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08.04.2017 Von der Provinz in ein internationales Umfeld

Vorgestellt: Die Brüder Julian & Roman Wasserfuhr sind inzwischen die Shootingstars der deutschen Jazzszene

von: ACT Music & Vision

Seit ihrem Debüt Album „Remember Chet“ (2006), mit dem der damals erst 17-jährige Julian Wasserfuhr in die Fußstapfen Chet Bakers schlüpfte, avancierten die Wasserfuhr-Brüder aus dem beschaulichen oberbergischen Dorf Hückeswagen zu Ausnahmeerscheinungen des Young German Jazz. Eine solch unglaubliche und verblüffende Reife eines jungen Trompeters hatte man seit dem frühen Till Brönner lange nicht gehört.

Nicht minder beeindruckend war die Souveränität, mit der Julians gerade mal drei Jahre älterer Bruder Roman am Klavier nahezu symbiotisch begleitete. „Am Anfang einer Karriere steht Epigonentum”, befand einst der Trompeter Manfred Schoof: Und so arbeiteten sich die beiden Brüder zunächst am Vorbild ab, denn erst die Auseinandersetzung mit der Tradition bildet die Grundlage für ein eigenes Œuvre.

Auf unzähligen Konzerten erspielten sich die Wasserfuhr-Brüder schnell ein breites Publikum und einen Namen in der Szene. „Upgraded“ hieß dann logischerweise ihr zweites Album (2009): Von der Provinz in ein internationales Umfeld, mit den Jazzstars Nils Landgren und Lars Danielsson legten sie bei der Aufnahmesession in Göteborg das Etikett „Young German“ ab und stiegen in die erste Liga des deutschen Jazz auf.

Nun folgte „Gravity“: Das Album erzählt davon, wie wichtig die Bodenhaftung ist, wenn der Karriere Flügel wachsen. Es geht um die Schwerkraft und ihre Überwindung: Man muss geerdet sein, festen Boden unter den Füßen haben, um abheben zu können. Und wieder sind Weltklasse-Musiker an der Seite der Wasserfuhrs:

Erneut der schwedische Bass-Melodiker Lars Danielsson und erstmals Deutschlands gefragtester Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Sie bilden eine Rhythmus-Gruppe von Weltklasse-Format und erweisen sich als ideale Wahl: Wie die Wasserfuhrs sind beide Freunde eines direkt in die Seele zielenden Jazz mit Liebe zu Details und Klangschönheit.

Darüber hinaus ist Haffner mit seinem feinen Gespür für Dramaturgie und Atmosphäre als Produzent für „Gravity“ verantwortlich. Für die Wasserfuhr-Brüder findet er anerkennende Worte: „Trotz ihrer noch jungen Karriere haben die beiden eine sehr genaue Vorstellung von ihrer Musik und wissen, wie sie klingen wollen. Die gemeinsame Arbeit an „Gravity“ war sehr anregend und fruchtbar.

Was die Musik der Wasserfuhr-Brüder so besonders macht, ist ihr Mut zu bezaubernder Schlichtheit, ihr absolutes Vertrauen in die Melodie und ihr Gefühl für Lyrik und innere Spannung. Bemerkenswert für die jungen Musiker ist der Verzicht auf jede unnötige Effekthascherei.

„Das muss man sich trauen. Zu bewundern ist dann das Gegenteil von Angeber – Jazz“, merkt der bekannte deutsche Schauspieler Matthias Brandt in seinen Liner Notes zum Album an. Als Arrangeur und prägender Begleiter führt Roman musikalisch Regie. Julian ist als tragender und träumender Solist der Hauptdarsteller.

Handwerkliches Können und instrumentale Virtuosität werden nicht wahllos zur Schau gestellt, sondern ganz im Dienste des Songs und für den für die Wasserfuhrs so typischen Transport von Emotionen eingesetzt. „Und das ist, in jeder Kunst, das Schwierigste überhaupt. Aber, wenn’s gelingt, auch das Schönste“, so der Künstlerkollege Brandt weiter.

Man muss nur einmal ihre intime Version von Bert Kaempferts „L.O.V.E“ auf sich wirken lassen, diese auf den musikalischen Kern reduzierte, alles in den Dienst des melodischen Gedankens stellende Interpretation, dann spürt man die Kraft der Wasserfuhrschen Klangwelt. Oder man genießt die bezaubernde Atmosphäre, die sie mit Stings „Englishman in New York“ erschaffen.

Mehr Cover-Versionen braucht es indes nicht, denn was die beiden Brüder selbst komponieren, besitzt ähnlich melodische Qualität. Das beschwingt impressionistische „Branca“, der hymnische Uptempo-Blues „Midnight Walk“ oder die ergreifende Ballade „Fool’s Paradise“ haben selbst das Zeug, zu Jazz-Standards zu werden. Und wie groovend, fast funky der sanfte Minimalismus der Wasserfuhrs werden kann, zeigt „Blue Desert“.

„Gravity“ ist ein schwergewichtiges Argument dafür, dass der junge deutsche Jazz vital ist wie nie und für die Zukunft schöne Aussichten verspricht.

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