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28.04.2009

Das Hamburger Schauspielhaus zeigt das sozialkritische Stück: Kritische Masse

Das Arbeitsamt bleibt heute aus unerfindlichen Gründen geschlossen. Vor der Tür bildet sich nach und nach eine bunte Menschentraube, Bundesrepublikaner aus unterschiedlichsten sozialen Schichten warten gemeinsam auf Einlass. Der ausgesonderte Ethikprofessor steht verdutzt neben dem Langzeitarbeitslosen, die junge Hauptschülerin neben der russischen Einwanderin. Sie haben abweichende Biografien und Motivationen dem Leben gegenüber, sie kommen woanders her und wollen, wenn sie es überhaupt noch formulieren können, woanders hin; eines aber haben sie gemeinsam: die Arbeitslosigkeit drängt sie an den Rand der Gesellschaft. Der Ort, der über kurz oder lang eine Veränderung schaffen sollte, bleibt versperrt und so fällt der unfreiwillig formierten Gruppe erstmal nichts anderes ein als gemeinsam zu warten.
Was ist mit denen, die draußen sind?

Diese Frage stellt Oliver Bukowski in seinem neuen Auftragswerk für das Deutsche Schauspielhaus. Der Titel »Kritische Masse« ist dabei Programm: Die Wartenden bilden eine Art Protestcamp, sie feiern eine Party, saufen, quatschen, hoffen, verzweifeln, lieben und hassen sich und versuchen für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. Kritisch sind sie allemal, aber worauf zielt ihre Kritik ab? Auf die Verbesserung der sozialen Lebensumstände oder auf die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung? Lassen sich die festgestellten Missstände mit dem Kapitalismus verbinden oder gehört das System schlicht abgeschafft? Was interessiert mehr? Das Hemdchen für den Liebsten oder die Kampfuniform? Und vor allem: Wer hört einem beim revoltieren überhaupt zu, wenn man kein Lokführer ist und durch Protest das Verkehrssystem eines ganzen Landes zum erliegen bringen kann? Es ist nicht leicht für die Kritische Masse in eine Revolutionäre Masse umzuschlagen.

Oliver Bukowski, studierter Soziologe, analysiert Proteststrukturen und wirft die Frage auf, welcher gesellschaftliche Tropfen das Fass zum überlaufen bringt. Auf skurrile Weise stellt er die Frage nach dem revolutionären Potential einer kritischen Masse. Und wie immer bei Oliver Bukowski liegen Tragik und Komik ganz eng beieinander, liefern sich die Helden bissige Dialogduelle und schwarze Pointengewitter.
Der Regisseur Sebastian Nübling, von dem schon mehrere Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus zu sehen waren und der mit seiner Inszenierung »Pornographie« zum Theatertreffen 2008 eingeladen war, begegnet Bukowskis unterhaltsamer Tragödie in der Gegenwart und befragt die Kraft der Kritik an unserer heutigen Gesellschaft.

Oliver Bukowski (Autor)
Geboren 1961 in Cottbus. Nach dem Abitur studierte er von 1985 bis 1990 Philosophie, ab 1987 sozialpsychologisch spezialisiert (Diplomarbeit: »Begriffe moderner Motivationstheorie«). Anschließend war er Doktorand für Sozialwissenschaft an der Humbold-Universität Berlin. Bukowski ist Mitinitiator und Gründer der THEATERLOGE e.V. Seit Abbruch des Forschungsstudiums im November 1991 arbeitet er als freischaffender Autor, er lebt in Berlin.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl): Gerhart-Hauptmann-Preis 1994 für »London – L.Ä. – Lübbenau«, Deutscher Jugendtheaterpreis 1996 für »Ob so oder so«, Stücke-Förderpreis des Goethe Instituts im Rahmen der Mülheimer Theatertage 1998 für »Nichts Schöneres«, Mülheimer Dramatikerpreis 1999 für »Gäste«, Lessing-Förderpreis 2001 des Freistaates Sachsen. Oliver Bukowski war 1998 Mitbegründer und Leiter des Uraufführungstheaters (UAT) am Staatstheater Dresden und gründete 2001 die Filmproduktionsfirma »IT WORKS! Film-produktion«. Er ist Dozent in der Klasse für »Szenisches Schreiben« an der Universität der Künste Berlin, aus der in den letzten Jahren sehr viele renommierte Nachwuchsdramatiker hervorgegangen sind.

Regie Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme Magda Willi
Musik Lars Wittershagen
Dramaturgie Nicola Bramkamp
Licht Annette ter Meulen
Mit Marion Breckwoldt, Marlen Diekhoff, Jörn Knebel, Juliane Koren, Hedi Kriegeskotte, Marie Leuenberger, Martin Pawlowsky, Tim Porath, Michael Prelle, Jana Schulz, Tristan Seith, Lydia Stäubli, Daniel Wahl, Samuel Weiss, Kaspar Weiss, Sören Wunderlich

Infos unter: www.schauspielhaus.de am 28.4. sowie 14.5.2009

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23.03.2009

Die Kunstform des improvisierten Tanzes und elektronischer Musik werden gemischt und verschmelzen ineinander zu einem Gesamtkunstwerk, das der Fotokünstler Luigi Toscano und sein Partner Felix Kerkow aus verschiendenen, auch ungewöhnlichen Perspektiven in einem filmischen Porträt wiedergeben

Im Mittelpunkt des Films stehen spontane Kreativität und Improvisation der Künstler und deren Interaktion auf der Bühne. Gezeigt wird der zur Perfektion gebrachte Austausch der Kunstformen.

Freie, auf elektronischen Sounds und Beats basierende improvisierte Musik der Band Goldbach gepaart mit modernem Ballett ergeben eine wunderbare Collage voll Ideenreichtum und Ausdruckskraft.

Luigi Toscano, Felix Kerkow (und Stefan Schrön an der Bühnen-Kamera) ist es gelungen, dieses ungewöhnliche Zusammenspiel in ihrem gemeinsamen filmischen Erstlingswerk zu verbinden. In Kooperation mit dem Kevin O´Day Ballet des Mannheimer Nationaltheaters  und der free form electronic Band Goldbach und um den Mannheimer Trompeter Thomas Siffling.

Film Premiere 25.03.09 20.00 Uhr Atlantis Kino Mannheim

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