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25.04.2010 die geschichte einer affäre

Das Leben von Chanel: Coco Chanel & Igor Strawinsky - sie waren besessen von der Kunst

von: kino.de

 

Paris, 1913. Coco Chanel ist in den jungen und vermögenden Boy Chapel verliebt - aber hauptsächlich ist sie von ihrer Arbeit eingenommen. Igor Stravinsky studiert "Le Sacre du Printemps" ein. Die revolutionären Dissonanzen dieser Partitur erinnern an die radikale Arbeit der Modeschöpferin. Coco besucht die Premiere von "Sacre du Printemps", gekleidet in einem eklatanten weißen Kleid - im Gegensatz zu der Abendrobe der schwermütigen Pariser Bourgeoisie. Als viel zu modern und antikonform empfunden, werden die Musik und das Ballett von den tobenden Premierengästen ausgebuht. Igor ist untröstlich.

Visuell starkes und emotional unterkühltes Arthousedrama von "39,90"-Regisseur Jan Kounen über die Amour Fou zwischen der französischen Modeschöpferin und dem russischen Komponisten.

Nur wenige Monate nach Start des Biopics "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" lädt das legendäre enfant terrible der Modeszene abermals zum Kinobesuch, der zwar biografische Eckdaten umfasst, vornehmlich aber um eine kaum bekannte Affäre ein kunstsinniges Deko-Drama dichtet. In dem schwelgerisch ausgestatteten Kostümfilm kommen nicht nur Chanels Original-Kollektionen und Accessoires zur Geltung, auch Mode-Zar Karl Lagerfeld ließ es sich nicht nehmen, extra Kleider im Chanel-Chic zu entwerfen.

Der Lieblingsfarbe der Mode-Revolutionärin gewidmet, ist Kounens Werk ganz in Schwarz getaucht, ein weitreichendes ästhetisches Konzept, aus dessen Dunkel sich die spektakuläre Eingangssequenz schält: Stravinskys legendäre Premiere seines avantgardistischen Ballet-Stücks "Le sacre du printemps" 1913 in Paris. Die experimentelle Aufführung am Vorabend des Ersten Weltkriegs eskaliert in einem Publikums-Tumult, den die Gendarmerie sprengen muss. Allein Coco Chanel (beachtlich: Anna Mouglalis) ist beeindruckt von dem modernen Schauspiel, das Kounen intensiv als Rausch der Sinne montiert und zu einer furiosen Kakophonie steigert.

Nach dem anschließenden Zeitsprung ins Jahr 1920 dominieren zwar weiterhin die opulenten Kulissen, stilistisch nimmt sich der Film jedoch sehr zurück und konzentriert sich auf eine Begegnung der beiden Künstler: Die Mäzenin lädt den armen Komponisten (zugeknöpft: Europas Charakterstar Mads Mikkelsen) samt seiner vier Kinder und der unheilbar an Tuberkulose siechenden Gattin (Yelena Morozova) in ihre Designervilla. In dem von knisternd-kühler Erotik geprägten Miteinander verliebt sich Stravinsky in die attraktive Gönnerin und beginnt eine Affäre, ohne zu merken, dass er damit nicht nur seine Ehe ruiniert, sondern einer Man-Eaterin ins Netz geht, die gerne Männer sammelt. Ein elegischer Ton wird angeschlagen, der dramaturgisch wenig zu bieten hat. Spannung bezieht der Film nur aus den fabelhaften Akteuren. Besonders Morozova, deren Frauentyp das Gegenteil der als gefühlskalt geschilderten Gastgeberin verkörpert - traditionell gegen modern - gelingt es, einige emotionale Akzente in dem unterkühlten Spiel der Hauptfiguren zu setzen. Kounen, der nach Storys um Gangster, Drogen und zuletzt einem durchgeknallten Werbewrack seine Vielseitigkeit unterstreicht, überrascht mit einem schillernden Gemälde, das Stravinskys Musik und Chanels Designs kunstvoll arrangiert.

Drama - Frankreich 2009
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren - 132 Min. - Verleih: Pa Co (24 Bilder)
Start: 15.04.2010

Quelle: www.kino.de/kinofilm/coco-chanel-igor-stravinsky/119984.html

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