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07.04.2020 Mit Worten. Im Widerstand

Von Katastrophe zu Katastrophe - Überleben am Rande des Abgrunds

von: GFDK - Reden ist Silber - Sönke C. Weiss

Vor 75 Jahren wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer von den Nazis ermordet. Weil er gegen Hitler kämpfte. Mit Worten. Im Widerstand. Wie nur wenige Geistliche vor ihm oder mit ihm. Sinnlos:

Obwohl Bonhoeffer während einer Vortragsreise in den USA dort hätte bleiben können, ging er als überzeugter Demokrat zurück nach Deutschland, weil er an seine Landsleute glaubte.

Erst 1996 wurde Bonhoeffer vom Landgericht Berlin rehabilitiert. In seinem Buch „Lieber Dietrich... Dein Jürgen“, jetzt im Gütersloher Verlagshaus (www.gtvh.de) erschienen, führt der Journalist, Autor und Liedermacher Jürgen Werth einen fiktiven Dialog mit Bonhoeffer.

Er antwortet auf dessen Briefe aus dem Gefängnis und führt uns so in eine Welt, in der es immer wieder ums Überleben am Rande Abgrunds geht, sei es körperlich, seelisch oder spirituell. Bonhoeffers Denken ist unerwartet aktuell und paßt vielleicht gerade jetzt mehr denn je in unsere durch Corona verlangsamte Zeit.

Der frei erfundene Briefwechsel ist kurzweilig und anregend. „Lieber Dietrich... Dein Jürgen“ hat 192 Seiten und kostet 18 Euro.

Auch immer wieder an den Rand einer Katastrophe führt uns die dafür berühmte (oder berüchtigte) Autorin Sibylle Berg in ihren Gesprächen mit denen, die es angeblich wissen, Sonderlinge nämlich.

So auch der Titel ihren jüngsten Buches: „Nerds retten die Welt“, das bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen ist und 22 Euro kostet.

Auf 336 Seiten spricht Frau Berg mit 17 Superintellektuellen wie Neuropsychologen, Astrophysikern, Systemtheoretikern, etc.

Ihre erste Frage lautet durchgehend: „Haben Sie sich heute schon um den Zustand der Welt gesorgt?“ Die Befragten stellen in der Regel klar: Ja, was sonst!

Es geht um einen neu aufkeimenden Faschismus, schmelzende Gletscher, einer Politik des Spaltens und um Parolen, mit denen Herrschende heute leiten und lenken.

Jeder Dialog für sich ist interessant und unterhaltsam zugleich, in der Masse indes zermürbend, weil immer wieder ähnlich. Sisyphos läßt grüßen. Berg-Fans kommen dabei sicher auf ihre Kosten, transportiert das Buch doch ihren ganz persönlichen Ton.

Als nichteingeweihter Leser bin ich mir aber nie sicher: Meint die Autorin das ernst oder will sie mich nur verarschen? „Nerds retten die Welt“ ist übrigens ein Nachdruck aus dem Schweizer Online-Magazin REPUBLIK (www.republik.ch), das mit „unabhängigen Journalismus ohne Bullshit“ wirbt. Probe lesen lohnt sich.

Sönke C. Weiss

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