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Präsentation von Künstlern und ihren Werken

17.05.2012 thema digitale Malerei

GFDK/Eva-Maria Wiest - 4 Bilder

Robert Reiter beschäftigt sich seit einigen Jahren als Fotograf und Illustrator mit digitaler Malerei. In seinen Arbeiten zeigt er die Umsetzung und Bearbeitung von eigenen Fotografien am Computer. Durch diese Verfremdung entstehen spannende, beziehungsreiche neue Werke, die durch ihre eigenständige Aussage überraschen.

 

Robert Reiter zum Entstehungsprozess seiner Bilder:

„In der Phase der Reduktion von Bild und Farbdetails innerhalb eines Bildes erreiche ich (idealerweise) einen sehr eng definierten Punkt, an dem das Zusammenspiel der Farbflächen plötzlich von einem "Geräusch" zu einem reinen "Klang" führt, der, bei geringsten Änderungen der Flächenzusammenstellung, wieder in ein "Rauschen" zurückfällt.

Mein Ziel und meine Faszination ist es also, mich in den von mir ausgewählten und bearbeiteten Fotografien auf die Suche nach dem verborgenen reinen Klang zu begeben.“

 

Der Ausstellungstitel Scrabble, nimmt Bezug auf das vom Architekten Alfred Mosher Butts 1931 entwickelten Spiel Scrabble. Butts Ziel war es, ein Spiel zu schaffen, das je zur Hälfte durch Glück und Können der Spieler beeinflusst wird.

 

1961 in Augsburg geboren

1980 Mitbegründer einer Künstlergruppe, die mit neuartigen bildnerischen Techniken experimentiert

2005 erste Werke der "Digital Art" - Reihe

2006 Teilnahme an der Großen Schwäbischen Kunstausstellung

2009 Ausstellung in der Galerie Noah:

24.07. – 30.08.2009 Neue Bilder: Robert Reiter und Roger Fritz

Lebt und arbeitet in Augsburg

 

Aktuell ist Robert Reiter mit seiner Ausstellung Scrabble" in der Galerie Noah im nunó zu sehen bis 19.6.2012

Nunó / Provinostr. 46/ 86153 Augsburg
Geöffnet:
Di - Sa 10 - 24 Uhr
So & Feiert. 10 - 18 Uhr
Mo Ruhetag 

Kontakt: 

Eva-Maria Wiest M.A.

Öffentlichkeitsarbeit

 

GALERIE NOAH GmbH

Beim Glaspalast 1

86153 Augsburg

 

Tel.: 0821 / 81 511 63

Fax: 0821 / 81 511 64

 

www.galerienoah.com

Di – Do                                   11 - 15 Uhr

Fr, Sa, So und Feiertage        11 - 18 Uhr

gerne auch nach Vereinbarung

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20.04.2012 Grenzgänger des guten Geschmacks

GFDK/ EAGL gallery

In der Kunst sind Kommissar Hjuler und Mama Baer Grenzgänger des guten Geschmacks, ihre Arbeiten werden vielfach als frauenfeindlich oder sexistisch und gewaltpornografisch dargestellt. Beide erklären dazu, dass sie doch nur die Gesellschaft widerspiegeln, wie sie sie erleben. Zumindest verdanken sie ihrer unverschönten Kunstform den Zugang zur internationalen Künstlervereinigung NO!art (New York/Berlin), der sie seit 2009 angehören.

Das Leipziger Kunstmagazin artlout:com empfiehlt zumindest ihre Werke anlagefreudigen Sammlern aus dem Kunstsektor, denn bei so ungewöhnlicher Kunst besteht natürlich auch immer eine große Chance auf Wertzuwachs.

Fluxporn hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: "Ich muss mir immer wieder von Kritikern anhören, dass Pornografie und Kunst unvereinbar sind, gute Kunst distanziere sich klar von Pornografie. Mary Bauermeister distanzierte sich sogar in einer Videobotschaft nachträglich von unserer Performance bei ihr, da wir dort einen Cunnilingus an einer Holzpuppe andeuteten. Meine Reaktion auf diese vermittelte Sichtweise war wie so oft die Offensive, Pornodarstellerinnen zur Zusammenarbeit einzuladen! Es ist auch mit eine Reaktion auf den Kritiker-Vorhalt "sex sells", denn sex sells gar nichts, zumindest nicht in der Kunst!" Die einzelnen hier in der Kollaboration mit ausgestellten Porno-Darstellerinnen werden wir im Vorfeld auch noch kurz vorstellen.

Dieses Künstlerpärchen gelangte auf Umwegen in die Kunstszene, beide machen seit 1999 mit selbst für den Experimentalmusikbereich ungewöhnlichen Musikveröffentlichungen in Kleinstauflagen und aufwendiger Covergestaltung auf sich aufmerksam. Seit 2006 kommt es zu zahlreichen Wiederveröffentlichungen als CD, MC oder Langspielplatte auf Independent-Labels.

Die Musikzeitschrift THE WIRE (UK) wählte ihre CD "asylum lunaticum" unter die Top15 des Jahres 2009 für den Experimentalbereich. Thurston Moore (Sonic Youth) bezeichnete sie mal in einem Interview als innovativste Newcomer und widmete ihnen sogar ein Musikstück.

 

Aktuelle Ausstellung in Berlin bis 26.05.2012 in der EAGL gallery

EAGL gallery

Jennifer Spruß Kantstraße 87a 10627 Berlin Deutschland

E-Mail: eagl@eaglberlin.de    Telefon: 030 5448 7117

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10.04.2012 überwindet traditionelle Grenzen der Malerei

GFDK/ Holger Carstensen - 4 Bilder

Thematisch kreisen die Bilder des Hamburger Künstlers Meinhard Raschke oft um das Leben in der Stadt. Die Stadt ist ihm einerseits Quelle von Liberalität und Weltoffenheit, andererseits aber auch eine anstrengende Ballung von Verkehr, der die hier lebenden Menschen regelrecht zu überfahren droht. Ein weiteres zentrales Thema ist für den aufmerksamen Künstler die massenmediale Verdummung. Oft erscheint in seinen Bildern der Mensch als nur noch medial inszeniertes Wesen, dessen Verwirklichung auf den blossen Konsum reduziert ist. Kritisch und mahnend geht Meinhard Raschke über eine nur abbildhafte Malerei bewusst hinaus und appellieren seine Bilder an den seiner Ansicht nach selten gewordenen urbanen Individualisten und künstlerischen Ästheten.

 

Mit Freude an der Präzision und oft geradezu altmeisterlich öffnet sich der vielseitige Künstler neuen malerischen wie grafischen und plastischen Techniken. Manche seiner Bilder streben über den Malgrund hinaus und faszinieren mit einer mutigen Raumeroberung: Als täuschende Trompe-l’oeil, als illusionistische Flächen-Raum-Kompositionen oder als dreidimensionale Arbeiten, die tatsächlich in den Raum hinausgreifen. Mit seinen Format- und Bildformen weiss Meinhard Raschke traditionelle Grenzen der Malerei zu überwinden und seine inhaltlichen Bildwirkungen noch zu steigern.

 

Beim Malen sind Meinhard Raschke die Wünsche des kommerziellen Kunstmarktes nicht wichtig, sondern er malt aus reiner Freude und dem Interesse an der Sache selbst. Er ist intellektuell und wirtschaftlich von den Launen des wechselnden Kunstgeschmackes völlig unabhängig. Das gibt ihm die Freiheit, die er für seine meinungsfreudige und vielseitige Kunst auch benötigt.

 

Die Hamburger galerie carstensen hat aus diesem reichen Werk einen schönen Querschnitt von wenigen älteren und vielen neuen Bildern zusammen gestellt. Die Ausstellung wird ergänzt durch ausgewählte Originalgrafik und Skulpturen von Meinhard Raschke.

 

Meinhard Raschke: Malerei - Grafik - Skulptur

10. Mai - 2. Juni 2012

 

Vernissage: Mittwoch, den 9. Mai / 19h

 

galerie carstensen
Brüderstrasse 9
20355 Hamburg

 

Karl-Ernst Gärtner führt am Eröffnungsabend in die Ausstellung ein. Meinhard Raschke ist anwesend und wird die neu erschienene Monographie  "Meinhard Raschke: Malerei-Grafik-Skulptur" für die Ausstellungsbesucher individuell signieren.

 

Die Ausstellung ist danach bis zum 2. Juni 2012 Mittwoch bis Freitag von 13h-19h sowie Sonnabends von 12h-16h geöffnet. Der Eintritt ist frei.

 

Die Monografie enthält umfangreiche werkbiografische Angaben, eine Ausstellungs- und Literaturübersicht zu Meinhard Raschke und ist zum Preis von EUR 14,80 im gut sortierten Fachhandel oder direkt im Verlag Cord Oltmanns und der galerie carstensen/Hamburg erhältlich.

Holger Carstensen(Hg.): Meinhard Raschke. Malerei-Grafik-Skulptur
Verlag Cord Oltmanns, Hamburg ISBN: 978-3-9813552-8-4
EUR 14,80 inkl. 7% MwSt.

 

 

Meinhard Raschke wurde 1939 in Küstrin geboren. Er absolvierte eine Berufsausbildung zum Malermeister. Zeitgleich nahm er privaten Zeichenunterricht u.a. bei
Rolf Böhlig (1904-1979) und Erich Hartmann (1886-1974). Von 1960 - 1966 hat Meinhard Raschke an der Hamburger Hochschule für die bildenden Künste Malerei und freie bei Willem Grimm (1904-1986), Theo Garve (1902-1987) und Hans Thiemann (1910-1977) i studiert. 1968/69 Zulassung als Malermeister und Gründung eines bis heute bestehenden Malereimeisterbetriebes in Hamburg.  Meinhard Raschke zeigt seit den 1970er Jahre seine Bilder, Grafiken und Objekte in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vor allem in Norddeutschland und oft gemeinsam mit Malerfreunden und seiner Frau Gerda Maria Raschke. Er ist seit 1970 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Hamburgs. Meinhard Raschke ist mit der Künstlerin Gerda Maria Raschke verheiratet. Sie leben und arbeiten in Hamburg und Kleiseerkoog.

Literatur zu Meinhard Raschke (Auswahl):

*Holger Carstensen: Meinhard Raschke. Malerei-Grafik-Skulptur, Hamburg 2012
*Holger Carstensen: Meinhard Raschke - Stadtleben, Hamburg 2007
*Harry Weissel + Meinhard Raschke: Erfundene Bilder, Hamburg 1995
*Ruth Dunkelmann (Hg): Hans Thiemann und seine Schüler, Hamburg 1984
*Kay Rump/Maike Bruhns (Hg): Der Neue Rump, Hamburg 2005
*Kulturbehörde der Stadt Hamburg (Hg): Künstler in Hamburg, Hamburg 1982
*Werner Otto-Stiftung: Das Kind in unserer Welt, Hamburg 1979
*Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg, Hamburg 1974

 

Für die galerie carstensen ist die deutsche Nachkriegsmoderne mit ihrem Ringen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion von besonderem Interesse. Hier steht eine theoretisch-konzeptionell geprägte gegenstandsfreie Kunst der expressiven und surrealen oder klassischen Plein-Air-Malerei kritisch gegenüber. Gerade die ihren eigenen Ausdruck noch suchenden künstlerischen Grenzgänger erscheinen bis heute als die interessantesten Künstlerinnen und Künstler ihrer Zeit. Ausgehend von Hamburg und Norddeutschland präsentiert die Galerie jährlich in zehn Ausstellungen inzwischen überregionale Positionen und fördert auch junge künstlerische Sichtweisen. Künstler der Galerie sind u.a. Wolf Bertram Becker, Bernd Berner (1930-2002), Andreas Bock, Rolf Böhlig (1904-1979), Walter Eisler, Arnold Fiedler (1900-1985), Heinz Glüsing, Horst Hussel, Heinz Rolefs, Silke Schröder, Albert Wigand (1890-1978), Hans Wrage. Für ihren Bestand erwirbt die galerie carstensen ständig qualitativ gute Gemälde, Aquarelle, Original-Künstlergrafik und Zeichnungen von deutschen Künstlern und übernimmt auch komplette Sammlungen oder private und Künstlernachlässe.

 

Pressekontakt:

Holger Carstensen ( Inhaber )

galerie carstensen
Brüderstrasse 9
20355 Hamburg

www.galerie-carstensen.de

info@galerie-carstensen.de

Tel.: 040 - 796 96 755

 

 

Bildbeschreibung:

Meinhard Raschke: Erfasst 2001

Farbradierung 30 x 40 cm

(Foto: Andreas Bock / galerie carstensen )

Meinhard Raschke: Verplante Landschaft 2001

Ölfarben auf Leinwand 75 x 55 cm

(Foto: Andreas Bock / galerie carstensen )

Meinhard Raschke im Atelier 2011

(Foto: Andreas Bock )

Meinhard Raschke (links) und Holger Carstensen in der galerie carstensen

(Foto: Sinje Hasheider )

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27.03.2012 Der Mensch bildet in diesen Arbeiten den Mittelpunkt

Gottfried Böhmer/ Sebastian Vorein - 9 Bilder

Sebastian Voreins Weg zur Kunst hatte einen etwas längeren Weg. Mit 11 Jahren, die Mauer war gerade erst ein Jahr gefallen, begann sein Interesse für die Malerei.

Comics, die es hinter der Mauer eher selten gab, hatten das Interesse des jungen Vorein geweckt. Erste kleine Zeichnungen entstanden und Träume, der große Traum vom Comiczeichner und einer Ausbildung in den USA.

Dieser Traum platzte wie eine Seifenblase als sich herausstellte, dass eine derartige Ausbildung für den jungen Mann nicht zu finanzieren war. Die Malerei liess ihn aber trotz alledem nicht los und so begann er zunächst mit dem Studium für Kunst und Geschichte.

Parallel dazu eröffnete er schon als Student eine Onlinegalerie für junge Künstler www.paintend-art.de. 2002 gründete er mit befreundeten Künstlern die Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden.

Unsere Frage, ob er Vorbilder in der Malerei hätte, kann er klar mit nein beantworten, obgleich er zugibt, dass ihn die Arbeiten von Gerhard Richter nicht nur weil er Dresdner ist sehr ansprechen.

Persönlich sieht sich Sebastian Vorein als Maler und Kunstvermittler, weniger als Lehrer, obwohl ihm die Lehrtätigkeit für Kunst und Geschichte an der HOGA Schloß Albrechtsberg auch sehr am Herzen liegt. Junge Menschen frühzeitig für künstlerisches Schaffen und Kreativität zu interessieren, sowie ihren Sinn dafür zu schärfen, hält Sebastian Vorein für eine lebenswichtige, ja lebensvolle Aufgabe.

Den Schwerpunkt seines künstlerisches Schaffens sieht er in der Grafik und Ölmalerei. Sebastian Vorein meint über seine Arbeit,

"perspektiv-LOS-mensch":

Lange habe ich mich mit der Thematik Mensch beschäftigt. Meine Arbeiten dazu lassen sich in fünf Bereiche teilen. Am Anfang bildeten Studien zur Perspektive den Grundstein meiner Auseinandersetzung. Hierbei stehen Perspektiven, beziehungsweise das Spiel mit ihnen im Vordergrund.

Fragen nach dem „Woher?“ und „Wohin?“ spielen dabei eine große Rolle. Bewußt sind verschiedene Blickpunkte dargestellt. Allerdings beschränkte ich mich in diesen Studien allein auf die Perspektive. Der Mensch rückte dabei noch in den Hintergrund. Dennoch bilden diese Arbeiten eine wichtige Grundlage für die später entstandenen Werke.


Basierend auf den Studien entwickelten sich die ersten Bilder, in denen die menschliche Figur eine Rolle spielte. Hierbei handelt es sich um die Reihe „perspektivlos“. Der Mensch bildet in diesen Arbeiten den Mittelpunkt. Er ist dabei umgeben von einer Vielzahl von Perspektiven. Allerdings ist er seiner Individualität enthoben.

Dieser Ausdruck wird erreicht, indem die menschliche Figur bewußt in der Technik des Hochdruckes ausgeführt wurde. Nur so ist eine fast identische Wiedergabe der menschlichen Figur in den Bildern möglich. Er steht exemplarisch für alle Menschen und die sich öffnenden/ sich schließenden Perspektiven.

Als Technik wurde in den ersten beiden Bereichen Aquarell bzw. eine Mischtechnik aus Aquarell und Hochdruck verwendet. Für die mangelhafte Qualität der Abbildungen bitte ich um Nachsehen.


Den dritten Bereich bilden eine Vielzahl von Werken, die sich dem Thema Mensch (ebenfalls mit der „Ent-Individualisierung“ durch die Hochdrucktechnik) in freierer Weise nähert. Dennoch stehen auch hier Perspektiven in Kombination mit dem Mensch im Vordergrund. Die Techniken wurden erweitert auf Acryl- bzw. Ölfarbe.


Den vierten großen Bereich meiner Arbeiten stellt eine Reihe unter dem Titel „Beobachter“ dar. Anknüpfend an die Werke früherer Zeit spielt auch hier die Perspektive wieder eine entscheidende Rolle. Allerdings tritt der Mensch jetzt bewußter in den Vodergrund.

Der Mensch – diesmal in individueller Darstellung und nicht ent-individualisiert wie durch die Hochdrucktechnik – befindet sich zwischen den Perspektiven. Er steht in ihnen, über ihnen und zwischen ihnen. Als letztes ist der plastische Bereich meiner Beschäftigung zu benennen.

Wie in allen Werken der fünf Bereiche stehen die Perspektiven für Wege, die ein Mensch wählen kann bzw. konnte. Da gibt es Perspektiven, die ihn einladen zu folgen. Andere versperren ihm den Weg. Wieder andere führen ihn in die Irre. Doch bei aller scheinbarer Perspektivlosigkeit ist es der Mensch, der letztendlich die Entscheidung über seine Zukunft trifft.

Er findet seine individuelle Entscheidung, wählt seine eigene Perspektive. Im ersten Bereich laufen die Perspektiven ohne den Menschen ab. Dies stellt eine verordnete – ob freiwillig oder unfreiwillig sei dahingestellt – Teilnahmslosigkeit des Menschen dar. Egal ob mit oder ohne ihm, die Zukunft mit ihren verschiedenen Perspektiven drängt in den Bildgrund.


Im zweiten Bereich, der Reihe „perspektivlos“, wird sich der Mensch seiner selbst bewußt. Zwar hat er seine Individualität noch nicht gefunden, denoch behauptet er seinen Standpunkt auf der Fläche. Dies wird unterstützt durch die Farbe Rot. Mit diesen Arbeiten sollen die verschiedenen Möglichkeiten bzw. Perspektiven des Menschen aufgezeigt werden.

Er wird von Ihnen regelrecht bedängt. Trotzdem beharrt er auf seinem Standpunkt. Er entscheidet über seinen Weg. Die schematisierten Häuser bilden hier einen Nachruf auf Werke vergangener Jahre. Das Haus steht dabei für mich als ein Symbol der Heimat.

Gerade in heutiger Zeit ist es schwierig geworden seine Heimat zu finden, bzw. nicht zu verlieren. Ständige Flexibilität ist gefordert. Wenn es der Arbeitgeber will, verliert man seine Heimat, um in einem neuen Job und in einer neuen Stadt eine neue zu finden. Diese Problematik soll allerdings nur eine Perspektive darstellen, die auf den Mensch in meinen Werken trifft.


Im dritten Bereich wird, wie bereits dargelegt, etwas freier mit der Thematik umgegangen. Situationen werden simuliert, Ängste und Befürchtungen dargestellt. Dabei ist es wieder der ent-individualisierte Mensch, der für jeden von uns stehen könnte.


Im vierten Bereich ist es der Mensch als Beobachter, der das Bild dominiert. Im Hintergrund stellt eine Perspektive seinen jetztigen Standpunkt dar. Verdeutlicht wird dies durch die Verwendung der Farbe Orange im Kontext der Felder der Perspektiven. Besonders deutlich wird der Aspekt des „Beobachters“ beim Bild „Reise“.

Hier steht der Mensch am Beginn einer Reise. Seine Habseligkeiten sind verstaut. Er wendet seinen Bick der Zukunft zu und begibt sich, zumindest mental, schon auf den Weg. Noch verharrt er allerdings, während sich am Horizont bereits die Zukunft abzuzeichnen beginnt. Noch beobachtet er, doch bald wird er selbst zum agierenden Subjekt.


Bevor ich als letztes zum plastischen Bereich meiner Auseinandersetzung mit dem Thema komme, möchte ich das Werk „Beobachter VI“ kurz erläutern. Diese Arbeit stellt den bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Thematik dar. Hier kommen verschiedene Bereiche zum tragen.

Zum einen die Perspektive (allerdings in vereinfachter Form), danach der Mensch und zum Schluß die Rolle des Menschen als Beobachter. Der Mensch ist in diesem Bild als videofilmender junger Mann dargestellt. Allerdings ist er seiner Individualität enthoben durch die Wegnahme seines Gesichtes.

Er verkörpert damit für mich alle Arten der Beobachtung durch Medien. Durch diese Arbeit soll eine gewisse Medienkritik zum Ausdruck kommen. Der Beobachter filmt aus dem Bild hinaus (verdeutlicht durch die aus der Kamera tretende Perspektive). Dabei spielt sich in seinem Rücken aber das gerade entscheidende ab.

Dies soll verdeutlicht werden durch den Streifen mit stark expressiven Elementen im linken Bildteil. Hierbei stehen die Farben symbolisch für starke emotionale Elemente (Krieg, Leid, Schmerz, Wut). Doch der Mensch sieht nicht (will es vielleicht nicht sehen), was hinter ihm passiert. Er wendet sich ab vom Geschehen und dokumentiert/ beobachtet nur „Unwichtiges“.

Damit sollen die Medien ebenso wie der Mensch an sich kritisiert werden. Zum einen wegen möglicher einseitiger Berichterstattung, zum anderern durch den Sachverhalt der Verdrängung beziehungsweise des Wegsehens von Seiten des Beobachters.


Mit dem letzten Bereich, dem plastischen Gestalten, möchte ich zum Abschluß meiner Ausführungen kommen. Dieser Bereich stellt die plastische Umsetzung der auf Papier beziehungsweise Hartfaser gebannten Gedanken dar. Auch hier ist es wieder der Mensch, wie in der Serie „Beobachter“ individuell dargestellt, der im Mittelpunkt meiner Arbeit steht.

Zu sehen ist eine angeschnittene Figur, die im Raum agiert. Dabei umgeben sie drei Perspektiven. Eine mögliche Deutung wäre die Identifikation der drei Perspektiven mit den Aspekten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei hält sich der Mensch an der jetztigen Perspektive (Gegenwart) fest, während im Hintergrund eine andere Perspektive zu verschwinden scheint (Vergangenheit).


Das Verschwinden wird verstärkt durch die abweisende Handhaltung der Figur auf dem Rücken. Als letzte Perspektive steht vor dem Mensch die Zukunft. Schier unüberblickbar. Er weiß nicht, was nach ihr kommt! Dies wird verstärkt, durch den suchenden Blick nach oben.

Soviel zu einer kurzen Erläuterung meiner Werke. Ich hoffe ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick in mein Schaffen und meine Gedankengänge ermöglichen. Natürlich können Worte nur in geringem Maße den Deutungshorizont wiedergeben, der den Bildern eigentlich zusteht. Deshalb meine Aufforderung an Sie, sich auf die Bilder einzulassen und sich selbst eine Perspektive zu bilden.

Austellungstätigkeit (Auswahl)

2002
26.07.2002 - 17.08.2002
Beteiligung Werkstattausstellung im "Riesa Efau" Dresden
29.06.2002 - 02.08.2002
Beteiligung Themenausstellung Glas in der "Galerie im Malzhaus"

2003
20.03.2003 - 24.04.2003
Beteiligung Ausstellung Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden
23.03.2003 - 24.04.2003 Einzelausstellung in der Wandelhalle Bad Elster
16.09.2003 - 16.12.2003 Einzelausstellung in der Raiffeisenbank in Plauen

2004
15.03.2004 - 29.03.04 Ausstellung im MDR Fernsehen bei "hier ab vier"
09.07.2004 - 30.07.2004
Beteiligung Werkstattausstellung im "Riesa Efau" Dresden
28.08.2004 - 30.09.2004
Ausstellungsbeteiligung Schlossgalerie Wildeck in Zschopau
04.10.2004 - 11.11.2004
Einzelausstellung in der Raiffeisenbank Hof EG in Hof/Franken

2005
13.01.2005 - 20.02.2005
Beteiligung Ausstellung Künstlergruppe "Raum 308" in Dresden
06.08. 2005 - 19.08.2005
Beteiligung Ausstellung "10 Jahre Galerie im Malzhaus"

2006
09.04.2006 - 01.07.2006
Einzelausstellung in git-Galerie (Technologie-Zentrum Zittau)

2007
31.03.2007 - 3. 06.2007
Einzelausstellung "Bad Elster - Zeichnung, Radierung, Lithographie"
August - November 2007
Einzelausstellung im Kommunalen Studieninstitut Dresden

2008
27.07.2008
Beteiligung Ausstellung "Gedächtnis der Kunst" in Rehlovice/CZ
13.10.2008 - 17.10.2008
Beteiligung Ausstellung "Mnemosyne & Lethe" in Dresden

2009
25.05.2009 - 24.08.2009
Einzelausstellung in der Galerie des IFW - Dresden
14.11.2009 - 20.12.2009
Einzelausstellung in der Galerie des Neuberinhaus - Reichenbach

2010
07.06.2010 - 13.06.2010
Ausstellungsbeteiligung - Zukunftsvisionen 2010 in Görlitz
11.10.2010 - 20.04.2011
Einzelausstellung "Werksatz - Dresden" - T-Systems Dresden

2011 29.05.2011 - 04.06.2011 Ausstellungsbeteiligung - Zukunftsvisionen 2011 in Görlitz 

Alle Arbeiten sind beim Künstler direkt zu beziehen unter www.vorein.com

Die Preise liegen zwischen 350 und 2.000 €

Kontakt:

Sebastian Vorein
Max-Höra-Str.4
08645 Bad Elster

E-Mail: post/at/vorein.com

Bildbeschreibung/(c) Sebastian Vorein

1-4: "perspektiv-LOS-mensch"

5-8: Illustration - Woyzeck

9: Selbstportrait Sebastian Vorein

 

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20.03.2012 Paradies & Wirklichkeit

GFDK/ Angelika Blaeser - 5 Bilder

Seine Bilder beziehen ihre Anziehungskraft aus der Spannung von formaler Kontrolle und Zufälligem oder scheinbar Unvollendetem, zwischen plastischer Figuration und abstrakten Partien. Der malerische Reichtum der Bilder, die sich durch eine hoch differenzierte Bildoberfläche auszeichnen, erreicht Alex Bär mit einer ausgefeilten Maltechnik, bei der Ölmalerei und Eitempera kombiniert werden.

Märchenhafte, unberührte Landschaften stehen neben bedrohlichen, beunruhigenden Bildsequenzen. Massige, erdverbundene Figuren mit breiten Fesseln und klobigen Gliedmaßen dominieren mit ihrer prallen Räumlichkeit die Szenerien. Eingebettet in nahezu abstrakte Arrangements aus reizvollen Form- und Farbakkorden bilden die oft akzentuiert eingesetzten realistischen Details sinngebende Fixpunkte für den Betrachter.

Das komplexe Verhältnis von Mann und Frau ist immer wieder Gegenstand seiner Bilder. Kontraste werden bewusst ausgespielt, helles Fleisch gegen dunkles gesetzt. Volumen und Fläche werden in ein ausgewogenes Gleichgewicht zum abstrakten Spiel der Formen gebracht, ein Balanceakt, der dem komplizierten Ausgleich von Nähe und Distanz Ausdruck verleiht.

1967 in Zürich geboren. Kurz nach Beginn des Studiums der freien Malerei in Basel wechselte der Bär 1997 an die Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig. Hier fand er bei Arno Rink und später an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, den idealen Nährboden für seine künstlerische Entwicklung.

 

 

Ausstellung in Düsseldorf: Alex Bär - Paradies & Wirklichkeit vom 24.03. bis 31.05.2012

Bilduntertitel:

Alex Bär, Indische Miniatur, 2004, Mischtechnik auf Leinwand, 190 x 240 cm, ©Galerie Blaeser

Alex Bär, Der Weltenlauf, 2011, Mischtechnik auf Leinwand, 220 x 340 cm, ©Galerie Blaeser

Alex Bär: Im Garten 2010 110x150 ©Galerie Blaeser

Alex Bär: Im Schlachthof 2010 80x75©Galerie Blaeser

 

Kontakt:

 

Galerie Angelika Blaeser

modern & contemporary art

Bastionstr. 10

40213 Düsseldorf

 

+49 (0)211 877 44 582

+49 (0)172 977 44 00

 

www.galerie-angelika-blaeser.de

 

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27.02.2012 sucht das Besondere im Alltäglichen

GFDJ/Galerie Hilaneh von Kories - 7 Bilder

Seit fast zwanzig Jahren arbeitet der Fotograf an seinem Projekt BELGICUM und präsentiert jetzt in Hamburg eine Auswahl aus dieser einzigartigen Hommage an sein Heimatland. Wie kaum ein anderer hat er das Land bei seinen unzähligen Reisen in die Provinz kennengelernt. Er sucht das Besondere im Alltäglichen und dabei ist er in fast jedem Winkel des kleinen Landes fündig geworden. Seine Porträts, Situationen und Landschaften hat er zu einem vielteiligen, aber unverwechselbaren Kaleidoskop zusammengefügt. Rund 40 Motive auf Hahnemühle Photo Rag hat die Galerie jetzt für die Ausstellung ausgewählt.

Diese Fotografien sind anrührende Begegnungen; Vanfleteren ist immer dicht bei seinen Zeitgenossen. Er zeigt in den Porträts nicht austauschbare Masken seiner Mitmenschen, sondern Charakterköpfe. Und Belgien scheint einen besonders großen Fundus an Originalen, rauen Typen oder eigenwilligen Sonderlingen aufzuweisen.

Der Fotograf nimmt den Betrachter mit auf eine Entdeckungsreise. Die Landschaft ist grau, die Zeit scheint auf vielen Bildern stehen geblieben zu sein. Seine Arbeiten wirken zeitlos, oft melancholisch und seltsam entrückt. Nicht die Hauptstadt Brüssel und ihre weltstädtische Pracht sind sein Thema, sondern die kleinen Welten der einfachen Leute auf dem Land. Sie interessieren ihn in ihrer zeitlosen Beharrlichkeit. Damit entfernt er sich von dem herkömmlichen, touristisch geprägten Klischee des Landes. Keine bunten Bilder von Sehenswürdigkeiten oder Folklore in Flandern und Wallonien werden im Projekt BELGICUM vorgeführt, sondern sehr besondere Momentaufnahmen, die weit mehr über die Identität des Landes aussagen, als jeder bunte Prospekt.

Mit „Emotionen und Patriotismus“ schlendert der Fotograf seit vielen Jahren durch sein Belgien, erst als Auftragsfotograf einer Tageszeitung, später mehr und mehr in seinem eigenen Tempo. Für Vanfleteren ist das Projekt „eine Reise durch ein vernarbtes Land, das in der Suche nach einer unauffindbaren Identität gefangen ist, aber mit der melancholischen Seele einer 177 Jahre alten Nation“ ausgestattet ist.

Fragt man den Fotografen nach Gründen für seine spezielle Sicht auf sein Land, so erinnert er gern an sein persönliches kleines Trauma, das er als Junge erlebt hat, als sich die Küste an der er aufgewachsen ist, der vertraute Lebensraum der Fischer, in eine Betonwüste verwandelte: „Das neurotische Getue, rasche Fortschritte und drastische Veränderungen machen mich traurig.“ Daher mag der verlangsamte Blick Vanfleterens auf das Land und seine Bewohner rühren. Mit fotografischen Mitteln stemmt er sich gegen eine fortschrittsgläubige Gesichtslosigkeit und rückt das Einzigartige, Skurrile in den Blickpunkt. Auch und gerade mit dem Wissen, dass es verschwinden wird.

 

Stephan Vanfleteren (Jahrgang 1969) gehört zu den renommiertesten Fotografen Belgiens. Nach seinem Fotografie-Diplom an der Kunsthochschule Sint-Lukas in Brüssel begann 1993 seine Karriere als freiberuflicher Fotograf. In seiner oft radikalen schwarzweißen Bildsprache arbeitet er sowohl für belgische, als auch internationale Zeitungen und Magazine (u.a. The New York Times, Le Monde, Paris Match, Die Zeit). Sein Blick richtet sich weit über Belgiens Grenzen hinaus um faszinierende Menschen und Landschaften zu fotografieren. Seine typische Schwarzweiß- Fotografie, meist in der Mischung aus Melancholie und Nostalgie, ist zu seinem Markenzeichen geworden, sie zeigt sich auch in Serien aus der ganzen Welt, ob nun in Kolumbien, den USA, Äthiopien, dem Kosovo, Afghanistan. Sein scharfes Auge für die Besonderheiten des Alltags sorgte für etliche Ehrungen und Auszeichnungen (unter anderem World Press Photo Awards, Henri Nannen Preis 2011). Vanfleterens Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert und in vielen Büchern veröffentlicht: neben „BELGICUM“ unter anderem „Flandrien“, „Tales of a Globalizing World“, „Portret 1989-2009“ oder „Elvis & Presley“.

25. November 2011 bis 01. März 2012

 

Galerie Hilaneh von Kories
Stresemannstraße 384a (im Hof)
22761 Hamburg
Tel: +49 (40) 423 20 10
mail@remove-this.galeriehilanehvonkories.de
www.galeriehilanehvonkories.de

 

Bildlegende:

1) Pontje, fisherman, Nieuport, 2004
Epson Print printed on Hahnemühle Photo Rag ®
47,5 x 60 cm / Stephan Vanfleteren

 

2-5) Stephan Vanfleteren

 

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20.01.2012 umgang mit Angst, Ohnmacht, Schönheit, Verführung

GFDK/ Tinatin Ghughunishvili-Brück - 6 Bilder

Der Konzeption der Foto-Serie "Julia" liegt der Glaube als identitätsstiftendes und manipulatives Instrument der Gesellschaft zugrunde. Die Bilder thematisieren diverse Prozesse der Identitätsfindung und des Identitätsverlustes. Sie zeigen den Versuch eine Membran zwischen der Wirklichkeit und dem Ich zu schaffen,  sind ambivalente Projektionsfläche. 

Das in unserer Gegenwart so vertraute Unvermögen, mit Emotionen umzugehen und der ständige Versuch, der sich rasant verändernden Wirklichkeit gegenüber mit unserem Dasein anzupassen, werden in den Bildern inszeniert: Angst, Ohnmacht, Verzweiflung, Spiel, Schönheit, Verführung, Ablehnung, Verschlossenheit und Transformation. Sie bilden die brüchigen Überlebensstrategien im Umgang mit der Gegenwart. Zugleich sind unsere Reaktionen, ohne dass wir uns dessen bewusst wären, oft nur antrainierte, von Außen vorgegebene Verhaltensmuster, welche wir in immer extremerer und intimerer Form von den visuellen Medien vorgelebt bekommen. Wir legen so ein Stück weit die Eigen-Verantwortung ab und werden zu Fremden, zum Eigentum von Ideen, zu einem Element des kollektiven Wahnsinns als Produkte fremder Fantasien und Begierden, und glauben es seien unsere eigenen... 

Diese Anpassungsstrategien und Rollenbilder sollen in der Serie "Julia" hinterfragt und vorgeführt werden. Zugleich ist der Titel "Julia" ein Name der schon mit sehr viel Symbolcharakter, und Assoziationen beladen ist, und die Idee der Weiblichkeit, der romantischen Liebe, der Hingabe und des Todes verkörpert. So kann auch der performative Prozess in der Fotoserie als eine Art Verpuppung, Häutung, Tarnung, Erschaffung oder Selbstvernichtung gedeutet werden.

Zu den Fotoarbeiten von BiANCA PATRiCiA

Text von Tinatin Ghughunishvili-Brück, Kunsthistorikerin M.A.

 

Als eines der wichtigsten Medien der zeitgenössischen Kunst ist die Fotografie in erster Linie die Kunst des Sehens. Ihre kreative Leistung ist die Selektion, gar eine subjektive Wertung der denkbaren, gegebenen oder zu inszenierenden Motive. Alle formalen und inhaltlichen Resultate einer Fotoarbeit sind die Ergebnisse mehrerer Entscheidungen, die der Künstler vor der Aufnahme eines Bildes trifft. Gewiss ist bereits die Wahl des Mediums eine Entscheidung, die zu Realisierung bestimmter Vorstellungen oder Konzepte getroffen wird. Im Falle von BiANCA PATRiCiA kann man von Multimedialität sprechen. Die Künstlerin bedient sich vieler Disziplinen der Bildenden Kunst wie Fotografie, Malerei und Installation gleichermaßen gekonnt. Nichts desto trotz liegt der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Annäherung an die Welt in ihrem Blick durch ein Kameraobjektiv. 

 

Ihre Berufung, ihre künstlerische Reife und ihr unerschöpflicher Wissensdrang gaben BiANCA PATRiCiA die Möglichkeit bei den bedeutenden Künstlern wie dem Fotografen Gerhard Vormwald an der Hochschule in Düsseldorf, Jürgen Klauke an der Kunsthochschule für Medien in Köln, bei Yoshiaki Watanabe an der Tokyo National University of Fine Arts and Music und aktuell bei Karin Kneffel an der Akademie der Bildenden Künste München zu studieren. Über diesen überaus spannenden Weg definierte BiANCA PATRiCiA ihre heutige Bildsprache. 

BiANCA PATRiCiAS Fotoarbeiten sind vor allem die Ausführungen ihres eigenen Begriffs vom Bild. Dahinter stehen eine konzeptionelle Grundhaltung und eine makellos durchdachte Inszenierung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Themen. Auf das kompositorische Gleichgewicht, die Konsequenz der Farbtöne und die Oberflächenstruktur wird stets genauestens geachtet. Die Substanz - als Folge einer Filtration der Bildelemente - wird von der Künstlerin in eine markante Mixtur aus Farbe und Licht getaucht. 

 

In vielerlei Hinsicht steht die Bildsprache von BiANCA PATRiCiA in der Tradition der „Subjektiven Fotografie“, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt fand. Formale Anlehnungen finden sich unter anderem an die Düsseldorfer Fotoklasse von Bernd und Hilla Becher. Man denke an die sterile Erhabenheit und Melancholie in den Arbeiten von Candida Höfer oder an die „sublime Strukturen“ in den Stillleben eines Boris Becker. Auch der Mittel der (selbst)inszenierten Fotografie und ihrer Wegbereiter, wie Cindy Sherman, Boyd Webb, Teun Hocks und zu guter Letzt Jürgen Klauke bedient sich BiANCA PATRiCiA eigenständig und selbstbewusst, wobei es ihr weniger um Selbstinszenierung als Aussage, sondern vielmehr um eine Reflexion- zwischen Formwandel und Formrezeption, zwischen Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung und in gewisser Weise auch zwischen Emotionalität und Wirkungskraft- geht. 

Mittels einer spezifischen Erzählstruktur der „photographie mise-en-scène“, einer sachliche Distanz zum Bildgegenstand und einer ordentlichen Prise Provokation werden die sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Konstrukte thematisiert, die die Künstlerin faszinieren oder befremden. Einen Beweis für den bedachten Umgang mit diffizilen Themen, den Mut zur ironischen Aufbereitung gewisser Tabuthemen und ständiger Auseinandersetzung mit ihrer künstlerischen Identität liefert Bianca Patricia beispielsweise in den Serien „Nur Ich“- eine Serie zum Thema Suizid, in dem die Künstlerin ein nüchternes Fotoprotokoll des Entschwindens der unbezweifelbarer Existenzen im „Status ihrer Vergangen-Seins“ zeigt und somit die Brutalität der Vergänglichkeit figuriert, oder „Natura Morte – Sehnsucht“, in der BiANCA PATRiCiA die Erzeugnisse der Sexspielzeugindustrie in Stillleben transformiert, die eine nahezu sakrale Unnahbarkeit und Neutralität  der  rituellen Gegenstände ausstrahlen. Themen wie normierte Identität, Sexualität, Rollenbilder der Geschlechter, Selbstzerstörung, Tradition und Spiritualität werden von BiANCA PATRiCiA in aufwendigen Arbeitsprozessen zu Serien aufgebaut. Der Werkrhythmus, das Wiederholungsschema, die Austauschbarkeit der Bildgegenstände und ihre kühle Eindringlichkeit reizen den Diskurs mit der Rezeptionshaltung des Betrachters aus. 

Das wesentliche Merkmal und das wichtigste künstlerische Potential von BiANCA PATRiCiA stellt jedoch ihre Fähigkeit der wirksamen Verbindung des Leitgedanken als Konzept mit der Bildästhetik dar, welche die Synthese des Gedankenbildes mit dem Schaubild zulässt und jeder dieser Komponenten ihre genaue Definition und Funktion zugesteht. 

 

(Quellen: Ohlsen Nils, Zwischen Schönheit und Sachlichkeit. Kunsthalle in Emden 26. Januar - 14. April 2002. Hrsg. von Achim Sommer, S. 11. 

Hölscher, Stefan: Die Unerzählbarkeit des Todes in Gerhard Richters Gemäldezyklus 18. Oktober, in: Bildmagie und Brunnensturz: visuelle Kommunikation von der klassischen Antike bis zur aktuellen medialen Kriegsberichterstattung / Elisabeth Walde (Hg.).Innsbruck [u.a.]: Studienverlag, 2009, S.96)

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02.12.2011 abstrakte Farbstrukturen und fassbare Gegenstände

Meret Arnold - 8 Bilder

Langsam sucht das Auge seinen Weg durch die Gemälde von Stefan Guggisberg, tastet sich den benennbaren Gegenständen entlang: da ein Sessel, eine Wand, dort eine Öffnung in ein anderes Zimmer, am Boden lose amorphe Gebilde, die nur zum Teil erkennbare Gegenstände ausformen. Die Gemälde sind durchdrungen von Bewegungen, die Innenräume in Rauch
aufgehen, Formen zerfliessen, in ihre einzelnen Farbpartikel „verdampfen“ lassen. Oder sind, anders herum gedacht, die Räume gerade im Begriff, sich aus dem Farbteppich herauszulösen?


Im Oszillieren zwischen abstrakten Farbstrukturen und fassbaren Gegenständen und Räumlichkeiten zeigt sich das zentrale Thema von Guggisbergs Malerei: Es ist dies nicht die Wiedergabe von Realitäten, sondern der künstlerische Prozess der Bildfindung selbst.


In seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig hat Guggisberg zu einer eigenständigen Methode gefunden, die ihm erlaubt, intuitiv und ohne festes Ziel vorzugehen und das Bild sozusagen malend zu „finden“. Für seine farbigen Gemälde hat er dazu ein aufwändiges  Grundierungsverfahren entwickelt. Mit dem Pinsel stupft er fein und in
unterschiedliche Richtungen Ölfarbe auf die ganze Fläche des Papiers und wiederholt diesen Vorgang mit unterschiedlichen Farbtönen, bis ein flimmernder Raster entsteht. Guggisberg nennt diese Struktur ein Möglichkeitsfeld, aus dem im Prinzip jedes Bild hervorgehen könnte. Mit den Eingriffen des Künstlers in den Raster verbinden sich die Farben neu, und entwickeln sich die Bilder. Seine Interventionen sind jedoch nicht willkürlich. Er lässt sich von der atmosphärischen Grundstimmung der Struktur leiten, die von den Helligkeitswerten, ihrer Dichte und der Saugstärke des verwendeten Papiers erzeugt wird. Abwechselnd mit Radiergummi und Pinsel verändert er dieses Gefüge bis das Bild langsam Gestalt annimmt. Er scheint den suchenden Gestus dem „imperativen“ grundsätzlich vorzuziehen.

 

Auch in seinen Schwarz-Weiss-Bildern malt er das weisse Papier erst schwarz zu und differenziert dann Räume und Gegenstände in einem stetigen Prozess von Ab- und Auftragen aus. Zu einem grossen Teil sind es Innenräume, die sich in der Struktur ausformen, so als sei der Malprozess davon bestimmt, in dem „Farbrauschen“ (Guggisberg) irgendwo Halt zu finden.


Guggisberg leuchtet die Räume aber nie ganz aus und belässt sie gerne im Diffusen. Der Farbraster legt sich dann wie ein Nebel über das Gemälde, verhüllt die Sicht auf die Dinge oder verschluckt sie ganz. Dabei gewinnen die Bilder eine erstaunlich akustische Dimension. Sie sind sehr still, als würde der Farbnebel die Geräusche dämpfen. Unterstützt wird diese Wirkung durch die Stofflichkeit der Gemälde. Textilien sind als Kleider, Decken und Tücher in vielen Gemälden bildhaft präsent; an anderen Stellen erscheint die Farbstruktur als weiche
Tapete oder flauschiger Teppich, die Wände und Böden polstern.


Die Stille macht bewusst, wie menschenleer und isoliert diese Räume sind. Fenster, die eine Verbindung zu einer Aussenwelt herstellen könnten, gibt es fast keine. Sogar der Fernsehbildschirm in einem Bild empfängt keinen Kanal und flimmert nur weiss. Zwar sind überall Spuren menschlicher Präsenz zu entdecken: Objekte, vielleicht Kleider, sind über den Boden verteilt, ein Tisch und ein Sessel – Möbel, die zum Wohnen gebraucht werden, ein Stuhl, der umgekippt auf dem Boden liegt. Die Räume sind intim, privat, doch ist der
Mensch darin nur in seiner Abwesenheit präsent. Es ist nicht sicher, ob es sich um behagliche Rückzugsorte handelt, wie das Wort Insel in einem der Bildtitel suggerieren mag, oder ob nicht die Gefahr der Isolation innerhalb der vier Wände lauert. Ist der Rucksack, der bei erwähntem Bild prominent neben dem Bett auf dem Boden steht, wirklich für die Abreise gepackt? Werden die Mäntel, die in einem anderen Bild wie ausgestellt an den Wänden hängen, jemals
angezogen?


Guggisbergs Räume beschreiben, in den eher nächtlichen Szenerien wie auch in den helleren von Licht durchfluteten Gemälden, existentielle Stimmungsbilder. Die Welt ist darin nicht greifbar, bleibt im Diffusen und in steter Veränderung begriffen. Die Konstante der Gemälde bildet der Farbraster, in dem die Potentialität neuer Bilder pulsiert und der den Bildern Energie und Lebendigkeit verleiht.

 

Dieser Text erschien zur Ausstellung »Resonanz« bei sic! Raum für Kunst, Luzern 2010.

 

 

*1980 Thun / Schweiz, lebt und arbeitet in leipzig / Germany


2010 MeisterschÜler, Prof. Neo Rauch - hochschule fÜr graphik und buchkunst,

leipzig

2009 Diplom mit Auszeichnung

2004 Ausgezeichnet mit dem Rotary-KulturfÖrderpreis und dem Kulturförderpreis der Stadt Thun

2004-09 Studium an der Hochschule fÜr Grafik und Buchkunst Leipzig           Klasse Malerei, Prof. Neo Rauch, Klasse Fotografie, Prof. Christopher Muller / Prof. Timm Rautert

1999-03 Grafikfachklasse an der Schule fÜr Gestaltung Biel

 

Dauer der Ausstellung
19 November 2011 – 28 Januar 2012

Öffnungszeiten der Galerie
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr, u.n.V.

Parrotta Contemporary Art
Augustenstr. 87-89
D-70197 Stuttgart
T +49.711.69947910
F +49.711.69947920
mail@remove-this.parrotta.de
www.parrotta.de

 

Fotos:

1 + 4) Stefan Guggisberg Installation view Kunstmuseum Thun, 2010

2-3, 5-7 (c) Stefan Guggisberg

8) Stefan Guggisberg (c) Stefan Guggisberg

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28.10.2011 er gilt bereits als shootingstar

GFDK/ Mag.a Nina Kirsch

Markus Schinwald ist einer der international meist beachteten Künstler seiner Generation.
2011 – beinahe zeitgleich mit der großen Personale im LENTOS Kunstmuseum – bespielt er den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig.
Der Absolvent der Linzer Kunstuniversität fasziniert mit einem hoch eigenständigen Werk, das sich souverän aller künstlerischen Medien und Formate der Gegenwart bedient.


Skulptur und Rauminszenierung, Film, Fotografie, Malerei und Reproduktionstechniken werden eingesetzt, um dem künstlerischen Rahmeninteresse vielfältig nachzuspüren: dem menschlichen Körper als kulturellem Konstrukt zwischen Selbstdarstellung und Disziplinierung, Konvention, Korrektur, neurotischen Ticks und unvermuteter Grazie.
Deformationen der Psyche finden befremdliche physische Entsprechungen. Einflüsse aus Kunstgeschichte und Konsumkultur, aus kritischer Theorie, Filmgeschichte und TVGegenwart, Choreografie, Bühnenbild und der Welt des Varietés werden deutlich: sinnlich, witzig, intelligent, unverwechselbar.


Ausstellungen von Markus Schinwald sind hochkomplexe Anordnungen, deren Spannung aus einem irritierenden Widerspruch von emotional und ästhetisch aufgeladener Attraktion und widerspenstiger Verweigerung eines eindimensionalen Bedeutungsangebots entsteht. Leblose Objekte werden animiert, Puppen führen ein Eigenleben, Räume warten mit unerwarteten Entdeckungen auf. Kinetische Objekte dynamisieren statische Installationen, zuweilen sind performative Auftritte Teil des Gesamtkonzepts.


Schinwalds Kunst agiert im Zentrum des Zeitgefühls, und sie erzählt vom Spannungsfeld der Lebensführung: zwischen Zwang und Spiel, Unterwerfung und Befreiung, Scheitern und Eleganz.


Markus Schinwald, geb. 1973 in Salzburg, lebt in Wien und New York.


Der Katalog erscheint in Kooperation mit dem Kunstverein Hannover:
Markus Schinwald. Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2011, mit Texten von Roland Meyer, Ute Stuffer, Wolfgang Ullrich sowie einem Vorwort von Stella Rollig und René Zechlin, in deutscher und englischer Sprache (Museumsausgabe € 25,-).

 

Ausstellung in Linz:

MARKUS SCHINWALD
28. Oktober 2011 bis 12. Februar 2011
Eröffnung: Donnerstag, 27. Oktober 2011, 19 Uhr


Kuratorin: Stella Rollig

 

LENTOS Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz

Tel.: +43 732 7070 3600 bzw. 3614
Fax: +43 732 7070 3604
info@remove-this.lentos.at

 

Presse und Öffentlichkeitsarbeit:
Mag.a Nina Kirsch, nina.kirsch@lentos.at oder +43(0)732/7070-3603

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16.10.2011 mystische Skulpturen - noch bis 23.10. zu bestaunen

GFDK/ Manfred Kielnhofer - 3 Bilder

Das FESTIVAL OF LIGHTS ist eines der größten Illuminationsfestivals der Welt. Jedes Jahr im Oktober werden 12 Tage lang die weltweit bekannten Wahrzeichen, Kulturdenkmäler, Gebäude, Straßen und Plätze Berlins spektakulär in Szene gesetzt.

Nationale und internationale Künstler und Lichtdesigner präsentieren außergewöhnliche Illuminationen, Lichtobjekte und Gestaltungen. Begleitet wird das Festival von Kunst- und Kulturveranstaltungen rund um das Thema Licht. Das Festival ist ein eintrittsfreies, künstlerisch hochwertiges Event für ein Millionenpublikum, das weltweite Medienbeteiligung schafft und Millionen Menschen begeistert. 

Die Wächter der Zeit, mystische Skulpturen, die seit vielen Jahren durch Museen und Ausstellungen auf der Welt unterwegs sind, besuchen im Rahmen des diesjährigen Festival of Lights die Metropole Berlin. 5 leuchtende Skulpturen des Lichtkünstlers Manfred Kielnhofer begeben sich auf eine 12-Nächte-Tournee durch die Hauptstadt.

Jeden Abend werden “5 Wächter der Zeit” an einem anderen prominenten Ort in Berlin Station machen. Diese werden vom Künstler selbst und einigen Fotografen begleitet, die diese “Welttournee” dokumentieren. Die Tourdaten finden Sie hier.


Manfred Kielnhofer wurde 1967 geboren und arbeitet als Maler, Bildhauer und Fotograf. Der gebürtige Österreicher ist zudem seit 2000 als freischaffender Künstler tätig. Unter seiner Leitung haben 1500 junge Menschen das weltweit größte Kindergemälde angefertigt.

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