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22.01.2019 Bier trinkend in Trainingsanzügen

Tatort - Mobbing gegen Dortmund und seinen Bewohnern

von: GFDK - Reden ist Silber - Gottfried Böhmer

Der ehemalige Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dirk Elbers, hat ja mal gesagt, im Ruhrgebiet möchte er nicht tot über dem Zaun hängen. Na gut, die Wahl hat er danach verloren. Mit den Klischees und den Schubladen ist das so eine Sache.

Dass Dortmund nicht gerade zu den schönsten Städten in Deutschland zählt, sei mal dahingestellt, dass jemand, der in Heidelberg oder in Garmisch wohnt, nicht nach Dortmund will, dürfte gesichert sein.

Zum Ruhrgebiet fällt mir noch folgendes ein: Ich war einmal für sechs Monate in Kettwig an der Ruhr, ein wirklich sehr schöner Ort nahe Düsseldorf. Die Einwohner der "Stadt Kettwig" sind bis auf den heutigen Tag sauer, dass sie gegen ihren Willen, am 1. Januar 1975, zu Essen eingemeindet wurden.

Mit dieser Stadt wollen sie nichts zu tun haben. Die Bürger von Kettwig leisteten damals massiven Widerstand  gegen diese Eingemeindung. Am meisten wurmt es die Kettwiger heute noch, dass ihre Autos nun nicht mehr das Düsseldorfer Nummerschild tragen, sondern nun das verhasste Esserner. Soviel zum Ruhrgebiet.

Eine plumpe Darstellung von Dortmund und seinen Bürgern

Der ARD Tatort ist normalerweise für die Städte, in denen diese gedreht werden, eine willkommene und  kostenlose Werbung, über die sich jeder Stadkämmerer freut. Nicht so der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Der ist stinksauer und will keine einzige Tatortfolge mehr aus seiner Stadt.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat die jüngste "Tatort"-Ausgabe "Zorn" als klischeehaft und als "Mobbing" gegenüber Stadt und Bewohnern kritisiert. In einem Brief an WDR-Intendanten Tom Buhrow schrieb der SPD-Politiker, auch ein Krimi-Drehbuch müsse "ein Mindestmaß an Bezug zur Realität vorweisen".

Bier trinkend in Trainingsanzügen

Aber: "Es ist eine plumpe Darstellung ohne jedwede regionalen Kenntnisse." Eine Sprecherin vom WDR bestätigte am Dienstag den Eingang des Schreibens, dass die Stadt am Vorabend auch an die Medien verschickt hatte.

Der WDR wollte eine Stellungnahme prüfen. Sierau monierte, über die Handlungsorte Dortmund und Marl und die gesamte Region sei ein nicht zutreffendes Bild vermittelt worden. Der Strukturwandel werde ausgeblendet.

"Die Macher dieser Folge geben die Menschen einer Region der Lächerlichkeit preis, indem sie diese Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen lassen." Der WDR disqualifiziere auch "sich selbst als produzierender Sender". Gedreht worden sei der Film zudem in Duisburg, so der erboste Oberbürgermeister.

Die Reaktion des WDR lautet so:

Der WDR zeigt in seinen vielen Dortmunder Tatort-Folgen ein vielschichtiges Bild der Stadt, etwa durch diverse Milieus und Drehorte wie den Phoenixsee, den Westfalenpark oder das Dortmunder "U".

Der Tatort ist Fiktion - aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt. Dadurch können einzelne Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von anderen als realitätsnahe Darstellungen. Das polarisiert, löst Debatten aus - das ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern bereichernd. Die Publikumsreaktionen auf die Tatorte aus Dortmund sind im Übrigen überwiegend positiv, bei den letzten öffentlichen Vorführungen in Dortmund gab es sehr viel Applaus. 

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