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30.09.2019 Zum Staunen einzigartig

The Polaroid Diaries, ein Familienalbum der McCartneys von Linda McCartney

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Die frühen 70er Jahre. In der Küche geht es hoch her. Paul tanzt. Tochter Mary, damals etwa drei, reitet auf seinen Schultern. Die holzgetäfelte Wand hinter ihnen ist kunterbunt mit Bildern und Postkarten dekoriert. Linda ist auf dem Posten, um zu tun, was sie tut.

Nämlich dem Geschehen seinen Lauf lassen, ohne die Szene arrangieren zu wollen, um dann, so beiläufig, wie man blinzelt, ein Foto zu machen, das die Porträtierten in aller Unbefangenheit und Lebendigkeit zeigt.

Ein intimes Buch über die  Künstlerin Linda McCartney

Die Rede ist natürlich von Linda McCartney, die ja nicht nur die Ehefrau des damaligen Beatles Paul war, sondern auch eine außergewöhnliche Künstlerin, Fotografin eben. In ihrem Buch „The Polaroid Diaries“, aktuell bei Taschen (www.taschen.com) für 40 Euro (CHF 55,00) erschienen, zeigt der Herausgeber, sie selbst ist leider bereits 1998 mit nur 47 Jahren an Krebs gestorben, auf 232 Seiten ihre scheinbar beiläufig aufgenommen Sofortbilder, die in der Tat ein bleibendes Zeugnis ihres Schaffens darstellen.

Ehe Linda McCartney begann, Bilder zu machen, lernte sie erst einmal, diese zu betrachten; sie studierte Kunstgeschichte an der Universität von Arizona und war als Fotografin Autodidaktin.

Ihre Arbeit als professionelle Fotografin nahm sie in den späten 60er Jahren auf, zu einer Zeit, als die Fotografie sich gerade von den dokumentarischen Bildwelten löste.

Für Zeitschriften wie den Rolling Stone und Town & Country fotografierte Linda McCartney die jungen, neuen Idole des Jahrzehnts: die Beatles, die Stones, Jimi und Janis.

Die Sofortbildfotografie bot ihr schließlich eine neue Gelegenheit, die Grenzen des Mediums auszuloten, was ihr gelungen ist. „The Polaroid Diaries“, quasi ein Familienalbum der McCartneys mit einigen besonderen Gästen, zeugt davon.

Vielleicht werden diese Bilder in der Zukunft verblassen, so wie es die Erinnerung tut. Doch selbst wenn diese Farben ausbleichen sollten: Was bleiben wird, ist Linda McCartneys emphatische Kraft.

Ihre Fähigkeit, als Künstlerin über sich selbst hinauszugehen, den Weg einem anderen Menschen zu finden und, wie der Kunsthistoriker Ekow Eshun so treffend schreibt:

„ihn, den Menschen, von seiner privaten Seite zu zeigen, verletzlich, unvollkommen und gerade deshalb zum Staunen einzigartig.“ Ein ganz, ganz tolles, wie intimes Buch dieser Künstlerin.

Sönke C. Weiss

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