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23.03.2009

Kunst für die Nase - Duft für die Sinne: Die Duftmesse der Duftliebhaber Sniffapalooza

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Es duftet nach Vanille und Holz, nach Pfeffer, Rosen und Nelken, nach Bambus und Jasmin. Für manchen riecht es so stark, dass er Kopfschmerzen bekommt. Doch für die Parfümjunkies von „Sniffapalooza“ ist die Duftmesse am Wochenende im Malkasten ein Paradies. Sie sprühen, tupfen und schnüffeln sich durch die unterschiedlichen Stände auf der Messe von Ulrich Lang  bis Serge Lutens, von Esteban bis Lorenzo Villoresi. Und die Duftenthusiasten werfen beim Workshop von Parfumeur Thorsten Biehl auch einen interessierten Blick hinter die Kulissen.

 

In Deutschland hat der Düsseldorfer Frank J. Schnitzler die Duftmesse mit ins Leben gerufen. „Es gibt immer wieder wunderbare, neue Schöpfungen“, sagt er, „denn der Wunsch der Kunden nach Individualität wird immer größer“. Das bestätigt auch Karen Dubin. „Wir feiern Parfüm“, sagt die Gründerin der internationalen Duftliebhaber-Gemeinschaft „Sniffapalooza“. „Wir begreifen Düfte als eine Kunstform. Wir kritisieren nicht, sondern probieren alle Parfüms aus.“ Und vor allem kaufen die Duftfanatiker ein. Das macht sie auch so interessant für die Parfum-Industrie. „Wir haben ihnen Konsumenten gezeigt, die sie nicht kannten“, erzählt Frau Dubin. „Wir kennen uns aus und sind neugierig. Deshalb sind die Geschäfte an unserer Meinung interessiert.“

 

Über die Liebe zum Parfüm und zum Einkaufen hat sich die Gruppe vor sieben Jahren auch gefunden. Beim ersten Mal trafen sich vier Leute. „Es war wunderbar mit Menschen einkaufen zu gehen, die dasselbe lieben wie man selber“, sagt Dubin. Die Gruppe wurde mit jeder Veranstaltung größer. Mittlerweile sind 500.000 Duftlieber in dem internationalen Netzwerk vereinigt.

 

Unterstützt wird „Sniffapalooza“ vom Parfümkritiker der New York Times, Chandler Burr. „Ich hatte nie Interesse an Parfüm“, sagt Burr, der eigentlich internationale Wirtschaft studiert hatte. Doch dann traf er am Pariser Gare du Nord einen Parfumeur und war so begeistert von dem Mann, dass er ein Buch über ihn schrieb. Als die New York Times ihn bat, Kolumnen für sie zu schreiben, tat er das unter einer Bedingung: „Parfüm ist Kunst und Bedarf einer Kunstkritik“. Die New York Times stimmte zu und leistet sich seither einen Duftkritiker. Blurr ist seitdem begeistert von seiner „wunderbaren Freiheit“. Denn die meisten Journalisten, die über Parfüms schreiben, seien von den Parfümherstellern als Anzeigenkunden abhängig und würden jeden Duft in den Himmel loben und somit Blödsinn schreiben, kritisiert er die Kollegen.

Blurr selbst prüft die Düfte nach vier Kriterien:

1. Nachhaltigkeit (Wie lange bleibt der Duft auf der Haut?);

2. Diffusion (Ein technisches Problem, das Können des Duftdesigners voraussetzt);

3. Struktur (Passen die Moleküle zueinander? Ebenfalls eine technische Bewertung);

4. Subjektive Meinung (Dabei geht es Blurr vor allem darum, ob der Duft neu und überraschend ist, er sein Denken und Fühlen positiv beeinflusst).

Und es gibt ein Knock-out-Kriterium für den New Yorker: „Ein Parfüm muss Originalität haben, sonst erhält es Null Punkte“.

Insgesamt verteilt der Parfümkritiker fünf Sterne und erhält selbst nach einem Verriss noch Unterstützung von den Herstellern. So watschte er das Parfum „Un jardin après la Mousson“ von Hermés ab und trotzdem sagen die Franzosen: „Einen wichtigen, unabhängigen Kritiker zu haben, ist wichtiger als alles andere“.

Chantal Tajdel

 

Termine und Infos zur Duft-Messe:

Vom 20. bis 22. März 2009 hat die erste offizielle „Sniffapalooza“ in Deutschland stattgefunden. Anlass war eine „Duftmesse“ im Düsseldorfer Malkasten, auf der Parfümeure und Hersteller ihre neuesten Kreationen präsentieren. Die Veranstalter der Duftmesse und damit Gastgeber für das Sniffapalooza, sind “Premier de Luxe”, ein Zusammenschluss von 15 Parfümerie-Inhabern mit insgesamt 80 Parfümerien in Deutschland und eine Division der COSPAR Cosmetic & Parfümerie GmbH, Osnabrück, Schnitzler Consulting, Düsseldorf sowie Pentacom Agentur für Public Relations und Marketing, Krefeld.

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