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21.10.2019 Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse

Sebastiao Salgado, seine Sprache ist das Licht - Mit Leidenschaft und Tränen in den Augen

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Fünf Tage. 302.267 Besucher. 7.450 Aussteller aus 104 Ländern. Das sind die nüchternen Zahlen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die wegen ihres Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels etwas ganz Neues spiegelte, denn gewöhnlich: sichtbare Menschlichkeit und Liebe. Und das ein Bild in der Tat mehr als 1000 Worte sagen kann.

Denn Literaten wie Literaturliebhaber sind ja meist ein wenig spröde und eher sparsam, wenn es darum geht, Gefühle zu zeigen. Der Kopf scheint immer im Vordergrund zu stehen, der Intellekt. Besonders bei den Deutschen.

Güte und Wärme. Licht und Zorn

Ganz anders demonstrierte es Sebastiao Salgado, der gestern den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche entgegengenommen hat. Als erster Fotograf überhaupt. Ein Mann, der gelebten Humanismus ausstrahlt, Güte und Wärme, aber auch Melancholie und das Wissen um das, wozu Menschen fähig sind in ihrem Zorn.

Der Journalist und Buchautor Sönke Weiss hat für die Gesellschaft Freunde der Künste Sebastiao Salgado auf der Buchmesse gleich mehrfach getroffen. „Meine Sprache ist das Licht,“ sagte Salgado. „Ich zeige Schönheit, aber lasse das Licht auch auf die Ungerechtigkeiten auf unserem Planeten scheinen.“

Salgado wurde 1944 in Brasilien geboren, mußte 1969 mit seiner Frau Lélia, die bis heute seine Bücher konzipiert, vor der Militärdiktatur seines Landes nach Paris ins Exil fliehen, und arbeitet seit Beginn der 70er Jahre als Fotograf. Mehr als 120 Länder hat Salgado für seine Sozialreportagen bereist, immer wieder monatelang mit indigenen Völkern gelebt und der Welt das oftmals Unsichtbare sichtbar gemacht.

Sozialreportagen über die Abgründe der Menschheit

Dabei hat er auch in die Abgründe der Menschheit geblickt; der Völkermord in Ruanda 1994 hat ihn fast gebrochen, heute fotografiert Salgado fast ausschließlich Natur, wie sein Buch „Genesis“ spiegelt. „Durch seine Fotografien fördert Salgado soziale Gerechtigkeit und Frieden und verleiht der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit“, sagte der Chef des Deutschen Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, in seiner Laudatio am Sonntag.

Mit Leidenschaft und oftmals Tränen in den Augen widmete Salgado den Preis all denen, die ihn immer wieder in ihre Leben ließen. Die Arbeiter, die Armen und Gebrochenen, vor allem die Ureinwohner Brasiliens, deren Existenz durch Gier seitens der Regierung gefährdet sei und wo sich Salgado heute dem Naturschutz widme.

2021 erscheint ein neues Werk von Sebastiao Salgado

Bis heute hätten er und seine Mitstreiter mehr als 2,5 Millionen Bäume gepflanzt und wirkten so dem Naturraub entgegen. So sei es auch schwierig gewesen, ihn zu erreichen, als man ihm von dem Preis berichten wollte. Salgado war irgendwo in Amazonien unterwegs, wo er sein neues Werk fotografiert, was 2021 erscheinen soll.

Mit 75 Jahren ist Salgado noch immer unermüdlich und gibt all seine Kraft unserem Planeten: „Ohne meine Frau wäre all dies nicht möglich gewesen; es ist unser Leben, nicht nur meines. Ich bin glücklich, dass ich seit über 50 Jahren mit der schönsten Frau der Welt verheiratet bin. Dieser Preis gehört ihr genauso wie mir.“

Soviel Liebe und Wärme

Bei diesen Worten hätte man eine Stecknadel auf den Boden fallen hören, soviel Liebe und Wärme gab‘s bei dieser speziellen Preisverleihung sicher noch nie. Über den Taschen Verlag (www.taschen.com) sind Salgados Bücher erhältlich.

Neben diesem wahrhaftig großartigen Höhepunkt ging es auf der Messe vor allem um Nord-Literatur, Norwegen war das Gastland, über die wir unter anderem in den kommenden Wochen weiter berichten werden. Es sind wirklich grandiose Bücher für die Wintermonate dabei. Bemerkenswert noch war indes, dass sich so viele junge Menschen noch immer oder wieder für Literatur begeistern.

Besonders am Wochenende schien das Durchschnittsalter zwischen 16 und 20 zu sein. Grandios. Überhaupt gab es in diesem Jahr einen Besucherzuwachs von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Was aber auch zur Folge hatte, dass die Bewegungsfreiheit auf der Messe recht eingeschränkt war. Lange Fußwege zwischen den Hallen, nicht alle zwölf Hallen waren belegt, sondern nur sechs, vielleicht sollte die Messeleitung im kommenden Jahr auch die andern öffnen, und eine mangelhafte Beschilderung, besonders hinsichtlich der Parkmöglichkeit, lassen bei der Planung und Umsetzung Raum für Verbesserung.

Und: Dass die Causa Handke und der Literaturnobelpreis das prominenteste Gesprächsthema war, beziehungsweise die Polarisierung der Person, lasse ich mal kommentarlos, darüber werden sich die Geister, die sich gerne zurufen, sicher weiterhin streiten. Ich bin gespannt auf Leipzig im kommenden Jahr...

Sönke C. Weiss

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