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Künstler mit besonderen Leistungen auf GFDK

08.04.2017 VIVA LA VIDA – Es lebe das Leben - was für ein Leben?

Gottfried Böhmer

VIVA LA VIDA – Es lebe das Leben - was für ein Leben? Was hat diese Frau so berühmt gemacht? Wie wurde sie zur Ikone, zum Mythos?

War es wirklich die Künstlerin, über die André Breton schrieb, „ihre Kunst ist wie ein farbiges Band, um eine Bombe“ oder Picasso, der an ihren berühmten Mann Diego Rivera schrieb, „weder Derain, noch Du oder ich, keiner von uns kann einen Kopf so malen wie Frida Kahlo.“

Kristin Dembny, die aus Dresden stammende Künstlerin und diesjährige Preisträgerin des Kaiserswerther Kunstpreises, meint die Malerin Frida Kahlo reiche nicht zum Mythos.

Dazu hätten die gerade mal 200 Werke, die sie malte und nur 3 Ausstellungen nicht gereicht. Das ihre Bilder nach ihrem Tod von der mexikanischen Regierung offiziell zum „nationalen Kulturgut" erklärt wurden, ist auch keine Erklärung für den Mythos.

Auch ist der wesentliche Teil ihrer Bilder im Privatbesitz und somit dem Publikum unbekannt. Die Künstlerin war bis zu ihrem frühen Tod nur einer kleinen Szene bekannt.

Noch vor ihrer ersten Ausstellung in New York bei dem berühmten Galeristen Julian Levy, meinte Frida Kahlo: „Es gibt höchstens vier oder fünf Leute, die meine Bilder gut finden, alle anderen halten sie für verrückt.“

Auch rückte die Malerin ihre Bilder bewusst ins Reich des „hübschen und reizvoll exotischen“, um ernstzunehmender Kritik oder Konkurrenz zu entgehen, wenn man der Biographie von Hayden Herrera Glauben schenkt.

Wollte sie wirklich als bezaubernde Person wirken statt als Malerin beurteilt zu werden?

Erst jüngst fand in Hamburg eine Ausstellung statt, die der Künstlerin zu ihrem Recht verhelfen sollte und es werden mal wieder die alten Plattetüden wie die Schmerzensmalerin verwendet.

Eventuell liegt der Schlüssel für ihre spätere Popularität in der Aussage von Diego Rivera, der nach ihrem Tod folgendes schrieb: „Frida ist die erste Frau, in der Geschichte der Kunst, die mit absoluter und schonungsloser Aufrichtigkeit die allgemeinen und besonderen Themen behandelt, die ausschließlich Frauen betreffen."

Das könnte „die Geburt des Phänomens Frida Kahlo sein“. Was nun folgte, ist nicht erklärbar, nicht voraussehbar.

In den 70er Jahren wurde Frida Kahlo zum Symbol der Frauenbewegung und der Frauenemanzipation. In schneller Folge erschienen Biographien und unzählige Publikationen sowie Ausstellungen der wenig verfügbaren Werke. Auch Hollywood machte keinen Halt mehr vor Frida Kahlo. Insgesamt wurde ihr Leben viermal verfilmt.

Weltweit bekannt machte sie erst der in 2002 erschienene Film mit Salma Hayek in der Hauptrolle. Da der Film sich fast ausschließlich mit ihrer Ehe und die ständig wechselnden Liebschaften ihres Mannes Diego Rivera beschäftigt, bleibt das Phänomen Frida Kahlo weiter unbeantwortet.

Ein weiterer Ansatz für den Mythos der Kahlo könnte folgender sein: auf den Punkt gebracht, „ein Künstler, der nicht leidet hat den Ruhm nicht verdient“.

Oskar Wilde musste erst ins Gefängnis und mit 46 Jahren sterben, um den Ruhm zu erlangen. Die vermeintliche Armut und das abgeschnittene Ohr machten Van Gogh bei einer breiten Öffentlichkeit berühmt. In der Literatur und Kunstgeschichte gibt es unzählige Beispiele für derartige Karrieren, die erst nach dem Tod postum begannen.


Frida Kahlo legte aber noch einiges oben drauf. Ihr einmaliges Künstlerschicksal, dass sie zum großen Teil mit inszenierte, in dem sie in vielen ihrer Bilder die Tragik ihres Lebens darstellte, bewegte das Publikum und machte sie zu einer beispiellosen Kultfigur.

VIVA LA VIDA – was für ein Leben!

Die Künstlerin Kristin Dembny sieht den Schlüssel für die Popularität und den Mythos der Kahlo aus ihrer ganz eigenen Sicht. Der Ansatz ihres Werkes lässt das vorher beschriebene vollkommen außer acht, nur in 2 Werken ihres Zyklus Frida – VIVA LA VIDA - geht Dembny subtil darauf ein.

So zum Beispiel in dem Werk VIVA LA VIDA. Eine Woche vor ihrem Tod malte Frida Kahlo ihr letztes Bild, ein Stillleben. Sie tauchte den Pinsel in blutrote Farbe und schrieb ihren letzten Gruß an das Leben, darunter VIVA LA VIDA.

Kristin Dembny greift dies auf, in dem sie Frida mit dem Tod tanzen lässt, so wie auch ihr Leben ein großer, berauschender Tanz war.

Auch beschäftigt sich Kristin Dembny mit der exotischen und betörenden Schönheit der Malerin, die gerade auf die Amerikaner und vor allem auf die Europäer nicht ohne Wirkung blieb.

Ihre großen Auftritte in landestypischer Tracht und blumenverzierten Flechtfrisuren in New York und Paris waren beeindruckend und sorgten für Gesprächsstoff.

Aber viel mehr noch sind es die Menschen, ihre Freunde, ihre lebenslangen Freundschaften zu fast allen Berühmtheiten ihrer Zeit, worin Kristin Dembny den Schlüssel ihres Mythos sieht.

Ihre heimliche Liebschaft zu Heinz Berggruen, mit dem sie quasi inkognito in getrennt fahrenden Zügen nach New York reiste und sich ins Hotel Barbizon-Plaza einquartierte. Oder ihre gespaltene Beziehung zu Leo Trotzki alias David Bronstein, den sie erst verehrte, dann zu ihrem Liebhaber machte und sich später von ihm distanzierte.

In dem Gemälde  Nr. 2 „Taube und Elefant“ geht Kristin Dembny auf einen Brief von Frida Kahlo ein. Zu der bevorstehenden Hochzeit mit Diego Rivera, meinten die Eltern:

“Es wäre wie die Hochzeit zwischen einem Elefanten und einer Taube.“ Bei Dembny wird aus dem „vollgefressenen Kommunisten“ ein Buddha mit Bet-Kette und den Insignien des Kommunismus „Hammer und Sichel.“

In dem Porträt mit Leo Trotzki stellt sich Dembny die Frage, wer wohl der größere Revolutionär ihrer Zeit war, die zierliche, emanzipierte, weltgewandte Frida oder der zum Cafehaus-Revolutionär heruntergekommene Trotzki.

In ihrem Werkzyklus zu Frida Kahlo geht Kristin Dembny nicht auf die Aussagen, Begründungen und Vermutungen ihrer zahlreichen Biografen und Zeitgenossen ein. Biografen treten nun mal erst auf den Plan, wenn die Schlüsselfigur schon das Zeitliche gesegnet hat. Oftmals entstehen so Zerrbilder, die leicht zur Verklärung führen.

Kristin Dembny konzentriert sich in ihrem Werk auf den privaten Briefwechsel, den die Kahlo zu ihren zahlreichen Freunden und Liebhabern unterhielt. Da wo sie nichts findet, lässt sie ihrer Phantasie freien Raum. So wie im Gemälde Nr. 6 „Agreement“, wo sie die Liebhaberinnen ihres Mannes, Pita Amor und Maria Felix zu ihren Verbündeten macht.

Der gesamte Werkzyklus umfasst cirka 30 Arbeiten, von denen mehr als die Hälfte zum diesjährigen Kaiserswerther Kunstpreis 2006 gezeigt werden können. Anschließend findet eine Museumsausstellung im Kaiserswerther Museum statt.

Gottfried Böhmer

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08.04.2017 ein Jazz Projekt der besonderen Art

GFDK - 2 Bilder

Der Mann hinter dem Tribute Projekt ist Schlagzeuger, Komponist und Produzent Carsten Lindholm. Er ist 1969 in der kleinen Stadt Kerteminde auf der Insel Fünen in Dänemark geboren.


Seine Musik ist eine Hommage an den Menschen, die einen grossen Einfluss auf sein Leben gehabt haben. Seine filmische Musik ist ein Mix aus Jazz, Drum n Bass, Ambiente Soundscapes, Indische Tabla-Beats, die auf einfachen Nordischen Melodien basiert.

Zu seinen musikalischen Mentoren zählt u.a: Sting, Erik Truffaz, Nils Petter Molvaer, Eivind Aarset, John Coltrane, Bill Laswell, Jojo Mayer.
Tribute zählt zu dem stärksten expressiven Musikprojekt in der Branche und ist in
5 verschiedenen Sessions in Oslo und Kopenhagen aufgenommen worden:


Eivind Aarset, Joakim Frøystein, Hans Oxmond (Gitarre)
- Rene Damsbak, Tav Klittgaard (Trompete und Sounddesign)
- Anders T Andersen (Sax) - Audun Erlien, Kristor Brødsgaard (Bass)
- Jens Minke (Sounddesign) und Vj Varm (Visuals)


Unser Leben wird von vielen Fragmenten und Eindrücken beeinflusst, so ist es
wichtig, Platz für Gedanken und Reflexion zu gewinnen. Tribute ist ein
Versuch Einheit in einer fragmentierten Welt und Gegenwart für das
Publikum zu schaffen, damit es Dir die Gelegenheit gibt, den Alltag für eine
Zeit lang zu vergessen.

Auf Myspace hat Carsten Lindholm 41.000 Fans (Fb 4300). 10 von 11 Songs sind eingeladen.

 

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08.04.2017 Die Geschichte beginnt im Londoner Stadtteil Peckham

Johanna vom Heede - Sony Music

Du musstest das Stück nur einmal hören um zu wissen, dass du auf etwas ganz Besonderes gestoßen warst. In einem Jahr, das im Bereich des Radiopop ansonsten deprimierend und ohne Höhepunkte vor sich hin siechte, schien diese Platte von einem anderen Planeten zu stammen – einem der besser und sexier war.

Ein taumelnder, abgehackter, provozierender Rhythmus, angesiedelt irgendwo zwischen Dubstep und Grime. Die Heraufbeschwörung der besten Clubnacht, die du je hattest, mit all ihrem Vergnügen und den Gefahren, die sie mit sich bringt. Und – das ist das Entscheidende – eine Mädchenstimme.

Die Stimme war hoch und lieblich, und doch stark und ungezähmt. Mit sämiger Virtuosität  umschlang sie Worte über einen hämmernden Bass und sog den Rauch auf, so wie Donna Summer vor vielen Jahren einfachen Worten über Liebe und Sex ein überirdisches Feuer einhauchte – und das zu einem ebenso fremdartigen elektronischen Rhythmus.

‚I Feel Love“ gründete beiläufig die Tanzwelt, in der wir alle leben, und dieser neue Song machte sie mit seiner vollständig femininen und sinnlichen Interpretation von Hedonismus bereit für ein neues Zeitalter – eines, das den metaphysischen Eigenschaften einer Clubnacht mit extrem lauter Musik gegenüber zynisch geworden ist. Und dazu... die Stimme.  Sie wirkte urban. Sie verkörperte Pop. Und Soul. Und sie war ein wenig überirdisch. Die Stimme nannte sich Katy B. Und sie war unbestreitbar auf einer Mission.

alles andere als ein überirdisches Wesen

Aber die Person hinter ‚Katy On A Mission’ ist alles andere als ein überirdisches Wesen... zumindest nicht heute. Heute ist sie eine kleine, freundliche und unglaublich hübsche junge Frau aus Peckham, die sich in einem kleinen Zimmer des Radiosenders Rinse FM in Ostlondon frisieren lässt.

Mit dabei ist ihr Mentor und Produzent Geeneus, der auch Mitbesitzer des legendären Piratensenders ist, der im Juni 2010 endlich seine längst überfällige Sendelizenz erhalten hat. Geeneus wird ihr dabei helfen zu erklären, wie eine BRIT-School-Absolventin zur Schöpferin einer Hymne werden konnte, der es aus dem Untergrund heraus gelungen ist, die Massen zu begeistern.

Und wie sie es außerdem geschafft hat, mit dem bald erscheinenden Album ‚On A Mission’ eines der am sehnsüchtigsten erwarteten Dance-Alben der jüngsten Vergangenheit aufzunehmen. Es scheint wie eine Erfolgsgeschichte über Nacht. Aber tatsächlich hat es mehr als drei Jahre gedauert. Und Katy ist erst 21.

Die Geschichte beginnt im Londoner Stadtteil Peckham

Als junges Mädchen liebte Katy R&B-Musik, war aber irgendwann einfach nicht mehr zufrieden damit, nur ihre Lieblingsplatten von Boyz II Men, Destiny’s Child und Alicia Keys zu hören. Ihre Eltern unterstützten sie in ihrer Absicht, eine Karriere als Musikerin aufzunehmen und schickten sie an die BRIT School.

Ihr soulbegeisterter Vater war selbst Sänger gewesen und zahlreiche Tanten, Onkel und Cousins waren Musiker. Während der gemeinsamen Zeit mit Gleichgesinnten an der BRIT School entdeckte Katy ihre Liebe für Neo-Soul, insbesondere für Erykah Badu und Jill Scott.

‚Weißt du was? Ich freue mich so sehr, von der BRIT School und all dem erzählen zu können. Die Leute denken immer, dass das so eine Schule wie in ‚Fame’ ist, aber so ist es ganz und gar nicht. Ich war 14, als ich dort anfing, und wir hatten ganz normalen Unterricht.

Musik war nur ein kleiner Teil davon

Aber die Atmosphäre an der BRIT ist einfach unglaublich. Den Schülern macht es tatsächlich Spaß, zur Schule zu gehen. Du erlebst in so einer kurzen Zeitspanne so viel... und die Leute, die ich dort kennengelernt habe, sind noch heute meine besten Freunde. Es gibt ein richtig gutes Studio und dort habe ich meine ersten Demos aufgenommen.’

An der BRIT School wird angehenden Künstlern auch beigebracht, wie sie ihr eigenes Material aufnehmen können; dafür gibt es Crashkurse in Technik und Produktion. Dazu kommt, dass Katy klassisches Klavier beherrscht. Warum also feuert sie Geeneus und Co-Produzent DJ Zinc nicht einfach und macht alles selbst?

Mir ist es lieber, wenn sie es machen, echt! Ich bin zu faul! Beim Singen und beim Schreiben von Songs kann ich mich wirklich voll einbringen. Das sind die Bereiche, in denen ich mein Handwerk perfektionieren will.’

Nach der BRIT School ging Katy ans Goldsmith College in New Cross im Süden Londons, um dort ihren Abschluss zu machen. ‚Da erkennst du erst, was alles dazu gehört, Musiker zu sein... wie man probt, wie man einen Auftritt auf die Beine stellt. Und als Sängerin ist es wirklich hilfreich, die Theorie zu beherrschen, die Musik zu verstehen und zu wissen, worüber du sprichst. Sänger, die einen Raum voller Musiker betreten, sind oft eingeschüchtert. Die reden mit dir, als wärst du ein Idiot. Genauso viel über Musik zu wissen wie sie, gibt dir eine Menge Selbstvertrauen.’

Katys Durchbruch

Ihren ersten Durchbruch hatte Katy bereits im zarten Alter von 17. DJ NG und ein MC namens Versatile (nicht der musikalische Partner von Toddla T) nahmen damals gemeinsam mit Katy ‚Tell Me’ auf, eine der ersten und auf lange Sicht beliebtesten UK-Funky-House-Hymnen. Geeneus nahm den Kontakt auf.

In dem Moment, in dem ich sie hörte, wusste ich, dass da etwas in ihrer Stimme war. Ich schrieb eine Menge Grime-Musik und die Szene war viel zu sehr dominiert von Männern. Ravende Bassläufe konnten wir den ganzen Tag machen.

Aber wir brauchten wieder etwas Weibliches darin. Wenn ich dieses Album Mädchen vorspiele, ist ihnen die Hintergrundmusik völlig egal. Sie könnten sich nicht weniger dafür interessieren. Aber sie sagen „Oh... diese Texte.“ Es war nicht so geplant. Aber das ist, was Katy einbringt. Ich denke, wir haben unsere zwei Welten zu einer verschmolzen.’

Die ursprüngliche Idee bei Rinse FM war es, ein Album zu machen, das einen Überblick über alle DJs bietet, von denen die meisten auch noch Komponisten und Produzenten sind. Es wäre also ein künstler- und genreübergreifendes Album geworden. Und um zu erreichen, dass diese Platte weniger wie eine eklektische Zusammenstellung und eher wie ein Album klingt, fehlte eine musikalische Verbindung als Rahmen.

Aber trotz Katys Beitrag ließ sich die Bandbreite von Produzenten nicht in ausreichendem Maße miteinander vereinbaren, als dass irgendeine Kontinuität herzustellen gewesen wäre. Gleichzeitig verliebten sich Geeneus und sein Mitstreiter Zinc in Katys Stimme, in ihre Texte und in ihre Melodien.

Mehr und mehr wurde klar, dass das geplante Rinse FM Album sich zu einem potenziellen Debütalbum für Katy B. entwickelte. ‚Es schien einfach natürlich. Geeneus und Zinc brachten die besten Tracks ein und ich genoss die Zusammenarbeit mit ihnen.’

Katy als Songwriterin

Der Prozess verfeinerte Katys aufkeimende Fähigkeiten als Songwriterin. Um es deutlich zu machen: die Beats stammen alle von der Reihe an hochrangigen Produzenten, zu der auch Benga und Benny ill (Horsepower Productions) sowie  - in außerplanmäßigen Gastauftritten – Magnetic Man gehörten. Aber die Songs sind das alleinige Werk von Katy.

Mir wurden die Beats vorgelegt, mit denen ich arbeiten sollte. Sie kamen von Leuten, die Instrumentalmusik so machen, dass es keinen Song gibt. Es gab niemanden, der meine Songs für mich schrieb. Ich war also quasi dazu gezwungen, aber dann habe ich herausgefunden, dass mir diese Arbeit wirklich gefällt.’ So sehr, dass Katy jetzt auch bei der EMI als Songwriterin unter Vertrag steht. Trotz allem dauerte es drei Jahre voller Arbeit und Experimenten um ‚On A Mission’ zu machen.

Wir haben ein ganzes Album aufgenommen und vollständig wieder verschrottet’, sagt Katy lachend. ‚Es war wie... eine Aufwärmübung’, fügt Gee hinzu. Aber... drei Jahre? Teenager sind nicht gerade für ihre Geduld berühmt. Hat diese langsame Entwicklung Katy nicht wahnsinnig gemacht?

‚Auf jeden Fall. Aber man muss begreifen, dass Gee und Sarah [Lockhart, Mitbesitzerin von Rinse FM] vielbeschäftigte Menschen sind. Gee ist Manager, DJ, Produzent, Besitzer eines Radiosenders, Promoter, Labelchef. Und all das machen sie wirklich gründlich.

Album Katy on a mission

Also hatte ich manchmal schon das Gefühl, ganz unten auf ihrer Prioritätenliste zu stehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass sie ihr Bestes geben würden. Und ich bin froh, dass es gerade jetzt passiert ist. Ich musste meinen Abschluss machen und ‚Katy On A Mission’ nahm in dem Moment Form an, in dem ich die Uni fertig hatte. Das Timing ist perfekt.’

‚Außerdem ist es eine tolle Erfahrung, mit ihr zu arbeiten’, sagt Geeneus lächelnd. ‚Sie ist so natürlich und echt, genau wie wir. Wir haben mit anderen Sängerinnen gearbeitet und die sind alle ein wenig Diva-mäßig. Ursprünglich wollten wir das Rinse-FM-Album in sechs Monaten rausbringen. Aber Zinc und ich erkannten, dass wir wirklich gerne mit Katy arbeiteten.

Also besser darauf konzentrieren und es richtig machen. Und es ist so viel Zeit vergangen und sie hat immer noch keinerlei Diva-Einstellung angenommen. Und auf einmal hatten wir ein Album und das Stück „Katy On A Mission“. Der Song startete einfach durch. Es war ein langsamer, unsichtbarer Aufstieg und wir haben überhaupt nicht gemerkt, dass wir dabei waren.’

Wie sich herausstellte, war das Ausmaß des Erfolgs von ‚Katy On A Mission’ für die Macher ein genauso großer (toller) Schock wie für uns bescheidene Popfans. So beschreibt es Geeneus. ‚Der Erfolg warf all unsere Pläne um. Wir waren total überrascht. Ich denke, ein Großteil der Underground-Szene hat sich abgesprochen und die Platte auf einmal gekauft.

Vielleicht, weil das Video bei einem echten Rave aufgenommen wurde – wir hatten alle die Schnauze voll von Leuten, die Videos auf nachgestellten Raves drehten. Dann wurde der Rest der Welt aufmerksam und sprang auf den Zug auf.

Bloß kein Ibiza Pop-House

„Katy On A Mission“ war wie ein frischer Wind. Wir wollen keinen Ibiza-mäßigen Pop-House mit MC-Einlagen machen. Wir versuchen einfach nur, etwas Echtes zu machen. Wir würden uns lieber die Pulsadern aufschneiden als Fließbandmusik zu machen.’

Kommen wir also zu Katys Debütalbum ‚On A Mission’. Zwölf Tracks, die Underground-Beats, Pop und gefühlvolle Perfektion miteinander verschmelzen... und dazu kommt dieses außergewöhnliche Etwas, das ‚Katy On A Mission’ zu so viel mehr macht, also zur bloßen Summe der einzelnen Bestandteile. Worum geht es also, Katy?

‚Es geht um mich; einfach als junge Frau, Partys, Beziehungen... das Album beschreibt auf jeden Fall, was mich ausmacht. Songs wie Disappear  und Easy Please Me beschreiben Erfahrungen aus meinem Leben und Gefühle, die ich selbst gefühlt habe.

Ich liebe Jill Scott, weil ihre Texte wunderschön sind und trotzdem immer eine einfache Geschichte erzählen, auf intelligente Weise. Wenn jemand über Liebe schreibt, will man sich auch damit identifizieren können.’

Geeneus: „Ich habe Katy beim Schreiben an diesem Album beobachtet und ich weiß, dass jeder Track eine Bedeutung für sie hat. Und in dieser Bedeutung finden sich eine Menge von Menschen wieder. Viele Leute schreiben darüber, anderswo zu sein. Katy schreibt darüber, hier zu sein, hier und heute.’

Katy: ‚Für mich ist Power On Me einer der Tracks, die das Album ausmachen. Er hat Drum ’n’ Bass. Er hat House. Er hat Grime – Ich weiß wirklich nicht, mit welchem Genre man den Song beschreiben soll. Aber er ist dunkel und stimmungsvoll. Wenn ich Musik wie Dubstep höre, möchte ich über düstere Empfindungen schreiben.’

Fröhlicher Mädchenpop

Die aktuelle Single Lights On ist eine perfekte Mischung aus urbaner Dunkelheit und fröhlichem Mädchenpop. Und außer Katy ist die großartige Ms Dynamite darauf zu hören. Die Mercury-Preisträgerin war zur Arbeit mit Zinc und Geeneus ins Rinse-Studio gekommen, als Katy mit Gee an Lights On schrieb. Gee bat sie, ein paar Zeilen einzuspielen und die große Frau Dynamite machte mit.

Der Rest ist Geschichte. „Das war vor etwa zwei Jahren“, gibt Geeneus zu bedenken. „Damals hatte noch niemand von Katy gehört und Ms Dynamite war ganz groß im Geschäft. Sie hat uns also einen riesigen Gefallen getan.’ ‚Sie war wirklich sehr hilfsbereit’, fügt Katy hinzu. ‚Und ein ganz toller Mensch.’

Während das Album Form annahm, setzte Katy durch, in ihren Live-Shows eine richtige Band hinter sich zu haben und nicht wie bislang allein mit technischem Equipment auf der Bühne zu stehen. Mit ihrer zehnköpfigen Live-Band trat Katy kürzlich als Support auf der Tour von John Legend and The Roots auf und feierte damit triumphale Erfolge.

Die Nachricht von diesen frühen Auftritten hat zu einer außergewöhnlich hohen Nachfrage für ihre erste Headliner-Tour im Mai 2011 geführt. Kleine regionale Veranstaltungsorte mussten schnell noch durch größere Hallen ersetzt werden, die mindestens Platz für 1.000 bis 1.500 Zuschauer bieten. Und wegen des sofortigen Ausverkaufs der Tickets für ihr Konzert in London musste schnell noch ein zweiter Termin her. Tickets für Katy gehören zu den begehrtesten des Jahres 2011.

Mehr Live-Experimente

Und auf ihrem nächsten Album möchte Katy noch mehr mit Live-Instrumenten experimentieren. ‚Wir haben schon Trompeten und Keyboards auf dieser Platte, aber ich möchte beim nächsten Mal mehr davon einbringen.’ Aber bevor solche ehrgeizigen Visionen umgesetzt werden können, muss vorher noch das Debütalbum herausgebracht werden. Katy hat vielleicht nicht geplant, Popstar zu werden.

Aber es wird immer klarer, dass sie keine andere Wahl mehr hat. Also, was genau ist die Mission der Katy B? ‚Ich hatte immer diese „Wer interessiert sich schon für die Charts?“-Einstellung. Aber ich wollte auch schon immer erfolgreich sein, bei dem was ich tue. Alles, was ich je wollte, war meinen Lebensunterhalt zu verdienen.’

‚Wir hoffen, dass die Leute zur Abwechslung mal auf echte Musik abfahren’, sagt Geeneus stolz. ‚Auf etwas, das zurück auf Soul II Soul oder Neneh Cherry geht. Und bis jetzt sieht es ganz gut aus.’

Katy B denkt einen Moment darüber nach, murmelt irgendetwas Selbstironisches... und führt dann den bestmöglichen Grund dafür an, ‚On A Mission’ gemacht zu haben. ‚Weil ich zu bestimmten Sängern aufsehe, wäre ich gern genau das für jemand anderen. Es wäre cool, wenn das Lieblingsalbum von irgendjemandem ein Katy-B-Album wäre. Das wäre für mich das Allergrößte.’

 

Kontakt: Sony Music International, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Johanna vom Heede

Johanna.vomheede@sonymusic.com

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08.04.2017 Umkehr organischer und anorganischer Bildelemente

GFDK/Ralf Hakl

Entstanden aus der Beschäftigung mit experimenteller Figuration ist Figunetik die dynamische Erweiterung figurativer Ausdruckselemente. Zugleich erfolgt die Sichtbarmachung der Diskrepanz zwischen zunehmend technisierter Kommunikation, daraus resultierender virtueller Scheinwelten und der wahrgenommenen Realität.


Umkehrung von der Wahrnehmung zur Darstellung als Kernpunkt der Figunetik verdeutlicht auch das Gegenteil dessen aufzuzeigen, was man sieht oder weiß bzw. kennt. Dies lässt sich mit allen möglichen bildnerischen Mitteln beliebig erweitern.

Die Variationsmöglichkeiten sind grenzenlos. Organische Elemente werden mit anorganischen bildnerisch vermischt wie im Beispiel „Granat“. Figunetik bezeichnet im weiteren Sinne die Zusammenfassung experimenteller Figuration im Bereich Bildende Kunst.


Das Bild „Granat“ ist der Beginn der Umkehr. Der Körper des Vogels stellt eine Handgranate dar, organische Elemente wurden mit anorganischen bildnerisch vermischt. Damit wird verdeutlicht, dass gesellschaftliche Veränderungen, Gefahr und Bedrohungen bis ins Innere einfließen, eindringen und verändern, so dass die Dinge und man selbst mitunter sich am Ende nicht mehr erkennt, man zu einem Mechanismus wird, der wie ein Rädchen roboterhaft funktioniert

Iris Hilpert nahm im Alter von 10 Jahren privaten Mal- und Zeichenunterricht bei Heinz Löffler. 1983 bis 1985 besuchte sie die Zeichenschule der Porzellanmanufaktur Meißen und ist seit 1992 freischaffend als Malerin und Zeichnerin tätig. In der Malerei arbeitet sie überwiegend experimentell figurativ.


Die von Iris Hilpert entwickelte Ausdrucksform der „Figunetik“ will geduldig entdeckt werden. Der Stil zeigt Ausdruckselemente quasi „verkehrt herum“. Im Gegensatz zum Kubismus, der Figuren auf geometrische Elemente reduziere, verschmelze hier Figuratives und Abstraktes.

Iris Hilperts Gemälde eignen sich für unterschiedliche Lesarten und Interpretationen. Ihre Malerei ist nicht einschmeichelnd, hat aber ein feines Gespür für Farben und Formen. Das verschafft dem Betrachter einen leichteren Zugang zu den oft gewaltsamen und beängstigenden Inhalten.


Neben zahlreichen eigenen Teilnahmen an Einzel- und Gruppenausstellungen engagiert sie sich zudem für die Förderung junger bildender Kunst in Meißen. Ihre aktuelle Personalausstellung „Figunetische Knalltüten zum Elfertee“ im Kunsthaus – und museum in Haren läuft noch bis zum 31.05.2011.


Text: ToMA-Atelier Meißen

Bildbeschreibung:

1) "Granat Öl Iris Hilpert (Meißen)

2) Iris Hilpert in ihrem Artelier

3) "Kaputt", Öl, 50 x 70, 2010, Iris Hilpert (Meißen)

Kontakt:

f i g u n e t i k

Email: redaktion(at)figunetik.com
Hafenstraße 19 A
D-01662 Meißen

TOMA-Atelier Figunetic
Experimental and kinetic contemporary figurative fine art
Hafenstraße 19 A * 01662 Meissen
Phone  +49 (0) 1 73 4 13 50  86

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08.04.2017 kennt keine Tabus

h.r.fox

Wenn Kirsten Anais Miller den Raum betritt, zieht sie alle Blicke auf sich. Genau wie ihre expressive, figurative Malerei strotzt sie nur so vor Leidenschaft und Ausdruckskraft. Sie bearbeitet Themen wie sexuelle Beziehungen, Schwangerschaft (in der Kunst offensichtlich immer noch ein Tabu), aber auch Ausbeutung von Mensch und Tier sowie Tod.

Mit einer geradezu hellseherischen Präzision bringt KAM stark symbolhaltige Bilder aus den inneren Räumen in die Alltags-Welt. Dabei wirkt sie fast wie ein Orakel: "Ich male die Bilder nie nach Abbild sondern immer aus meinem Inneren heraus, wobei mir die Bedeutung der Bilder oft erst einige Zeit später bewusst wird. Sie alle aber haben eine Geschichte und somit eine Kontinuität.“

In den ersten Jahren ihres Schaffensprozesses hat KAM ausgiebig mit kräftigen Farben in mehreren Schichten gearbeitet. Sie hat die Leinwände bemalt, dann gespachtelt und später regelrecht traktiert indem sie Formen und Figuren herauskratzt hat.

Die Farbe in der Malerei hat sie mit der Frage: „Wo hört Zeichnung auf, wo fängt Malerei an?“ mehr und mehr reduziert. Konstant verbessert Kirsten ihre Techniken, um mit der Materie "Malerei" umzugehen, wie zum Beispiel das experimentelle Herausarbeiten von Figuren aus Erde und Sand.

Mittlerweile ist Miller transmedial unterwegs: seit 10 Jahren arbeitet sie mit Plastik- und Naturmaterialien und schafft daraus dreidimensionale Objekte: z.B. sogenannte 'Zauberstäbe' (und Plastikstrippen-Bilder sowie Fotocollagen. KAM's Werke werden regelmässig in Galerien, Messen, sowie in Privat-Ausstellungen und Live-Performances im In- und Ausland gezeigt.

Seit 1996 arbeitet Kirsten Anais Miller als freischaffende, bildende Künstlerin.

Ihre Haupttätigkeitsfelder sind :

Malerei mit diversen Materialien und einer ganz eigenen entwickelten Methode, durch welche sie Unsichtbares sichtbar werden lassen kann

Fotocollagen, bestehend aus diversen Plastik- und Naturmaterialien und meist doppelt belichteten Fotografien („meine Werke sind nicht mit Photoshop bearbeitet, sondern eigens mit meinen Händen geschaffen“)

Zauberstäbe aus Pflanzen und Tierteilen (welche von Ihr persönlich mit heilender Energie aufgeladen werden)

Art Fashion untragbar, tragbare Art Fashion Design Mode aus Plastik oder Naturmaterialien, passend zur Zeit

 

Seitdem jährliche Ausstellungen im In- und Ausland, Malkurse für Kinder und Erwachsene, Deutschkurse für Migranten. Zudem ist Miller Qi Gong- und Taiji-Trainerin und gibt mit Leidenschaft ihre Erfahrungen mit diesen inneren Kampfkünsten an ihre SchülerInnen weiter.

2011 wurde Miller vom West-Deutschen Rundfunk zum Thema 'KunstKleider' interviewt sowie vom B Beyond Magazin/London. Das Interview erscheint zudem bald auf ArtCollectors.org.

Momentan stellt sie in den Galerie-Räumen des Immobilienagent Bielefeld von Thomas Klingenberg aus. Die Vernissage mit Artikel im TOP Magazin findet am 15 Februar 2012 statt.

Eine Reportage mit dem Online Magazine TV Ultrafeel.tv ist in Planung.

 

Kirsten Anais Miller
Ravensbergerstrasse 29a
33602 Bielefeld
Germany
Ce

 

Pressekontakt:

H.R. Fox

fox@kirstenanaismiller.com

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08.04.2017 Von der Provinz in ein internationales Umfeld

ACT Music & Vision

Seit ihrem Debüt Album „Remember Chet“ (2006), mit dem der damals erst 17-jährige Julian Wasserfuhr in die Fußstapfen Chet Bakers schlüpfte, avancierten die Wasserfuhr-Brüder aus dem beschaulichen oberbergischen Dorf Hückeswagen zu Ausnahmeerscheinungen des Young German Jazz. Eine solch unglaubliche und verblüffende Reife eines jungen Trompeters hatte man seit dem frühen Till Brönner lange nicht gehört.

Nicht minder beeindruckend war die Souveränität, mit der Julians gerade mal drei Jahre älterer Bruder Roman am Klavier nahezu symbiotisch begleitete. „Am Anfang einer Karriere steht Epigonentum”, befand einst der Trompeter Manfred Schoof: Und so arbeiteten sich die beiden Brüder zunächst am Vorbild ab, denn erst die Auseinandersetzung mit der Tradition bildet die Grundlage für ein eigenes Œuvre.

Auf unzähligen Konzerten erspielten sich die Wasserfuhr-Brüder schnell ein breites Publikum und einen Namen in der Szene. „Upgraded“ hieß dann logischerweise ihr zweites Album (2009): Von der Provinz in ein internationales Umfeld, mit den Jazzstars Nils Landgren und Lars Danielsson legten sie bei der Aufnahmesession in Göteborg das Etikett „Young German“ ab und stiegen in die erste Liga des deutschen Jazz auf.

Nun folgte „Gravity“: Das Album erzählt davon, wie wichtig die Bodenhaftung ist, wenn der Karriere Flügel wachsen. Es geht um die Schwerkraft und ihre Überwindung: Man muss geerdet sein, festen Boden unter den Füßen haben, um abheben zu können. Und wieder sind Weltklasse-Musiker an der Seite der Wasserfuhrs:

Erneut der schwedische Bass-Melodiker Lars Danielsson und erstmals Deutschlands gefragtester Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Sie bilden eine Rhythmus-Gruppe von Weltklasse-Format und erweisen sich als ideale Wahl: Wie die Wasserfuhrs sind beide Freunde eines direkt in die Seele zielenden Jazz mit Liebe zu Details und Klangschönheit.

Darüber hinaus ist Haffner mit seinem feinen Gespür für Dramaturgie und Atmosphäre als Produzent für „Gravity“ verantwortlich. Für die Wasserfuhr-Brüder findet er anerkennende Worte: „Trotz ihrer noch jungen Karriere haben die beiden eine sehr genaue Vorstellung von ihrer Musik und wissen, wie sie klingen wollen. Die gemeinsame Arbeit an „Gravity“ war sehr anregend und fruchtbar.

Was die Musik der Wasserfuhr-Brüder so besonders macht, ist ihr Mut zu bezaubernder Schlichtheit, ihr absolutes Vertrauen in die Melodie und ihr Gefühl für Lyrik und innere Spannung. Bemerkenswert für die jungen Musiker ist der Verzicht auf jede unnötige Effekthascherei.

„Das muss man sich trauen. Zu bewundern ist dann das Gegenteil von Angeber – Jazz“, merkt der bekannte deutsche Schauspieler Matthias Brandt in seinen Liner Notes zum Album an. Als Arrangeur und prägender Begleiter führt Roman musikalisch Regie. Julian ist als tragender und träumender Solist der Hauptdarsteller.

Handwerkliches Können und instrumentale Virtuosität werden nicht wahllos zur Schau gestellt, sondern ganz im Dienste des Songs und für den für die Wasserfuhrs so typischen Transport von Emotionen eingesetzt. „Und das ist, in jeder Kunst, das Schwierigste überhaupt. Aber, wenn’s gelingt, auch das Schönste“, so der Künstlerkollege Brandt weiter.

Man muss nur einmal ihre intime Version von Bert Kaempferts „L.O.V.E“ auf sich wirken lassen, diese auf den musikalischen Kern reduzierte, alles in den Dienst des melodischen Gedankens stellende Interpretation, dann spürt man die Kraft der Wasserfuhrschen Klangwelt. Oder man genießt die bezaubernde Atmosphäre, die sie mit Stings „Englishman in New York“ erschaffen.

Mehr Cover-Versionen braucht es indes nicht, denn was die beiden Brüder selbst komponieren, besitzt ähnlich melodische Qualität. Das beschwingt impressionistische „Branca“, der hymnische Uptempo-Blues „Midnight Walk“ oder die ergreifende Ballade „Fool’s Paradise“ haben selbst das Zeug, zu Jazz-Standards zu werden. Und wie groovend, fast funky der sanfte Minimalismus der Wasserfuhrs werden kann, zeigt „Blue Desert“.

„Gravity“ ist ein schwergewichtiges Argument dafür, dass der junge deutsche Jazz vital ist wie nie und für die Zukunft schöne Aussichten verspricht.

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08.04.2017 Musikern des Ensembles Bell’arte Salzburg

GFDK/Hasko Witte

Das gemeinsame Interesse an der reichen Musikkultur in den europäischen Musikzentren des 17. und 18. Jahrhunderts verbindet die Musiker des Ensembles Bell’arte Salzburg. Die Begeisterung über die Musik von Biber, Hofer, Muffat. Mozart, M.Haydn und anderen Komponisten, die in Salzburg wirkten, führte 1995 bei der Gründung von Bell’arte zur Namensgebung.

Seitdem hat das Ensemble einen hervorragenden Ruf erworben, zu dem die instrumentale Virtuosität der Musiker sowie die klangvollen, farbigen Besetzungsmöglichkeiten für eine überzeugende Gestaltung der Konzertprogramme beigetragen haben. Intensität des Ausdrucks, nuanciertes und lebendiges Spiel zeichnet das Ensemble aus, dessen Mitglieder Spezialisten auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis sind. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen von Annegret Siedel.


Das umfangreiche Kammermusikrepertoire des Ensembles erfordert verschiedene Besetzungen, die für einige Konzertprogramme mit namhaften Sängern erweitert werden. Über die Jahre besteht eine musikalische Zusammenarbeit mit Sängern wie Emma Kirkby, Susanne Rydén, Nuria Rial, Monika Mauch, Jan Kobow, Wolf Matthias Friedrich und Gotthold Schwarz.


Bell’arte Salzburg folgte Einladungen zum Rheingau Musik-Festival, den Tagen Alter Musik Stuttgart, den Bachkonzerten in der Alten Oper Frankfurt, der Salzburger Bachgesellschaft, dem Festival Klang & Raum Irsee, den Bach-Tagen Köthen, dem Heinrich-Schütz-Fest Dresden, den Europäischen Wochen Passau, der Tonicale München und anderen renommierten Konzertreihen und Festivals.


Konzertprogramme des Ensembles wurden oftmals live vom Rundfunk aufgezeichnet, wie in der Reihe "Das Alte Werk" Hamburg, den Tagen Alter Musik Herne, den Brühler Schlosskonzerten und dem Köthener Herbst, bei den Wartburgkonzerten Eisenach und den Galeriekonzerten in Dresden, den Schlosskonzerten Goldegg oder im Dom zu Maria Saal.


Das Bayerische Fernsehen produzierte live eine "Musikalische Vesper" mit Werken von Andreas Hofer und eine weitere Folge über den Komponisten Hofer im Jahr 2007. Konzertreisen führten das Ensemble durch Deutschland und Österreich, nach Italien, Spanien, Portugal, Großbritannien und in die Schweiz.

Annegret Siedel studierte in ihrer Heimatstadt Berlin und war als erste Geigerin im Orchester der Komischen Oper Berlin und im Mozarteum Orchester Salzburg engagiert. Sie erweiterte ihre künstlerische Ausbildung bei Michael Vogler in Berlin und Ernst Kovacic in Wien und studierte bei Hiro Kurosaki (Barockvioline), sowie bei Nicolaus Harnoncourt (historische Aufführungspraxis) an der Hochschule Mozarteum in Salzburg.


Annegret Siedel gibt seit 1995 Konzerte als freischaffende Solistin, Kammermusikpartnerin und Konzertmeisterin von Orchestern, die mit historischen Instrumenten barocke, klassische und romantische Musik aufführen.


Ihr vielseitiges Violinrepertoire erweitert sie mit Konzerten für Viola d’amore und Partien für Violino piccolo. Sie unterrichtet am Hamburger Konservatorium, auf Kursen und projektbezogen an Musikhochschulen. Zunehmend liegt ihr Augenmerk auf Kammermusikprogrammen sowohl mit dem Ensemble Bell’arte Salzburg als auch in der Besetzung für Violine mit Hammerflügel, Orgel, Cembalo, Laute oder Harfe.

 

SALZBURG BAROCK
Heinrich Ignaz Franz Biber
:
Sonata VI in a-Moll, aus dem „Fidicinium sacro-profanum“
Andreas Hofer:
„Nisi Dominus“, Psalm 126 */**
Heinrich Ignaz Franz Biber:
„O dulcis Jesu“, Geistliches Konzert */**
Georg Muffat:
Sonata II in g-Moll aus „Armonico tributo“
Abraham Megerle:
„Gaudete et Exultate“ */**
Anonymus (Stift Nonnberg):
„Ach kommet vom Himmel, ihr göttlichen Flammen“ */**
Steffano Bernardi:
„Magnificat“ */**
Carl Heinrich Biber:
Concerto a quattro per la chiesa**
Mathias Sigismund Biechteler:
„Aria de Sancta Scholastica“ */**
Anonymus (Stift Nonnberg):
„Ad Pulpitum“ */**

* EMMA KIRKBY, Sopran
** WELTERSTEINSPIELUNGEN

BELL’ARTE SALZBURG

Ulrike Titze: Barockvioline
Hermann Hickethier: Viola da gamba
Christian Zincke: Viola da gamba
Matthias Müller: Violone
Thomas Boysen: Theorbe, Mandora
Margit Schultheiß: Orgel
Annegret Siedel: Barockvioline(n), Viola d’amore, Leitung

 

VÖ: 13.05.2011 Berlin Classics

 

 

 

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17.01.2017 künstlerische Bewegungen

GFDK - Gottfried Böhmer

Stefanie Tendler hat sich nach ihrer schulischen Laufbahn zunächst der Tourismusindustrie zugewandt, denn Reisen ist seit ihrer Kindheit, die sie in Marokko verbracht hat, eine ihrer größten Passionen. 

Kulturelle und künstlerische Bewegungen, Subkulturen, Vielschichtigkeit haben für die gebürtige Heidelbergerin einen sehr hohen Stellenwert in ihrem Leben eingenommen, daher zog es sie 2011 nach Berlin. 

Die Kreativ-Hauptstadt ermöglicht einen unkomplizierten Austausch mit Gleichgesinnten und bietet Stefanie die Möglichkeit Kollaborationen einzugehen, die von Experimentaltheater zu ersten eignen Fotografieprojekten reichen.

Für den transatlantischen Blog www.station-station.com fängt Stefanie die Welt der kreativen Szene ein und porträtiert Künstler, Musiker, Mode-Designer und Kreativschaffende, die in Berlin ähnlich wie sie selbst ein neues Zentrum für ihr schaffen gefunden haben.

Mit der "Ich bin für Straßenmusik"-Kampagne, schafft sie als Mitgründerin der Inititiative Berlin Street Music ein seit 2011 andauerndes Foto-Projekt, dass die Straßenmusikszene in Berlin unterstützen soll. 

Fotografie wird schließlich zu ihrem persönlich gewählten Medium, mit dem sie die facettenreichen Umwelten, die ihr auf ihren Reisen begegnen einfängt.

Ihre Reihe Swirlways wird das erste Mal in der Eventreihe What the Frau ausgestellt und umfasst eine kunstvolle Zusammenstellung von architektonisch einzigartigen Treppen, die eine besondere Faszination auf die Fotografin ausüben.

Swirlways:

Auch wenn sich Gebäude in ihrem oberflächlichen Erscheinungsbild unterscheiden, teilen sie die Gemeinsamkeit ihrer Funktionalität. 

Treppen sind der Inbegriff dieses Konzepts. Ihr Dasein gilt vordergründig der Verbindung verschiedener Stockwerke. 

Der Betrachter kann jedoch zwischen Funktion und expressiver Freiheit des Architekten differenzieren und aus ganz unterschiedlichen Winkeln verschiedene Assoziationen für sich selbst erfinden. Das Design des Architekten illustrieren seinen individuellen kunstvollen Einfluss auf das Bauwerk.

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31.12.2016 Farbeier auf Leinwand

GFDK - Elaine Abrams

"Ich stehe hier für die Freiheit der Frauen, sich frei bewegen zu können. Und für die Errungenschaften der letzten 50 Jahre, dafür dass man diese Werte nicht mit Füßen tritt. Dafür, dass Frauen sich nicht maßregeln lassen müssen", sagte Milo Moiré nach den Kölner-Sex Mop-Silverster angriffen auf Frauen.

Moiré meinte zu der heftig kritisierten Äußerung von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Frauen sollten zu Fremden "eine Armlänge Distanz halten", damit es nicht erneut zu Geschehnissen wie denen aus der Silvesternacht komme.

"Ich denke, es ist der falsche Weg, dass man den Opfern vermittelt, dass sie etwas falsch gemacht haben. Frauen sollen weiterhin mit erhobenem Haupt selbstbewusst durchs Leben schreiten. Mit einem wachsamen Auge, aber trotzdem selbstbewusst und selbstbestimmt", so Moiré.

"Respektiert uns! Wir sind kein Freiwild selbst wenn wir nackt sind!"

Nach Kotz-Künstlerin Millie Brown, die farbige Milch auf ihre Leinwände erbricht, die nächste unglaubliche Performance: Milo Moiré ist Schweizerin, 33 Jahre alt und lebt in Düsseldorf. Zur "Art Cologne" 2014 reiste sie nach Köln und sorgte für einen handfesten Skandal.

Die hübsche Künstlerin und Psychologin spanisch-slowakischer Abstammung zog sich pudelnackt aus, stellte sich auf ein selbstgebasteltes Podest und legte Eier. Was das mit Kunst zu tun hat? Milo füllte sechs Eier mit Tinte und Acrylfarbe, führte sie in ihre Vagina ein und "gebar" sie. Durch das Hinunterfallen zerbrach die Schale und die Farbe spritzte auf die Leinwand.

Kann man Kunst gebären?

Nackt, auf einem Podest "gebar" sie die Farbeier auf die Leinwand
Ihre Performance zelebrierte Milo genau vor dem Gebäude, in dem die große Kölner Kunstmesse stattfindet - ohne Erlaubnis, versteht sich. Das Ergebnis nannte Moiré "The PlopEgg Painting Performance # 1 - A Birth Of a Picture" (Die PlopEier Malperformance Nr. 1 - Die Geburt eines Bildes). Für die 33-Jährige sei das Erschaffen ihrer Kunst eine "persönliche, intuitive Erfahrung", wie sie der Zeitung "Le Matin" verriet. "Ich verwende die Urquelle der Weiblichkeit, meine Vagina."

So erklärt die Künstlerin ihre Performance (Text von Elaine Abrams auf der Page der Künstlerin):


"Mühevoll verlässt das Ei den Geburtskanal der Künstlerin und zerschellt auf der Leinwand, rote Farbe fließt raus. Das nächste Ei birgt eine andere Farbe und so entsteht nach und nach, begleitet nur von lauten „Plops“, ein abstraktes Werk – archaisch, unkontrollierbar und intuitiv.

Am Schluss der fast meditativen Art-Birth-Performance wird die befleckte Leinwand zusammengeklappt, glatt gestrichen und auseinander gefaltet zu einem symmetrisch gespiegelten Bild von überraschender Farbgebung und kraftvoller weil universeller Symbolik.

Das vaginal entstehende Bild

Das unmittelbar aus der Vagina entstandene Bild setzt augenblicklich Gedankenketten frei – über die Schöpfungsangst, die symbolische Kraft des Beiläufigen und die kreative Macht der Weiblichkeit. Ein Vergleich zu wilden Assoziationen kommt auf und durch die Intensität des Gesehenen und (Mit)-Erlebten wird klar, dass die Kunst wie so oft die Körperlichkeit braucht, um sich manifestieren zu können."

Zuschauer sahen interessiert zu - aber nicht alle wegen der Kunst
Die Zuschauer zögerten nicht, ihre Handys zu zücken und fleißig mitzufilmen. Die Meinungen der Zuschauer waren geteilt. Eine Dame machte sich laut "20 Minuten" Sorgen, wegen des Platzes, den sechs Eier bräuchten. Andere wandten sich angeekelt ab. Viele sahen gespannt zu, allerdings nur ein Teil der eifrigen Zaungäste war auch an der Kunst interessiert.

Moiré hat kein Problem mit Nacktheit, im Gegenteil. Vor einem Jahr (er)regte sie die Düsseldorfer auf, als sie nackt Straßenbahn fuhr.

Kunstexperten sind übrigens nicht aus dem Häuschen wegen des Bildes. Seit Nitschs Blut-Schüttbildern in den 60ern echauffiert sich in der Kunstszene niemand mehr wegen Körperflüssigkeiten und ähnlichem.

Das Ergebnis sieht übrigens nicht übel aus und ist käuflich zu erwerben. Mehr Infos und das fertige Bild sehen Sie auf Milo Moirés Homepage.

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17.10.2016 Der Mensch im Zentrum

GFDK - Marie-Louise Abele

Gerade erst hat der Künstler und Bildhauer Ralf Ehmann den Gustav-Seitz Preis auf Schloß Trebnitz erhalten. Aufgrund seiner beeindruckenden Arbeiten möchten wir Euch gerne den Künstler Ralf Ehmann, seine Arbeiten und seine Inspirationen näher vorstellen.

Sie stehen wie zum Spalier. Das Atelier von Ralf Ehmann ist umringt von figürlichen Darstellungen und Gegenständen in Stein gehauen und Bronze gegossen. Sie sind Ergebnis und Zeugen unterschiedlicher Schaffenszeiten und ein Hinweis auf das, was einem im Inneren erwartet. Zum einen im Kiebinger Atelier, zum anderen im Inneren des Künstlers selbst, sieht er doch seine Arbeiten als gesellschaftskritische Ansichten, als Spiegel der Zeit.

Bildhauer Ralf Ehmann

Sein Atelier besteht aus mehreren Räumen. Gleich im Bildhaueratelier, wo Holzboden und Wände mit einer zarten Steinstaubschicht überzogen sind, entstehen seine Skulpturen. Bronze, Kalk- und Sandstein sowie vor allem Marmor sind seine bevorzugten Werkstoffe.

Neben dem schweren Handwerkszeug, Feilen, Hammer, Meißel, drängen sich auch hier aus früheren Schaffensperioden bildgewordene Figuren und Köpfe. Diese eigens geschaffene, plastische Welt umgibt ihn täglich, er lebt mit seinen Figuren, arbeitet unter ihren Blicken und doch ist stets reichlich Platz für das Entstehen von Neuem.

Direkt darüber, im lichtdurchfluteten Dachgeschoss, arbeitet er an seinen großformatigen Malereien, hier stapeln sich links und rechts an den Wänden gelehnt ebenfalls Werke.

In der Druckwerkstatt warten Druckerpressen und Lithographiesteine auf das Produzieren von Radierungen und Lithografien. Alles in diesem Raum hat seinen Platz, ist klar geordnet, die Schubladen sind gefüllt mit Werken. Hier ist präzises, genaues und konzentriertes Arbeiten gefragt. Die Drucke müssen punktgenau sitzen, sonst ist die Arbeit zu verwerfen, der Ehrgeiz bei dieser Technik ist in dem Raum fast zu spüren.

Kurzum: Ralf Ehmann bedient sich verschiedener künstlerischer Techniken und präsentiert damit ein reiches Oeuvre.

Warum der stete Wechsel zwischen den Kunsttechniken?

Er liebt die Abwechslung. Es tummeln sich verschiedenste Bilder in seinem Kopf, da kommen ihm die unterschiedlichen Ausdrucksebenen sehr entgegen. In immer neuen Zyklen und Serien arbeitet er sich durch seine Themen.

Alles beginnt mit einem Schlaglicht, das sich aus mehreren Sequenzen zu einem Ganzen zusammensetzt, auch in der künstlerischen Verarbeitung. Zunächst als Zeichnung, dann als plastische Figur nimmt es Gestalt an. Doch während dieser körperlichen Arbeit entsteht der Wunsch nach komplexerem Ausdruck, der sich nur auf der freien, zweidimensionalen Ebene ausarbeiten lässt.

Skulpturen von Ralf Ehmann

„Die Skulptur ist sehr kompakt, konzentriert und reduziert und lässt nur eingeschränkt das Thema verarbeiten“, sagt er. Die Arbeiten in den verschiedenen Räumen und Techniken vollzieht er parallel, je nach Tagesform und innerem Antrieb. In jedem Bereich zieht sich seine ganz eigene Handschrift durch die Werke. Die Werke, Malerei oder Skulptur, leben von Andeutungen, dem Feinsinnigen, der dichten Interpretation. Und immer wieder taucht die eine männliche Figur in den Ansichten auf, sie trägt eindeutige, autobiografische Züge.

Sind es tatsächlich Selbstporträts?

Als ein Stellvertreter bezeichnet Ralf Ehmann die Figur fast freundschaftlich. Ein Typ, der eine Botschaft trägt, der erlebt, durchsteht und am Ende hoffentlich gewinnt – an Einsicht, an Lebenskraft, an Stärke? Der Mensch ist das zentrale Motiv, das ihn seit frühen Kindheitsjahren künstlerisch begleitet. Körper, Köpfe, Paare, der einzelne Mann, immer wieder im Dialog mit der Umwelt, die ihn herausfordert.

Seine steingewordenen Figuren bewegen sich meist aus ihrem Stein heraus. Felsig-raue und glatte Oberflächen, die natürlichen und die von Hand geformten, gehen ineinander über. Damit reagiert der Künstler auf den Stein und seine Gegebenheiten. Ralf Ehmann liebt die Andeutung, die Offenheit der Interpretationen sowie der Gedankengänge, die folgen.

Seine Bronzeplastik „Kopf“ (2012) ist weitgehend ausgearbeitet aber nicht weniger offen für individuelle Interpretation. Frontal ist er nur als Gesicht auszumachen, geht der Betrachter nun um den Kopf herum, eröffnet sich sein Innenleben und zeigt einen kleinen Menschen, der sich gekrümmt liegend, ganz klein farblich vom Gesicht absetzt. Wer wohnt dort noch in ihm? Ist es das Kind im Manne, eine Idee oder einfach der Mensch, der er gerne sein möchte?  

„Zenit“ nennt er zwei Arbeiten, die er 2012 parallel als Stein- sowie Bronzefigur entstehen ließ. Eine große Figur hebt gebückt eine kleinere, die den Blick streng gen Himmel richtet, aus dem Stein empor. Sie stützt sie, hält sie, scheint ihr von der eigenen Kraft abzugeben. Obwohl sie als zwei Figuren auszumachen sind, sind sie dennoch kompakt mit ihrem Stein verwachsen.

Die Skulpturen und Bronzearbeiten geben jeweils eine Situation preis, Ralf Ehmanns Malereien dagegen haben etwas Collagenartiges, auch hier finden fremd wirkende Elemente ihren Platz, die für seine typische surreale Wirkung sorgen.

Sind die Arbeiten dem Surrealismus zuzuschreiben?

Mit dieser Einordnung ist der Künstler nicht zufrieden. Es geht ihm eher um die Bildbetrachtung, die aus verschiedenen Wahrnehmungssequenzen und –ebenen besteht. Das Surreale ist dabei nur eine Wahrnehmung. So erscheinen seine Werke als traumhaft, verwunschen.

Sie zeigen zwar Bekanntes, welches in der gesamten Bildkomposition gleichzeitig fremdartig wirkt, mitunter gar beängstigend und düster, wobei seine eher helle, klare Farbwahl anderes verspricht und im irritierenden Kontrast dazu steht.

Die Bildräume sind unklar, als malerisches Mittel verwendet er Lasuren, die übereinandergelegt Schicht um Schicht ganz eigene Raumtiefen entstehen lassen, sie überlagern sich und das Gefühl der Unwirklichkeit wird noch durch ungleiche Proportionen der Bildmotive verstärkt. Es wird das zum Bild, was verbal nicht erfasst, geformt oder zum Ausdruck gebracht werden kann und so treffen auch mal mehrere Themen und Kopfbilder im Werk aufeinander.

Ralf Ehmann nutzt viele Gegenstände mit symbolischem Charakter, wie ein kokon-, larvenartiges Gebilde. Ein organisches Ding, das im Werden ist, das reifen muss, annehmen und wachsen? So manches Mal erscheint es beziehungslos im Raum, abgegrenzt von allem anderen und doch sehr groß, präsent.

Ebenso wichtig ist Ralf Ehmann in jüngeren Werken das Motiv der Waage. Es ist das menschliche Abwägen, das Bewerten und Einordnen, das er in seinem Werk „Die Gerechten“ (2010) thematisiert und als Malerei und Radierung gleichzeitig entstehen ließ. Es zeigt den Stellvertreter am Rande einer der Waagschalen, den Abgrund hinunterblickend.

Im Bildvordergrund fällt sein nackter Gegenpart bereits hinab, ein anderer liegt gekrümmt in der gegenüberliegenden Schale. Der düstere, rote Himmel öffnet sich fernab mit ersten hellen Sonnenstrahlen – oder zieht er sich zu? Jeder der Protagonisten ist sich selbst überlassen, hilflos seinem Schicksal ausgeliefert.

Und schon drängen sich Fragen auf wie „Hat er ihn gestoßen?“ oder gar „Sind hier nicht mehrere Zeitebenen zeitgleich zu sehen?“ So wäre zum einen das erste Abwägen mit dem Blick noch unten zu sehen, dann das „Nackte-mit-sich-Ringen“ liegend in der Schale und schließlich der Sprung, der Sturz ins Ungewisse.

Die Landschaften, die seine Protagonisten umgeben, sind irritierend. Gebirge und der einzelne Berg, als kaum zu überwindendes Hindernis, finden sich in all seinen Kunstbereichen wieder. Aus dem Nichts schießen plötzlich Hochhäuser aus dem Boden wie seinem Werk „Träumer“ (2010), in dem Stacheldraht schmerzlich das Sehen unterbindet. Graue, triste Häuserwände und gleichermaßen triste Gesichter gibt „Die Straße“ (2005) preis, dabei stellt er dem Grau ein starkes Gelb als Kontrast gegenüber. Es geht ihm um Abgrenzung, Verknüpfung und Verbindung.

Ralf Ehmann scheint seine Bilder im Werden spüren zu wollen. Die schweißtreibende, kraftvolle Arbeit an den Skulpturen und Objekten sowie die Anstrengung an der Druckerpresse sprechen für sich. Gleiches lässt sich auch in seiner Malerei entdecken. Ehmanns Bilder sind stets von einer kraftvollen Bewegung, einer aufregenden Dynamik und einem starken Duktus begleitet.

„Ich bin nicht der stille Typ“, sagt er, der seinem Gegenüber im Gespräch sehr ruhig begegnet. So sind es wohl die inneren, lauten Szenerien, die ihn unruhig antreiben. Die Arbeiten, Malerei oder Skulptur, leben von Andeutungen, dem Feinsinnigen und schließlich der dichten Interpretation.

Titel haben bei Ralf Ehmann einen hohen Stellenwert. Zunächst entstehen Arbeitstitel, die im Laufe der Schaffenszeit auch Veränderungen unterliegen können. Er sieht sie als Fingerzeig, eine Handreichung des Künstlers an seinen Betrachter und gleichzeitig die Aufforderung zur individuellen Begegnung. Dieser wiederum sucht nach Antworten, nach eigenen Wegen des Verstehens, nicht ohne die Irritation, die ihn bei der Suche durch die Bildräume stets begleitet.

Marie-Louise Abele, Freie Journalistin, Reutlingen

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