000 Wörter äußert, sind 100 Wörter … nichts.

Wie will man sich mit so wenigen Wörtern Gehör verschaffen? Wie kann man sein Leben führen, für seine Rechte einstehen, für seine Träume kämpfen, wenn einem die Stimme genommen wird?

Im Verlag hat Dalchers Debüt niemanden zum Verstummen gebracht, wir konnten gar nicht aufhören, mit den Kollegen und Freunden darüber zu sprechen. Wir sind uns einig, diese erschreckende Dystopie trifft vor dem Hintergrund des aktuellen politischen Klimas einen Nerv. Mundtot, das möchte niemand von uns sein.

Die Sprache ist ein Geschenk

So wünsche ich mir, dass Sie "Vox" als Warnruf gegen eine Politik des Fanatismus und der Unterdrückung lesen, aber auch als Gedankenspiel, das Ihnen das Geschenk der Sprache vor Augen führt, dieses erstaunlich komplexe Vermögen, das wir so oft als selbstverständlich betrachten – und das uns zu Menschen macht.

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz.

Das ist der Anfang.

Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.

Aber das ist nicht das Ende.

Mit herzlichen Grüßen,
Teresa Pütz
Lektorin für Internationale Literatur bei S. Fischer

Christina Dalcher pendelt zwischen den Südstaaten und Neapel. Die gebürtige Amerikanerin, zu deren Helden Stephen King und Carl Sagan zählen, promovierte an der Georgetown University in Theoretischer Linguistik und forschte über Sprache und Sprachverlust.

Ihre Kurzgeschichten und Flash Fiction erschienen weltweit in Magazinen und Zeitschriften, u.a. wurde sie für den Pushcart Prize nominiert. "Vox" ist ihr Debütroman.

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