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Präsentation von Künstlern und ihren Werken

28.08.2017 kraftvolle malerei

GFDK - Dr. Matias Mieth

Peter Schmersal beschränkt sich auf einige Themen und Motive: er malt Landschaften, Blumen und Porträts. Diese variiert er immer neu, präzisiert das Gesehene durch die Filter seiner Stilmittel und findet von der konkreten Impression zu einer Form, die das Motiv verallgemeinert.

Der dargestellte Mensch ist eben nicht nur eine Figur im Raum, sondern er hat eine Geschichte, erklärt sich als Produkt individueller Verstrickungen und ist daher weder Natur noch Erfindung allein:

Er ist in der besten der möglichen Varianten Original und Sinnbild gleichermaßen. Und er ist Selbstzweck, in Farben gesehen und auf die Leinwand geknäult, gespachtelt und moduliert. Auf diese Weise entstand in den vergangen Jahrzehnten ein umfangreiches und originäres Werk, das durchaus geeignet ist, den Glauben an die Möglichkeiten der Malerei zu erweitern.

Ob Selbstbildnis oder der Blick auf einen simplen Gegenstand, Variationen nach Cranach, Velázquez oder Goya, ein Maisfeld oder blühende Chrysanthemen: Die Bilder belegen nicht nur eine ausgeprägte künstlerische Haltung, sondern auch ein Nachdenken über den Zusammenhang der Malerei zwischen Gestern und Heute.

Vielleicht liegt gerade hierin, in der Befreiung der Mittel aus deren zeitgemäßen Verklammerungen, die Chance zu einem ästhetischen Konsens, der universell ist. Die Bilder Venus mit dem Spiegel (nach Tizian) oder der Kopf einer jungen Frau (nach Grünewald) sind nur zwei von vielen Beispielen für das leidenschaftliche Aufspüren solcher Zusammenhänge.

Die Arbeit an einem Thema gleicht oft einem Kampf gegen die Flüchtigkeit der Dinge und wenn einer so wie Schmersal zwischen Anschauung und Versenkung nach gültiger Gestalt sucht, dann ist es unerheblich, ob er Landschaft oder Figur als Zeugen bemüht: die Erscheinungen überlappen sich und porträtieren den Gegenstand der Betrachtung.

Aus der Farbe und deren Verläufen entwickeln sich Höhen und Tiefen, eine Plastizität, bei der die Mulden der Haut wie Seen anmuten, Landschaft in dunklen Augen abstürzt oder sich mit breitem Pinselzug nach oben windet. Dabei ist Schmersal einer von denen, die weder den Weg nach draußen noch die mühsame Arbeit vor dem Modell scheuen.

Langes Sehen, Erfahrung und Anerkenntnis der Motive sind die Voraussetzung solch einer Malerei, die sich aus der Fülle von Eindrücken entwickelt und voller Vitalität daraus schöpft. Dieser Prozess ist weniger genialisch als reflektiert und basiert auf einer stetigen Selbstvergewisserung, die Beckmanns Diktum „Naturalismus gegen das eigen Ich.

Sachlichkeit den inneren Gesichten.“ nahe ist. Das, was auf diese Weise entsteht, wächst langsam und ähnelt einer Positionierung, mit der sich der Künstler bei jedem Gemälde neu vergewissert. So wird das Gesehene zum „Vorwand“ einer Malerei, die wiederum auch den Gesetzlichkeiten des Bildes folgt.

Oftmals arbeitet Peter Schmersal in Folgen. Gemessen an der Tatsache, dass ein jedes Bild vor dem Blick auf das Gesamtwerk Fragment bleibt, gleicht dieses Arbeitsprinzip einer Rückversicherung und sucht das Essenzielle im Prozess auszubilden.

Vor allem in den 1990er Jahren entstanden in dieser Art verschiedene Porträtserien, bei denen Köpfe das Format füllen oder in überraschenden Perspektiven angeschnitten sind. Auch die größeren, figurativen Bilder, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, überraschen mit irritierenden Perspektiven.

Die in weiten, offenen Binnenräumen platzierten Figuren wirken zuweilen wie Synonyme existenziellen Befindens, wie Menetekel der Einsamkeit, deren Rede im Raum des Bildes ohne Antwort bleibt und den Betrachter um so stärker einbezieht.

Peter Schmersal wurde 1952 in Wuppertal geboren und lebt in Berlin und Wuppertal. In der Ausstellung werden neben einigen Werken aus den 1990er Jahren vor allem neue Arbeiten gezeigt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Städtische Museen Jena

Dr. Matias Mieth - Direktor

Tel.: 03641 498261

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27.08.2017 Generation der Leipziger Schule

GFDK/ Eva-Maria Wiest

Die eigenständige Bildsprache von Gudrun Brüne. Die Malerin aus der DDR, Puppenbilder sind das Markenzeichen der Künstlerin. Helmut Schmidt, der alt Kanzler der BRD, hat sie mal gefragt:

„Damit haben Sie in der DDR Erfolg? Die gucken doch perfide, gar nicht optimistisch!“.  Puppen als gebrochene Menschen waren wohl nicht so ganz die Sache für Helmut Schmidt und missbrauchte Kreaturen frei von Persönlichkeit konnte er sich auch nicht vorstellen. Helmut Schmidt kam nach Leipzig, um sich von Gudrun Brüne malen zu lassen.

Ihr Mann, der Maler Bernhard Heisig Mitgründer der Leipziger Schule, porträtierte den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt 1986 noch vor dem Mauerfall. Der Maler Neo Rauch ist heute der berühmteste Künstler der "Neuen Leipziger Schule".

Dieses Menschenbild ist mit Erinnerungen, dämonischen Energien und Vanitas-Suggestionen aufgeladen. In der Moderne haben sich Masken spätestens seit Ensor – auch eine wichtige Bezugsfigur für Brüne – verselbstständigt und führen ein gespenstisches und beunruhigendes Eigenleben…


Sie sagt: "Der Einzelne, aber auch die Gruppen und Massen agieren nicht aus freiem Willen, sondern hängen an Strippen. Sie werden gesteuert und gegängelt.“

Dr. Eduard Beaucamp in »Gudrun Brüne: Traum und Wirklichkeit« 2011. S. 7

"Männer haben die Kunstgeschichte selbst schrieben und über die Kunst der Frauen einfach nicht berichtet".


Gudrun Brüne, eine Künstlerin aus Ostdeutschland gehört zur zweiten Generation der Leipziger Schule.
Gudrun Brüne ist eine der wenigen prägnanten Frauen dieser Schule.
Sie hat ein ganz eigenständiges Werk geschaffen.
Poetische Landschaften wechseln sich ab mit Blumenstillleben, versteinerte Puppengesichter, Vanitasmotive, zerstörte Spielzeugpuppen, Masken in vielen Variationen.
Gudrun Brüne entwirft ein gefrorenes, seltsam starres Menschenbild.

2016 ist die Malerin 75 Jahre alt geworden.

Ihre Arbeiten laden den Betrachter ein die Präsenz und Vielfalt von Gudrun Brünes Bilderwelt zu begreifen. 

Gudrun Brüne

 

wurde am 15. März 1941 in Berlin geboren. 1947 zog ihre Familie nach Leipzig. Nach einer Buchbinderlehre in Thüringen studierte sie 1961-1966 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, auch bei Bernhard Heisig, den sie 1991 heiratete. 1987 erhielt sie den Kunstpreis der DDR. 1991 baute sich das Künstlerpaar ein Atelier-Haus in Strodehne (Havelland).

Ihr Ehemann Bernhard Heisig wurde am 31. März in Breslau geboren und starb am 10. Juni 2011 in Strodehne. Er war Mitbegründer der Leipziger Schule, einer Gruppe von Malern mit unterschiedlichem Stil, die durchweg Wert auf filigranes Handwerk legte.

Vita
1941 in Berlin geboren
1961–66 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
1966–77 freischaffende Künstlerin in Leipzig, zeitweise Mitarbeit im Atelier von Bernhard Heisig
1979–99 Dozentur für Malerei und Grafik, Leiterin einer Fachklasse für Malerei und Grafik an der Hochschule Burg Giebichenstein,
Halle/Saale
1987 Kunstpreis der DDR
1991 Bau eines Atelierhauses in Strodehne im Havelland zusammen mit ihrem Ehemann Bernhard Heisig
Lebt freischaffend in Strodehne.

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27.08.2017 Ein ambitionierter Weg

Tinatin Ghughunishvili-Brück

In der zeitgenössischen Malerei wird die Wahl des Bildmotivs als einer der wichtigsten Indikatoren für die künstlerische Positionierung des Schaffenden betrachtet.

Das Motiv eines Kunstwerkes ist der Titel seiner komplexen Geschichte, in gewisser Weise das Unterbewusstsein des eigentlichen thematischen Gegenstandes. Die Komponente, sowie der Entstehungsprozess der einzelnen Werke lassen sich lediglich erahnen.

Der Weg von einer Idee zum "konkreten" Bild, oder von der weißen Fläche bis zu einer Komposition in Farbe und Form ist ebenfalls sehr subjektiv. Diese Diskrepanz eines Kunstwerkes zwischen einer intimen Substanz und einer öffentlichen Bestimmung ist der Grund seiner immensen Wirkung. Das Spektrum dieser Wirkung reicht von Faszination bis hin zum Unverständnis oder gar Abneigung.


Igor Bleischwitz dämpft diese Intimität in seinen Arbeiten durch die Autonomie und Intensität der Farbe. Aufgrund ihrer räumlichen Präsenz, ihrer greifbar-satten Struktur und ihrer Materialität kann die Farbgebung seiner Gemälde als monumental bezeichnet werden.

Die außergewöhnliche Farbdominanz wird hier eingesetzt um die Subjektivität des Kunstwerkes zu verschleiern. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit von einem Gemälde im Speziellen auf die Ausdruckskraft der Malerei im Allgemeinen gelenkt. Ein ambitionierter Weg und eine außergewöhnliche Leistung.


Die Gemälde von Igor Bleischwitz deuten eine Verbindung des abgeklärten Neoexpressionismus mit den surrealen Szenarien an. Die Auflösung der Formgrenzen und eine mäßige Deformation zu Gunsten der Verschmelzung des Gegenstandes mit seiner Umgebung charakterisieren die Formsprache dieses jungen Künstlers.

Vergeblich sucht man nach Relevanz oder Vorlieben. Die pastöse Materialität des sterblichen Fleisches à la Chaim Soutine wird von Igor Bleischwitz mit ähnlicher Eindringlichkeit gezeigt wie die ätherischen Landschaften des Geistigen seiner Bilder.


Diese spannende Gleichberechtigung zeichnet einen authentischen, suchenden Künstler aus, der den Betrachter immer aufs Neue zu überraschen vermag.

Tinatin Ghughunishvili-Brück
Kunsthistorikerin M.A.

Aktuell ist der Künstler in einer Dauerausstellung mit Titel "In Farbe getränkt" auf der Onlinegalerie www.tetartet.de zu sehen

Über den Künstler

1981 in Scheskasgan/Kasachstan geboren

1996 Übersiedlung nach Deutschland

2005-2007 Studium Werbegrafik-Design Darmstadt (Diplom)

2007-2011 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst in Freiburg/Deutschland bei Ben Hübsch, Klaus Merkel, Dietrich Schön  (Diplom)


Ausstellungen:

 2011   Gruppenausstellung "KLASSE", Georg-Scholz-Haus, Kunstforum Waldkirch

2010   Gruppenausstellung mit Gregor Warzecha, Eva Seelbach, Uli Okujeni in "FICKUS-SEKTOR", Freiburg

2009   Gruppenausstellung "Bombastischerweise möglich", Alter Güterbahnhof, Freiburg

2008   Gruppenausstellung "GUT", Kunstverein Kirchzarten

 

Galeriekontakt:

tetartet.de

zeitgenössische  kunst

 

saller + schöffmann gbr

frundsbergst.17

80634     münchen

tel.   089 - 1678 5993

fax   089 - 1678 5990

info@remove-this.tetartet.de

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27.08.2017 Gewinner der letzten biennalen Ausschreibung

GKDK/ 100 Kubik

Rubén Fuentes Fuertes (Valencia, 1979) ist der Gewinner der letzten biennalen Ausschreibung für junge spanische Talente. Seine multidisziplinäre Ausbildung ermöglicht es ihm, Skulpturen voller Farbigkeit, die die Konzepte von Volumen und Raum verbinden, zu schaffen und durch verschiedene Tonarten visuelle Reize zu erzeugen.


Fuertes künstlerisches Medium ist das Holz. Ein Material, das Wärme und Tradition vermittelt, und mit dem es der Künstler schafft, auf eine neue und kreative Weise die Brücke zur modernen Skulptur zu schlagen. Sein Arbeitsmaterial besteht aus Holzüberschüssen, die er sich aus Tischlereien beschafft. In seinen Skulpturen führt er diese nicht nur einer völlig neuen Form zu, sondern setzt somit auch auf das Bewusstsein von Geschichte und Nachhaltigkeit.


Durch seine Kreativität und Freude am Experimentieren mit seinem Werkstoff hat er es geschafft, durch ungewöhnliche Kombinationen von Holz mit anderen Materialien wie Polyesterharz und natürlichen Pigmenten, neue plastische Wege zu beschreiten und dennoch die Ehrfurcht vor dem Material nicht zu verlieren.

Neben Themen wie Farbpaletten, Tassen und Kakteen sticht vor allem die Serie bunter menschlicher Köpfe mit Schnäuzer und Zylinder hervor, die er „Notare“ nennt. Mit dieser Serie schafft er es, das Konzept von Köpfen und Büsten neu zu formulieren.


Die handwerklichen Komponenten und den Umgang mit dem Holz beherrscht er meisterlich, was ihm in seinem bisherigen Werdegang zu Gute kam. Fuentes Fuertes weiß, wie er das Holz behandeln muss, wie zusammensetzen und wie lackieren, um eine möglichst eindrucksvolle und resistente Oberfläche zu schaffen. Neben den manuellen Arbeiten drückt er sich durch eine aktuelle Ästhetik aus, die in der Skulptur neue Wege beschreiten.


Der Titel der Ausstellung „Stück für Stück“ beschreibt nicht nur die Philosophie des Künstlers, sondern auch seine künstlerische Vorgehensweise, bei der er für seine Skulpturen ein Fragment nach dem anderen zusammensetzt. Zudem beschreibt der Titel auch seine künstlerische Laufbahn, in der er selbstbewusst, jedoch nie unachtsam, seine Werke in verschiedenen Orten und Museen ausgestellt hat.


Mit seinen Arbeiten begibt er sich auf eine Reise durch die Zeit und präsentiert seine Skulpturen, wie sie schon immer von den Griechen, den Ägyptern sowie den primitiven Skulpturen aufgefasst wurden: über das Polychrome, ein Element, das seit einigen Jahrhunderten aus der Mode gekommen war und im XX. und XXI. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde.

Bildunterschriften:

1) FUFU 016: Notar (Grafik), Holzschnitt/ Xylografie, 62,5 x 53 cm ©Fuentes
Fuertes/100kubik.2012


2) Cactus4: Kaktus (groß), Holz und Acrylharz mit Farbpigmenten, 60 x 50 x 170
cm ©Fuentes Fuertes/100kubik.2012

3) FUFU 010: Wandpalette, Holz und Acrylharz mit Farbpigmenten, 93,5 x 78 cm
©Fuentes Fuertes/100kubik.2012


4) FUFU 007: Goya, Holz und Acrylharz mit Farbpigmenten, 20 x 24 x 33 cm
©FUFU 010: Wandpalette, Holz und Acrylharz mit Farbpigmenten, 93,5 x 78 cm
©Fuentes Fuertes/100kubik.2012

5) Der Künstler in seinem Atelier ©Fuentes Fuertes/100kubik.2012

Galeriekontakt:

100 kubik - Raum für spanische kunst
Brüsseler Str. 59 | 50672 Köln
Tel./Fax: +49 (0) 221 94645991
info(at)100kubik.de | www.100kubik.de

 

Pressekontakt:

Karoline Sieg

Kontakt:
presse@100kubik.de
0221 94645991

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26.08.2017 sie entwirft faszinierende Figuren

GFDK - Rosa Loy

Rosa Loy wird in einem Atemzug mit der Leipziger Schule genannt. Sie gehört zu den Malerinnen Deutschlands, die sich mit dem Mysterium der Frau und der neuen Romantik beschäftigen.

Die Romantik hat eine große Tradition in der Sächsischen Malerei. Rosa Loy integriert Feminines und Schönes in ihre Malerei und bietet so eine mehrschichtige Deutung ihrer Arbeiten an. Besonderes Interesse hat sie am überlieferten Wissen der Frauen, der neuen Weiblichkeit und der damit verbundenen Mysterienschule.

»Wir leben in einer Zeit, in der Paare wichtiger werden. An der Schnittstelle eines neuen Jahrtausend zeigen sich Veränderungen nicht nur in der Natur, auch im gesamtgesellschaftlichen Gefüge bewegt sich etwas - wir haben die Möglichkeit dies behutsam in humanistische Bahnen zu lenken. Im Großen wie im Kleinen lassen sich neue Wertmaßstäbe setzen.

Rosa Loy stellt die Weiblichkeit in den Fokus

Die Ergänzung von Frau und Mann, das Paar als Potenzierung beider Kräfte, ermöglicht eine neue Qualität. Jetzt besteht die Chance,  die jahrhundertelange Herabwürdigung und Ausbremsung der Frauen zu beenden und die Vorurteile gegenüber der weiblichen Intelligenz  aufzugeben.

Diesen Wandel unterstützt Rosa Loy in ihrer Arbeit. Ihre Malerei spiegelt auch die gelebte Partnerbeziehung mit ihrem Mann wieder, mit dem sie seit 1985 verheiratet ist. Sie arbeitet in Kasein auf Leinwand, diversen Techniken auf Papier und in verschiedenen grafischen Techniken. 

Die Malerin stammt aus einer Gärtnerfamilie, in der viel gemalt wurde. So erwarb sie zunächst das  Gartenbaudiplom  an der Humbolt Universität zu Berlin und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf.

Danach studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und schloß dieses als Meisterschülerin der Malerei ab. Sie wohnt in einem Leipziger Vorort inmitten eines Gartens und arbeitet in Leipzig.

In der Ausstellung »Manna« zeigte Rosa Loy 27 Bilder in der Kunsthalle Gießen. Anläßlich der Ausstellung erscheint ein umfassendes Buch mit Bildern aus den letzten 15 Jahren der Künstlerin zum Preis von 39,90 €


Öffentliche Sammlungen

MOCA, Los Angeles
MOMA, New York
PIN, München
Museum der bildenden Künste Leipzig
Galerie für zeitgenössische Kunst, Leipzig
Commerzbank Leipzig
Sammlung der Sparkasse, Leipzig
Deutsche Bank
Galeire Neue Meister, Albertinum, Dresden
Hypovereinsbank
Sammlung Verbundnetzt Gas AG
Sammlung Vattenfall, Berlin

Kontakt: Rosa Loy rosaloy@remove-this.gmx.net

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26.08.2017 Individualisten-Falle und GenderBox

GFDK - Marcel Ambrusch

Weibliche Figuren, nackt, in expressivem Rot – mit überprägnanten Geschlechtsmerkmalen, oft ohne den Körper im Gesamten darzustellen, stattdessen die natürliche Gestalt beinahe in sich auflösend. Will Barbara Rapp die Frau auf ihre Sexualität reduzieren? „Ja, in gewisser Weise tue ich das, aber keinesfalls in dem Sinne, dass ich eine solche Reduktion wünsche oder favorisiere“, stellt sie richtig.

Vielmehr reagiert Rapp mit ihrer selektiv überzeichneten Bildsprache auf die Überpräsenz des weiblichen (aber auch des männlichen) Körpers, funktionalisiert in der Medien- und Werbewelt. Sie bewegt sich also aus der Passivität eines Medienkonsumenten heraus und übernimmt selbst die Kontrolle über den Einsatz von Körperlichkeit, agiert und spielt, nutzt dieses „Werkzeug“ aktiv zur visuellen Umsetzung ihrer Inhalte.

Abseits verbitterter Opferrollenmelancholie ist sie fest davon überzeugt, mit selbstkritischem Humor viel offener auf die - nicht nur für Frauen - neuen Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können.

Ihr Ziel ist es aufmerksam zu machen, Fragen aufzuwerfen, für gesellschaftliche Probleme zu sensibilisieren, ohne dabei jedoch den Anspruch zu erheben, allgemeingültige Antworten bieten zu können und zu wollen. Denn auch damit würde letztlich die Verantwortung abgegeben: An ein Lösungsmodell von außen, das pauschal angewendet werden kann und nicht reflektiert werden muss.

Verfremdete, überblendete, oft verzerrt gedruckte Fotografien kombiniert Barbara Rapp mit Malerei und Grafik zu Mischtechnik-Collagen mit starker Aussagekraft. Sie erweitert praktisch die klassische Malerei um zeitgemäße Disziplinen und Techniken, was auch als Tribut an die behandelten Themen zu verstehen ist.

So hinterfragt sie beispielsweise das katholische System rund um den Zölibat mit ihrer visualisierten Aufforderung ‚nehmet und trinket alle davon‘, oder stellt im ‚schauraum‘ die angesichts hereinstürzender Schlagzeilen zunehmende Resignation und Praktik des Wegschauens auf den einbeinig fragilen Pranger.

Und sie beschreibt die Hintergründe zu ‚gluttony‘, das sie für ein italienisches Kunstprojekt geschaffen hat:  „Interpretation der Völlerei als Zivilisationskrankheit, mit Umkehrwirkung hin zur Magersucht/Bulimie.

Dritte-Welt-Kinder werden körperlich ausgebeutet und intellektuell „unten gehalten“; praktisch dazu genötigt, ihren Kopf für die physische und psychische „Verstopfung“ der westlichen Gesellschaft hinzuhalten. Derweilen träumen magersüchtige Party-Girls von monströsen Silikon-Titten und kotzen sich unter Zwangsernährung die Seele aus dem Leib.“

Assemblage, Objektkunst und Video behält sich Barbara Rapp als weitere Disziplinen offen, um zusätzliche visuelle Möglichkeiten je nach inhaltlicher Notwendigkeit auszuloten. Wo beispielsweise zwanghaftes Ausbrechen aus normativen Strukturen zur Persiflage seiner selbst wird, setzt ihre ‚IndividualistenBox‘ die vermeintliche Errungenschaft „ich bin ja so was von individuell“ in kursorische Verschachtelungen zurück.

Eine ‚GenderBoxOpen‘ verschachtelt ebenso, lässt unspezifische Körperlichkeit mit symbolisierter Männlichkeit oder Weiblichkeit kokettieren. Doch im kontrollierten Durcheinander der Orientierungslosen bleibt der Blick nach draußen frei.

Marcel Ambrusch
(mit Auszügen aus Texten von Simone Kraft und Karl-Peter Gerigk)

 

Informationen zu Barbara Rapp:

Lebt in Velden am Wörthersee (Österreich), arbeitet in Österreich und Deutschland. Jahrgang 1972.

Autodidakt. Mitglied IG Bildende Kunst Wien (IAA), Künstlervereinigungen.

Malerei (Acryl Collage) & Grafik, Mixed Media, Objekt, Video.

Thematische Schwerpunkte: Individualismus. Gender. Gesellschaft.

 

Ausstellungen/Projekte (Auswahl): 2011 Galerie Peithner-Lichtenfels, AT-Wien / / 2010 BBK Projekt Zeitgleich-Zeitzeichen, D-Fröndenberg / / Human Rights 2010 by Spazio Tempo, I-Rovereto / / Galerie Viktoria B, D-Bonn / / stARTup Emerging Artists, I-Verona / / Brooklyn Art Library, USA-New York / / Galerie Rimmer, AT-Velden 2009 KiC Nord Art, D-Büdelsdorf / / Galerie Hexagone, D-Aachen / / Atlanta Airport Atrium Gallery, USA-Atlanta / / Galerie am Gierkeplatz, D-Berlin 2008 Kanoria Centre for Arts, IND-Ahmedabad / / KunsthausSudhaus, AT-Villach / / Kunstraum Engländerbau, FL-Vaduz / / Liquid Art+Design Show, D-Düsseldorf 2007 Kunstraum D21, D-Leipzig / / Transit South Pole, KG-Bishkek 2005/2006 Kunstquartier Wien, AT-Wien / / Rathausgalerie, AT-Friesach / / Kunsthaussudhaus, AT-Villach

 

Kataloge, Presse, Publikationen: Katalog Zeitgleich-Zeitzeichen ART & Dialog Herbst

2010, Hrsg. BBK Deutschland / / Interview auf ngo online Europa Nachrichten / /

kaernten.tv Beitrag 4:08 Min. / / Katalog „heute ist die krone fällig“ Barbara Rapp, Hrsg.

Galerie Rimmer / / Betrachtungen von Kunsthistorikerin Simone Kraft

 

Abbildungen in der Reihenfolge wie im Text erwähnt:  

1) nehmet und trinket alle davon collage & mischtechnik auf leinwand 70x100cm 2009  

2) schauraum interpretation 1 collage & acryl mischtechnik auf leinwand 40x30cm 2009  

3) gluttony (völlerei) - 7 Sünden Collage | Acrylmischtechnik ca. 80x60cm auf Frontlit-Vinyl ca. 100x80cm mit Hohlsaum & Rundholz oben/unten 2010

4) IndividualistenBox1 Collage/Acrylmischtechnik auf Schachtel 12x12x6cm mit Ausschneidung und Inneneinlage "...so was von individuell ... bin ich so was von ..." Wandobjekt | Objektbox 2010    

5) Gender Box Open Kartonbox mit Unterteilungen + Frischhaltefolie + Klarsichtabdeckung und Inhalt: CollageAcrylMischtechnik, Halm+Gummi, Schweinchen+Alugitter, Haarwicklerobjekt+Eigenhaar. ca. 16x30x6cm | 2011          

 

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26.08.2017 Mimik, Gestik und Zustand

GFDK - Jörg Schwarz

In seinen mehr als 50 Arbeiten nimmt uns der Künstler mit auf eine Reise in die schaurig-schönen Untiefen der menschlichen Psyche. Perlets Figuren trotzen der Schwerkraft –  es sind Wartende und sehnsüchtig Hoffende, die in träumerischen, oft surrealistisch anmutenden Situationen ihren Wünschen und Ängsten begegnen.

Mathias Perlet studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er war Meisterschüler von Professor Arno Rink. Ebenso wie sein Kommilitone Neo Rauch zählt auch der 1958 in Elgersburg geborene Maler zu den Vertretern der „Neuen Leipziger Schule“. Er selbst sagt dazu: „Malerei ist die einzige Möglichkeit für mich mit meiner Umwelt zu kommunizieren.“ Dann schweigt Perlet.

„Mathias Perlet steht mit seinen Arbeiten in der Tradition der figurativen Malerei. Er verbindet das alte Schöne mit ungewöhnlichen Inhalten, die zu Unbehagen führen. Deshalb haben wir ihn ausgesucht“, erläutert Galerist Peter Lewerentz und Kathrin Kleeberg ergänzt:  „Perlet sucht den non-verbalen Dialog.“

Nonverbale Kommunikation auf der Leinwand. Geht das überhaupt? Klar. Auf Perlets Arbeiten gibt es keine Sprache und somit auch keine eindeutigen Geschichten, sondern Mimik, Gestik und Zustand. Farbe, Komposition und Bildaufbau behaupten den Raum.

„Seine stark komponierten Bilder wirken friedlich und beunruhigend zugleich, so entsteht mitunter eine beinahe magische Spannung“, erklärt die Galeristin und Künstlerin Kathrin Kleeberg. „Bevor jemand meine Arbeiten zu Gesicht bekommt, habe ich bereits den Schlüssel zum Bild weit weggeworfen,“ entgegnet der Künstler und dreht sich weg. Lassen wir also die Bilder reden und schweigen.  

 

Jörg Schwarz
PR, Journalismus & Lyrik
Erftstr. 20
40219 Düsseldorf

Schwarz20@remove-this.aol.com

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26.08.2017 ein faszinierender Bildhauer

GFDK - Letizia Fiori

Walter Bischoff begegnete Lluis Cera vor vielen Jahren zum ersten Mal bei der ARCO Madrid. Der in Barcelona 1967 geborene und lebende Katalane ist ein faszinierender Bildhauer.

Lluis Cera ist 1967 in Barcelona geboren. Er hat an der Universität in Barcelona Bildhauerei studiert. Er erhielt 1993 sein Diplom. Seit ca. 12 Jahren ist Lluis Cera ein sehr angesehener Künstler. Seit 1995 hatte er weltweit viele Ausstellungen und Auszeichnungen.

1986 erhielt er den  Preis für Skulptur der Stadt Cartona. 1987 den Preis Miguel Casablanca, Barcelona, 2001 den Preis für Skulptur der Banca Caixa, Valencia und 2002 den Preis für Skulptur de Alawa. 2003 wurde in Seoul/Korea eine 7,50 m hohe Skulptur aufgestellt. Zuletzt wurde im August letzten Jahres eine 2,5 t schwere Skulptur im Kurpark von Bad Liebenzell aufgestellt.

Eine von Lluis Cera begeisterte Amerikanerin hat diese Skulptur in Auftrag gegeben und der Stadt Liebenzell geschenkt. Darauf folgten Ankäufe des Museums für Zeitgenössische Kunst in Seoul/Korea, des bekanntesten südkoreanische Schauspielers Noh und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Das Zitat von Herbert Marcuse „ Obgleich sinnlich und daher empfänglich ist die ästhetische Vorstellungskraft schöpferisch: aus einer freien eigenen Synthese heraus entsteht die Schönheit“- entspricht voll und ganz Cera´s Arbeit. Cera arbeitet unglaublich sensibel und präzise - Marmor wird weich wie Kissen, präzise sind die Verbindungen der verschiedenen Materialien.

Cera dringt mit seinen Skulpturen in ein kreatives Universum vor. Bei den verwendeten Materialien – vor allem Marmor, Granit, Eisen, Bronze, Holz und auch Kunstharz – ist Sachkenntnis angesagt, alle Verbindungen müssen millimetergenau passen. Die Beschaffenheit wie Härte, Struktur, Faserung, Farbe muss beherrscht sein.

Von der figürlichen Form Kommend, wird für Lluís Cera zunehmend die Abstraktion wichtig. Das gegenständliche wird aber nicht vernachlässigt. Oft sind die weich und leicht wirkenden Formen in massivem Eisen eingebettet oder es wird der leicht wirkende Carrara-Marmor mit anderen Materialien verzahnt. Je nach gewähltem Material werden literarische Texte oder Textfragmente teils in verschiedene Sprache eingemeißelt oder aufgetragen.

Bereit seit Beginn seiner Bildhauer-Karriere war es für Lluís Cera ein Bedürfnis seine Skulpturen in harmonischen Einklang mit Literatur zu verbinden.

Nicht nur Künstlerisches Können hat Lluís Cera bei seinen Skulpturen bewiesen, sondern auch daß er über eine hervorragende Einfühlungsgabe verfügt. Hinzu kommt noch die äußerste Präzision in der technischen Ausführung. Im Geiste wohnt die Erinnerung. Lluís Cera setzt seine Gedanken und Erinnerungen dreidimensional in eindrucksvollster Weise um.

 

Letizia Fiori

walter bischoff galerie

immaginaria arti visive gallery
Linienstr. 121, 10115, Berlin
Tel: +49 (0)30 60924258
Mobil: +49 (0)17667070498
www.galleriaimmaginaria.com

 

 

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21.08.2017 die Qualitäten des fotografischen Bildes

Christine Forstner

Da sich an der Thematik und den Geschlechterrollen in den letzten Jahren nichts geändert hat bringen wir noch einmal den Artikel zu der Fotokünstlerin Ilse Haider, die 2011 für ihre Arbeit, den Otto Breicha-Preis für Fotokunst bekommen hat.

Das Museum der Moderne Salzburg vergab den 13. Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011, an die in Salzburg geborene Fotokünstlerin Ilse Haider. Die ehemals Rupertinum-Fotopreis genannte Auszeichnung für ein beachtenswertes fotografisches OEuvre wurde mit der Gründung des Rupertinums im Jahr 1983 gestiftet.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre an einen österreichischen oder in Österreich lebenden Fotokünstler oder eine Fotokünstlerin verliehen. Ilse Haider setzt die Reihe der Preisträger nach Alfred Seiland, Otmar Thormann, Branko Lenart, Heinz Cibulka, Manfred Willmann, Walter Berger, Paul A. Leitner, Friedl Kubelka, Seiichi Furuya, Peter Dressler, Ferry Radax und Margherita Spiluttini fort.


Ilse Haider wurde 1965 in Salzburg geboren. Nach dem Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Arnulf Rainer und einer Ausbildung beim Fotografen Franz Hubmann studierte sie am Royal College of Art in London. Ihre künstlerische Sprache begründet sich in einer Verbindung von Fotografie und Skulptur, von bildhafter Oberfläche und dreidimensionalem Raum.

Ihre Thematik kreist um die Kritik an festgelegten Rollenbildern von „weiblich“ und „männlich“, von Stereotypen in Werbung und Alltag. Mit der Zuerkennung der Auszeichnung an die 45-jährige Künstlerin setzte die Jury einen Akzent in Richtung einer neuen Auffassung von Fotografie im Kunstkontext und für eine junge Generation von KünstlerInnen, die mit dem Medium Fotografie im erweiterten Sinn arbeiten.


Die Preisträgerin wurde auf Expertenempfehlung ermittelt. Die Jury bestand aus Christa Breicha, Philipp Otto Breicha, Margherita Spiluttini, Charlotte Kreuzmayr und Margit Zuckriegl. Der Preis erinnert an die Initiative des Gründungsdirektors des Museum der Moderne, Otto Breicha (1932 – 2003), der hier die erste fotografische Sammlung des Landes und den Rupertinum-Fotopreis etabliert hat.

Großer Dank gebührt Christa und Philipp Otto Breicha, die mit ihrem großzügigen Beitrag die Dotierung des Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011 in Höhe von Euro 5.000.- erneut ermöglichen.


Die Ausstellung mit Objekten und Fotografien der Preisträgerin zeigt die seit 1983 in Wien lebende Künstlerin als Grenzgängerin zwischen Bild und Skulptur, zwischen Fotografie und Inszenierung. Ihre Themen kreisen um scheinbar festgelegte Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft und deren Verunsicherung bzw. deren Dekonstruktion.

Der „schöne Mann“ wird gleichermaßen als Bild gezeigt, wie er als spielzeughaftes Objekt ironisiert wird. Die „ideale Frau“ als Schauspielerin oder antike Göttin wird in den fragmentierten Foto-Relief-Arbeiten in Facetten aufgelöst und damit gewissermaßen der Sichtbarkeit entzogen.

Stereotypische Bilder der Werbeästhetik - mit perfekten Körpern und sexgeladenen Symbolen - werden in den Bildwerken Ilse Haiders als „objets trouvés“, als Ausgangsmaterial für ihre Veränderungen und Metamorphosen verwendet.

 

Ilse Haider. Objekte und Fotografien
Otto Breicha-Preis für Fotokunst 2011
Ausstellung im MdM Rupertinum

 

Kontakt

MdM SALZBURG

Museum der Moderne - Rupertinum Betriebsgesellschaft mbH

Christine Forstner: Presse / Öffentlichkeitsarbeit

Mönchsberg 32, 5020 Salzburg • Austria

T +43.662 84 22 20-601

F +43.662 84 22 20-701

www.museumdermoderne.at

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20.08.2017 Abbild und Reflex unserer Alltagskultur

GFDK - Adina Rieckmann

„Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Erzählt Rainer Maria Rilke und weiter: „Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.“ Nadine Wölk hält sich nicht an Rilke. Dafür verliert sie sich zu oft in der Nacht. Wenn sie wenigstens nur ihren Nachbarn suchen würde, wenigstens nur ihn. Nadine Wölk aber ist ein echtes Nachtkind.

Sie sucht die wichtigste Eigenschaft der Nacht. Die Dunkelheit. Denn die Dunkelheit ist mächtig, sie macht, dass Nachtruhe herrscht, dass es überall still wird, ganz leise. Sie zieht einen tiefschwarzen Schleier übers Land, sie macht, dass wir nicht mehr genau sehen können, dass Schwarz und Weiß sich miteinander vermischen. Wenn wir dennoch Farben wahrnehmen, dann nur, wenn die hellsten Sterne leuchten. Und doch ist es nie wirklich dunkel.

Selbst bei klarem, mondlosem Nachthimmel ganz und gar ohne Fremdbeleuchtung: Der Himmel ist nicht vollständig schwarz. Lichter schwirren in der Luft, Glanzspuren, Reflexe, Fixpunkte, genauer gesagt, das Funkeln und Leuchten der Moleküle aus der Atmosphäre, die tagsüber von der Sonne
ionisiert wurden.

All diese Lichter aber sorgen für eine Magie. Für einen Zauber, den Nadine Wölk unbedingt auf der Leinwand festhalten will. Egal, wie viel Platz ihr der Rahmen dafür bietet, ob zwanzig mal vierzig Zentimeter oder zwei mal zwei Meter. Hauptsache festhalten.

Ihre Farben der Nacht komponiert sie stets aus dem Schwarz, aus der Dunkelheit heraus. Die Farben pellen sich geradezu aus dem Schwarz. Und so kommt es, dass Augen überdeutlich flackern oder den Betrachter mitunter mit hässlich verzerrtem Gesicht furchtlos, schamlos fixieren: Uns gehört die Welt, wir sind jung, wer bietet mehr? Platz da, hier bin ich.

Und manchmal ist in den Augen auch ein Glitzern, eine Art Kichern, einfach nur so, unbändig, ohne Sinn und Verstand, weil heute Vollmond ist, die Sterne so hell leuchten, weil das Leben schön ist, weil die Miete für diesen Monat bezahlt werden kann und es dennoch für ein Bier extra reicht, vielleicht auch für zwei.

Andere Augen wiederum verweigern sich dem direkten Blick, schauen sonst wohin, nur nicht zu uns. Es scheint, als verstecken sich die Abgebildeten, vor uns, vor sich selbst, als müssten sie sich schützen, unbedingt, als könnten wir in ihrer Mimik, ihrer Gestik Dinge ablesen, die ihnen nicht lieb sind. So sehr sie sich aber schützen, sich beiseite drehen, ihre Augen von uns abwenden, wir verstehen sie trotzdem, wir lesen diese Gesichter, diese Körper wie eine Landschaft, eine Seelenlandschaft.

Um all diese Menschen herum aber ist immer Licht. Licht, das flüchtigste Element, welches an den Leerstellen austritt, das be- und erleuchtet und das dem im Dunkel Verborgenen Form und Gestalt verleiht. In gleißendem Weiß, Rot, Blau oder Grün „brennt“ Nadine Wölk die Lichtspuren auf die Leinwände.

Diese Farbtupfer – das ist offensichtlich – sie sind ihre Glücksmomente, mit ihnen schafft sie einen ganz eigenen Zauber, den Nadine Wölk-Zauber, den, der ihre Bilder besonders macht, unverkennbar.

Statische Momente werden potenziert, eine Leuchtreklame, ein Verkehrsschild, eine Prosecco-Flasche, eine rote Pudelmütze, ein Hotdog, sie überstrahlen die eigenen Strukturen und bleiben doch ganz klar, fast überdeutlich, während Flüchtiges, ein Autoheck mit Fuck you, ein bewegter Lichtschein nur einen schwachen Eindruck, mehr einen Schatten auf der Netzhaut des Bildes hinterlässt.

Nadine Wölk moduliert und dirigiert mit schnellen Acrylstrichen einen harten Rhythmus auf ihre Bilder: Flirrendes Leben in der Tiefe des Bildraumes ebenso wie Schlaglichter in vorderster Reihe. Das hier sind alles Augenblicke, Schnappschüsse einer Nacht. Diese Momentaufnahmen findet Nadine Wölk beim Feiern und Grölen am Lagerfeuer, an den Bushaltestellen oder an der Autobahn.

Ununterbrochen fotografiert sie. Keiner der Freunde ist vor ihr sicher, egal, ob er Kette raucht, besoffen lallt, hysterisch kichert oder hilflos durch die Gegend zieht. Nachtgänger, die, im Licht stehen, detailgetreu wie ausgeschnitten, gesteigert durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast. Und dann stehen dort noch jene im Dunkeln, die wir nicht sehen können, nur ahnen.

Das sind jene, die, wenn die Turmuhr schlägt, zurück in ihre Löcher kriechen, die Nadine Wölk mit dicken Farbschichten übertüncht hat, beseitigt, für immer und ewig unter Quasten getilgt. Denn der Tag soll nicht bei der Nacht schlafen, er ist hier fremd, er gehört hier nicht hin. Das ist die Stunde der Nachtgestalten, der Paradiesvögel, der Kinder der Nacht.

Ob die Porträtierten sich immer in den Bildern und Zeichnungen von Nadine Wölk wieder finden? Will man sich wirklich so sehen, mit schiefem Blick, mit grölendem Mund, mit fahrigen Händen? Vielleicht ist ihre Sprache die ihrer Generation? Sie ist es unbedingt. Nadine Wölk, Jahrgang 1979, malt kaum Ältere, immer wieder aber Gleichgesinnte.

Ihre Porträts machen glauben, als wäre, was erzählt wird, längst Gegenwart und somit vergangen. Was fast wie eine Hoffnung wirkte, wenn das nicht die Zeit wäre, die aus den Fugen gerät. Vielleicht kann man auch mit Schnappschüssen die Zeit nicht festhalten. Vielleicht zählt nur die Idee, nicht das wirkliche Leben. Die vielen Abzüge aber füllen den Tisch im Atelier, in der Wohnung.

Eines Nachts nimmt der Nachtmensch Nadine Wölk all die Abzüge in die Hand und schaut sie sich an, immer wieder. Bis es klick macht, bis sie nicht mehr sieht als auf dem Foto zu sehen ist, bis sie die Wirklichkeit ausgeklammert hat, bis sie nur noch den Geruch spürt, das Lachen hört, das Schreien.

Dann erst fängt sie an, dann erst bearbeitet sie die Leinwand, das Papier. Bei allem Realismus, sagt sie, man muss auch erkennen, dass es ein Bild ist, das es lebt, dass die Farbe noch läuft. Zum Schluss zähle ohnehin nicht mehr das Foto, sondern nur noch die Erinnerung an den einen Augenblick, an die Situation, die sie festgehalten hat: Ich bin schließlich keine Fotografin. Ich iefere keine Fotos, keine Dokumentationen.

Die späten Stunden im Atelier sind für die HfBK-Absolventin und Meisterschülerin von Martin Honert ganz besondere Augenblicke. In diesen Stunden besinnt sie sich, ist sie kreativ, sieht sie um sich herum all die Freiräume. Jetzt in der Nacht – zurückgezogen in ihrem kleinen Atelier – kann sie die Geschehnisse des Tages reflektieren, schöpft sie Kraft und Inspiration und Klarheit.

Und so ist in der Tat alles auf den Arbeiten von Nadine Wölk ganz klar und gleichzeitig auf das Wichtigste reduziert, es fehlt nichts, nicht mal ein Hauch, es ist alles gesagt. Immer aber – selbst wenn wir nur eine einzelne Person sehen, ein kleines Detail – füllt Nadine Wölk ihre nächtlichen Szenen mit reichen Assoziationen, tiefen Emotionen und poetischen Stimmungen aus.


Das wir uns dennoch nicht missverstehen: Hier ist nicht die Idylle zu Hause, das Friede-Freude-Eierkuchen. Viele Blicke haben etwas Einschüchterndes, etwas Aggressives, etwas Unruhiges an sich. Manche ihrer Arbeiten allerdings sind auf eine eigenwillige Weise laut, fröhlich, makaber. Die Thüringer Bratwurst
auf dem Rost wird zu einer Ikone stilisiert, auch wenn sie manch einen her abstößt.

Das Pommesfressende dicke Eichhörnchen ruft eher Abscheu hervor als Begeisterungsrufe: Oh wie niedlich. Und auch der weiße Hund wird eher fortgejagt als mit Mitleid überzuckert. So süß ist er nun auch nicht. „Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Erzählt Rainer Maria Rilke. „Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht und du sollst ihn nicht suchen trotzdem. Und machst du nachts deine Stube licht, um Menschen zu schauen ins Angesicht, so mußt du bedenken: wem.“


Ich bin sicher, Nadine Wölk weiß sehr genau, wem sie ins Angesicht geschaut hat. Nämlich ihren Freunden und sich selbst. „Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.“ Wohl aber für eine mutige junge Frau. Für eine, die sowohl die Stille aushält als auch die Unruhe, für eine, die sagt: „Ich will nicht für reiche Villenbesitzer malen. Ich male für meine Generation. Für wen denn sonst?“

Was Nadine Wölk auszeichnet, ist nicht nur ihr eiserner Fleiß, auch die innere Anteilnahme. Sie ist keine Voyeurin, dennoch beobachtet sie ihre Freunde, ihre Familie sehr genau, vielleicht auch genauer als ihnen allen lieb ist. So ist das eben. Wenn Menschenkinder wie Nadine Wölk laut sind, dann sind sie eben laut. Dann gehen sie in der Nacht wenigstens nicht unter.


Adina Rieckmann

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