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01.02.2014 Und täglich grüßt das Murmeltier

Sodastream Werbespot mit Scarlett Johansson wird zum politischen Kampfgebiet

von: GFDK - Gottfried Böhmer

Während weltweit die Fans dem Finale der American National Football League am 2. Februar 2014 entgegenfiebern, bringen sich die Unternehmen mit ihren Werbespots schon in Stellung.

Für die Werbespots beim Superbowl geben die international agierenden Unternehmen Unsummen aus. Es werden Hollywood-Stars und Top-Regisseure engagiert, um ein Millionen Publikum zu erreichen. Zum Superbowl-Finale ist ein unbedingtes Muss aufwendige und teure Spots dem Publikum zu präsentieren. Ein 30 sec Spot kostete 2013 schon 3,8 Millionen US-Dollar. Die Big-Player machen es aber nicht unter 1 Minute und so sind es dann 7,6 Millionen US-Dollar plus Produktionskosten, die oftmals im mehrstelligen Millionenbereich liegen.

Gewaltiges Kommerz-Spektakel

Viele dieser Spots haben es in der Vergangenheit zu Kultstatus zB. der VW Spot Darth Vader gebracht. Dieser wurde übrigens nach der Superbowl Ausstrahlung zum besten Werbespot in den USA gekürt. Aber nicht jeder darf bei diesem Mega-Event dabei sein.

Wie die Freunde der Künste schon in ihrem Marketingnews berichteten wurde der TV Spot mit Scarlett Johansson, der von Sodastream produziert wurde, vom Superbowl ausgeschlossen. Sodastream hatte den TV-Spot eigens für den Superbowl kreieren lassen.

Henner Rinsche, Regional General Manager, Germany, Austria, Switzerland von Sodastream hatte schon gestern Abend gegenüber der Redaktion von Freunde der Künste sein Unverständnis darüber klargestellt. So wie es aussieht will der US-Sender VOX wohl auf Intervention der Big-Player/ Großinvestoren Coca Cola und Pepsi den Sodastream Spot nicht senden.

Sodastream präsentiert sich in dem TV-Spot als umweltfreundliches Unternehmen gegenüber den beiden Süßzucker-Getränke-Mischern Coca-Cola und Pepsi. Der Hollywood-Star Scarlett Johansson hat mit nur 4 Worten die Getränkeriesen zur Weißglut gebracht "Sorry, Coke and Pepsi" haucht sie dem Publikum entgegen. Das war zu viel für die angeschlagenen Gemüter in den Vorstandsetagen der beiden "Zuckerriesen", die nach Sicht des Werbespots nahe der Ohnmacht gewesen sein sollen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Schon 2013 haben die Superwerbe- "Zuckerkunden" Pepsi und Coca Cola einen Werbespot von Sodastream zum Superbowl 2013 gekippt. Der US TV-Sender CBS wollte den Spot des Wassersprudler Herstellers nicht ausstrahlen. Zuvor hatte Sodastream Coca Cola schon einmal mit einem Spot bloßgestellt. Auch diesen Spot hatte Coca Cola in Großbritannien gerichtlich verbieten lassen.

Alex Bogusky hatte den provokanten Spot kreiert, der zeigte, wie Coca Cola Flaschen auf Knopfdruck in ihren Kästen platzen. Woraufhin dem Management von Coca Cola der Kragen geplatzt ist.

Rückblick:

Schon 2012 hatte Coca Cola versucht eine Aktion von SodaStream, mit der der Hersteller von Trinkwassersprudlern auf die verheerende Umweltschädigung von PET-Flaschen hinweisen wollte, zu verhindern. SodaStream hatte einen Käfig gegenüber dem Coca Cola Museum in Altanta aufgestellt, der mit Tausenden Wegwerfflaschen und Getränkedosen der Marke Coca Cola gefüllt war.

Trinkwassersprudler gegen das Kartell der Getränkeindustrie

Weltweit hatte SodaStream 30 Installationen (Käfige) aufstellen lassen, um auf das riesige Problem und die Umweltbelastung mit den Wegwerfflaschen aufmerksam zu machen. Unvorstellbare 1 Milliarde Flaschen und Dosen landen täglich in Flüssen Ozeanen und auf Müllkippen.

Umwelt und gesundheitsschädlich

Anmerkung der Redaktion: Zucker ist ein Todfeind für unseren Körper, er macht krank, antriebslos, müde und depressiv. US-Experten halten Zucker für einen der größten Killer der Menschheit überhaupt und sagen, dass es schädlicher sei als Alkohol. Nach Schätzungen der US-Experten gehen 35 Millionen Todesfälle jährlich auf das Konto von Zucker.

Hier nur mal zum Vergleich, in einem Liter Coca Cola sind 110 g Zucker, das entspricht ca. 37 Zuckerwürfeln oder anders: stellen Sie sich einmal vor, Sie würden eine Tasse Kaffee (0,2l) mit 7,5 Zuckerwürfeln trinken und davon 5 am Tag. Abgesehen davon, dass dies wohl kaum einer tut, hätten Sie wahrscheinlich keine große Lebenserwartung.

Der Werbespot wird nun aber zum Politikum

Während Sodastream noch an der Werbefront kämpft, wird die Schauspielerin Scarlett Johansson wegen ihres Werbevertrags mit dem Wassersprudler Hersteller von Pro-Palästinensischen Aktivisten attackiert. Sodastream produziert seine Wassersprudler in einer Siedlung im West-Jordanland, das von den Palästinensern beansprucht wird. Die US-Schauspielerin hatte sich die letzten Jahre für die Entwicklungsorganisation Oxfam als Botschafterin engagiert.

Diese Zusammenarbeit hat Scarlett Johansson nun für beendet erklärt, da Oxfam jeden Handel mit Erzeugnissen aus diesen Gebieten ablehnt, ohne die Hintergründe zu berücksichtigen. Das Wassersprudler Unternehmen sieht wie die Johansson die Produktion in diesem Gebiet als Friedensmission zwischen Israel und Palästina an. Wörtlich meinte sie: Sie sei "eine Unterstützerin der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und des sozialen Austausches zwischen Israel und Palästina".

Werbevertrag zwischen Scarlett Johansson und Sodastream sorgt für künstliche Aufregung

So ganz dürfte die Johansson damit auch nicht falsch liegen. Das Sodastream Management hat noch einmal betont, dass sie die Produktionsstätte im West-Jordanland für ein Friedensmodell aufrechterhalten habe. Vorstandschef Daniel Birnbaum ließ uns über Henner Rinsche mitteilen, dass die Firma dabei helfe hunderte Palästinensische Familien zu ernähren und jeder Tag beweist, dass Frieden zwischen den Völkern möglich ist. "Irgendwo muss man ja mal anfangen", so Birnbaum.

Deutsche Leitmedien

Während einige deutsche Leitmedien mal wieder liebend gerne untergründige Ressentiment schüren, gibt sich Scarlett Johansson kämpferisch "Sodastream wolle eine Brücke zum Frieden zwischen Israel und Palästina bauen", betonte die Johansson in einer Erklärung. Die Schauspielerin wies nochmal daraufhin, dass in der Fabrik "Nachbarn Seite an Seite" arbeiten. Israelis und Palästinenser erhalten den gleichen Lohn, die gleichen Sozialleistungen und haben die gleichen Rechte.

Das Engagement von Sodastream im Westjordanland

Der Konflikt zwischen Sodastream, Pepsi und Coca Cola soll wohl zu einem Politikum hochgeschaukelt werden, um von den gesundheits - und umweltschädlichen Verhalten der beiden US-Konzerne abzulenken die mit vielen Milliarden Werbedollar ihre Stellung behaupten.

Daniel Birnbaum meinte "es wäre für ihn das leichteste die Fabrik zu schliessen, damit wäre den palästinensischen Mitarbeitern aber nicht geholfen. Die Koexistenz sei ein Beispiel für Frieden in einer Region, die so viele Probleme hat und so viel Hoffnung braucht".

Die unangemessene Kritik einiger Medien, immer auf der Suche nach dem Haar in der Suppe, führt allerdings dazu, dass Sodastream nun anscheinend einen Umzug ihres Werkes plant. Für die palästinensischen Angestellten, 500 an der Zahl und ihre Familien sind das keine guten Nachrichten.

Anmerkung der Redaktion: Selbstverständlich wissen wir auch, dass Sodastream mit seinen Werbebotschaften kommerzielle Ziele verfolgt, allerdings halten wir das für einen Kampf David gegen Goliath, auch weil die beiden US-Konzerne eine unverhältnismäßige Medienmacht ausüben können. Und davon mache sie reichlich Gebrauch.

Des Brot ich ess, des Lied ich sing

Die Groteske in den deutschen Medien läßt sich an einem einzigen Satz aufzeigen. Der Spiegel schrieb heute: 30.1.2014 "von einer beleidigenden Passage in dem Werbespot von Sodastream". Schauen Sie sich den Werbespot an, den wir unten eingebaut haben und suchen Sie die Beleidigung. Viel Spaß dabei.

Gottfried Böhmer

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