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Präsentation von Künstlern und ihren Werken

24.05.2019 Europa als todkranke Patientin

GFDK - Werk der Woche

Unser Ziel ist es, dass Europa einmal ein großes, gemeinsames Haus für die Europäer wird, ein Haus der Freiheit. Konrad Adenauer

Brexit, Geflüchtete, zunehmender Nationalismus, die EU droht auseinanderzubrechen. Die Düsseldorfer Künstlerin Johanna Wiens, Schülerin von Jörg Immendorff und Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf, hat ein Kunstwerk geschaffen, mit dem sie ihre Sorge um die europäische Gemeinschaft ausdrückt. In ihrem Gemälde Aneurysma zeigt sie Europa als todkranke Patientin, die gerade operiert wird.

Mit ihrem Bild will Johanna Wiens eindringlich dazu aufrufen, am kommenden Sonntag zur Europawahl zu gehen. Unser gemeinsames Europa steht für Werte wie Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Solidarität. Die dürfen wir unter gar keinen Umständen aufs Spiel setzen, betont die gebürtige Polin.

Angesichts des Machtzuwachses nationalistischer Parteien in vielen europäischen Ländern plädiert die Künstlerin für eine vernünftige Entscheidung in der Wahlkabine: Wir sollten nicht zulassen, dass sich Kräfte, die strikt gegen die EU sind, im Europaparlament durchsetzen. Das wäre so, wie wenn ich mich von Ärzten operieren lasse, denen es nicht um meine Gesundheit geht.

Johanna Wiens, geb. 1976, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf als Schülerin von Jörg Immendorff und Meisterschülerin von Gerhard Merz.

Sie lebte nach dem Studium einige Jahre in China, Taiwan und Japan und beschäftigte sich mit den dortigen Geistes - und Kulturformen. Seit ihrer Rückkehr beschäftigt sie sich mit der geschichtlichen und europäischer Identität.

 

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17.05.2019 Motive der Berliner Großstadt

GFDK-Werk der Woche

Bereits Ernst Ludwig Kirchner und dessen expressionistische Kreise entdeckten das Motiv der Berliner Großstadt als einen facettenreichen und faszinierenden Ausdruck menschlichen Lebens.

Anders jedoch als bei den lebendigen und kraftvollen Gesamtdarstellungen der Expressionisten wendet sich Renata Tumarova in ihren Bildern spezifischen Stadtszenarien zu.

Zunächst verborgen hinter einem Schleier aus großstädtischer Geschwindigkeit oder glänzenden Regenwänden treten in ihren nächtlichen Szenen immer wieder einzelne Menschen oder Personengruppen hervor.

Während diese für einen Moment aus ihrem Alltag herausgerissen werden und wie im Zeitlupentempo verharren, fliegen die Lichter und Reflexe der Stadt an ihnen vorbei und erwecken den Eindruck tiefer Melancholie und Einsamkeit.

Der Betrachter selbst findet sich dabei unweigerlich in den oftmals großformatigen Bildern der Künstlerin wieder, wenn er beispielsweise in "After midnight" einer jungen Frau mit rotem Mantel und gelbem Regenschirm gegenübersteht, ganz so, als wäre er Teil jener zeitlichen Verkürzung, welche die Grenzen zwischen Bild und Betrachter auflöst.

Im Gegensatz dazu begibt sich die Künstlerin in Gemälden, wie "I thought I could join them" oder "Moll Gree - The arriving of the gambas" an die Küsten Venedigs und Spaniens. Sie entfernt sich von den düsteren Motiven der Großstadt und wendet sich statt dessen dem bunten und temperamentvollen Leben jener südlichen Regionen zu.

Auf ihren Reisen zu den Orten ihrer Bilder fängt sie deren Charakteristiken ein. Atmosphärische Lichtwirkungen und natürliche Impressionen spielen dabei ebenso eine Rolle, wie das Leben der Menschen und deren offene Mentalität.

Fast schon virtuos vermag es die Künstlerin dabei mit den Ölfarben umzugehen und die Zustände verschiedener Stofflichkeiten, wie die schimmernde Transparenz des Regens, die spiegelnden Reflexe einer Wasserpfütze oder die Leuchtkraft von Scheinwerfern und Laternen, wiederzugeben.

Durch eine bewusst gewählte Ausschnitthaftigkeit, die an die Anfänge der amerikanischen street photography erinnert, lenkt Renata Tumarova den Blick immer wieder auf bestimmte Situationen.

Gleichzeitig implizieren jene Ausschnitte, dass der Betrachter stets nur den kleinen Teil eines großen Ganzen vor Augen geführt bekommt und, dass das Weiterdenken über die Grenzen des Bildträgers hinaus durchaus erwünscht ist.

Ein gedanktlicher Spielraum ist es schließlich auch, welcher die Konturen der Motive verschwimmen lässt und einzelne Personen, wie das junge Mädchen in "Wieder am See" in einen dunklen Schatten verwandelt, der lediglich das platonische Abbild einer verborgenen Realität darstellt.

Renata Tumarovas Bilder unterliegen dabei einem stets unvollendeten Charakter, welcher die nicht immer ganz eindeutigen Orte zu fragmentarischen Ausschnitten der menschlichen Existenz erweitert.

Die Redaktion GFDK vergibt 5 Sterne für die Künstlerin. (Kaufen)

Preise von 750 bis 7000 Euro.

 

galerie gerken                         

auguststraße 49

10119 berlin

tel.: + 49 30 978 940 66            

www.galerie-gerken.de          

 

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06.05.2019 ein Spiegel für die Seiten des Lebens

GFDK - Werk der Woche

Die Welt meiner Bilder sind Innen- und Aussenräume bei Tag und auch bei Nacht. Sie sind Wiedergabe meines alltäglichen Lebens und meiner erlebten Umwelt. Vordergründig scheinen sie eine heile, bürgerliche und vergnügliche, betriebsam, fleißig aufstrebende, menschliche Umwelt darzustellen, aber bei genauer Betrachtung werden alltägliche Gegenstände zu Metaphern der realistischen, oft aggressiven "Lebenswelt".

Die Räume sind angefüllt mit den nützlichen, aber unscheinbaren Gegenständen des täglichen Gebrauchs, die für uns oft nur zweckdienlich sind und uns daher nicht beachtenswert, eher unschön erscheinen.

Aber gerade die Hervorhebung dieser unscheinbaren Gegenstände mit ihrer diffizilen Vielfältigkeit, den Ecken und Kanten im Spiel mit Licht, Schatten und Farbe erlangen so einen starken Reiz.

Sie sind auf einmal ein fester Punkt im Bild, nicht wegzudenken aus der kompositionellen Gesamtheit des Bildes. Ein dichtes Farbgewebe, aus akzentuierten Punkten zu gedämpften, feinen Nuancen und Flächen.

Es sind Dinge, die durch Skizzen schnell festgehalten wurden. Auf der Leinwand ist es dann nicht nur ein Prozess des Übertragens der flüchtigen Momente, sondern diese flüchtigen Momente werden bewusst zu einer neuen Komposition verändert.

Dinge erhalten so neue gegenseitige Beziehungen und somit eine neue Inhaltlichkeit, die in den nachträglich gegebenen, oft ironischen, Titeln wie z. B. „Love to Love“ angedeutet werden.

Das Hell-Dunkel ist ein Spiel zwischen dem Gegensatz Tag/Nacht. Ist es noch Nacht? Ist es schon Tag? Ist es ein künstliches oder ein natürliches Licht? Das Prinzip der Gegensätzlichkeit der Welt und deren Beziehungen und Probleme miteinander werden so zu einem zentralen Bildthema.

Für uns eher markante Dinge wie z.B. ein Stuhl oder ein Tisch treten in ihrer Prägnanz zu Gunsten gewisser "Undinge", wie z.B. Lichtflecken zurück. Ein Dialog zwischen den einzelnen Gegenständen entsteht. Manche befreien sich von Ihrer ursprünglichen Funktion und werden so zu Protagonisten für deren Benutzer.

Verstärkt wird diese „neue“ Funktion durch die Komposition. Oft diagonale Bildkompositionen erzeugen eine starke Dynamik, einhergehend mit einer nun herrschenden starken Lebendigkeit der ehemaligen "nature morte".

Die Dynamik erhält eine zusätzliche Beschleunigung durch die oft extremen Vogel- als auch Froschperspektiven. Die Starre, die diese gewählten Gegenstände hervorrufen können, wird aufgehoben und kann bis zu einer angreifenden Aggressivität gesteigert werden.

Die subjektive Beobachtung der Gegenstände im Spiel des Lichtes ermöglicht eine freie malerische Umsetzung, die eine Metarmophose der Objekte zu neuen Eigenformen zuläßt. Bei diesem Wechsel werden innerhalb eines minimalen Zeitraumes die räumlichen Betonungen und die Farbnuancen neu verteilt.

Statik wird zu Bewegung und die Objekthaftigkeit eines Gegenstandes wechselt zu einer starken Subjektivität. Somit ist auch der Wechsel von der mathematisch, objektiven Perspektive zu einer im Bild wechselnden, teilweise aufgelösten, subjektiven Perspektive möglich.

So entstand das Bild 'Devil's Garden' nach einer Skizze, die im bekannten Biergarten 'Schleusenkrug' am Landwehrkanal im Tiergarten entstanden ist. Städtisch und doch im Grünen. Das nächtliche Ambiente ist ein Mischung aus erster Nachkühle und auch Dampf von der vergangenen Hitze des Tages. Eine Vorahnung, was in den nächsten Tagen passieren könnte. 

In den Bildern entstehen Beziehungen, Rückantworten, Abtrennungen als auch Brüche. Sie sind ein Spiegel für die frohen, leichten, beschwingten ebenso wie für die düsteren, beängstigenden, verzweifelten und verlorenen Seiten des Lebens.

BIOGRAPHIE:

Dorothea Schüle lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin.

Dorothea Schüle, 1970 geboren in Pforzheim, 1990 Studium an der Freien Kunstschule Stuttgart, 1991 Beginn des Studiums an der Kunstakademie Münster und an der Westfälischen Wilhelms Universität, 1999 1. Staatsexamen für Bildende Kunst und Geographie, Akademiebrief.

PREISE UND AUSZEICHNUNGEN:

1993 1. Platz des Xaver-Fuhr-Preises

1995 Ernennung zur Meisterschülerin von Prof. Hermann Josef  Kuhna,  Akademiestipendium Rom

2002 Stipendium des Glückstadt Destination Managment

2003 Gaststipendium in der Villa Romana, Florenz

2007 Kaiserswerther Kunstpreis, Gesellschaft Freunde der Künste - GFDK

2015 Burg Kniphausen, „West sieht Nord“, Plein Air an der Küste

 

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06.05.2019 weg von oberflächigen Posen

GFDK - Werk der Woche- Enno Kaufhold und Andreas Kesberger

INNER SPACES. Surreale Welten - Ganz haben die fotografischen Bilder die figürlichen Darstellungen in der Malerei, der Grafik oder der Skulptur wohl nicht verdrängt, gemessen aber an den vielfältigsten figürlichen Darstellungen, wie sie das 19. Jahrhundert noch mit seinen unzähligen christlichen, mythologischen, Genre- und Historienbilder kannte, ist das Figürliche heute in diesen traditionellen Medien nur vereinzelt anzutreffen.

Figürliches finden wir vor allem in der Werbung und in der Fotokunst, in der überwiegenden Mehrzahl in inszenierten Bildern. In ihrem Raffinement und ihrem Realismus sind sie den historischen Bildern inzwischen weit überlegen.

Dass nur das fotografiert werden kann, was faktisch vor dem Objektiv existiert, diese Zeiten sind vorbei. Die digitale Technologie macht die szenischen Möglichkeiten inzwischen grenzenlos. Am Computer lassen sich alle nur denkbaren Szenarien generieren und dann in eine fotografisch anmutende Form übertragen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen die von Dirk Hanus inszenierten Bilder seiner Serie „inner spaces“ Bedeutung. Denn sie weichen entschieden von unseren Seherfahrungen ab: Wir erblicken Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, die in Räumen agieren, wie wir sie zwar kennen, doch erscheinen die Handelnden in rätselhaften und nicht eindeutigen Arrangements.

Bei aller fotografischen Detailgenauigkeit und Wiedererkennbarkeit, sei es der Kleidung oder der Interieurs, also dem Vertrauten, sind es vor allem die Körperhaltungen der Personen und dann die hinsichtlich ihrer Quellen mysteriösen Beleuchtungen, die uns gleichermaßen irritieren. Mit anderen Worten, Dirk Hanus’ Inszenierungen wirken surreal.

In ihrer Surrealität beziehen sie sich jedoch nicht auf die Bilder der Surrealisten der zwanziger Jahre und deren Insistieren auf den psychischen Automatismus, sondern reihen sich in die Tradition surrealer Motive ein, wie sie die Kunstgeschichte seit Jahrhunderten als Ausdruck der Fantasien und Empfindungen einzelner Künstler kennt.

Insofern sind sie kunsthistorisch verankert und zeigen zugleich deutliche Bezüge zur aktuellen figurativen Fotokunst. Denken wir an Jeff Wall, der das Momenthafte der Straßenfotografie inszeniert, oder Philip-Lorca diCorcia, der seine Straßenmotive mit dem Studioblitz ausleuchtet und auf diese Weise verfremdet. In dem bewussten Inszenieren der Personen und der verfremdenden Lichtgestaltung zeigen sich methodische Parallelen, die Bildgestaltungen haben aber einen eigenen, originären Charakter.

Dirk Hanus’ Inszenierungen folgen, wie schon in seinen früheren Bildern, ganz seinen Fantasien und Intuitionen, sie sind einerseits in der Wahl der Modelle, der Räume und deren Interieurs dramaturgisch genauestens geplant und leben andererseits von spontanen Entscheidungen bei der praktischen Umsetzung.

Wenn seine Bilder in der Folge in ihrem digital bearbeiteten Erscheinungsbild von der Realität abweichen, dann geschieht das in der Überzeugung, dass unser unmittelbarer Alltag wie die Fülle der medial vermittelten Ereignisse aus allen Regionen unseres Globus’ mittlerweile in einem Maße Kuriositäten und Absonderlichkeiten bereithalten, die all unsere Vorstellungen übertreffen.

Soziologisch gefasst zeigt uns Dirk Hanus in seinen Licht- und Farbräumen die Welt des bürgerlichen Mittelstandes in Europa. Dass die Handelnden durchgehend allein in Innenräumen zu sehen sind, suggeriert eine gewisse Einsamkeit und Verlorenheit.

Ungeachtet der körpersprachlichen Vielfalt verharren die abgebildeten Personen in quasi traumhaften oder filmischen Szenen, von denen wir nicht wissen, was davor passiert ist und was noch folgen wird. Dem Bildbetrachter obliegt es, eine eigene Geschichte zu entwickeln. Das macht die surrealen Szenen zu Quellen unserer realen Emotionen und Fantasien.

Dr. Enno Kaufhold

Die Bilderflut ist Alltag. Eine Antwort darauf ist keine Zeit. Wenn der Mensch noch hinschaut, dann nur ganz kurz. Dazu muss die Botschaft schnell entschlüsselbar sein. Hier setzen auch die Bilder von Dirk Hanus an. Handwerklich perfekt, erinnern sie an die glatte Werbeästhetik unserer Tage. Die Einrichtungen kennen wir alle, die Menschen darauf meinen wir auch zu kennen.

Doch genau in dem Moment, in dem das Auge eigentlich schon weiter will, greifen die Widerhaken. Das Licht ist nicht logisch. Oft unklar geführt. Unschärfen, dunkle Bereiche, offene Türen, seltsame Schränke. Überstrahlungen.

Diese Irritationen finden sich wieder im Zentrum eines jeden Bildes der Serie. Im Zentrum steht, liegt, hockt der Mensch. Meist in reichlich seltsamen Körperhaltungen. Immer allein, gefangen (verloren?) - in einer Situation, die sich dem Betrachter nicht auf den ersten Blick erschließt. Vielleicht nicht einmal auf den zweiten oder dritten.

Vielleicht auch nie. Was passiert außerhalb unseres Blickfeldes, was geht über den Bildrand hinaus? Wir wissen es nicht, aber wir wollen es wissen. Und schon sind wir selbst in ihnen gefangen, in den surrealen Inszenierungen der „Inner Spaces“.

Andreas Kesberger, Berlin

www.dirkhanus.de

Galerie am Markt 21
D-99423 Weimar
http://www.c-keller.de

 

 

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06.05.2019 Förderpreis 2008 für Sala Lieber

GFDK - Werk der Woche - Elmar Zorn

Lust auf alte Techniken für neue Bilder

Wie stimulierend Maler wie Fragonard, Boucher und Tiepolo auf heutige Maler zu wirken imstande sind, lässt sich am erstaunlichen Werk der ungarischen Malerin Sala Lieber, die nach dem Dresdner und Düsseldorfer Studium u.a. bei Jörg Immendorff und Gerhard Merz sowie bei Brandl abschloss und jetzt post gra-duate weiter studiert, erkennen wie bei keinem anderen Künstler der Gegenwart.

Ihre erklärte Liebe zum Dekor entfaltet sich in detailtreuen Nachempfindungen von Barock- und Rokoko-Ornamenten in ihren Zeichnungen und Malereien von Brokatstoffen, Samt und Seide, Verzierungen, Arabesken, Bordüren, Rocaille-Muschelformen, Lüstern, Perücken.

Kaum ein bekanntes dieser Muster entgeht der Wiedererweckung durch die Künstlerin. Sala Lieber bringt geradezu ein Manifest des Ornaments auf die Leinwand - das genaue Gegenteil also des Manifestes gegen das Ornament, verfasst vom Wiener Architekten Adolf Loos in seinem Essay „Ornament und Verbrechen" von 1908, wo der Höhepunkt einer Kultur am Fehlen der Ornamente gemessen wird.

In der Platzierung ihrer Ornamente meint Sala Lieber jedoch keine Oberfläche, die zu verschönern ist. Ihre floralen und dekorativen Konstruktionen auf der Leinwand zielen auf das innerste Wesen der Form, deren Element die zur Wirbelbewegung gerundete Linie darstellt.

Die schöne Form soll im Kürzel des Ornaments alle Aspekte des Lebens und der Kunst umfassen, auch das Hässliche dieser universellen Sprache, die heute zwar wieder allenthalben gesprochen wird, doch eher in der Reklamewelt und zu wenig auf der Ebene ästhetischen Diskurses.

Es geht also bei Sala Liebers Kunst, ihrer Zeichnung, ihren Siebdrucken und ihrer Malerei durchaus nicht um die „süße" Oberfläche bei der dekorativen, arabesk ver-spielten Form- und Farbgebung, sondern um die Entwicklung einer neuen Bildsprache im Rückgriff auf die altmeisterliche des Rokoko.

Die Einzigartigkeit ihrer Bilderfindungen besteht dabei nicht in der Gestalt der Elemente, die sie gebraucht, sondern in ihrem Einsatz, ihrer Konstruktion auf der Bildfläche.

Wir entdecken, dass die Künstlerin in der Art und Weise, wie sie die nackten Leiber im oft leeren Raum in abenteuerlichen Drehungen und Verrenkungen in Beziehung setzt und gemeinsam fliegen lässt, eigentlich eine Reise in die Welt barocker Bilderfindungen darstellt, mit ihren durch die Moderne und die Zeitgenossenschaft geschulten Wahrnehmungsinstrumenten.

Diese Reise lässt sich auch als eine Reise in einen undefinierbar fernen, geradezu unendlichen Bildraum verstehen, den sie auf der zweidimensionalen Fläche der Leinwand errichtet.

Die Grundsituation der in den Raum geworfenen und ins Bodenlose stürzenden Figuren, die sich im Sturz noch navigierend in Beziehung setzen (etwa in erotische), gewissermaßen ein Tiepolo-Fresko ohne Kuppel evozierend, löst aber nicht nur Engel-Seligkeit aus, sondern deutet auch auf eine womöglich existentielle Einsamkeit der konstruierten Distanzen zu fernen Zeiten und fernen Räumen hin.

Es ist sicher kein Zufall, dass wir solche Zeit- und Raumphantasien aus dem Geiste unseres heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes über Raumkrümmung, Vervielfachung der Raum-Zeit-Dimensionen, Auflösung der Materie in unvorstellbar kleinen Nano- und unvorstellbar großen Weltraumbereichen, als befremdliche, subtil bedrohliche Konnotationen, die im Dekorativen und im Bukolischen schlummern, und ja auch gerade in der Malerei des Rokoko als ihr moderner Aspekt der Tendenzen zur Entgrenzung und Auflösung wiederentdecken.

Exemplarisch nicht nur bei Sala Lieber, sondern auch bei dem in Berlin und Peking gefeierten, vom Galeristen-Trendsetter Alexander Ochs vertretenen Maler Maio Xiaochin, dessen Zyklus „The Last Judgment in Cyberspace" der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Zielinski einen Essay unter dem Titel „Neues im Alten entdecken" widmete.

Vergleichbare Visionen sehen wir eben auch bei Sala Lieber, durch die rokokohafte Leichtigkeit des Seins ihrer Figurinen hindurch, die wie ihre Dekorationen so meisterhaft in Farbe und Komposition im kunstgeschichtlich erinnerten Ambiente gesetzt sind, aber gerade durch ihre tiepolohaften Entgrenzungen und Auflösungen im Bildraum in Bann ziehen, zu einer anderen Art von Cyberspace-Reisen, mit alten Mitteln.

Elmar Zorn

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08.04.2019 SEX das Symbol von Macht

GFDK - Eva Horstick-Schmitt

Erstveröffentlichung am 19.12.2015, also lange vor der MeToo Debatte. Alltagssexismus, Übergriffe, Machtmissbrauch waren schon lange vor Harvey Weinstein ein Thema für die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt.

Die Arbeiten versuchen ein Bild der Zeit wiederzugeben - eine Zeit, in der SEX das Symbol von Macht geworden ist. Sex sells everything. Informationsfluten überwältigen uns gerade durch das ZUR-VERFÜGUNG-STEHEN jeglicher Informationen. Das macht die Zeit schnelllebig und beliebig.

Wir haben weniger Zeit und doch verschwenden wir die Restzeiten im Orbit des Netzes. Ich habe diese Serie ohne Assistenten und ohne Make-up-Artisten etc. allein erstellt. Sie soll ein Bild wiedergeben vom Chaos der Welt , in der wir zu Hause sind.

Chaotisches Durcheinander des Angebotes, welches uns zur Verfügung steht. Die Arbeiten sind ein Blick auf das, was im Inneren abgeht. Eine Mischung aus Bürowelt, Sex,Freizeit, Bürgerlichkeit und Vorstellungen, die ich damit hinterfragen möchte.

Wir leben nicht die Zeit , sondern die Zeit lebt uns?!

Das Mädchen auf dem Bild , welches in die Kamera blickt - im Hintergrund ein Mann, der sie argwöhnisch betrachtet, als wäre sie aus einem anderen Universum in den ORT herein katapultiert.

Das Bild hinterfragt den Zaun , den wir uns selbst errichten, den Blick, dem wir nicht trauen. Das Foto mit dem Hochzeitspaar wurde in einem alten Gebäude von Hoesch aufgenommen.

Diese Gebäude existieren nicht mehr. Sie sind einem See gewichen, der zum ORT für Häuser wurde, in denen reiche Menschen - Ehepaare leben, die die Vergangenheit dieses Ortes nicht kennen und nunmehr an diesem Ort auf dem Schrott der ausbeuterischen Vergangenheiten leben. 

Fotografien von Eva Horstick-Schmitt

Ich habe Mädchen nach ihren Zukünften befragt und diese Interviews lassen erkennen, dass sie allesamt heiraten möchten und auch Kinder wollen.

Sie möchten einen Beruf, um sich selbst zu verwirklichen. Freunde wollen sie, echte Freunde. Liebe und Frieden. Funktioniert das in einer überfluteten Gesellschaft, die sich schneller dreht als die Erde.

Was heute "in" ist, ist morgen vergessen. Nichts ist älter als die Nachricht von gestern.  Das, was uns manche Medien vorgaukeln, ist weder authentisch noch nachahmenswert. Es ist eine Welt, die sich an sich selbst aufgeilt.

Es geht nicht mehr um authentische Informationen, sondern um die Vergabe des EGOISMUS. Wer die Einschaltqoten schafft, erschafft einen Hype. Wer im Hype ist - ist in.

Sex sells - provokante Fotografien von Eva Horstick-Schmitt

Wir als Wesen dieses Planeten müssen sondieren lernen, wichtiges von unwichtigen Dingen zu trennen. Wie soll das gehen bei all den Informationen von CNN, BBC und co.?

Wie sollen das die jungen Menschen schaffen, die von einem Hype in den nächsten katapultiert werden.Der drive, dem wir alle ausgesetzt sind, wird weggespült von unseren Hirnen oder im Traum verarbeitet?

Ich verarbeitet meine Sicht der Dinge in den Fotoarbeiten, die ich mit meinen "Nichtmodels" inszeniere. Die "Models" sind normale Menschen von der Strasse.

Hausfrau und Mutter, Arzthelferin und Geliebte, gelernte und ungelernte Kräfte aus unserer Gesellschaft. Frauen, die etwa zu sagen haben, egal welchen Bildungsstand sie haben. Ihre Sprache

ist oft einfach, aber in dieser Einfachheit liegt oft viel Wahrheit. Mehr Wahrheit als in vielen der intellektuellen Ergüsse einer sich selbst hypenden Medienwelt. Da zählen nur die Auflagen und diese liegen wie sie sehen als Müll in jeder Ecke. 

Sammeln wir den Müll oder versammeln wir unsere Gedanken an eine Welt, die morgen vielleichtmehr ist als das Heute? Eine, die das Chaos ein wenig ordnet, nicht umzäunt, nur etwas behutsamer ihre Nachrichten auswählt, die sie in die Welt transportieren.

Wenn wir in der Schnelligkeit weiter machen wie bisher, werden die Mädels von Heute mit der Erziehung ihrer Kinder von Morgen völlig überfordert sein.

Bilder aus der Serie:

"5 Min. für ein Mädchen von Morgen!", Phoenix, Eva Horstick-Schmitt

 

 

 

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24.03.2019 Aufstand der Puppen

Prof. Dr. Claudia Rademacher

Puppen, Barbiepuppen, Schaufensterpuppen…Trendsetterin, Ikone, Traumfrau? Sie machen jede Mode mit, schlüpfen in jede Uniform und passen sich flexibel dem jeweiligen Zeitgeist an! Opportunistinnen als Ideal?

Die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt lebte 2005 ein halbes Jahr mit über 7 Schaufensterpuppen und hat diese in ihrem alltäglichen Umfeld fotografisch inszeniert. Daraufhin kam sie auf die Idee, die Puppen als Installation zum Thema der Fußball-WM in Dortmund 2006 zu gestalten mitsamt ihrer Barbiepuppenvollversammlung.

Eva Horstick-Schmitt greift dabei in die gestylte Fassadenwelt der Schaufensterpuppen ein und verknüpft Fotokunst und Performance zur Verstörung des gewohnten Blicks: lebendig aussehende Schaufensterpuppen als Parade und Barbiewahn zum Quadrat.

Allerdings zeigen sich die schön geschmückten Schaufensterpuppen nicht wie gewohnt hinter schützendem Glas, unantastbar gestylt und aufgemotzt hinter Scheiben. Die Welt der Puppen wird lebendig, in einer Kunstperformance kreativ zur Schau gestellt. Die Realität transformiert sich zur bühnenhaften Inszenierung, in der das alltägliche Sein im Design erfroren ist.

Mit ihren Puppen-Installationen greift die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt den grundlegenden Schöhnheitswahn der Gegenwartsgesellschaft auf. „Körperkult und Schönheitswahn“ – ein Diskurs, der in der soziologischen Forschung aktuell intensiv unter der Herrschaftskategorie „Bodyismus“ diskutiert und analysiert wird, erfährt durch die fotokünstlerische Performance irritierende und verstörende Einsichten.

„Babaismus“ nennt die Fotokünstlerin ihr Projekt, mit bewusstem Verweis auf dadaistische Traditionen. Schon 1999 erstellte Eva Horstick-Schmitt Anzüge mit Frauengesichtern, Fotoarbeiten und ließ diese zur Eröffnung des Coloneums Köln von zwei Models vorführen.

„Modelwahn zum Quadrat!“ Eva nahm die Barbies mit auf Reisen, veränderte ihr Gesicht und machte sie zu einer Begleiterin als Mahnmal für unseren Schönheitswahn zum Quadrat.

In der Galerie Camera Obscura präsentierte sie 2009 und 2008 ihre Barbiepuppenfotografien neben ihren Reportagen aus dem Kosovo zum Thema Menschenhandel, stellte Rauminstallationen auf mit Videos, Modemagazinen,

Zeitungsausschnitten von Opfern und dem Torso einer gequälten Puppe – als Stimme gegen Krieg und Gewalt, sowie mit Paketband auf den Boden geklebte schwarz-weiß Fotografien von Opfern und Massengräbern.

Sie scheute sich nicht die Besucher*innen der Galerie auf diese Weise auf die Greultaten und Grausamkeiten in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam zu machen. „Eva – jenseits von Eden“ nannte sie diese Serie.

Prof. Dr. Claudia Rademacher

 

 

 

 

 

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24.03.2019 Tourismusverhalten des Menschen

GFDK - Werk der Woche

Liebe Freunde der Künste, wir freuen uns Euch die Künstlerin Magdalena Abele vorstellen zu dürfen. Ganz besonders gefällt uns der Ansatz ihrer Arbeiten, Mensch und Natur, diese stehen leider nicht immer im Einklang, wie uns die Künstlerin zeigt.

Magdalena Abeles künstlerisches Ansinnen wurzelt in der Romantik, ohne sich darin aber in irgendeiner Weise zu verlieren. Mit scharfem analytischen Blick behandelt sie ihr zentrales Thema, die von Menschenwesen "bevölkerte" Landschaft. Sie zerlegt, was sie sieht, und rekonstruiert daraus eine neue Bildwirklichkeit.

Klug untersucht sie so zugleich das Medium der Fotografie, mit dem sie arbeitet. Sie folgt damit dem hohen Ideal eines nicht nur handwerkelnden, sondern komplexen und selbst-reflexiven Kunstschaffens.

Selbst sagt sie über ihre Arbeit:
"Ausgangspunkt meiner fotografischen Arbeit ist die Landschaft und der Mensch, der sich in ihr bewegt. Meine Bildsujets sind dabei oft solche Orte, die als touristische Anziehungspunkte bekannt sind: Menschen pilgern dorthin, nehmen die Natur mit ihrer Anwesenheit in Beschlag, bevölkern solche Orte, weil diese in Reiseführern als sehenswert ausgewiesen wurden.


Das Tourismusverhalten des Menschen bietet mir die visuelle Basis für eine weiterführende künstlerische Analyse und Betrachtung. Die ritualisierte Begehung der Landschaft zeigt sich in ihrer fast rührenden Hilflosigkeit als zum Scheitern verurteilter Versuch einer echten Annäherung an die Natur, das Ursprüngliche.


Erst bei näherer Betrachtung der durchkomponierten Panoramen fällt auf, dass in die natürliche Logik des Bildarrangements eingegriffen wurde. Denn meine Bilder zeigen keine Momentaufnahmen einzelner Situationen, sondern mehrere Ansichten zeitgleich in einem Bild.

Ein Einzelbild reicht oft nicht aus, um das zu wiederzugeben, was mir der Ort in dem Moment des Fotografierens erzählt; aus zahllosen Aufnahmen aus ein- und derselben Perspektive setze ich ein neues Einzelbild zusammen.

Durch diese zeitliche Verdichtung, in ihrer Intensität individuell variierend je nach Ort und Motiv, entstehen so Bilder, die sich in der Unschärfezone von Wirklichkeit und Simulation nicht eindeutig verorten lassen und so auf subtile Weise das Wirklichkeitsversprechen des fotografischen Bildes hinterfragen."

26. Januar bis 23. Februar 2019

Eröffnung: Freitag, 25. Januar 2019, 20:30 Uhr
Kuration/Einführung: Markus Bydolek

Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
+49 (0)651 / 976 38 40

Samstag und Sonntag 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung

 

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20.02.2019 Meisterin der Leica

GFDK - Werk der Woche

"Die großartige französische Fotografin Sabine Weiss gilt als die Grande Dame der humanistischen Fotografie und hat in über sieben Jahrzehnten ein Lebenswerk zusammengetragen, in dessen Mittelpunkt Fotografien aus Paris stehen. Dort lebt sie seit 1946.

Als geübte Porträtistin hat sie nicht nur zeitlose Charakterstudien von Prominenten geschaffen, sondern sie hat auch immer wieder Menschen auf der Straße in zufällig gesehenen Situationen fotografiert.

Sie ist eine brillante Geschichtenerzählerin, ihre Aufnahmen leben von einer genauen Beobachtungsgabe und vielschichtigen atmosphärischen Schilderung des Alltagslebens.

Durch das feine Sensorium der Fotografin öffnet sich der Blick auf die kleinen Dinge des Lebens. Sabine Weiss zeigt den Alltag, die Arbeit, aber auch die Freizeit der fotografierten Personen.

Bereits 1956 stellte Robert d´Hooghe die Fotografin in der LFI als „Meister der Leica“ vor: „Und schon begann Paris wieder seine alte Faszination auf die Jugend der Welt auszuüben. Unter denen, die sich in Paris trafen, war auch ein junges Mädchen aus der Schweiz.

Sie war gerade zwanzig Jahre alt, hatte eine solide Lehre in einem Schweizer Fotografenatelier hinter sich und das Leben vor sich. Bald kannte man ‚Sabine‘ in den Kreisen der jungen Dichter, Maler und Musiker zwischen Montparnasse, St. Germain-des-Près und Montmartre, die damit beschäftigt waren, in endlosen Debatten die morsche Welt aus den Angeln zu heben und neu zusammenzusetzen.

Wenn sie sich in die Diskussion mischte, vergaß sie nie zu betonen, dass sie Fotografin sei, und nicht „Künstlerin“. Aber sie war keineswegs schüchtern. Sie fand, dass ihre Freunde zwar ausgezeichnete Kunsttheorien entwickelten, aber nicht verstünden zu sehen.

Unter „sehen“ verstand sie bewegt zu werden von den visuell erfassbaren Eindrücken der Umwelt und von den Zusammenhängen, die sich darin andeuten. Ihre Fotografien belegen bis heute sehr eindrücklich die Fähigkeit des fotografischen Sehens von Sabine Weiss.

Denn das ist in der Tat außergewöhnlich präzise und hat ein Zeitgefühl konserviert, das bis heute prägend wirkt.“ (Ulrich Rüter in LFI 16.04.2018)

Signierte Publikationen liegen während der Ausstellung zum Verkauf bereit:
- Sabine Weiss "Les Villes La Rue L´Autre", Centre Pompidou, 2018, 42 €
- Sabine Weiss, "l´oeil intime", 2014,  35 €
- Sabine Weiss, Jeu de Paume, 2016, 35 €

Ausstellung: Sabine Weiss "la vie"

Eröffnung Samstag, den 4. Mai 19:00 – 21:30 Uhr
Ausstellung bis 04. Juli 2019
Öffnungszeiten: Di. - Fr. 16 – 19 Uhr, Sa. 11 – 15 Uhr

während der Internationalen Photoszene Köln:
Fr. 10. Mai 16 – 21 Uhr, Sa. 11. Mai und So. 12. Mai 11 - 18 Uhr

in focus Galerie - B. Arnold
Hauptstraße 114
50996 Köln

www.infocusgalerie.com
0177 3202913

Geführte Tour mit:
- Sabine Weiss + Buchsignierung
Sa. 11. Mai 15 - 17.30 Uhr
- Galerist Burkhard Arnold
So. 12. Mai 14 und – 16 Uhr

 

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17.02.2019 SINNLICHE FORMEN Akt & Natur

GFDK - Redaktion

Sehr starke Bilder von Jörg Pfeifenbring. Es war und ist die Freude an der Schönheit, der Schönheit des menschlichen Körpers und der Natur, die den Fotografen und Musiker seit Jahrzehnten bewog, diese mit der Kamera festzuhalten und künstlerisch zu bearbeiten. Als "Jäger und Sammler" sucht sich der Künstler alles, was ihn anspricht, fotografisch zu eigen zu machen.

Handwerk bleibt Handwerk auch in der Kunst

Dabei nutzt er Formen aus der Natur u.a. als überlagernde Hintergrundmotive. Mit Hilfe der Sandwich-Technik war es möglich, mehrere Dia-Positive übereinander zu belichten. Die allgemein übliche Verfremdung mittels Computer ist seine Sache nicht, auch aktuell sind Bildbearbeitungen die Ausnahme. Er meint nach dem Warum befragt:

Grenzbereiche gewohnter Sichtweisen

"Handwerk bleibt Handwerk. Das auch, um der überbordenden Selvie-Hysterie etwas entgegen zu setzen. Kunst braucht Zeit." Die Fototechnik hat sich enorm entwickelt, was unter heutigen technischen Voraussetzungen wesentlich schärfere Ergebnisse zeitigt, die Aussage betreffend aber nicht immer von Vorteil ist. Beides zeigt Jörg Pfeifenbring, sodass der geneigte Betrachter selbst vergleichen kann.

Es geht Jörg Pfeifenbring nicht um das voyeuristische Herzeigen

Freunde und Bekannte, die von den Arbeiten des Fotografen angetan waren, vermittelten weitere weibliche und männliche Modelle, sodass er auch zunehmend in Grenzbereiche gewohnter Sichtweisen vordringt. So sind in seinen Arbeiten auch Männerakte und Paardarstellungen zu entdecken.

Es handelt sich folglich nicht um voyeuristisches Herzeigen, sondern vielmehr um das Spiel mit sinnlichen Formen und Farben. An der Natur reizt den Künstler wiederum besonders das Schöne, sodass er häufig seine Modelle in der Natur fotografiert, woraus eine hocherotische Symbiose entstehen kann. Und wie es mit aller Kunst beschaffen ist, vollendet sich das Werk erst im Bild des Betrachters.

Jörg Pfeifenbring wurde 1960 in Weimar geboren. Er ist gelernter Schlosser. Sein fotografisches Interesse überkam ihn schon in seiner Jugend mit der ersten Pouva-Start. Später war er jahrelang als freier Presse-Fotograf unterwegs, bevor er sich der künstlerischen Fotografie verschrieb. Heute ist er u.a. als freiberuflicher Musiker "weltweit" im Deutsch-Folk-Genre und bei der "Wiederbelebung" historischer Musikinstrumente aktiv.

Sehr herzlich dankt Jörg Pfeifenbring der Galerie Markt 21 für das Zustandekommen dieser seit langem geplanten Ausstellung, die sich einreiht in vergangene Expositionen in Jena, Apolda, Gera, Berlin, Weimar, Braunschweig, Toulouse, Montpellier und anderen Orten.

Das „Duo Lied-Fass“ aus Weimar (Jens Sachse & Jörg Pfeifenbring)
spielt Folklore und freche Lieder zum Mitsingen und Zuhören .

Programm zur Vernissage am Freitag, dem 25. August 2017 ab 21 Uhr:

vom 26.08. bis 20.09.2017 - täglich von 16 bis 23 Uhr geöffnet, Eintritt frei

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