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16.11.2019 Roald Amundsen der erste Mensch am Südpol

Roald Amundsen, ein ungewöhnlicher Held und Weltstar

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Am 14. Dezember 1911 erreichte der Polarforscher Roald Amundsen als erster Mensch den geografischen Südpol und gewann die Jagd nach diesem Triumph gegen seinen Rivalen, dem Engländer Robert Falcon Scott, der bei seiner Reise ums Leben kam, wie sein Team übrigens auch, weil der Norweger einfach besser vorbereitet war. Amundsen wurde zum Weltstar.

17 Jahre später, am 18. Juni 1928, machte er sich auf den Weg, um den italienischen Polarforscher Umberto Nobile zu retten, der mit seinem Luftschiff bei der Rückkehr vom Nordpol abgestürzt war und verschwand spurlos.

Davon handelt das Buch „Amundsens letzte Reise“, das die norwegische Polarforscherin und Schriftstellerin Monica Kristensen 2017 geschrieben hat und was es jetzt erstmals in deutscher Übersetzung von Christel Hildebrandt im btb Verlag für 22 Euro gibt.

Basierend auf bis zum Teil bisher unveröffentlichten Quellen beschreibt die Autorin die letzten Tage und Stunden vor dem Verschwinden Amundsens und stellt immer wieder Frage, wie es sein konnte, dass so ein besonnener wie gründlicher Mann einen solch fatalen Fehler machte, der ihm und seinen Männern das Leben kostete.

Leider bleibt die Autorin in ihren Darstellungen auf der Sachbuchebene. Wenig finden wir über den Menschen Amundsen heraus, auch geht sie in keiner Weise auf die Karriere dieses ungewöhnlichen Mannes ein, den in Norwegen vermutlich jedes Kind kennt, weltweit man ihn indes dechiffrieren muß, so komplex war sein Charakter.

Ich hatte das Privileg, die Rolle des Amundsen Anfang der 90er Jahre in dem Theaterstück „Terra Nova“ von Ted Tally spielen zu dürfen; vermutlich gefiel dem Regisseur mein norddeutscher Akzent, der dem norwegischen wohl ähnlich klang. Zur Vorbereitung habe ich Amundsens Südpoltagebücher gelesen und alles, was über ihn bis dato geschrieben worden war.

Von daher hatte ich bei „Amundsens letzter Reise“ einen Heimvorteil, ohne den das Buch streckenweise eher Fachliteratur gleicht. Schade, haben wir es hier doch mit einem Helden zu tun, wie er sicher nur alle hundert Jahre geboren wird. Nichtsdestotrotz, wer sich für die Polarforschung interessiert, der wird hier wohl bedient.

Anderen empfehle ich den Film „Das rote Zelt“ von Michail Kalatosow von 1969 mit Hardy Krüger, der Amundsens Suche nach Umberto Nobile dramatisiert. Absolut sehenswert.

Sönke C. Weiss

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